ein Interview

Der deutschsprachige Rockpoet und Liedermacher Tino Eisbrenner beweist sich als Sänger, Texter, Bandleader, Redakteur und Tv-Moderator. Mit einer ausdrucksstarken Stimme steht er in dem Ruf, jedes Publikum auf seine Seite zu ziehen.
Heinz Rudolf Kunze sagte schon 1994 über ihn: Künstler wie Eisbrenner sitzen mit ihrem Talent, ihrer künstlerischen Kreativität und Neugier, ihrer nonchalanten Massenwirksamkeit und ihrem eigenen Anspruch immer irgendwie zwischen den Stühlen. Und ist das nicht der beste Platz für ernst zu nehmende Künstler?... Eisbrenner passt in keine Schublade – er ist der Schrank.

Quelle Forenbeschreibung: Liedermacher-Forum | Foto ©byScreenshot der offiziellen Künstler Webseite vom 09.06.2018

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ein Interview

#1

Beitrag von Rex2005 » Fr 4. Okt 2019, 19:17

weil es lange nichts mehr in diesem Forum zu lesen gab und weil es gerade zu diesen Tagen passt...

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Re: ein Interview

#2

Beitrag von moni » Fr 4. Okt 2019, 21:11

Ich habe mir das Interview jetzt angehört.
Das Herr Eisbrenner gerne DDR Bürger war ist vollkommen ok, da gibt es auch in meinem Bekanntenkreis Personen die das so sehen.
Es war nur für unbequeme, aufmüpfige Menschen nicht ganz so unbeschwert wie er das darstellt.
Seine Meinung, es war richtig die Bandkollegen zum Wehrdienst einzuziehen um die Band aufzulösen, weil sie zu frech wurden, kann man so sehen, muss man aber nicht.
Wenn jemand seine Uniform verbrennt, nachdem das Abitur gemacht war und die Person dann deshalb nicht studieren durfte findet er auch ok.
Menschen, die seine Platten nicht kaufen, weil sie mit seinen Meinungen nicht konform gehen, das geht ihm aber gegen den Strich.
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Re: ein Interview

#3

Beitrag von Gesch » Di 8. Okt 2019, 11:51

testantwort
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Re: ein Interview

#4

Beitrag von Gesch » Di 8. Okt 2019, 12:01

ihr Lieben,

massive Posting-Probleme hatten mir die Lust auf eine spontane Reaktion auf das Interview und Monis dankenswerte erste Antwort verleidet. Aber jetzt schreib ich nicht auf dem Smartphone, sondern auf dem PC - es scheint zu klappen, wie das Test-Posting zeigte...

Nach dem Beitrag von Moni wollte ich mich dafür bedanken, mich von zeitverschwendendem Abhören bewahrt zu haben. Dann hatte mich ne Grippeschutzimpfung ungehauen, sodass ich doch nix Besseres zu tun hatte und mir das Interview angetan habe.

Die mich streckenweise fassungslos machende Empathielosigkeit gegenüber den nicht angepassten Menschen in der DDR, die wegen ihrer Ablehnung des DDR-Sozialismus-Feldversuchs schließlich in Bautzen oder sonstwo hinter Gittern gelandet waren, oder gegenüber denjenigen, von denen Angehörige an der DDR-Grenze verblutet sind, nur weil sie aus dem "Gelände des Feldversuchs" raus wollten, um nicht länger daran zwangsweise beteiligt zu sein, hat mich erschreckt.

Auch der Gedanke daran, wie verbreitet diese Empathielosigkeit wohl auch 30 Jahre nach Ende des "Feldversuchs DDR" mit all seinen Schrecken - sie nur mit dem Begriff "Fehler" zu erfassen, ist mehr als eine Verharmlosung - immer noch ist, ist nahezu gespenstisch...

Konrad Weiss hatte kurz nach der Wende wohl recht... (sinngemäss erinnert) : Wenn im Osten die DDR-Unzulänglichkeiten und Schrecken genauso wenig aufgearbeitet würden wie im Westen die Nazi-Zeit, dann „fliegt uns die ganze Scheisse in 30/40 Jahren wieder um die Ohren“ ...

voila...

die AfD-Wahlergebnisse beweisen es...

