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Ein Gedicht
Verfasst: Mo 9. Apr 2007, 09:47
von fille
Guten Morgen!
Ich dachte mir, man könnte euch doch öfter mal ein Gedicht zu lesen geben.
Ich fange mit einem Gedicht an, das gut zum Liedermacher-Forum passt und das ich schon immer sehr geschätzt habe.
Ein kleines Lied
Ein kleines Lied! Wie geht's nur an,
Dass man so lieb es haben kann,
Was liegt darin? erzähle!
Es liegt darin ein wenig Klang,
Ein wenig Wohllaut und Gesang
Und eine ganze Seele.
Marie Ebner-Eschenbach
Schönen Ostermontag noch
Marianne
Ein Gedicht
Verfasst: Mo 9. Apr 2007, 18:16
von Benutzer 298 gelöscht
Hallo !
Das ist eine prima Idee, Marianne. :hüpf:
Ich zeige euch jetzt eines meiner Lieblings-
gedichte- auch "liedermachertauglich":
Zum Einschlafen zu sagen
Ich möchte jemanden einsingen,
bei jemandem sitzen und sein.
Ich möchte dich wiegen und kleinsingen
und begleiten schlafaus und schlafein.
Ich möchte der Einzige sein im Haus,
der wüßte: die Nacht war kalt.
Und möchte horchen herein und hinaus
in dich, in die Welt, in den Wald.
Die Uhren rufen sich schlagend an,
und man sieht der Zeit auf den Grund.
Und unten geht noch ein fremder Mann
und stört einen fremden Hund.
Dahinter wird Stille. Ich habe groß
die Augen auf dich gelegt;
und sie halten dich sanft und lassen dich los,
wenn ein Ding sich im Dunkel bewegt.
R.M.Rilke
Schöne Restostergrüße
Annette :hasi:
Ein Gedicht
Verfasst: Mo 9. Apr 2007, 21:07
von Clemens
Liebe Amori,
wenn Du olle Rilke bedienst, will ich eine andere Quelle bemühen:
Signale
Den Erdball umfliegen die Stimmen der Dichter:
So viele Dichter aus so vielen Zeiten.
Ich sehe die Stimmen als kosmische Lichter
Einander sich nähern, einander entgleiten.
Doch wie sich nähern, empfangen sie Strahlen
Und senden einander Signale zu:
Sieh her, so verwandelte ich meine Qualen
In Leuchtkraft aus Worten. Und wie siegtest du
Über dich selber? Wie sind deine Zeichen?
Was hast Du aus Deinem Leben gemacht?
Wir können einander nur redend erreichen
Mit Worten aus Licht in der kosmischen Nacht.
Eva Strittmatter
Ein Gedicht
Verfasst: Fr 13. Apr 2007, 17:02
von fille
Noch'n Gedicht!
Früher, da ich unerfahren
Früher, da ich unerfahren
Und bescheidner war als heute,
Hatten meine höchste Achtung
Andre Leute.
Später traf ich auf der Weide
Ausser mir noch mehr Kälber,
Und nun schätz ich, sozusagen,
Erst mich selber.
Wilhelm Busch
Ich möchte darauf hinweisen, dass es mit Gedichten genauso wie mit Liedertexten ist. Sind sie älter als 70 Jahre, gibt es keine Probleme. Ansonsten sollten es nur Zitate sein. Die müssen wir dann allerdings etwas besprechen

.
Liebe Grüße
Marianne
Ein Gedicht
Verfasst: Fr 13. Apr 2007, 17:50
von Mickey
Liebe Annette
Zum Einschlafen zu sagen
Interessant, dass Du ausgerechnet dieses Gedicht ausgewählt hast. Eines meiner Lieblingsgedichte von Rilke.
Liebe Grüsse
Mickey
Ein Gedicht
Verfasst: Fr 13. Apr 2007, 23:00
von Benutzer 298 gelöscht
Hallo ihr Literarischen !
Da wir jetzt nun schon mal dieses Forum
haben, würde ich auch mal schrecklich
gern was "Eigenes" von euch lesen !
Macht doch mal eure Schubladen auf
und schaut rein. Da liegen doch bestimmt
ein paar " Früh- oder Spätwerke " -Gedichte,
Songs, alte Schulaufsätze, Büttenreden,
Liebesbriefe o.ä. !
Ich bin echt gespannt
Annette :flücht:
Ein Gedicht
Verfasst: Sa 14. Apr 2007, 16:47
von Chrizz
Ok, dann kommt hier mal was von mir selbst:
Es heißt `Abschied`
"Ich werde dich verlassen", hab ich zu ihr gesagt!
Es war mir endlich klar,
das dass, was lang schon an mir nagt,
nun endlich sicher war!
"Ich verlasse dich für immer.
Dein trauriges Gesicht
macht alles nur noch schlimmer.
Zurück komm’ ich doch nicht!
Versuche nicht, mich aufzuhalten.
Es hat gar keinen Zweck.
Zu lang hab ich es ausgehalten.
Ich bin für immer weg!
Nicht eine Herde wilder Pferde,
nicht Amors Urgewalten,
nicht alles Geld der ganzen Erde
könnten mich hier noch halten.
Ich wend’ mich neuen Dingen zu,
ganz gleich, was mir begegnet!"
Öffne die Tür, – und schlag’ sie wieder zu!
"Du hast Glück, mein Schatz, – es regnet!"
---------
Hat zwar jetzt nicht den direkten Liedermacher-Bezug aber ist was lustiges...
Liebe Grüsse
Chrizz
Ein Gedicht
Verfasst: Sa 14. Apr 2007, 19:49
von Skywise
Mal was Passendes zum Thema.
Ist ein älterer Songtext ... so um '89 oder '90 rum entstanden, schätz' ich mal. Das nur bedingt vorhandene Versmaß war damals übrigens volle Absicht, heute würd' ich vielleicht einiges anders machen, aber - egal - so steht es halt geschrieben
Des Dichters Talking Blues oder: Dichten ist oft schwerer
So manchen gibt’s in dieser Runde, der glaubt vielleicht,
Reime schmieden sei doch wie das Atmen so einfach,
doch Dichten kann mitunter harte Arbeit sein,
mitunter ist die Leichtigkeit nur schöne Illusion.
Darum bitt’ ich Sie, mit mir eine Runde zu dreh’n
und sich die Schwierigkeit der Arbeit ruhig mal anzuschau’n.
Es gibt Menschen, die mit Gedichten Kohle verdienen,
und es gibt andere - nun ja, die vergleichen sich mit jenen.
Und von diesen wird meist locker ins Blaue gedichtet,
meistens werden diese Werke von der Kritik verrissen.
Mancher meint vielleicht, man solle beim Schreiben
mit beiden Beinen immer schön auf dem Teppich stehen.
