Das Liedertreffen 2020 findet nicht statt!

Aufgrund der aktuellen Situation und der Gefährdung aller Teilnehmer durch das COVID-19-Virus, haben sich die Organisatoren des Liedertreffens schweren Herzens dazu entschlossen, das Liedertreffen im Mai abzusagen. Die Betreiber vom Naturfreundehaus Ebberg sind mit einer Stornierung in diesem Jahr einverstanden und berechnen uns auch keinerlei Stornogebühren, wenn wir die Buchung auf das nächste Jahr verschieben. Bei der dazu durchgeführten Umfrage haben sich sehr viele von Euch ebenfalls für diese Lösung entschieden, weshalb wir das Angebot angenommen haben. Bis zum 15.03.2020 hatten sich 44 Teilnehmer für das LT20 angemeldet. Diese Anmeldungen sind nun nicht mehr verbindlich und wir werden einen neue Anmeldeprozess starten, sobald wieder sicher geplant werden kann. Dies wird bestimmt erst im Herbst bzw. Winter möglich sein. Bis dahin werden wir Eure Anmeldungen zurückstellen und zum gegebenen Zeitpunkt nehmen wir Kontakt mit Euch auf. Bitte meldet Euch bei migoe oder moni, wenn Ihr Eure Anmeldung für 2020 NICHT ins nächste Jahr übernehmen möchtet. Wir werden sie dann löschen und Ihr könnt Euch zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal anmelden.

Mit dem NFH Ebberg haben wir bereits den Termin für nächstes Jahr fest vereinbart: Das LT 2021 findet vom 13. - 16- Mai 2021 statt.
Weitere Informationen werden wir im Forum mitteilen...

Es grüßen Euch, erleichtert und traurig zugleich Jürgen und Moni, die natürlich auch gerne die Planung des LT 2021 übernehmen würden

Corona und die Musikbranche

Der Musikmarkt in Deutschland ist im Wandel und das hat Auswirkungen auf alle Künstler/innen in allen Bereichen.
Diskutiere mit uns über die richtigen Wege und falsche Entwicklungen. Was sollte sich ändern, was darf sich nicht ändern? Welche Rolle spielen wir Konsumenten? Was kann die Politik tun?

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Corona und die Musikbranche

#1

Beitrag von Rex2005 » Sa 7. Mär 2020, 10:57

Keine Panik - ein sachlicher und interessanter aber langer Beitrag, den es sich lohnt zu lesen.
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Re: Corona und die Musikbranche

#2

Beitrag von migoe » Mi 11. Mär 2020, 20:50

Liebe Rex2005,

vielen Dank für den Hinweis auf diesen Appell von Moritz Eggert. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal direkt auf den im Artikel verlinkten Podcast verweisen, in dem die ganze Problematik mit dem Corona Virus aus meiner Sicht sehr gut und nachvollziehbar beleuchtet wird.

https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast4684.html
image.png
Natürlich sind von den aktuell in immer mehr Bundesländern ausgesprochenen Veranstaltungsverboten ab einer Teilnehmerzahl von 1000 auch einige Liedermacher betroffen. Die finanziellen Auswirkungen für die Künstler (und natürlich allen, die "hinten dran" hängen) sind bedrohlich und sorgen für Angst und Unsicherheit bei allen Beteiligten. Auch die Fans, welche sich teilweise schon vor Monaten eine Karte für ein Konzert gekauft haben sind verärgert und verunsichert. Manche meinen, die ganze "Hysterie" um das Virus wäre übertrieben und natürlich haben sich auch schon Verschwörungstheorien im Netz gebildet :wand:

Auf der Webseite verbraucherzentrale.de werden alle Konsumenten über ihre Rechte aufgeklärt was das Thema Entschädigung bei Absage eines Konzerts oder einer ähnlichen Veranstaltung anbelangt. Wer von sich aus vom Vertrag zurücktreten möchte, obwohl der Veranstalter oder eine Behörde das Konzert nicht abgesagt hat, muss jedoch auf Kulanz des Veranstalters hoffen!

