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Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Do 17. Okt 2019, 19:41
von migoe
Liebe Besucher/innen des Liedermacher-Forums,

Ihr habt richtig gelesen - ich stelle hier die Frage in den Raum, ob es in Deutschland (und auf dem Liedermacher-Forum) in der heutigen Zeit noch möglich ist, frei und offen sein Meinung sagen zu können, ohne gleich gesellschaftlich geächtet zu werden!

Ich höre die Fragen und "Ängste":
-> Was hat das hier auf einem Forum über Liedermacher zu tun?
-> Warum soll ich hier meine Meinung sagen, wo doch eh alle in eine bestimmte Richtung denken?
-> Wenn ich hier schreibe, was ich denke, werde ich sofort zurechtgewiesen oder abgestempelt!
-> Bevor ich hier ärger bekomme, bin ich lieber ruhig!
-> Hier auf dem Forum darf man sowieso nur in eine bestimmte Richtung denken und argumentieren!
-> ...

Gerade deswegen möchte ich hier mit diesem Beitrag einen Anstoß geben für einen offenen Meinungsaustausch und hoffe, es finden sich "gleich Gesinnte", die den Mut und die Bereitschaft haben, sich darauf einzulassen.

Bitte führt diesen Meinungsaustausch respektvoll und im Sinne der Verhaltensregeln dieses Forums!

Einleitung:
Ich bin mir bewusst, dass ich mit diesem Beitrag ein heikles Thema anspreche, will mich aber damit auseinandersetzen und hoffe, es kann sich hieraus ein hilfreicher und fruchtbarer Meinungsaustausch im besten Sinne ergeben. Wenn es in (m)einem Forum nicht mehr möglich ist, sich über unterschiedliche Ansichten und Meinungen auszutauschen, dann bitte wo? Sollte dies wirklich nur noch bei Twitter und Facebook möglich sein?

Auf die Studie gestoßen bin ich durch folgende Artikel:
https://www.zeit.de/kultur/2019-05/mein ... eutschland

https://www.bild.de/politik/inland/poli ... .bild.html

https://www.welt.de/politik/article1939 ... aenkt.html

https://www.focus.de/finanzen/news/tid- ... 11015.html

https://www.spiegel.de/politik/deutschl ... 47995.html

https://stefan-fries.com/2016/01/21/mei ... agen-will/

https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpol ... 48799.html

Hier ist die Studie, um die es mir geht und die im Mai 2019 veröffentlich wurde:
https://www.ifd-allensbach.de/fileadmin ... eiheit.pdf

Das Fazit dieser Studie geht tendenziell in die Richtung, dass es sehr viele Menschen gab, die angaben, sich in der Öffentlichkeit und vor allem im Netz nicht frei und offen zu äußern, weil sie erlebt haben, dass es sehr schnell unangenehm wird, wenn man seine Meinung schreibt.

Die verlinkten Beiträge der verschiedenen Online-Magazine und -Zeitungen nehmen die Ergebnisse der Studie auf und sind entweder als redaktioneller Artikel oder teilweise als persönlicher Kommentar formuliert und verfasst.

Mir ist klar, dass es sich bei den verlinkten Online-Auftritten um allgemein bekannte und seit Jahren etablierte Verlage handelt, die von einige Menschen zu den sogenannten "Mainstream-Medien" gezählt werden. Das sehe ich genauso und genau deshalb führe ich sie auch hier auf. Vielleicht gibt es ja auch Artikel zu diesem Themenkomplex, die außerhalb des Mainstreams verfügbar sind und die jemand hier teilen möchte, selbstverständlich sollten die Inhalte für jeden frei zugänglich sein, ohne einen Registrierungszwang oder so.

Was hat das jetzt mit dem Liedermacher-Forum zu tun?
Vor einiger Zeit wurde ich einmal von einem Besucher des Forums darauf angesprochen, er hätte das Gefühl, hier auf dem Forum würden keine Diskussionen mehr stattfinden, weil es in der Vergangenheit einige Themen gegeben hätte, bei denen die "mutigen" Diskutanten "fertig gemacht" worden wäre, nur weil ihre Meinung nicht dem der Allgemeinheit (Mainstream!?) entsprachen. Es wäre hier auch nicht möglich, mit Aussagen zu provozieren, ohne gleich "zurechtgewiesen" zu werden. Aus diesem Grund würde auch er nicht mehr so viel schreiben oder sogar Beiträge von bestimmten Usern bewusst ignorieren und er wäre sich sicher, dass es auch vielen anderen so gehen würde. Am Ende meinte er auch, es wäre schon ok, er hätte es nicht nötig, sich hier von anderen maßregeln zu lassen und würde halt ab und zu mitlesen, aber sich nicht mehr einbringen.

Seit diesem Gespräch geht mir die Frage nicht mehr aus dem Kopf, ob es sich wirklich so verhält und ob ich das gut oder schlecht finde.

Dazu stelle ich mir (und Euch) noch weitere Fragen, nämlich:
  • Was sagt es über das Liedermacher-Forum aus, wenn es hier auch so ist wie bei Facebook oder Twitter und ein Teil der Besucher sich nicht mehr "verstanden" fühlt?
  • Was kann/soll geändert werden, damit diese Entwicklung wieder in die andere Richtung geht?
  • Braucht es neue "Regeln" oder reicht "mehr Toleranz und Respekt"?
  • Wer muss wem gegenüber toleranter und respektvoller sein?
  • Wie verhalte ich mich und was muss ich persönlich anders machen?
  • Welche Vorurteile habe ich gegenüber bestimmten Personen oder Meinungen/Argumenten?
Tja, soweit meine Gedanken aufgrund dieser Ergebnisse aus der Allensbach Studie und der allgemeinen Beobachtung und dieses konkreten Gespräches mit dem Forenbesucher vor einiger Zeit.

Bin gespannt, ob es Meinungen dazu gibt!

Re: Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Do 17. Okt 2019, 20:32
von fille
Hallo migoe,

wirklich ein gutes Thema! Die Studie habe ich noch nicht angeschaut. Später dann..

KANN man seine Meinung noch in Deutschland (und im Forum) äußern? Ja, man KANN.
Aber es sollte schon der Einheitsmeinung entsprechen... (Achtung Ironie)

Noch mehr Toleranz? Was ist schon Toleranz? Die muss ja leider der einheitlichen Meinung
entsprechen. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich nicht immer der Meinung der anderen
bin. Aber die Lust zum Diskutieren vergeht einem schon.

Und jetzt bin ich schon wieder meinen Prinzip untreu geworden. Ich wollte ja das
"politische Forum" nicht mehr lesen :-)

Einen schönen Abend wünsche ich euch allen.

Liebe Grüße, Marianne

PS: Nieder mit der Einheitsmeinung! Aber wenigstens: Die Gedanken sind frei...

Re: Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Fr 18. Okt 2019, 09:43
von Nicky
Hallo migoe,

ein feines – aber auch mutiges Thema, dass du auf den Tisch bringst.
Erst gestern abend war es noch Thema bei uns, ob man noch offen seine Meinung sagen darf, weil auch ich die besagten Zeitungsartikel gelesen habe.
Ich kann aus meiner Sicht nur sagen; Ja., ich kann meine Meinung noch offen sagen, bzw. ich scheue mich nicht meine Meinung zu sagen.

Natürlich gibt es viele Themen, zu denen man eine Meinung haben kann, z.B. Finde ich dieses oder jenes Lied gut? Kann man sich so oder so verhalten......?

Aber richtige aufreger Themen sind ja die Politischen. Und dazu habe ich eine klare Meinung, die ich auch offen äußere. Mit wem und wie lange ich dann diskutiere, ist Themen-und Diskussionmitglieder abhängig. Wenn ich merke, dass man sich im Kreis dreht beim diskutieren, ziehe ich mich auch zurück. Genauso bei Diskussionen mit Leuten, die eine zu extreme Meinung haben. Um es mit Hannes Waders Worten zu sagen: Mit Nazis rede ich nicht.
Aber auch, wenn ich „des lieben Friedens willen“ dazu genötigt werde dieses oder jenes nicht mehr zu schreiben, vergeht mir die Lust am Diskutieren.

Mein momentanes Lieblings T-Shirt ist mit folgendem Satz bedruckt: „Wer keinen Bock auf Rassistische Kackscheisse hat, ist übrigens nicht links, sondern normal“

Dieser Aufdruck sagt schon viel über meine Meinung aus und führt auch hin und wieder zu interessanten Gespächen mit anderen.

Wer wie ich offen zu vielen Themen seine Meinung. sagt, muss aber natürlich auch einstecken können. (kann ich meistens) ;-) Besonders, wenn man gerade eine andere Meinung hat als die Masse. Ein paar Beispiele.

So finde ich die Friday for Future Bewegung mit der Glorifizierung ihrer 16 jährigen Anführerin auch mehr als grenzwertig. Ja, es muss mehr für den Klimaschutz getan werden. Keine Frage. Da muß jeder sein eigenes Verhalten hinterfragen und auch ändern. Ob das durch Schuleschwänzen gelingt, wage ich zu bezweifeln. Ob man alle anderen wirtschaftlichen Themen dabei außer Acht lassen sollte wage ich auch zu bezweifeln. Mir ist klar, dass ich mit dieser Aussage jetzt viele gegen mich aufbringe, aber ich kann sowas auch nicht einfach runter schlucken, nur weil meine Meinung dazu nicht massentauglich ist.

Oder die Situation gestern bei Aldi an der Kasse. Eine alte Dame vor mir kauft einen Weihnachtstern (Pflanze mit meist roten oder weißen Blüten, die oft zur Weihnanchtszeit hin verkauft wird) . Auf dem digitalen Kassenschild wird „Herbststern“ angezeigt. Auf meine Frage hin an den Kassierer, ob es sich um eine andere Pflanze handeln würde als um den mir bekannten „Weihnachtsstern“ meinte der Kassierer, dass es ein Weihnachtsstern wäre, man ihn aber aus Rücksicht nicht mehr so nennen dürfte. Auch da kann ich mich mit meiner Meinung nicht zurück halten.
Ich lebe in Deutschland. Hier ist Weihnachten ein anerkannter Feiertag. Da will ich auch einen Weihnachtsstern beim Namen nennen können, Das Lichterfest heißt eigentlich St. Martin und die Jahresendfeier war bis vor einiger Zeit noch eine Weihnachtsfeier. Ich will mir meine Kultur nicht nehmen lassen und dass kann ich auch sagen, ohne dabei Ausländerfeindlich zu werden.

So könnte ich jetzt stundenlang weiter schreiben....wenn ich nicht gleich zur Spätschicht müßte... ;-)

Liebe Grüße
Nicole

Re: Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Fr 18. Okt 2019, 10:28
von Mithrandir
Lieber Migoe,
ich will versuchen, mich möglichst kurz zu fassen.
Meinungsfreiheit bedeutet für mich, meine Meinung frei artikulieren und veröffentlichen zu können. Im Rahmen geltender Gesetze ist das mE in Deutschland gegeben. Meinungsfreiheit bedeutet NICHT, keinen Widerspruch zu erhalten. Jeder andere hat auch das Recht auf seine Meinung, auch wenn sie diametral der meinen gegenüberstehen sollte. Ich muss also damit rechnen, zu meiner Meinung angefragt zu werden. Bis dahin ist das für mich ganz in Ordnung. Für diese Freiheit haben Generationen vor uns hart und opferreich gekämpft.
Problematisch wird es für mich bei der Art und Weise, wie derzeit häufig aus durchaus verschiedenen Richtungen das je eigene Recht auf Meinung vorgetragen wird - indem nämlich aus der eigenen (Gruppen-)Meinung eine unhinterfragbare Ideologie gemacht wird. Dabei droht ein besonders bedeutsamer Bestandteil von Demokratie Schaden zu nehmen oder gar zu verschwinden: der Kompromiss.
Heißt für mich in Kürze: sagen kann man (jedenfalls derzeit) seine Meinung schon - es mangelt jedoch an einem reifen und respektvollen Umgang mit der Meinung anderer. Das allerdings hat das Potential, zum Problem werden zu können, denn der Gipfel einer solchen Entwicklung ist bekanntermaßen die Diktatur.
(Ausführlicher ginge immer ;-) , nun aber Schluss ...)

liebe Grüße
bis bald
hier oder woanders
Stephan

Re: Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Fr 18. Okt 2019, 12:46
von Michael
Hallo,

ich sehe es wie Stephan, viele Leute verwechseln das Recht auf Meinungsäußerung mit dem Recht auf eine unwidersprochene Meinung. Viele tun sich schwer mit Widerspruch und erzählen was von "Denkverboten" - vielleicht, weil ihnen die Argumente fehlen. Das ist natürlich Humbug. Man muss gar nicht ins Internet gehen, schon die gute alte Zeitungslandschaft bietet einen großen Potpourri von ganz verschiedenen Meinungen, von irgendeiner "Einheitsmeinung" kann ich nirgends was erkennen. Es werden ja inzwischen sogar Dinge diskutiert, von denen ich geglaubt hätte, es herrscht eigentlich Konsens. Dass eine als liberal geltende Wochenzeitung ernsthaft die Frage aufwirft, ob man Menschen in Seenot retten sollte, hätte ich mir nicht vorstellen können. Diese Frage hielt ich für seit den Zeiten des Odysseus geklärt.