Doch ganz im Vertrauen: es ist schwerer, als man meint,
Dichten ist oft schwerer, als man annimmt.
Die besten Gedanken fallen mir ein
Nach dem Genuß von einem kleinen Gläschen Bier,
hab’ ich danach immer noch keine Idee,
versuche ich es hinterher mit einem Täßchen Rum.
Manchmal überlegst du den ganzen Tag lang hin und her,
denn du steckst plötzlich fest und es läuft nichts rund,
weil du die ganze Zeit über an einer Silbe hängst,
Dichten ist oft schwerer als du glaubst.
Mancher kann nicht anders (und ich kann’s ihm nicht verübeln),
als den lieben langen Tag nach einem Reim zu suchen!
Denn er überlegt und denkt und es fällt ihm nichts ein.
Und er sucht den ganzen Tag nach einem einzigen Vers.
Es gibt viele, die beim Dichten schon beinahe verzweifeln,
und die Dichterkunst und die Kultur einfach verdammen,
so manchem hat die Suche ganze Nächte geraubt,
Dichten ist oft schwerer als man denkt.
Es gibt so manchen, der ruft sogar den Himmel an:
„Herr, schenk’ mir Reime, ich bin doch auch nur ein Mensch!“
Ich sag’s Euch ja, genügend Leute fluchen,
weil sie nach den richtigen Reimen Ausschau halten.
Und während das innere Uhrwerk steht,
sieht man, wie der Wind über die Länder zieht,
und man fällt in Depressionen, mehr und mehr.
Und jetzt sag’ mir noch mal einer, Dichten wäre nicht schlimm.
So, das war’s zu diesem Thema, ich danke sehr,
ich hoffe, Sie schätzen ab jetzt meine Reime höher ein,
weil Sie jetzt wissen, wie ich manchmal schwitz’,
wenn ich beim Dichten an meinem Schreibtisch hock’.
Aber sicher, manche Reime liegen auf der Hand –
so wie Herzen / Schmerzen, das ist Ihnen ja vertraut.
Und ich meine, wenn Sie sich nicht genieren,
können Sie auch gerne mal das Dichten versuchen.
Und Sie stellen fest, nach einer Weile vielleicht:
also Dichten ist einfach Kinderkram!
Gruß
Skywise
Ein Gedicht
Verfasst: Sa 14. Apr 2007, 22:32
von Clemens
Verteifelt aber auch Skywise, Du,
ich stehe bewundernd und sehe Dir einiges nach...
Sei lieb gegrüßt von Clemens
P.s.: @ Marianne Bitte nutze doch Deine administrative Befugnis um den zitierten Gedichten von Herrn Rilke und Frau Strittmatter "nachbearbeitend" den blauen Zitatenrahmen zuteil werden zu lassen. Danke sehr!
Ein Gedicht
Verfasst: So 15. Apr 2007, 09:19
von Rex2005
@ Sky :klatsch: :klatsch: :klatsch:
Sky ist ein Genie wie jeder wise
was er auch reimt, nie ist es Mist
LG
Rex2005
Ein Gedicht
Verfasst: Mo 16. Apr 2007, 20:29
von Piet
Hallo,
dann gebe ich auch mal ein Gedicht von mir zum Besten. Lange ist es her, als ich es geschrieben habe. Völlig ungereimt ist es auch. Mir gefällt es trotzdem:
Menschen
Sie krabbeln auf allen Vieren umher
Sie stehen mit beiden Beinen im Leben oder
schwimmen unsicher von einer Insel zur anderen
Sie löschen Brände und Leben
Sie baden im Unrecht oder
treiben aufs offene Meer hinaus
Menschen reproduzieren Dagewesenes oder entdecken Neues
Sie haben Erfolg
Menschen verlieren im Flug an Höhe und sind
ein Leben lang damit beschäftigt
nicht abzustürzen
Im Alter betrachten sie dann vielleicht ihren Lebens- Lauf
Sie stellen fest, dass sie viele Gesichter hatten
Sie stellen fest, dass sie ihr eigenes nicht kennen
Hätten sie doch öfter in den Spiegel gesehen
sie hätten sich bestimmt wieder erkannt
Liebe Grüße
Piet

Ein Gedicht
Verfasst: Mo 16. Apr 2007, 23:14
von Benutzer 298 gelöscht
Aber Hallo....
ihr seid klasse !
@Chrizz u. Sky:
Habt ihr die Texte vertont ?? Wenn nein-warum nicht ?
Wenn ja-wo ist der Song ???
@Piet:
Egal wie alt- Gutes ist zeitlos. Und "ungereimt " ist es
auch nicht !
Ähm...was jetzt kommt ist kein Song (aber wahr)
Über Schreibblockaden oder in Prag wäre alles anders
Heute ganz früh im Cafè
bei einem Latte Macciato
sehr italienisch
und nicht in Prag
deshalb nur müde Handwerker in fleckigen Hosen
eine Schwangere mit Zigarette
und der Türke wieder
der seit zwei Jahrzehnten
in Anzug und Krawatte durch die Stadt streift
Heimat suchend und jetzt grau
wie der Frühling
der noch nichts verspricht
alles ist wie immer
und nichts wird Poesie
sollte ich meinen Blick nach Innen wenden
der unsterblichen Worte wegen
die vielleicht- aber nur vielleicht-
zwischen einem Schluck Latte Macciato
und einem Zigarettenzug entstehen könnten
oder mein Glas auf das Abräumtablett stellen
und mir einfach sagen
dass Prag auch nicht mehr das ist, was es mal war
03/07
Gruß
Annette
Ein Gedicht
Verfasst: Mi 18. Apr 2007, 10:08
von Chrizz
Nun, Annette, Abschied ist ein "reines" Gedicht. Ich denke auch mal, daß es so bleibt.
Ich hätte da aber auch noch einen Liedtext zum Liedermacher-Thema.
Mit dem Hörsaal komm ich aber nicht klar. Bin da technisch nicht so bewandert. Hab zwar ein paar meiner Lieder auf dem Computer, aber irgendwie krieg ich sie nicht "ins Netz". Ich arbeite dran. Ich denk, ich brauch da mal Hilfe.
------
Alles live
Wenn der Fön dir nicht gefällt, gibt’s Geld zurück.
Du mußt auch die neuen Schuhe nicht behalten.
Das Leben bietet jede Art von Sicherheit zum Glück.
Und du brauchst es dann nur noch zu verwalten.
Schon komisch, wie ich finde, und ich denk:
Inzwischen ist im Leben fast alles austauschbar.
Vom Teelicht über Socken bis hin zum Kniegelenk.
Und wenn’s sein muß, auch die Ehefrau sogar!
Doch hier gibt’s
keine Kabel, kein Playback und keine zweite Chance.