Viele Liedermacher sind von der aktuellen Situation gar nicht betroffen, weil sie teilweise in sehr kleinen Lokalen vor relativ wenig Publikum spielen. Sie merken aber sicher auch, dass es zur Zeit teilweise einfach weniger Publikum gibt, weil die Menschen insgesamt vorsichtiger sind. Es gibt aber auch Liedermacher wie z.B. Bodo Wartke, die in großen Hallen vor einem sehr viel größeren Publikum spielen und die deutlich die Auswirkungen der Krise aufgrund des Corona Virus spüren. Zum Glück gehen die meisten damit (noch) besonnen und positiv um.

Bodo Wartke hat seit gestern durch Sonder-Elektrobriefe über Konzertverlegungen informiert, was bedeutet, dass es mindestens schon 3 (Stand 11.03.20, 20:44 Uhr) Konzerte gibt, die in den nächsten Tagen stattgefunden hätten und in Rücksprache mit dem entsprechenden Veranstaltungsort auf einen Ausweichtermin verschoben wurden.
image.png
Wer eine Karte zum jeweiligen Konzert gekauft hat und den Ausweichtermin nicht wahrnehmen kann, hat eine gute Chance, sein Geld zurückzubekommen. Die Vorgehensweise von Bodo und seinem Team finde ich sehr vorbildlich und verantwortungsvoll.

Im ersten dieser Sonder-Elektobriefe informiert Bodo darüber, was es damit auf sich hat...
Bodo Wartke Sonder-Elektrobrief-Konzertabsagen wegen Corona Virus.pdf
Mich interessiert, wie Ihr zu dieser ganzen Corona Virus Epidemie Sache steht. Wie findet Ihr es, dass größere Konzerte und Veranstaltungen verboten wurden? Denkt Ihr, diese Maßnahmen sind übertrieben oder vielleicht sogar noch nicht ausreichend?
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Re: Corona und die Musikbranche

#3

Beitrag von Trineline » Mi 11. Mär 2020, 22:52

Ich persönlich habe keine Angst vor dem Virus. Wenn ich es kriege, dann kriege ich es. Ob ich gesund genug gelebt habe zeigt sich dann, wenn mein Immunsystem funktioniert. Fertig.
Ich verstehe aber die Sorge, die viele Menschen umtreibt und wenn ich mir überlege, dass dieses Paar in Hainsberg morgens noch so schlecht zurecht war, dass der Mann sich ins Krankenhaus begeben hat und beide abends auf einer Karnevalssitzung waren, kann ich verstehen, dass große Veranstaltungen abgesagt werden. Bei uns im Aldi war vorgestern ein Mann, der Nudeln, Toilettenpapier und Konserven gehamstert hat, sich aber an der Kasse darüber aufgeregt hat, dass es jetzt Geisterpiele im Fußball geben soll. Menschen sind schon seltsam.
Bei uns im Krankenhaus haben sie aus 93 von 119 Spendern die Flaschen mit Desinfektionsmitteln geklaut und eine Freundin, die Dialysekrankenschwester ist berichtete, dass bei ihnen im Lager 700 Mundschutzmasken und 9 Kisten mit Einmalhandschuhen gestohlen wurden.
Bodos Sonderbriefe fand ich gut und sinnvoll. Und Aktionen wie die von James Blunt und einigen Konzerthäusern finde ich klasse. Wir leben in einer medialen Welt und ja, es ist etwas ganz anderes, ob man die Konzerte live erlebt oder streamt, aber so kommen doch auch Menschen in den Genuss, die sich zum Beispiel keine Karten leisten können (wie ich) oder wollen oder zu spät mit der Buchung waren. Kultur findet ihren Weg. Bei Verständnis ist das so eine Sache. Sobald der eigene Vorteil geschmälert wird ist es vorbei damit. Aber es geht doch auch anders. Macrons Namaste Begrüßung für Kronprinz Felipe zum Beispiel hat mich beeindruckt. So geht es doch auch.
Und ich bin jetzt schon gespannt welche Selbstverständlichkeiten wie "Händewaschen", "in die Armbeuge husten" und "krank nicht arbeiten gehen" uns die nächste Seuche beibringt.
Liebe Grüße
:maren:
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Re: Corona und die Musikbranche