Inzwischen schaukeln sich Debatten hoch und aus Petitessen werden Staatsakte gemacht. Insofern kann ich verstehen, dass man nicht immer oder in allen Kreisen zu allem seine Meinung sagt - man weiß ja nie, wie das Gegenüber reagiert. Aber, wenn wir ehrlich sind, war das doch früher auch schon so. Politik und Religion waren schon immer eine heikle Angelegenheit, die sich selten zum Small Talk mit fremden Personen eignen. Warum es schnell zu Aggressivität kommt - keine Ahnung, das Internet mit seinen Filterblasen und seinem haufenweise herausgeblasenen Blödsinn ist das eine, das andre ist vielleicht: Wir haben das Streiten verlernt - warum auch immer. Bestimmt nicht, weil alle der gleichen Meinung waren. Lernt man debattieren denn noch in der Schule?

Und noch ein Tipp für die nächste Diskussion bei Aldi:
Die "Euphorbia Princettia" ist eine Pflanze, die von September bis Februar blüht. Sie ist vor einigen Jahren gezüchtet worden, um die Blühzeit der "Euphorbia pulcherrima" zu verlängern. Also, die Gärtner wollen ihr Gestrüpp auch außerhalb der Weihnachtszeit verkaufen und nehmen deshalb den Namen "Herbststern", weil - wer kauft im Oktober schon was mit dem Namen "Weihnachten". Google-Dauer: 0,34 Sekunden.

Liebe Grüße, Michael

Re: Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Fr 18. Okt 2019, 14:04
von moni
Oh ja, ich sehe es so, dass man seine Meinung sehr wohl sagen kann.
Gegenwind bekommen, diskutieren, alles kein Problem, auch mit unterschiedlichen Ansichten wieder auseinandergehen, bis zu einem gewissen Punkt auch akzeptabel.
Pöbeln, anschreien, nicht zu Wort kommen lassen, ist keine Meinungsäußerung.
Ich sage heute mehr und deutlicher meine Meinung als noch vor ein paar Jahren. Wobei mir dabei, das im Satz obendrüber in der letzten Zeit oft, zu oft passiert ist. Das lässt mich manchmal fast verzweifeln.
Der Weihnachtsstern, Adventkranz, St. Martin usw. bleibt bei mir und in meiner Kita auch weiterhin unter diesem Namen obwohl wir keine konfessionelle Kita sind. Wir feiern auch einen Gottesdienst vor dem Martinsumzug. Wer dorthin kommt macht es, die Anderen laufen danach beim Umzug, mit Pferd und Reiter, mit.
Dieses ändern der Namen ist absoluter Quatsch. Das verlangt überhaupt niemand.
Da preschen einige Menschen mit gutgemeinten Ideen vor, die am Ende nur zu einem nicht notwendigen, fürchterlichen Aufreger werden. Das wird am besten dann in der B... ausgeschlachtet und Schuldige benannt, die sich über die Namen der christlichen Feste vorher überhaupt keine Gedanken gemacht haben.
Ich finde die Fridays for future Bewegung gut. Wenn meine Jungs noch in die Schule gehen würden, bekämen sie von mir dafür immer eine Entschuldigung geschrieben.
Diese Jugendlichen haben mich persönlich mehr aufgerüttelt als manch eine Information zum Thema.
LG Moni

Re: Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Fr 18. Okt 2019, 15:09
von fille
Michael hat geschrieben: Fr 18. Okt 2019, 12:46
weil - wer kauft im Oktober schon was mit dem Namen "Weihnachten". Google-Dauer: 0,34 Sekunden.

Liebe Grüße, Michael
hahahaha Nieeeemand! :hammer: Und auch nicht die Lebkuchen, die es im September gibt. Aber da steht wohl nicht Weihnachten drauf. :-)

Das mit der Einheitsmeinung habe ich ja nicht sooo ernst gemeint (steht auch "Vorsicht Ironie" in Klammer daneben. Aber es ist schon ein Körnchen Wahrheit darin. Das gibt's aber nicht nur in Deutschland.
Der Zwang "politisch korrekt" zu sein, herrscht auch in anderen Ländern. Z. B. Frankreich.

Jetzt hier auch eine persönliche Meinung für die "friday for future". Ich finde für die Zukunft der Kinder
wäre es besser, sie würden in die Schule gehen. Nur mit Bildung kann man die Welt retten, oder ? Abgesehen von der persönlichen Zukunft. Als letztens eine große weltweite Aktion dieser Bewegung geplant hat, hat das Gymnasium meines Sohnes (schon 12 Jahre draußen) etwas eigenes gemacht. Nicht jemand hinterlaufen war angesagt, sondern die Schüler haben selbst mit den Lehrern daran gearbeitet. Das Ende von Lied? Die Schule wurde von der Friday-for-Future-Abteilung in der Stadt angegriffen. Sie hätten gefälligst die Schüler nach München schicken
sollen!

Ich finde es gut, dass die Schule sich dagegen gestemmt hat und ihr eigenes Ding gemacht hat. Dass die Schulschwänzerei so akzeptiert wird, finde ich befremdlich.

Nix für ungut, Marianne :-)

Re: Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Fr 18. Okt 2019, 16:10
von Helmut
Lieber Michael und alle Mitleser
Seitdem ich in diesem Forum bin, hab ich es ein einziges Mal erlebt, dass wirklich mit harten Bandagen argumentiert wurde. Ich hatte dabei aber nicht das Gefühl, dass dabei gegen unsere „Hausordnung“, verstoßen wurde. Die Argumente deines zitierten Besuchers kann ich nicht nachvollziehen. Wer sich weit aus dem Fenster lehnt, muss mit Gegenwind rechnen. Will er nun, dass man sich nicht mehr aus dem Fenster lehnt, oder dass man widerspruchslos stehen lässt? Will er mehr oder weniger Eingriffe von Moderatoren?

Wenn sich jemand nicht verstanden fühlt, kann es an ihm selbst liegen, weil er zu dünnhäutig oder zu extrem ist. Es kann aber auch an den Antworten liegen, die zu hart argumentieren oder persönlich angreifen. Es wäre für die Diskussion interessant und hilfreich, auf welche Fälle sich der Besucher bezieht.

Ich persönlich lehne mich oft aus dem Fenster, überlege mir aber auch, ob ich das Echo ertragen kann. Den Umgang miteinander empfinde ich hier als sehr wohltuend. Menschenverachtung und Unrecht, egal von welcher Seite, werde ich trotzdem nicht unwidersprochen lassen.

Liebe Grüße
Helmut

Re: Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Fr 18. Okt 2019, 19:19
von migoe
Lieber Michael,
Michael hat geschrieben: Fr 18. Okt 2019, 12:46
Und noch ein Tipp für die nächste Diskussion bei Aldi:
Die "Euphorbia Princettia" ist eine Pflanze, die von September bis Februar blüht. Sie ist vor einigen Jahren gezüchtet worden, um die Blühzeit der "Euphorbia pulcherrima" zu verlängern. Also, die Gärtner wollen ihr Gestrüpp auch außerhalb der Weihnachtszeit verkaufen und nehmen deshalb den Namen "Herbststern", weil - wer kauft im Oktober schon was mit dem Namen "Weihnachten". Google-Dauer: 0,34 Sekunden.
:daumen: So hätte ich auch argumentiert und freue mich, dass es auch andere gibt, die eine Sachfrage einfach nur sachlich beantworten und nicht eine große "Verschwörung" dahinter sehen. Ich bin im Handel aber auch gewohnt, mich mit diesen Vermutungen und "Theorien" zu beschäftigen und mir macht es Freude, wenn am Ende eines Gespräches das Gegenüber auch noch das Gefühl hat, etwas Sinnvolles erfahren zu haben.

Klappt aber nicht immer :weissnicht:

Re: Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Fr 18. Okt 2019, 19:27
von Benutzer 76 gelöscht
Ihr Lieben!
Michael schrieb:
Wir haben das Streiten verlernt - warum auch immer. Bestimmt nicht, weil alle der gleichen Meinung waren. Lernt man debattieren denn noch in der Schule?
Ich finde es interessant, dass Du nicht fragst, ob man Debattieren noch in der Familie lernt. In der Familie sehe ich, wie so oft, eher die Quelle dafür, warum ich wie Du den Eindruck habe, dass viele Jugendliche - wie Erwachsene auch! - das Streiten verlernen oder erst gar nicht gelernt haben. In Familien, in denen Desinterresse und Empathielosigkeit vorherrschen und in denen nicht konstruktiv miteinander gestritten wird, haben es Kinder und Jugendliche meiner Einschätzung nach schwerer, das Streiten zu lernen. Natürlich ist Argumentieren und Debattieren fest in den Lehrplänen verankert. Die Schule muss hier, wie so oft, das wecken, was in Familien nicht vorgelebt wird. Ich hoffe, dass ich meinen Töchtern einen streitbaren Geist mit auf den Weg geben werde. Und ich hoffe, dass ich meine Schüler dazu ermuntern kann, einen streitbaren Geist zu entwickeln. Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass es Jugendlichen schwer fällt, sich eine eigene Meinung zu bilden. Viele glauben, eine Meinung zu haben, ohne sich zuvor eine eigene Meinung gebildet zu haben. Jugendliche schließen sich gern und voreilig Meinungen an, ohne diese genau hinterfragt oder abgewogen zu haben (was auch meine zentrale Kritik an Fridays for Future ist). Aber sind es wirklich nur Jugendliche? Erwachsene stehen vor der gleichen Herausforderung, tagtäglich und immer wieder. In diesem Sinne: Sapere aude!
Moni schrieb:
Ich finde die Fridays for future Bewegung gut. Wenn meine Jungs noch in die Schule gehen würden, bekämen sie von mir dafür immer eine Entschuldigung geschrieben.

Marianne schrieb:
Dass die Schulschwänzerei so akzeptiert wird, finde ich befremdlich.
Für die Teilnahme an Demonstrationen, egal ob Fridays for Future oder etwa eine Demo gegen das Agrarpaket, dürfen (zumindest in Niedersachsen) keine Unterrichtsbefreiungen ausgesprochen werden. Die Teilnahme an einer Demonstration während der Unterrichtszeit gilt schulrechtlich als unentschuldigtes Fernbleiben vom Unterricht, daran ändert auch eine (Bitte um!) Entschuldigung eines Elternteils nichts. Die Teilnahme an Demonstrationen rechtfertigt schulrechtlich nicht das Fernbleiben vom Unterricht, da das Demonstrationsrecht in der unterrichtsfreien Zeit ausgeübt werden könnte.

Lieben Gruß
Marc

Re: Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Fr 18. Okt 2019, 19:37
von migoe
Liebe Moni,
moni hat geschrieben: Fr 18. Okt 2019, 14:04
Ich finde die Fridays for future Bewegung gut. Wenn meine Jungs noch in die Schule gehen würden, bekämen sie von mir dafür immer eine Entschuldigung geschrieben. Diese Jugendlichen haben mich persönlich mehr aufgerüttelt als manch eine Information zum Thema.
Genau so stehe ich dazu auch. Es ist irgendwie peinlich für uns Erwachsene, weil Kinder und Jugendliche mehr Arsch in der Hose haben, und konsequent einfordern, was wir eigentlich tun müssten! Es tut gut zu sehen, dass die "Jugend von heute" bereit ist, für ihr Anliegen auf die Straße zu gehen und das die Demos friedlich aber konstant durchgeführt werden.

Zu Greta Thunberg denke ich: es sagt viel über diejenigen aus, die sich über sie kritisch äußern und für manche Menschen, die ich bisher als "gebildet" und "klug" eingeschätzt haben, habe ich heute nur noch Verachtung übrig, weil sie die Chuzpe haben, über ein 16jähriges Mädchen herzuziehen, die mehr Mut und Entschlossenheit aufbringt, als viele Erwachsene/Politiker/Journalist/Lobbyist/usw.