Nichts andres gibt dir diesen Wahnsinns-Drive!
Kein doppelter Boden, kein Fangnetz fängt dich auf.
Und das ist besser als alles andere. Alles ich – Alles live!
Das Sprichwort sagt: Wer abrutscht, darf noch einmal!
Die verkorkste Filmszene schneid’n wir raus.
Fast jedes Körperteil gibt es zweimal.
Und auch kein Filmheld kommt ohne Stunt-Double aus!
Der Megastar aus USA, der`n Haufen Kohle macht.
Bringt schon wieder seinen Dudelhit, jeder kennt ihn schon.
Hüpft und gröhlt und gibt sich cool, wie überheblich er lacht,
doch seine Lippen sind alles andre als synchron.
Doch hier gibt’s
keine Kabel, kein Playback und keine zweite Chance.
Nichts andres gibt dir diesen Wahnsinns-Drive!
Kein doppelter Boden, kein Fangnetz fängt dich auf.
Und das ist besser als alles andere. Alles ich – Alles live!
Und sie strah’n wie Diamanten im Schein des Lichts.
Nicht die kleinste Angstschweißperle bleibt verborgen.
Du fühlst dich wie der Fallschirmspringer beim Sprung ins Nichts.
Wie zu lieben ohne Sorgen von Morgen!
Rausgehen mit dem heißen Herzen in der Hand.
Dein Puls ist nicht mehr messbar, so scheint es dir.
Du bist total bescheuert, sagt dir deinVerstand.
Doch nirgends bist du jetzt lieber als hier!
Doch hier gibt’s
keine Kabel, kein Playback und keine zweite Chance.
Nichts andres gibt dir diesen Wahnsinns-Drive!
Kein doppelter Boden, kein Fangnetz fängt dich auf.
Und das ist besser als alles andere. Alles ich – Alles live!
-------
Viel Spaß
Chrizz
Ein Gedicht
Verfasst: Mi 25. Jul 2007, 13:51
von amelkin
Yuppie-Blues auf Deutsch
Nacht und Tag.
Rund um die Uhr.
Jahrelang.
Und wofür?
Business-Plan.
Plan-Prospekt.
Büro. Bank.
Groß-Projekt.
Terminal.
Passkontrolle.
Stoppsignal.
Safe. Parole.
Autobahn.
Kaffeepause.
Restaurant.
Warme Speisen.
Telefon.
Telefax.
Wenig Schlaf
wegen DAX.
Krise kommt!
Dann Fortschritt.
Stress und Schock
auf Schritt und Tritt.
Business-Class.
Yuppie-Klub.
Anzug. Jazz.
Reich und hübsch.
Traf und küsst'.
Lud sie ein.
Kurze Lust.
Bracht' sie heim.
Haus. Garage.
Limousine.
Dusche. Massage.
Therapie.
Fitness-Saal.
Post. Bilanz.
Immunal.
Stimulans.
Nichtigkeit.
Bedrücktheit.
Nebel. Nacht.
Einsamkeit...
Viele Visa.
Junger Mensch.
Epikrise.
Impotenz.
Das ist Yuppie-Blues!
Das ist Yuppie-Blues!
Geschäft mit einem Yuppie
ist erfolgreich und glücklich!
Das ist Yuppie-Blues!
Ein Gedicht
Verfasst: Do 26. Jul 2007, 16:28
von Tesch
Ein kleiner Versuch im Dichten meinerseits.
Wie von Sinnen
Als wie auf Alkoholika.
Benebelt Sinne und Verstand.
Die Liebe ist ein Rausch, wohl war!
Und setzt mein Inneres in Brand.
Beginn ganz zaghaft zu Probieren,
scheu ob der Wirkung, die da folgt,
um kurz drauf mehr zu konsumieren.
Will mehr davon. Der Engel Gold.
Mein Blick wird trübe, seh’ nur Gutes.
Rosarot erscheint die Welt.
Mir wachsen Flügel. Frohen Mutes
flieg’ ich davon gen Himmelszelt.
Doch die Ekstase währt nur kurz.
Zu hoch, zu weit bin ich geflogen.
Wie Ikarus, droht mir der Sturz.
Ich lande unsanft. Hart der Boden.
Nach dem Rausche grüßt der Kater
und mein Blick wird langsam klar.
Dem Kotzen folgt so gleich Theater.
Ich lieg’ in meiner Breche dar.
Das ist, was einem letztlich währt.
Man fühlt sich kraftlos, matt und leer
und lernt nicht draus. Es läuft verkehrt.
Ich sag wie oft nur „Nimmermehr“.
Gruß Unkrauts Sascha
Ein Gedicht
Verfasst: Di 23. Okt 2007, 00:27
von amelkin
Mit Schreiben vom 09.10.07 erhielt Alexander Amelkin die Bestätigung, dass sein Gedicht 'Der Yuppie-Blues' zum Abdruck in die Edition 2007 der Brentano-Gesellschaft Frankfurt/M. mbH, Redaktion der Frankfurter Bibliothek aufgenommen wurde.
Die Frankfurter Bibliothek ist ein Werk zur Dokumentation deutscher Dichtung und eine Auslese deutschsprachiger Schriftsteller, die von bedeutendsten Literatur- und Forschungseinrichtungen wie der Österreichischen Nationalbibliothek Wien angekauft wird. Die Deutsche Bibliothek weist sie als Nationalbibliothek Deutschlands ebenfalls nach. Sie ist auch in den Staatsbibliotheken zu Berlin, Hamburg und München, in der Schweizerischen Landesbibliothek, in der Französischen Nationalbibliothek und in der weltgrößten Bibliothek, der Library of Congress in Washington D.C. eingestellt. (Quelle:
www.brentano-gesellschaft.de)
Augsburger Allgemeine (Bayern, Deutschland) über Yuppie-Blues von Alexander Amelkin: "Diese Minidramen werden auf dem Spaziergang ganz verschiedenartig in Szene gesetzt, mal als Performance, mal im Tanz, mal als gespielter Dialog und mal als gesungener Yuppie-Blues." (Quelle: AZ, 28.07.2006, Seite: 28)
http://www.pr-inside.com/de/mit-schreib ... 259922.htm
Ein Gedicht
Verfasst: Mo 11. Aug 2008, 14:58
von fille
Hallo liebe Leseratten!
Ich schmökere zur Zeit in dem Sammelband "Bäume" (Betrachtungen und Gedichte von Hermann Hesse).
Zwei schöne Gedichte sind mir untergekommen, die mich auch an Lieder von Reinhard Mey denken lassen.
Gestutze Eiche
Wie habem sie dich, Baum, verschnitten,
Wie stehst du fremd und sonderbar!
