4 Kerzen im Advent
:kerze:
Die erste Kerze brennt für Stille,
für Ruhe und Gemütlichkeit,
für Herzlichkeit und für den Wille,
zu leben in Behaglichkeit.

Autor: Horst Rehmann | Quelle: https://www.weihnachts-gedichte.net/adventsgedichte/392

Drei neue Buchveröffentlichungen nicht von, sondern über Reinhard Mey im Mai, September & November 2022

Reinhard Friedrich Michael Mey (* 21. Dezember 1942 in Berlin) ist ein deutscher Musiker und seit Ende der 1960er Jahre einer der populärsten Vertreter der deutschen Liedermacher-Szene. Pseudonyme sind Frédérik Mey (in Frankreich), Alfons Yondraschek und Rainer May.
Quelle: Wikipedia mit Stand vom 20.06.2019 | Foto für Banner und Forum: Sven-Sebastian Sajak Deutsche Wikipedia
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Reinhard Mey (* 21. Dezember 1942 in Berlin) ist ein deutscher Musiker und ein Hauptvertreter der deutschen Liedermacher-Szene. Pseudonyme sind Frédérik Mey (in Frankreich), Alfons Yondraschek und Rainer May. Mey lebt seit 1977 in Berlin-Frohnau in zweiter Ehe mit seiner Frau Hella mit der er drei Kinder hat.
Er betreibt eine offizielle Webseite unter https://www.reinhard-mey.de/ die regelmässig mit neuen Beiträgen gefüttert wird
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Drei neue Buchveröffentlichungen nicht von, sondern über Reinhard Mey im Mai, September & November 2022

#1

Beitrag von Marc »

Ihr Lieben,

am 21. Dezember 2022 wird Reinhard 80 Jahre alt. Die Vermutung liegt nahe, dass drei Buchveröffentlichungen in diesem Zusammenhang stehen: Im Mai 2022 ist das Buch „Meylensteine – Reinhard Mey und seine Lieder“ von Michael Schneider im Verlag „rüffer & rub“ erschienen. Im September 2022 wird eine zweite Veröffentlichung folgen: „Reinhard Mey – Ich wollte wie Orpheus singen. Lieder und Chansons“. Angekündigt wird das typisch gelbe Reclam-Bändchen – das hat schon was, finde ich! – so: „Meys Karriere ist ohne Beispiel: ein Dichter, der dem französischen Chanson in Deutschland eine Heimat gegeben hat; ein Spötter, Tröster und Menschenfreund, dessen Zeilen längst Kulturgut geworden sind. Einige der schönsten Texte aus fast sechs Jahrzehnten versammelt diese Auswahl.“ Das Nachwort des 140 Seiten umfassenden Bändchens stammt von Oliver Kobold, der im November 2022 wiederum ein eigenes Buch über Reinhard Mey bei Reclam nachlegen wird: „Reinhard Mey. 100 Seiten“. In Reclams Programmvorschau für den Herbst 2022 heißt es: „Oliver Kobold blickt auf die wichtigsten Stationen von Meys langer Karriere und zeigt, was seine Lieder, ihre Sprache und Wirkung so unverwechselbar und einzigartig macht.“

Die erste dieser drei Veröffentlichungen ist also kürzlich erschienen und trägt den – wie ich finde – etwas klamaukigen Titel „Meylensteine“; dass es vor einigen Jahren eine recht erfolglose Fernsehsendung mit gleichem Titel gegeben haben soll – da soll der Titelgeber allerdings der Musiker Gregor Meyle gewesen sein – dürfte einzelne Fernsehgucker irritieren. In der Ankündigung des Verlags wird versprochen: „Der Komponist und Musikwissenschaftler Michael Schneider nimmt uns mit auf eine musikalische Zeitreise zu einem der populärsten und prägendsten deutschen Musiker und fächert anhand von 60 ausgewählten Liedern und 28 Alben ‚Meylensteine‘ eines Lebens als Liedermacher auf.“ Ich habe das 180 Seiten schmale Büchlein in einem Rutsch durchgelesen (die meisten Seiten sind aufgrund sehr kurzer Kapitel nur halb bedruckt) und muss enttäuscht feststellen: Das war wohl die ermüdendste musikalische Reise, die ich je gemacht habe. Ich muss – für mich – das enttäuschende Fazit ziehen, dass es Michael Schneider meiner Einschätzung nach auf keiner einzigen Seite gelingt, der Popularität von Reinhards Liedern und – wenn man so will – ihrer Seele auf die Spur zu kommen.

Michael Schneider macht – meiner Meinung nach – den grundsätzlichen Fehler, dass er Reinhards Lieder anhand der Studio-Arrangements zu analysieren und zu erklären versucht und sich in musikalischen Details verliert, die Musiktheoretiker beeindrucken dürften, letztlich aber den Liedern ihren Zauber nehmen. Ein Lied, das mich immer sehr bewegt hat, ist zum Beispiel „Das Meer“. Michael Schneider beschreibt es so: „Das Stück kippt von der Molltonart e in die Durtonart E: Es ist das Schreiten vom Dunkel ins Licht. Und gegen Ende des Refrains […] wird die Melodieführung mit Terzen, Sexten, Quarten erweitert, was den hymnisch jubilierenden Charakter dieses Liedabschnittes zusätzlich verstärkt“ (S. 28-29). Erklärt die Beschreibung wirklich, warum das Lied so viele Menschen berührt? Über „Maikäfer fliege“ – noch so ein Lied, das viele von uns sicher ins Herz geschlossen haben – schreibt Schneider auf Seite 39: Das Lied ist „in leuchtendes D-Dur getaucht. Nach einem beschwörenden kurzen Intro mit Akkordeon und Grillenzirpen (das auf den Live-Aufnahmen leider fehlt) ist die Szenerie des Liedes schon nach den ersten Texttakten […] in voller Leuchtkraft ausgebreitet.“ Schneiders Bedauern, dass das Grillenzirpen auf der Live-Aufnahme fehle, liest sich schon recht amüsant – apropos Live-Aufnahmen: An keiner Stelle werden die Live-Alben und Live-Programme angemessen gewürdigt, die meiner Einschätzung nach ein sinnvoller(-er) Ansatz für die Betrachtung der Lieder gewesen wären als die Studio-Arrangements – wenngleich die Arrangements Manfred Leuchters natürlich einen großen Anteil an der besonderen Wirkung von Reinhards Liedern haben (und das Können großartiger Gastmusiker!), aber – so meine Einschätzung – nicht unbedingt das Wesen von Reinhards Liedern erklären können (auf S. 53 wird für mich besonders deutlich, dass Schneider zu ungenau zwischen Lied und Arrangement differenziert: „Seine Lieder werden [ab den 1990er-Jahren] stilistisch vielfältiger“ – nee, nicht seine Lieder, vielmehr bringen Manfred Leuchters Arrangements mehr Vielfalt mit!).

