Beitrag
von Nordlicht
#2
Hallo, Ihr Alle !!!
Ich gebe zu: der Auftritt von Bodo Wartke im “Posthof” in Linz liegt nun bereits einige Tage hinter uns, aber gleichwohl stellt dieses Posting den versprochenen “schnellstmöglichen” Konzertbericht dar. Schneller ging wirklich nicht, sorry. Dafür ist er aber auch, wie u.a. von migoe erbeten, vollständig subjektiv…
Der erste Eindruck dieses Abends, der sich Ulrike, Heinz („Pegasus“) und mir beim Eintritt ins Foyer des „Posthof“ bietet, läßt nichts Gutes erahnen, zumal in Erinnerung daran, wie einfach es doch war, Karten für die 1. Reihe zu erhalten: Verglichen mit anderen Konzerten ist das Foyer bedrückend leer, sogar die Bar, die ansonsten schon vor dem Konzert für das eine oder andere Getränk sorgt, ist geschlossen. Oh je, stimmt der Termin ??? Ein Blick auf die aushängenden Plakate bestätigt: er stimmt ! Es ist zwar erst viertel nach sieben, Einlaß ist um halb acht, Beginn dann um acht, trotzdem fragen wir uns bereits jetzt: Sind wir gar die Einzigen ? Immerhin ist Wartke hierzulande bislang nur den wirklich „eingefleischten“ Fans ein Begriff, sein Auftritt hier die Österreich- Premiere. Eher wir uns aber von solchen Überlegungen runterziehen lassen, beschließen wir, zunächst einmal das „Posthof“- Restaurant aufzusuchen, um den Abend zumindest für uns stimmig einzuleiten. Als uns der Kellner den „G´spritzten“, das „Mineral“ und das „Radler“ auf den Tisch stellt (Preisfrage: Wer trank was ???), stürmt ein Angestellter mit drei Flaschen Rotwein an uns vorbei und entert den Backstage- Bereich. Muß sich Wartke etwa Mut antrinken ob der wenigen Besucher ? Oder hat er schlicht Durst ? Nun, das wird sich sicher noch erweisen, also: abwarten ! Um dreiviertel acht – also um 19:45 Uhr – beschließen wir dann, daß es an der Zeit ist, die exponierten Plätze in der Mitte der ersten Reihe einzunehmen. Beim Eintritt in den Saal dann ein neuer Schock: Gerade einmal 8 oder 10 Personen sitzen bereits auf ihren Plätzen. Das gönnen wir Wartke dann letztlich doch nicht. Aber in den folgenden Minuten füllen sich die Reihen des (durch einen Vorhang halbierten) Raumes dann doch nach und nach, bis sich um 8 ein letztlich doch recht voller Saal (mit nach meiner Schätzung ca. 300 Leuten) wartend präsentiert. Auf der Bühne steht nur der schwarze, recht gebraucht aussehende „Bösendorfer“- Flügel, davor ein Klavierhocker im blauen Spotlight. Recht pünktlich erlischt das Raumlicht, auch der Spot wird gedrosselt, das Bühnenlicht erstrahlt, und von der rechten Seite her tritt ein netter, junger Mann im Anzug mit Weste und dem auch uns bekannten gelben Hemd locker auf: das erste Bodo Wartke- Konzert in Österreich hat begonnen. Nach einem freundlichen „Guten Abend“ nimmt er vor dem Instrument Platz und beginnt mit seinem Programm „Achillesverse“. Gleich der erste Titel “Wie fang´ ich an“ sorgt für erste Lacher im Publikum – und zugegeben auch bei mir. Ganz genauso wird es vermutlich auch „großen“, lange etblierten Künstler beim Erstellen einer Tournee- Setlist gehen. Eine ganz kurze Überleitung, danach dann gleich “Meine neue Freundin“. Es ist – glaubt man den Reaktionen des Publikums – das erste Lied über einen Schönheitschirurgen, das man da hört – ganz offensichtlich mit Vergnügen hört ! Nach dem Schlußgag, mit dem Nennen des Namens „Klaus“, bricht erneut begeisterter Applaus aus. Und nun begrüßt Bodo Wartke seine Gäste. Er ist offensichtlich erfreut, daß doch derart viele Leute dort vor ihm sitzen. Launig erläutert er nun die “Liebesliedkategorien“, erklärt uns, er sei “Unsterblich verliebt“ und definiert zusätzlich die “Liebesliedunterkategorien“. Bereits jetzt fällt mir auf, daß zumindest ich seit langem nicht mehr bei einem zumindest mir doch weitgehend unbekannten Künstler derart gelacht habe. Das Spiel mit Worten, mit der Vielfalt