Wie hast du hundertmal gelitten,
Bis nichts in dir als Trotz und Wille war!
Ich bin wie du, mit dem verschnittnen,
Gequälten Leben brach ich nicht
Und tauche täglich aus durchlittnen
Roheiten neu die Stirn ins Licht.
Was in mir weich und zart gewesen,
Hat mir die Welt zu Tod gehöhnt,
Doch unzerstörbar ist mein Wesen,
Ich bin zufrieden, bin versöhnt,
Geduldig neue Blätter treib ich
Aus Ästen hundertmal zerspellt,
Und allem Weh zu Trotze bleib ich
Verliebt in die verrückte Welt.
Im Nebel
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.
Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war,
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.
Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allem ihn trennt.
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.
Na? An welche Mey-Lieder musste ich wohl denken?
Liebe Grüße
Marianne
Ein Gedicht
Verfasst: Di 12. Aug 2008, 00:15
von Benutzer 298 gelöscht
Hallo Marianne,
ja, Hesse ist auch als Lyriker nicht zu verachten !
An welche RM-Lieder du dabei denkst ?
Ich zumindest muss passen, der absolute Kenner seines Gesamtwerkes
bin ich ja nicht gerade.
Aber ich bin gespannt auf die Antwort.
Ich habe gerade den Thread nochmal ganz gelesen und bin wieder begeistert, wie viele Texte unserer Dichter und Denker aus der Schublade geholt wurden.
Habt ihr noch mehr davon ? Oh biiiittte- schaut doch mal nach !
Liebe Grüße
Annette
Ein Gedicht
Verfasst: Di 12. Aug 2008, 10:56
von fille
Hallo Amori!
An welche RM-Lieder du dabei denkst ?
Ich zumindest muss passen, der absolute Kenner seines Gesamtwerkes
bin ich ja nicht gerade.
Aber ich bin gespannt auf die Antwort.
Hm, es ist natürlich Gefühlssache. Vielleicht errät es noch jemand.
Das erste Lied ist ein sehr altes und das zweite ein neues.
Liebe Grüße
Marianne
Ein Gedicht
Verfasst: Di 12. Aug 2008, 20:28
von Clemens
Liebe Marianne,
vermutlich meinst Du
"Ich bin aus jenem Holze geschnitzt"
als das alte Lied und als das neue dann
"Allein"...
Liege ich da richtig?
herzlich Clemens

Ein Gedicht
Verfasst: Di 12. Aug 2008, 21:58
von fille
Lieber Clemens,
der Kandidat hat 100 Punkte!
Da erkennt man doch gleich den Fachmann.
Liebe Grüße
Marianne
Ein Gedicht
Verfasst: Di 26. Aug 2008, 21:17
von Rex2005
Hallo
in einem Krimi war eine Strophe eines Gedichtes zu lesen, hab´s ergoogelt - und gleich wieder meine Leselücken entdeckt. Kann mich nicht erinnern, von dem Dichter schon einmal gelesen zu haben.
(Friedrich Hebbel)
Ich und Du
Wir träumten voneinander
Und sind davon erwacht.
Wir leben, um uns zu lieben,
Und sinken zurück in die Nacht.
Du tratst aus meinem Traume,
Aus deinem trat ich hervor,
Wir sterben, wenn sich Eines
Im andern ganz verlor.
Auf einer Lilie zittern
Zwei Tropfen, rein und rund,
Zerfließen in Eins und rollen
Hinab in des Kelches Grund.
LG
Rex2005
Ein Gedicht
Verfasst: Sa 25. Okt 2008, 23:03
von Rex2005
hab Schubladen nach Sünden durchkramt
Fantasie
Seh dich wieder aus der Ferne
wie schon so oft. Ich seh dich gerne
an und dann – glaub, dass ich spinne
wie verändert meine Sinne.
Seh dich steh´n im schwarzem Hemd
das kenn ich doch – was treibst du Kopf?
Öffnest einfach einen Knopf?
Was siehst du? Kräuselt sich da Haar?
- oh jaaa!
Wie soll das denn jetzt weiter gehn?
Bleibst doch sicherlich nicht stehn.
Doch bevor du mich erblickst
Ist der zweite aufgeschnippst
Meine Augen leuchten heller
Mit den Fingern werd ich schneller
Deine Haut – ist die wohl braun?
Das Hemd ist auf! Mein Blick nun kecker
- lecker !
Weiter will ich gar nicht denken
Doch die Hände lenken
ohne dass ich´s je gewollt
ganz von allein sich eine Bahn
- im Wahn.
Hör´ dich meinen Namen rufen
Ist mir ganz und gar nicht recht!
werd nun auch noch dunkelrot
Was hilft mir jetzt in meiner Not?
Was ging mir da bloß durch den Sinn?
Nur Gespinn!?
:rotwerd:
Ein Gedicht
Verfasst: Do 30. Okt 2008, 13:36
von Benutzer 298 gelöscht
Manno Siegrun-
das muss ich doch wieder nach oben schubsen!
Ganz klasse gemacht!
Das Reimschema ist originell und das Thema witzig umgesetzt.
An ein, zwei Stellen holperts etwas.
Würde es sich nicht lohnen, da noch mal drüberzugehen?
Wäre echt schade drum, wenn du es wieder versenkst!
:hutzieh: :klatsch:
Liebe Grüße
Annette
Ein Gedicht
Verfasst: Do 30. Okt 2008, 14:25
von Rex2005
Hallo Anette
Danke für die Blumen! Tja, das mit dem Holpern ist so eine Sache, beginnt ja immer dann, wenn ganz einfach die handwerklichen Fähigkeiten fehlen. Das "Werk" ist vor ungefähr 3 Jahren aus einer Laune heraus entstanden, da hatte ich so eine Phase mit wirren Gedanken :rotwerd: , die sich relativ leicht und schnell in Reime fassen liessen. Als die Phase vorbei war, waren auch Ideen und Reime weg und seitdem vertreibe ich mir die Zeit hier im Forum oder Chat

. Kann auch nicht gerade behaupten, dass Verslein schreiben zu meinen Hobbys gehört, daher ist das mit dem Drübergehen auch so eine Sache. Alle Möglichen Varianten, die ich "damals" probiert habe, gingen eher in Richtung Verschlimmbesserung. Vielleicht sollte ich damit warten, bis mir dieser Typ im schwarzen Hemd nochmal erscheint? (Ist wirklich ein leckeres Kerlchen) :piep:
LG
Rex2005
Ein Gedicht
Verfasst: Do 30. Okt 2008, 15:16
von Benutzer 298 gelöscht
Am schwarzen Hemd darf es nicht scheitern ! :heiligenschein:
Gib alles !
LG
Annette
Ein Gedicht
Verfasst: So 2. Nov 2008, 21:31
von Clemens
Hallo Siegrun,
Auch von mir noch einmal ein lobender Schubs.
