christliche Liedermacher

Die Wikipedia beschreibt einen Liedermacher so: *"...Liedermacher bezeichnet im deutschsprachigen Raum einen Sänger, der Musik und Texte seines Programms überwiegend selbst geschrieben oder originär bearbeitet hat...Der Vortrag eines Liedermachers basiert im Kern auf eigener Interpretation und musikalischer Begleitung. Auch wenn die Aufführung gelegentlich mit einer Begleitband erfolgt, liegt meist großes Gewicht auf dem anspruchsvollen, oft witzig-kritischen Text..." und auf einen christlichen Liedermacher trifft diese Definition ebenfalls zu - mit der Besonderheit, dass diese Künstler in ihren Liedern mehr oder weniger deutlich ihren christlichen Glauben und eine entsprechende Botschaft einbauen. Bekannte christliche Liedermacher in Deutschland sind z.B. Clemens Bittlinger, Siegfried Fietz oder Manfred Siebald und Gerhard Schöne
* Quelle: Wikipedia mit Stand vom 01.06.2018
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Skywise
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christliche Liedermacher

#21

Beitrag von Skywise » Mo 19. Jun 2006, 13:42


Xantippe schrieb:
Das Wort Gottes wurde und wird flächendeckend mit genügend Personal in den Kirchen und Religionsunterrichten verbreitet. Und es gibt die Bibel für den, der möchte.
Das kann schon stimmen, aber hier macht der Ton die Musik. Die "christlichen Liedermacher" versuchten, den Ton des Christentums zu modernisieren - und vor allem: den Glauben wieder aus der Kirche hinauszutragen. Es gibt auch heute noch Leute, die glauben, sich als "Christen" bezeichnen zu dürfen, nur weil sie niemals einen Sonntagsgottesdienst verpassen, während sie sich unter der Woche benehmen wie der letzte Arsch :-D. Die christlichen Liedermacher zeigten mit Liedern wie "Danke (für diesen guten Morgen)" oder "Ins Wasser fällt ein Stein", daß das nicht alles sein konnte und das Christentum erstens auch heute noch und zweitens erst recht außerhalb der Kirche aktuell ist (ungeachtet der Tatsache, daß sich die Institution Kirche lange Zeit sehr schwer getan hat, Gott mit modernen Worten und Instrumenten zu feiern ... als ob Gott bei Hebräisch stehengeblieben wäre :-D).
Die Liedermacher (Ulrich Roski, Schobert und Black, Hanns Dieter Hüsch) setzen dem Nachkriegsschlager ein "anderes Lied" entgegen. Eigene Ideen, eigene Musik, individuelles Auftreten. Von diesen Liedermachern sind eigentlich nur Wader und Mey übriggeblieben, so dass ich sagen würde "es gibt keine Liedermacher mehr".
Erstens war der typische Nachkriegsschlager praktisch bereits um 1963 rum wieder Geschichte, weil da die (meist englischsprachige) Beatmusik das Erbe des Rock'n'Roll und damit ihren Siegeszug antrat - für die Liedermacher wäre das bereits zu spät gewesen.
Zweitens ist gerade Reinhard Mey in dieser Hinsicht ein verdammt (!) heißes Eisen, denn auch unter den Liedermachern ist er beileibe nicht unumstritten, da er sich manchmal verwerflich weit in seinen Elfenbeinturm zurückgezogen hat. Es gibt Literatur aus den 70er Jahren, in der ihm der "Liedermacher"-Status aberkannt und der "Schlager"-Stempel aufgedrückt wird. So weit würde ich zwar nicht unbedingt gehen, aber die Argumentation war (leider) ziemlich gut nachvollziehbar.
Drittens glaube ich, daß es auch heute noch (vielleicht sogar gerade heute) Sachen gibt, denen man ein "anderes Lied" entgegensetzen sollte :hammer: - der Liedermacher an sich ist bestimmt nicht tot.
Dafür gibt es andere Liederscheiber und -sänger, sicher auch christliche, die haben aber mit den "alten" nichts zu tun, was ich in Ordnung finde. Jede Zeit hat ihre Lieder, ihre Musik, ihre Musikanten.
Da wäre ein gewisses Erbe, das sie von den Liedermachern der ersten Stunde übernommen haben. Man weiß noch nicht genau, wie es aussieht - aber sie haben es übernommen. Und das ist in meinen Augen und Ohren schon mal eine gute Sache :-)
Gruß
Skywise
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Rex2005
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christliche Liedermacher

#22

Beitrag von Rex2005 » Mo 19. Jun 2006, 14:30

Hallo,

Xantippe schrieb:
Hannes Wader ist neben Degenhardt und Mey Liedermacher der 1. Stunde.