Re: Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Fr 18. Okt 2019, 20:09
von migoe
Liebe Marianne,
fille hat geschrieben: Fr 18. Okt 2019, 15:09
Das mit der Einheitsmeinung habe ich ja nicht sooo ernst gemeint (steht auch "Vorsicht Ironie" in Klammer daneben. Aber es ist schon ein Körnchen Wahrheit darin. Das gibt's aber nicht nur in Deutschland.
Der Zwang "politisch korrekt" zu sein, herrscht auch in anderen Ländern. Z. B. Frankreich.
Ich sehe es so wie Michael weiter oben geschrieben hat:
Michael hat geschrieben: Fr 18. Okt 2019, 12:46
viele Leute verwechseln das Recht auf Meinungsäußerung mit dem Recht auf eine unwidersprochene Meinung. Viele tun sich schwer mit Widerspruch und erzählen was von "Denkverboten" - vielleicht, weil ihnen die Argumente fehlen. Das ist natürlich Humbug. Man muss gar nicht ins Internet gehen, schon die gute alte Zeitungslandschaft bietet einen großen Potpourri von ganz verschiedenen Meinungen, von irgendeiner "Einheitsmeinung" kann ich nirgends was erkennen.
Mich interessiert es immer, was genau die Menschen damit meinen, wenn sie von einer Einheitsmeinung sprechen. Auch der Begriff "politisch korrekt" ist für mich etwas verwirrend, denn es geht ja dabei meistens darum, dass man sich an eine bestimmte Verhaltensregel nicht halten möchte, auf die sich die Gesellschaft durch irgendeine Art von "Ritual" geeinigt hat.

Ich nehme mal das Beispiel "Mohrenkopf" VS "Schokokuss"
Bei der Wikipedia gibt es einen (aus meiner Sicht sehr sachlich beschriebenen) Artikel zu dem Begriff "Mohrenkopf". Hier wird die Herkunft des Gebäcks und seines Namens sehr gut erklärt. Im privaten Umfeld bin ich es schon immer gewohnt, den Begriff "Mohrenkopf" zu verwenden und sehr selten höre ich "Schokokuss". Ich würde nicht den Begriff "Negerkopf" verwenden und würde mir automatisch die Frage stellen, was wohl dahinter steckt, wenn jemand in meiner Anwesenheit diesen Begriff verwenden würde. Nach meiner Ansicht ist der Begriff "Neger" negativ belegt und stellt deshalb für mich stets eine bewusste Herabwürdigung von Menschen mit dunkler Hautfarbe dar. Die Hersteller des Gebäcks wollen sich allen Kunden gegenüber respektvoll und zurückhaltend präsentieren und schreiben deshalb auf die Packung ganz sachlich entweder "Schaumkuss", "Schokokuss" oder ähnliches, natürlich gibt es auch Markenprodukte wie z.B. "Dickmann's" wo klein gedruckt auch "Schokokuss" als Beschreibung für das Gebäck aufgedruckt steht.

Wenn nun jemand in meiner Anwesenheit sich darüber echauffiert, dass es lächerlich sei, weil man jetzt noch nicht einmal "Negerkuss" sagen dürfe, ohne gleich als Nazi abgestempelt zu werden, denjenigen würde ich fragen, warum es für ihn eigentlich so wichtig ist, einen bewusst so herabwürdigen Begriff wie "Neger" benutzen zu wollen, obwohl es doch einen ganz allgemein anerkannten und sachlichen Namen für dieses Gebäck gibt. Sprache ist wichtig und sagt viel über denjenigen aus, der bestimmte Worte und damit auch eine ganz bestimmte Sprache wählt. Nach meiner Überzeugung setzt jeder (bewusst oder unbewusst) durch die Wohl der Worte/Begriffe bei den Zuhörern den "Rahmen" zu dem "Bild", was der Gesprächspartner präsentiert bekommt. Wer also - um in meinem Beispiel zu bleiben - das Begriff "Negerkuss" wählt und darauf besteht, dass er KEIN NAZI sein, nur weil er den Begriff benutzt, der wird dennoch oft von seinem Gegenüber in den "Rahmen" Nazi gestellt, einfach, weil das allgemeiner gesellschaftlicher Konsenz ist - mein Schwiegervater würde sagen "Weil es sich so gehört!"

Liebe Marianne, damit will ich Dir aber nicht unterstellen, dass Du so denkst, sondern wollte nur ein Beispiel für meine Sicht auf den Begriff "Political Correctness" im Sinne von "Gesellschaftlicher Konsens" schildern.

Re: Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Fr 18. Okt 2019, 20:31
von migoe
Lieber Marc,
Marc hat geschrieben: Fr 18. Okt 2019, 19:27
Für die Teilnahme an Demonstrationen, egal ob Fridays for Future oder etwa eine Demo gegen das Agrarpaket, dürfen (zumindest in Niedersachsen) keine Unterrichtsbefreiungen ausgesprochen werden. Die Teilnahme an einer Demonstration während der Unterrichtszeit gilt schulrechtlich als unentschuldigtes Fernbleiben vom Unterricht, daran ändert auch eine (Bitte um!) Entschuldigung eines Elternteils nichts. Die Teilnahme an Demonstrationen rechtfertigt schulrechtlich nicht das Fernbleiben vom Unterricht, da das Demonstrationsrecht in der unterrichtsfreien Zeit ausgeübt werden könnte.
rein sachlich stimme ich zu. Es ist aber nachvollziehbar, dass die FFF-Demos während der Schulzeit stattfinden, um ein Zeichen zu setzen. Mich überzeugt das Argument "Warum noch in die Schule, wenn wir sowieso keine gute Zukunft mehr erwarten können?!", auch wenn ich davon überzeugt bin, dass längst nicht alle, die bei diesen Demos dabei sind, aus purer Überzeugung da hin gehen. Bestimmt wird es viele geben, die nur allzu gerne die Schule schwänzen und mit FFF auch noch ein "gutes Argument" liefern können. Ist fragwürdig und sicher nicht im Sinne der grundsätzlichen Idee hinter FFF, aber letztlich überwiegt für mich der Vorteil für die Gesellschaft allgemein und die Jugend im Speziellen - die Zukunft wird zeigen, ob es wirklich so kommt.

Kurz noch zu FFF: diejenigen, die sich aufregen, weil Kinder und Jugendliche am Freitag auf die Straße gehen statt in die Schule, um die Erwachsenen (im Allgemeinen) und Politiker (im Speziellen) dazu zu bringen, die richtigen Weichen zu stellen, um die Gesellschaft der Zukunft anders zu gestalten, sollten sich vielleicht die Frage stellen, welche Verantwortung sie selber dafür haben und was sie bisher dafür getan haben, um die Gesellschaft positiv zu gestalten und zu ändern. Für mich steht außer Frage, dass meine Generation und die meiner Eltern hier zumindest nicht immer die richtigen Weichen gestellt haben (Atomkraft, Ausbau der regenerativen Energien usw.)

Re: Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Fr 18. Okt 2019, 21:02
von fille
Das Wort Konsens kam jetzt öfter vor. Bei Wikipedia steht:
Der Konsens bedeutet die übereinstimmende Meinung von Personen zu einer bestimmten Frage ohne verdeckten oder offenen Widerspruch.
Irre ich mich oder ist da eigene Meinung nicht gefragt?
Wenn nun jemand in meiner Anwesenheit sich darüber echauffiert, dass es lächerlich sei, weil man jetzt noch nicht einmal "Negerkuss" sagen dürfe,
Negerkuss, diesen Ausdruck habe ich noch nie gehört! Ich kenne aber den Mohrenkopf.

Schönen Abend noch euch allen

Marianne

Re: Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Fr 18. Okt 2019, 23:00
von Nicky
uiii. da habt ihr ja fleissig geschrieben, während ich auf der Arbeit war. Mal sehen, ob ich alle Punkte aufgreifen kann, zu denen ich etwas schreiben möchte. ;-)
Also, die Gärtner wollen ihr Gestrüpp auch außerhalb der Weihnachtszeit verkaufen und nehmen deshalb den Namen "Herbststern", weil - wer kauft im Oktober schon was mit dem Namen "Weihnachten". Google-Dauer: 0,34 Sekunden.
So hätte ich auch argumentiert und freue mich, dass es auch andere gibt, die eine Sachfrage einfach nur sachlich beantworten und nicht eine große "Verschwörung" dahinter sehen. 
Ja, natürlich hätte ich mich auch mit meinem Handy an die Kasse stellen können und googeln können. Aber das hat die Situation nicht hergegeben. Außerdem hinterfrage ich halt lieber was bei "richtigen" Menschen ;-)
Und..... mal so nebenbei.... ich habe schon die ersten Lebkuchen und Pfeffernüsse gegessen, obwohl es erst Oktober ist ;-)

Für eine "Verschwörung" habe ich das ganze auch nicht gehalten, aber ich fand es doch schon seltsam, als mich genau dieser Kassierer auch darauf aufmerksam machte, das auf den Verpackungen des Weihnachtsbaum- schmucks und der Weihnachtsbeleuchtung auch jeweils das Wort "Weihnacht" nicht mehr vorhanden ist. Da ich gestern meine Weihnachtsdeko aus dem Keller geholt habe, habe ich mal einen Blick auf die Verpackung geworfen, die ich (auch bei Aldi) vor 4 Jahren gekauft habe. Und siehe da. Es steht tatsächlich noch das Wort Weihnacht mit drauf.
Jugendliche schließen sich gern und voreilig Meinungen an, ohne diese genau hinterfragt oder abgewogen zu haben (was auch meine zentrale Kritik an Fridays for Future ist).
Ja. Das ist auch das was mich daran stört. Hinterherlaufen, weil es die Masse macht, teilweise ohne das eigene Verhalten zu hinterfragen oder zu ändern. In meinem Bekanntenkreis gibt es eine Gruppe Jugendlicher (von 13-15 jahre alt), die nicht an den Freitagen mit demonstrieren, sondern sich an den Wochenenden!!! treffen und sich Aktionen ausdenken, wie man für mehr Aufklärung zum Thema Umweltschutz bei der ganz normalen Bevölkerung sorgen kann. Sie entwerfen z.B Infomaterial mit guten Tips zur Müllvermeidung usw. Das ist etwas, was ich wirklich richtig gut finde. Sich informieren, eine eigene Meinung bilden und dann auch noch in seiner Freizeit aktiv werden. Diese Jugendlichen haben meine volle Hochachtung.

Dann vielleicht noch was zum Thema "Schaumküsse". Ich erwische mich auch hin und wieder (esse das Zeug ja nicht ständig ;-)) dabei, das ich das Wort "Negerkuss" benutze. Das mache ich aber nicht um jemanden herab zu würdigen, sondern einfach, weil es seit 43 Jahren in meinem Sprachgebrauch ist. So wie ich auch nicht das Wort "Taschentuch", sondern "Tempo" benutze und nicht "Windel" sondern "Pampers" sage. Das ist bestimmt nicht politisch korrekt, aber was sagt das jetzt über mich aus? Bin ich dadurch Ausländerfeindlich? Gebe ich mir nicht genügend Mühe meine Sprache zu kontrollieren? Oder benutze ich nur ein altes Wort, bei dem ich mir nichts böses denke? Am Rande bemerkt, ich habe Jahre meiner Kindheit in Südafrika gelebt.....

Ich habe heute Früh aus Zeitgründen nur diese zwei Themen (den Herbststern und FFF) angesprochen. Mich würde mal interessieren, zu welchen Themen ihr sonst gerne eure Meinung abgebt und offen aussprecht, auch wenn Gegenwind zu befürchten ist.

Ich kann mit euren Einwänden und Meinungen zu den Themen bisher sehr gut leben, auch, wenn ihr meine Meinung nicht unbedingt teilt. Scheint bisher in diesem Forum also gut zu funktionieren, migoe. ;-)

Liebe Grüße
Nicole

Re: Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Fr 18. Okt 2019, 23:36
von moni
Oh ja Marc, ist schon lange her, dass ich Entschuldigungen geschrieben habe. Ich habe auch immer die Lehrer gebeten das "Fernbleiben vom Unterricht, meines Kindes zu entschuldigen."
Dein Satz hat mich wieder daran erinnert.
Ich glaub, ich werd langsam alt. Meine Jungs sind schon soooo lange aus der Schule.
Der Post war jetzt, Thema verfehlt. ;-)

Re: Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Sa 19. Okt 2019, 14:29
von Michael
Hallo,

@Marc: Stimmt schon, die Familie gehört genauso dazu. Ich hatte eher ein systematisches Argumente-Sammeln und Debattieren im Sinn, das lässt sich unter "gleichen" besser kennen lernen als in einer Familie, wo es nun mal keinen "herrschaftsfreien Diskurs" gibt. Aber wir versuchen es auch und sind auf einem guten Weg. Unsere Tochter zeigt bei Themen wie "Ins-Bett-Gehen" oder "Youtube-Gucken" schon recht ordentlich ihren streitbaren Geist. Das mit dem Bilden einer eigenen Meinung ist wirklich ein Problem, das hab ich auch schon festgestellt. Möglicherweise hat man das aber auch in Schule, Uni (und Elternhaus) zu lange vernachlässigt oder für weniger wichtig gehalten

@Marianne: Das mit der Einheitsmeinung hab ich von Dir auch als Ironie verstanden - wenn's doch nur jeder ironisch meinen würde...