Die Sünde war es wert ausgekramt zu werden. Ich lese sehr gern und sehr viele Gedichte.
Deines hat mir besonders viel Spaß gemacht. Ich mag der sehr hoch geschätzten und liebreizenden Annette nur ungern widersprechen, aber ich fürchte es wird nach Änderung für Dich beim Gefühl des "Verschlimmbesserns" bleiben.
Dieses Gedicht berührt mich so angenehm spaßig, weil es so hingeschrieben ist, wie es aus Dir herausdrängte. Ich hab das Gefühl, da hat Dich Deine forsche Art ein bisserl selbst überfahren. Das Gesamtbild hat soviel Reiz, dass es mich die Stolperstellen gelassen hinnehmen lässt.
Ein Beispiel:
Was siehst du? Kräuselt sich da Haar? - oh jaaa!
Mit einer kleinen Umstellung wäre der "Unreim" "Haar - Ja" zu retuschieren.
Was siehst Du? Kräuselt Haar sich da? - oh jaaah!
Nun lies beide Zeilen laut für Dich. OK, die geänderte reimt sich,
Aber ist es noch Deine? Oder kommt das zu "gekünstelt" daher?
Herzliche Grüße von Clemens

Ein Gedicht
Verfasst: So 2. Nov 2008, 22:36
von Benutzer 298 gelöscht
na siehst du siegrun,
sag ich doch: dat ding is jut!
und während "die liebreizende" :rotwerd: nur schwafelt, gibt unser haus-und hofdichter wenigstens handfeste tipps!
ich würde auch nur kleinigkeiten ändern:
Fantasie
Seh dich wieder aus der Ferne
wie schon so oft. Ich seh dich gerne
an und dann – glaub, dass ich spinne
sind verändert meine Sinne.
Seh dich steh´n im schwarzem Hemd
das kenn ich doch – was treibst du Kopf?
Öffnest einfach einen Knopf?
Und Was siehst du? Kräuselt sich da
Haar - oh jaaa!
Meine Augen leuchten heller
Mit den Fingern werd ich schneller
Deine Haut – ist die wohl braun?
Das Hemd ist auf! Mein Blick nun kecker
- lecker !
Weiter will ich gar nicht denken
Doch die Hände lenken
ohne dass ich´s je gewollt
ganz von allein sich eine Bahn
- im Wahn.
Hör´ dich meinen Namen rufen
Ist mir ganz und gar nicht recht!
werd nun auch noch dunkelrot
Was hilft mir jetzt in meiner Not?
Was ging mir da bloß durch den Sinn?
Nur Gespinn!?
den dritten vers habe ich nicht verstanden und kurzerhand gestrichen-mir fehlt er nicht
jetzt würde ich mir noch einen von den jungs mit den klampfen wünschen, der dieses freche teil mal eben zur passenden musik singt. das ungleichmäßige versmaß ist doch eine herausforderung!

:flücht:
liebe grüße
annette
Ein Gedicht
Verfasst: Mo 3. Nov 2008, 02:07
von Rex2005
Mensch mensch mensch! :rotwerd: , wenn man mal 5 Minuten nicht online ist ....
Aber gut, da ich eh grad von einem nächtlichen Ausflug zurück bin und nicht ratzen kann, kann ich mir auch einen Kopf um die Holperstolperstellen machen. Wollte ich eigentlich auf die lange Bank schieben ....
Amori schrieb:
sind verändert meine Sinne.
ja, nee. Würde ich schon so lassen wollen. Vielleicht mit Satzzeichen, damit es klarer wird.
an und dann – glaub, dass ich spinne!
Wie verändert meine Sinne!
Clemens schrieb:
Was siehst Du? Kräuselt Haar sich da? - oh jaaah!
diese Variante würde ich Anettes vorziehen. Eventuell :
Was siehst Du? Kräuselt etwa Haar sich da? - oh jaaah! ???
Die 3. Strophe könnte man weglassen oder den anderen Strophen anpassen, muss dazu mein anderes Ich befragen
Auf jeden Fall Danke euch beiden für eure Vorschläge!
@Anette
Das diese Chose singbar ist, glaube ich aber doch nicht. War auch gar nicht so gedacht. Aber sollte es ein Hit werden, dann .. ja dann!!!!
LG
Rex2005
Ein Gedicht
Verfasst: Mo 3. Nov 2008, 12:13
von Benutzer 298 gelöscht
oh siegrun,
lass dich nicht irritieren!
es ist und bleibt dein gedicht!
aber sollte es ein hit werden, is ja wohl klar, dass die tantiemen aufgeteilt werden!
clemens und ich sind ja nicht zum spaß hier...

:aetsch:
liebe grüße
annette
Ein Gedicht
Verfasst: So 16. Nov 2008, 21:51
von Rex2005
Hallo ihr zwei
hab ein bissel gebastelt und die 3. Strophe "neu erfunden". Denke, jetzt passt es besser zusammen.Diese 2 öminösen Zeilen allerdings sind und bleiben etwas schwierig. Aber wer an den Tantiemen beteiligt werden will... guckt mal rauf:
....
Seh dich steh´n im schwarzem Hemd
das kenn ich doch – was treibst du Kopf?
Öffnest einfach einen Knopf?
und, was siehst du? viel krauses Haar?
- oh jaaa!
Bald schon wirst du weitergehen,
Gern hätte ich noch mehr gesehen.
Pirsche dichter mich heran,
damit ich besser gucken kann,
- oh Mann!
usw.
LG
Rex2005
Ein Gedicht
Verfasst: So 16. Nov 2008, 23:29
von Benutzer 298 gelöscht
:klatsch: :klatsch: :klatsch: :klatsch: :klatsch: :klatsch: :klatsch: :klatsch:
Jawoll!!!!
(Na siehste ,geht doch!)
LG
Annette

Ein Gedicht
Verfasst: Do 16. Mai 2013, 21:15
von fille
Mal wieder ein Gedicht von Emerenz Meier (1874 - 1928), der Dichterin aus dem Bayerischen Wald, die nach Amerika auswanderte und aus wirtschaftlicher Not später nicht mehr dichten konnte.
Das Gedicht kam wohl von Herzen:
Geld
Ich wünsche denen, die ich liebe, Geld
Vor allen andern Gütern dieser Welt.
Denn wer keins hat, dem bleiben auch die andern
stets fern, und mag er sich zu Tode wandern. -
Es hält dir Freunde und Geliebte treu
Und macht dich schaffensfroh und wahr und frei.
Der Schlüssel ist's, ins Leben einzudringen,
Das Seil, sich dran emporzuschwingen.