der deutschen Sprache ist perfekt, selbst scheinbar harmlose Nebensätze eröffnen sich in geistreichem Esprit. Und es geht hochklassig weiter mit “Er“ und “Ja, Schatz“, mit Bemerkungen über das volle Halbliter- Glas Grappa. Wartke erzählt von Pao, der seine Songs in Fußball- Lieder umgedichtet hat und mit dem er im Berliner „Quatsch- Comedy- Club“ aufgetreten ist. “Das letzte Stück“ erinnert mich ein wenig an Heinz Erhardt und – ich muß es gestehen – tatsächlich auch ein wenig an Georg Kreisler, wie bis hierhin das ganze Programm. “Gräßlich vergeßlich“ wird als „Hit“ angeboten, und tatsächlich zwingt das „kritische, britische Rind“ einem unwillkürlich irgendwie ein Gute- Laune- Gefühl auf. Nachdem Wartke bei “Hunde“ seine artistischen Fähigkeiten makellos unter Beweis stellt, erinnert er mit “Das letzte Stück vor der Pause“ wieder an durchaus prophane Befindlichkeiten und Tätigkeiten in der Konzert- Pause. Die Manöverkritik in der Pause gegen 21:00 Uhr unter uns drei „Erste- Reihe- Sitzern“ ergibt, daß wir uns alle lange nicht mehr derart königlich amüsiert haben. Heinz („Pegasus“), der das Programm bereits von der Wartke- DVD kennt, stellt fest, daß das „Live- Feeling“ den „Achillesversen“ quasi das Sahne- Häubchen aufsetzt, und auch Ulrike und ich sind sehr gespannt auf den Fortgang. Nach einer knappen halben Stunde und dem obligaten, dreimaligen Klingel- Signal geht es weiter. Diesmal in Grün („…ich trage auf der Bühne auch gerne mal das Grüne…“) knüpft Wartke dort an, wo er vor der Unterbrechung aufgehört hat und befindet “Da muß er durch“. Zumindest er hat es, das merkt man den Besuchern an, geschafft, sich auch hierzulande neue Freunde zu machen. Augenscheinlich in bester Kabarett- Laune verliest er dann sein “Reisetagebuch“, nicht ohne vorherige Erklärung, er käme aus der „ostdeutschen Provinz direkt nach Linz“. Die Beschreibung der „Deutschen Bahn“ ist köstlich, genau wie das anschließende Stück “Loveparade“. Wer den Berliner Tiergarten, zumal zur Loveparade- Zeit, kennt, der ist von dessen Beschreibung durch diesen Mann da vorne „hin und weg“. “An Dich“ und das mit dem Zeitgeist erläuterte “Was ich gerade denke“ zeigen die scharfe Beobachtungsgabe und das hervorragende Umsetzungs- Vermögen des Künstlers. Und so ist es nach dieser wirklich kurzweiligen Unterhaltung wirklich ein Schock, als er uns “Die Bürgschaft“ als letztes Stück des Abends ankündigt. Um Lokalkolorit zu wahren, läßt er den Fahnder Kalle nicht von der GEZ, sondern vom österreichischen Pendant GIS kommen, was ihm nicht unerhebliche, zusätzliche Symphatien einbringt. Ganz offensichtlich erleichtert, daß das Konzert ein sicht- und hörbarer Erfolg ist, genießt Wartke den fast frenetischen Schlußapplaus und verschwindet im „Off“. Aber es dauert keine Minute, bis er sich wieder blicken läßt und als Zugabe “Ein ganz neues Stück“ erklingen läßt, nicht ohne sich vorher noch beim Publikum, bei seinen Mitstreitern hinter der Bühne und beim Team des „Posthof“ herzlich zu bedanken. Neuerlicher Abgang – doch noch ist der Saal nicht zufrieden. Und so erklingt dann das “Liebeslied“. Nachdem sich Wartke ein wenig über „Ich liebe Dich“ auf holländisch amüsiert und – vermutlich mehr pro forma – nach holländischen Besuchern fragt, ist er ein wenig überrascht, in einer Gruppe von aus Wien angereisten Besuchern tatsächlich drei oder vier holländische Konzert- Gäste zu entdecken. Sie nehmen ihm den kleinen Spott aber offensichtlich nicht übel, zumal das auch sicherlich nicht böse gemeint war. Aber auch das soll nicht das Ende gewesen sein: Als letztes Stück des Abends erklingt eine von Wartke adaptierte Mozart- Melodie: Das “Alla Turca“ in der Wartke- Version zeigt auch den vielleicht letzten Zweiflern – zu denen ich nun längst nicht mehr gehöre -, daß Wartke nicht nur ein Wort-, sondern auch ein Klavier- Künstler ist. Noch ein großer Applaus, und Wartke tritt ab – allerdings nicht nach hinten, sondern nach unten. Er verabschiedet sich von den Hören in der ersten Reihe