und die Zeitspanne stimmt auch

Gerd
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Re: ein Interview

#5

Beitrag von migoe » Sa 12. Okt 2019, 18:51

Liebe Rex2005,

vielen Dank für Tipp und das Video. Ich las Eisbrenner und hatte eine bestimmte Erwartung dazu, was in diesem Interview zum Besten gegeben werden würde. Mir fehlte bisher die Zeit, mich damit auseinander zu setzen und bin deshalb Moni und Gerd dankbar für ihre Meinungen zu dem Interview. Ein paar Dinge gehen mir nicht in den Sinn - und auch nicht aus dem Kopf, auf die ich hier eingehen möchte:

Ab 3:08 geht es um die Kindheit in der DDR, die er so erlebt hat, dass es um ein gutes kollektives Erlebnis und eine Gemeinschaft ging, bei der der "Egoismus des Einzelnen" nicht wichtig war. Er sagt dazu auch, dass er das aber nicht "glorifizieren" möchte, weil er durchaus einsieht, dass es "exotische Künstler" schwer hatten, in diesem System zu bestehen.

Ich frage mich, was mit dem "Egoismus des Einzelnen" gemeint sein könnte im Zusammenhang mit einem "exotischen Künstler", irgendwie erinnert mich das an den Papagei in einem Gerhard Schöne Lied, der von den Spatzen totgeschlagen wird, weil er nicht so aussieht wie sie und irgendwie nicht so grau ist... Vielleicht tue ich dem Künstler Eisbrenner unrecht, aber ich denke, die "Freiheit des Individuums" sollte gefördert werden, nicht die "Pionierorganisation". Mir gefällt das Bild von der Hecke ganz gut, die nach seinen Worten deshalb geschnittten werden muss, damit sie insgesamt gut wächst. Wohin die Hecke wachsen soll, kann durch den Schnitt bestimmt werden, aber dabei geht es nur um die "äußere Erscheinung" und es hat nichts mit der "Qualität" der Hecke z.B. im Sinne eines guten Lebensraums für die Lebensarten im inneren der Hecke zu tun. Insofern finde ich sein Bild gut, aber anders als er es meint, denn für mich war die DDR (um in diesem Bild zu bleiben) eine Hecke, die durch gezielten Schnitt (durch den Staatsapparat) nach "außen" ein Gesellschaftsbild darzustellen versuchte, was nicht der Realität entsprach, und nach "innen" ebenfalls nur eine Illusion war.

Ab 5:20 sagt er einen Satz, der mich sehr stutzig macht: "Ich wehre mich eigentlich dagegen...das man zuviel vom System spricht...also ein System DDR würde mich...mit großer Vorsicht formulieren...weil, in ganz vielen Sachen war es ein großes Ausprobieren...da war überhaupt noch kein System"

Die DDR war kein Experiment, sondern eine Diktatur! Darauf würde ich mich festlegen. Von Anfang an ging es nicht um eine "bessere Welt" und eine "bessere Alternative zum Kapitalismus", sonst hätte man die Menschen, die dieses "Experiment" nicht mitmachen wollten ja nicht einsperren müssen. Hier ging es nicht um die Freiheit und die Entfaltung des einzelnen Menschen, sondern um die Erhaltung eines Unrechtssystems um der Erhaltung willen! Hätte man wirklich wissen wollen, was die Menschen von diesem System halten, hätte man echte freie und unabhängige Wahlen durchgeführt mit gleichen Chancen für alle, die sich an gemeinsame Regeln halten wollen und nicht andere ausgrenzen, weil sie "exotisch" sind und nicht so grau, wie die Masse.

Ab 06:30 erklärt Tino Eisbrenner, dass es in der DDR nach seiner Wahrnehmung allen Bügern klar gewesen ist, dass es darum ging, dass gerade etwas probiert wurde, was es so noch nicht gegeben hatte, und die daraus entstandenen Diskussionen wären offen geführt worden und ohne "Standesdünkel" und dass jeder Genosse bei einem Gespräch mit z.B. dem Betriebsdirektor auf Augenhöhe sprechen konnte auch mal mit der Faust auf den Tisch schlagen konnte und sagen: "so machen wir das nicht mehr und so wollen wir das nicht" und der Betriebsdirektor wäre gezwungen gewesen, die Dinge zu erklären und eventuell zu korrigieren. Eisbrenner sagt, das wäre eine der Sachen, die gut in der DDR funktioniert hätten und die wir "heute verloren haben".

Es fällt mir ehrlich schwer, diesen Teil des Gespräches als ernst gemeinten Beitrag zu sehen. Nach meiner Erinnerung gab es in der DDR sehr wohl auch eine Mehr-Klassen-Gesellschaft, die aber (wie das passende Bild mit der Hecke sehr gut veranschaulicht) durch gezielten "Schnitt" nach außen hin verborgen werden sollte. Das gelang nicht, und auch im Inneren der DDR war es allseits bekannt.

