Zunächst einmal der "Marsch des York´schen Corps", vom Moderator immer wieder fälschlich als "York´scher Marsch" verstümmelt.
Kann man ihm nur bedingt einen Vorwurf machen - auch viele Beethoven-Anthologien sprechen vom "York'schen Marsch", auch wenn's nicht korrekt ist

Und dann: "Preußens Gloria" ! Puuuuha... Ich bin eigentlich recht froh und glücklich, daß im Jahr 1945 sowohl das "Deutsche Reich" als auch "Preußen" untergegangen sind, mithin aufgehört haben zu existieren. Und da die "Bundeswehr" sich immer wieder - gefragt und auch ungefragt - zu "ihrer" friedlichen Tradition bekennt, erstaunt es mich dann doch schon im höchsten Maße, wenn man sich musikalisch dann in böse Zeiten "historisiert".
Nun, der Marsch ist beliebt und vielleicht hat sich der Mann, der ihn auf die Liste gesetzt hat, sonst nichts dabei gedacht ... (würde mich kein Stück wundern)
Aber wenn er sich was dabei gedacht hat, dann vielleicht, daß die Preußen wenigstens verstanden haben, was "Wirtschaft" ist und wie man sich in katastrophalen Zeiten selbst aus dem Morast ziehen kann ... das haben heutige Politiker noch nicht kapiert, wenn ich mir die heutigen Koalitionsgesprächs-Ergebnisse so ansehe ...
Es begann mit Beethovens "Schlußsatz der 9. Symphonie", fälschlich angesagt als "Ode an die Freude". Fälschlich deswegen, weil gottlob keiner der Uniformierten zu singen begann... (Aber beim Zusammenhang zwischen "Armee" und "9. Symphonie" hat Beethoven mit Sicherheit auch so schon im Grabe rotiert wie ein Propeller !)
Glaube ich weniger. Ich glaube eher, daß Beethoven seine stille Freude daran gehabt hätte - vorausgesetzt, die Ode wäre gesungen worden, weil:
6. Strophe:
Göttern kann man nicht vergelten,
Schön ists, ihnen gleich zu sein.
Gram und Armut soll sich melden,
Mit den Frohen sich erfreun.
Groll und Rache sei vergessen,
Unserm Todfeind sei verziehn,
Keine Träne soll ihn pressen,
Keine Reue nage ihn.
Unser Schuldbuch sei vernichtet!
Ausgesöhnt die ganze Welt!
Brüder - überm Sternenzelt
Richtet Gott, wie wir gerichtet.
Außerdem denke ich an eine Zeile der 8. Strophe:
Dem Verdienste seine Kronen,
Untergang der Lügenbrut!
Das müßte Dir doch auch gefallen, oder?

Als zweiter Titel dann das "Air" von J.S. Bach. Auch das paßt ja nun in diesen Rahmen wie saurer Hering zu Buttercreme- Torte. (Ich will mich jetzt nicht festlegen, welches Nahrungsmittel in diesem Kontext die "BW" darstellt.)
Jein. Es würde passen, wenn die Monarchie wieder was zu sagen hätte - immerhin entstanden die Orchestersuiten wahrscheinlich für den musisch begabten Prinzen Leopold von Anhalt-Köthen.
[...]"Retrette", den überlieferten Trompetensignalen der Kavallerie, mit dem wirklich unsäglichen "Helm ab zum Gebet" und dem absolut anachronistischen "Ich bete an die Macht der Liebe". Würden das mal alle Soldaten tun - und dabei dann, dem Anlaß angemessen, die Waffen niederlegen...
Das wurde bereits gemacht, deshalb kann man die "Macht der Liebe" durchaus im Programm stehen lassen.
Stichwort: Völkerschlacht bei Leipzig, 19. Oktober 1813.
Die Soldaten des Rheinbundes wechselten kurz vorher die Fronten, was zur deutlichen Niederlage der Franzosen führte. Am 19. Oktober trafen die drei siegreichen Monarchen ein (Zar Alexander I, Rußland, Friedrich Wilhelm III, Preußen und Kaiser Franz I., Bayern München ... äh ... Pardon, Österreich, natürlich). Und dann - Regimentsmärsche und als Abschluß "Ich bete an die Macht der Liebe". Die Schlacht bei Leipzig war vorbei.
Gruß
Skywise