Die 55 Lieder (warum eigentlich 55?) im ersten Teil des Buches (im zweiten Teil werden alle Studio-Alben knapp skizziert) werden zum Teil wenig nachvollziehbar miteinander verglichen oder etwas unbeholfen gegenübergestellt, zum Beispiel auf Seite 33 „Du bist ein Riese Max“ mit „Lilienthals Traum“, denn jemand, der wie Max seit seiner Schulzeit auf „Flügeln aus Gedanken“ gesegelt sei, sei schließlich auch Otto Lilienthal gewesen. Hm. Dass Reinhards französische Karriere und Lieder nahezu vollständig ausgeblendet werden – okay. Dass alle Alben wikipediahaft auf anderthalb Seiten skizziert werden – nicht wirklich erhellend. Dass die Alben nur punktuell vor dem Hintergrund ihrer Entstehungszeit betrachtet werden – hätte ich sinnvoll gefunden. Dass bemerkenswerte Lieder wie „Das Narrenschiff“ nicht genau unter die Lupe genommen werden – vertane Chance! Dass Schlüssellieder wie „Viertel vor sieben“ nicht mal erwähnt werden – schon doof. Dass Reinhards tabellarische Biografie ausformuliert wird – nicht wirklich notwendig.

Wie sang Reinhard einst in „Das Etikett“? „Die Lieder sind noch immer schön, nur die Hülle ist im Dutt“! Das trifft für mich wohl auf „Meylensteine“ zu. Reinhards Lieder begleiten mich ein Leben lang, es vergeht kein Tag, an dem ich nicht irgendeines seiner Lieder höre, summe, singe oder zitiere. Sie trösten mich, bauen mich auf, bringen mich zum Lachen. Mit vielen Liedern verbinde ich sehr persönliche Erfahrungen – die Geburten unserer Kinder, das Abschiednehmen von Freunden und Verwandten, kleine und große Lieben, kurzum: Mit wohl allen wichtigen Ereignissen in meinem Leben verbinde ich auch irgendein Lied aus Reinhards Feder. Sie gehören zu mir und zu meinem Leben. Aber Michael Schneiders Buch werde ich sicher schnell zurück ins Buchregal stellen…

Ich bin gespannt, was Oliver Kobold über Reinhards Lieder schreiben wird.

Liebe Grüße aus Hannover
Marc
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Michael
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Drei neue Buchveröffentlichungen nicht von, sondern über Reinhard Mey im Mai, September & November 2022

#2

Beitrag von Michael »

Lieber Marc,

vielen Dank für deine Einschätzung zu "Meylensteine" (fällt eigentlich keinem Lektor oder Verleger auf, dass das Wortspiel durch Gregor Meyle besetzt ist? Alldieweil "erfolglos" auch relativ ist. Die "Songs an einem Sommerabend" würden sich über solche Einschaltquoten freuen). Aber in Zeiten von Inflation ist man ja froh über jeden Euro, den man nicht ausgeben muss und da hilft mir deine Besprechung gut weiter.

Michael
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Viktor
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Drei neue Buchveröffentlichungen nicht von, sondern über Reinhard Mey im Mai, September & November 2022

#3

Beitrag von Viktor »

Lieber Marc, liebe Mitleserinnen und Mitleser,

danke, dass Du Dich aufgeopfert hast, Dir Michael Schneiders Büchlein durchzulesen - jetzt kann ich es getrost selbst sein lassen :-D

Wie Du im Titel schon sagst, "nicht von, sondern über" -- da bin ich ohnehin direkt etwas skeptisch, ob es mich interessieren könnte. Denn ich sage mir immer: Was soll mir ein Autor denn Neues erzählen können, wenn ich mit Reinhards Werk doch so vertraut bin? Es hat das Genre ja auch an sich, dass die Lieder äußerst direkt zugänglich sind; es handelt sich nicht gerade um abstrakte Kunst, die mir jemand erläutern müsste. Meiner Meinung nach wäre der einzig fruchtbare Weg, auf eine sehr persönliche Schiene zu gehen. Wenn ein Autor vielleicht bestimmte Lieder, Zeilen, Melodien mit seinem eigenen Leben, eigenen Gefühlen in Verbindung brächte, könnte es klappen, würde ich aufhorchen.
Marc - Zitat: Mi 11. Mai 2022, 21:11
Mit vielen Liedern verbinde ich sehr persönliche Erfahrungen – die Geburten unserer Kinder, das Abschiednehmen von Freunden und Verwandten, kleine und große Lieben, kurzum: Mit wohl allen wichtigen Ereignissen in meinem Leben verbinde ich auch irgendein Lied aus Reinhards Feder. Sie gehören zu mir und zu meinem Leben.
Dieses persönliche Statement von Dir habe ich schon lieber gelesen als alle Zitate aus dem Buch, jetzt mal überspitzt gesagt.

Denn nun habe ich "Meylensteine" ja selbst nicht gelesen, aber Deiner harschen Kritik nach scheint es ja ein sehr kalter, Wikipedia-artiger Ansatz zu sein, uff. Danke, dass Du Deine Eindrücke mit ausgewählten Zitaten unterstreichst: Die vermitteln einen ganz guten Eindruck.
Marc - Zitat: Mi 11. Mai 2022, 21:11
Reinhards Lieder anhand der Studio-Arrangements zu analysieren und zu erklären
Erst dachte ich, Du übertreibst hier bestimmt, konnte mir gar nicht vorstellen, dass wirklich konkrete Arrangements was zur Sache tun. Denn wenn er Liveprogramme außen vor ließe, wäre das ja noch nicht zwingend ein Indiz, dass es nur speziell um die Studioaufnahmen ginge; man könnte die Lieder ja auch losgelöst, einfach aus ihrem Kern heraus, betrachten... Aber nein, dann das Zitat mit dem Grillenzirpen, haha! Und natürlich das Erwähnen konkreter Tonarten und Studioinstrumentierung. Oder die unterstellte stilistische Vielfältigkeit... Dann verstand ich. Oh Mann.

An einem Punkt möchte ich aber eine Lanze brechen für fachlich-analytische Ansätze generell:
Ein Lied, das mich immer sehr bewegt hat, ist zum Beispiel „Das Meer“. Michael Schneider beschreibt es so: „Das Stück kippt von der Molltonart e in die Durtonart E: Es ist das Schreiten vom Dunkel ins Licht. Und gegen Ende des Refrains […] wird die Melodieführung mit Terzen, Sexten, Quarten erweitert, was den hymnisch jubilierenden Charakter dieses Liedabschnittes zusätzlich verstärkt“ (S. 28-29). Erklärt die Beschreibung wirklich, warum das Lied so viele Menschen berührt?
Na ja, vielleicht erklärt es das zumindest ein bisschen? Will damit sagen: Ich verstehe nicht viel von Musiktheorie, aber letztlich glaube ich durchaus, dass man mit solchen Werkzeugen manchmal ans Eingemachte vordringen kann. (Da abstrahiere ich eher von sprachlichen statt musikalischen Analysen. Warum mich manches Gedicht von Horaz, Catull, Reinhard Mey besonders packt, könnte ich manchmal locker an tiefen Analysen aufzeigen, die jedes Wort umdrehen.)
Marc - Zitat: Mi 11. Mai 2022, 21:11
sich in musikalischen Details verliert, die Musiktheoretiker beeindrucken dürften, letztlich aber den Liedern ihren Zauber nehmen.
Insofern will ich meinen, dass Ansätze dieser Art nicht per se ein Zauberkiller sein müssen. Auch mal in die Trickkiste blicken zu dürfen, muss die Magie aushalten. Aber die wahre Kunst seitens des Analytikers wäre dann eben, diesen Feinkram für ein Publikum auch plausibel rüberzubringen, evtl. eben an emotionalen Aspekten zu illustrieren. Sonst ist man vielleicht im eher wissenschaftlichen Bereich. Und es nicht zu übertreiben. Sonst wirkt es einfach nur albern. Denn ob "Das Meer" nun in e-Moll startet, tut ja wohl nichts zur Sache. Hielte die Analyse nicht mehr Stand, wenn Reinhard mal einen Capo in den 1ten Bund setzte? Klingt für mich also, als wäre hier von beiden Irrwegen, dem wissenschaftlichen und dem albernen, etwas dabei.

