Unterwegs mit Michael Günther, Habichtswald/Wittendorf, 19./20. August
Verfasst: Di 23. Aug 2005, 15:47
Hallo, Ihr Lieben,
Vorwort
am Wochenende war es mal wieder so weit: Ich machte mich auf den Weg zu einem Festival. Inzwischen habe ich ein Navigationsgerät, sodass ich davon ausgehen konnte, wenigstens in die richtige Richtung zu fahren, auch wenn ich keine genaue Adresse eingeben konnte. Leider war die Website 'Fest der leisen Töne' kurz bevor es Ernst wurde, offline gegangen. Aber es gibt ja noch mehr, was einen Autofahrer aufhalten kann. Wie immer kam ich knapp weg, aber es war zu schaffen – 19 Uhr, Habichtswald bei Kassel. Durch Überholverbote und Geschwindigkeitsbeschränkungen hatte ich bald eine Viertelstunde verloren. Als ich etwa die Hälfte wieder aufgeholt hatte, war ich am Frankfurter Kreuz. Das war der Beginn einer neuen Zeitrechnung. Der Verkehrsfunk meldete 5 km stockenden Verkehr… nach einer Stunde und knapp 20 km konnte ich die Fahrt endlich wieder aufnehmen. Bedenklich waren die Regenschauer, die immer wieder niedergingen, nicht gerade ideal für ein Open-Air-Festival. Etwa 130 km vor Habichtswald rief ich Micha an und erfuhr, dass Christoph Weiherer um 20:15 h dran sein sollte, er selbst um 21 Uhr, das Wetter war trocken. Jetzt war mir wohler, denn es war noch nicht mal 19 Uhr, das konnte ich schaffen. Das Navigationsgerät prophezeite mir die Ankunft gegen acht Uhr, aber –wie gesagt- eine richtige Adresse hatte ich nicht. Direkt nach meinem Anruf fuhr ich in ein Gewitter mit Regengüssen, die die Sicht und das Reisetempo enorm einschränkten. Aber auch das ging vorbei, und bis kurz vor dem Ziel kam ich zügig voran. Als es wieder anfing zu regnen, zeigte mir mein Gerät an, dass ich noch 10 km zu fahren hatte, Ankunft 20:07 h. Abfahrt Vierenberg - so hatte ich Micha am Telefon verstanden; die Abfahrt Zierenberg habe ich einfach nicht Ernst genommen, weil ich nach einem Ort mit 'V' suchte. Als ich vorbei war, sagte ich mir, dass die meisten Buchstaben übereingestimmt hatten, und richtig – ein Vierenberg kam nicht mehr. Okay, runter von der Autobahn, jetzt hätte ich schon da sein können. Der Navigator wollte mich in der Gegenrichtung auf die Autobahn schicken, nicht unlogisch eigentlich. Aber dort hatte es einen Unfall gegeben, ich hatte einen kilometerlangen Stau gesehen. So musste ich ein bisschen über Land fahren, bis mir mein schlaues Gerät einen neuen Vorschlag machte. Obwohl ich als Adresse nur Habichtswald eingegeben hatte, war mir das Glück endlich einmal hold, und ich landete direkt in Dörnberg, dem richtigen Ortsteil. Es war allerdings schon halb neun, aber ich fand die richtige Straße schnell, an der viele Autos parkten, der Parkplatz war offenbar voll. Es regnete nicht mehr, deshalb behielt ich die offenen Schuhe an, mit denen ich Auto gefahren war, denn ich wollte nicht noch mehr Zeit verlieren. Aus dem Wald hörte ich Gesang und Gitarre, aber der Weiherer, der eigentlich dran sein müsste, war das nicht. Dann nochmal zurück zum Auto – Handy vergessen; Schuhe umziehen? Nein, keine Zeit mehr. Jetzt einen steilen Waldweg hochgekraxelt, und da war ich, uff.
Das 'Fest der leisen Töne' in Habichtswald
Ich sah mich um und fand, dass dieses Festival dem in Wittendorf gar nicht soo unähnlich war, wenigstens äußerlich. Die Lichtung selbst war kleiner, die Bühne, das Zuschauer- und das Künstlerzelt waren größer. Es waren auch mehr Besucher da, und es wurde kein Eintritt verlangt. Ich kaufte ein paar Verzehr-Chips und traf dann den Weiherer. Er brachte mich zu Micha; wir begrüßten uns kurz, aber herzlich, dann suchte ich mir einen Platz im Publikum.
Lt. Programm hatte ich Joanna Quissek verpasst, die mit Country und Oldies aufgetreten war. Im Moment spielte gerade das Duo Spielfeld sein letztes Stück – akustische Gitarrenmusik stand im Programm. Als nächstes: Christoph Weiherer – bayerische Mundart. Leider fing es wieder an zu regnen, aber ich bin ja nicht aus Zucker. Christoph wurde als Bayer angesagt und zwar als einer aus einem der klugen Bevölkerungsteile.
Er nutzte die gegenwärtige politische Lage für ein paar Scherze, das durfte er sich natürlich nicht entgehen lassen. Sein trockener Humor kam sehr gut an. Als erstes sang er A scheener Abend. Danach erklärte er den Hessen, dass der bayerische Edi der Angela Merkel nur die Kanzlerkandidatur überlassen hat, weil sie versprochen hat, Bayern zu vergrößern. Im Falle eines Wahlsieges sollten Baden-Württemberg und Hessen dazukommen. Damit auch die Habichtswalder erfahren, was auf sie zukommt, sang er ihnen sein Heimatlied, sagte aber gleich dazu, dass er noch niemanden getroffen hat, der das wollte. ("Do, wo des ganze Dorf s’Maul halt, wenn a Voder sei Kind fast derschlagt, aber a jeder schreit auf, wen ma oa Woch’ sein’ Rasen ned maht.") Es folgte Und nimma auf, das von der Unvernunft der Menschen und in der Politik handelt. Dann ein MUSS in jedem Weiherer-Programm: das wunderschöne Lied vom Fährmann von Haunreut, der im Jahre 1521 den Tod über den Inn brachte, der auf dem Weg nach Zeilarn war, dem Heimatdorf des Weiherers. Die Pest hat dort fast die ganze Bevölkerung hingerafft, aber der Fährmann blieb zum Dank für seine Dienste am Leben. Nun folgte übergangslos Morgenstund, anschließend das Titellied der aktuellen CD Scheiß da Hund. Das war die passende Gelegenheit, auf die Homepage und die CDs hinzuweisen. Außerdem wollte er 'Zedl' mit Terminen auslegen, "heit sogt mer 'Flyer' derzu". Das nächste Lied kam mir unbekannt vor: Des bisserl Leben. Immerhin hatte ich ihn erst ein Mal richtig gehört und besaß bis dahin auch nur seine zweite CD. Inzwischen regnete es wieder, und hin und wieder blitzte es über den Baumwipfeln. Christoph Weiherer beruhigte das Publikum, das hätte nichts zu bedeuten, das hätte der Beckstein angeordnet, dessen Spione ihn im Auge behalten mussten. Nun trug er das Lied Eia Sissdem vor, was auf Deutsch 'Euer System' heißt. Danach hatte das Publikum den Eindruck, dass es das war, denn es wurden Zugaberufe laut. "I bin jo no gar ned fertig!" *g* Das Programm war aber derart in Verzug, dass er erzählte, dass er die Zugabe immer gleich am Schluss singt, falls keine verlangt wird. So beendete er mit Ned so schlimm seinen Auftritt. Danach mischte er sich mit einer Schachtel voller CDs unters Volk.
