Der Musikmarkt in Deutschland ist im Wandel und das hat Auswirkungen auf alle Künstler/innen in allen Bereichen.
Diskutiere mit uns über die richtigen Wege und falsche Entwicklungen. Was sollte sich ändern, was darf sich nicht ändern? Welche Rolle spielen wir Konsumenten? Was kann die Politik tun?
Hallo,
ich vermute einmal fast, dass ich das Thema via Stöbern irgendwo hier im Forum als bereits durchgelabert und durchgequtscht finden würde. Da ich selbst ehemaliger Hörfunk-Musikredakteur bin und - ich gebe es offen zu, auch wenn ich vermute, dass die Meinung hier evtl wenig populär sein könnte - GEGEN eine Deutschquote, interessiert mich eure Meinung noch einmal gebündelt. Zumal "Liedermacher" ja nochmal spezieller zu betrachten sind, was bringt uns schließlich eine Deutschquote, wenn am Ende dann 10 mal am Tag Silbermond laufen...
Verschwinden wird das Thema natürlich nie so ganz, was ich widerum gut finde, da es den Finger ja doch auf ein Medien- und Wahrnehmungsproblem legt, dass wir hier in Deutschland ganz definitiv haben.Ich weiß allerdings aus eigener Erfahrung, dass die meisten Argumente PRO Deutschquote immer vor allem eines zeigten: viel Opportunismus, machmal leider auch Egoismus.
Aber ich lasse mich ja immer gerne zu einer neuen Ansicht bringen! Falls es denn gute Argumente gibt.
Beste Grüße!
Hi,
ich halte eine Deutschquote auch für eine sehr schwammige Sache.
Was mir fehlt, sind die dedizierten Sendungen der einzelnen Sendeanstalten der öffentlich rechtlichen Sender (und erst recht der privaten).
Mein Paradebeispiel ist ja immer Donnerstags WDR4 - Chansons und Liederliches. Allerdings dauert die Sendung nur 1 Stunde. Davon - solche einstündigen Programme zu genau einem Thema - gibt es aus meineSicht viel zu wenig.
Ich halte die steife Haltung mancher Radiosender für fragwürdig, die ihren Fokus auf Unterhaltung ihrer Hörer legen und dabei Unterhaltung oft mit Berieselung gleichstellen.
Es gibt aber genug Info-Sender, die nicht minder unterhaltsam sind, wenn auch nicht mit Musik.
Es gibt auch genug englischsprachige Schund-Musik, daher würde ich nicht auf deutsche Musik pochen.
Und wenn ich mir den Slogan eines brandenburgischen Senders anhöre, die "Voll die Vielfalt" propagieren, und dann nur den Einheitsberieselungsbrei liefern, dann geht es mir nicht mehr um die Sprache, sondern um die Qualität des Senders.
Unter Vielfalt würde mir vielmehr eine Vielfalt in verschiedenen Programmformaten eines Senders wünschen, wo jeder auf seine Kosten kommt. Aber es wird pro Sender ja meistens nur in Zielgruppen gedacht. Leider.
Diese Zielgruppendenken verhindert aus meiner Sicht eine breitgefächerte Programmgestaltung.
Meine Forderung an die Sender wären, ihre Programme abwechslungsreicher zu gestalten, so daß für jeden von allem etwas dabei ist zu einer gewissen Uhrzeit.
Ich mag z.B. "mdr Figaro". Kein reiner Klassiksender, sondern auch Weltmusik, Vorstellung der "CD der Woche" (auch von Liedermachern), und Informationen. Aber zu später Stunde auch mal ein Mitschnitt eines Rockkonzerts.
Grüße
Forenhansi
Dieser Beitrag enthält 266 Wörter
"Ja, ich hab einen Traum von einer Welt und ich träume ihn nicht mehr still:
Es ist eine grenzenlose Welt, in der ich leben will"
[Konstantin Wecker]
Also in der Tat sollte man hier erstmal sehr zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Stationen unterscheiden. Eine der Fehlentwicklungen der letzten Jahre ist, dass auch die ÖR-Sender sich ganz klar dem Wettbewerb verschrieben haben, sprich: Quote. Sie sagen sich halt: Wo so viel Geld reinfließt, vergessen wir mal nicht die Unsummen an GEZ, die deratige Sender zur Verfügung haben, da muss auch zugehört werden und zwar kräftig. Das ist - aus meiner IScht zumindest - aber eben nicht die Aufgabe einer ÖR-Anstalt. Deren Aufgabe ist es eben dank des finanziellen Puffers sagen zu können: wir schilen nicht auf den Markt. Wenn sie sich nun nach Marktregeln verhalten, also doch auf die Quote glotzen, dann können wir auch die GEZ abschaffen. So wie derzeit ist es aber ein fragwürdiger Zwitter: halb Konsum, halb Apparat.