Auf die Reclam-Veröffentlichungen bin ich schon neugieriger. Denn:
Marc - Zitat: Mi 11. Mai 2022, 21:11
das typisch gelbe Reclam-Bändchen – das hat schon was, finde ich!
Viele Grüße
Viktor
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Drei neue Buchveröffentlichungen nicht von, sondern über Reinhard Mey im Mai, September & November 2022

#4

Beitrag von Marc »

Ihr Lieben,

heute stellt Reinhard auf seiner Homepage klar:
Biographien und Bücher
Derzeit auftauchende biografische Publikationen über meine Person und meine Lieder entziehen sich meiner Einflussname und entstehen ohne meine Mitwirkung und mein Einverständnis. Ich bin in keiner Weise daran beteiligt.

Quelle: https://www.reinhard-mey.de/blog/biogra ... nd-buecher, 12.05.2022
Die Vorstellung, dass jemand über mich ein Buch schreiben und dieses für nicht wenig Geld verkaufen wollte (die Vorstellung ist sehr theoretisch und das Büchlein wäre sehr dünn, gewiss), man mich womöglich fragte, ob ich mit der Veröffentlichung einverstanden wäre, dies ablehnte, das Buch dann aber trotzdem veröffentlicht werden würde... - rechtlich wäre all das offenbar möglich, aber es hätte doch einen sehr, sehr faden Beigeschmack. Ich hoffe, meine Freunde würden das Buch über mich nicht kaufen - gleiches wünsche ich Reinhard!

Liebe Grüße aus Hannover
Marc
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Michael
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Drei neue Buchveröffentlichungen nicht von, sondern über Reinhard Mey im Mai, September & November 2022

#5

Beitrag von Michael »

Hallo,

also das Buch mag Mist oder langweilig sein oder einfach überflüssig - aber in einem Punkt möchte ich dir - lieber Marc - dann doch widersprechen:
[...]man mich womöglich fragte, ob ich mit der Veröffentlichung einverstanden wäre, dies ablehnte, das Buch dann aber trotzdem veröffentlicht werden würde... - rechtlich wäre all das offenbar möglich, aber es hätte doch einen sehr, sehr faden Beigeschmack
Das hat keinen Beigeschmack, sondern nennt sich Presse- und Publikationsfreiheit. Ist ja nett, dass der Autor die Person, um die es in seinem Buch geht, um die Genehmigung zur Veröffentlichung bittet, aber das muss er gar nicht. Wäre ja noch schöner, wenn Biographien, Artikel etc. nur mit gnädiger Erlaubnis des Porträtierten erscheinen dürften. Nur ein aktuelles Beispiel: Wenn ich mich richtig entsinne, hat "Das Haus an der Ampel" den ihm zweifellos gebührenden ersten Platz in den Charts nicht erklommen, weil ein gewissen Fynn Kliemenn mehr verkauft hat - und was Jan Böhmermann über diesen zuletzt ganz ohne seine freundliche Genehmigung publiziert hat, habt ihr vielleicht mitbekommen.

Naja, andere haben also ganz andere Probleme als nur schlecht geschriebene, aber immerhin wohlmeindende Bücher über einen.

Michael
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Drei neue Buchveröffentlichungen nicht von, sondern über Reinhard Mey im Mai, September & November 2022

#6

Beitrag von Skywise »

Viktor - Zitat: Do 12. Mai 2022, 11:03
Denn ob "Das Meer" nun in e-Moll startet, tut ja wohl nichts zur Sache. Hielte die Analyse nicht mehr Stand, wenn Reinhard mal einen Capo in den 1ten Bund setzte?
Das kommt drauf an. Stichwort "Tonartcharakteristik". e-Moll wirkt demnach melancholisch, klagend, betrübt. Ein f-Moll geht nach derselben Theorie schon eher in die Richtung schwermütig, leidvoll, düster. Mit einem Halbton höher geht's also dem Meer schlechter :-D

Gruß
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migoe
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#7

Beitrag von migoe »

Am Freitag, 13.05.22 ab 17.10 Uhr wird ein Gespräch mit dem Autoren des Buches Meylensteine bei RBB Kultur gesendet. Ich hoffe, es wird danach auch als Podcast zum nachhören verfügbar sein. Ist ja vielleicht auch für andere interessant, die sich für das Buch interessieren...
Screenshot_20220512-225921_Chrome.jpg

Weiterhin hat das Literaturbüro Politycki & Partner eine Pressemitteilung veröffentlicht mit Informationen zum Buch und dem Autoren Michael Schneider, die in Form einer PDF-Datei herunterladen werden können. Auf der zweiten und dritten Seite der Mitteilung werden einige Fragen des Autors beantwortet, wobei ich die Auswahl der Fragen ganz gut finde, nur mit dem Antworten kann ich nicht so viel anfangen...
3 Seiten Pressemitteilung zur Veröffentlichung von "Meylensteine" von Michael Schneider
Pressemappe_Schneider_Meyleinsteine_inkl.-Kurzinterview.pdf
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#8

Beitrag von Barde »

Michael - Zitat: Do 12. Mai 2022, 14:52
Wäre ja noch schöner, wenn Biographien, Artikel etc. nur mit gnädiger Erlaubnis des Porträtierten erscheinen dürften.
Ja, die von Marc zitierte Stellungsnahme von Reinhard Mey ist mir leider auch negativ aufgefallen. Was soll diese etwas eingeschnappte Reaktion, weil der beschriebene Künstler nicht die Deutungshoheit auf Werk und Leben behält? Es sind ja Biographien, die vielleicht nicht gelungen sind, doch trotzdem eine Würdigung seiner Person und seiner Lieder bedeuten.

Muss da auch an Loriot denken, bei dem, nach seinem Tod, die Tochter komische Spielchen betreibt, und dabei - zwanghaft bis ins Detail - das öffentliche Bild über ihren Vater zu beherrschen und kontrollieren versucht. Die sitzt dann mehr beim Rechtsanwalt, um alle möglichen Leute verklagen, als dass sie noch sinnvolle Dinge tut. ;-)
Dies treibt dann skurrile Blüten. Wen's interessiert: Googlet mal die Begriffe "briefmarke loriot wikipedia"
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Gendern gegen Diskriminierung ist so sinnvoll, wie die Verwendung des Wortes "Peace" an jedem Satzende, um Kriege zu beenden.

