Ich schäme mich... und werde mich ändern, denn "Die Würde des Schweine ist unantastbar"

Reinhard Mey hast sich schon lange mit dem Thema "Tierwohl" auseinandergesetzt und sich dazu auch schon mit seinen Liedern geäußert

Reinhard Friedrich Michael Mey (* 21. Dezember 1942 in Berlin) ist ein deutscher Musiker und seit Ende der 1960er Jahre einer der populärsten Vertreter der deutschen Liedermacher-Szene. Pseudonyme sind Frédérik Mey (in Frankreich), Alfons Yondraschek und Rainer May.
Quelle: Wikipedia mit Stand vom 20.06.2019 | Foto für Banner und Forum: Sven-Sebastian Sajak Deutsche Wikipedia
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Reinhard Mey (* 21. Dezember 1942 in Berlin) ist ein deutscher Musiker und ein Hauptvertreter der deutschen Liedermacher-Szene. Pseudonyme sind Frédérik Mey (in Frankreich), Alfons Yondraschek und Rainer May. Mey lebt seit 1977 in Berlin-Frohnau in zweiter Ehe mit seiner Frau Hella mit der er drei Kinder hat.
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#1

Beitrag von migoe »

Ich bin kein Vegetarier und habe mich bisher mit dem Thema
Tierwohl
Die Lebensqualität und das Wohlergehen von Nutztieren zu verbessern, das beschreibt der Begriff Tierwohl. ... Allgemein geht man von drei wesentlichen Punkten aus, die für das Tierwohl entscheidend sind: die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere sowie die Möglichkeit, ihren natürlichen Verhaltensweisen nachzugehen. Quelle: www.landwirtschaft.de
nur oberflächlich beschäftigt. Im Hinblick auf die aktuelle Situation der Corona Situation im Landkreis Gütersloh aufgrund des unmenschlichen und ausbeuterischen Verhaltens in der Fleischindustrie zeigt sich aus meiner Sicht, wie falsch und heuchlerisch wir als Gesellschaft mit der "Würde des Lebens" umgehen. Das menschliche Leben ist hier genauso gemeint wie das tierische Leben.

Das Lied über die Würde des Schweins wurde 1992 auf dem Album "Alles geht!" veröffentlicht und ist nicht nur wörtlich zu nehmen sondern auch eine
Parabel
Die Parabel ist eine mit dem Gleichnis verwandte Form von Literatur, eine lehrhafte und kurze Erzählung. Sie wirft Fragen über die Moral und ethische Grundsätze auf, welche durch Übertragung in einen anderen Vorstellungsbereich begreifbar werden. Das im Vordergrund stehende Geschehen hat eine übertragene Bedeutung. Quelle: Wikipedia
, die uns einen Spiegel vorhält und eindrücklich zeigt, was es bedeutet, wenn Lebewesen unwürdig behandelt werden.



Ein weiteres seiner Lieder geht unter die Haut und zeigt noch ein anderes schlimmes Problem bei der Massentierhaltung:



"Erbarme dich" wurde im Jahr 2000 veröffentlicht auf dem Album "Leuchtfeuer". Dieses Lied fand ich schon immer so bedrückend und grausam, dass ich es fast nicht aushalten kann es bis zum Ende durchzuhören. Ein Beispiel:
Sie leiden stumm, fast zwanzig Stunden geht die Reise schon
Die erste Rast in Zebrzydowice, der Zollstation
Ein stumpfer Tierarzt stempelt die Papiere
Würdigt die Pferde keines Blickes, nach drei Stunden nur
Treibt man sie wieder auf den Wagen, beginnt die Tortur
Von neuem für die längst erschöpften Tiere
Mit Schlägen und mit Tritten die Laderampe hinauf
Und strauchelt eines, stürzt eines und bricht eines den Lauf
Dann stoßen sie es mit Elektrostäben
Wieder und wieder auf, auch wenn's wieder und wieder fällt
Nur für ein Tier, das überlebt, gibt es am Ende Geld
Und nur ein Tier, das steht kann überleben

Erbarme dich
Die Interpretation von Thomas D. auf dem Hommage-Album klingt weniger düster, aber dass der bekennende Vegetarier Thomas D. damals gerade dieses Lied als Verneigung vor dem Meysters gewählt hat war sicher kein Zufall.