Die Privaten haben, auch wenn es aufgrund ihrer Außendarstellung manchmal anders scheint, nur einen Bruchteil des Personals und des Geldes zur Verfügung. GEZ kriegen sie ja nicht, ergo sind sie mittendrin im Kultur-Darwinismus, wenn wir es mal so nennen wollen. Und eine Liedermacher-Sendung trägt sich finanziell einfach nicht. Sie ist in der Produktion ausnehmend teuer, da es inzwischen gute Musikjournalisten braucht (weil es halt leider zum Fachgebiet verkümmert ist). Und wichtiger: Die Hörer danken es einem nicht. Ich selbst habe mal eine reine deutschsprachige Sendung bei einem Privaten in Berlin konzipiert, einmal die Woche abends, immerhin 2 Stunden am Stück. Da hatte ich auch etwas freie Hand, viel Ostrock, einige Liedermacher, zwischendrin halt Rosenstolz und Silbermond. Leider sind uns die Quoten dort heftig abgerauscht, kaum war die Sendung vorbei und der Allerweltsbrei begann wieder, da kamen auch die Hörer zurück. Was aber halt auch so eine gewisse Logik hat: Stell dir vor der von dir benannte und mir sehr gut bekannte "Voll die Vielfalt"-Sender würde mitten in diesem Brei hier und da mal was von Wader oder Wecker einsetzen. Du würdest dir den Sender doch trotzdem nicht anhören. Und ich auch nicht. Genau da wird es halt etwas ambivalent und teufelskreisig: Ich will, dass er Wecker und Wader spielt - im Gegenzug dann aber zum Stammhörer werden, nö, is nicht. Alson fangen derlei Sender inzwischen erst gar nicht mehr damit an. Denn die vielen Leute, die Liedermacher-Musik doof finden, die reißen denen die Bude ab vor Wut, wenn sowas "seltsames" läuft. Und die, die genau dieses "seltsame" toll finden sind längst über alle Berge....
Achja und: Das Traurige an "Voll die Vielfalt" ist, dass es funktioniert, altes Mediengesetz. E smuss gar nicht stimmen, was man behauptet, man muss es nur laut und penetrant genug rausbrüllen - dann glauben es die Leute. Das zeigen Umfragen, die Hörer dieses brandenburgischen Senders halten diesen Sender für sehr abwechslungsreich und gehen u.a. auch deshalb nicht weg.
Hallo in die Runde,
eine alte, aber dennoch immer noch interessante Diskussion, finde ich.
Früher (etwa vor fünf Jahren) war ich Befürworter einer Deutschquote. Mittlerweile glaube ich, dass sie nicht das bewirken würde, was sich ihre Verfechter wünschen: mehr Qualität. Vermutlich würden die von der Quote betroffenen Sender an der einfachsten Schraube drehen und die Rotation jener deutschsprachigen Lieder, die jetzt schon alle zwei Stunden laufen, noch ein wenig erhöhen. Wer glaubt, eine Quote helfe jungen, noch unbekannten Musikern, ins Radio zu kommen, der irrt, fürchte ich. Ebenso ist es töricht, zu hoffen, durch eine Quote liefen plötzlich Reinhard Mey, Bodo Wartke oder Konstantin Wecker in den 'Morningshows'.
Etwas zynisch sei hier noch angemerkt, dass sich bei einer Quote die Frage stellte, ab wann ein Lied als 'deutschsprachig' gilt ... Wie sieht es zum Beispiel damit aus: „Ich bin ich und Du bist Du. Du gehörst zu mir dazu.“?
Eine der Fehlentwicklungen der letzten Jahre ist, dass auch die ÖR-Sender sich ganz klar dem Wettbewerb verschrieben haben, sprich: Quote.
Genau. Und das müssen sie, wie Du richtig schreibst, nicht. Ein öffentlich-rechtlicher Sender darf und muss es sich leisten, auch mal (das soll er ja nicht den ganzen Tag lang tun) Programme für Minderheiten anzubieten.