Nun wurde Michael Günther, der Bänkelsänger, angekündigt. Der Moderator erzählte, dass er den Weiherer erst heute kennengelernt hatte und nicht glauben konnte, dass das ein Bayer sein sollte – groß, schlank, trinkt kein Bier, isst kein Fleisch… Michael Günther würde da viel eher als Bayer durchgehen, nur – der hat nicht den richtigen Dialekt, denn der kommt ja aus der Gegend von Berlin. Ziemlich zeitgleich mit Michas Auftritt öffnete der Himmel seine Schleusen, und es goss wie aus Kübeln. Micha hatte nun ein Problem: Er ist es gewöhnt, für sein Publikum zu singen, stattdessen sang er jetzt gegen den Regen. Er konnte sich selbst vor lauter Prasseln kaum noch hören. Das Dach der Bühne hatte eine andere Beschaffenheit als das Zeltdach der Zuhörer, für uns war er gut zu verstehen. In das Zelt passten sicherlich 100 Leute, und bei dem Sauwetter war es rappelvoll. Trotzdem oder erst recht (?) waren sie recht gut drauf und sehr wohlwollend und nahmen ihm die ein oder zwei kleinen Texthänger nicht übel. Andere kleine Stolperer merkte man nicht, wenn man das Programm nicht kannte. Er sang das Trinkerlied mit dem er immer temperamentvoll beginnt. Dann, als verzweifeltes Aufbäumen gegen das Wetter, das Frühlingslied, das auch ich noch nie live gehört hatte. Es sah kurz aus, als hätte Petrus ein Einsehen, aber dann goss es unvermindert weiter. Auch der Berliner im feindlichen Ausland kam sehr gut an, aber der Dialog zwischen Künstler und Publikum klappte nicht, weil da diese Regenwand dazwischen stand. Micha verzichtete fast ganz auf seine wortreichen Anmoderationen, mit denen er sonst seine Auftritte würzt und fasste sich ungewohnt kurz. Ich weiß jetzt gar nicht mehr, was er sonst noch alles gesungen hat. Da ich alles kenne, dachte ich, dass ich es mir merken könnte, aber genau deshalb ist es mir entfallen. Aber Sing' ein Lied für mich und mein Lieblingslied Stille Flut waren auch dabei. Ach ja, auch Schöne, bunte Welt mit der einzigen langen Anmoderation. Das Publikum hätte gerne noch mehr gehört, aber Micha singt keine Zugaben, wenn das Programm zeitlich so hängt und noch etliche Kollegen auf ihren Auftritt warten. Außerdem war er so frustriert und unzufrieden mit sich, dass er nicht einmal einen Hinweis auf seine CDs gab.
Nun kam eine vierköpfige Band auf die Bühne, die Bridge Band & J. K. Novak aus Prag. Es waren drei ältere Herren und ein Küken, naja, relativ gesehen. Der eine sah aus wie ein biederer Beamter mit schütterem Haar, der andere total ergraut. Aber tollen, beschwingten Dixieland haben die gespielt, bekannte Lieder wie Blue Berry Hill, Sweet Georgia Brown und dergl. Ich fass' es nicht, dass ich mir nicht mehr merken konnte. Sie ließen sich zu einer Zugabe nötigen, und wer auch an den anderen Tagen zum 'Fest der leisen Töne' nach Habichtswald kommen wollte, würde noch zwei Mal Gelegenheit haben, sie zu hören. Der Regen hatte inzwischen nachgelassen.
Als nächstes wurde der Liedermacher Günter Gall angesagt. Nachdem wir schon Bayrisch und (Pseudo-)Berlinerisch gehört hatten, kam er uns rheinländisch. 'Lieder und Geschichten aus dem Rheinland' stand im Programm. Er spielte Gitarre und wurde auf der Geige begleitet. Pardon, der Name der Dame ist weg – es war ein langes Wochenende.
Ich saß während dieser Darbietung nicht im Publikum, sah den Günter Gall aber auch mal mit einer Leier auf der Bühne. Als er etwa Viertel vor zwölf fertig war, sind viele Besucher gegangen, vor allem welche, die Kinder dabei hatten. Schade, sie haben was verpasst.
Das Schlusslicht machte Hans Dinant, der einzige, der als Liedermacher angekündigt worden war. Auf den war ich natürlich besonders gespannt – und wurde nicht enttäuscht. Er begann mit einem Gedicht, aber ich krieg' nicht mehr zusammen, worum es ging. Er hoffte, dass niemand im Publikum überempfindlich war, denn es enthielt ein paar Anzüglichkeiten, aber sehr charmant verpackt und vorgetragen. Hans Dinant – nie von ihm gehört, aber er ist ein Liedermacher, wie er im Buche steht. Lustig und ernst, ironisch und traurig besang er die Widrigkeiten und die glücklichen Seiten des Lebens. Er ist offenbar so eine Art Lokalmatador, zwar aus Kassel, aber er war es, der dem 'Fest der leisen Töne' vor 19 Jahren den Namen gegeben hat. Und er war ein paar Jahre als Jugendpfleger in Habichtswald tätig. Viele kannten ihn, die Regenwand hatte sich auch verzogen, und er war in ständigem Wortwechsel mit dem Publikum. Sagenhaft sein Lied, in dem er von seinem Werdegang als Liedermacher erzählte. Wie er früher Hannes-Wader-Lieder geübt hat und wie jahrelang bei jedem Auftritt irgendjemand forderte: "Sing' doch mal Cocaine von Hannes!" Schnell drohte er uns: "Wehe Euch, wenn Ihr das jetzt verlangt." Am Schluss des Liedes verballhornte er den Text von Tankerkönig auf die Melodie von Cocaine. Klasse gemacht. Auch an Agrippina wurde ich mal erinnert, als er fragte: "Ist Euch schon mal aufgefallen, dass man fast kein Deutsch mehr spricht? Für jeden Dreck nimmt man ein englisches Wort." Es folgte ein Gedicht, in dem auf zwei DIN-A-4-Seiten Beispiele aufgeführt wurden. Er versicherte, dass er endlos weitermachen könnte. Gerne habe ich eine CD gekauft, obwohl sie nicht im Budget eingeplant war. Damit war dieser Abend zu Ende.
Die schöne Waldlichtung hatte sich in ein Schlammloch verwandelt, jeder Schritt widerte mich an. Man versank im Matsch, der in meinen offenen Schuhen knatschte, brrrr. Ich traute mich kaum in Michas Auto, aber laufen wollte ich ja auch nicht. Wir mussten uns jetzt dem Weiherer anvertrauen, denn nur er wusste, wo wir in dieser Nacht schlafen würden. Er hat es auch fast auf Anhieb gefunden. Ich stellte mich samt den Schuhen in die Dusche und brauste den ganzen Matsch ab. Nun ergatterte ich noch Weiherers letztes Exemplar der CD Fährmann, die war im Budget eingeplant. Und dann war es höchste Zeit für die Nachtruhe, denn um 9 Uhr war Frühstück angesagt.