Da frage ich mich ganz spontan: Wann war die erste Stunde? Kann/muss man die Liedermacherei vor dem 2. Weltkrieg anders beurteilen als die danach?

Von diesen Liedermachern sind eigentlich nur Wader und Mey übriggeblieben, so dass ich sagen würde "es gibt keine Liedermacher mehr".


Doch, die gibt es noch, nur dass sie auf Grund von veränderten Bedingungen in Politik, Gesellschaft, Medien usw. und durch andere Lebenssituationen ihrer Zuhörer ihre Inhalte zum Teil anders - der Zeit angepasst - ausdrücken. Wenn es nicht so wäre, wären Liedermacher eine Gattung Künstler, denen jegliche Veränderung an stilistischen und inhaltlichen Mitteln "untersagt" wäre :gitarre:
Irgendwo steht in diesem Forum eine Definition die mir ganz gut gefällt: Liedermacher texten, komponieren und singen ihre Lieder selbst. Ob nun mit politischen, christlichen oder kabaretistischen Inhalten ist eigentlich egal. Eine eindeutige Abgrenzung dürfte sowieso mehr als schwierig sein und wozu auch? Wichtig sind Inhalte, wie Sky sie schon beschieb. Deshalb hab ich kein Problem damit, einen Mey, Degenhardt aber auch einen Timon Hoffmann oder Micha Günther als Liedermacher zu bezeichen.
Aber wer darüber eine Dokumentation zu schreiben hat, der hat´s nicht leicht :gruebel: .
Gruß
Rex2005
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Michael
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christliche Liedermacher

#23

Beitrag von Michael » Mo 19. Jun 2006, 16:25

Hallo Ihr,
spannende Diskussion, die sich da entwickelt hat.
Als ich das ursprüngliche Posting las, war ich etwas befremdet, denn ehrlich gesagt, auf die Idee, die christliche Liedermacherszene in ein Schulprojekt über die Entstehung der Liedermacherszene in Deutschland mit einzubauen, wäre ich nicht gekommen. :gruebel:
Ich hatte seinerzeit das Vergnügen, meine Magisterarbeit über F. J. Degenhardt zu schreiben und habe da auch ausführlich über Grundlagen, Entstehung und verschiedene Strömungen von Liedermachern gesprochen - aber die christlichen habe ich völlig ignoriert. (hm, vielleicht war's deshalb auch keine eins).
Ich glaube auch, dass man sie als Nische betrachten kann, die relativ unbehelligt vom Rest existiert. Somit sollte man aufpassen, dass man sie nicht überbewertet (im Westen - was die DDR angeht, ist die Bewertung sicher deshalb anders, weil die Kirchen ja der einzige relativ freie Ort für Künstler waren und da konnte sich eine ganz andere Szene entwickeln - die dann automatisch auch oppositionell war.). Also beim Thema "Entstehung der Liedermacher" sollten sicher andere Punkte im Vordergrund stehen.
Was die Frage nach Dogmen oder Ideologien angeht: Die hat jeder Mensch im Kopf, weil es Ideologiefreiheit nicht gibt, auch ein Liedermacher, weil er ja immer "eine Botschaft" hat - und die muss er sich ja vorher ausdenken. Und da ist gerade die erwähnte Botschaft von Werten wie Toleranz, Frieden und Menschlichkeit so allgemein, dass sie heute jeder vor sich herträgt. Dieser kleinste gemeinsame Nenner sollte in einer zivilisierten Gesellschaft ja so selbstverständlich sein, dass er mir (für meinen Geschmack) als "Botschaft" viel zu dünn und zu platt ist. Die guten Liedermacher (ich denke mal auch die sogenannten"christlichen") haben doch wohl mehr zu bieten.
Ansonsten ist es ja so, dass Dogmen und Ideologien etwas sind, was nur der Gegner hat und was ihm die Sicht auf die Wahrheit versperrt.
Liebe Grüße
Michael
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Und vielleicht gibt es morgen ja schon den Crash,
dass die Kurse und Masken fallen.
Also laßt uns freuen und träumen davon,
wie die Racheposaunen erschallen.
Franz Josef Degenhardt

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Clemens
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#24

Beitrag von Clemens » Mo 19. Jun 2006, 17:15

Hallo Michael,
ein schöner zu Widerspruch reizender Satz das:
Ansonsten ist es ja so, dass Dogmen und Ideologien etwas sind, was nur der Gegner hat und was ihm die Sicht auf die Wahrheit versperrt.