#4

Beitrag von Petra » Mi 11. Mär 2020, 23:29

Lieber Migoe,
Mich interessiert, wie Ihr zu dieser ganzen Corona Virus Epidemie Sache steht. Wie findet Ihr es, dass größere Konzerte und Veranstaltungen verboten wurden? Denkt Ihr, diese Maßnahmen sind übertrieben oder vielleicht sogar noch nicht ausreichend?
mein Sohn kommt am Wochenende nach Leipzig, weil er das Fußballspiel RB Leipzig - SC Freiburg sehen wollte. Er hatte im Vorfeld schon gezweifelt, ob er da wirklich hingehen soll und jetzt wurde ihm die Entscheidung abgenommen.

Ich finde, es wurde in den Medien hinreichend aufgedröselt, was passiert, wenn man keine Gegenmaßnahmen ergreift. Wenn sich das Virus explosionsartig ausbreitet, reichen die Kapazitäten nicht aus. Wie ich gehört habe, wird damit gerechnet, dass ca. 70 % der Bevölkerung sich anstecken werden, oftmals auch mit einem harmlosen Verlauf. Aber es ist wichtig, das Ganze zu entzerren und deshalb sollte man Großveranstaltungen meiden, bzw. sie sollten abgesagt werden. Wenn die Rechnung aufgeht, werden viele sagen, dass die Reaktionen übertrieben waren, aber es wäre mehr als fahrlässig, es darauf ankommen zu lassen.

Bei 'Lieder auf Banz' versammeln sich 4000 Menschen auf einer Wiese, die - wenn man sie sich mal ohne Leute ansieht - eigentlich relativ klein wirkt. Die Veranstaltung ist Anfang Juli, man kann nicht wissen, wie sich die Lage bis dahin entwickelt. Es wäre sehr schade, wenn diese einzigartigen Konzerte ausfallen würden, aber darauf kann in dem Moment keine Rücksicht genommen werden.

Viele Grüße von Petra
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Re: Corona und die Musikbranche

#5

Beitrag von Rex2005 » Do 12. Mär 2020, 10:14

Hallo

ich stehe der ganzen Sache auch etwas zwiegespalten gegenüber. Über Jahre hinweg hat man in Deutschland 20.000 Grippetote nicht wirklich für erwähnenswert oder allenfalls mal als Randbemerkung mitbekommen, die an Grippe erkrankten Personen war statistisch wahrscheinlich völlig uninteressant... Bei Corona hat man den Eindruck, das der Weltuntergang naht ähnlich wie im Mittelalter mit der Pest. Nur für 20.000 Nato-Soldaten, die demnächst im Rahmen des Manövers durch ganz Europa gen Osten marschieren, scheint es keine Gefahr zu geben und von denen geht auch scheinbar keine Gefahr aus... wahrscheinlich werden die sich in kleine Grüppchen von 10 Soldaten aufteilen und Abstand halten …. wenn ich in diesen Zeiten dann solche Überschriften wie : Hausärzte an der Corona-Front: COVID-19-Sondereinsatz muss besser begleitet werden! (https://www.medical-tribune.de/praxis-und-wirtschaft/abrechnung/artikel/hausaerzte-an-der-corona-front-covid-19-sondereinsatz-muss-besser-begleitet-werden/ ) - lese, kriege ich doch schon irgendwie Bauchschmerzen...

Für mich privat sehe ich keine Gefahr was den Virus anbelangt , weil ich als graue Büromaus von zu Hause aus arbeite und das ruuuuund um die Uhr :pfeifen: Meine Kundschaft darf nach wie vor kommen wie sie lustig sind, auch wenn die Nase läuft... Aber Veranstalter möchte ich auch nicht sein, wenn man bedenkt, dass heute Jeder jeden wegen irgendwas verklagen kann … davor dürfte auch die Empfehlung ab 1000 Personen nicht wirklich retten.