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#9

Beitrag von Viktor »

Hallo zusammen,

also die Publikationsfreiheit sehe ich in Marcs Bemerkung jetzt nicht unbedingt infrage gestellt. Da zieht er doch bewusst den Vergleich, wie es sich anfühlte, ginge es einem selbst so.

Für mich ist der "fade Beigeschmack" auch in der Tatsache begründet, dass es ja eigentlich wohlwollende Darstellungen sind, wie ihr auch schon angemerkt habt:
Michael - Zitat: Do 12. Mai 2022, 14:52
immerhin wohlmeindende Bücher
Barde - Zitat: Fr 13. Mai 2022, 12:06
doch trotzdem eine Würdigung seiner Person und seiner Lieder bedeuten.
Und da wäre es mir persönlich als Autor ja einfach zu blöd, so ein Projekt anzugehen, wenn ich weiß, der Protagonist lebt noch und will es nicht.
Ein enthüllungsjournalistisches Werk, das Reinhard übel gesonnen ist, könnte ich da noch fast besser verstehen als jemanden gegen seinen Willen zu würdigen.
Heißt ja nicht, dass ich mir wünschte, es wäre rechtlich anders.

Und Reinhards Klarstellung auf seiner Webseite finde ich nicht eingeschnappt, sondern goldrichtig, wenn ich sehe, wie die Leute in einschlägigen Facebookgruppen das Erscheinen des Buches abfeiern - "endlich wieder was von Reinhard" - und ein Teil definitiv denkt, es wäre mit Einverständnis entstanden...
Vielleicht hätte der Künstler in seinem Beitrag auf der Webseite auch noch "Was ich noch zu sagen hätte" ans Herz legen sollen. Denn das haben manche Fans nicht im Schrank, aber diese Neuerscheinung dann doch: Das ist doch schade.

Viele Grüße
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Marc (Fr 13. Mai 2022, 13:23)
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#10

Beitrag von Michael »

Viktor - Zitat: Fr 13. Mai 2022, 12:40
Und da wäre es mir persönlich als Autor ja einfach zu blöd, so ein Projekt anzugehen, wenn ich weiß, der Protagonist lebt noch und will es nicht.
Da hast du auch wieder recht. Aber wenn der Auftrag erst mal da und der Vorschuss kassiert ist...
Vielleicht hängen wir das grade auch zu hoch. Aber auf das reclam-Bändchen bin ich gespannt. Diese 100-Seiten -Serie kannte ich gar nicht. Die ist ja super, da erscheint jetzt auch was über Springsteen, Stephen King und die drei ???.

Michael
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#11

Beitrag von migoe »

migoe - Zitat: Do 12. Mai 2022, 23:09
Am Freitag, 13.05.22 ab 17.10 Uhr wird ein Gespräch mit dem Autoren des Buches Meylensteine bei RBB Kultur gesendet. Ich hoffe, es wird danach auch als Podcast zum nachhören verfügbar sein.
Screenshot-rbbkultur-13.05.22-Gespräch-mit-Michael-Schneider-Meylensteine.jpg
Das Gespräch lässt sich als Podcast nachhören und herunterladen unter rbb-online.de - der (leider nicht namentlich genannte) Moderator hat sich mit dem Buch auseinandergesetzt und stellte dem Autor Michael Schneider unter anderem die Frage, warum er glaubt, die Lieder von Mey so interpretieren zu können, wie er es getan hat. Er wollte ebenfalls wissen, ob die Genehmigung von Reinhard Mey eingeholt wurde und die Reaktion darauf finde ich bemerkenswert.
Viktor - Zitat: Do 12. Mai 2022, 11:03
Was soll mir ein Autor denn Neues erzählen können, wenn ich mit Reinhards Werk doch so vertraut bin? Es hat das Genre ja auch an sich, dass die Lieder äußerst direkt zugänglich sind; es handelt sich nicht gerade um abstrakte Kunst, die mir jemand erläutern müsste. Meiner Meinung nach wäre der einzig fruchtbare Weg, auf eine sehr persönliche Schiene zu gehen. Wenn ein Autor vielleicht bestimmte Lieder, Zeilen, Melodien mit seinem eigenen Leben, eigenen Gefühlen in Verbindung brächte, könnte es klappen, würde ich aufhorchen.
Das ginge mir ebenso, lieber Viktor.
Marc - Zitat: Mi 11. Mai 2022, 21:11
Erklärt die Beschreibung wirklich, warum das Lied so viele Menschen berührt? Über „Maikäfer fliege“ – noch so ein Lied, das viele von uns sicher ins Herz geschlossen haben – schreibt Schneider auf Seite 39: Das Lied ist „in leuchtendes D-Dur getaucht. Nach einem beschwörenden kurzen Intro mit Akkordeon und Grillenzirpen (das auf den Live-Aufnahmen leider fehlt) ist die Szenerie des Liedes schon nach den ersten Texttakten […] in voller Leuchtkraft ausgebreitet.“
Lieber Marc, meine Kritik an Deiner Kritik zur Kritik Michael Schneiders an "Maikäfer fliege" hat vielleicht ein bißchen was Absurdes, aber ich kann Deinen Punkt gut nachvollziehen und vielleicht ist es so, dass dieses Buch für eine ganz bestimmte Zielgruppe geschrieben wurde, die Freude daran haben, sich mit genau diesen Details und durch diesen Blick auf die Lieder miteinander verbunden sind. Irgendwie bin ich mir sicher, dass es eine gewisse Zahl Menschen gibt, die genau diesen "Blickwinkel" auf die Lieder von Reinhard Mey gerne auch annehmen. Für mich hört sich das so an, als hätte Herr Schneider sich hier im Forum ebenfalls äußern können. Im Gespräch mit dem RBB gibt Michael Schneider zu, dass er die Idee, sein Buch in dieser Art zu schreiben, aus ähnlichen Projekten zu den Liedern der Beatles entnommen hat.
Marc - Zitat: Mi 11. Mai 2022, 21:11
Die 55 Lieder (warum eigentlich 55?) im ersten Teil des Buches (im zweiten Teil werden alle Studio-Alben knapp skizziert) werden zum Teil wenig nachvollziehbar miteinander verglichen oder etwas unbeholfen gegenübergestellt
Auch dazu sagt der Autor im Gepräch mit dem RBB etwas...
Viktor - Zitat: Do 12. Mai 2022, 11:03
Insofern will ich meinen, dass Ansätze dieser Art nicht per se ein Zauberkiller sein müssen. Auch mal in die Trickkiste blicken zu dürfen, muss die Magie aushalten. Aber die wahre Kunst seitens des Analytikers wäre dann eben, diesen Feinkram für ein Publikum auch plausibel rüberzubringen, evtl. eben an emotionalen Aspekten zu illustrieren. Sonst ist man vielleicht im eher wissenschaftlichen Bereich. Und es nicht zu übertreiben. Sonst wirkt es einfach nur albern. Denn ob "Das Meer" nun in e-Moll startet, tut ja wohl nichts zur Sache. Hielte die Analyse nicht mehr Stand, wenn Reinhard mal einen Capo in den 1ten Bund setzte? Klingt für mich also, als wäre hier von beiden Irrwegen, dem wissenschaftlichen und dem albernen, etwas dabei.
Das finde ich ziemlich passend ausgedrückt.
Marc - Zitat: Do 12. Mai 2022, 12:32
Die Vorstellung, dass jemand über mich ein Buch schreiben und dieses für nicht wenig Geld verkaufen wollte (die Vorstellung ist sehr theoretisch und das Büchlein wäre sehr dünn, gewiss), man mich womöglich fragte, ob ich mit der Veröffentlichung einverstanden wäre, dies ablehnte, das Buch dann aber trotzdem veröffentlicht werden würde... - rechtlich wäre all das offenbar möglich, aber es hätte doch einen sehr, sehr faden Beigeschmack. Ich hoffe, meine Freunde würden das Buch über mich nicht kaufen - gleiches wünsche ich Reinhard!
Reinhard Mey wurde über die bevorstehende Veröffentlichung informiert und hat sie nicht "autorisiert" - mehr Infos braucht es eigentlich nicht. Ich schließe mich der Meinung von Michael an:
Michael - Zitat: Do 12. Mai 2022, 14:52
Naja, andere haben also ganz andere Probleme als nur schlecht geschriebene, aber immerhin wohlmeindende Bücher über einen.
Den Verweis auf Fynn Kliemann fand ich übrigens sehr witzig...(und irgendwie auch tragisch...)
Barde - Zitat: Fr 13. Mai 2022, 12:06
Ja, die von Marc zitierte Stellungsnahme von Reinhard Mey ist mir leider auch negativ aufgefallen. Was soll diese etwas eingeschnappte Reaktion, weil der beschriebene Künstler nicht die Deutungshoheit auf Werk und Leben behält? Es sind ja Biographien, die vielleicht nicht gelungen sind, doch trotzdem eine Würdigung seiner Person und seiner Lieder bedeuten.
Lieber (wieder ein :pfeifen: ) Barde Michael, ich lese das nicht als eingeschnappte Reaktion, aber so verschieden ist wohl die Wahrnehmung. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich Reinhard Mey als Künstler schon so lange kenne und es hätte mich ehrlich gesagt auch gewundert, wenn er diesen Hinweis auf seiner Seite NICHT gepostet hätte :zaun: man(n) hat ja seine Erfahrungen gemacht ;-)
Viktor - Zitat: Fr 13. Mai 2022, 12:40
wenn ich sehe, wie die Leute in einschlägigen Facebookgruppen das Erscheinen des Buches abfeiern - "endlich wieder was von Reinhard" - und ein Teil definitiv denkt, es wäre mit Einverständnis entstanden...
Eben, es gibt halt nicht nur das Liedermacher-Forum, sondern auch Facebook und Telegram und da werden nur "Fakenews" verbreitet :achtungironie:
Wenn ich irgendwann die Gelegenheit haben sollte, selber einen Blick in dieses Buch von Michael Schneider werfen zu können, dann kann ich meine Entscheidung ja noch einmal revidieren, aber für heute lege ich mich fest, dass ich mich auf die Einschätzung von Marc verlasse und deshalb keinen Grund sehe, 20 Euro für dieses Buch auszugeben.
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
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#12

