Der Barde hat geschrieben: ↑Mi 6. Mai 2026, 15:23
Seitdem ist viel passiert, und die Wörter Nazi und rechts werden von den Herrschenden als Kampfbegriffe missbraucht. Das habe ich selbst erlebt, es lässt sich zusammenfassen in „Wird der Bürger unbequem, ist er plötzlich rechtsextrem.“
Würde ich so nicht mitgehen wollen, aus verschiedenen Gründen. Ich will nicht alle angehen, das wäre auch an dieser Stelle fehl am Platz, aber ich sehe sehr wohl, daß eine Spaltung der Gesellschaft vorliegt und mutmaßlich in erster Linie von weit-rechter, meinetwegen Nazi-Seite immer weiter forciert wird, unter anderem indem immer mehr konservative Positionen Stück für Stück aufgegriffen und vereinnahmt, wenn nicht sogar pervertiert werden. Ich möchte sicherheitshalber betonen: daß viele konservative Themen und Positionen von Nazis aufgegriffen wurden, macht nicht jeden Konservativen automatisch zum Nazi, somit reagieren Konservative entsprechend verschnupft, wenn von linker Seite aus auf Rechtsextreme geschimpft wird und dabei "ihre" Positionen kritisiert werden.
Ich sehe nicht, daß "die Herrschenden" wirklich noch die Kampfbegriffe häufiger nutzen. Früher hab' ich gesagt: ich sehe bedeutend häufiger Menschen, die rumflennen, daß sie von Linken als "Nazis" bezeichnet wurden, als ich Linke finde, die diese Menschen als "Nazis" bezeichnen. Und im Kern stehe ich auch heute noch dazu, räume allerdings gerne ein, daß sich die Diskussionskultur an verschiedenen Stellen mittlerweile stark ins Völlig-Unsachliche bis Polarisierende verschoben hat, und gerade in den angeblich-sozialen Medien ist das aus dem Ruder gelaufen. "Soziale Medien", das ist da, wo einige Leute glauben, Smilies oder Schimpfworte seien mit Argumenten gleichzusetzen und stellten daher einen inhaltlich aussagekräftigen Diskussionsbeitrag dar. Aber das geht in beide Richtungen. Sagt so'n linksgrünversifftes, deutschlandhassendes, linksfaschistisches, rückgratloses Terroristenarschloch, das den regierenden Altparteien nach dem Mund spricht und das eines Tages in der Gaskammer enden wird, so wie es das verdient hat, wie es geheißen hat. Auf meine Rückfrage, ob das mit dem Vergasen nicht eine Angewohnheit der Nazis war, und was diese Absicht über den Kommentator aussagt, der mir das in Aussicht gestellt hat, erhielt ich keine Antwort.
"Ich habe so viele wunderbare Menschen kennengelernt, denen die diffamierenden Etiketten äußerst schlecht zu Gesicht stehen. Aber wenn früher ein Demonstrant automatisch als linksradikaler Bombenleger galt, so gilt er heute eben automatisch als rechtsradikaler Schwurbler."
Hab' ich noch nicht mitbekommen, aber wahrscheinlich treibe ich mich dazu auf den falschen Demos rum.
"Das einzige, was mich selber enttäuscht, ist das Schweigen des Verfassers von „Sei wachsam!“ zu den heillosen Corona-Maßnahmen."
Bin ich ehrlich gesagt nicht böse drum. Im Gegenteil hielt und halte ich sein Schweigen in diesem Zusammenhang für eine sehr gute Idee. Ich bin kein großer Fan von Hans Söllner, aber ich mag einige seiner Lieder und sein Rückgrat, und irgendwie fand ich es bedauerlich, daß er als jemand, der sich grundsätzlich nicht vom Staat zurechtbiegen lassen will, schon fast zwangsweise und dauerhaft gegen die Maßnahmen wetterte. In einer Pandemie, in der sich das Virus ebenso schnell verändert wie der wissenschaftliche Wissensstand, kann man damit enorm heftig auf die Nase fallen, und leider ist ihm auch genau das widerfahren. Man versteigt sich da sehr schnell in etwas, wenn man nicht aufpaßt. Und man wird schnell in eine Schublade gesteckt, aus der man nur sehr schwer wieder rauskommt. Insofern - war meiner Meinung nach sicher kein Fehler, daß sich Reinhard Mey in Schweigen gehüllt hat.
"Zum Glück ist er wenigstens beim Thema Frieden aufrecht und hat das Friedensmanifest von Sahra Wagenknecht als einer der ersten unterzeichnet."
Ich hab' das Friedensmanifest nicht verstanden, muß ich zugeben. Bekenntnis zum Frieden ist ja gut und schön, aber wenn man einseitig die Waffenlieferungen einstellt und den nicht unterstützt, der gerade Opfer eines Aggressors wird - hat man dann wirklich zum Frieden beigetragen, wenn der Aggressor sich dann einfach nehmen kann, was er will? Was passiert dann mit Land und Leuten - eine wie ich finde gute Frage, denn daß die Ukraine und Rußland nicht immer auf Augenhöhe agierten, ist ja historisch durchaus verbrieft, um es vorsichtig auszudrücken. Es braucht 'ne ganze Menge, bis ich einem Bundeswehr-Oberst zustimme, aber als Oberst a. D. Kiesewetter sich hinstellte und mit anderen Leuten die spätere Petition von Herrn Stephans unterzeichnete, die eine Unterstützung der Ukraine forderte, da "Frieden ohne Freiheit kein Frieden" sei, fühlte ich mich bedeutend mehr abgeholt. Es hat sich mir nicht erschlossen, weshalb man in dem Friedensmanifest von Frau Wagenknecht nicht Herrn Putin eindeutig als Kriegstreiber bezeichnet hat, um aufzuzeigen, wer vor allem am Verhandlungstisch sitzen und auf wem auch zukünftig das Augenmerk liegen sollte, da er schon mehrere Abkommen in der Vergangenheit gebrochen hat. Ich fand das Friedensmanifest von Frau Wagenknecht nicht wirklich überzeugend, und ich hätte sehr, sehr gern darin neben der klaren Schuldzuweisung in Richtung Putin eine Abgrenzung nach rechts gelesen, zumal schon zu erwarten war, daß dieses Thema ebenfalls von dieser Seite gekapert werden würde, wie es letzten Endes ja auch geschah.
Gruß
Skywise