Rex2005 schrieb:
TV( Medien) sind ja nun mal kein soziale Einrichtung für Künstler und solche, die behaupten, Künstler zu sein - ein Geschäft wo Angebot und Nachfrage knallhart gegenüberstehen. Na ja, wem sag ich das
Das ist sicherlich richtig, andererseits gibt es - oder: gab es ... ich als Nicht-TV-Konsument habe den Überblick über das TV-Programm eh schon verloren - auch bei den Privaten eine gewisse "Kultur-Quote" (das waren früher diese sehr avangardistisch wirkenden Sendungen irgendwo zwischen 1:00 und 2:00 Uhr mit Themen, deren Konzept irgendein manisch depressiver Redakteur nach oder während einer durchzechten Nacht (v)erbrochen haben muß, wobei sich der Inhalt zumeist auf intellektuell hochtrabende Diskussionen beschränkte, bei denen der vom vorher übertragenen Nudistenstreifen übriggebliebene Restzuschauer bereits bei der Begrüßung geistig überfordert war).
An dieser Stelle hätte man durchaus die Möglichkeit, anstatt Diskussionen über Gott und die Welt ein paar vernünftige Kultur-Foren einzurichten, allerdings scheut man wahrscheinlich an dieser Stelle die Kosten. Zwei Laberbacken in ein abgedunkeltes Studio zu setzen ist eben günstiger als eine Mannschaft zu beschäftigen, die sich um Rechtsfragen und Künstlerkontakte kümmern muß

Die Liedermacherei gibt´s schon soooo lange, mindestens so lange, wie im TV Rock,Pop, Jazz, Klassik usw gibt. Oder z.B. Comedy. Diese schrägen Vögel waren vor Jahren auch nur als Programmfüller während des Bühnenumbaus in einer Sendung zu sehen, heute haben sie ganze Abende für sich.
Da bleibt die Frage offen: Warum schaffen es die Liedermacher nicht, sich so zu verkaufen, dass sie für ein wachsendes Publikum interessant und damit auch TV-tauglich werden? Das nicht jeder Liedermacher ins TV will, lieber live auftritt usw ist klar. Aber es gibt ja so viele und vor allem viele gute LM, dass sich eigentlich schon längst was getan haben müsste??!
Aber natürlich ... Gerade Ende der 70er Jahre GAB es doch eine regelrechte Liedermacher-Schwemme. Da traten Ulrich Roski, Schobert & Black, Insterburg & Co., Reinhard Mey, Wolf Biermann und so weiter regelmäßig im Fernsehen auf, teils als Blödelbarden für Zwischendurch, teils aber auch mit ernstzunehmenden Beiträgen. Allerdings ergaben sich in den 80ern - historisch betrachtet - zwei größere Probleme, die sich bis heute auswirken:
a) die NDW
Die schwemmte alles halbwegs Intellektuelle weg, alle deutschen Titel mußten plötzlich stümperhaft, witzig oder sinnfrei sein. Und als die NDW abebbte, wurden deutschsprachige Titel im allgemeinen ziemlich stiefmütterlich behandelt. Klar gab es noch einige, die sich im Nachhinein behaupten konnten, aber die großen Plattformen waren für deutschsprachige Künstler zunächst weg, wenn man mal von der "Hitparade" und sonstigen Schlagerschmieden absieht.
b) Veränderungen in der Musikmarktstruktur
Kann man sagen, was man will, aber ich kann anhand der Sampler, die sich im Laufe der Zeit bei mir angesammelt haben, mit Sicherheit sagen, daß ab Anfang der 80er Jahre eine sehr starke Spezialisierung des Musikmarkts stattfand. Gab es in den 70ern noch Sampler, die "für jeden etwas" beinhalteten, sprich: da hockt der Jürgen Drews Seite an Seite mit ABBA, James Last und Black Sabbath, teilte sich der Markt immer stärker in Musikstile auf. Ausnahmen: Charts-Sampler, die auch schon mal genreübergreifend sein durften. Das Ergebnis ist das, was wir heute im Grunde genommen auf der Straße beobachten können: strikte Trennung der einzelnen Gruppen, meistens mit der Musik als Identifikationsfaktor. Und auf so einem Markt haben es "Liedermacher" nun einmal schwer, erstens, weil sie vollkommen verschiedenen Musikstilen angehören, zweitens, weil man bei Liedermachern eben nicht nur auf die Musik, sondern auch auf die Texte achten muß, drittens, weil man sie aus den beiden erstgenannten Gründen nicht mal so eben als kleine Empfehlung der Redaktion auf einen Sampler pressen kann.
In Verbindung können sich a) und b) schon sehr negativ auswirken auf einen Teil der Kultur.
Wenn´s schon mal eine Möglichkeit gibt, dass sich eine ganze Bandbreite verschiedener LM mehr Leuten als nur Insidern vorstellen kann, wird´s von eben diesen LM gnadenlos versemmelt....
*pf* Hm. Die Veranstaltung an sich schien doch ganz gut gelaufen zu sein, wenn ich mir die Beiträge dazu so anschaue. Wenn dem so sein sollte, dann haben andere Leute etwas "versemmelt", und zwar die, die das Material für die Sendung zusammengesucht haben. Ich meine, wenn man sich schon von Senderseite aus die Mühe machen muß, die Spreu vom Weizen zu trennen, sollte man auch jemanden mit der Arbeit beauftragen, der in der Lage ist, dem Sender auch den Weizen zu liefern.

Gruß
Skywise