Warum schreibe ich diesem Beitrag hier?

Es lässt mir keine Ruhe mehr, wie wir in unserer Gesellschaft miteinander umgehen. Diese beiden Lieder von Reinhard Mey gehen mir seit Tagen nicht mehr aus dem Ohr und ich wollte sie Euch präsentieren und euch damit zum Nachdenken anregen.

Für mich sind diese Lieder Klagelieder, aber sie klagen nicht diejenigen an, die Fleisch essen, sondern sie konfrontieren uns damit, wie wir als Gesellschaft mit Lebewesen umgehen und jede/r sollte sich die Frage stellen, die sich auch Reinhard gestellt hat am Ende von "Die Würde des Schweins ist unantastbar"
Sie hat den Himmel nie gesehn,
Dürft' nie auf einer Weide stehn,
Hat nie auf trocknem, frischem Stroh gesessen.
Sie hat sich nie im Schlamm gesuhlt,
Freudig gepaart und eingekuhlt —
Wie könnte ich dies Häufchen Elend essen?
Die Speisekarte in der Hand
Seh' ich über den Tellerrand
Und kann die Bilder wohl nie vergessen.
Ich möchte nicht, du armes Schwein,
An deinem Leid mitschuldig sein,
Weil ich in diesem Restaurant zu Gast war.
Das, was bei Tönnies und anderen Schlachtbetrieben mit den Arbeitskräften gemacht wird, ist die andere Seite der Medaille und mir geht das Schicksal der menschlichen Lebewesen genauso unter die Haut wie das Schicksal der Tiere, welches Reinhard Mey so eindrücklich beschreibt.

Dafür, dass ich erst heute diese Erkenntnis für mich ziehe, schäme ich mich und deshalb werde ich mich ab sofort nicht mehr daran beteiligen und dieses System nicht mehr unterstützen, indem ich mein Verhalten was den Fleischkonsum angeht verändere.

Dies ist keine moralische Entscheidung sondern eine persönliche Gewissensentscheidung.

Puh, ich bin im Moment ziemlich betroffen, dass mich dieses Thema so umtreibt... geht es Euch auch so?
Ich habe dieses Thema eröffnet, weil es mich persönlich umtreibt. Es geht mir nicht darum hier eine moralische oder ethische Verurteilung vorzunehmen. Wenn jemand gerne Fleisch isst und mit diesen Liedern nichts anfangen kann, ist das ok. Ich unterstellte niemandem, der gerne Fleisch isst, dass er/die deshalb die lebensverachtenden Mechanismen der Fleischindustrie gutheißt. Es soll auch jede/r selber entscheiden können, ob und wie viel Fleisch er/sie konsumiert. Das schließt ja nicht aus, dass man keine Empathie und Mitleid für die betroffenen Lebewesen fühlen kann, oder?
Zuletzt geändert von migoe am Di 23. Jun 2020, 09:05, insgesamt 1-mal geändert. Dieser Beitrag enthält 934 Wörter
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#2

Beitrag von fille »

Ich bin kein Vegetarier und habe auch nicht vor einer zu werden. Aber ich kaufe in
der Regel beim Metzger meines Vertrauens. Wir haben im Ort zwei Metzger, die selber schlachten.
Der eine bekommt bereits getötete Tiere aus Niederbayern, von dort ansässigen Bauern.
Der andere nimmt Tiere aus der Umgebung. Vor Home-Officezeiten habe ich bei einem Bauernhofmetzger
gekauft, der seine eigenen Tiere hat.

Bei diesen 3 Metzgern gibt es auch Eier aus der Region. Außerdem Obst, Brot usw.

Ich finde es wichtig, regional zu kaufen und Obst und Gemüse nur in der Saison. Also
keine Erdbeeren oder Tomaten im Winter.

In Bayern sagt man auch "Nix gwiss woas ma ned". Aus diesem Grund dürfte man natürlich
in keinem Restaurant Fleisch essen. Außer es steht auf der Karte, wo das Fleisch herkommt.
Das wird ja manchmal praktiziert.

Liebe Grüße, von Marianne...

