Sommer Newsletter von Wolfgang Buck: "Mir geht es Gott sei Dank gut, aber der Kulturbranche ganz und gar nicht"

Einen besonders langen sommerlichen Newsletter in einem besonderen Corona Sommer wurde heute von Wolfgang Buck verschickt in dem er uns über seine aktuelle Situation in der Corona Krise informiert und ganz offen viele sehr wichtige Dinge ausspricht über die schlimme Lage in der sich die meisten Kulturschaffenden seit Monaten befinden.

Wolfgang Buck (* 1958 in Puschendorf) ist ein deutscher Liedermacher und Kabarettist, der in fränkischer Mundart vorträgt...Nach dem Studium der Theologie war er 14 Jahre lang als evangelischer Pfarrer in Trabelsdorf bei Bamberg tätig. Schon zu dieser Zeit schrieb er Lieder in fränkischer Mundart, war damit auf Kleinkunstbühnen unterwegs und brachte auch CDs heraus. Als die Betätigung als Liedermacher immer mehr Zeit einnahm, ließ Wolfgang Buck sich als Pfarrer beurlauben und konzentriert sich seitdem in Vollzeit auf die künstlerische Laufbahn....2006 wurde Buck mit dem Frankenwürfel ausgezeichnet, 2008 mit dem Wolfram-von-Eschenbach-Preis...Wolfgang Buck ist verheiratet ... und hat zwei Kinder. Die Familie lebt im Landkreis Bamberg...
Quelle: Wikipedia mit Stand vom 01.06.2018 | Foto für Forum ©by Screenshot der Künstler-Webseite vom 01.06.2018 | Foto für Banner ©by Download von der Künstler-Webseite vom 21.06.2019
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Sommer Newsletter von Wolfgang Buck: "Mir geht es Gott sei Dank gut, aber der Kulturbranche ganz und gar nicht"

#1

Beitrag von migoe »

Wie alle anderen musikschaffenden Künstler in Deutschland muss Wolfgang Buck seit Monaten seine geplanten Konzerte absagen, wie zum Beispiel dieses hier:
Screenshot zum SommerNewsletter Wolfgang Buck vom 26.06.2020.jpg
Heute hat mich sein aktueller Newsletter erreicht und in diesem berichtet er davon, dass es ihm persönlich (zum Glück) auch in dieser schwierigen Zeit noch gut geht, aber er sich große Sorgen macht, weil viele Menschen, die in der Kulturszene arbeiten nicht ausreichend unterstützt werden, um diese Zeit zu überstehen.

Ich hoffe sehr, dass es gelingt, denjenigen zu helfen, die vor dem Ruin stehen und keine Rücklagen bilden konnten, um so eine Krise zu überstehen. Wolfgang Buck findet in seinem Newsletter - wie ich finde - die richtigen Worte beim Versuch zu erklären, warum er einerseits die Maßnahmen zur Bekämpfung von Corona richtig findet, und er andererseits sich mehr und effektive/schnelle/praktische Lösungen zur Unterstützung der Kulturschaffenden wünscht:
Liebe Freundinnen und Freunde,

fast ein Vierteljahr ist es her, dass ich Euch und Ihnen meinen Frühlingsrundbrief geschickt habe.

Das gesellschaftliche Leben kehrt langsam zurück. Ganz behutsam wird vieles wieder hochgefahren. Schulen, Gaststätten, Kirchen, sogar Mallorca und die Nordsee. Den einen geht das alles zu schnell, den anderen zu langsam. Wie zerbrechlich das Eis ist, sieht man an den Hotspots, die zugleich die lange kaschierten Schwachpunkte unserer Art zu Wirtschaften in den Fokus rücken.


1) DIE LAGE: MIR GEHT ES GUT, DER KULTURBRANCHE ABER GANZ UND GAR NICHT

Wie ich schon vor drei Monaten gesagt habe: Wir, die Kultur- und Veranstaltungsbranche, wir werden die letzten sein, bei denen wieder "normale" Zustände sein werden. Niemand weiß, wann wieder Konzerte stattfinden und Theater gespielt wird, so wie wir es kennen und lieben. Ich kann das verstehen und unterstütze die vorsichtige Gesundheitspolitik im Bund und in Bayern. Die Zahlen anderer Länder zeigen, dass unsere Politiker in den entscheidenden Dingen sehr klug gehandelt haben. Es hätte viel schlimmer kommen können.

Wir Künstler leben davon, dass das Publikum eng beieinander sitzt. Wir leben von der Resonanz, von der Stimmung, vom Lachen, vom Mitsingen, von der Nähe und sogar der Enge. Bei uns soll der Funke überspringen, aber nicht das Virus. Es wäre für mich ein unerträglicher Gedanke, dass sich während eines meiner Konzerte Leute anstecken und möglicherweise schwer krank werden, nur weil ich als Künstler insistiere, endlich wieder loslegen zu dürfen. Dass "alle wieder dürfen", wir aber nicht, hat ja seine Gründe. "Nicht immer ist "schnell" auch wirklich am schnellsten.