Die Armut ist ein bodenloser Sumpf,
Wer drein versenkt, er müht sich, bis er stumpf
Ein Wurm nur mehr, kriecht seinen schmalen Steg,
Und kaum ein Schaf springt über ihn hinweg,
Das ihm nicht blökend zu verspüren gäbe,
Welch eine Kraft in seinen Beinen lebe.
Da sagen sie mit tugendspitzem Mund,
Der Reichtum mache niemand glücklich und
Was Gold ist, wird den Weg zur Münze finden. -
Sie mögen doch erst selbst als Wurm sich winden
Und unter Tritten um Erlösung beten,
Bis man wie mich sie vollends totgetreten!
Liebe Grüße, Marianne
Ein Gedicht
Verfasst: Mi 17. Jun 2015, 10:27
von Bardou
Der Mann im schwarzen Hemd
war mit noch fremd,
steht nur so da und schaut,
bewegt sich und erregt mich
ohne einen Laut.
ich ließ es zu,
mich zu berühren,
mit leichter Hand,
mich zu verführen,
streck mich entgegen.
Willenlos gewollt,
leg ich mich dichter an ihn dran,
der schwarze Mann
beginnt sein Spiel aus Lust,
als hätte ich`s gewusst,
teil ich mit jedem Atemzug
sein auf und ab und hin und her,
wir atmen schwer.
Nur jetzt nicht stoppen,
mach mit mir,
was du dir denkst, und lenkst
berührend meine Hand
in kraus - schwarz - tiefes Wunderland.
Wie ich mich sehne jederzeit
zu aufgewühlter Zärtlichkeit
bereit im Sturm zu brechen
dich über mich gebeugt
zu fühlen, spüren
eins zu werden, - wir
um kurz nach vier
sinkt meine Sonne,
du bist fort,
verschwunden,
ohne jedes Wort.
Fehlt` dir das Licht
du Schatten meiner selbst,
gäb es dich nicht!
Ich will dich hell erleuchten.
M.W.
Ein Gedicht
Verfasst: Mi 17. Jun 2015, 15:30
von Bardou
...ich hatte zufällig die alten Zeilen von Amori und Rex gelesen und mich mal kurz inspirieren lassen... mir fiel erst später auf, dass das Jahre zurückliegt... seis drum - beleben ist alles!
Ein Gedicht
Verfasst: Mi 17. Jun 2015, 22:02
von Rex2005
Bardou schrieb:
... seis drum - beleben ist alles!
so ist es! ist doch schön, dass man hier wieder mehr zu lesen bekommt. Habe letztens im Laden überlegt ob ich mir einen Gedichtband von Rilke zulegen sollte. War eine Gesamtausgabe - ob sich das lohnt?
Kenne Rilke nicht wirklich außer einigen Sachen wie z.b. die Lieder vom Club der Toten Dichter
Ein Gedicht
Verfasst: Mi 17. Jun 2015, 22:14
von Benutzer 298 gelöscht
Habe letztens im Laden überlegt ob ich mir einen Gedichtband von Rilke zulegen sollte. War eine Gesamtausgabe - ob sich das lohnt?
Aber Hallo! Natürlich lohnt sich Rilke. Unbedingt. Und Celan.
Ein Gedicht
Verfasst: Mi 17. Jun 2015, 22:24
von Benutzer 298 gelöscht
Ich hätte mal eine Idee für euch - ein Gemeinschaftsgedicht. Ich fand da was in meinem Archiv. Eine spontan "ermailte" Koproduktion amori/Zodiac.
Ich hoffe, ich krieg keinen Ärger, von wegen Copyright
Also:
Ranunkeln
A: es blühen die ranunkeln im hellen und im dunkeln
der märz der märz
stiehlt sich ins herz
lass uns ein wenig schunkeln
Z:Doch warte ab, wenn erst im Mai
Uns blühen die Trombonen
Dann fliegen wir auf der Schalmei
Gen West, wo Irre wohnen
A: dann sind wir bunt, dann sind wir frei
und tanzen wilde reigen
das leben ist dann einerlei
wenn sich die tulpen neigen
Z: „Literati – Literata“
Wars, was wir nächtens sangen
Und weit und breit war niemand da
Uns wieder einzufangen-
A: ...und die runenschrift zu deuten
die sich in spiralen dreht
die eingeritzt auf unsren häuten
im märzenbecherduft verweht
Na, dann....legt mal los! 8-)
Ein Gedicht
Verfasst: Mi 17. Jun 2015, 22:42
von Clemens
amori schrieb:
Ich hätte mal eine Idee für euch - ein Gemeinschaftsgedicht.
Liebstes aller Nettekinder!
Wieso bitte Euch? - Raushalten gibt es nicht

Beim Dialog ist die Sache eindeutig (oder zweideutig?)

. Aber wenn man vorher nicht weiß, wer sich beteiligt, müsste etwa klar sein wie es ablaufen soll.
Einer fängt an und wer gerade Lust und einen witzigen Einfall hat macht weiter? Trifft das Deine Vorstellung?
Ein Gedicht
Verfasst: Mi 17. Jun 2015, 23:00
von Benutzer 298 gelöscht
Aber wenn man vorher nicht weiß, wer sich beteiligt, müsste etwa klar sein wie es ablaufen soll. Einer fängt an und wer gerade Lust und einen witzigen Einfall hat macht weiter?
Ja, so in der Art. Aber das Versmaß und Reimschema des Beginners sollte eingehalten werden-sonst wird es unharmonisch. Und man sollte in etwa erkennen und auch einhalten, wohin die Reise geht.
Sag ich mal so...

Ein Gedicht
Verfasst: Mi 17. Jun 2015, 23:05
von Benutzer 298 gelöscht
Beim Dialog ist die Sache eindeutig (oder zweideutig?)
Verehrtes Clemensken,
für Zweideutiges bist du doch unser erster Ansprechparter? :piep:
:flücht:
Ein Gedicht
Verfasst: Mi 17. Jun 2015, 23:30
von Clemens
In Ordnung, ich überlasse den Anfang einer Person, die nicht unweigerlich vom Luft-Verkehr redet und bei Vögeln an so fliegende Dinger mit Federn denkt...

Re: Ein Gedicht
Verfasst: So 28. Okt 2018, 09:23
von fille
Guten Morgen liebe Lieder- und Literaturfreunde,
heute mal wieder ein Gedicht. Es passt (wenigstens in Oberbayern) zum Wetter
Welkes Blatt
Jede Blüte will zur Frucht,
Jeder Morgen Abend werden,
Ewiges ist nicht auf Erden
Als der Wandel, als die Flucht.
Auch der schönste Sommer will
Einmal Herbst und Welke spüren.
Halte, Blatt, geduldig still,
Wenn der Wind dich will entführen.
Spiel dein Spiel und wehr dich nicht,
Laß es still geschehen.