@Nicky: Man kann an der Kasse nicht zu googlen anfangen, aber hier hat ja offenbar die Firma Aldi es nicht für nötig gehalten, ihre Mitarbeiter auf solche Fragen vorzubereiten - was ich auch verstehen kann, die haben ja besseres zu tun, aber schade ist es schon, dass von dieser Seite auch keine Aufklärung kommt, die der Kunde in Migoes Geschäft bekommen hätte (wenn auch vielleicht ohne Verwendung des Wortes "Gestrüpp"). Was die Lichterketten angeht: Die brennen auch monatelang, wer weiß, ob da nicht auch Marketingfragen dahinterstehen und das Gewinnen neuer Kundenkreise. Bei uns in der Nachbarschaft schmückt niemand sein Haus im Advent so ausladend wie unser türkischer Nachbar. Die wohnen allerdings schon Jahrzehnte hier, möglicherweise ist der Schock über das deutsche Weihnachten in eine Überkompensation umgeschlagen. Ich habe mir bei solchen Dingen aus der Erfahrung der letzten Jahre jedenfalls angewöhnt, erstmal nicht an die Erklärung "Einknicken vor dem Islam" zu glauben. Inzwischen sind soviele dieser Geschichten durch's Internet oder die Bild-Zeitung gezogen worden, die sich als Unwahr herausgestellt haben.
Wir haben früher übrigens auch nicht "Negerkuss" sondern "Mohrenkopf" gesagt. Ich rede jetzt nicht so häufig über diese Süßigkeit, habe mich aber schon dabei ertappt, wie ich im Gespräch "Schokokuss" sagte, ohne drüber zu stolpern. Und eine Praktikantin jüngeren Jahrgangs meinte neulich, dass sie "Negerkuss" noch nie gehört hätte, für sie waren das immer "Schaumküsse". Eine Frage der Zeit.

Liebe Grüße, Michael

Re: Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: So 20. Okt 2019, 11:16
von Eurydike
Ihr Lieben,

jetzt will auch ich mich mal wieder zu Wort melden. Immerhin wurde hier der Auslöser der aktuellen Klimadebatte angesprochen, welche für mich zum wichtigsten Thema der heutigen Zeit geworden ist. Fridays for Future!
Mir geht es wie Moni. Gingen meine Söhne noch zur Schule, wäre ich stolz, sie Freitags bei der Demo zu wissen. Und wenn die Schule dies sanktionieren sollte, würde ich meinen Kindern den Rücken stärken und zu ihnen stehen. Allerdings sind meine Söhne keine Schulkinder mehr und meine Enkel noch nicht.
Nicky schrieb:
Ob das durch Schuleschwänzen gelingt, wage ich zu bezweifeln.
Hältst du das, was diese Kinder tun, wirklich für Schuleschwänzen? Meine Kolleginnen sind der Meinung, diese Kinder müssten bestraft werden. Sie sollten außerdem lieber in ihrer Freizeit streiken oder zumindest den verpassten Schulstoff Samstags nachholen.
Ich kann solche vereinfachenden Aussagen nicht nachvollziehen. Die Menschheitsgeschichte hätte einen völlig anderen Verlauf genommen, hätten sich alle an solche Vorgaben gehalten.
"Streik? Ja, aber bitte nur nach der Arbeit oder am Wochenende, sonst schadet er ja dem Unternehmer!!!"
Die Menschen haben schon immer durch Streiks eine Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse erzwungen. Maßgeblich dabei ist aber, dass es WÄHREND der Arbeitszeit stattfindet. Im Falle der Kinder ist es daher nun mal die Schulzeit.
Ich glaube nicht, dass sich auch nur ein einziger Politiker dafür interessiert hätte, wäre Greta Thunberg samstags vorm Parlamentsgebäude aufgetaucht.
Wenn heutzutage in den Industrienationen irgendwo gestreikt wird, geht es immer um mehr Geld oder um kürzere Arbeitszeiten bei gleichem Gehalt. Ist auch jedem zu gönnen. Aber es geht eben nur ums finanzielle Wohlergehen. Bei diesen Kindern geht es mittlerweile ums Überleben. Da finde ich jedes "Schwänzen" mehr als gerechtfertigt.
Und auch weil es in diesem Thread um die Meinungsfreiheit geht, sollten wir die Kinder unterstützen. Wieso sollten sie ihre Meinung nur zu den uns genehmen Zeiten vortragen dürfen?
Nicky schrieb:
Mir ist klar, dass ich mit dieser Aussage jetzt viele gegen mich aufbringe, aber ich kann sowas auch nicht einfach runter schlucken, nur weil meine Meinung dazu nicht massentauglich ist.
Hier muss ich sagen, dass deine Meinung leider eben doch die "massentaugliche" ist. Ich erlebe es täglich. Es ist die absolute Mehrheit der Meinung, dass die "Fridays for Future"-Kinder lieber in die Schule gehen, als sich in Sachen einmischen sollen, von denen sie nichts verstehen.

Ich denke, der überwiegende Grund für die Ablehnung der FFF-Bewegung ist der, dass sich die Leute einfach keinen Spiegel vorhalten lassen und ihre bequemen Verhaltensmuster nicht ändern möchten. Die Menschen wurden regelrecht aggressiv, weil vor kurzem in der Großstadt Leipzig eine weitere Straße zur Fahrradstraße gemacht wurde. Es ist die fünfte (5!!!) von knapp 3.000 Straßen, in welcher Radfahrer das Privileg genießen, etwas mehr Rechte zu haben als Autofahrer. Und es sind immer kurze Nebenstraßen.
Oder über 80 % der Deutschen wollen NICHT dem Klima zuliebe auf ihre Flugreisen in den Urlaub verzichten. Diese Einstellungen müsste man ja hinterfragen.
Und ich denke, auch bei allen nachvollziehbaren wirtschaftlichen Interessen, müsste das Erhalten des eigenen Lebensraumes doch Priorität genießen. Aber noch herrscht diese "nach mir die Sintflut"-Mentalität. Was kümmern mich die Probleme der Menschheit von morgen? Ich lebe heute!!!
Ich kann diese Einstellung nicht teilen. Ich habe Kinder und Enkel, welche ich sehr liebe. Und ich hoffe inständig, dass meine Enkel irgendwann die Chance haben, das Gleiche über ihre Enkel zu sagen. Und diese wiederum über ihre ...

Ich habe vor einiger Zeit einen Artikel gelesen, der das wunderbar wiedergibt. Ich habe ihn gespeichert und würde ihn als Schlusswort hier gern verlinken.

Heike

Re: Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: So 20. Okt 2019, 12:04
von migoe
Liebe Heike,
Eurydike hat geschrieben: So 20. Okt 2019, 11:16
Ich denke, der überwiegende Grund für die Ablehnung der FFF-Bewegung ist der, dass sich die Leute einfach keinen Spiegel vorhalten lassen und ihre bequemen Verhaltensmuster nicht ändern möchten. Die Menschen wurden regelrecht aggressiv, weil vor kurzem in der Großstadt Leipzig eine weitere Straße zur Fahrradstraße gemacht wurde. Es ist die fünfte (5!!!) von knapp 3.000 Straßen, in welcher Radfahrer das Privileg genießen, etwas mehr Rechte zu haben als Autofahrer. Und es sind immer kurze Nebenstraßen.
Oder über 80 % der Deutschen wollen NICHT dem Klima zuliebe auf ihre Flugreisen in den Urlaub verzichten. Diese Einstellungen müsste man ja hinterfragen.
Und ich denke, auch bei allen nachvollziehbaren wirtschaftlichen Interessen, müsste das Erhalten des eigenen Lebensraumes doch Priorität genießen. Aber noch herrscht diese "nach mir die Sintflut"-Mentalität. Was kümmern mich die Probleme der Menschheit von morgen? Ich lebe heute!!!
Ich kann diese Einstellung nicht teilen. Ich habe Kinder und Enkel, welche ich sehr liebe. Und ich hoffe inständig, dass meine Enkel irgendwann die Chance haben, das Gleiche über ihre Enkel zu sagen. Und diese wiederum über ihre ...
ich kann Deine Argumentation so gut nachvollziehen und schließe mich Dir an! Zusätzlich fällt mir in diesm Zusammenhang eine Ergänzung ein. Dazu muss ich einen Schlenker in die Geschichte unternehmen :pfeifen:

Irgendwann im Mittelalter (so um das Jahr 1350 n.Chr.) brach die Beulenpest in Europa/Deutschland zum ersten mal (dokumentiert) aus und es starben unzählig viele Menschen daran. Mir geht es jetzt aber nicht darum, WO der "Schwarze Tot" zum ersten Mal aufgetreten ist (nämlich im Orient oder in China - je nach Quelle), sondern WAS die Ursache dafür war. Viele Jahrhunderte lang kam es immer wieder zu Ausbrüchen der Krankheit, jedesmal mit verheerenden Folgen. Die Menschen wussten nicht, was der Auslöser der Seuche war und konnten auch die "Systematik" nicht erkennen, nach der Menschen erkrankten und starben. Eine "Wissenschaft" wie im heutigen Sinne gab es nicht und so waren die "Deuter der Zeichen" vor allem Menschen aus dem Umfeld der Katholischen Kirche. Die Schuld an der Misere/Krankheit/Seuche wurde Menschen gegeben, die sich im Sinne der allgemeinen Lehre unzüchtig/sündig/gotteslästerlich usw. verhielten. Das waren häufig (aber nicht immer) Frauen...aber auch darauf will ich nicht hinaus.

Heute wissen wir,
Auszug aus der deutschsprachigen Wikipedia:

als Ursache gilt die durch das Bakterium Yersinia pestis hervorgerufene Pest. Das Wort „Pest“ leitet sich vom lateinischen Wort pestis für Seuche ab und wird daher auch ohne direkten Bezug auf die Krankheit Pest verwendet
Übertragen wurde das Bakterium durch Flöhe, die wiederum als Wirt im Fell von Ratten lebten und von diesen auf den Menschen übersprangen, weil im Mittelalter die hygienischen Bedingungen (nicht nur im Vergleich zu heute) katastrophal waren. Es gab keine Toiletten, die Menschen verrichteten ihre Notdurf auf offener Straße, wie es auch alle Nutztiere taten, die sie in ihren Häusern hielten und mit denen sie teilweise in einem Raum übernachteten (es gab ja keine Zentralheizungen), Essensreste und anderer Müll wurde ebenfalls direkt auf die Straße entsorgt. Es gibt unzählige Erzählungen aus dieser Zeit, die das belegen.

Jetzt komme ich zu meinem eigentlichen Punkt! :blabla:

Wäre damals jemand hergegangen und hätte sich während/vor einem Gottesdienst VOR der Kirche hingestellt und den Menschen gesagt, dass es keine Hexen sind, die den schwarzen Tod bringen, sondern das die Ursache dafür letzendlich mit der Art und Weise zusammenhängt, wie die Gesellschaft organisiert ist und wie sie mit ihrer Umwelt umgehen, dann wären die (gemäßigten) Reaktionen wahrscheinlich ähnlich gewesen wie das heute der Fall ist, wenn ein 16jähriges Mädchen sich während der Schulzeit vor ihre Schule setzt und einfach nur sagt, dass endlich etwas gegen die eigentlichen und tatsächlichen Ursachen für unsere heutigen Umweltprobleme getan werden muss. Die radikaleren Reaktionen erinnern mich aber auch an das Mittelalter, Stichworte: Stigmatisierung/Verächtlichmachung/Hexenverbrennung!

Für mich ist beschämend, dass seit Jahrzehnten die Datenlage bekannt ist und immer genauere Daten vorliegen, weil auch die Zahl der wissenschaftlichen Studien immer größer wird. Die "Profis" aus der Wissenschaft melden seit Anfang der 1970er Jahren, wie es um die Umweltproblematik steht und was die (wahrscheinlichen) Ursachen dafür sind. Doch Wissenschaftler machen keine Politik, sondern forschen, stellen Erkenntnisse zusammen, geben vielleicht noch Tipps, was geändert werden müsste. Die Aufgabe, Gesellschaft zu ändern hat aber die Politik - so sind wir in unserer modernen Zeit organisiert. Die Politik muss einen Rahmen (Gesetze) vorgeben, nach der die Wirtschaft dann ausgerichtet wird. Genau hier ist das "System" krank - und war es auch im Mittelalter. Ich könnte hier noch 10 Bildschirmseiten voll schreiben, was genau krank an unsererem Wirtschaftssystem aus meiner Sicht ist - aber das würde zu weit führen.