Beitrag von Nicky »

Lieber Marc,
als du mir vor ein paar Tagen von dem Buch erzählt hattest, dachte ich auch gleich "Will ich auch haben". Umso mehr bin ich dir dankbar, das du hier einen kleinen Einblick gewährt hast, was mich in diesem Buch erwarten würde. Und nun will ich es auch nicht mehr. ;-)

Zwei Dinge würden mich bei so einer Art von Buch stören.

1. Das der Autor dort Sachen rein interpretiert und Dinge für wichtig erachtet, die mich persönlich so gar nicht interessieren, wie z.B. ob ein Lied in E-moll oder D-Dur beginnt
Wenn ich das Lied höre, dass weiß ich doch welche Tonart es ist und irgendwie sagt es doch auch nicht so wirklich viel über ein Lied aus. Ich kann ja ein Lied in E-Moll schreiben, das trotzdem einen witzigen Text hat, auch wenn die Tonart vielleicht eher etwas bedächtiges hat.

2. Ich würde mir als Autor auch ganz schön doof vorkommen, wenn ich ein Buch über jemanden veröffentlichen würde, der dies überhaupt nicht will. Natürlich hat Michael recht, wenn er sagt, das es das gute Recht von Journalisten und Autoren ist, aber Spass hätte ich dann nicht dran. Aber vielleicht gehts dem Autor ja auch gar nicht um den Spass beim erstellen des Buches.....

Marc schrieb:
Die Vorstellung, dass jemand über mich ein Buch schreiben und dieses für nicht wenig Geld verkaufen wollte (die Vorstellung ist sehr theoretisch und das Büchlein wäre sehr dünn, gewiss)
..........
Also ein Buch über dich würde ich kaufen. Egal wer´s geschrieben hat ;-) Und dann würden wir damit gemeinsam bei einem Glas Wein und Käse sitzen und das Buch Stück für Stück auseinandernehmen. :-)

Liebe Grüße
Nicole
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Lilienthal
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Drei neue Buchveröffentlichungen nicht von, sondern über Reinhard Mey im Mai, September & November 2022

#13

Beitrag von Lilienthal »

Lieber Marc,

auch ich danke dir für diese Einschätzung! Schade eigentlich, ich dachte die drei Bücher kann ich mir ja zu Weihnachten wünschen, aber da ich deinem Urteil traue, kann ich auch nur auf das dritte hoffen!

LG Sven
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michael-schneider-ch
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Drei neue Buchveröffentlichungen nicht von, sondern über Reinhard Mey im Mai, September & November 2022

#14

Beitrag von michael-schneider-ch »

