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Avec le temps

Verfasst: Fr 29. Dez 2006, 23:23
von Libertin
Ich beschäftige mich grad mit diesem Chanson von Férré. Am zweiten Teil der ersten Strophe hänge ich ein wenig:
Avec le temps ... Avec le temps va tout s'en va
L'autre qu'on adorait qu'on cherchait sous la pluie
L'autre qu'on devinait au détour d'un regard
Entre les mots entre les lignes et sous le fard
D'un serment maquillé qui s'en va faire sa nuit
Avec le temps tout s'évanouit
Und zwar geht es um die letzte Zeile ... D'un serment maquillé ... Kann man es so übersetzen: übertüncht von einem Gebet? Oder ist es eher ein übertünchtes Gebet. Ich tendiere von der Logik her eher zu der zweiten Version, denn für die erste Version müsste es doch eher heißen Maquillé d'un sermont. Wobei vom Inhalt her würde mir die erste Version besser gefallen.
Noch was: qui s'en va faire sa nuit. Ist das so ähnlich wie you made my day? In dem Fall natürlich the night.

Avec le temps

Verfasst: Sa 30. Dez 2006, 09:09
von Rex2005
Hallo Libertin

Avec le temps ... Avec le temps va tout s'en va
....
Entre les mots entre les lignes et sous le fard
D'un serment maquillé qui s'en va faire sa nuit
Avec le temps tout s'évanouit


s'en aller = weggehen oder wegfahren
die erste Zeile würde ich so übersetzen: Mit der Zeit ... mit der Zeit geht alles vorbei
s'évanouir = verschwinden, zerrinnen
die letzten 3 Zeilen:
in den Worten, in den Zeilen und unter der Schminke
eines falschen Schwures, der sich in die Nacht auflöst ( hier fehlt mir grad etwas Inspiration so früh am Morgen ;-) )
zerrinnt alles mit der Zeit
Vielleicht hilft es dir weiter.
LG
Rex2005

Avec le temps

Verfasst: Fr 19. Jan 2007, 18:19
von Libertin
Ay Rex,
ich habe schon lange nicht mehr hier reingschaut. Zum einen habe ich mit dem neuen Job viel zu tun, dann basteln wir fleißig an unserer CSD-Veranstaltung dieses Jahr und zu guter letzt bereite ich mich auf die zwei nächsten Konzerte vor.
Ursprünglich hatte ich vor Avec le temps als Reaktion auf Ne me quitte pas ins Programm zu nehmen, bin dann aber davon abgerückt, weil ich mehr Uptempo-Nummern brauche und nicht schon wieder so einen Schmachtfetzen. Aber das Lied lässt mich nicht los.
un serment maquillé qui s'en va faire sa nuit
eine Strophe weiter heißt es dann auch an selber Stelle:
la tendresse s'en va toute seule
s'en aller - ist mir ein Begriff - Verschwinden, gehen. Für die zweite Strophe macht das absolut Sinn. Bei der ersten knabbere ich immer noch an der Bedeutung.
Aber (steinigt mich!) gibt es nicht auch ein "aller faire" für eine Zukunftsform? Ich mag hier absolut krumm liegen. Grammatik war nie meine Sache.
Was mag faire sa nuit heißen? Wie macht man seine Nacht?
Wie bereits im Eingangsposting angemerkt meinte ich eine Parallele zu der englischen Redewendung "make my day" zu erkennen, was soviel heißt "das rettet meinen Tag". Mag sein, daß ein dahingebrabbelter Schwur die Nacht des besungenen rettet ... Oder liege ich da vollkommen falsch?

Avec le temps

Verfasst: Fr 19. Jan 2007, 19:25
von Rex2005
Hallo Libertin

Libertin schrieb:
Aber das Lied lässt mich nicht los.


tja! mich auch nicht. Ich habe es mit einer Übersetzung versucht, ist aber wirklich nicht leicht. Und unser Haus- und Hofübersetzer (der Dany :wink: ) hat zur Zeit leider auch keine Zeit :gruebel: .