… die jetzt Kirschen pflücken geht. Regional und natürlich saisonal

Es ist ja wieder mal "Le temps des cerises"
Dieser Beitrag enthält 169 Wörter


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#3

Beitrag von migoe »

Liebe Marianne,
fille hat geschrieben:
Di 23. Jun 2020, 15:43
ich kaufe in der Regel beim Metzger meines Vertrauens. Wir haben im Ort zwei Metzger, die selber schlachten. Der eine bekommt bereits getötete Tiere aus Niederbayern, von dort ansässigen Bauern. Der andere nimmt Tiere aus der Umgebung. Vor Home-Officezeiten habe ich bei einem Bauernhofmetzger gekauft, der seine eigenen Tiere hat.

Bei diesen 3 Metzgern gibt es auch Eier aus der Region. Außerdem Obst, Brot usw.

Ich finde es wichtig, regional zu kaufen und Obst und Gemüse nur in der Saison. Also keine Erdbeeren oder Tomaten im Winter.
So handhaben wir als Familie das auch. Wer es sich leisten will, findet sicher auch in seinem Umfeld solche Möglichkeiten regional und fair zu kaufen. Sicher nicht alles und nicht zu jedem Preis, aber es gibt viele Optionen. Die Frage ist nur, ob wir es als Gesellschaft überhaupt noch schaffen, zurück in diese "Denke" zu kommen :weissnicht:

Ich habe eine lange Zeit meines Lebens im Lebensmittel Einzelhandel gearbeitet und eine Erkenntnis für mich ist die, dass wir in unserer Gesellschaft das Wohl des Kunden über alles andere gestellt haben - Stichwort "Kunde ist König" und dabei das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage aus der Balance geraten ist. Die Bereitschaft der Kunden (ich meine nicht die individuellen Menschen, sondern den "König Kunde" als Rolle) einen fairen Preis für die Dinge zu akzeptieren ist über Jahrzehnte zurückgegangen und heute weiß eigentlich niemand genau, was einen "fairen Preis" eigentlich ausmacht.

Es ist aus meiner Sicht nicht überraschend, dass es heute in Deutschland (offline) nur noch
4 marktrelevante und damit marktbeherrschende Handelsunternehmen
Zahlen von 2018 laut statista.com: Edeka = 26%, REWE = 16%, SchwarzGruppe = 15%, Aldi-Gruppe = 12%
gibt. Diese Firmen sind deshalb so "erfolgreich", weil sie dem
Kunden
Damit meine ich "König Kunde"
vermitteln, dass nur seine Zufriedenheit zählt und deshalb alle seine Wünsche auch erfüllt werden.

Im Online-Bereich würde ich sogar sagen, dass es nur einen echten "BIG-Player" gibt, nämlich Amazon, der bereits einen so großen Vorsprung vor allen anderen Online-Marktplätzen hat, dass es im Moment so aussieht, als wäre er uneinholbar. Aus meiner Sicht ist dieser Anbieter vor allem deshalb so erfolgreich, weil er die "Kundenzufriedenheit" als höchstes Ziel ausgegeben hat und alle Prozesse und Abläufe des Geschäfts darauf hin ausgerichtet und optimiert werden.

Natürlich kann jeder für sich sagen, dass es ja gut ist, wenn man als Kunde nicht abhängig ist von der Willkür und dem guten Willen der Unternehmen. Aus Sicht des Kunden - der ja niemandem etwas "Böses" will, aber halt gerne alle Vorteile für sich in Anspruch nimmt - ist es ja von Vorteil, wenn seine Position sehr stark ist. Die Nachteil dieses Wirtschaftssystems/Denkens entsteht ja nicht bewusst und ein einzelner Kunde kann diesen Mechanismus auch nicht (direkt) stoppen, aber durch unsere Lebensweise haben wir alle einen großen Anteil an dieser Entwicklung und ich hoffe, es gelingt unserer Gesellschaft, dieses Ungleichgewicht zu korrigieren.

Doch das würde bedeuten, dass sehr viele Bequemlichkeiten an die wir uns gewöhnt haben und die für den Einzelnen immer "billiger" geworden sind, weil den "echten" Preis halt "die Anderen" bezahlen, Stück für Stück wieder zurückgenommen oder mit dem "fairen" Preis bezahlt werden müssten! Mal sehen, ob das klappt...
Dieser Beitrag enthält 695 Wörter


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