mit Handschlag und den Worten „Ich geh dann schon mal zu den CD´s…“. Und wirklich, direkt vor dem Saal gibt es „merchandising“, und dort steht auch Wartke. Freundlich und fast wie der „Typ von nebenan“ posiert er dort für Photos, beantwortet Fragen, schreibt Autogramme. Ulrike und ich haben uns längst ebenfalls entschlossen: Die „Extra- DVD“ vom Berliner Auftritt soll es werden. Und obwohl ich kein Autogramm- Sammler bin, lasse ich hier mein Exemplar signieren. Als ich es dazu aus dem Cellophan befreie, bedankt sich Wartke dafür bei mir, und als ich ihn auf seine Wurzeln in Hamburg und Bad Schwartau anspreche und mich dabei als Lübecker „oute“, ist er überrascht und vielleicht auch ein wenig erfreut, in dieser Ecke der Welt einen „Landsmann“ zu treffen. Und da Heinz seine Kamera dabei hat, nutze ich die Gelegenheit ganz gegen meine Gewohnheit doch noch, Wartke um einen Schnappschuß als „Internet- Beweis“ zu bitten. Der Wunsch wird gerne erfüllt, und mit einem dritten Handschlag – den zweiten gab´s nach dem Autogramm… - und einem „tschüüüß“ endet dieser Konzert- Abend. Meine Frage, ob er wiederkommt, beantwortet Wartke mit einem „Wenn es möglich ist, sehr gern.“ Nun hoffe ich wirklich, daß es ihm – und dann auch mir – recht bald möglich sein wird. Denn Wartke hat einige Holländer, eine Hand voll Wiener, viele Linzer --- und mich als neue Fans gewonnen !
Tja, so wars. Ganz objektiv. Und völlig subjektiv. Dieser Abend war nicht nur toll, er hat mich auch dazu gebracht, mein vielleicht ein wenig zu schnelles Urteil über diesen Künstler zu überdenken und auch zu revidieren. Für mich ist er immer noch kein „typischer“ Liedermacher – wenn es sowas überhaupt gibt. Er ist mit seiner Darbietung aber sicherlich AUCH Liedermacher, und keineswegs ein durchschnittlicher. Er ist daneben ein begnadeter Musiker, ein „Läster- Lyriker“ im besten Sinne, ein Artist mit und durch die Sprache, ein „Um-die-Ecke-Denker“ und dies alles ohne letzlich ein wirklich böses Wort, mit allenfalls gebremstem Zynismus, kurzum: ein wirklicher „Allein- Unterhalter“. Daneben hat mich auch die Fähigkeit zur Schlagfertigkeit beeindruckt. So waren z.B. incl. Pegasus drei Photographen anwesend, die er allesamt nach ihrer Motivation befragte, Die beiden Pressephotographen waren von den „OÖN“ bzw. als freiberufliche für die „Kronen- Zeitung“ tätig. Nachdem Wartke aus dem Publikum erläutert wurde, daß die „Krone“ so etwas wie die deutsche „Bild“- Zeitung ist, bemerkt er erfreut: „Ich war noch nie in der Bild !“. Und als er im Programm bei einem Lied nach der treffenden Kategorie fragte, kam vom „Krone“- Mann die Antwort „…minus eins !“, woraufhin Wartke eher abschätzig anfügte: „…na ja, der Herr von der Krone…“. Das hatte Stil und brachte den Saal zum Johlen.
Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis auch Wartkes erstes Programm im heimischen DVD- Player liegen wird. Er rangiert seit Dienstag auf meiner persönlichen Hitparade auf den vorderen Plätzen und ist für mich – wenn auch zugegebenermaßen sehr spät – wirklich eine grandiose Entdeckung.
So, mir qualmen jetzt die Finger, und Euch vermutlich die Augen. Aber vielleicht habe ich mit diesem Bericht ja doch den Einen oder Anderen unter Euch angesprochen. In diesem Sinne viele Grüße aus Oberösterreich (und damit aus einer bis vor kurzem Bodo- losen Zone)
ANDREAS.
(…der diese DVD und damit dieses Autogramm bestimmt in Ehren halten wird…)
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Ja, ich hab' einen Traum von einer Welt
und ich träume ihn nicht mehr still:
Es ist eine grenzenlose Welt,
in der ich leben will!
(''Ich hab' einen Traum''/ Konstantin Wecker)