Wir kennen die Ursache, wir kennen die Lösung, was fehlt ist der Wille, die Lösung anzupacken.

Ja, ich weiß, wieder so ein Bild, was hinten und vorne hinkt, aber so erkläre ich für mich manche Dinge, die sich in unserer Zeit abspielen und in 100 Jahren werden unsere Ur-Enkel entsetzt sein über unsere Naivität und Rückständigkeit, sie werden sich sagen, damals war die Menschheit einfach noch nicht so fortschrittlich und aufgekärt wie wir heute...und damit haben sie ganz bestimmt recht!

Schade :cry:

Re: Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: So 20. Okt 2019, 13:21
von Nicky
Hallo migoe,
gerade eben beim lesen eurer Antworten fällt mir auf, warum es manchmal so schwer ist, seine "unpopuläre" Meinung in einem Forum, sei es dieses Forum oder andere Foren, bei denen man sich persönlich nicht so wirklich richtig gut kennt kund zu tun. (Ich glaube, das war ja der eigentliche Grund des Threads, als du ihn eröffnet hast) ;-) Mit dem FFF Thema war ich mir ganz sicher, das ich ein Thema auf den Tisch bringe, über das man sehr verschiedener Meinung sein kann. ;-)

Aber mir fällt gerade auf, dass man wenn man sich nicht wirklich gegenüber sitzt und ein richtiges Gespräch führt, leicht missverstanden werden kann, oder man vielen Aussagen nicht direkt ein Argument entgegen bringen kann. Vielleicht auch ein Grund, warum manche Menschen ihre Meinung nicht gerne in einem solchen Rahmen sagen.

Zum Beispiel finde ich Demonstrationen richtig und wichtig. Ich gehe hin und wieder auch selber auf Demos. Allerdings tatsächlich nur, wenn sie an meinen freien Tagen stattfinden. Mein Arbeitgeber kann ja nichts dafür, dass ich z,B, ein klares Zeichen gegen rechts setzen will, wenn ich mit zehntausend anderen durch Hamburg laufe.

Ob das schwänzen bei den FFF Kindern bestraft werden sollte oder nicht, oder ob ich -wenn ich Kinder hätte-, sie schwänzen lassen würde, ist mir im Prinzip egal, weil ich davon nicht betroffen bin. Diese Entscheidung muss jeder für sich selber fällen.

Ich denke aber dennoch, dass man auf ganz einfach Weise mehr bewegen könnte, wenn man sein eigenes Verhalten einfach ändern würde. Ich mach das jetzt einfach mal an mir selber fest. (Ich bin ja kein Ökoschwein dem die Zukunft der Erde egal ist, nur weil ich die FFF Bewegung für Quatsch halte) ;-)
Ich habe kein Auto, fahre ausschließlich mit der Bahn in den Urlaub, nutze "Ökostrom", bin Vegetarier, habe viele Plastikgegenstände z.B. Folien usw durch Wachstücher & Co. ersetzt. usw. Aber trotzdem gibt es auch bei mir noch Umweltbaustellen. So produziere ich immer noch zuviel Müll, nutze zu selten die Unverpacktläden und kaufe mir, wenn ich unterwegs bin meine Getränke oft in Plastikflaschen.

Trotzdem glaube ich, dass wenn jede Familie der FFF Kinder ihr Verhalten genauso ändern würden, viel mehr bewegt werden könnte, als das singen und tanzen Freitags auf der Strasse.

Nochmal zu deinem "Experiment hier im Forum ;-) Das ist einfach nur meine Meinung, die allerdings niemand teilen muss ;-)

Schade, dass noch immer kein anderes Thema auf den Tisch gekommen ist. bin noch immer neugierig ;-)

Liebe Grüße und einen schönen Sonntag
Nicole

Re: Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: So 20. Okt 2019, 13:48
von Eurydike
Liebe Nicky,

natürlich können und sollten am Besten alle Leute ihr eigenes Verhalten ändern. Das wäre ein riesiger Schritt in die richtige Richtung. Die allerschlimmsten Umweltsünden geschehen aber immer aus rein wirtschaftlichen Interessen. Und leider lassen sich Wirtschaftsbosse durch private Vorbildhaltung nur sehr schwer beeindrucken. Diese können entweder durch die Politik gezwungen werden und/oder selbstverständlich dadurch, dass es an ihre Geldbeutel geht.

Eigentlich müssten weltweit alle Arbeitnehmer am Freitag mit den Kindern streiken. DAS würde die Wirtschaftsmächte ins Mark treffen. Innerhalb kürzester Zeit würden klimaerhaltende Maßnahmen ergriffen, nur damit der Rubel wieder rollt. Leider fehlt den Kindern bei ihren Demos der Wirtschaftsfaktor. Aber sie können zumindest die Politiker ein Stück weit wachrütteln. Denn Freitag für Freitag gehen potentielle Neuwähler auf die Straße ...

Heike

Re: Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: So 20. Okt 2019, 14:50
von fille
Hallo zusammen!
Leider fehlt den Kindern bei ihren Demos der Wirtschaftsfaktor.


Meine Meinung ist, dass sie weder der Wirtschaft noch der Schule schaden, sondern sich selbst.

Bildung kostet den Einzelnen in Deutschland nicht viel. Trotzdem bezahlt jemand dafür.
Es könnte gut sein, dass die Eltern demnächst auch streiken. Vielleicht für die
Erhaltung ihres Arbeitsplatzes. Die Zeichen stehen schon auf rauen Wind. Täglich
kann man wieder von Entlassungen in der Zeitung lesen.
Schade, dass noch immer kein anderes Thema auf den Tisch gekommen ist. bin noch immer neugierig ;-)
Das Thema hieß ja ursprünglich: "Kann man in Deutschland noch offen seine Meinung sagen/schreiben."
Jeder andere hat auch das Recht auf seine Meinung, auch wenn sie diametral der meinen gegenüberstehen sollte. Ich muss also damit rechnen, zu meiner Meinung angefragt zu werden. Bis dahin ist das für mich ganz in Ordnung. Für diese Freiheit haben Generationen vor uns hart und opferreich gekämpft.
Ja, Gott sei Dank, wird man nicht von der Polizei abgeholt. Aber es gibt doch gesellschaftliche Zwänge, lieber den Mund zu halten.

Wie auch immer, ich würde lieber wissen, was ihr für die Umwelt konkret vorschlagen würdet. Wenn man
das seinen Kindern nahe bringt, ist es eigentlich das einzige, was man wirklich tun kann. Wieder mal
meine eigene Meinung. :-)

Für diesen Zweck mache ich jetzt ein neues Thema auf

Liebe Grüße, Marianne

Re: Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Mo 21. Okt 2019, 15:09
von Gesch
ihr lieben,
ich konnte durch intensive musikalische beanspruchung von mittwoch bis heute früh durch den besuch meiner multinationalen urlaubsband „elderly brothers and sisters“ samt angehörige und hardcore-fans (knapp 40 leute aus england, schottland, irland nördlich und südlich der eu-grenze, niederlande und deutschland nicht eher schreiben.

ich hab auch keine lust, nachdem ich zeitnah gelegentlich die posts überflogen hatte, alles nochmal zu lesen. erholung sieht anders, zumal ich fast absehen kann, dass ich mich bei der antwort in rage schreibe.

aber wir haben ja im forum meinungsfreiheit, zu der meiner ansicht nach auch die bereitschaft gehört, sich damit zu befassen, welche konsequenzen sich ergeben, wenn man die eigene „meinung“ zuende denkt...

ich nehme wahr, dass manche sich besser fühlen, wenn sie nach der devise leben, sich um sich selbst zu kümmen und es für wirksamer für z.b. die umwelt oder das klima halten, sich selbst in die pflicht zu nehmen, was das eigene handlungsterrain angeht. an sonsten aber wollen sie offenbar diejenigen uneingeschränkt schalten, walten und machen lassen, die hinreichend bewiesen haben, dass es ihnen dazu am wünschenswerten verantwortungsbewusstsein mangelt.

man kann sich zur optimierung der (selbst)zufriedenheit noch ein kissen aufs sofa nehmen und bei der suche nach dem mainstream, von dem
man sich fernhalten will, das fernglas in die hand nehmen.

ich halte das thema noch nicht für erledigt und denke, die risiken, die man hierzulande mit freien meinungsäusserungen eingeht, sind ungleich verteilt, solange rechte terroristen namenslisten mit potentiellen anschlagsopfern führen, die vom verfassungsschutz so unter verschluss gehalten werden, dass selbst diejenigen nichts davon erfahren, die deshalb dort draufstehen, weil sie den rechten wegen ihrer unliebsamer meinungen aufgefallen sind...

da werden klimaschützer als von greta verführte mainstreamfolger belächelt... geht‘s noch? blickt mal auf die zahlen der jugendlichen insgesamt in diesem
meinungsfreidigen land der mainstreamer, auch auf die deutsche population und zählt mal die demonstrationsteilnehmer zusammen...

ich nehme den mainstream bei den sofasitzern wahr, die von schulschwänzern faseln, während die jugendlichen freitagsdemonstranten das erlernte zuende denken und ihr erkenntnisse anwenden, wenn auch vielleicht nicht als ausgewiesene fachleute.

aber immerhin wollen sie mit ihrem unterrichtsboykott endlich mal die allein auf die wählerstimmen aus dem breitärschigen mainstream schielenden politiker auf trab bringen, die nicht annähernd so eifrig die notwendigkeit geregelten unterrichts hochhalten, wenn es um den tatsächlichen unterrichtsausfall durch lehrermangel geht. die politiker sollten endlich auf die ausgewiesenen fachleute hören und sich nicht von lobbyisten die pseudowissenschaftlichen expertisen nach ihren meinungen aussuchen lassen.

wer geht mit welchem verhalten, mit welchen meinungen eigentlich welche risiken ein? gibt es morddrohungen gegen mainstreamige sofasitzer? oder polizeieinsätze mit schlagstöcken gegen diejenigen, die sich verächtlich über greta äussern oder über diejenigen, die generationsübergreifend den erhalt einer bewohnbaren erde anmahnen? wo ist der mainstream? hinter den lesern der zeitungen mit den grossen buchstaben, die nur zu gern die hetze für bare münze nehmen und nachplappern, oder bei denjenigen, die bei wind und wetter, egal ob ferien oder nicht, ausdauernd protestieren.

ich bin gleich zu beginn der klimaproteste, als erste fotos von greta zu sehen waren, die jugendliche dazu veranlasst haben, ihr schicksal protestierend selbst in die hand zu nehmen, ausdrücklich von ihnen gebeten worden, den protest der F4F mit meinen liedern zu unterstützen - sicher nicht, weil ich schöne liebeslieder im repertoire habe.

ich bin der bitte inzwischen sehr häufig und gerne mit ziemlichem zeitlichen aufwand nachgekommen und habe über den protest, weil er mir sehr imponiert, klartextlieder verfasst und werde dies weiter tun.

die schulschwänzer-argumentation halte ich für erbärmlich, und das argument, doch erst mal bei sich selbst im kleinen anzufangen, für einen handlungsansatz, der völlig ausblendet, dass die lindners und poschardts (porsche-fahrender chefredakteur der „welt“, der raserei für freiheitsgenuss hält, den es zu verteidigen gelte) dieser welt ohne gesetzliche vorgaben nicht vom gaspedal gehen. gleiches gilt für andere ministerielle „freiheitsverteidiger“ wie z.b. klöckner oder schulze, die aus angst vor stimmenverlusten aus dem
mainstream nicht zu tun wagen, was notwendig ist. und mit auf-dem-sofa-sitzen werden sie kaum einen anderen weg einschlagen, wie er von wissenschaftlern verlangt wird, die von wählern und finanziers unabhängig sind.

zurück zum thema des theads: die larmoyanz derjenigen, die nicht hinnehmen wollen, dass sie für ihre ansicht kritisiert werden, und deshalb jammern, als ob es einen anspruch darauf gäbe, dass einem nicht widersprochen wird, geht mir gehörig auf den keks. er kommt übrigens auch gerade sehr gerne von denjenigen, die die meinungsvielfalt nur zu gerne drastisch und unter strafandrohung eingeschränkt sähen und nur ihre eigene gelten lassen wollen. fühlt man sich in deren gesellschaft eigentlich besser?

ich sehe darin nur eins: eine blasierte arroganz der bequemen, denen es lästig ist, widerstand zu leisten, und deshalb lieber diejenigen abschätzig kategorisieren, die den mut dazu haben, gegen den mainstream aufzustehen, egal welche konsequenzen drohen.

so - jetzt fühl ich mich auch einfach mal besser... das sofa ist gerade frei...
sorry für den überschwang...

herzlich
gerd

Re: Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Mo 21. Okt 2019, 15:11
von Skywise
Hm.
Kann man in Deutschland noch offen seine Meinung sagen? Ja. Ganz eindeutig.
Oft genug wird die Frage, ob man seine Meinung noch sagen kann, oder die Behauptung "Wird man ja wohl noch sagen dürfen" aber in Verbindung mit Meinungen/Aussagen gebracht, die schon arg grenzwertig sind, weil sie meistens mit den Rechten Dritter kollidieren und/oder auf keiner nachvollziehbaren Basis erfolgen. Daß nicht jeder ein abgeschlossenes Jura-Studium in der Schublade liegen hat - geschenkt. Ein Gespür dafür, ob man etwas in Ordnung fände, wenn man eine ähnliche Äußerung über sich selbst vorfindet, ist aber in den meisten Fällen vorhanden. Und das mit der nachvollziehbaren Basis - ich glaube, ich hab' relativ wenig Probleme, eine andere Meinung zu akzeptieren, wenn man sie begründen kann oder entsprechende Quellen vorweist, aufgrund derer eine Entscheidung zustande gekommen ist. Ich kann dann zwar immer noch rummosern, daß mir die Meinung nicht paßt, aber - mit dem Akzeptieren scheint's zu klappen, zumindest kann ich auch mit den örtlichen AfD-Politikern über bestimmte Dinge diskutieren, ohne ihnen gleich an die Gurgel zu gehen ... und ich kann um einige Themen einen Haken schlagen, bei denen ich weiß, daß es gefährliches Terrain ist.