Zwischentext
Als wir am nächsten Morgen zum Frühstück auf der Waldlichtung eintrafen, hatte ich endlich das passende Schuhwerk an den Füßen. Wir waren etwas verspätet dran, aber nicht die Letzten. Es gab ein Wiedersehen mit Organisatoren, Helfern, Feuerwehrleuten und Künstlern, lauter freundliche Gesichter. Noch ein paar Brötchen für unterwegs belegt, und ab ging's in Richtung Süden. Auch der Weiherer, der normalerweise mit dem Zug reist, wollte nach Wittendorf, da bot es sich an, zusammen zu fahren. Wir brachten mein Auto an eine strategisch günstige Stelle, wo ich es am nächsten Tag ohne großen Umweg abholen konnte. Nun lagen ein paar Stunden Autobahn vor uns. Das Wetter war wechselhaft, nicht sehr vielversprechend, und als wir in den Schwarzwald kamen, hingen die Wolken tief. In Loßburg ging ich alleine in die Pension, um die Schlüssel abzuholen. Zu diesem Zeitpunkt fing es an zu tröpfeln. Wir fuhren weiter in den Ortsteil Wittendorf, wo hinter dem Sportplatz das Festival-Gelände liegt und erfuhren, dass es am vorherigen Abend ab 19 Uhr geregnet hatte. Auch für den Samstagabend hatten wir nicht viel Hoffnung, aber die Stimmung war gut, wie ich das schon im letzten Jahr erlebt hatte: Wetter mies – Stimmung großartig. Auch bei den Helfern weit und breit kein Miesepeter. Aufgrund des schlechten Wetters war der Besucherandrang nur mäßig, und das Ganze behielt einen eher familiären Charakter. Die Set-Liste lt. Faltblatt wurde kräftig durcheinander gewirbelt.
Das Festival in Wittendorf
Die Künstler haben es in Wittendorf insofern etwas schwer, als sie vor leeren Plätzen anfangen müssen. So ein dreifacher Gong wie im Theater wäre da vielleicht hilfreich, aber für Liedermachings wohl zu spießig. Naja, für die ersten war es besonders schwer, weil noch gar niemand da saß und auch niemand wusste, wann es denn genau losgehen sollte. Aber da mussten sie durch.
Auf die Unkraut Liedermacher war ich besonders gespannt, denn die eine Hälfte, Sascha Tesch, ist bei uns im Forum registriert und hat schon ein paar Mal auf sein Duo aufmerksam gemacht. Auf ihrer Homepage schreiben sie, dass sie den Liedermachings nacheifern, auch wenn sie wissen, dass sie noch nicht an sie heranreichen. - Inzwischen war ich so schlau, mir Notizen zu machen, aber Folgendes gilt auch für alle anderen: Teilweise kann ich meine Notizen selbst nicht mehr lesen oder sie sind so kärglich, dass ich nichts mehr damit anfangen kann. Deshalb bitte ich die Lücken in meinem Bericht zu entschuldigen. – Die Unkraut Liedermacher, das sind die mit dem Löwenzahn auf der Brust, nett anzusehen die T-Shirts. Sie kamen zusammen mit Sascha Franke, dem Klangtier, auf die Bühne. Den Anfang machte wohl ein Lied mit der Quintessenz: Wir sind dumm, aber schön. Danach wurde in schönster Liedermacher-Manier ein Gegenstand besungen: Der Barhocker. Ungefähr jetzt griff das Klangtier ins Geschehen ein. Sascha Franke ist in Deutschlands schönem Osten aufgewachsen und vergleicht in seinem DDR-Lied die Zeit vor und nach der Wende. Dann wurde ein Lied über Berufe angekündigt. Die Berufe im Allgemeinen kamen ziemlich kurz, aber ihrem Lieblingsberuf war der eingängige Refrain gewidmet:
Des Liedermachers Handwerkszeug: Gitarre und Gesang,
und der, der Liedermacher mag, der hört sich das dann an.
Auch ein Lied über Groupies bekamen wir zu hören; sie sollten Schlange stehen, sich ausziehen und vorzugsweise weiblich sein, nehme ich mal an. Auch das Klangtier gab wieder ein Lied zum Besten: Die Chip-Karte. Da wurde beschrieben, wie wenig der Mensch bei uns wert ist, wenn er keine Krankenversicherungskarte hat. In einem weiteren Lied der Unkraut Liedermacher All die bösen Dinge ging es um die übelsten Dinge der Welt: Rauchen, Saufen, Haschisch, Tripper, Kernkraft und... Hip- Hop. Danach wurde der Traum vieler kleiner Jungen besungen: Als Piraten zu leben. Nun kündigte Das Klangtier eine Hommage an Rüdiger Bierhorst an. Er wollte dessen Lied Sonntag singen. Leider ist des öfteren mal der Text abhanden gekommen. Aber sie waren ja zu dritt und irgendeinem von ihnen fiel dann doch immer wieder ein, wie es weiterging. So wurde das Ding zu Ende gebracht, aber als Hommage ging das beim besten Willen nicht durch. Es ist halt auch so, dass auf der Bühne ruhig Witze gemacht werden dürfen, aber es ist auch gut, wenn das Publikum mitlachen kann. Insider-Witze würde ich mir für die Proben aufheben. Dann haben Unkraut Liedermacher das Lied Mehr als tausend Worte...ähm, zelebriert. Am Schluss sangen sie zu dritt ein Lied, das das Klangtier geschrieben hat. Es wurde beschrieben, dass das Liedermachen therapeutische Wirkung hat und wieviel Spaß es macht: Mittags aufsteh'n, Lieder schreiben, abends auf 'ner Bühne steh'n. Das allerletzte Lied dürfte gewesen sein Always look on the Liedermaching side of life. Insgesamt ein gelungener Auftritt. Auch wenn sie wissen, dass sie nicht an die alten Hasen heranreichen, sind sie doch sehr schwungvoll, und an den strahlenden Augen war abzulesen, dass sie sehr viel Spaß hatten.
Nach kurzer Pause betraten Jesus Weed die Bühne. Wie gewohnt kamen sie sehr selbstbewusst und professionell rüber. Sie begannen ihr Heimspiel mit dem Renner, der beschreibt, wie die Zitronen sauer wurden. Das ist immer wieder schön anzuhören. Als Kontrast ein Lied über Terrorismus. Dann eine Premiere: Kreuzwege. Sie berichten von ihrer Erkenntnis, dass es ihnen in ihrem Musikerleben auch dann, wenn alles beschissen läuft, immer noch besser geht als uns. Denn wir müssen Eintritt zahlen, Fresse halten, applaudieren und über ihre Witze lachen. Ein weiterer Klassiker war das Lied vom Gummihammer. Mit ihm kann man wesentlich billiger erreichen, was man sonst durch Saufen schafft: beispielsweise Kopfweh und den Verlust der Muttersprache.
