Stephan Sulke, der übrigens kürzlich ein neues Album für 140€ rausgebracht hat (keine Sorge, momentan gibt es eine Rabatt-Aktion mit Sonderpreis 98€), ist bei Facebook recht aktiv und verschriftlicht dort gern seine Gedanken zu allen möglichen Themen, seien sie gesellschaftlicher Natur oder aus dem Dunstkreis rund um Musik-Theorie, -Business, Aufnahmetechnik usw.
Und kürzlich ging es um das Wort "Liedermacher": Wo besser teilen als auf einer ausdrücklich "Liedermacher-Forum" betitelten Plattform?
Beitrag vom 10. Januar
Beitrag vom 11. Januar:LIEDERMACHER.
Ich HASSE dieses Wort.
Hat für mich den Mief
ideologisch angehauchter Begriffe.
Die Poesielosigkeit eines Amtsnamens.
Klingt wie
« Oberförster »
oder
« Sachbearbeiter ».
Und « Macher » grrr.
Man macht einen Plan.
Einen Zaun.
Eine Quote.
Lieder werden nicht gemacht.
Sie werden gefunden.
« Liedermacher »,
so unmusikalisch.
So politisch einseitig getränkt,
klassenkämpferisch altmodisch,
kunstfeindlich.
Kleinkarrierter
60er Jahre von Spatzi gestrickter
Dickwollpulli und Sandalen dazu.
Ja klar, ich schreibe Lieder, Songs.
Aber ich mache sie nicht.
Und überhaupt:
In einer Zeit sprachlicher Globalisierung –
warum mühsam ein deutsches Wort erfinden,
wenn es in nächster Umgebung
schon gut geeignete gibt?
Singer-Songwriter.
Chansonnier.
Wörter mit Geschichte.
Ohne Amtsstuben-Geruch.
oder wieso nicht:
ETWAS
VERWELKTER SCHNULZENSINGENDER
POET
Da hab ich sogar Autorenrechte drauf.
Damit kann ich leben.
Ende.
Zum Wort „Liedermacher“
kleine Präzisierung hier nachtäglich:
Es ist die Schublade, die mich abstößt.
In dem Wort ist die Konnotation
der 68er drin.
Die Steifheit der prinzipiellen Gesellschaftskritik.
Und vor allem das Prinzip:
Meinung ist wichtiger als alles andere.
Das ist das 180 Grad Entgegengesetzte
von mir:
Schubladen haben mich nie interessiert.
Musikalisch hab ich hundert Stilrichtungen
angefasst.
Völlig egal,
von Klassik über R & B,
alte deutsche Schlager, Roma-Musik, Klezmer,
Pop, Walzer, Jazz, RocknRoll, Bossa. Sogar Rap hab ich ausprobiert,
bevor‘s das Wort hierzulande überhaupt gab.
Einfach alles, was mich mal berührt hat,
hat sich zu einem Amalgam in meiner Seele
vermischt.
Und mit Worten ist es dasselbe:
egal, wo das Thema herkommt,
Berührt‘s mich - berührt‘s mich nicht.
Bin halt sowas, wie ein Freidenker.
Und das kann die Kritiker-Zunft nicht ab.
Sie mag Abteilungen, Ordner, Abgeheftetes.
Bin kein Herdentier.
Mag nicht in der Gruppe stehn.
DAS stört mich am Wort „Liedermacher“.
Ende.
Was sagt Ihr dazu?
Beste Grüße