Aber (steinigt mich!) gibt es nicht auch ein "aller faire" für eine Zukunftsform?


aller faire qc = gleich etwas tun - so falsch liegst du also gar nicht

Was mag faire sa nuit heißen? Wie macht man seine Nacht?


jaaaaa, Franzosen, die Nächte und die Liebe ... :-D die reden da immer so komisch drumrum :-D deshalb kann man es wohl nur sinngemaß übersetzen.
aus :
aller faire qc = gleich etwas tun
s'en aller = weggehen oder wegfahren =>
qui s'en va faire sa nuit => müsste daher wörtlich heißen: die gleich in seine Nacht gehen bzw fahren. Nach meinem Empfinden kann das nur dem deutschen "in Luft auflösen" entsprechen. Deshalb habe ich es mit "in die Nacht auflösen" übersetzt.
Dany meinte jedenfalls dazu, dass es richtig ist.Du kannst gerne mal hier reingucken. Habe meine Übersetzungsversuche dort unter "in Arbeit" abgelegt. Ich schicke Dir das Passwort per PN.
Ist noch jede Menge Arbeit an dem Text
LG
Rex2005

Avec le temps

Verfasst: Fr 19. Jan 2007, 20:58
von Libertin
Ich hab in deinem Forum mal meine Stegreifübersedtzung reingeschrieben. Wenn es recht ist, werde ich sie gerne hierhin kopieren ...
Danke bis hierher für die Hilfe
Libertin

Avec le temps

Verfasst: Fr 19. Jan 2007, 21:34
von Rex2005
ja klar, warum nicht!
ist schon seeeehr frei übersetzt aber trotzdem nicht schlecht. Ich versuche beide Versionen ein bisschen zu rütteln und zu schütteln und vielleicht bekommen wir doch noch Hilfe.
Gruß
Rex2005

Avec le temps

Verfasst: Fr 19. Jan 2007, 21:44
von Libertin
Alors, einen Versuch ist es wert ...
Mit der Zeit
Mit der Zeit verschwindet alles
Man vergisst das Gesicht und man vergisst die Stimme
Das Herz, wenn es nicht mehr schlägt, dann liegt es nicht am Abschiedskummer
Man fischt einfach in anderen Gründen, lässt alle Fünfe grade sein und es ist gut
Mit der Zeit
Mit der Zeit verschwindet alles
Den Anderen, den man anbetete, den man im Regen gesucht hat (wie in Frühstück bei Tiffanys)
Den Anderen, den man versuchte aus den Augenwinkeln zu enträtseln
zwischen den Worten, den Zeilen und unter der Maskerade
eines falschen Schwurs, der ...seine Nacht schön machen wird...
Mit der Zeit löst sich alles auf
Mit der Zeit
Mit der Zeit gehr alles
Selbst die geilsten Erinnerungen, hier zum Beispiel eine seiner Fressen
aus der den Galerien meiner Erinnerungen ...umstrahlt von Mordgelüsten...
Samstag Abends, wenn die Zärtlichkeit sich einsam verabschiedet
Mit der Zeit
Mit der Zeit verschwindet alles
Der Andre, an den man geglaubt hatte für einen ...Schnaps... (Ich kannte Schnupfen in dem Zusammenhang nicht) für ein Nichts
Der Andre, dem man Raum (Zeit) eingeräumt hat, den man beschenkte
Der Andre für den man seine Seele für ein paar lumpige Groschen verkauft hätte
Vor dem man sich hat abrichten lassen, wie man sonst Hunde abrichtet (erniedrigen?)
Mit der Zeit ... Alles ist gut
Mit der Zeit
Mit der Zeit geht alles
Man vergisst das Leiden und man vergisst die Stimmen
die einem leise Worte armer Menschen zuflüstern
komm nicht zu spät nach Hause und vor allem - Zieh dich warm an!
Mit der Zeit
Mit der Zeit geht alles
Man fühlt sich ausgebrannt wie ein gehetztes Pferd
Man fühlt sich eingefroren in einem fremden Bett
Man fühlt sich einsam, wahrscheinlich, aber beruhigt
Und man fühlt sich beschissen von den verlorenen Jahren
Also wirklich
mit der Zeit gibt man das Lieben auf

Mir geht es beim Übersetzen nicht um das wortwörtliche Übertragen, sondern vielmehr um das Erfassen des Sinns, der hinter den Worten steckt

Avec le temps

Verfasst: Fr 19. Jan 2007, 21:52
von Libertin
Ich sehe in dem Chanson eine Parallele zu Brel's Ne me quitte pas ... Bei Brel verbiegt sich der eine so sehr, damit er selbst zum Schatten des Hundes wird, bei Ferre fühlt er sich vorgeführt wie ein Hund ... und hat bereits verloren