Eine Ursache des Problems ist nach meiner Wahrnehmung, dass zumindest die Mainstreamwellen der Öffentlich-Rechtlichen ihre Moderatoren mittlerweile fast ausschließlich bei den Privaten akquirieren. Die können sich zwar alle meisterhaft selbst darstellen und schnacken, dass die Quote platzt, aber eben nur sehr vereinzelt wirklich moderieren, also Inhalte in verständlicher Sprache vermitteln.
Folge dessen ist, dass Moderatoren mit der Fachkompetenz eines Peter Urban heute weitgehend ausgestorben sind.
Wenn sie sich nun nach Marktregeln verhalten, also doch auf die Quote glotzen, dann können wir auch die GEZ abschaffen.
Zumindest ließe sich möglicherweise viel Geld durch die Abschaffung überflüssiger Sender einsparen:
Einst gab es hier im Norden NDR 2 als überregionales Pop/Rock-Mainstream-Programm. Außerdem hatte jedes Bundesland im NDR-Gebiet seinen eigenen Sender: NDR 1 Welle Nord (SH), 90,3 (HH), NDR 1 Radio MV (MV) und NDR 1 Niedersachsen. Diese Sender zeichneten sich durch ihre große Kompetenz bei der Regionalberichterstattung aus und spielten hauptsächlich Schlager und Oldies. Als Institutionen gibt es diese Sender immer noch, aber:
Wenn ich heute im Auto die Nase voll habe von NDR 2, schalte ich um auf die Welle Nord und höre: NDR 2. Zumindest, was die Musik angeht: Queen, Lady Gaga und seit Neuestem sogar Aura Dione (nichts gegen die Künstler, es geht mir um die Musikfarbe des Senders). Dazwischen gibt es Regionalnachrichten in ultrakompakter Form und geschliffener Privatradiosprache und ansonsten jede Menge Claims, Gewinnspiele, Gute-Laune-Moderationen (wenn nicht gerade die beiden letzten, wirklich guten Urgesteine am Mikrofon sind) sowie endlose Jingles, in denen mir Leute erzählen, dass sie den ganzen Tag lang nur diesen Sender hörten. Ich frage mich: Wofür brauche ich den noch, wenn ich die Musik auch bei NDR 2 hören und für ganz ähnliche Moderationen zwischen gleich mehreren Privatsendern wählen kann?
Als Träumer denke ich immer: Vielleicht würde ein Warnschuss seitens der Politik (lautes Nachdenken über die Schließung eines solchen Senders, um GEZ-Gebühren zu sparen) ja doch etwas zum Positiven verändern.
Vorläufiges Fazit meines Nachdenkens über dieses Thema: Jetzt über eine Deutschquote zu diskutieren ist so, als stünde ich vor meinem bis auf die Grundmauern heruntergebrannten Haus und riefe: „Neue Gemälde an den Wänden wären ganz schön.“
Zuhause habe ich eine schöne CD-Sammlung und im Auto höre ich kein Radio mehr. Die Privaten aus Prinzip nicht und die Öffentlich-Rechtlichen (Vollprogramme mit Musik) nicht, weil sie sich von den Privaten nicht mehr unterscheiden. Dabei lege ich Wert darauf, keiner zu sein, der nur nach seiner Lieblingsmusik schreit. Wenn das Programm ansonsten stimmt, „ertrage“ ich etwa im Auto so ziemlich alles außer Techno und Metal.
Da ich nicht mit einer Rundum-Kritik schließen möchte, will ich am Ende ausdrücklich den Deutschlandfunk als Leuchtturm in der Radiolandschaft loben und mich an eine schöne Sendung mit Jens Kommnick erinnern, die im vergangenen Jahr auch bei einem öffentlich-rechtlichen Sender lief. Es gibt sie also vereinzelt noch, die Perlen, für die es sich lohnt, GEZ zu zahlen.
Grüße vom
clabauter
clabauter schrieb:
Etwas zynisch sei hier noch angemerkt, dass sich bei einer Quote die Frage stellte, ab wann ein Lied als 'deutschsprachig' gilt ... Wie sieht es zum Beispiel damit aus: „Ich bin ich und Du bist Du. Du gehörst zu mir dazu.“?
Nun ja, das ist nicht unbedingt zynisch - so ähnliche Titel haben wir in der Vergangenheit auch in den oberen Bereichen der Hitparade vorfinden können. Ich denke da an Mo-Dos "Eins zwei Polizei" oder Bruce & Bongos "Geil". War das deutschsprachig? Ja, zweifellos. War das gut? Zum Fremdschämen schon, aber ...