Das mit den "Quellen" wird wahrscheinlich ein interessantes Thema werden in der nächsten Zeit, zumal ich die Entwicklung sehe, daß immer mehr Leute nach einfachen Aussagen oder Lösungen suchen, wo es sie eigentlich nicht gibt. Die Folge ist der Danning-Kruger-Effekt, heißt im Prinzip, daß sich inkompetente Leute für klüger halten als andere, sogar als ausgewiesene Spezialisten. Betrifft im Kern das Klima ebenso wie Verschwörungstheorien der Marke "Die Erde ist eine Scheibe" oder "Das Weltall existiert nicht". Dadurch, daß im Internet Seiten oder Blogs oder Videos existieren, die dem dümmsten Honk solche Theorien vermitteln oder (teils angebliche) Aussagen der Wissenschaft oder der Politik mit Aussagen ad absurdum führen, die aber mit der Realität nichts zu tun haben, gewinnen solche Theorien an Zulauf. Ich hatte es in jüngerer Zeit mehrmals, daß ich bei Rückfragen zu bestimmten Aussagen auf solche Seiten hingewiesen wurde, gegen die allerdings schlecht argumentieren ist. Jedenfalls beobachte ich im Augenblick sehr häufig das Phänomen, daß sich die Leute mitunter extrem fadenscheinige Quellen suchen, die ihre Thesen oder Aussagen stützen, anstatt umgekehrt ihre Thesen und Aussagen aus belastbaren Quellen abzuleiten. Medienkompetenz täte not.

Fridays For Future ... ich finde es mitunter eine Schande, wie angeblich Erwachsene gegen Greta Thunberg wettern oder welche Querverbindungen ihr so alles von dieser Seite unterstellt werden, das geht von den Größen der Wirtschaft bis hin zu den Bilderbergern wirklich einmal quer durch den Katalog. Daß da Wissenschaftler Greta Thunberg und ihren Aussagen zur Seite stehen und diese Aussagen und Prognosen mitunter bedeutend älter sind als Greta Thunberg, scheint in bestimmten Kreisen nicht von Relevanz zu sein.
Abseits von der Person Greta Thunberg stehe ich FFF etwas zwiespältig gegenüber. Ich tu' mich mit FFF ziemlich schwer, weil mitunter gar keine Ziele vorgegeben werden, die zu erreichen sind, teilweise finden sich relativ obskure Aussagen bestimmter FFF-Formationen, und manche Aussagen sind ziemlich überladen oder in der Summe überhaupt nicht während der restlichen Schulzeit der Streikenden zu erledigen, geschweige denn nachzuweisen. Andererseits bekomme ich aber auch mit, daß nicht zuletzt aufgrund von FFF das Interesse an Nachhaltigkeit/nachhaltigen Produkten/nachhaltiger Auftragsvergabe in bestimmten Verwaltungen deutlich angezogen hat und auch im Bereich der Bildung plötzlich ein anderes Gewicht bekommt. Es tut sich also langsam etwas, insofern hat FFF durchaus etwas bewirkt, und ich bin mir sicher, daß auch noch mehr gehen kann. Im Gegensatz zu anderen Vertretern meiner Zunft bin ich der Überzeugung, daß die Hauptverantwortung für einen Umschwung eher beim Verbraucher zu suchen ist und nicht vorrangig bei Politik oder Industrie/Handel; Hilfestellungen und Informationen werden dennoch gerne entgegen genommen. Und ich fänd's schöner, wenn das ein Selbstläufer werden würde und nicht noch weiterhin streikende Jugendliche auf der Straße dafür notwendig wären.

Gruß
Skywise

Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Mo 21. Okt 2019, 17:19
von fille
Gesch hat geschrieben: Mo 21. Okt 2019, 15:09
ich nehme den mainstream bei den sofasitzern wahr, die von schulschwänzern faseln
… faseln...
Gesch hat geschrieben: Mo 21. Okt 2019, 15:09
blasierte arroganz der bequemen, denen es lästig ist, widerstand zu leisten
...blasierte Arroganz...

Wobei wir wieder beim Thema wären... Ich glaube jetzt hast du die Antwort auf deine Frage migoe

Schönen Abend euch allen, Marianne

Re: Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Mo 21. Okt 2019, 17:50
von Nicky
ich nehme wahr, dass manche sich besser fühlen, wenn sie nach der devise leben, sich um sich selbst zu kümmen und es für wirksamer für z.b. die umwelt oder das klima halten, sich selbst in die pflicht zu nehmen, was das eigene handlungsterrain angeht. an sonsten aber wollen sie offenbar diejenigen uneingeschränkt schalten, walten und machen lassen, die hinreichend bewiesen haben, dass es ihnen dazu am wünschenswerten verantwortungsbewusstsein mangelt.
Hallo Gerd,
ich denke einfach, dass es gut ist, erstmal vor meiner eigenen Haustüre zu kehren und mein eigenes Verhalten zu hinterfragen und zu ändern, bevor ich anderen vorschreibe, was sie an ihrem Verhalten ändern sollen.
Ich finde daran nichts verwerfliches :-) Das ist doch in vielen anderen Lebensbereichen auch so, oder nicht?
Aber wie man bei euch in Köln so sagt......Jeder Jeck ist anders...... :-)

Viele Grüße
Nicole

Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Mo 21. Okt 2019, 18:04
von Gesch
liebe alle,
hier noch ein kleiner „ermunterungsbeitrag“ zur sicherung der meinungsfreiheit, ohne dass einem für die auslotung dieser freiheit bautzen oder gar buchenwald droht...

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=BOajlWhgb0g[/youtube]

herzlich
gerd

Re: Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Mo 21. Okt 2019, 20:43
von Mithrandir
Lieber Gerd,
zu Deinem Beitrag ein paar Meter weiter unten: als Musiker könntest Du es doch wissen - der Ton macht die Musik. Die Bereitschaft zum Dialog verhält sich umgekehrt proportional zur vorgetragenen Verachtung. Und wenn das miteinander Reden aufhört, können wir gleich einpacken ...

Herzliche Grüße
Stephan

Re: Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Mo 21. Okt 2019, 22:14
von Gesch
in der tat, lieber stefan,
seit einem jahr werden die fridays for future als unreife kinder desavouiert, ihr protest, ihr einsatz als verstoss gegen schulgesetze kriminalisiert, ihre sympathisanten diffamiert, ihre ängste um die zukunft ignoriert, die zurückweisung dieser anwürfe nicht ernstgenommen... doch wenn man dies mit klaren worten formuliert, zeigt man sich beim einstecken dünnhäutiger als im austeilen.

in der tat, der ton macht die musik, aber manche liedermacher singen schon immer deutlicher klartext als andere, und die musik hat gelegentlich unharmonische klänge...

und, lieber migoe, ja, manches kann man in deutschland sagen, schreiben und singen, was auch dem mainstream widerspricht, nur wenn man dann zu deutlich wird, und nicht die lippen spitzt, sondern öffnet, werden mainstreamer eher schmallippig. es kommt immer auf perspektive und position an...

ich habe - wie helmut - kinder und enkel, und warte nicht auf diplomatische verhandlungen mit dem klima. die zeit läuft davon, und in der situation die kommenden abiturienten in die schule zurückzuschicken und die untätigen politiker weiter schlafen zu lassen, macht inzwischen nicht nur fridays for future fassungslos, sondern parents und grandparents for future und scientist forfure und artist for future genauso. da wird die begleitmusik schon mal dissonant.

miteinander reden - gerne, wenn denn endlich die anliegen der klimaschützer ernst genommen werden, statt sie nach art konservativer, sozialdemokratischer und liberaler politiker als pubertäres theater abzutun.

schönen abend noch
gerd

Re: Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Di 22. Okt 2019, 08:23
von Mithrandir
Lieber Gerd,
schade - hast mich zwar gelesen, offenbar aber doch nicht verstanden ... Das bedauere ich.

Herzliche Grüße
bis bald
hier oder woanders
Stephan

Re: Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Di 22. Okt 2019, 10:01
von Gesch
lieber stefan,
wechselseitige verständnisdefizite sind immer bedauerlich, vor allem wenn sie trotz bemühung um klarheit und deutlichkeit andauern.

aber angesichts der komplexheit der welt und ihrer probleme sowie der unterschiedlichen wahrnehmungen derselben und der verschiedenen ansätze zur behebung hab ich für mich akzeptiert, nicht mehr alles verstehen zu müssen, auch wenn hin und wieder noch der widerspruchsgeist in mir zucken sollte.
herzlich
gerd

Re: Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Di 22. Okt 2019, 11:51
von migoe
Lieber Gerd,
Gesch hat geschrieben: Mo 21. Okt 2019, 22:14
und, lieber migoe, ja, manches kann man in deutschland sagen, schreiben und singen, was auch dem mainstream widerspricht, nur wenn man dann zu deutlich wird, und nicht die lippen spitzt, sondern öffnet, werden mainstreamer eher schmallippig. es kommt immer auf perspektive und position an...
die Kunst des Streitens/Diskutierens liegt ja darin, klar und deutlich seine Argumente vorzubringen UND die jeweiligen Argumente des Gegenübers (nicht Gegners, wie ich hoffe) zu respektieren. Sollte die eigene Wucht des Argumentierens den Gesprächspartner verletzen/vor den Kopf stoßen/irritieren/verärgern und man wird sich dem erst im Nachhinein bewußt, dann spricht es aber auch von Größe, wenn es einem gelingt, seine Worte noch einmal so zu formulieren, dass das eigene Argument verstanden/respektiert/toleriert werden kann - im Idealfall sogar überzeugt!

Deine Argumente überzeugen mich und ich fühle mich nicht angegriffen oder vor den Kopf gestoßen durch Deine Form der Auseinandersetzung. Anderen geht das vielleicht aber nicht so und sie ziehen sich aus dem Diskurs zurück, obwohl sie vielleicht sogar teilweise die gleiche/n Meinung/en vertreten, aber es einfach anders "angehen" wollen.

Begriffe wie
mainstreamer
und
sofasitzern
wurden von Dir nicht in Anführungszeichen oder sonst wie markiert, und deshalb gehe ich davon aus, dass Du damit ganz bestimmte Menschen in Deinem Umfeld meinst, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass ein so gebildeter und aufgeklärter Mensch wie Du solche Begriffe ganz allgemein und undifferenziert verwenden würde und damit suggeriert, dass ALLE, außer einem selbst damit gemeint sind.

Mainstream ist ein zu ungenauer Begriff, um zu verstehen, was Du damit sagen willst. Es gibt durchaus Themen, bei denen ich wie die Mehrzahl der Menschen denke/handle/fühle - und dennoch bin ich ein Individuum und bin oft vollkommen NICHT mainstreamig unterwegs.

Deine Beiträge und Lieder finde ich erfrischend und aufwühlend. Es gefällt mir, wie Du die Dinge "zuspitzt" und es scheint mir so, als würdest Du das auch sehr ernst meinen und auch ernsthaft danach leben. Doch es reicht mir nicht, die Kritik alleine zu hören, mir fehlt der "Ausweg" oder die "Lösung" aus dem Dilemma.