Erstaunt bin ich, das wirklich sehr viele Menschen panisch reagieren s. Klau von Desinfektionsmittel, Bunkern von Lebensmittel etc. Da fragt man sich, wie das bei einem Katastrophenfall aussehen würde. (Corona ist schlimm genug, aber keine Katastrophe) Aber wie bei anderen Gelegenheiten auch, werden sich etliche Unternehmen mit Corona eine goldene Nase verdienen und andere dafür wirtschaftliche Einbußen bis hin zur Pleite erleben.

LG
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Re: Corona und die Musikbranche

#6

Beitrag von fille » Do 12. Mär 2020, 10:23

Ich finde, man solle die Sache sehr ernst nehmen.
Ich persönlich habe keine Angst vor dem Virus. Wenn ich es kriege, dann kriege ich es. Ob ich gesund genug gelebt habe zeigt sich dann, wenn mein Immunsystem funktioniert. Fertig.
Darum geht es nicht allein. Es geht darum, andere nicht anzustecken. Die Sache einzudämmen.

Ich gebe zu, dass ich vor ein paar Jahren vielleicht noch gesagt hätte "Desto schneller ich es bekomme, desto schneller bin ich immun." Seit ich selbst lebensbedrohlich krank war und wochenlang auf Intensiv gelegen bin,
denke ich anders. Habe halt eine schreckliche Lebenserfahrung mehr gemacht.

Es gibt die zynischen Aussagen "nur für Vorerkrankte und Ältere wäre es lebensbedrohlich". Aber man sollte
auch daran denken, dass es noch andere Erkrankungen und Notfälle gibt. Soll es soweit kommen, dass
Ärzte entscheiden müssen, wem sie helfen? Wie viele Beatmungsbetten gibt es?

Für mich gibt es nur eins: Der gesunde Menschenverstand sagt uns doch, Ansteckungen zu vermeiden, damit
die Ärzte und Krankenhäuser nicht am Rande des Chaos kommen. Bei meinem Hausarzt hängt jetzt schon ein
Schild "Patienten, die in Krisengebieten waren (Italien, Nord-Rhein-Westfalen usw.) dürfen nicht eintreten.

Ich verzichte zur Zeit auf Konzerte usw. In die Arbeit gehe ich natürlich.

In Italien gibt es zur Zeit einen Slogan "Io resto a casa" - "Ich bleibe zuhause".

Wir dürfen uns nicht in die Tasche lügen.

Ich wünsche euch was.

Liebe Grüße, Marianne
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Re: Corona und die Musikbranche

#7

Beitrag von migoe » Do 12. Mär 2020, 10:58

Hallo Sigrun,
Über Jahre hinweg hat man in Deutschland 20.000 Grippetote nicht wirklich für erwähnenswert oder allenfalls mal als Randbemerkung mitbekommen, die an Grippe erkrankten Personen war statistisch wahrscheinlich völlig uninteressant... Bei Corona hat man den Eindruck, das der Weltuntergang naht ähnlich wie im Mittelalter mit der Pest.
Bei der jährlich wiederkehrenden Grippe handelt es sich um eine bekannte Gefahr die sich einigermaßen einschätzen lässt. Durch vorbeugende Impfungen kann sich die Bevölkerung auch darauf vorbereiten. Insofern sehe ich es so, dass die Gesellschaft mit einer bekannten Gefahr besser umgehen kann.