Lieber Marc
Ich habe deine Kritik gelesen und es ist vielleicht ungewöhnlich, dass ich mich hier als Autor meines Buches äussere.
Grundsätzlich geht es mir in meinem Buch darum, einen Beitrag zur Rezeption von Reinhard Mey zu leisten. Es geht nicht darum, den Liedern ihren Zauber zu nehmen (wie ich selber schreibe, kann die Musik durch nichts ersetzt werden), sondern aufzuzeigen, welche Themen Mey wichtig sind und wie er diese Themen musikalisch umsetzt. Und Mey ist Musiker – und so ist es halt wirklich entscheidend, wie er seine Melodien aufbaut und wann er beispielsweise Dur und Moll einsetzt. Auch «Das Meer» funktioniert so – mit seinen Melodiebögen und seinen Harmoniewechseln, die die Botschaft des Textes untermauern.
Mein Buch erklärt, wie dies geschieht, es wirft also quasi einen Blick hinter die Fassade. Und es erklärt, welche Themen Mey wie umsetzt. Und hier sind die Studioalben Meys seine musikalische Visitenkarte – denn auf ihnen wird jeweils neues Material präsentiert. Dass Mey dabei von Arrangeuren und Produzenten unterstützt wird, ändert nichts an der Tatsache, dass er diese Visitenkarte mit der Veröffentlichung genau in dieser Form präsentieren möchte. Anders wäre es, wenn er neue Lieder zuerst rein mit der akustischen Gitarre aufnähme und sie erst später instrumentiert würden. Dies ist ja aber nicht der Fall. Und die Instrumentierungen über die Jahre spiegeln insofern deutlich wieder, wie sich die Alben in ihrer Zeit und auch, wie sich Affinitäten des Liedermachers, verändern. Meys Lieder funktionieren zwar auch mit Gitarre solo – aber wenn in «Douce France» ein Akkordeon aufs Meys Frankreich-Bezüge verweist, das Grillenzirpen in «Maikäfer fliege» auf den Frühsommer, und die Bouzouki in «Drei Stühle» den Text authentisch griechisch stützt, dann ist das nicht nachher aufgesetzt, sondern so intendiert.
Es ist schade, dass du – zumal, wenn nun zum ersten Mal ein Buch über Mey erscheint – nicht das ansprichst, was wirklich wichtig ist – z.B. dass immerhin 6 Seiten Meys Liedern gegen Unrecht und Krieg gewidmet sind. Dass ich Meys Tierschutz-Elegie «Erbarme dich» aufgreife oder dass dargestellt wird, wie «Douce France» und «Mein Land» ein Lieddoppel zum Thema «Heimat» bilden. Und die Charakterisierung der 28 Alben – ja, sie möchte genau dies: auf knappem Raum jedes Album für sich charakterisieren.
Mein Buch erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es möchte einen Anstoss geben, dass über Reinhard Mey, seine Musik, seine wichtigen Themen diskutiert wird. Und aus vielen Stimmen wird sich ein Gesamtbild dieses grossen Musikers formen.
Liebe Grüsse Michael
P.S. zu den Kommentaren. So ein Buch entsteht nicht auf «Vorschuss» eines Verlages und auch nicht, nachdem zuerst um Erlaubnis gefragt wird. Es entsteht ganz einfach aus einem inneren Wunsch, einem Bedürfnis heraus, etwas zu einem wichtigen Thema beizutragen. Und im optimalen Fall findet man einen Verlag, der dieses Bedürfnis teilt und es mit grosser Sorgfalt herausgibt.
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Barde (Di 31. Mai 2022, 12:48)
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Drei neue Buchveröffentlichungen nicht von, sondern über Reinhard Mey im Mai, September & November 2022

#15

Beitrag von Marc »

Hallo Michael,

ich finde es bemerkenswert, dass Du Dich hier zu Wort gemeldet und Dir die Zeit genommen hast, Dich mit meiner Kritik auseinanderzusetzen. Wenngleich ich bereits alles, was mir persönlich wichtig erschien, über Dein Buch zu schreiben, ausgedrückt habe, möchte ich meine Kritikpunkte an einigen Deiner Anmerkungen noch einmal verdeutlichen.
michael-schneider-ch - Zitat: Mo 30. Mai 2022, 16:36
Grundsätzlich geht es mir in meinem Buch darum, einen Beitrag zur Rezeption von Reinhard Mey zu leisten.
Grundsätzlich sehe ich darin eine interessante und in gewisser Weise auch redliche Zielsetzung (unabhängig von der Frage, wie redlich es ist, ein Buch über einen Künstler zu schreiben und zu veröffentlich, der das offenkundig nicht möchte). So wenig mich Dein Buch auch überzeugt haben mag – ich finde es durchaus anerkennenswert, dass Du Dich dem Werk Reinhard Meys in der Sache fundiert und respektvoll annäherst; Du schreibst ja grundsätzlich nichts Falsches, nichts Privates, nichts Unseriöses.

Erst durch Dein Buch ist mir aufgefallen, wie ungewöhnlich es ist und wie ungewohnt es sich für mich als Liebhaber „handgemachter Musik“ anfühlt, ein Buch nicht von, sondern über einen Liedermacher zu lesen. Ich vermute, dass – auch – darin ein Grund liegt, dass ich Dein Buch mit einem gewissen Unbehagen gelesen habe. Wenn ich in mein Buchregal sehe, sehe ich meterweise Bücher von Liedermachern wie Reinhard Mey, Hannes Wader, Klaus Hoffmann, Konstantin Wecker, Manfred Maurenbrecher, Herman van Veen, Heinz Rudolf Kunze, Wolf Biermann und vielen, vielen anderen – aber eben kein Buch oder nur sehr vereinzelt Bücher über spezielle Liedermacher (umfassende Bücher über die „Szene“ gibt es wohlgemerkt reichlich). Woran liegt das? Am Genre? An einer vermeintlichen Relevanz der Künstler oder Popularität? Oder schlichtweg daran, dass es nicht notwendig erscheint, Bücher über Künstler zu schreiben, deren Werk und Leben eng miteinander verwoben sind?