Avec le temps

Verfasst: Fr 19. Jan 2007, 22:22
von Pepita
avec le temps...
avec le temps, va, tout s'en va
l'autre qu'on adorait, qu'on cherchait sous la pluie
l'autre qu'on devinait au détour d'un regard
entre les mots, entre les lignes et sous le fard
d'un serment maquillé qui s'en va faire sa nuit
avec le temps tout s'évanouit
Ach geh, mit der Zeit vergeht doch alles...
Die, die man anbetete, die man im Regen suchte,
Die man hinter dem Umweg eines Blickes ahnte,
Zwischen den Worten, zwischen den Zeilen, unter der Tünche
Eines geschminkten Versprechens (wörtlich: Schwures), das sich die Nacht um die Ohren schlägt
Mit der Zeit geht alles dahin (wird alles ohnmächtig - sic!)
Im Französischen gibt es für diese pseudopoetische Aneinandereihung von Plattheiten das Wort "Verbiage" - Gelaber

Avec le temps

Verfasst: Sa 20. Jan 2007, 00:38
von Piet
Wikipedia
Ferré, den viele für den französischen Poeten des 20. Jahrhunderts halten, hat ein umfassendes Werk hinterlassen. Sie umfassen Kompositionen und die Aufführungen mit dem Mailänder Symphonieorchester, seine Vertonungen von Rutebeuf, dem französischen Pendant zu Walter von der Vogelweide und von Villon, dem Straßendichter und Priestermörder des ausgehenden Mittelalters.

Pepita
Im Französischen gibt es für diese pseudopoetische Aneinandereihung von Plattheiten das Wort "Verbiage" - Gelaber

Lange nicht geschrieben, lange nicht gelesen und doch wiedererkannt :-D
Piet

Avec le temps

Verfasst: Sa 20. Jan 2007, 08:36
von Rex2005
Hallo Libertin

Was mag faire sa nuit heißen? Wie macht man seine Nacht?


hab auch noch diesen Tipp erhalten:
=> schlafen gehen, in die Federn/in die Heia gehen
man müsste den Ferré fragen können :-D
Gruß
Rex2005

Avec le temps

Verfasst: Sa 20. Jan 2007, 09:33
von Mario
nach leo.org:
faire nuit blanche [fig.] die Nacht durchmachen [pop.]
faire sa pelote [fig.] seine Schäfchen ins Trockene bringen [fig.]
eine Kombination vielleicht
seine NAcht rumbringen/ erledigen
oder frei nachgesonnen:
sich auf das Ende /den nächsten Tag? vorbereiten
Aber mein Französich - reden wir besser nicht drüber
Mario

Avec le temps

Verfasst: Sa 20. Jan 2007, 11:51
von Rex2005
Hallo Libertin
habe hier eine Übersetzung im Web gefunden
LG
Rex2005

Avec le temps

Verfasst: Sa 20. Jan 2007, 12:10
von Libertin
Super! Manche Stellen finde ich in der Übersetzung etwas befremdlich ... wie zum Beispiel du vent als Luftschlösser ... Aber das sind nur Details.
Alles in allem entschlüsselt sich das Lied nun.

Avec le temps

Verfasst: Sa 20. Jan 2007, 17:01
von Rex2005
hab´s fertig durchgeackerthier

Avec le temps

Verfasst: So 21. Jan 2007, 08:42
von fille
Guten Morgen!
Leo Ferre ist zweifelsohne ein ganz Großer des französischen Chansons!
Hier das Chanson gesungen vom Meister selbst.
Liebe Grüße
Marianne