Bei dem Corona Virus handelt es sich um einen neuen und noch nicht ausreichend untersuchten Erreger der dazu auch schon mutiert ist und damit eine zusätzliche Gefahr beinhaltet. Wenn wir das als Gesellschaft nicht ernst nehmen können die Folgen verheerend sein. Besonders dramatisch finde ich, was jetzt schon mit den Menschen geschieht, wo wir nur über die Gefahren sprechen und es sich bisher auch noch um eine überschaubare Gruppe von erkrankten Menschen handelt in Vergleich zur Gesamtbevölkerung. Es finden Hamsterkäufe statt und Leute klauen medizinisch notwendiges Material aus Krankenhäusern :weissnicht: das zeigt aus meiner Sicht schon dass negative Potenzial der Situation. Das gab es bei der Grippe meines Wissens nach noch nicht.

Liebe Marianne,
Aber man sollte auch daran denken, dass es noch andere Erkrankungen und Notfälle gibt. Soll es soweit kommen, dass
Ärzte entscheiden müssen, wem sie helfen?
Genau das ist für mich auch einer der wichtigsten Gründe, warum wir alle diese Situation nicht locker nehmen dürfen.

Mein 80jähriger Vater wurde gestern von mir und meiner Mutter ins Krankenhaus eingeliefert für eine Untersuchung und anschließende Operation. Der Termin war mit dem Krankenhaus vereinbart und konnte geplant werden. Trotzdem mussten wir über 6 Stunden in einem Wartezimmer darauf warten, dass die Ärzte für die Untersuchung Zeit hatten, das Zimmer/Bett zur Verfügung gestellt werden konnte usw. Ich bin dankbar dafür, dass wir in diesem Land leben und eine ärztliche Versorgung sicher ist. Das Erlebnis gestern hat mir aber gezeigt, dass es schon heute nicht gut steht mit dieser "sicheren" Versorgung. Bei uns in der Gegend gibt es noch keine Corona Fälle und erst Recht kein Chaos bei der Patientenversorgung. Was ich gestern erlebt habe ist der normale tägliche Wahnsinn im deutschen Gesundheitssystem - ich möchte mir nicht ausmalen was wäre, wenn noch dutzende oder hunderte nicht geplante Erkrankungen durch Corona dazu kämen. Es ist schon heute die "normale Regelversorgung" schwierig aufrecht zu halten. Noch krasser wäre es, wenn zudem noch Ärzte und Pflegepersonal ausfallen oder sich nicht mehr schützen können wegen fehlenden Desinfektionsmittel.
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Re: Corona und die Musikbranche

#8

Beitrag von Helmut » Do 12. Mär 2020, 11:26

Hallo

Ich überlegte gerade, wie ich meine Gedanken formulieren soll, dann lese ich Mariannes Beitrag, der mir die Worte aus dem Mund (hier besser: aus der Tastatur) nimmt. Mein Beitrag erübrigt sich dadurch.

Grüße
:teufel:
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Re: Corona und die Musikbranche

#9

Beitrag von Viktor » Do 12. Mär 2020, 12:50

Hallo miteinander,

es wurde schon vieles Kluges geschrieben; das will ich gar nicht alles wiederholen, sondern nur auf meine persönlichen "Musikbranche"-Auswirkungen und -Beobachtungen eingehen.

Ganz egoistisch gesehen bedaure ich natürlich, wenn Konzerte abgesagt werden sollten (verschoben ist ja evtl. gar nicht so schlimm - Vorfreude ist die schönste...?). Ich habe einiges im März/April/Mai geplant, ganz besondere Events, auf die ich mich lange freue, und auch ein Konzert in Lissabon mit entsprechenden Reiseplänen.
Aber ich halte es prinzipiell natürlich für richtig, wenn Empfehlungen von Wissenschaftlern gefolgt wird.
Nichts finde ich nerviger, als wenn jeder Typ im Internet oder an der Supermarktkasse plötzlich Hobby-Epidemiologe ist.