Nicky hat sich dazu geäußert und geschrieben, wie sie versucht, Dinge in ihrem Alltag und ihrem Leben so zu gestalten, dass sie sich dem "Ideal" (wie sie es empfindet) zu nähern. Solltest Du damit:
ich nehme wahr, dass manche sich besser fühlen, wenn sie nach der devise leben, sich um sich selbst zu kümmen und es für wirksamer für z.b. die umwelt oder das klima halten, sich selbst in die pflicht zu nehmen, was das eigene handlungsterrain angeht. an sonsten aber wollen sie offenbar diejenigen uneingeschränkt schalten, walten und machen lassen, die hinreichend bewiesen haben, dass es ihnen dazu am wünschenswerten verantwortungsbewusstsein mangelt.
wirklich Nicky und Andere meinen, die es wirklich erst meinen damit, etwas "an sich selber" zu verändern anstatt darauf zu bestehen, dass sich erst einmal alle anderen ändern sollen, dann konterkarrierst Du damit wie ich finde Deine eigene Position und Glaubwürdigkeit.

Natürlich muss jede/r für sich erst einmal über das eigene Verhalten und die Folgen daraus nachdenken!

Das ist die Voraussetzung Nr.1, um überhaupt eine Veränderung erwirken zu können. Wer diesen ersten wichtigen Schritt geht, der lebt nicht nach der Devise, wie Du sie wiedergibst sondern handelt - im Gegenteil - besonders verantwortungsbewusst!

Oder sollte ich das falsch verstanden haben?

Re: Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Di 22. Okt 2019, 14:34
von Gesch
lieber migoe,
dann will ich mal meine verwendung von begrifflichkeiten erläutern, die - wie „mainstreamer“ - ja eher wortschöpfungen sind als duden-begriffe wie der „mainstream“.

meine wortschöpfung knüpft an die verwendung des bekannten begriffs „mainstream“ in diesem thread an, die an die unterstellung geknüpft schien, dass das, was man mit dem begriff in der klimadiskussion verknüpft, einer mehrheitsposition entspräche, beispielsweise bei den f4f-kids, die greta und damit doch nur einem „mainstream“ nachliefen.

das hab ich, auf grund eigener wahrnehmung der teilnehmerzahlen bei demos und der schätzung, um wie viel erheblich grösser die zahl derjenigen in jeder generation ist, die abseits bleiben, entschieden bestritten.

die tatsächlich dem „mainstream-folgenden“ kriegen nach meiner ansicht den körperschwerpunkt nicht aus den weichen polstern und wollen es vermutlich auch gar nicht. sie brauchen aber vielleicht - zur rechtfertigung ihrer passivität vor sich selbst - den generösen blick „vom hohen ross aus der tiefe bequemer polster“ auf die von greta verführten, irregeleiteten schüler, die schule schwänzend, weil sie es für cooler halten und keinen bock auf lehrer haben, unterricht versäumen und damit nur sich selbst schaden.

ich nehme mal stark an, dass die so denkenden leute sich in übereinstimmung mit dem tatsächlichen mainstream sowie mit politikern wie scheuer und söder sowie der fdp-bildungsministerin von nrw befinden, und sich bewusst nicht in einer phalanx mit den protestierenden schülerinnen und schüler sehen, die sich freitags wind und wetter aussetzen und sich zu rufen wie „wer nicht hüpft, der ist für kohle“ aufwärmen (so hab ich es im letzten frühjahr erlebt, als ich abwechselnd mit klaus dem geiger bei kälte für die kids gitarre gespielt und gesungen habe). im klassenraum wärs wärmer gewesen. übrigens haben kids, die ich persönlich kennengelernt habe, auch freitags keine klassenarbeit versäumt. sie haben bei den demos „entschuldigt gefehlt“...

gleichwohl nehme ich seit monaten aus mündlichen und schriftlichen bemerkungen wahr, wie verbreitet das vorurteil gegenüber den protestierenden schülern ist, als hätten sie ja wohl kaum einen grösseren reifegrad als kleine schulanfänger, wenn sie schule schwänzend auf die strasse gingen, statt trotz unterrichtsausfalls durch lehrermangel in der schule fürs leben zu lernen.

ich finde, da lernen sie freitags auf der strasse beim protest mehr. sie haben auch schon mehr begriffen als manche bildungspolitiker und andere im mainstream, die in aschermittwochsreden wie scheuer von schulschwänzern „faseln“, statt die ängste der kids davor ernst zu nehmen, dass unsere generation ihnen „die zukunft klaut“ und wir deshalb „umgehend“ politische beschlüsse gegen ein „weiter so“ brauchen, weil ein anfangen jedes einzelnen bei sich selbst angesichts der industriellen klimavergiftung nicht mehr ausreicht.

die industrie aber kriegt man nicht vom sofa aus gebremst. aber ich unterstelle auch, dass viele es sich auf dem sofa bequem machen, die nicht mal daran denken, bei sich selbst anzufangen...

ich weiss, dass die zahl derjenigen, die sich auf den strassen zum protest einfinden, erfreulicherweise immer grösser wird. mit der verwendung des begriffs „mainstreamer“ (diejenigen, die sich von den protestierer so deutlich absetzen und deshalb eher zur passiven mehrheit der gesellschaft zählen...) setze ich mich (und bin froh drum) nicht von ALLEN anderen ab, aber deutlich von denjenigen, die den kids den verdienten respekt verweigern.

ich verstehe hier den begriff „mainstream“ auch nur bezogen auf die klimadebatte und ihre angrenzenden themen wie die diskussion über umweltschutz.

die forderung nach „meinen“ rezepten und lösungen für einen ausweg aus den problemen höre ich als politischer liedermacher eigentlich eher selten, verstehe mich auch nicht als vordenker einer partei oder als soziologe oder politologe oder philosoph und setze mich nicht an den stammtisch, um über „mein ideal“ bei diesem oder jenem thema zu fabulieren. ich singe lieder mit reimen und strophen und nehme mir das recht, hier und da missstände oder drohendes unheil anzuprangern, soweit ich es wahrnehme. kassandran hat genauso gesungen. wenn sie sonst keiner wahrnimmt, werde ich alleine sie nicht beseitigen können, aber ohne klaren widerspruch hinnehmen werde ich sie deshalb auch nicht.

ich habe auch nichts dagegen, dass sich manche zuerst nur mit dem befassen, was sie selbst ändern können. ich weiss auch, dass sie allein nur damit nicht zum mainstream gehören. aber wenn zu diesem selbst-was-tun-ansatz noch die respektverweigerung gegenüber den F4F und beispielsweise greta, die mit ihrer beharrlichkeit zumindest nicht nur mir imponiert, noch dazu kommt, dann sehe ich schon eine annäherung an einen gegenwärtigen, von mir abgelehnten mainstream, von dem ich hoffe, dass er kein mainstream bleibt. deshalb singe ich gegen ihn.

herzlich
gerd

Re: Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Di 22. Okt 2019, 21:36
von migoe
Es ist ein bißchen mühsam der Diskussion zu folgen, weil sich in diesem Thread langsam die Themen vermischen.

Zum Thema "Fridays for Future" habe ich deshalb einen neuen Thread eröffnet und bitte Euch darum, dieses explizite Thema dort weiter zu diskutieren.

Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Mi 23. Okt 2019, 17:57
von migoe
In Berlin wird zur Zeit unter der Devise "Eine Stadt. Ein Land. Viele Meinungen." von den Redaktionen der Verlage für den Tagesspiegel, der Berliner Zeitung sowie der Bundeszentrale für politische Bildung die Meinungsfreiheit gefeiert. Die Aktion soll über 10 Wochen laufen und in jeder Woche soll es einen anderen Schwerpunkt geben. Diese Woche: Meinungsfreiheit „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen?“ Der Verleger Christoph Links fordert die Auseinandersetzung – auch mit unbequemen Meinungen. Menschen den Mund zu verbieten sei nicht die Lösung.

Dieses Thema treibt im Moment sehr viele Menschen in der Republik um und auch hier tauschen wir uns ja seit Tagen intensiv dazu aus. Aus diesem Grund wollte ich Euch noch darauf hinweisen und den Link zum Artikel weitergeben -> https://causa.tagesspiegel.de/gesellsch ... iheit.html
Tagesspiegel-21-10-2019-Meinungsfreiheit-heisst-Auseinandersetzung.jpg
Der Artikel wurde am Montag, den 21.10.2019 veröffentlicht, seitdem sind aber nur 2 Kommentare durch die Redaktion freigegeben worden. Keine Ahnung, ob das am Interesse für das Thema liegt oder ob die eingereichten Kommentare nicht "veröffentlichungswürdig/-fähig" sind.
Artikel im PDF Format lesen

Re: Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Fr 1. Nov 2019, 20:20
von fille
Hallo zusammen,

Weihnachten rückt näher. Darum nochmal zum Thema:

moni hat geschrieben: Fr 18. Okt 2019, 14:04

Der Weihnachtsstern, Adventkranz, St. Martin usw. bleibt bei mir und in meiner Kita auch weiterhin unter diesem Namen obwohl wir keine konfessionelle Kita sind. Wir feiern auch einen Gottesdienst vor dem Martinsumzug. Wer dorthin kommt macht es, die Anderen laufen danach beim Umzug, mit Pferd und Reiter, mit.
Dieses ändern der Namen ist absoluter Quatsch. Das verlangt überhaupt niemand.

LG Moni
Es ist nicht alles verloren :-). Habe heute mal bei Penny geschaut. Da wird WeihnachtsBeleuchtung
angeboten. Es werden Weihnachtssterne verkauft, usw.

Und heute bekamen wir in der Arbeit eine Einladung zum Weihnachtsessen für unseren Bereich.
Von meiner Abteilungsleiterin, die wohlgemerkt Muslima ist.

Nicki schrieb
Das Lichterfest heißt eigentlich St. Martin und die Jahresendfeier war bis vor einiger Zeit noch eine Weihnachtsfeier. Ich will mir meine Kultur nicht nehmen lassen und dass kann ich auch sagen, ohne dabei Ausländerfeindlich zu werden.
Das Martinsfest ist eines der schönsten Feste für Kinder. Das Laternenbasteln, die Lichter in der
Dunkelheit und vor allem die Geschichte dahinter. Es geht ums Teilen. Teilen mit anderen.
Damals im Kindergarten bei meinem Sohn gab es danach ein Lagerfeuer und eine halbe Breze.
Die Kindergartenleiterin hat sie mit den Worten verteilt: "Heute wird alles geteilt." Wie schade
es wäre, wenn so eine Botschaft verschwinden würde.

Ich habe leider von Kindergärten gehört, die keinen Martinsumzug mehr machen, weil ja kurz
vorher Halloween ist... :-?

Liebe Grüße, Marianne

Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Do 15. Okt 2020, 10:59
von migoe
Heute wurde auf dem Kanal maiLab bei YouTube ein Video veröffentlicht, dem ich 100% zustimmen kann.

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=AxVov3SUA9I[/youtube]

Die Wissenschaftlerin und Kanalbetreiberin Mai Thi Nguyen-Kim nimmt in diesem Video dazu Stellung, wie sie auf ihrem Kanal mit kritischen Stimmen umgeht und warum sie findet, dass auch Meinungen, die sie nicht teilt, auf ihrem Kanal nicht per se gelöscht werden und warum es trotzdem sein kann, dass viele Kommentare von Usern nicht (sofort) öffentlich angezeigt werden, obwohl sie nichts dafür kann.

Sie klärt auch die Frage, was genau Zensur ist und warum es wichtig ist, ganz genau zu hinterfragen, was jemand meint, der über Zensur spricht. Häufig ist es so, dass gar nicht die Meinung(säußerung) unterdrückt wird, sondern diejenigen, deren Meinung von einem großen Teil einer Gemeinschaft nicht geteilt wird und sie deshalb vielleicht sogar verspottet oder ignoriert werden, empfinden gerade diese Abweisung als Zensur und meinen damit aber etwas ganz anderes.

In diesem aktuellen Video bespricht sie dieses Thema im Hinblick auf das "Outing" von Michael Wendler, der vor ein paar Tagen mitteilte, er würde sich der "Zensur" und "Gleichschaltung der Medien" sowie der "Unterdrückung der Meinungsfreiheit in Deutschland" entziehen wollen, indem er sich auf seinen Wohnsitz in den USA zurückziehen wolle. Da er der Meinung ist, dass sämtliche Medien (Facebook, Twitter, YouTube, WhatsApp, RTL :hahaha: ) zensiert würden, würde er sich auch nur noch auf Telegramm äußern.

