Interessante Reaktionen. Mittlerweile hab ich die Lieder auch komplett gehört, nun, soweit es zumutbar war. Denn tatsächlich ist hier von etlichen üblen Mißhandlungen die Rede, und auch Täternamen müssen genannt werden.
Zuerst zu etwas Positiven, und tatsächlich findet sich das meiste Positive am Anfang dieser CD. Alin, Dota und Anna haben ihre Aufgaben vorbildlich gelöst. Wobei die Feminisierung der Pkw-Diebe in Nach Hamburg dem Lied einen sehr reizvollen neuen Touch gibt. Aber es war auch notwendig, hätte sonst doch komisch geklungen. Also ich denke, diese Interpretation von Anna Depenbusch ist der Höhepunkt dieses Albums. Alin singt hingegen unbeeindruckt"Auch ich bin nach diesem Jahr nicht mehr DER, DER ich war." Nun gut, "der" Mensch halt ;o)
Dota überzeugt wie gewohnt mit guter Stimme und ungekünsteltem Vortrag. Daran scheint es bei den meisten anderen Interpreten zu hapern. Gerade die Jungs nölen und schmalzen da ungemein affektiert rum, daß einem ganz anders wird.
Max Prosa (von dem ich noch nichts gehört habe, das die Lorbeeren rechtfertigen könnte, vielleicht kommts ja noch) ist entweder volltrunken oder zieht es vor, den Volltrunkenen zu spielen, aus welchen geschmacklichen Gründen auch immer.
Weitere schlimme Bösewichte sind Johannes Strate und Herr Poisel, die ihre Stücke (Unterwegs nach Süden und Heute hier...) bis zur Unkenntlichkeit entstellt haben, während ich mich evtl. an die eigenwillige Version von Charley (durch Pohlmann) noch gewöhnen könnte: Zwar schräg, aber ist das Lied ja auch. Tiemo Hauer scheitert fürchterlich "am Fluß", wobei ich zugestehe, daß dieses Lied womöglich überhaupt nur von Hannes singbar ist. Jenseits von Gut und Böse ist das Abschlußlied Kokain in der Fassung von Apfel S., wer auch immer das sein mag.
Es gibt aber in der zweiten Hälfte des Albums durchaus noch Hörenswertes, Traumtänzer wird von Glasperlenspiel ganz ordentlich vorgetragen, ebenso wie Die Möwe von "Bosse". Das Bierbeben schafft es, das Lied "Du träumst von alten Zeiten" zwar so ganz anders als der knurrige Wader vorzutragen, und trotzdem den "abwinkenden Tonfall" (nicht mit mir!) hervorragend zu treffen. Nicht zuletzt überzeugt mich auch eine härtere Gangart, nämlich die von Slime: "Heute hier morgen dort" mal so richtig runtergerockt/-gerotzt, kommt gut.
Das Album scheint stark zu polarisieren. Hier im Forum allerdings weniger, und auch ich fahre die mittlere Schiene, d.h. ich würde bei Amazon 3 Sterne vergeben. Deutlich werden zwei Dinge: Erstens, die Sangeskunst eines Hannes Wader wird von den allermeisten der heutigen Cracks nicht annähernd erreicht. Zweitens, man merkt trotzdem noch, daß die Wader-Lieder von herausragender Qualität sind.