Stephan Sulke über das Wort "Liedermacher", 2026

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Niketes hat dieses Thema gestartet
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Stephan Sulke über das Wort "Liedermacher", 2026

Beitrag von Niketes »

Liebe Leute,

Stephan Sulke, der übrigens kürzlich ein neues Album für 140€ rausgebracht hat  (keine Sorge, momentan gibt es eine Rabatt-Aktion mit Sonderpreis 98€), ist bei Facebook recht aktiv und verschriftlicht dort gern seine Gedanken zu allen möglichen Themen, seien sie gesellschaftlicher Natur oder aus dem Dunstkreis rund um Musik-Theorie, -Business, Aufnahmetechnik usw.

Und kürzlich ging es um das Wort "Liedermacher": Wo besser teilen als auf einer ausdrücklich "Liedermacher-Forum" betitelten Plattform?

Beitrag vom 10. Januar 
LIEDERMACHER.

Ich HASSE dieses Wort.

Hat für mich den Mief
ideologisch angehauchter Begriffe.
Die Poesielosigkeit eines Amtsnamens.

Klingt wie
« Oberförster »
oder
« Sachbearbeiter ».

Und « Macher » grrr.

Man macht einen Plan.
Einen Zaun.
Eine Quote.

Lieder werden nicht gemacht.
Sie werden gefunden.

« Liedermacher »,
so unmusikalisch.

So politisch einseitig getränkt,
klassenkämpferisch altmodisch,
kunstfeindlich.

Kleinkarrierter
60er Jahre von Spatzi gestrickter
Dickwollpulli und Sandalen dazu.

Ja klar, ich schreibe Lieder, Songs.
Aber ich mache sie nicht.

Und überhaupt:
In einer Zeit sprachlicher Globalisierung –
warum mühsam ein deutsches Wort erfinden,
wenn es in nächster Umgebung
schon gut geeignete gibt?

Singer-Songwriter.
Chansonnier.

Wörter mit Geschichte.
Ohne Amtsstuben-Geruch.

oder wieso nicht:

ETWAS
VERWELKTER SCHNULZENSINGENDER
POET

Da hab ich sogar Autorenrechte drauf😂.

Damit kann ich leben.

Ende.
Beitrag vom 11. Januar: 
Zum Wort „Liedermacher“
kleine Präzisierung hier nachtäglich:

Es ist die Schublade, die mich abstößt.

In dem Wort ist die Konnotation
der 68er drin.
Die Steifheit der prinzipiellen Gesellschaftskritik.

Und vor allem das Prinzip:
Meinung ist wichtiger als alles andere.

Das ist das 180 Grad Entgegengesetzte
von mir:

Schubladen haben mich nie interessiert.

Musikalisch hab ich hundert Stilrichtungen
angefasst.
Völlig egal,
von Klassik über R & B,
alte deutsche Schlager, Roma-Musik, Klezmer,
Pop, Walzer, Jazz, RocknRoll, Bossa. Sogar Rap hab ich ausprobiert,
bevor‘s das Wort hierzulande überhaupt gab.

Einfach alles, was mich mal berührt hat,
hat sich zu einem Amalgam in meiner Seele
vermischt.

Und mit Worten ist es dasselbe:
egal, wo das Thema herkommt,
Berührt‘s mich - berührt‘s mich nicht.

Bin halt sowas, wie ein Freidenker.

Und das kann die Kritiker-Zunft nicht ab.
Sie mag Abteilungen, Ordner, Abgeheftetes.

Bin kein Herdentier.
Mag nicht in der Gruppe stehn.

DAS stört mich am Wort „Liedermacher“.

Ende.

Was sagt Ihr dazu?

Beste Grüße
Dieser Beitrag enthält 386 Wörter

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Skywise
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Stephan Sulke über das Wort "Liedermacher", 2026

Beitrag von Skywise »

Daß er über weite Strecken durchaus richtig liegt, aber.
Es ist die Schublade, die mich abstößt.

In dem Wort ist die Konnotation
der 68er drin.
Die Steifheit der prinzipiellen Gesellschaftskritik.

Und vor allem das Prinzip:
Meinung ist wichtiger als alles andere.
Mit dieser Beschreibung der Schublade bin ich nicht ganz einverstanden, aber ich sehe das halt aus meinem persönlichen Blickwinkel von 2026. Meinung in einem Lied ist gut, aber keine Pflicht. Wenn jemand mit seinem Lied einen Stupser zum Nachdenken mitgibt, hat das auch seine Daseinsberechtigung. Und daß es Lieder gibt, bei denen der Autor noch nicht mal weiß, was sie überhaupt zu bedeuten haben, aber sie klingen halt poetisch, wollen wir auch nicht unterschlagen.
Ich denke, daß sich das Wort "Liedermacher" seit der Implosion der Burg Waldeck-Festivals, wo man das obige Prinzip schon über weite Strecken noch vorfinden konnte, weiterentwickelt hat, ebenso wie sich die Musik und unser Umgang damit verändert hat. Womit wir eigentlich schon fast wieder bei der Grundsatzdiskussion sind "Was ist ein Liedermacher?".
Man macht einen Plan.
Einen Zaun.
Eine Quote.

Lieder werden nicht gemacht.
Sie werden gefunden.
Die Lieder werden gefunden. Mal liegen sie auf der Straße rum, mal muß man sie mit der Bohrinsel aus dem Boden lutschen. Aber sie werden meistens nicht so dargebracht wie gefunden, sondern an ihnen wird gearbeitet. "Liedermacher" heißt für mich immer noch, daß da jemand auf das Textgedicht mindestens so viel Wert legt wie auf die Musik. Ob er Geschichten erzählen oder Lyrik absondern möchte, bleibt ihm erst mal selbst überlassen, aber es sollte halt schon über so etwas wie "Substanz" oder "Rückgrat" oder wenigstens "Witz" verfügen, ohne allzu flach zu sein. Und dazu muß man die Feile ansetzen und ein Lied ausarbeiten, meint: machen. Und ich gehe davon aus, daß das Arbeiten an einem Lied mit Inhalt anspruchsvoller ist als bei irgendeinem Geträller, bei dem es eigentlich egal ist, ob man von einem Holzbein singt oder von einem überfahrenen Igel. Insofern sehe ich "Liedermacher" eher als ein Gütesiegel an als wirklich eine Schublade.
Seine Meinung lasse ich ihm aber trotzdem ... :-D Letzten Endes ist der Begriff meiner Auffassung nach ohnehin schwammiger als das Wort vermuten läßt.

Gruß
Skywise
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Doro1100 (Mi 14. Jan 2026, 09:05)
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"Ist wirklich wahr - ich hab's in meinen Träumen selbst geseh'n ..."
Herman van Veen - "Die Clowns"

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