Ich verstehe aber auch ausgesprochen gut die Kolleginnen und Kollegen, die sich wirklich in einer üblen wirtschaftlichen Situation befinden, die Ihre Mieten und ihr Essen nicht mehr bezahlen können, Theater und Kinos, die kurz vor der Pleite stehen. Beleuchter, Tontechnikerinnen, Kulturmanagerinnen, Tickethändler, Garderobenmitarbeiter, Maskenbildner, Schauspielerinnen. So gut der Staat anderweitig reagiert hat, so oft er beteuert, auch den Kulturschaffenden zu helfen, hat er die vielen Soloselbständigen nicht wirklich im Blick. Während Mitarbeiter in der Autoindustrie 60, 70 oder 80% Kurzarbeitergeld bekommen - was ihnen von Herzen gegönnt sei - bekommen wir vielleicht und unter vielen Ausschlusskriterien 3 x 1000 Euro. "Aber nicht, wenn...". Das Kleingedruckte der Ministerialbürokratie enthält mehr Ausschlussklauseln als ausgefuchste Verträge in der Versicherungsbranche. Wir Künstler leisten unseren gesellschaftlichen Beitrag, in dem wir die Füße still halten, aber geholfen wird uns im Verhältnis zu anderen wenig. Viele haben entweder gar keine Reserven oder packen ihre angesparte Altersvorsorge an. Da würde sich ein Mitarbeiter bei Audi schön bedanken.

Wir Künstler (wie auch andere Soloselbständige) leben nach dem einfachsten Geschäftsmodell, was es gibt: Wir spielen und bekommen dafür Geld. Wenn wir nicht spielen - ob wir krank sind oder es gerade nicht erlaubt ist - bekommen wir kein Geld. Ganz simpel. Keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, keine fortlaufenden Gehälter im Urlaub, keine Arbeitslosenversicherung. Dieses einfache Modell eröffnet eine wunderbare Freiheit in den künstlerischen Berufen. Aber was es in der jetzigen Situation bedeutet, scheinen viele Politiker und Ministerialbeamten nicht zu verstehen. Obwohl man auch unser "Kurzarbeitergeld", wenn man den politischen Willen hätte, es zu berechnen, aus unseren Steuererklärungen ganz einfach ermitteln könnte. Wir haben genauso wenig wie alle anderen die jetzige Situation verschuldet. Unsere Auftragsbücher sind genauso voll wie die anderer. Die Ungleichbehandlung, verbunden mit vagen Versprechungen, führen manche Kolleginnen und Kollegen in Wut und Verzweiflung. Ich bin solidarisch mit den gesundheitspolitischen Beschlüssen der Politik, aber enttäuscht von ihrer mangelnden finanziellen Unterstützung (von "Verständnis" allein können wir uns nichts zu Essen kaufen) für uns Kulturschaffende. Und "stream doch mal was im Internet" und "wir stellen einen virtuellen Hut auf" könnte man ja auch anderen Berufsgruppen zurufen, die sich schön bedanken würden.

Bitte versteht mich nicht falsch. Ich jammere nicht in eigener Sache, sondern für die Kolleginnen und Kollegen. Mir persönlich geht es tatsächlich ausgezeichnet. Ich habe im Winter Gott sei Dank gute und gutbesuchte Konzerte gespielt. Meine CD-Aktion (10,- Euro pro CD in Coronazeiten) wurde von vielen von Ihnen sehr gut angenommen, herzlichen Dank! Und die Berufsverbände - am meisten die vielgescholtene GEMA, aber auch die GVL - haben mir unaufgefordert durch großzügige Zuschüsse spürbar weitergeholfen. Ich habe auch staatliche Unterstützung in Form eines Betriebskostenzuschusses bekommen. Das Problem ist: Die wenigsten Künstler haben Betriebskosten, sondern sie haben Lebenshaltungskosten.

Ich persönlich? Ich freue mich auf Euch und auf Sie! Auf die Bühne, auf das Publikum, auf die Musik. Aber ich kann auch noch gut durchhalten und halte es zuhause ausgesprochen gut aus. Ich kann mir was kochen. Ich weiß, wie ich die Kaffeemaschine bedienen muss. Meine Studioequipment im Keller ist wieder aufgebaut. Die Terrasse lockt mit gutem Wetter. Ich weiß oft nicht, was ich zuerst machen soll: Kaffeetrinken oder Gitarre spielen. Die Stimmung bei mir persönlich ist, anders als die Lage der Gesamtbranche, gelassen und ich bin zuversichtlich und weiß, dass da die vielen wunderbaren Leute sind, die sich freuen, wenn ich und andere wieder "dürfen", ob heuer im Herbst oder erst irgendwann nächstes Jahr. Und dass Sie uns bis dahin nicht vergessen haben werden. Ich muss nicht jetzt auf Teufel komm raus auftreten, auch wenn es noch nicht an der Zeit ist. Ich bekomme keine Heulkrämpfe oder Wutausbrüche, wenn mir Konzerte um ein Jahr verschoben werden. Sondern ich genieße, was zu genießen ist, und mach das beste aus der Situation. Man kann zur Zeit - wie auch sonst im Leben - nichts erzwingen.