Als ich Dein Buch ins Regal stellte, fiel mir wiederum ein Buch meines alten Profs Heinrich Detering in die Hand; Detering (Professor für Neuere deutsche Literatur in Göttingen) gilt bekanntlich als einer der deutschsprachigen Dylan-Kenner; warum habe ich sein Buch über Bob Dylan im Gegensatz zu Deinem über Reinhard Mey mit großem Interesse gelesen? Weil Bob Dylan weit weg ist? Ein konstruiertes Mysterium? Ich glaube, es liegt vielmehr am Schreibstil Deterings: Im Gegensatz zu Dir schreibt Detering sehr nüchtern, sehr sachlich, trotz erkennbarer Leidenschaft für das Werk Dylans auffallend distanziert; literaturwissenschaftlich durch und durch – und trotzdem oder gerade deswegen sehr lesenswert. Du wählst für Dein Buch über Reinhard Mey einen ganz anderen Schreibstil: Euphorisch, ja, zuweilen geradezu anhimmelnd. Ist es dieser – für mich – befremdliche Mix aus musiktheoretischer Expertise und fast affektierter Huldigung? Vielleicht...
Und Mey ist Musiker – und so ist es halt wirklich entscheidend, wie er seine Melodien aufbaut und wann er beispielsweise Dur und Moll einsetzt.
Hättest Du Dein Buch „Reinhard Meys Lieder – eine musiktheoretische Analyse der Studioarrangements“ genannt, hättest Du einen sachlichen Schreibstil gewählt und hättest Du es als wissenschaftliche Arbeit ins Regal der Uni-Bibliothek gestellt, hätte ich Dein Buch womöglich sogar richtig spannend gefunden...
Und hier sind die Studioalben Meys seine musikalische Visitenkarte – denn auf ihnen wird jeweils neues Material präsentiert. Dass Mey dabei von Arrangeuren und Produzenten unterstützt wird, ändert nichts an der Tatsache, dass er diese Visitenkarte mit der Veröffentlichung genau in dieser Form präsentieren möchte. Anders wäre es, wenn er neue Lieder zuerst rein mit der akustischen Gitarre aufnähme und sie erst später instrumentiert würden.
Einspruch! :-) Wir wissen von Reinhard Mey, dass seine Lieder seit jeher auf der Gitarre entstehen. Darin sehe ich persönlich die Keimzelle seiner Lieder. Wie die Lieder später für die Studioalben „eingekleidet“ werden – ich glaube, so drückte sich Manfred Leuchter mal aus – trägt meiner Einschätzung nach vor allem die Handschrift des Arrangeurs – sprich Manfred Leuchters – und der beteiligten Musiker. Ich erinnere mich an Interviews mit Reinhard Mey, in denen er die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Manfred Leuchter auf sehr liebevolle Art und Weise schilderte und das besondere Feingefühl erklärte, mit dem Manfred Leuchter die Lieder arrangiert. Kurzum: Wenn Du die Studioalben Reinhard Meys „Visitenkarten“ nennst, okay, aber dann bilden die Live-Alben Reinhard Meys seine künstlerische DNA ab.
Und die Instrumentierungen über die Jahre spiegeln insofern deutlich wieder, wie sich die Alben in ihrer Zeit und auch, wie sich Affinitäten des Liedermachers, verändern.
Darin sehe ich persönlich – wenn man so will – den „Fehler“ Deines Ansatzes bzw. Buches, ich glaube nämlich nicht, dass man über die Instrumentierungen den „Affinitäten des Liedermachers“ auf die Spur kommt. Ich glaube schlichtweg, dass die Arrangements vor allem dem Zeitgeist unterliegen. Experiment: Hör Dir die Live-Versionen auf dem Live-Album „Gib mir Musik“ (2012) der Lieder „Herbstgewitter über Dächern“, „Die Eisenbahnballade“ und „Wir sind eins“ an. Die Frage, welches Lied aus welchem Jahrzehnt stammt, dürfte ziemlich knifflig sein. Hier erahne ich den Zauber der Lieder Reinhard Meys: Sie sind zeitlos und zeitungebunden. Hörst du die Lieder aber in ihren Studioversionen an, dürfte man recht leicht erraten, in welchem Jahrzehnt sie entstanden sind; für mich zeigt das gedankliche Experiment: Die Studioarrangements sind für mich nicht der richtige Weg, dem Kern der Lieder Reinhard Meys auf die Spur zu kommen; sie können etwas über die Klangewohnheiten ihrer Zeit aussagen, aber nichts Wesentliches über Reinhard Meys künstlerisches Schaffen.
Meys Lieder funktionieren zwar auch mit Gitarre solo – aber wenn in «Douce France» ein Akkordeon aufs Meys Frankreich-Bezüge verweist, das Grillenzirpen in «Maikäfer fliege» auf den Frühsommer, und die Bouzouki in «Drei Stühle» den Text authentisch griechisch stützt, dann ist das nicht nachher aufgesetzt, sondern so intendiert.
Ja, aber meiner Einschätzung nach intendiert vom Arrangeur, nicht von Reinhard Mey selbst (ich will mich nicht in Vermutungen verlieren, halte es aber eher für abwegig, dass Reinhard Mey beim Schreiben und Komponieren von „Drei Stühle“ eine Bouzouki im Ohr hatte; die dürfte als – wenngleich naheliegende – Idee erst im Studio entstanden sein).
Es ist schade, dass du – zumal, wenn nun zum ersten Mal ein Buch über Mey erscheint – nicht das ansprichst, was wirklich wichtig ist – z.B. dass immerhin 6 Seiten Meys Liedern gegen Unrecht und Krieg gewidmet sind.
Joah, klar, aber das ist doch absolut naheliegend, oder? Es gibt stille Lieder, die – für mich persönlich – Reinhard Meys Werk noch viel treffender charakterisieren, zum Beispiel „Herr Fellmann, Bonsai und ich“ – ein Lied voll menschlicher Wärme und ein Lied von großer gesellschaftlicher Relevanz, das auf so berührende und feinfühlige Weise die Frage aufwirft, wie wir mit unserer immer älter werdenden Gesellschaft umgehen wollen; das ist für mich Reinhard Mey. Da ist kein erhobener Zeigefinger, da ist eine liebevoll erzählte Geschichte, die berührt, mich schmunzeln lässt, zugleich Relevanz hat und mich nachdenken lässt über mich und meine Mitmenschen...
Und die Charakterisierung der 28 Alben – ja, sie möchte genau dies: auf knappem Raum jedes Album für sich charakterisieren.
Mein Buch erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
An der Stelle widersprichst Du Dir meiner Einschätzung nach selbst: Mit der Charakterisierung aller Studioalben versuchst du einerseits, das vollständige Werk abzubilden, zum anderen schreibst Du – völlig nachvollziehbar, wie sollte es bei einem so großen Werk aus über 50 Jahren auch anders möglich sein! – dass Dein Buch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Der Widerspruch zeigt mir, dass Du Deinen eigenen Zielen und Ansprüchen letztlich nicht gerecht wirst.

So, nun aber genug der ollen Theorie. Montags gibt's bei uns nämlich eine schöne Tradition: Meine Frau zieht jeden Montagabend eine CD aus dem Regal mit den immer gleichen Worten: „Für den heutigen Montagabend empfehle ich Dir...“ – und dann wird gehört, was empfohlen wird... ich bin gespannt, was sie heute aus dem CD-Regal ziehen wird!

Das ist der wahre Zauber...

Liebe Grüße aus Hannover
Marc
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So vergeht Jahr um Jahr
und es ist mir längst klar,
dass nichts bleibt,
dass nichts bleibt,
wie es war.

Hannes Wader

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Drei neue Buchveröffentlichungen nicht von, sondern über Reinhard Mey im Mai, September & November 2022

#16

Beitrag von michael-schneider-ch »

Lieber Marc
Ich danke dir für deine nochmalige Rückmeldung - und glaube, wir lassen diese Diskussion nun einfach so stehen. Deine Rückmeldungen beleuchten deinen persönlichen Bezug zu Reinhard Mey und deinen persönlichen Blickwinkel - und es liegt in der Natur von Rezeption, dass ein Werk verschieden angesehen und gewertet werden kann, selbstverständlich bis zur Auswahl der einzelnen Lieder. Ich teile deine Einschätzungen zum Teil sachlich nicht, finde bei anderen Statements, dass sich unsere Ansichten gar nicht grundsätzlich ausschliessen. Die Auseinandersetzung mit Reinhard Mey ist auf jeden Fall wichtig - und jede Buchpublikation in jedem Fall ja auch ein ganz persönliches und durchaus auch empathisches Statement des Autors.
Mit herzlichen Grüssen nach Hannover
Michael
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Marc (Di 31. Mai 2022, 11:49) • Barde (Di 31. Mai 2022, 12:48)
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Barde
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Drei neue Buchveröffentlichungen nicht von, sondern über Reinhard Mey im Mai, September & November 2022

#17

Beitrag von Barde »

Hallo zusammen,

vorab einen herzlichen Dank dafür, dass sich Michael als Autor dieser Diskussion gestellt hat. So was ist bei weitem nicht selbstverständlich. :super:

Hier mein Senf dazu:

Vielleicht lauf ich jetzt Gefahr, als Harmonie-Hansel angesehen zu werden, es gibt ja diesen typischen selbstgefälligen Spruch "Also, ich kann jetzt wirklich beide Seiten verstehen". Damit stellt man sich gleichzeitig über die Dinge und die anderen Diskutierenden und kann, nebenbei, sein Ego aufplustern. Ach, wie "ausgewogen" und sachlich" ich doch bin. Ich weiß was :weisswas: :yeah: :-D

Im Ernst: Beide Betrachtungswinkel des Werkes haben ihre Berechtigung für mich. Mir fielen spontan Dinge ein, die jeweils als Argumentation für und wider eine solche Vorgehensweise sprechen.