Dann gab es noch ein brandneues politisches Lied, in dem es um Steuerverschwendung ging. Weitere Einzelheiten kann ich meinen Notizen nicht mehr entnehmen. Ich erinnere mich, dass es neben stimmgewaltigen auch ruhigere Lieder gab. Ein Lied richtete sich gegen Rechtsradikalismus, ein anderes wurde in schwäbischer Mundart gesungen. In diesem (oder einem anderen?) wurde als Grund für den Kirchgang genannt: 'Wir saufen Messwein mit dem Herrn Kaplan.' Und als Zugabe gab es ein Lied über die Methoden des BKA.
So, nächster Programmpunkt Abteilung Liedermaching. Bedauerlicherweise werden meine Notizen immer wirrer, naja, schließlich war es dunkel. Das erste Lied war ein positiver Sommerhit über das Reichwerden, dann wurde besungen wie man sich nach einer Sauftour fühlt. An das Lied Zwei bis drei Wünsche kann ich mich noch recht gut erinnern, da wird gerne mal ein Wunsch dafür benutzt, um die vorherigen rückgängig zu machen. Abteilung Liedermaching versuchten, das Publikum mit einzubeziehen, was nicht so recht gelingen wollte. Auch die Idee, aus einem wahllos zugerufenen Begriff ein Lied zu machen, ist ausbaufähig. Ein interessantes Lied war Ewiges Leben: Ein Arbeitsloser findet eine Anstellung als Assistent und Urlaubsvertretung des Todes. Der Job ist aber langweilig – immer nur die Sanduhr beobachten und Kerzen ausblasen. Aber der Tod will ihn nicht mehr gehen lassen... Aus der neuen CD Herbstdepressionen wurde das gleichnamige Lied vorgestellt. Auch der Dachbalkon, auf dem sie proben, wurde besungen. Nun habe ich deutliche Gedächtnislücken, aber an ein Lied Campino und ich kann ich mich noch erinnern. Die Zugabe war ein Protestsong gegen alles: Gegen gutes und schlechtes Wetter, gegen Politik und Politikverdrossenheit usw. Nach einer zweiten Zugabe verließen sie die Bühne. Vorher sagten sie Michael Günther an, den sie zwar nicht kannten, von dem sie aber gehört hatten, dass er im letzten Jahr sogar die Leute vom Lagerfeuer weggelockt hatte "und das will was heißen".
Michael Günther erging es zunächst mal wie allen: Er begann vor spärlichem Publikum. Aber kaum hatte er angefangen, füllten sich die Bänke vor der Bühne und tatsächlich – das Lagerfeuer flackerte einsam vor sich hin. Mit einer Anzahl von gut 30 Zuhörern hatte sich das größtmögliche Publikum eingefunden. Das Programm vom Vortag wurde nicht komplett übernommen, aber die Renner durften natürlich nicht fehlen. Wer Michael Günther erlebt, will das Trinkerlied und den Berliner im feindlichen Ausland hören. Und Sing' ein Lied für mich entwickelt sich zu einer richtigen Liedermachinghymne. Es war toll, wie das Publikum beim Refrain einstimmte und völlig freiwillig und unaufgefordert mitsang. Dieses Mal hatte Michas Auftritt wieder die gewohnte Leichtigkeit, und das Publikum, das ihm bereitwillig folgte, hat ihn noch beflügelt. Für mich ist es immer wieder faszinierend zu sehen, wie er die Grenze zwischen den Liedermachern und den Liedermachings verwischt. Um wieder einmal den Flotten Totte zu erwähnen, obwohl er gar nicht da war: Der hat an anderer Stelle zwischen der (unterhaltungsfreudigen) Liedermaching- und der (gehaltvollen) Liedermacher-Fraktion unterschieden. Es ist spannend mitzuerleben, wie Menschen, die kurz vorher begeistert über einen Rülpser geklatscht haben (Entschuldige, Sascha, ich selbst war ja auch beeindruckt wie punktgenau Du passend an der richtigen Stelle im Text rülpsen kannst – und mein Sohn ist hin und weg, er hat es auf der Demo-CD gehört *g*), die von metalligen und rockigen Klängen begeistert waren, ganz still werden, um so einem poetischen Text wie Stille Flut zu lauschen. Oder einem Text wie Weshalb, warum?, ebenfalls ein wunderschönes ruhiges Lied. Aber danach wird wieder bei Tauch ab gerockt, und diese Mischung ist es wohl, die so Spaß macht – uns und ihm. Dazu noch die launigen Zwischentexte... Zum Abschluss wurde auch in diesem Jahr lautstark nach dem Lied aus Michas Kinderprogramm verlangt: Ich kauf' mir eine Keksfabrik. Herrlich, wie er dazu beschreibt, wie es dabei im Kindergarten zugeht. Etwa eine Stunde verging wie im Flug, und es gab reichlich Beifall, sogar von den Helfern an den Verkaufsständen. Dieses Mal konnte er guten Gewissens auf seine CDs hinweisen. Er wurde dann auch wirklich umlagert, und eine Interessentin für sein Kinderprogramm hat sich auch noch gemeldet.
Nach Michas lebhaftem Auftritt war es für den Weiherer nicht ganz einfach, aber auch er ist ja Profi. Ich habe ihn als selbstbewussten jungen Mann kennengelernt, der genau weiß, was er will. Und diese Sicherheit strahlt er auch aus, wenn er auf der Bühne sitzt. Mit seiner unaufgeregten Art packte er das Publikum ganz anders an als sein Vorgänger, aber auch ihm hörten sie zu. Er ist ja auch in Wittendorf schon hinlänglich bekannt. Er sang dieses Mal das Winterlied und Hindda da Sun, die er am Vortag weglassen musste, weil die Zeit so knapp war. Zusätzlich hörte ich auch noch A wengal und In da letztn Zeit (?). Es war tatsächlich den ganzen Abend trocken geblieben, aber es war ziemlich kalt, und so hatten sich die acht oder zehn Leute wieder ans Lagerfeuer zurückgezogen. Leider mussten auch wir gehen, denn es war arg spät geworden, ich konnte mich nicht einmal von Christoph verabschieden. Aber während wir die Sachen im Auto verstauten, hörten wir in der Ferne, dass auch er guten Beifall bekam.
Schlusswort
Nun machte ich meine erste Fahrt im Günthermobil. Das Auto ist sehr lang und hat Automatik. Das war etwas ganz Neues für mich, aber ich brachte uns heil zum Nachtquartier. Die Schlüssel hatte ich noch bei mir, aber wir bekamen die Tür nicht auf – und das nachts um zwei Uhr! Gerade als wir beschlossen hatten zu klingeln, fiel mir auf, dass ich aus alter Gewohnheit meinen Hausschlüssel von zu Hause aus der Tasche gezogen hatte. Ich war heilfroh, dass wir noch nicht geklingelt hatten – und dass Micha so gut erzogen ist.