Avec le temps

Verfasst: Sa 2. Mai 2009, 23:20
von didier
Liebe Leser, aus mir unerfindlichen Gründen wurden in diesem Beitrag die Zeilenumbrüche des Autors nicht übernommen. Zugunsten der besseren Lesbarkeit habe ich den Text in einen neuen Beitrag kopiert.
Viele Grüße von Petra - Webmaster...................................................
So mit der Zeit (Léo Ferré / dt. D. Kaiser)
So mit der Zeit . . .
So mit der Zeit, ja, geht alles hin.
Man vergisst das Gesicht
und die Stimme entwischt.
Wenn die Liebe erlischt,
braucht man gewiss nicht weiter suchen gehn.
Man lässt’s geschehn und wird’s verstehn.
So mit der Zeit . . .
So mit der Zeit, ja, geht alles hin.
Der, den man verehrte,
und ging im Regen orten,
der Andre, den man ahnte hinter jedem Blick,
zwischen den Zeilen, zwischen den Worten,
unter der Schminke eines Schwurs wie ein Trick,
der geht in die Nacht und versiegt.
So mit der Zeit, all das verfliegt.
So mit der Zeit . . .
So mit der Zeit, ja, geht alles hin.
Die schönste Erinnerung sieht wie ’ne Fratze aus.
Aus dem Verkaufsregal wühl ich den Tod heraus,
Am Samstagabend, wenn Zärtlichkeit
von selbst kühlt aus.
So mit der Zeit . . .
So mit der Zeit, ja, geht alles hin.
Der, an den man glaubte,
für nichts und wieder nichts.
Der, dem man Dunst gab,
und der doch Schmuck erhält,
für den man die Seele
verkauft hätt’ für wenig Geld,
vor dem man her krauchte,
wie’s ein armer Hund tut.
So mit der Zeit, wird alles gut.
So mit der Zeit . . .
So mit der Zeit, ja, geht alles hin.
Man vergisst seine Lust
Und die Stimmen unbewusst,
die dir sagten ganz schlicht
die Sprüche einfacher Leut’:
Komm nicht so spät heim, heut.
Gib Acht. Erkält dich nicht.
So mit der Zeit . . .
So mit der Zeit, ja, geht alles hin.
Man fühlt sich ausgemergelt
wie ein geschundner Gaul.
Man fühlt sich eisigkalt
in einem Bett irgendwo.
Man fühlt sich einsam, vielleicht alt,
doch gleichgültig,
und sich betrogen gar,
um die verlornen Jahr.
Und dann, fürwahr.
So mit der Zeit, . . . ist die Liebe weit.

Avec le temps

Verfasst: So 3. Mai 2009, 00:56
von Petra
Hallo didier,
leider weiß ich nicht, wieso das in Deinem Beitrag nicht klappt mit den Zeilenumbrüchen, ich habe es auch nicht hinbekommen. :weissnicht: Zugunsten der besseren Lesbarkeit habe ich Deinen Text in einen neuen Beitrag kopiert, Deine Zeilenumbrüche habe ich im Bearbeiten-Modus gesehen.
Ich möchte mich nicht mit fremden Federn schmücken und betone ausdrücklich, dass ich nur didiers Text abkopiert habe.
Viele Grüße, Petra - Webmaster

So mit der Zeit (Léo Ferré / dt. D. Kaiser)
So mit der Zeit . . .
So mit der Zeit, ja, geht alles hin.
Man vergisst das Gesicht
und die Stimme entwischt.
Wenn die Liebe erlischt,
braucht man gewiss nicht weiter suchen gehn.
Man lässt’s geschehn und wird’s verstehn.
So mit der Zeit . . .
So mit der Zeit, ja, geht alles hin.
Der, den man verehrte,
und ging im Regen orten,
der Andre, den man ahnte hinter jedem Blick,
zwischen den Zeilen, zwischen den Worten,
unter der Schminke eines Schwurs wie ein Trick,
der geht in die Nacht und versiegt.
So mit der Zeit, all das verfliegt.
So mit der Zeit . . .
So mit der Zeit, ja, geht alles hin.
Die schönste Erinnerung sieht wie ’ne Fratze aus.
Aus dem Verkaufsregal wühl ich den Tod heraus,
Am Samstagabend, wenn Zärtlichkeit
von selbst kühlt aus.
So mit der Zeit . . .
So mit der Zeit, ja, geht alles hin.
Der, an den man glaubte,
für nichts und wieder nichts.
Der, dem man Dunst gab,
und der doch Schmuck erhält,
für den man die Seele
verkauft hätt’ für wenig Geld,
vor dem man her krauchte,
wie’s ein armer Hund tut.
So mit der Zeit, wird alles gut.
So mit der Zeit . . .
So mit der Zeit, ja, geht alles hin.
Man vergisst seine Lust
Und die Stimmen unbewusst,
die dir sagten ganz schlicht
die Sprüche einfacher Leut’:
Komm nicht so spät heim, heut.
Gib Acht. Erkält dich nicht.
So mit der Zeit . . .
So mit der Zeit, ja, geht alles hin.
Man fühlt sich ausgemergelt
wie ein geschundner Gaul.
Man fühlt sich eisigkalt
in einem Bett irgendwo.
Man fühlt sich einsam, vielleicht alt,
doch gleichgültig,
und sich betrogen gar,
um die verlornen Jahr.
Und dann, fürwahr.
So mit der Zeit, . . . ist die Liebe weit.