Hallo Uwe,
interessante Fragen, über die ich mir auch immer wieder den Kopf zerbreche ...
Wie lange sollte ein Konzert (ohne Vorprogramm) dauern?
Ich denke, das lässt sich wirklich nicht verallgemeinern, sondern kommt sehr auf die Rahmenbedingungen (blödes Wort) des Konzertes an: Wo wird gespielt? Vor welchem Publikum? Ist das Konzert Teil einer Veranstaltung oder ihr einziger Bestandteil? Und so weiter ...
Wenn ich z.B. in einer Reha-Klinik vor Krebspatienten auftrete, achte ich seit einiger Zeit darauf, dass nach eineinhalb Stunden Schluss ist. Mit Pause und Zugaben dauert das Konzert dann etwa zwei Stunden.
Gebe ich ein Konzert, zu dem das Publikum meinetwegen kommt (in Kliniken und Kneipen etwa ist das ja nicht immer unbedingt der Fall, hier sind viele Gäste einfach dankbar für irgendeine kulturelle Unterhaltung), dann stehe ich mit Zugaben abzüglich der Pause meist rund zweieinhalb Stunden auf der Bühne. Ich denke, hier ist der Spielraum recht groß. Viel länger würde ich - auch angesichts der Textlastigkeit unserer Musik - nicht spielen wollen. Kürzer ist möglich, aber alles unter zwei Stunden finde ich wiederum eher unhöflich (natürlich spielt da aber immer auch der Eintrittspreis eine Rolle).
Wie viele Lieder werden im Schnitt gespielt?
Das variiert bei mir und hängt neben der Länge der Lieder unter anderem davon ab, ob ich in Redelaune bin und wie das Publikum darauf reagiert. Ich will ein munteres Publikum in die Pause entlassen, das darauf brennt, dass es weiter geht

. Je nachdem, wie es auf welche Songs reagiert, ist das mal etwas früher, mal ein wenig später der Fall.
Meistens packe ich für jede "Halbzeit" 15 Titel ein, von denen ich dann tatsächlich zehn bis 13 spiele - natürlich nicht wahllos, sondern einer gewissen Dramaturgie folgend. Ich finde es immer wichtig, genug Songs im Gepäck zu haben, um auf die jeweilige Stimmung des Saals reagieren zu können. Ich mache stets einen genauen Ablaufplan, den ich auf der Bühne dann regelmäßig umstrukturiere.
Hilfreich kann es dabei sein, sich Bausteine zurecht zu legen (nach Lied X kommt immer Lied Y), die sich bewährt haben. Eine Halbzeit besteht also z.B. aus sieben Steinen. Der erste und letzte - jeweils ein Lied - sind fix, alle übrigen können hin und her geschoben werden. Entscheidend ist wohl, wie man sich selbst am sichersten fühlt. Der Eine bevorzugt einen geregelten Ablauf, der Andere mag es flexibler. Das Publikum wiederum kennt das Programm in der Regel nicht. Wie man es strickt, ist also egal. Es zählt, was dabei rauskommt.
Und - wie Marc sehr richtig schreibt: Ein roter Faden ist das A und O. Reinhard Mey macht das für meinen Geschmack sehr gut, ebenso Bodo Wartke, um nur mal zwei recht unterschiedliche Akteure zu nennen. Ein gutes Konzert ist für mich immer ein dramaturgisches Programm, also viel mehr als ein reiner Liederabend. Künstler und Publikum müssen eins werden. Nichts finde ich bedauerlicher, als wenn ein Musiker (wie Hannes Wader manchmal) herausragend spielt, aber der Funke einfach nicht überspringen mag, weil er zu wenig mit dem Publikum interagiert.
Mögt ihr Pausen, oder eher wenn das Konzert durchgängig ist?
Nie ohne Pause! Ich selbst brauche sie nicht, sondern fände es im Gegenteil angenehmer, durchzuspielen, wenn die Finger warm sind. Aber das Publikum legt Wert darauf. Auch was die Länge angeht, sind sich nach meiner Wahrnehmung fast alle einig: Mindestens zehn, aber nicht länger als 15 Minuten.
Natürlich versuche ich, die Pause möglichst in die Mitte des Konzerts zu legen. Nach zweieinhalb Stunden vor den letzten 15 Minuten zu pausieren, was manche Kabarettisten tatsächlich machen, fände ich eher unpraktisch

.
Soweit meine aktuellen Gedanken dazu.
Gruß vom
clabauter