Danke für Deine Nachsicht, Micha. *Küsschen* Am Sonntagnachmittag hatte er schon wieder einen Auftritt in Berlin mit seiner Band 50 Hertz. Deshalb war die Nacht für uns kurz vor sechs Uhr schon wieder zu Ende. Wir bekamen sogar schon ein Frühstück zu dieser frühen Stunde, danke Frau Burkhardt. Sie bezweifelte jedoch stark, dass es Micha schaffen würde, bis um zwei Uhr in Berlin zu sein. Lustig fand ich, dass sie am Vortag mit mir alleine schwäbisch gesprochen hatte, aber jetzt, wo Micha dabei war, bemühte sie sich um so was Ähnliches wie Hochdeutsch. *g*
Es war schon hell und es ging los in Richtung Autobahn, ich am Steuer des Günthermobils. Wir waren noch nicht lange unterwegs und noch in der Einweisungsphase, als wir im Gras neben der Straße ein Auto auf dem Dach liegen sahen, die Warnblinkanlage war eingeschaltet. Offen gestanden war ich noch zu sehr mit dem ungewohnten Auto beschäftigt und achtete mehr auf die Straße selbst als auf das, was daneben war. Deshalb realisierte ich nicht gleich, dass da was passiert war. Aber Micha reagierte blitzschnell: "Sofort rechts ranfahren und anhalten!" Und schon war er draußen. Auf der anderen Straßenseite stand aber ein Auto, in dem die Unglücksfahrerin saß. Der Besitzer dieses Autos erklärte uns, dass die Frau unverletzt und die Polizei bereits gerufen worden sei. Somit blieb für uns nichts mehr zu tun, und wir konnten unsere Fahrt fortsetzen. Im Nachhinein war Micha natürlich froh, dass er nicht aufgehalten wurde, denn er hatte es ja echt eilig. Aber in der Sekunde, in der es darauf ankam, hat er daran keinen einzigen Gedanken verschwendet. Ich möchte nicht wissen, wie vielen anderen Autofahrern die eigenen Interessen wichtiger gewesen wären. *Noch ein Küsschen, Micha* Als wir endlich auf der Autobahn waren, drehte Micha seine Rückenlehne weiter zurück und ruhte sich noch ein bisschen aus; er musste ja fit sein, wenn er später das Steuer übernehmen würde, um zu seinem nächsten Job zu fahren. Er hat es kurz und knackig so beschrieben:
Das ist der allerschönste Beruf der Welt,
aber zugleich auch der allerschrecklichste!!
Liebe Grüße von Petra
Arg lang der Bericht, aber in Wirklichkeit sind es ja mindestens zwei.
Vorwort
am Wochenende war es mal wieder so weit: Ich machte mich auf den Weg zu einem Festival. Inzwischen habe ich ein Navigationsgerät, sodass ich davon ausgehen konnte, wenigstens in die richtige Richtung zu fahren, auch wenn ich keine genaue Adresse eingeben konnte. Leider war die Website 'Fest der leisen Töne' kurz bevor es Ernst wurde, offline gegangen. Aber es gibt ja noch mehr, was einen Autofahrer aufhalten kann. Wie immer kam ich knapp weg, aber es war zu schaffen – 19 Uhr, Habichtswald bei Kassel. Durch Überholverbote und Geschwindigkeitsbeschränkungen hatte ich bald eine Viertelstunde verloren. Als ich etwa die Hälfte wieder aufgeholt hatte, war ich am Frankfurter Kreuz. Das war der Beginn einer neuen Zeitrechnung. Der Verkehrsfunk meldete 5 km stockenden Verkehr… nach einer Stunde und knapp 20 km konnte ich die Fahrt endlich wieder aufnehmen. Bedenklich waren die Regenschauer, die immer wieder niedergingen, nicht gerade ideal für ein Open-Air-Festival. Etwa 130 km vor Habichtswald rief ich Micha an und erfuhr, dass Christoph Weiherer um 20:15 h dran sein sollte, er selbst um 21 Uhr, das Wetter war trocken. Jetzt war mir wohler, denn es war noch nicht mal 19 Uhr, das konnte ich schaffen. Das Navigationsgerät prophezeite mir die Ankunft gegen acht Uhr, aber –wie gesagt- eine richtige Adresse hatte ich nicht. Direkt nach meinem Anruf fuhr ich in ein Gewitter mit Regengüssen, die die Sicht und das Reisetempo enorm einschränkten. Aber auch das ging vorbei, und bis kurz vor dem Ziel kam ich zügig voran. Als es wieder anfing zu regnen, zeigte mir mein Gerät an, dass ich noch 10 km zu fahren hatte, Ankunft 20:07 h. Abfahrt Vierenberg - so hatte ich Micha am Telefon verstanden; die Abfahrt Zierenberg habe ich einfach nicht Ernst genommen, weil ich nach einem Ort mit 'V' suchte. Als ich vorbei war, sagte ich mir, dass die meisten Buchstaben übereingestimmt hatten, und richtig – ein Vierenberg kam nicht mehr. Okay, runter von der Autobahn, jetzt hätte ich schon da sein können. Der Navigator wollte mich in der Gegenrichtung auf die Autobahn schicken, nicht unlogisch eigentlich. Aber dort hatte es einen Unfall gegeben, ich hatte einen kilometerlangen Stau gesehen. So musste ich ein bisschen über Land fahren, bis mir mein schlaues Gerät einen neuen Vorschlag machte. Obwohl ich als Adresse nur Habichtswald eingegeben hatte, war mir das Glück endlich einmal hold, und ich landete direkt in Dörnberg, dem richtigen Ortsteil. Es war allerdings schon halb neun, aber ich fand die richtige Straße schnell, an der viele Autos parkten, der Parkplatz war offenbar voll. Es regnete nicht mehr, deshalb behielt ich die offenen Schuhe an, mit denen ich Auto gefahren war, denn ich wollte nicht noch mehr Zeit verlieren. Aus dem Wald hörte ich Gesang und Gitarre, aber der Weiherer, der eigentlich dran sein müsste, war das nicht. Dann nochmal zurück zum Auto – Handy vergessen; Schuhe umziehen? Nein, keine Zeit mehr. Jetzt einen steilen Waldweg hochgekraxelt, und da war ich, uff.
Das 'Fest der leisen Töne' in Habichtswald
Ich sah mich um und fand, dass dieses Festival dem in Wittendorf gar nicht soo unähnlich war, wenigstens äußerlich. Die Lichtung selbst war kleiner, die Bühne, das Zuschauer- und das Künstlerzelt waren größer. Es waren auch mehr Besucher da, und es wurde kein Eintritt verlangt. Ich kaufte ein paar Verzehr-Chips und traf dann den Weiherer. Er brachte mich zu Micha; wir begrüßten uns kurz, aber herzlich, dann suchte ich mir einen Platz im Publikum.
Lt. Programm hatte ich Joanna Quissek verpasst, die mit Country und Oldies aufgetreten war. Im Moment spielte gerade das Duo Spielfeld sein letztes Stück – akustische Gitarrenmusik stand im Programm. Als nächstes: Christoph Weiherer – bayerische Mundart. Leider fing es wieder an zu regnen, aber ich bin ja nicht aus Zucker. Christoph wurde als Bayer angesagt und zwar als einer aus einem der klugen Bevölkerungsteile.
