Hallo Gitarrero,
ich schreibe zwar gerne lange Konzertberichte, brauche aber immer so lange dafür, deshalb bin ich richtig happy, 'meinen' Abend hier so gut von Dir beschrieben zu finden. Meine Anreise war zwar wesentlich kürzer, ich war am 4. Oktober die 30 km nach Zweibrücken unterwegs, aber Du hast Recht, auch eine weitere Anfahrt hätte sich durchaus gelohnt. Leider kannte mein Navi die Straße nicht (stellvertretend:

), sodass ich eine Straße in der Nähe eingeben musste und dann eine Weile rumgeirrt bin. Als ich endlich angehechelt kam, war es bereits 10 vor acht, die große Aula des Hofenfels-Gymnasiums fast voll, und ich musste mich mit einem Platz in der 20. Reihe begnügen (von 23). Das Konzert war ausverkauft, es waren sicherlich 500 Besucher da.
Ich bin übrigens eine von denen, die mal eine erste Konzerthälfte lang das Gefühl hatte, dass Hannes nicht viel mit seinem Publikum am Hut hat - und das, obwohl ich einen Platz in der Mitte der ersten Reihe hatte, wo das Erlebnis normalerweise besonders intensiv sein sollte. Dieses Mal kam dieses Gefühl überhaupt nicht auf, obwohl ich sehr weit weg saß (ich hasse Plätze in der 20. Reihe), ab und zu konnte ich sogar einen Blick auf den ganzen Künstler erhaschen und nicht nur auf seinen Kopf. Auch das Publikum in Zweibrücken hat ihn begeistert begrüßt und er schien sehr gut drauf zu sein.
Wenn ich mich nicht täusche, war die Liedfolge bei uns dieselbe, Bella Ciao war allerdings nicht dabei. Es hat mich etwas gewundert, dass er nichts von Eichendorff oder Bellmann gesungen hat, aber für mich war die Liedauswahl trotzdem okay. Hinter mir saßen Leute, die zu Beginn der zweiten Hälfte sagten: "Vielleicht kriegen wir jetzt mal was zu hören, was wir kennen." Naja, die hatten sich halt wahrscheinlich seit 30 Jahren nicht mehr mit Hannes Wader beschäftigt. *g*
Bei Es ist schon viele Jahre her hat er sich gegen Ende versungen, dazu meinte er ganz gelassen: "Das ganze nochmal, das ist mir etwas aus dem Ruder gelaufen."
Ein Lied, was mich etwas aus der Fassung gebracht hat, war Die Mine. Er sagte dazu, es sei ein altes Lied, und es sei eine Schande, dass es immer noch aktuell sei. Nun bin ich ja nicht der absolute Wader-Spezialist und hatte das Lied noch nie gehört, mir ist jedenfalls ein Schauer des Entsetzens über den Rücken gelaufen. Das Lied ist in der Ich-Form geschrieben. Dieser Mensch hört bei einem Schritt, wie es unter seinem Fuß klickt und weiß: Er ist auf eine Mine getreten! Noch passiert nichts, aber wenn er den Fuß wieder wegnimmt, wird sie explodieren. Er schickt die anderen weg, die Ameisen kriechen in seinen Stiefelschaft, er wechselt das Bein..... ich weiß nicht mehr alles, ich konnte nicht mehr klar denken. Wie gesagt, der Text ist in der Ich-Form geschrieben, der Mensch lebt am Ende noch..... aber er steht immer noch dort..... wie lange wohl noch? So sehr hat mich nicht einmal Es ist an der Zeit schockiert, als ich es zum ersten Mal gehört habe.
@Marc:
Ach, das ist interessant, die Anekdote kenne ich noch gar nicht. Hat Hannes in dem Zusammenhang erwähnt, dass er nach Hessen umgezogen ist? Bislang erzählte er zu dem Lied immer von Fans, die den Busch nahe seiner (alten) Behausung aufsuchten...
Ja, der Förste kam in Zweibrücken auch vor und der Wegzug aus seiner Wahlheimat, aber wohin er gezogen ist, hat er uns verschwiegen. Wenn er aber mal wieder beim Weißdornbusch ist, was durchaus vorkommen kann, und einen von uns trifft, dann gibt er einen aus.
Danke Euch beiden, dass Ihr meine Erinnerungslücken so ziemlich vollständig geschlossen habt, Marcs genaue Informationen zu den diversen Liedern waren hilfreich, die hatte ich längst wieder vergessen. Dass Jeder Traum auf der neuen Degenhardt-CD zu finden ist, hat er erwähnt, es klang mir allerdings überhaupt nicht nach Degenhardt. Sicherlich hat Hannes Wader es auf seine eigene Art interpretiert.
Noch eine Frage an Marc:
Da ist einfach diese Lust, ein Lied zu singen. Das muss noch nicht mal ein eigenes sein. Singen als Gefühlsäußerung. Die kenne ich so nur noch von Hein und Oss Kröher.
Auf welche Erfahrungen kannst Du denn diesbezüglich zurück blicken?
Viele Grüße von Petra