Um Marcs These zu "stützen", folgende Bemerkung von John Lennon über das Stück "Not A Second Time ":
„Ich habe es für das zweite Album geschrieben und William Mann
rezensierte es in der Times und sprach über Akkordwechsel, die Submediante in Moll und aelische
Kadenzen vergleichbar mit Mahlers Lied der Erde. Für mich waren das einfach Griffe auf der
Gitarre. Es war das erste Mal, dass man solche Artikel über uns verfasste.“
Bekanntlicherweise kann Lennons ehemaliger Bandkollege Paul McCartney gar keine Noten lesen. Um es mit Spock (Spitzohr aus Star Trek) auszudrücken: "faszinierend" :piano:

Und jetzt das große Aber:

Ich fand es schon immer interessant, wie durch die musiktheoretische Analyse eines Werkes ganz neue Aspekte verstanden werden können. Ja, mein Gott, warum dies nicht auch einmal bei einem Liedermacher-Werk vollziehen? Da ich schon immer gerne auch klassische Musik gehört habe und seit meiner Frührente wieder praktiziere (beim nächsten Treffen bringe ich euch die Flötentöne bei - Drohung :ohr: ) finde ich auch so etwas sehr spannend und interessant.
Zum Beispiel die Analyse von J.S. Bachs Werken, bei denen festgestellt wurde, dass er sich teilweise mit den Tonarten b-a-c-h im Werk vorstellte. Oder Motivforschung (musikalisches Thema - wo kommt es her, wo wird musikalisch zitiert, modifiziert, ...) Oder die Feststellung von Künstlern, dass mit bestimmten Harmoniefolgen, Akkordwechseln und Melodieführungen immer wieder Hits produziert werden. Warum nicht auch mit dem Verstand begreifen oder sich erklären lassen, warum mein Gefühl durch eine bestimmte Musik angeregt wird?

Dadurch ist ebenso die Berechtigung gegeben, das Werk eines interessanten Künstlers gleichfalls von dieser Seite mal zu beleuchten. Klar, es gibt immer die Gefahr durch ein Zerpflücken eines Werkes den Zauber zu zerstören. Wer zuviel Sekundärliteratur über einen berühmten Roman liest, kann sich natürlich auf Dauer das Werk für immer verhunzen.

Es sei noch bemerkt, dass ich mich schon immer für die Liedermacherei begeistert habe, weil sie - bei den Könnern des Metiers - eine eindrucksvolle Einheit von Musik, Text und Interpretation darstellt. Deshalb versuche ich bei meinen eigenen Versuchen z.B. nicht mit der Gitarre zu schrammeln (ausgefeiltes Picking muss schon sein), feilsche an jeder Phrase und an jedem Wort und versuche ebenso einen gefühlvollen Vortrag zu gestalten (wenn der Mey-Wein mich nicht gerade meiner Sangesfähigkeiten beraubt hat :allohol: )
Aus diesem Grund hab ich auch immer wieder Probleme mit Opern. Der Text wird dort i.d. R. dem Klang "geopfert"; meist kann ich ,ohne einen Blick ins Textbuch zu werfen, gar nicht verstehen, was gesungen wird - was manchmal auch ganz gut ist, weil der Text der gängigen Opern sehr oft eh schwachsinnig ist. Die Librettisten sind in der Regel ja schon lange tot und können sich nicht gegen meine Meinung wehren. Dafür hört man dann aber jede Menge meisterhaft vorgetragene Vokale - unser aller lieber Chrizz wird mir recht geben, nich wahr? :-D

Aber genug - also: Ich hab nichts dagegen, find's interessant und berechtigt, ein solches Buch zu schreiben und warum sollte R.M sich gegen ein solche Buch wehren? Es schadet ihm nicht und kein Mensch muss es kaufen und für den, der sich auf eine neue Weise mit den Liedern auseinandersetzen will, kann's wirklich eine neue Sichtweise darstellen.

Liebe Grüße

Barde
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Gendern gegen Diskriminierung ist so sinnvoll, wie die Verwendung des Wortes "Peace" an jedem Satzende, um Kriege zu beenden.

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Drei neue Buchveröffentlichungen nicht von, sondern über Reinhard Mey im Mai, September & November 2022

#18

Beitrag von migoe »

Pressebericht über das Buch "Meylensteine"
Reinhard Mey wird 80. Eine besondere Biografie ehrt den Sänger.pdf
Quelle: tagblatt.ch
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#19

Beitrag von migoe »

Marc - Zitat: Mi 11. Mai 2022, 21:11
Im September 2022 wird eine zweite Veröffentlichung folgen: „Reinhard Mey – Ich wollte wie Orpheus singen. Lieder und Chansons“. Angekündigt wird das typisch gelbe Reclam-Bändchen – das hat schon was, finde ich! – so: „Meys Karriere ist ohne Beispiel: ein Dichter, der dem französischen Chanson in Deutschland eine Heimat gegeben hat; ein Spötter, Tröster und Menschenfreund, dessen Zeilen längst Kulturgut geworden sind. Einige der schönsten Texte aus fast sechs Jahrzehnten versammelt diese Auswahl.“ Das Nachwort des 140 Seiten umfassenden Bändchens stammt von Oliver Kobold, der im November 2022 wiederum ein eigenes Buch über Reinhard Mey bei Reclam nachlegen wird
Wie das Internetportal Schlagerprofis.de meldet, wurde das Reclam Büchlein mittlerweile veröffentlicht.
Meldung bei Schlagerprofi.de
REINHARD MEY mit Ritterschlag - es gibt seine Texte nun auch als Reclam-Heft.pdf


Achja, Reinhard Mey zeigt in der Chronik auf seiner Webseite mit einem Eintrag, dass ihn dieses kleine Büchlein stolz macht und er sich in bester Gesellschaft fühlt :lesen:
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Re: Drei neue Buchveröffentlichungen nicht von, sondern über Reinhard Mey im Mai, September & November 2022

#20

Beitrag von Viktor »

Hallo miteinander,

schon vor einer Weile hat Reinhard auf seiner Webseite unter dem Titel "Obacht" eine gewisse Distanzierung vom rüffer&rub-Buch deutlich gemacht. Heute wurde dieser Beitrag noch einmal auf die Startseite geschoben mit einem neuen Text:
reinhard-mey.de, 7. Nov. 2022 - Zitat:
Nicht in jedem Buch, auf dem ein schönes Bild von mir ist, bin ich auch drin. Ein bisschen Geduld, bald kommt eins ganz ohne Foto, darin finde ich mich wieder.
Ich gehe mal stark davon aus, dass das von Marc schon angesprochene Buch der "100 Seiten"-Serie im Reclam-Verlag gemeint ist, das in 8 Tagen erscheinen soll:
Externes Bild, es gelten die Datenschutz- und Nutzungsbestimmungen der ausgewählten Seite.Quelle: https://images.thalia.media/00/-/93174d ... obold.jpeg

Vorbestellbar beim Buchhändler eures Vertrauens ;-)

Das Nachwort im gelben Heftchen, aus der Feder des besagten Oliver Kobold, war mir schon ein angenehmer Vorgeschmack.

Viele Grüße
Viktor
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