======

Folgende Erkenntnisse fand ich noch ganz interessant:

Was ist, wenn ein Konzert durchaus stattfindet, aber man selbst aus Vorsicht zuhause bleiben möchte, sei es Selbstschutz oder Schutz der anderen? Oft habe ich auf Facebook bei Künstlern Hinweise gelesen mit der Quintessenz: "sehr nobel, aber du bleibst auf dem Ticket sitzen". Bemerkenswert anders bei Dota Kehr; die schreibt etwa zum kommenden Konzert im Festsaal Kreuzberg:
Dota Kehr hat geschrieben:Wir empfehlen allerdings den Leuten, die zur Risiko-Gruppe gehören, vom Konzertbesuch abzusehen und bieten die Möglichkeit an, Karten zurückzugeben. In dem Fall bitte eine mail an booking@kleingeldprinzessin.de (am besten im Betreff schreiben, wo die Karten gekauft wurden unsere Webseite/eventim/bons).
Machen das noch andere Künstler so?

------

Von nennenswerter Kulanz las ich auch bei der DB. Mit der Bahn Reise ich nämlich oft zu Konzerten - und zum Glück: Nichtangetretene Reisen wegen Konzertabsagen sollten kein Problem werden.
DB Presseerklärung vom 10.03. hat geschrieben:Kulanzregelung [...]: Kunden, die ihre [Italien-]Reise nicht mehr antreten möchten, können ihren Fahrschein kostenfrei erstatten lassen. Gleiches gilt ab sofort für Reisende mit einer Fahrkarte der DB, bei denen der konkrete Reiseanlass aufgrund des Coronavirus entfällt (z.B. offizielle Absage einer Messe, eines Konzerts, Sport-Events o.ä.). Die kostenfreie Erstattung gilt auch für den Fall, dass ein gebuchtes Hotel im Zielort (ggf. im Ausland) unter Quarantäne steht. Wir bitten betroffene Kunden, sich an die Verkaufsstellen und die Kundenservice-Kanäle der DB zu wenden.
------
migoe hat geschrieben:
Mi 11. Mär 2020, 20:50
Viele Liedermacher sind von der aktuellen Situation gar nicht betroffen, weil sie teilweise in sehr kleinen Lokalen vor relativ wenig Publikum spielen.
Ja, diese 1000-Leute-Grenze ist schon interessant. Klar, der Zweck ist Ausbremsung und nicht 100%ige Sicherheit; deswegen muss man sich gar nicht darüber lustig machen.
Wenn ich dann lese, dass beim Harry-Potter-Musical in Hamburg einfach jetzt strategisch ein paar Plätze leerbleiben sollen, um knapp unter 1000 zu bleiben, weiß ich aber nicht, wie ich es finden soll.
Übrigens aus den Bundesstaaten Washington und Kalifornien habe ich gehört, dass für Events jetzt eine 250-Personen-Grenze besteht. Und darunter ist es nur machbar, wenn 6-Fuß-Abstand zwischen Menschen gewährleistet werden kann. Ob diese Maße bei uns auch noch kommen könnten?

Migoe, du sprachst vom kleineren Publikum bei Liedermachern: Das ist auch der Fall beim anderen von mir geschätzten Musikgenre - Punkrock.
Eine amerikanische Lieblingsband, die momentan Europa durchtourt, spielt in kleinen Läden und wollte alles wie geplant durchziehen. Aber nun hat Trump die Einreise in die USA aus europäischen Ländern ab kommenden Freitag verboten. Die gilt zwar nicht für US-Bürger - die müssen sich allerdings einem "approriate screening" unterziehen und dafür an anderen Flughäfen landen usw.: Da wägt man als kleine Band doch ab, ob man nicht vielleicht lieber die Tour abbricht...
Und wer nicht schon zufällig hier ist, wird sicher im Voraus absagen, auch wenn nur kleine Veranstaltungsorte gebucht sind.