80-90% der DDR-Bürger gehörten zu der zweiten Klasse, weil sie nicht entscheiden durften, was sie lesen, hören, sehen und denken. Essen und Trinken gab es, ob es genug war und ob es den eigenen Ansprüchen/Wünschen genügte, war abhängig von den eigenen Bedürfnissen. Ich würde sagen das waren die "normalen Arbeiter". Nicht immer zufrieden und oft voller Zweifel, aber insgesamt angepasst und nicht ausreichend interessiert daran, an dem bestehenden System grundsätzlich etwas zu verändern, weil "Veränderung" nicht immer auch "Verbesserung" bedeutet. Diese Menschen waren es Ende der 1980er Jahre, die das Ende der DDR friedlich erzwungen haben, weil sie sich irgendwann sinngemäß sagten: "Ich weiß zwar nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird, aber es muss sich endlich etwas ändern, damit es besser werden kann".

Lediglich 2-5% der Menschen in der DDR gehörten zur ersten Klasse und waren "gleicher als gleich" (siehe Georg Orwell: "Die Farm der Tiere"). Dies waren Parteimitglieder in besonderen Ämtern, Mitglieder der Regierung und der Staatsführung, führende Mitglieder der Stasi und anderer Sicherheitsorganisationen sowie Sportler und Künstler, die von der Staatsführung für besondere Dienste an der Sache honoriert wurden - aber auch nur, solange sie der "Sache" dienten und ihre Rolle wie vorgesehen spielten. Diese Menschen profitierten vom "System" und hatten demzufolge auch kein Interesse an einer Veränderung der Verhältnisse.

Aber in der DDR gab es mindestens eine weitere, dritte Klasse von Bürgern und zu denen zählten die in Ungnade gefallenen "Individuen", welche sich erdreisteten, gegen das Regime aufzubegehren und sich eine eigene Meinung leisteten, die von der allgemein gültigen und anerkannten Meinung abweichte. Diese Menschen wurden unterdrückt, weggesperrt, stigmatisiert, gepisackt und ausgebürgert. Außerdem gab es viele Menschen aus anderen Teilen der sowjetischen Brüderstaaten, die zwar in der DDR lebten und arbeiteten, aber keine Rechte und Teilnahmemöglichkeiten hatten.

Mir ist die Darstellung von Tino Eisbrenner in diesem Teil des Interviews zu platt, wenn er sagt: "Wir haben heute sowohl Standesdünkel...wir haben eine Mehr-Klassen-Gesellschaft...die die den Reichtum haben beeinflussen natürlich das Leben dessen, der den Reichtum nicht hat...und die Dinge so nehmen muss, wie sie ihm serviert werden...die den Reichtum haben beeinflussen die Politik...was jetzt übrig ist...dass die Gesellschaft die wir jetzt haben...eigentlich nur noch einen Wertmaßstab hat...Geld" -> das Fazit an dieser Aussage gehe ich mit, aber nicht den Grundtenor, der mitschwingt, dass dies ein Phänomen vom heutigen Deutschland ist und das es in der DDR anders gewesen sein soll.

Mehr schaffe ich aus zeitlichen Gründen nicht zu kommentieren und bin gespannt darauf, ob es zu diesem Interview noch andere Meinungen gibt, vor allem von Menschen, die selber in der DDR aufgewachsen sind und dort bis zum Ende und nach der Wende gelebt haben...

migoe

P.S.
Das Video stammt von "Russia Today" (RT) und das ist für mich ein Propagandakanal der russischen Regierung. Jeder sollte sich dessen bewusst sein.
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Re: ein Interview

#6

Beitrag von moni » Sa 12. Okt 2019, 21:32

Lieber Gerd und lieber migoe,

ihr habt das Interview viel ausführlicher und genauer "auseinandergenommen" als ich das gekonnt hätte. Dafür danke ich euch.