Nun wurde Michael Günther, der Bänkelsänger, angekündigt. Der Moderator erzählte, dass er den Weiherer erst heute kennengelernt hatte und nicht glauben konnte, dass das ein Bayer sein sollte – groß, schlank, trinkt kein Bier, isst kein Fleisch… Michael Günther würde da viel eher als Bayer durchgehen, nur – der hat nicht den richtigen Dialekt, denn der kommt ja aus der Gegend von Berlin. Ziemlich zeitgleich mit Michas Auftritt öffnete der Himmel seine Schleusen, und es goss wie aus Kübeln. Micha hatte nun ein Problem: Er ist es gewöhnt, für sein Publikum zu singen, stattdessen sang er jetzt gegen den Regen. Er konnte sich selbst vor lauter Prasseln kaum noch hören. Das Dach der Bühne hatte eine andere Beschaffenheit als das Zeltdach der Zuhörer, für uns war er gut zu verstehen. In das Zelt passten sicherlich 100 Leute, und bei dem Sauwetter war es rappelvoll. Trotzdem oder erst recht (?) waren sie recht gut drauf und sehr wohlwollend und nahmen ihm die ein oder zwei kleinen Texthänger nicht übel. Andere kleine Stolperer merkte man nicht, wenn man das Programm nicht kannte. Er sang das Trinkerlied mit dem er immer temperamentvoll beginnt. Dann, als verzweifeltes Aufbäumen gegen das Wetter, das Frühlingslied, das auch ich noch nie live gehört hatte. Es sah kurz aus, als hätte Petrus ein Einsehen, aber dann goss es unvermindert weiter. Auch der Berliner im feindlichen Ausland kam sehr gut an, aber der Dialog zwischen Künstler und Publikum klappte nicht, weil da diese Regenwand dazwischen stand. Micha verzichtete fast ganz auf seine wortreichen Anmoderationen, mit denen er sonst seine Auftritte würzt und fasste sich ungewohnt kurz. Ich weiß jetzt gar nicht mehr, was er sonst noch alles gesungen hat. Da ich alles kenne, dachte ich, dass ich es mir merken könnte, aber genau deshalb ist es mir entfallen. Aber Sing' ein Lied für mich und mein Lieblingslied Stille Flut waren auch dabei. Ach ja, auch Schöne, bunte Welt mit der einzigen langen Anmoderation. Das Publikum hätte gerne noch mehr gehört, aber Micha singt keine Zugaben, wenn das Programm zeitlich so hängt und noch etliche Kollegen auf ihren Auftritt warten. Außerdem war er so frustriert und unzufrieden mit sich, dass er nicht einmal einen Hinweis auf seine CDs gab.
Nun kam eine vierköpfige Band auf die Bühne, die Bridge Band & J. K. Novak aus Prag. Es waren drei ältere Herren und ein Küken, naja, relativ gesehen. Der eine sah aus wie ein biederer Beamter mit schütterem Haar, der andere total ergraut. Aber tollen, beschwingten Dixieland haben die gespielt, bekannte Lieder wie Blue Berry Hill, Sweet Georgia Brown und dergl. Ich fass' es nicht, dass ich mir nicht mehr merken konnte. Sie ließen sich zu einer Zugabe nötigen, und wer auch an den anderen Tagen zum 'Fest der leisen Töne' nach Habichtswald kommen wollte, würde noch zwei Mal Gelegenheit haben, sie zu hören. Der Regen hatte inzwischen nachgelassen.
Als nächstes wurde der Liedermacher Günter Gall angesagt. Nachdem wir schon Bayrisch und (Pseudo-)Berlinerisch gehört hatten, kam er uns rheinländisch. 'Lieder und Geschichten aus dem Rheinland' stand im Programm. Er spielte Gitarre und wurde auf der Geige begleitet. Pardon, der Name der Dame ist weg – es war ein langes Wochenende.
Das Schlusslicht machte Hans Dinant, der einzige, der als Liedermacher angekündigt worden war. Auf den war ich natürlich besonders gespannt – und wurde nicht enttäuscht. Er begann mit einem Gedicht, aber ich krieg' nicht mehr zusammen, worum es ging. Er hoffte, dass niemand im Publikum überempfindlich war, denn es enthielt ein paar Anzüglichkeiten, aber sehr charmant verpackt und vorgetragen. Hans Dinant – nie von ihm gehört, aber er ist ein Liedermacher, wie er im Buche steht. Lustig und ernst, ironisch und traurig besang er die Widrigkeiten und die glücklichen Seiten des Lebens. Er ist offenbar so eine Art Lokalmatador, zwar aus Kassel, aber er war es, der dem 'Fest der leisen Töne' vor 19 Jahren den Namen gegeben hat. Und er war ein paar Jahre als Jugendpfleger in Habichtswald tätig. Viele kannten ihn, die Regenwand hatte sich auch verzogen, und er war in ständigem Wortwechsel mit dem Publikum. Sagenhaft sein Lied, in dem er von seinem Werdegang als Liedermacher erzählte. Wie er früher Hannes-Wader-Lieder geübt hat und wie jahrelang bei jedem Auftritt irgendjemand forderte: "Sing' doch mal Cocaine von Hannes!" Schnell drohte er uns: "Wehe Euch, wenn Ihr das jetzt verlangt." Am Schluss des Liedes verballhornte er den Text von Tankerkönig auf die Melodie von Cocaine. Klasse gemacht. Auch an Agrippina wurde ich mal erinnert, als er fragte: "Ist Euch schon mal aufgefallen, dass man fast kein Deutsch mehr spricht? Für jeden Dreck nimmt man ein englisches Wort." Es folgte ein Gedicht, in dem auf zwei DIN-A-4-Seiten Beispiele aufgeführt wurden. Er versicherte, dass er endlos weitermachen könnte. Gerne habe ich eine CD gekauft, obwohl sie nicht im Budget eingeplant war. Damit war dieser Abend zu Ende.
Die schöne Waldlichtung hatte sich in ein Schlammloch verwandelt, jeder Schritt widerte mich an. Man versank im Matsch, der in meinen offenen Schuhen knatschte, brrrr. Ich traute mich kaum in Michas Auto, aber laufen wollte ich ja auch nicht. Wir mussten uns jetzt dem Weiherer anvertrauen, denn nur er wusste, wo wir in dieser Nacht schlafen würden. Er hat es auch fast auf Anhieb gefunden. Ich stellte mich samt den Schuhen in die Dusche und brauste den ganzen Matsch ab. Nun ergatterte ich noch Weiherers letztes Exemplar der CD Fährmann, die war im Budget eingeplant. Und dann war es höchste Zeit für die Nachtruhe, denn um 9 Uhr war Frühstück angesagt.
