Konstantin Wecker und Band in der Saturn Arena bei Tollwood (München), 15.7.2008
Es ist wie immer oder fast immer bei einem Weckerkonzert. Die Fans kennen sich, man freut sich auf das Konzert, die Vorfreude dominiert, und dann beginnt es wie meistens, auf einmal ist Konstantin da, steht irgendwie schüchtern wirkend auf der Bühne und wird von seinen harten Fans frenetisch begrüßt.
Eine sehr gute Stimmung in der ausverkauften Zeltarena, Konstantin und seine kongeniale „Zugaben“-Band (Jo Barnikel, Lenz Retzer und Hakim Ludin) sind von Anfang an voll dabei und das erwartungsvolle Publikum wird mit der Liebeserklärung “Gutes Gefühl“ eingestimmt und anschließend wird das Tourprogramm vom letzten Herbst, frisch aufgerollt und leicht verkürzt: “Der dumme Bub“, “Ich lebe immer am Strand“, ein Lied, welches bei mir sehr viel persönliche Erinnerungen an meine Jugendzeit hervorruft, “sadopoetische“ Kostproben aus “Mein linker Arm“ und “Lauscher hinterm Baum“, “Heut schaun die Madln wia Äpfel aus“ (bei dem Konstantin in dem bayrischen kraftstrotzenden Andreas Giebel seinen Meister gefunden hat, doch es wird sehr glaubhaft Gefühl investiert), “Genug ist nicht genug“ („konservativ“ mit Cello begonnen, leider nicht so kraftvoll als Rocknummer(Smoke on the Water) beendet wie auf der Zugabentournee), es folgt ein kurzer Text über “Das Stöhnen meines Mitmenschen im Klo nebenan“, immer wieder topaktuell, trotz der 25 Jahre auf dem Buckel “Frieden im Land“, “Endlich wieder unten“, “Der Herr Richter“ (Genial, wie Konstantin das Thema Pädophilie hier behandelt), “Irgendwann“ (hier kommt die Bandvorstellung), “All die unerhörten Klänge“, “Niemand kann die Liebe binden“, der “Waffenhändlertango“, die erzählte Buchpassage von der Idee die man nicht verkauft und vom Wandertrieb, der das Militär erspart, und als Finale vor der Pause “Sage nein“, mit einem exzellenten Soli des genialen Weltmusikers Hakim Ludin gaben einen großartigen Querschnitt durch das Weckersche Schaffen.
Nach 15 Minuten ging es weiter. Die Mannschaft war jetzt aufgestockt, zu den bisherigen Mitspielern kamen noch Leo Gmelch (Tuba, Tenorhorn), Erwin Gregg (Posaune), Peter Wrba (Schlagzeug) und Wolfgang Gleixner (Gitarre und Steirische Harmonika) – Zeit für den bunten bayerischen “Herr Fischer“ Teil, zwischen alpenländischer Blechbläser-Lustigkeit (Jo Barnikel, der sich augenscheinlich sehr wohl fühlt in der zweiten Reihe, machte mit der Trompete mit) und deftigem Rock: “Gstanzl vom Roider Jackl“, “Lang mi ned o“, “St. Adelheim“, “Fliegen mit dir“, “So a saudummer Tag“, “Ja so warn´s die alten Rittersleut“ (von Karl Valentin!), “München, bist a oide Schnalln“ , “Münchner Lied“ (mit dem überraschend souveränen Gesangsduopartner Prinz Chaos II.), “Chinesisches Intro“, “Wieder dahoam“, “Oma“, “Weil du fort bist“, Fendrich-Anekdote aus dem Buch “Die Kunst des Scheiterns“, “Wir zwoa“ (das Lied, welches mich regelmäßig in Tränen ausbrechen lässt, das wünsche ich auf meiner Beerdigung ), “Gstanzl vom Roider Jackl“ und “Gut´n Morgen Herr Fischer“ mit. Da capo - eine ironisch-laute Blödelei als Finale eines guten beeindruckenden Abends, denn nach der Pause war doch jeder Titel ein Schmankerl.
Die Zugaben – die rockig-laute “Anna R. Chie“, das lebensfrohe “Questa nuova Realta“ (wo noch einmal der Prinz auf die Bühne durfte), ein unendliches gefühlvolles “Wenn der Sommer nicht mehr weit ist“ sowie ein recht gefühlvolles, überraschend reizvolles Klaviersolo von Konstantin danach, das zum stillen, meditativen “Schlendern“ führte, von Jo Barnikel mit Bachs “Jesu meine Freude“ abgerundet, ein besinnlicher Ausklang eines ansonsten sehr kraftvollen Konzerts.
Mein Fazit, ein sehr gelungener Abend, obwohl ich finde dass ein solches Zelt mit fast 3000 Leuten in dem kein “Frieden im Zelt ist“, nicht der richtige Ort ist, sondern ein kleines, heimeliges Zelt, wie in Passau oder das Lustspielhaus, sogar der Circus Kronebau viel eher zu Wecker passen.
Ein so großes Zelt -fast 3000 Leute – in dem ein ständiges Kommen und Gehen herrscht, man meinte stellenweise in der Fußgängerzone zu sein, ist meines Erachtens nicht der richtige Ort.
Denn manche Kulturbanausen denken wohl einfach, bloß weil sie Eintritt zahlen, können sie sich aufführen wie die Axt im Walde, ob sie sich das in der Staatsoper auch trauen würden ist die Frage die sich mir zum Abschluss stellt.
Vielleicht bin aber auch einfach zu alt für sowas