======

Jenseits des Musikbranchen-Themas habt ihr auch schon die Situation in Krankenhäusern angesprochen.
Meine Freundin arbeitet in der Pflege. Und ihre Schilderungen rein aus dem ganz gewöhnlichen Alltag machen mich schon oft wütend: Die Profitorientierung hat längst für lebensgefährliche Unterbesetzungen und Ausnutzung des Pflegepersonals geführt. Es ist gängiges Gefühl unter dem Personal, dass man krank zur Arbeit kommen muss, weil sonst der ganze Laden zusammenbricht.
Und sollte nun die Belastung ansteigen, fürchte ich schlimmes.
Es ist auch irgendwie heuchlerisch, wenn wir als Gesellschaft immungeschwächte Menschen mit Nies-Protokoll und Verzicht aufs Konzert schützen wollen, aber das Pflegepersonal, das mit solche Menschen beruflich zu tun hat, oft sogar halb-offiziell gesagt bekommt, mit Erkältungssymptomen kann man ruhig zur Arbeit kommen.
Aber da will ich mich jetzt nicht reinsteigern...


Schöne Grüße
Viktor
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Re: Corona und die Musikbranche

#10

Beitrag von migoe » Do 12. Mär 2020, 14:37

Hallo Viktor,
Viktor hat geschrieben:
Do 12. Mär 2020, 12:50
Es ist auch irgendwie heuchlerisch, wenn wir als Gesellschaft immungeschwächte Menschen mit Nies-Protokoll und Verzicht aufs Konzert schützen wollen, aber das Pflegepersonal, das mit solche Menschen beruflich zu tun hat, oft sogar halb-offiziell gesagt bekommt, mit Erkältungssymptomen kann man ruhig zur Arbeit kommen.
Das geht mit auch auf dem Senkel und ich bin nicht gerade optimistisch, das sich das trotz oder wegen Corona ändert :grübel::schimpfen::cry:
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Re: Corona und die Musikbranche

#11

Beitrag von migoe » Sa 21. Mär 2020, 00:09

Zu dieser Problematik wurde am 20. März im ZDF eine Aspekte Sondersendung ausgestrahlt die an sofort auch in der Mediathek abrufbar ist -> https://www.zdf.de/kultur/aspekte/aspekte-vom-20-maerz-2020-100.html

Die Liedermacherin Dota Kehr ist als Gast in der Sendung und schildert ihre aktuelle Situation. Zum Ende der Sendung spielt sie eines ihrer Lieder.
Screenshot_20200321-001207.png
Eine aspekte-Sondersendung - mit dem Schriftsteller und Arzt Jakob Hein, der Musikerin Dota Kehr und dem Journalisten und Blogger Sascha Lobo.

Beitragslänge:44 min
Datum: 20.03.2020
Video verfügbar bis 20.03.2021

aspekte
Corona und die Kultur
Was bedeutet das Virus für die Branche?

"May we live in interesting times" – mögen wir in interessanten Zeiten leben, so lautete das Motto der letzten Kunst-Biennale in Venedig. Das klang schon letztes Jahr verdächtig nach einem Fluch. Aber jetzt hat sich der Fluch gegen den Fluchenden gerichtet. Die Börse ächzt, globale Handelsketten reißen. Die Welt ist aus dem Tritt.

Weil Kultur nun mal eine zutiefst soziale Angelegenheit ist, trifft die Notwendigkeit zur Vereinzelung den Kulturbetrieb besonders hart. Wirtschaftlich - viele Selbstständige und freiberufliche Künstler stehen vor der Erwerbslosigkeit -, aber auch künstlerisch. Die Krise wird deutliche Spuren hinterlassen: bei Kinos und Clubs, Filmstudios und Kultureinrichtungen.

Gesellschaftlich sind die Folgen kaum zu ermessen. Was wird aus einer Konsumgesellschaft, die nur eingeschränkt konsumieren kann? Wird sich die zaghafte Welle der Solidarität verstärken? Oder wird das gehortete Klopapier zum Menetekel unseres Landes? Entschleunigung und Rückzug ins Private sind das Gebot der Stunde. Philosophen wie Martin Heidegger betonen gerne, dass das Zurückgeworfensein auf das eigene Ich zu einem Erkenntnisgewinn führt. Wenn man es denn mit sich aushält. Sollten wir etwa klüger aus der Krise hervorgehen? Oder werden wir uns wünschen: "May we live in ordinary times"?