LG Moni
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Re: ein Interview

#7

Beitrag von Rex2005 » Sa 12. Okt 2019, 22:01

Bärbel Bohley: Die Frau die es voraussah - vor dem Artikel muss nicht gewarnt werden. Im Impressum steht Achgut Media GmbH … ;-)
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Re: ein Interview

#8

Beitrag von migoe » So 13. Okt 2019, 16:08

Hallo Rex2005,

der Name Bärbel Bohley war mir bisher nicht bekannt und ich habe mich mit ihr und ihrem "Schicksal" aufgrund Deines Beitrags beschäftigt. Ich frage mich aber, was genau hat sie denn vorausgesehen? Für mich geht aus dem verlinkten Artikel nicht genau hervor, worauf Du Dich damit beziehst. Der Autor des Artikels auf achgut.com schreibt über sie in der Erinnerung und ich bringe das nicht zusammen mit den Aussagen von Tino Eisbrenner in seinem Interview.
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Re: ein Interview

#9

Beitrag von Gesch » Mo 14. Okt 2019, 10:54

lieber migoe, liebe mitlesende und -dinnen,
dass waren noch mal wichtige ergänzungen zu meiner eher knapperen reaktion auf das interview im unsäglichen sender.

bärbel bohley ist dann doch eher ein weiteres kapitel.

mich ernüchtert wieder mal, wie rasch die zeit vergeht und wie schnell jemand in vergessenheit gerät und dann „nachgeborenen“ nicht mal mehr dem namen nach vertraut ist... bärbel bohley war auch in der tat eine person der zeitgeschichte und damit der geschichte ihrer zeit, die längst nicht aufgearbeitet ist. dazu gehört auch der blick auf die „mitläufer“ vor und nach dem krieg, hüben wie drüben, auf oft fehlendes unrechtsbewusstsein, defizitärer scham und wiederauflebendem trotz: es sei ja nicht alles schlecht gewesen... die autobahnen und die soziale sicherheit, erkauft mit dem verzicht darauf, deutlich kritisch auf inakzeptables zu reagieren...

schönen start in die woche
herzlich
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Re: ein Interview

#10

Beitrag von Helmut » Di 15. Okt 2019, 17:16

Hallo Zusammen

Lang hab ich es vor mir hergeschoben, mir das Interview anzusehen. Eure qualifizierten Beiträge haben mich jetzt dazu veranlasst.

Stutzig wurde ich an der Stelle, als er sagte, die DDR habe die Jugendlichen veranlasst gute Bücher zu lesen. Dass der größte teil der guten Bücher verboten war, vergaß er zu erwähnen. Staatverherrlichende Trivialliteratur war wohl in seinem Sinne gut.

Der Vergleich mit der Hecke ist Zynismus pur.

Als er sagte, dass die DDR auch Fehler gemacht habe und als Beispiel den Maisanbau, nicht aber Bautzen erwähnte, konnte ich seine Ausführungen nicht mehr ertragen.

Mit anderen Worten, da hab ich abgeschaltet bevor ich Kotzen musste.

:teufel:
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Re: ein Interview

#11

Beitrag von migoe » Di 15. Okt 2019, 20:11

Ich möchte eines noch anmerken:

Das Video trägt ja den Titel "Ich war gerne DDR-Bürger. DDR-Popstar Tino Eisbrenner über Heimatverlust" und auf diesen Titel bezogen habe ich mich das Video angeschaut. Für mich ist aber der Titel eine Mogelpackung, weil mir während des gesamten Gesprächs nicht klar geworden ist, was genau denn jetzt den Heimatverlust ausmacht für Tino Eisbrenner.

Aus diesem Grund ist es wahrscheinlich zwangsläufig, dass ich als sog. "Wessi" (so würde ich mich selber übrigens niemals bezeichnen) alles aus meiner persönlichen Perspektive aufnehme und mir dazu meine Gedanken mache. Ich bin mir bewusst, dass es sehr viele Menschen gibt, die in der DDR gerne gelebt haben und durch den Umbruch nach 1990 ihr komplettes Leben und teilweise ihre "Identität" verloren haben und heute nichts mehr so ist, wie sie es gewohnt waren. Diese Menschen haben sich das so nicht gewünscht sondern sind in der Zeit der Wende bestimmt davon ausgegangen, dass es auch ein gemeinsames Deutschland geben könnte, in der die vielen guten Dinge, die sie in "ihrer Heimat DDR" gekannt haben, im neu entstandenen Staat "Deutschland" auch ihren Platz bekommen werden - und damit auch die Leistung der Menschen in der DDR gewürdigt werden würde.

Dies ist aber bekanntlich nicht so eingetreten und in dieser Hinsicht war die Wiedervereinigung für diese Menschen kein Erfolg.

Die schönen und erhaltenswerten Dinge, die es zweifelsohne in der DDR gegeben hat, sollen und dürfen auch genannt werden und haben ihre Berechtigung. Das bedeutet aber auch, dass es stets erlaubt sein muss, die "Rückseite" dieser Dinge beleuchten zu dürfen/müssen, denn das gehört dann eben auch dazu.