Zwischentext
Als wir am nächsten Morgen zum Frühstück auf der Waldlichtung eintrafen, hatte ich endlich das passende Schuhwerk an den Füßen. Wir waren etwas verspätet dran, aber nicht die Letzten. Es gab ein Wiedersehen mit Organisatoren, Helfern, Feuerwehrleuten und Künstlern, lauter freundliche Gesichter. Noch ein paar Brötchen für unterwegs belegt, und ab ging's in Richtung Süden. Auch der Weiherer, der normalerweise mit dem Zug reist, wollte nach Wittendorf, da bot es sich an, zusammen zu fahren. Wir brachten mein Auto an eine strategisch günstige Stelle, wo ich es am nächsten Tag ohne großen Umweg abholen konnte. Nun lagen ein paar Stunden Autobahn vor uns. Das Wetter war wechselhaft, nicht sehr vielversprechend, und als wir in den Schwarzwald kamen, hingen die Wolken tief. In Loßburg ging ich alleine in die Pension, um die Schlüssel abzuholen. Zu diesem Zeitpunkt fing es an zu tröpfeln. Wir fuhren weiter in den Ortsteil Wittendorf, wo hinter dem Sportplatz das Festival-Gelände liegt und erfuhren, dass es am vorherigen Abend ab 19 Uhr geregnet hatte. Auch für den Samstagabend hatten wir nicht viel Hoffnung, aber die Stimmung war gut, wie ich das schon im letzten Jahr erlebt hatte: Wetter mies – Stimmung großartig. Auch bei den Helfern weit und breit kein Miesepeter. Aufgrund des schlechten Wetters war der Besucherandrang nur mäßig, und das Ganze behielt einen eher familiären Charakter. Die Set-Liste lt. Faltblatt wurde kräftig durcheinander gewirbelt.
Das Festival in Wittendorf
Die Künstler haben es in Wittendorf insofern etwas schwer, als sie vor leeren Plätzen anfangen müssen. So ein dreifacher Gong wie im Theater wäre da vielleicht hilfreich, aber für Liedermachings wohl zu spießig. Naja, für die ersten war es besonders schwer, weil noch gar niemand da saß und auch niemand wusste, wann es denn genau losgehen sollte. Aber da mussten sie durch.
Auf die Unkraut Liedermacher war ich besonders gespannt, denn die eine Hälfte, Sascha Tesch, ist bei uns im Forum registriert und hat schon ein paar Mal auf sein Duo aufmerksam gemacht. Auf ihrer Homepage schreiben sie, dass sie den Liedermachings nacheifern, auch wenn sie wissen, dass sie noch nicht an sie heranreichen. - Inzwischen war ich so schlau, mir Notizen zu machen, aber Folgendes gilt auch für alle anderen: Teilweise kann ich meine Notizen selbst nicht mehr lesen oder sie sind so kärglich, dass ich nichts mehr damit anfangen kann. Deshalb bitte ich die Lücken in meinem Bericht zu entschuldigen. – Die Unkraut Liedermacher, das sind die mit dem Löwenzahn auf der Brust, nett anzusehen die T-Shirts. Sie kamen zusammen mit Sascha Franke, dem Klangtier, auf die Bühne. Den Anfang machte wohl ein Lied mit der Quintessenz: Wir sind dumm, aber schön. Danach wurde in schönster Liedermacher-Manier ein Gegenstand besungen: Der Barhocker. Ungefähr jetzt griff das Klangtier ins Geschehen ein. Sascha Franke ist in Deutschlands schönem Osten aufgewachsen und vergleicht in seinem DDR-Lied die Zeit vor und nach der Wende. Dann wurde ein Lied über Berufe angekündigt. Die Berufe im Allgemeinen kamen ziemlich kurz, aber ihrem Lieblingsberuf war der eingängige Refrain gewidmet:
Des Liedermachers Handwerkszeug: Gitarre und Gesang,
und der, der Liedermacher mag, der hört sich das dann an.
Auch ein Lied über Groupies bekamen wir zu hören; sie sollten Schlange stehen, sich ausziehen und vorzugsweise weiblich sein, nehme ich mal an. Auch das Klangtier gab wieder ein Lied zum Besten: Die Chip-Karte. Da wurde beschrieben, wie wenig der Mensch bei uns wert ist, wenn er keine Krankenversicherungskarte hat. In einem weiteren Lied der Unkraut Liedermacher All die bösen Dinge ging es um die übelsten Dinge der Welt: Rauchen, Saufen, Haschisch, Tripper, Kernkraft und... Hip- Hop. Danach wurde der Traum vieler kleiner Jungen besungen: Als Piraten zu leben. Nun kündigte Das Klangtier eine Hommage an Rüdiger Bierhorst an. Er wollte dessen Lied Sonntag singen. Leider ist des öfteren mal der Text abhanden gekommen. Aber sie waren ja zu dritt und irgendeinem von ihnen fiel dann doch immer wieder ein, wie es weiterging. So wurde das Ding zu Ende gebracht, aber als Hommage ging das beim besten Willen nicht durch. Es ist halt auch so, dass auf der Bühne ruhig Witze gemacht werden dürfen, aber es ist auch gut, wenn das Publikum mitlachen kann. Insider-Witze würde ich mir für die Proben aufheben. Dann haben Unkraut Liedermacher das Lied Mehr als tausend Worte...ähm, zelebriert. Am Schluss sangen sie zu dritt ein Lied, das das Klangtier geschrieben hat. Es wurde beschrieben, dass das Liedermachen therapeutische Wirkung hat und wieviel Spaß es macht: Mittags aufsteh'n, Lieder schreiben, abends auf 'ner Bühne steh'n. Das allerletzte Lied dürfte gewesen sein Always look on the Liedermaching side of life. Insgesamt ein gelungener Auftritt. Auch wenn sie wissen, dass sie nicht an die alten Hasen heranreichen, sind sie doch sehr schwungvoll, und an den strahlenden Augen war abzulesen, dass sie sehr viel Spaß hatten.
Nach kurzer Pause betraten Jesus Weed die Bühne. Wie gewohnt kamen sie sehr selbstbewusst und professionell rüber. Sie begannen ihr Heimspiel mit dem Renner, der beschreibt, wie die Zitronen sauer wurden. Das ist immer wieder schön anzuhören. Als Kontrast ein Lied über Terrorismus. Dann eine Premiere: Kreuzwege. Sie berichten von ihrer Erkenntnis, dass es ihnen in ihrem Musikerleben auch dann, wenn alles beschissen läuft, immer noch besser geht als uns. Denn wir müssen Eintritt zahlen, Fresse halten, applaudieren und über ihre Witze lachen. Ein weiterer Klassiker war das Lied vom Gummihammer. Mit ihm kann man wesentlich billiger erreichen, was man sonst durch Saufen schafft: beispielsweise Kopfweh und den Verlust der Muttersprache.
So, nächster Programmpunkt Abteilung Liedermaching. Bedauerlicherweise werden meine Notizen immer wirrer, naja, schließlich war es dunkel. Das erste Lied war ein positiver Sommerhit über das Reichwerden, dann wurde besungen wie man sich nach einer Sauftour fühlt. An das Lied Zwei bis drei Wünsche kann ich mich noch recht gut erinnern, da wird gerne mal ein Wunsch dafür benutzt, um die vorherigen rückgängig zu machen. Abteilung Liedermaching versuchten, das Publikum mit einzubeziehen, was nicht so recht gelingen wollte. Auch die Idee, aus einem wahllos zugerufenen Begriff ein Lied zu machen, ist ausbaufähig. Ein interessantes Lied war Ewiges Leben: Ein Arbeitsloser findet eine Anstellung als Assistent und Urlaubsvertretung des Todes. Der Job ist aber langweilig – immer nur die Sanduhr beobachten und Kerzen ausblasen. Aber der Tod will ihn nicht mehr gehen lassen... Aus der neuen CD Herbstdepressionen wurde das gleichnamige Lied vorgestellt. Auch der Dachbalkon, auf dem sie proben, wurde besungen. Nun habe ich deutliche Gedächtnislücken, aber an ein Lied Campino und ich kann ich mich noch erinnern. Die Zugabe war ein Protestsong gegen alles: Gegen gutes und schlechtes Wetter, gegen Politik und Politikverdrossenheit usw. Nach einer zweiten Zugabe verließen sie die Bühne. Vorher sagten sie Michael Günther an, den sie zwar nicht kannten, von dem sie aber gehört hatten, dass er im letzten Jahr sogar die Leute vom Lagerfeuer weggelockt hatte "und das will was heißen".