Diese und weitere Fragen diskutiert Jo Schück mit dem Schriftsteller und Arzt Jakob Hein, dem Journalisten und Blogger Sascha Lobo und der Musikerin Dota Kehr.

Musik im Studio:
Dota Kehr mit "Bunt und Hell"

Digitale Kultur in Zeiten von Corona:
Verwaiste Konzerthäuser, brach liegende Bühnen, geschlossene Museen. Virtuell können viele Häuser weiter besucht werden. Vom digitalen Schlendern durch die Vatikanischen Museen bis zum Erforschen eines antiken Friedhof ist sehr vieles möglich. Allen, die ihrer Liebe zu toten Objekten nicht entsagen wollen, bietet europeana.eu Zugang zu über 50 Millionen Artefakten und absolut sterilen Online-Ausstellungen - zum Beispiel zur europäischen Fest-Kultur und - natürlich - Beerdigungen. Johan Holten, der Direktor der Kunsthalle Mannheim, stellt auf Twitter jeden Tag ein Werk seiner Sammlung vor. Begonnen hat er mit dem Portrait eines klassischen Risiko-Patienten. Noch mehr Kunst, gibt’s in der Digitalen Kunsthalle von ZDF-Kultur - aktuell mit einer Felix Nussbaum-Ausstellung und einer neuen Ludwig van Beethoven-Schau. Musik gibt es natürlich auch: Jeden Abend streamt der Pianist Igor Levit ein Hauskonzert, der rbb überträgt Carmen aus der gespenstisch leeren Staatsoper Berlin. Die Berliner Philharmoniker sind bereits weiter. Ihre digitale Konzerthalle ist prall gefüllt mit Archivaufnahmen - der Zugang für die kommenden Wochen kostenlos. Überall wird gelesen, gestreamt, gepodcastet. Eröffnet sich die Chance auf neue digitale Kulturformate? Kann das Netz den Besuch vor Ort ersetzen? Oder kommen die Menschen dank staatlich verordneter Langeweile etwa auf die verrückte Idee, jetzt selbst kreativ zu werden? Auch darüber wird Jo Schück mit seinen Gästen sprechen.
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Re: Corona und die Musikbranche

#12

Beitrag von Rex2005 » Mi 25. Mär 2020, 16:30

keine Ahnung wieviel aktive Musiker/Freiberufler aus dem Land Brandenburg hier mitlesen - inzwischen sind die Anträge zur Soforthilfe ausfüllbar und als Download im Web zu finden. Antrag auf Soforthilfe
so oder so ähnlich sollten inzwischen auch in allen anderen Bundesländern die Anträge zur Verfügung stehen.

Der Antrag ist wirklich sehr leicht auszufüllen aber …. man sollte nicht leichtfertig beantragen und die dazu bereitgestellten Infos lesen. Da fällt z.B. sofort ins Auge: Höhe des entstandenen Schadens … das ist im Moment - wenn man es rein rechtlich sieht- (keine) Auslegungssache... ein Restaurant, dass im Moment schließen musste, hat einen Schaden, weil die Leute ja später nicht das Essen nachholen können. Kann ein Musiker ein Konzert aber terminlich verschieben, hat er dadurch an sich keinen Schaden, ein abgesagtes Konzert wäre aber eine Umsatzeinbuße. Der Schaden sollte also aus der Begründung des Antrages relativ genau hervorgehen und jeder der das beantragt, sollte für sich selbst genau zu späteren Prüfungen Aufzeichnungen machen - vor allem auch dazu wie er den beantragten Schaden ermittelt hat.

Minderung oder Stundung von Steuervorauszahlungen würde ich z.B. direkt mit dem Finanzamt vereinbaren - das dürfte sicherer und im Ergebnis klarer und schneller bearbeitbar sein als das recht schwammige Angebot: Hilfe von bis zu einer Summe X €. Was direkt vereinbart werden kann mit Finanzamt, Kreditinstituten halte ich für die bessere Variante.

Trotzdem sollte jeder die Hilfen nutzen, der sie benötigt.
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