Genau das fehlt mir aber bei dem Interview - und ich schreibe das dann auch so, auch auf die Gefahr hin, dass ich zukünftig von manchen Besuchern auf dem Forum als "typisch arroganter Wessi" wahrgenommen werde, der ich nicht sein will - und der ich auch nicht bin!

Franken liegt am Sambesi - hier is mei Heimat ;-)
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Re: ein Interview

#12

Beitrag von Helmut » Mi 16. Okt 2019, 08:12

Seit gestern befällt mich ein ganz komisches Ekelgefühl, wenn im oberen Bilddurchlauf dieses Forums dieser Zyniker erscheint. Ich sehe nämlich ein Bild vor meinem geistigen Augen, wie alle Systemkritiker, die ihre Köpfe aus der Hecke strecken, mit der Kettensäge -ratsch, ratsch- geköpft werden. Und Eisbrenner steht daneben und grinst sich eins.
:teufel:
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Re: ein Interview

#13

Beitrag von migoe » Mi 16. Okt 2019, 10:19

Lieber Helmut,
Seit gestern befällt mich ein ganz komisches Ekelgefühl, wenn im oberen Bilddurchlauf dieses Forums dieser Zyniker erscheint
Du bist für Deine ehrlichen und schonungslosen Worte bekannt und geschätzt. Für mich ist Tino Eisbrenner aber kein Zyniker und ich finde es gut, weil er in einem offenen Dialog versucht, seine Gefühle und seine Erfahrungen im Hinblick auf die politische Ende und den Zusammenschluss beider deutschen Staaten zu vermitteln. Da kann und darf es auch andere Sichtweise gehen, aber ich finde die Unterstellung, dass er es nicht ehrlich meint nicht zutreffend.

Hast Du noch andere Argumente außer dem Banner auf der Webseite, den Du nicht ertragen kannst?
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Re: ein Interview

#14

Beitrag von Gesch » Mi 16. Okt 2019, 11:09

hallo michael und alle mitlesendinnen und -dinner,

ich habe auch zweifel daran, dass eisbrenner „unehrlich zynisch“ seine position vertritt, weshalb ich von „empathielosigkeit“ gesprochen habe, die aus meiner wahrnehmung aber auch eine gehörige portion menschenverachtung aufweist, nämlich für diejenigen, die nicht gewillt waren, sich in die hecke zu ducken und dann unter der heckenschere zu leiden hatten. und wenn ich es recht bedenke, finde ich diese haltung, wenn sie auch noch „ehrlich“ ist, eigentlich noch schlimmer, weil sie auf die bereitwilligkeit eines willfährigen werkzeugs des systems schliessen lässt... und dann bin ich mit meinem verständnis schon wieder sehr nah am ekelgefühl von helmut...
herzlich
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Re: ein Interview

#15

Beitrag von Helmut » Mi 16. Okt 2019, 15:16

Lieber Michael

1. Wenn ein AFD-ler gegen Asylbewerber hetzt, dann ist es vielleicht auch seine ehrliche Meinung. Trotzdem ist die Meinung genauso menschenverachtend wie die von Eisbrenner
2. Ich habe von meinen Gefühlen berichtet. Für diese Gefühle kann weder ich etwas dafür, noch du sondern nur Eisbrenner selbst. Brauch ich Argumente für meine Gefühle?
3. Wenn du Argumente haben willst, dann les bitte bei Gerd nach. Was du geschrieben hast, weißt du wahrscheinlich besser als ich. Beide Beitäge hab ich gestern mit :daumen: versehen. Wenn du es trotzdem hören willst: Für mich ist es menschenverachtend, wie er den Umgang der DDR mit seinen Kritikern verteidigt (Rübe ab, wie bei der Hecke).
4. Eigentlich sollte sich Eisbrenner glücklich schätzen, dass seine neue Heimat toleranter ist, als seine verlorene. Wäre die neue Heimat so intolerant wie die alte, wäre er vielleicht die Hecke.
5. Gegen mein Ekelgefühl scrolle ich inzwischen die Seite hoch, damit ich den Banner nicht mehr sehen muss. Aber:
Auf dem Banner sah ich bisher Größen wie Mey, Wecker oder Wader, aber auch Leute wie Stephan, Chrizz oder Gerd. Sie alle stehen für eine humane Grundhaltung. Die Ehre, in diese Namen eingereiht zu werden, hat Eisbrenner meiner Meinung nach mit seinem Menschenbild verspielt.

Liebe Grüße
Helmut
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