Michael Günther erging es zunächst mal wie allen: Er begann vor spärlichem Publikum. Aber kaum hatte er angefangen, füllten sich die Bänke vor der Bühne und tatsächlich – das Lagerfeuer flackerte einsam vor sich hin. Mit einer Anzahl von gut 30 Zuhörern hatte sich das größtmögliche Publikum eingefunden. Das Programm vom Vortag wurde nicht komplett übernommen, aber die Renner durften natürlich nicht fehlen. Wer Michael Günther erlebt, will das Trinkerlied und den Berliner im feindlichen Ausland hören. Und Sing' ein Lied für mich entwickelt sich zu einer richtigen Liedermachinghymne. Es war toll, wie das Publikum beim Refrain einstimmte und völlig freiwillig und unaufgefordert mitsang. Dieses Mal hatte Michas Auftritt wieder die gewohnte Leichtigkeit, und das Publikum, das ihm bereitwillig folgte, hat ihn noch beflügelt. Für mich ist es immer wieder faszinierend zu sehen, wie er die Grenze zwischen den Liedermachern und den Liedermachings verwischt. Um wieder einmal den Flotten Totte zu erwähnen, obwohl er gar nicht da war: Der hat an anderer Stelle zwischen der (unterhaltungsfreudigen) Liedermaching- und der (gehaltvollen) Liedermacher-Fraktion unterschieden. Es ist spannend mitzuerleben, wie Menschen, die kurz vorher begeistert über einen Rülpser geklatscht haben (Entschuldige, Sascha, ich selbst war ja auch beeindruckt wie punktgenau Du passend an der richtigen Stelle im Text rülpsen kannst – und mein Sohn ist hin und weg, er hat es auf der Demo-CD gehört *g*), die von metalligen und rockigen Klängen begeistert waren, ganz still werden, um so einem poetischen Text wie Stille Flut zu lauschen. Oder einem Text wie Weshalb, warum?, ebenfalls ein wunderschönes ruhiges Lied. Aber danach wird wieder bei Tauch ab gerockt, und diese Mischung ist es wohl, die so Spaß macht – uns und ihm. Dazu noch die launigen Zwischentexte... Zum Abschluss wurde auch in diesem Jahr lautstark nach dem Lied aus Michas Kinderprogramm verlangt: Ich kauf' mir eine Keksfabrik. Herrlich, wie er dazu beschreibt, wie es dabei im Kindergarten zugeht. Etwa eine Stunde verging wie im Flug, und es gab reichlich Beifall, sogar von den Helfern an den Verkaufsständen. Dieses Mal konnte er guten Gewissens auf seine CDs hinweisen. Er wurde dann auch wirklich umlagert, und eine Interessentin für sein Kinderprogramm hat sich auch noch gemeldet.
Nach Michas lebhaftem Auftritt war es für den Weiherer nicht ganz einfach, aber auch er ist ja Profi. Ich habe ihn als selbstbewussten jungen Mann kennengelernt, der genau weiß, was er will. Und diese Sicherheit strahlt er auch aus, wenn er auf der Bühne sitzt. Mit seiner unaufgeregten Art packte er das Publikum ganz anders an als sein Vorgänger, aber auch ihm hörten sie zu. Er ist ja auch in Wittendorf schon hinlänglich bekannt. Er sang dieses Mal das Winterlied und Hindda da Sun, die er am Vortag weglassen musste, weil die Zeit so knapp war. Zusätzlich hörte ich auch noch A wengal und In da letztn Zeit (?). Es war tatsächlich den ganzen Abend trocken geblieben, aber es war ziemlich kalt, und so hatten sich die acht oder zehn Leute wieder ans Lagerfeuer zurückgezogen. Leider mussten auch wir gehen, denn es war arg spät geworden, ich konnte mich nicht einmal von Christoph verabschieden. Aber während wir die Sachen im Auto verstauten, hörten wir in der Ferne, dass auch er guten Beifall bekam.
Schlusswort
Nun machte ich meine erste Fahrt im Günthermobil. Das Auto ist sehr lang und hat Automatik. Das war etwas ganz Neues für mich, aber ich brachte uns heil zum Nachtquartier. Die Schlüssel hatte ich noch bei mir, aber wir bekamen die Tür nicht auf – und das nachts um zwei Uhr! Gerade als wir beschlossen hatten zu klingeln, fiel mir auf, dass ich aus alter Gewohnheit meinen Hausschlüssel von zu Hause aus der Tasche gezogen hatte. Ich war heilfroh, dass wir noch nicht geklingelt hatten – und dass Micha so gut erzogen ist.
Es war schon hell und es ging los in Richtung Autobahn, ich am Steuer des Günthermobils. Wir waren noch nicht lange unterwegs und noch in der Einweisungsphase, als wir im Gras neben der Straße ein Auto auf dem Dach liegen sahen, die Warnblinkanlage war eingeschaltet. Offen gestanden war ich noch zu sehr mit dem ungewohnten Auto beschäftigt und achtete mehr auf die Straße selbst als auf das, was daneben war. Deshalb realisierte ich nicht gleich, dass da was passiert war. Aber Micha reagierte blitzschnell: "Sofort rechts ranfahren und anhalten!" Und schon war er draußen. Auf der anderen Straßenseite stand aber ein Auto, in dem die Unglücksfahrerin saß. Der Besitzer dieses Autos erklärte uns, dass die Frau unverletzt und die Polizei bereits gerufen worden sei. Somit blieb für uns nichts mehr zu tun, und wir konnten unsere Fahrt fortsetzen. Im Nachhinein war Micha natürlich froh, dass er nicht aufgehalten wurde, denn er hatte es ja echt eilig. Aber in der Sekunde, in der es darauf ankam, hat er daran keinen einzigen Gedanken verschwendet. Ich möchte nicht wissen, wie vielen anderen Autofahrern die eigenen Interessen wichtiger gewesen wären. *Noch ein Küsschen, Micha* Als wir endlich auf der Autobahn waren, drehte Micha seine Rückenlehne weiter zurück und ruhte sich noch ein bisschen aus; er musste ja fit sein, wenn er später das Steuer übernehmen würde, um zu seinem nächsten Job zu fahren. Er hat es kurz und knackig so beschrieben:
Das ist der allerschönste Beruf der Welt,
aber zugleich auch der allerschrecklichste!!
Liebe Grüße von Petra
Arg lang der Bericht, aber in Wirklichkeit sind es ja mindestens zwei.