Laß vom Winde, der dich bricht,
Dich nach Hause wehen.
Hermann Hesse
Liebe Grüße, Marianne
Re: Ein Gedicht
Verfasst: Mo 29. Okt 2018, 14:14
von Nicky
Ihr Lieben,
da tummel ich mich schon seit Jahren im Forum rum und stosse jetzt erst auf diesen Thread.
Meine Lieblingsgedichte wechseln ständig, so dass ich nicht DAS EINE Lieblingsgedicht habe.
Aber durch Stephan Graumann habe ich ein neues Gedicht entdeckt, das mir gefällt und das ich ziemlich humorvoll finde. (Siehste Stephan, da liest doch noch jemand mit auf deiner Seite

)
Es ist von Robert Gernhardt, den ich allerdings nicht kannte, bevor Stephan auf seiner Homepage darauf hingewiesen hat.
Ach!
Ach, noch in der letzten Stunde
werde ich verbindlich sein.
Klopft der Tod an meine Türe,
rufe ich geschwind: Herein!
Woran soll es gehn? Ans Sterben?
Hab ich zwar noch nie gemacht,
doch wir werd’n das Kind schon schaukeln —
na, das wäre ja gelacht!
Interessant so eine Sanduhr!
Ja, die halt ich gern mal fest.
Ach – und das ist Ihre Sense?
Und die gibt mir dann den Rest?
Wohin soll ich mich jetzt wenden?
Links? Von Ihnen aus gesehn?
Ach, von mir aus! Bis zur Grube?
Und wie soll es weitergehn?
Ja, die Uhr ist abgelaufen.
Wollen Sie die jetzt zurück?
Gibts die irgendwo zu kaufen?
Ein so ausgefall’nes Stück
Findet man nicht alle Tage,
womit ich nur sagen will
— ach! Ich soll hier nichts mehr sagen?
Geht in Ordnung! Bin schon
Liebe Grüße
Nicole
Re: Ein Gedicht
Verfasst: So 26. Jan 2020, 10:21
von fille
Hallo liebe Liederfreunde!
Die letzten Tage waren trüb-kalt,
Schnee gibt's nicht viel (ist alles
letztes Jahr runtergekommen).
Heute ist wieder ein typischer
Föhnizientag.
Aber das gab es schon vor über 150 Jahren:
Ein milder Wintertag
An jenes Waldes Enden,
Wo still der Weiher liegt
Und längs den Fichtenwänden
Sich lind Gemurmel wiegt;
Wo in der Sonnenhelle,
So matt und kalt sie ist,
Doch immerfort die Welle
Das Ufer flimmernd küsst:
Da weiß ich, schön zum Malen,
Noch eine schmale Schlucht,
Wo all die kleinen Strahlen
Sich fangen in der Bucht.
Ein trocken, windstill Eckchen
Und so an Grüne reich,
Daß auf dem ganzen Fleckchen
Mich kränkt kein dürrer Zweig.
Will ich den Mantel dichte
Nun legen übers Moos,
Mich lehnen an die Fichte
Und dann auf meinen Schoß
Gezweig′ und Kräuter breiten,
So gut ich′s finden mag:
Wer will mir′s übel deuten,
Spiel ich den Sommertag?
Will nicht die Grille hallen,
So säuselt doch das Ried;
Sind stumm die Nachtigallen,
So sing′ ich selbst ein Lied.
Und hat Natur zum Feste
Nur wenig dargebracht:
Die Luft ist stets die beste,
Die man sich selber macht.
Annette von Droste-Hülshoff
(* 12.01.1797, † 24.05.1848)
Schönen Sonntag
und liebe Grüße aus dem
nicht so kalten Oberbayern
Marianne
Re: Ein Gedicht
Verfasst: Mi 29. Jan 2020, 15:54
von Skywise
Ilse Weber
Brief an mein Kind
Mein lieber Junge, heute vor drei Jahren
bist ganz allein du in die Welt gefahren.
Noch seh ich dich am Bahnhof dort in Prag,
wie du aus dem Abteil verweint und zag
den braunen Lockenkopf neigst hin zu mir
und wie du bettelst: laß mich doch bei dir!
Daß wir dich ziehen ließen, schien dir hart -
acht Jahre warst du erst und klein und zart,
Und als wir ohne dich nach Hause gingen,
da meinte ich, das Herz müßt mir zerspringen.
Gar oft hab ich geweint, das glaube mir,
und trotzdem bin ich froh, du bist nicht hier.
Die fremde Frau, die sich deiner angenommen,
die wird einst sicher in den Himmel kommen.
Ich segne sie mit jedem Atemzug —
wie du sie liebst, es ist doch nie genug.
Es ist so trüb geworden um uns her,
man nahm uns alles fort, nichts blieb uns mehr.
Das Haus, die Heimat, nicht ein Winkel blieb,
und nicht ein Stückchen, das uns wert und lieb.
Sogar die Spielzeugbahn, die dir gehört
und deines Bruders kleines Schaukelpferd ...
Nicht mal den Namen hat man uns gelassen:
Wie Vieh gezeichnet gehn wir durch die Gassen,
mit Nummern um den Hals. Das macht' nichts aus,
wär ich mit Vater nur im gleichen Haus!
Und auch der Kleine darf nicht bei mir sein ...
Im Leben war noch nie ich so allein.
Du bist noch klein, und drum verstehst du's kaum ...
So viele sind gedrängt in einem Raum.
Leib liegt an Leib, du trägst des andern Leid
und fühlst voll Schmerz die eigne Einsamkeit.
Mein Bub, bist du gesund und lernst du brav?
Jetzt singt dich niemand wohl mehr in den Schlaf.
Manchmal des Nachts, da will es scheinen mir,
als fühlte ich dich wieder neben mir.
Denk nur, wenn wir uns einmal wiedersehen,
dann werden wir einander nicht verstehen.
Du hast dein Deutsch schon längst verlernt in Schweden,
und ich, ich kann doch gar nicht schwedisch reden!
Wird das nicht komisch sein? Ach, wär's so weit doch schon,
dann hab ich plötzlich einen großen Sohn ...
Spielst du mit Bleisoldaten noch so gerne?
Ich wohn' in einer richtigen Kaserne,
mit dunklen Mauern und mit düst'ren Räumen.
Von Sonne ahnt man nichts, von Laub und Bäumen.
Ich bin hier Krankenschwester bei den Kindern,
und es ist schön, zu helfen und zu lindern.
Nachts wache ich bei ihnen manches Mal,
die kleine Lampe hellt nur schwach den Saal.
Ich sitze da und hüte ihre Ruh,
und jedes Kind ist mir ein Stückchen »Du«.
Mancher Gedanke fliegt dann hin zu dir -
und trotzdem bin ich froh, du bist nicht hier.