2) WIE GEHT ES WEITER?

Wie in meiner letzten Mail schreibe ich Ihnen und Euch auch diesmal keine Liste der Konzerte. Das ändert sich nämlich fast täglich. Den aktuellen Stand sehen Sie auf meiner Internetseite -> aktuelle Liste der Konzerte Wolfgang Buck.

Viele Konzerte, die jetzt für den Herbst drin stehen, werden mit hoher Wahrscheinlichkeit verschoben werden. Andere finden vermutlich statt. Manche werden in größere Räume verlegt, um die Abstandsregeln einhalten zu können.

Manche Veranstalter überlegen gerade im Augenblick, im Juli und August spontane Konzerte unter freiem Himmel stattfinden zu lassen. Auch ich bin im Moment mit verschiedenen Veranstaltern darüber im Gespräch. Ob daraus was wird? Alle zögern, das kann ich gut verstehen. Wenn etwas spontan stattfindet, werden Sie es gezielt per regionaler Rundmail kurzfristig erfahren.


3) AKTION LÄUFT WEITER: JEDE MEINER CDs FÜR NUR 10,- Euro (statt bisher 15,-).

Ich habe bereits im März den Preis aller meiner CDs auf 10,- Euro gesenkt und behalte dies auch im Sommer bei. Herzlichen Dank Ihnen allen, die mich durch den Kauf meiner CDs seither unterstützt haben. Ich freue mich auf Ihre/Eure Bestellungen. Versandkosten muss ich bei solch günstigen Preisen leider berechnen. Diese Aktion gilt nur für bei mir direkt bestellte CDs und für die Zeit, so lange keine Konzerte - oder nur unter eingeschränkten Bedingungen - stattfinden können.

Bitte Bestellungen mit Angabe der benötigten CDs und Lieferadresse an eine meiner Mailadressen: wolfgang-buck@gmx.de oder info@wolfgang-buck.de.

Lieferung mit Rechnung zum Überweisen, keine Vorkasse.
Versandkosten: Bis 2 CDs (Großbrief) 2,- Euro, bis 6 CDs (Maxibrief) 3,- Euro, ab 7CDs (Päckchen) versandkostenfrei.

Ihr könnt ja mal nachschauen, was Euch an Wolfgang-Buck-CDs noch fehlt oder welchen Freund*innen (hahaha, für dieses Gendersternchen habe ich bei der letzten Rundmail von einem Leser vorsichtige Kritik erfahren) man eine Freude machen könnte.

Es gibt:

Des Gwärch & Des Meer (2018)
Kummdmernaham (2015) (live)
Genau underm Himml (2012)
Asu werd des nix (2009) (inkl Live-DVD)
Flusszigeiner (2006)
Nedsulaud (2003)
Sambesi (2001)
Aganzallaans (1998) (live)
Gemmeraweng (1996)
Schaunerhie (1993)
Grüne Streifm im Nudella (1990)
Unkraud vergehd ned (1988)

Ich höre die Einwände mit großem Verständnis:

"Ich hab aber schon alle deine CDs!" - Kann nicht sein, schau nochmal nach.

"Ich hab aber keinen CD-Player mehr" - Kein Problem. Hier kann man alle meine Produkte downloaden zu für Dich und mich fairen Konditionen: Alle Alben von Wolfgang Buck online bei bandcamp.com anhören oder kaufen

"Ich hab aber gerade selber kein Geld" - Du bist entschuldigt. Ego te absolvo.


Auch diesmal bleibt mir nur, Euch und Ihnen allen von Herzen alles Gute zu wünschen: Bleibd xund, viel Glügg, haltet Abstand, werdet nicht leichtsinnig, seid freundlich zu den anderen, denn vom Grüßen und freundlich Schauen wird man nicht angesteckt. Jammert nicht rum wegen der Masken, ein Beatmungsgerät ist unangenehmer.

Und: Fürchtet euch nicht!

Einen schönen Gruß,

Wolfgang Buck


Wer diesen vier Mal im Jahr erscheinenden Rundbrief selber bekommen möchte, kann ihn unter wolfgang-buck@gmx.de oder info@wolfgang-buck.de bestellen.
--
Wolfgang Buck
Dialektischer Songkünstler

Schindholzweg 24
D-96194 Walsdorf

tel 09549-980478
www.wolfgang-buck.de
www.wolfgang-buck.bandcamp.com
www.facebook.de/wolfgangbuck
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Liebe Grüße aus Rothenburg

migoe | www.liedermacher-forum.de
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Manche Menschen wollen lieber durch Lob ruiniert als durch Kritik gerettet werden.

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