Tja, ich kann ihm hiermit sagen: nicht überall wird zensiert, z.B. gibt es im weltweiten Netz ein kleines bescheidenes Forum, dass von einem unbeugsamen Webmaster betrieben wird und dort wird jede Meinung akzeptiert ( wenn sie in mein Weltbild passt ;-) :pfeifen: :blabla: und zur Melodie von "Über den Wolken" gesunden werden kann).

Spaß beiseite, es ist jetzt fast ein Jahr her, dass dieses Thema von mir hier angesprochen wurde und immer noch gibt es diese Behauptungen, es wurden Meinungen unterdrückt, nur weil diejenigen, die sie aussprechen und vertreten dafür nicht mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt sondern im Gegenteil dafür kritisiert werden. Meine Güte, nicht alles was ich sage und schreibe wird von anderen genauso gesehen und teilweise gibt es halt auch mal eine Gegenrede. Ich finde das gut, weil der Austausch von verschiedenen Ansichten zu einem Thema hilft, den eigenen Standpunkt immer wieder selbst zu hinterfragen.

Ich weiß, dass viele hier auf dem Forum so ähnlich denken wie ich und habe mich trotzdem dazu entschieden, dieses Video hier zu verlinken.

Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Do 15. Okt 2020, 15:35
von Helmut
Lieber Michael

Den Link hab ich gestern auch gefunden und mir gedacht, dass er eigentlich hier verlinkt gehört. Nachdem der Strang schon 1 Jahr alt ist, hab ich es nicht gemacht.

Besonders gut fand ich, dass wieder deutlich gemacht wurde, dass zwischen Meinung und Fakten unterschieden werden muss. Wenn falsche Fakten behauptet und und als Meinung verkauft werden, ist das nicht hinzunehmen.

Wenn du dem Video zu 100% zustimmst, kann ich dir auch mit 100% zustimmen. Das ist doch was, oder? :teufel:

Liebe Grüße
Helmut

Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Mi 3. Mär 2021, 23:01
von migoe
Eine aktuelle Stellungnahme von den "Prinzen" zum Thema - inhaltlich passt es sehr gut und die Jungs finde ich schon sehr lange sehr sympatisch 😁👍
[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=uskf5cxzBbc[/youtube]
Die Prinzen sind......eine aus Leipzig stammende deutsche Musikgruppe. Mit fast 6 Millionen verkauften Tonträgern gehören sie zu den erfolgreichsten deutschen Bands. Ihre bekanntesten Hits sind unter anderem Millionär (1991), Mann im Mond (1991), Küssen verboten (1992), Alles nur geklaut (1993), Du musst ein Schwein sein (1995) und Deutschland (2001).

Quelle: Wikipedia


Auf der Offiziellen Webseite der Prinzen stellt die Band sich und ihre aktuelles Album vor.
SmartSelect_20210303-231429_Chrome.jpg

Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Mo 10. Mai 2021, 12:25
von migoe
Tja, was soll ich sagen, das Thema ist auch 2021 noch nicht zu Ende diskutiert.

Heute habe ich Spätschicht und hatte mir eigentlich vorgenommen, Papierkram zu erledigen, aber dann bin ich über zwei Videos auf YouTube "gestolpert" die mich an diesen Gesprächsfaden erinnert haben...
Ist Cancel Culture eine Gefahr für die Meinungsfreiheit? I 13 FRAGEN
[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=YjeTikJuVHA[/youtube]
Dieses Video wurde auf dem YouTube Kanal der ZDF heute Nachrichten veröffentlicht und das Format der Sendung trägt den Titel "13 Fragen"
Informationen unter dem Video zur Sendung und den Diskutant*innen Veröffentlicht am 12.01.2021

Wenn Künstler*innen beispielsweise rassistische oder sexistische Sachen sagen, sollten sie dann auch von der öffentlichen Bühne verschwinden? Also sozusagen „gecancelt“ werden? Vor allem auf Twitter ist Pöbeln und Moralisieren zum Volkssport geworden - mit immer mehr realen Konsequenzen für öffentliche Personen. Die Folge: Absagen und öffentliches Abstrafen “falscher Meinungen” in Form von Shitstorms. Wollen wir öffentliche Debatten, Literatur, Comedy und Musik einschränken, wenn die dort ausgedrückte Meinung dem politischen Mainstream nicht passt? Das diskutieren Satiriker & Kulturschaffende wie EL Hotzo und Aurel Mertz in dieser Folge 13 FRAGEN

00:00​ Intro
01:14​ Frage 1 // Was macht ihr mit Menschen, deren Meinung euch nicht passt? Ignorieren, überzeugen, hart ausgrenzen?
01:17​ Runde 1 // Positionierung
01:48​ Frage 2 // Ist die sogenannte Cancel Culture eine Gefahr für die Meinungsfreiheit?
02:32​ Frage 3 // Haben Shitstorms eine so große Macht, dass Künstler*innen von der öffentlichen Bühne verschwinden müssen?
03:44​ Frage 4 // Darf Kunst und Satire auch Witze über Minderheiten reißen?
04:35​ Runde 2 // Fakten
05:31​ Frage 5 // Müssen wir aufpassen, dass die Meinungsvielfalt nicht verloren geht?
06:46​ Frage 6 // Sollten wir angesichts der Rassismus Probleme genau schauen, welchen Künstler*innen eine Bühne geboten wird?
10:19​ Runde 3 // Persönliche Erfahrungen
10:42​ Frage 7 // Wer bedroht die Meinungsfreiheit?
16:13​ Frage 8 // Brauchen Leute, die sich in der Öffentlichkeit äußern, ein extrem dickes Fell?
17:49​ Frage 9 // Warum fühlst du dich als Opfer der Cancel Culture?
26:13​ Frage 10 // Du wurdest gecancelt. Was ist passiert?
35:09​ Runde 4 // Kompromiss
35:34​ Frage 11 // Stimmt es, dass es manchen in der Debatte vor allem um Deutungshoheit und nicht um Konsens geht?
36:06​ Frage 12 // Ist das Problem gar nicht so sehr fehlende Meinungsfreiheit, sondern eine kaputte Debattenkultur?
37:21​ Frage 13 // Müssen alle Menschen alles sagen dürfen, ohne Angst zu haben, dass sie digital diffamiert werden?

Unsere Gäste:

Sebastian Hotz, veröffentlicht als “El Hotzo” bei Twitter und Instagram satirische Tweets
Aurel Mertz, Moderator & Comedian
Gizem Adiyaman, DJane & Podcasterin
Gunnar Kaiser, Schriftsteller & Philosoph
Kay Ray, Kabarettist & Entertainer
Hannah Lühmann, Autorin, Stv. Ressortleiterin im Feuilleton der “Welt”

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Bei 13 FRAGEN werden da Kompromisse geschlossen, wo die Zukunft gemeinsam entschieden werden muss! Sechs Teilnehmer*innen mit unterschiedlichen Meinungen treffen sich auf einem gemeinsamen Spielfeld und streiten über kontroverse Themen aus Gesellschaft und Politik. Ziel der beiden Hosts Salwa Houmsi und Jo Schück: Mittels 13 Fragen alle Teilnehmer*innen ins Mittelfeld zu bewegen und somit zum Kompromiss zu führen. Jedes einzelne Zugeständnis führt dabei auch ein Schritt näher zum Ziel. Wer geht einen Schritt auf die Gegenseite zu? Welche Argumente überzeugen? Wer steht am Ende in der goldenen Mitte?

13 Fragen ist ein Format von ZDFkultur. Mehr Infos hier: https://kurz.zdf.de/HZtF/​

Redaktion ZDF: Stefan Münker
Formatentwicklung ZDF: Vanessa Olivier
Produktionsmanagement ZDF: Christiane Alsfasser

Eine Produktion von Hyperbole.

Host: Jo Schück
Regie / Autorin: Ann-Catrin Malessa, Katharina Lauck
Redaktion: Laura Oppermann, Clara Böning
Kamera: Fabian Uhlmann, Gabriel Rufatto, Michel Gumnior, Taner Asma
Licht: Ulrich Kalliske, David Ketel
Ton: Wladimir Gelwich
Set Design: Justus Saretz
Aufnahmeleitung: Chiara Noack
Schnitt: Alexander Stößlein
Grafik: Alexander Papoli-Barawati, Janica Schäfer, Moritz Stumm, Rosa Gehlich
Make Up: Anna Bauer
Produktionsleitung: Saskia Kuhnert
Formatentwicklung ZDF: Vanessa Olivier
Redaktion: Stefan Münker
Produktionsmanagement: Christian Alsfasser

Quellen:

https://www.antidiskriminierungsstell...​

https://www.dw.com/de/cancel-culture-...​

https://www.ifd-allensbach.de/fileadm...​

https://www.zeit.de/kultur/2019-05/me...​

https://www.ndr.de/fernsehen/sendunge...​

https://www.freitag.de/autoren/michae...​

https://www.florian-schroeder.com​

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Hier auf ZDFheute Nachrichten erfahrt ihr, was auf der Welt passiert und was uns alle etwas angeht: Wir sorgen für Durchblick in der Nachrichtenwelt, erklären die Hintergründe und gehen auf gesellschaftliche Debatten ein. Diskutiert in Livestreams mit uns und bildet euch eure eigene Meinung mit den Fakten, die wir euch präsentieren.

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Immer auf dem aktuellen Stand seid ihr auf http://www.ZDFheute.de/​.

#13Fragen​ #ZDFheute​ #Meinungsfreiheit​
Dieter Nuhr im Gespräch mit Tilo Jung (jung&naiv Folge 511)
[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=hb0vkMqO0aE[/youtube]
Text der Infobox unter dem Video Live übertragen am 05.05.2021
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Zu Gast im Studio: Dieter Nuhr über seinen Werdegang, seinen Humor, die Klimakrise, Gretas "Panik" uvm. + eure Fragen am Ende

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#Satire​ #Kabarett​ #Greta
Der YouTube Kanal jung&naiv wird betrieben von dem unabhängigen Journalisten Tilo Jung und ist bekannt dafür, dass dort (fast) alle Termine der Bundespressekonferenz (BPK) als Video archiviert sind.
Das Gespräch mit Dieter Nuhr lief fast 2,5 Stunden und im Anschluss beantwortet der noch fast 30 Minuten lang Fragen aus dem Live-Chat. Respekt für die Bereitschaft!
Meine persönliche Sicht auf diesen Künstler hat sich fast komplett verändert: vorher fand ich ihn "unsympathisch" und wusste nicht genau warum, jetzt kann ich zwar viele Dinge, die mir nicht gefallen an dieser "Figur Dieter Nuhr" sehr genau benennen, aber er ist mir dadurch nicht "symphatischer" geworden, sondern einfach nur noch uninteressant.

Kann man in Deutschland eigentlich noch offen seine Meinung sagen/schreiben?

Verfasst: Sa 16. Okt 2021, 16:14
von migoe
Es gibt sie noch die wirklich guten (linksgrünsifften) Kabarettisten

Florian Schroeder Lesung aus seinem Buch Schluss mit der Meinungsfreiheit im Rahmen von 3Sat-Festival
[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=gf801Knivz0[/youtube]

Zu Gast auf der Bühne von Radio 1 ebenfalls mit dem Buch Schluss mit der Meinungsfreiheit. Herr Schröder liest aus dem Buch und wird abwechselnd befragt von Moderator der Sendung Marco Seiffert.
[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=04G7BExfGMU[/youtube]
Der Ton wird schärfer, die Probleme nicht kleiner – in Deutschland wird heftig diskutiert. Die Lager stehen sich zunehmend unversöhnlicher gegenüber. "Alte weiße Männer", denen die Meinungsvorherrschaft abgesprochen wird, auf der einen Seite, junge schwarze Frauen, die, kaum gehört, der Ideologie verdächtigt werden. Dazwischen Wutbürger, Verschwörungserzähler, pöbelnde Klakeure. Vor allem in den sozialen Medien geht es hoch her, niemand will mehr zuhören, alle senden, keiner will empfangen. Zwischen grenzenloser Empörung und großer Empfindlichkeit wabern die Debatten hin und her.

radioeins-Kolumnist Florian Schroeder führt vor, dass es auch anders geht. Dass man sich lustvoll und provokativ streiten kann, ohne unser Zusammenleben zu gefährden. Und er analysiert, wo die Ursachen des Klimawandels unserer Debattenkultur liegen – und warum wir bei der allgegenwärtigen Erhitzung gern mitmachen, auch wenn wir es gar nicht merken.

Florian Schroeder präsentiert sein neues Buch in der "Schönen Lesung" von radioeins im Gespräch mit radioeins-Moderator Marco Seiffert und liest daraus vor.