Als Träumer denke ich immer: Vielleicht würde ein Warnschuss seitens der Politik (lautes Nachdenken über die Schließung eines solchen Senders, um GEZ-Gebühren zu sparen) ja doch etwas zum Positiven verändern.
Wenn's hart auf hart kommt, würde sehr wahrscheinlich die Stammhörerschaft dieses bewußten Senders auf die Barrikaden gehen. Unabhängig davon, daß es das zu 75 % identische Programm zwei Drehungen am Senderknopf nach links auch gäbe.
Da ich nicht mit einer Rundum-Kritik schließen möchte, will ich am Ende ausdrücklich den Deutschlandfunk als Leuchtturm in der Radiolandschaft loben und mich an eine schöne Sendung mit Jens Kommnick erinnern, die im vergangenen Jahr auch bei einem öffentlich-rechtlichen Sender lief. Es gibt sie also vereinzelt noch, die Perlen, für die es sich lohnt, GEZ zu zahlen.
Die gibt es, aber in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten fielen leider auch sehr viele Perlen dem Konkurrenz-Denken der öffentlich-rechtlichen Sender zum Opfer. Was ich sehr bedauere, zum einen aus nostalgischen Gründen, zum anderen vermisse ich die Sendungen, in denen einem ein Künstler oder sein neues Werk ausführlich und in Auszügen vorgestellt werden. Da ich aber mittlerweile befürchte, daß diejenigen, die sich in der "Szene" vernünftig auskannten, nicht mehr beim Radio beschäftigt sind, versuche ich, mich damit abzufinden. Ein Hinweis darauf, daß es mit den Szenekennern nicht mehr weit her ist, findet sich im Umstand, daß die deutsche Wiedervereinigung auf Radioebene noch nicht stattgefunden hat.
Gruß
Skywise
Dieser Beitrag enthält 350 Wörter
"Ist wirklich wahr - ich hab's in meinen Träumen selbst geseh'n ..."
Herman van Veen - "Die Clowns"
Ich selbst bin ja aus genau den auch benannten Gründen eben nicht mehr hauptberuflich beim Radio. Zum einen sind die Arbeitsbedingungen dort längst irgendwo zwischen Machiavelli und Darwin gestrandet, zum anderen kann man eben kaum noch was machen, selbst wenn man in vermeintlich einflussreicheren Positionen sitzt. Ahnung von Musik haben ist, kein Witz, längst ein Qualifikationsnachteil, wenn man sich auf eine Stelle als Musikredakteur beim Hörfunk bewirbt. Eben weil man sehr viel Ärger machen kann, wenn man immer zuviel will. Aber: Ich nehme das, seit ich raus bin aus dem professionellen Hörfunkbetrieb, nicht mehr so sehr mit Untergangsstimmung wahr, sondern werte es als Zeichen der Zeit. Denn als Musikrezipienten sind wir, die wir heute leben, typische Übergangskinder, wir erleben wie ein altes Sytem zerbröckelt und das neue erst noch entsteht. Klar, sowas geht mit viel Wehmut über die Bühne, wie wohl auch nicht jeder den Übergang von A zu B mitgehen können wird, einige werden wohl mit einem gewissen Gram sterben. Alle anderen können sich aber freuen, denn der traditionelle Hörfunk entsorgt sich selbst, er macht Platz den neuen medialen Möglichkeiten und mal echt: abgesehen von einer gewissen Wehmut brauchen wir die Radiosender gar nicht mehr. Gerade die Liedermacher haben sich doch - via Zwang - eh längst davon emanzipiert. Es mangelt noch an guter Bündelung und Vernetzung, viele Köcheln noch eher für sich und auf ihren eigenen Homepages vor sich hin, lehnen sich etwas an Soundcloud, etwas an Facebook etc. Aber: Das wird. Die Zukunft der Musik findet nicht im Radio statt. Und die Gegenwart der Liedermacher ist daher vielleicht sogar besonders gut gewappnet. Ich meine, was machen so auf Masse produzierte Mainstream-Acts, wenn die Radiosender, die sie zum Erfolg getragen haben, einer nach dem anderen drauf gehen (ist ja teilweise schon so weit)?
Das Gezielte Hören finde ich besser, noch sind es hauptsächlich Radiosender, die tolle Interviews zum Nachhören auf ihre Seiten stellen. Aber das ist nur der Anfang, da bin ich sicher. All das wird immer kundenfreundlicher, als das Radio je war, je sein konnte.