Das Leben hat viel Schönes mir genommen,
um wieviel Glück bin ich bei dir gekommen ...
Doch ich trag's gern, ist es auch manchmal hart,
viel Häßliches blieb dir dadurch erspart.
Und gerne litt' ich tausendfache Qualen,
könnt ich dein Kinderglück damit bezahlen ...
Jetzt ist es spät, und ich will schlafen gehn.
Könnt ich dich einen Augenblick nur sehn!
So aber kann ich nichts als Briefe schreiben,
die voller Sehnsucht sind - und liegen bleiben ...
Ilse Weber, Kinderkrankenschwester, setzte ihren ältesten Sohn Hanuš Weber (* 1931) in einen der "Kindertransporte", die Ende 1938 bis Mitte 1939 von Prag aus ca. 10.000 Kinder, die gemäß den Nürnberger Gesetzen als "jüdisch" galten, nach England brachten. Ilse Weber selbst und ihr jüngerer Sohn Tomas wurden Anfang Februar 1942 nach Auschwitz deportiert und ebenda am 6. Oktober 1944 vergast.
Gruß
Skywise
Ein Gedicht
Verfasst: Sa 30. Apr 2022, 10:23
von fille
Ein Auszug aus Schiller Glocke - immer und gerade ziemlich aktuell
Gefährlich ist’s, den Leu zu wecken,
Verderblich ist des Tigers Zahn,
Jedoch der schrecklichste der Schrecken,
Das ist der Mensch in seinem Wahn.
Liebe Grüße, Marianne
Ein Gedicht
Verfasst: Mi 8. Mär 2023, 14:13
von martin coulmann
Auch ein Gedicht:
Nach dem Essen sollst du ruh'n
oder tausend Schritte tun! (Soweit, so bekannt, nun mein Zusatz)
Hast du eine Frau im Nacken
musst du raus, um Holz zu hacken!
Schöne Grüße aus Hamburg
martin coulmann
Ein Gedicht
Verfasst: Mi 8. Mär 2023, 14:22
von martin coulmann
Hier liebe amori ist eins der Gedichte, die gerne zitiere, wenn mal wieder jemand die beleidigte Leberwurst gibt! Es ist von Matthias Claudius!
Nun mag ich auch nicht länger leben!
Verhasst ist mir des Tages Licht!
Denn sie hat Franze Kuchen gegeben,
mir aber nicht!
Schöne Grüße aus Hamburg
martin coulmann
Ein Gedicht
Verfasst: Do 9. Mär 2023, 16:22
von fille
Hallo Martin,
danke für das Hochschubsen dieses Themas. Ich habe es ziemlich vernachlässigt.
Darum heute ein Gedicht, dass zu dem anderen Thema passt. Ich bin mir nicht
sicher, ob ich es nicht schon mal hier reingestellt hatte. Aber egal, es passt.
Eines meiner Lieblingsgedichte (von Ricarda Huch):
Nicht alle Schmerzen sind heilbar
Nicht alle Schmerzen sind heilbar, denn manche schleichen
Sich tiefer und tiefer ins Herz hinein,
Und während Tage und Jahre verstreichen,
Werden sie Stein.
Du sprichst und lachst, wie wenn nichts wäre,
Sie scheinen zerronnen wie Schaum.
Doch du spürst ihre lastende Schwere
Bis in den Traum.
Der Frühling kommt wieder mit Wärme und Helle,
Die Welt wird ein Blütenmeer.
Aber in meinem Herzen ist eine Stelle,
Da blüht nichts mehr.
Liebe Grüße, Marianne
Ein Gedicht
Verfasst: Fr 10. Mär 2023, 15:16
von martin coulmann
Ja hallo mal wieder,
ich weiß nicht, ob Euch mit mir, neu in diesem Forum, das Risiko wirklich bewusst ist, das ihr mit dem Thema Gedichte bei mir möglicherweise die Büchse der Pandora geöffnet haben könntet!? Allerdings habe ich mich nur wenig mit Lyrik beschäftigt (außer die sogen. Alltagslyrik von Erich Kästner, die ich sehr liebe). Ich bin eher so der Typ, der Euch stundenlang auswendig mit Jokes von Heinz Erhardt, Wilhelm Busch, James Krüss, Joseph Guggenmos usw. auf den Senkel gehen könnte und - wahrscheinlich ungefragt auch gehen werde! hi hi! Hier ein Beispiel von Altmeister Wilhelm Busch, der Luftlinie ca. 7 KM von uns entfernt gewohnt hat.
Der Begleiter
Hans, der soeben in der Stadt
Sein fettes Schwein verwertet hat,
Ging spät nach Haus bei Mondenschein,
Ein Fremder folgt und holt ihn ein.
»Grüß' Gott!« rief Hans. »Das trifft sich gut,
Zu zweit verdoppelt sich der Mut.«
Der Fremde denkt: Ha, zapperlot!
Der Kerl hat Geld, ich schlag' ihn tot!
Nur nicht von vorn, daß er es sieht,
Dagegen sträubt sich mein Gemüt.
Und weiter gehn sie allgemach,
Der Hans zuvor, der Fremde nach. -
Jetzt, denkt sich dieser, mach' ich's ab.
Er hob bereits den Knotenstab. -
»Was gilt die Butter denn bei euch?«
Fragt Hans und dreht sich um zugleich.
Der Fremde schweigt, der Fremde stutzt,
Der Knittel senkt sich unbenutzt.
Und weiter gehn sie allgemach,
Der eine vor, der andre nach.
Hier, wo die dunklen Tannen stehn,
Hier, denkt der Fremde, soll's geschehn. -
»Spielt man auch Skat bei euch zuland?«
Fragt Hans und hat sich umgewandt.
Der Fremde nickt und steht verdutzt,
Der Knittel senkt sich unbenutzt.
Und weiter gehn sie allgemach,
Der eine vor, der andre nach.
Hier, denkt der Fremde, wo das Moor,
Hier hau' ich fest ihm hinters Ohr. -
Und wieder dreht der Hans sich um.
»Prost!« rief er fröhlich. »Mögt Ihr Rum?«
Und zog ein Fläschlein aus dem Rock.
Der Fremde senkt' den Knotenstock,
Tat einen Zug, der war nicht schwach,
Und weiter gehn sie allgemach.
Schon sind sie aus dem Wald heraus,
Und schau, da steht das erste Haus!
Es kräht der Hahn, es bellt der Spitz.
»Dies«, rief der Hans, »ist mein Besitz!
Tritt ein, du ehrlicher Gesell,
Und nimm den Dank für dein Geleit!«
Doch der Gesell entfernt sich schnell -
Vermutlich aus Bescheidenheit.
Wilhelm Busch