Hingegen wir dem Satz:
Freiheit ist immer die Freiheit des anders Denkenden.
sofort zustimmen, obwohl... 8-)
Was sind wir Menschen doch paradox veranlagt (und das nicht nur beim Fiskus). :hammer:
Liebe Grüße von Clemens :-)
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#25

Beitrag von Guest » Di 20. Jun 2006, 10:58

Um nochmal zum Anfang der interessanten Diskussion zurückzukommen. Glamour fragte nach der Entstehung der Liedermacherszene in Deutschland. Ich nehme an, dass die Szene gemeint ist, die nach Burg Waldeck Anfang der 60-er Jahre aus einem Folklorefestival entstand, und aus der unter vielen anderen auch Hannes Wader und Reinhard Mey hervorgegangen sind und die auch heute noch nach über 40 Jahren bekannt sind. Alles ohne Wertung. Den "Stempel" Liedermacher soll Wolf Biermann um 1960 herum geprägt haben. Vorm Krieg (auch danach) gab es auch Menschen, die Lieder "machten", die wurden aber nicht "Liedermacher" genannt. Auch Schlagersänger (Kristina Bach) schreiben ihre Lieder manchmal selbst, ohne dass man ihnen den "Stempel" Liedermacher aufdrücken würde. Es ist ein Etikett. Wenn es um die Arbeit von Glamour geht, sollte man schon genau recherchieren (Google "Liedermacher"), ohne Lehrer und Zeugnis im Nacken kann jeder unter das Etikett Liedermacher packen, was er möchte. Hauptsache, die Lieder sind schön!
X.
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#26

Beitrag von Carsten K » Di 20. Jun 2006, 22:03

Na ja, ist ja auch einfach ne Definitionsfrage, was ist ein christlicher Liedermacher?
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#27

Beitrag von Guest » Di 20. Jun 2006, 23:13

Manfred Siebald nennt sich selbst "christlicher Liedermacher" und singst aus dem Alltag des Glaubens.
X.
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#28

Beitrag von Piet » Mi 21. Jun 2006, 13:51

Hallo Xantippe,
Um nochmal zum Anfang der interessanten Diskussion zurückzukommen. Glamour fragte nach der Entstehung der Liedermacherszene in Deutschland.

Und er fragte ganz gezielt nach Informationen über „christliche Liedermacher“.
Wenn es um die Arbeit von Glamour geht, sollte man schon genau recherchieren (Google "Liedermacher"), ohne Lehrer und Zeugnis im Nacken kann jeder unter das Etikett Liedermacher packen, was er möchte. Hauptsache, die Lieder sind schön!

Glamour fragte ganz gezielt nach christlichen Liedermachern. Und das, weil ihm sein Lehrer geraten hat, diese einzubeziehen.
Wir können uns natürlich weiterhin darüber unterhalten, ob christliche Liedermacher im engen Sinne auch im Zusammenhang mit „Burg Waldeck“ eine Rolle gespielt haben oder nicht oder ob man „christliche Liedermacher“ auch Liedermacher nennen darf.
Das ist eine interessante Diskussion und ich finde es auch toll, wenn sie in diesem thread geführt wird.
Ich kenne Glamour zwar noch nicht so gut, ich bin aber überzeugt davon, dass er die richtigen Informationen aus dieser Diskussion für seine Arbeit nutzt, auch wenn wir hier manchmal ein bisschen vom „eigentlichen Thema abweichen“ abweichen sollten.
Fakt ist: Glamours Lehrer erwartet scheinbar im Zusammenhang mit der Aufgabenstellung „Die Entstehung der Liedermacherszene in Deutschland“ auch ein Kapitel über „christliche Liedermacher“. Sein Lehrer fasst die Liedermacherei scheinbar nicht so eng, wie sie hier von Dir für das Abfassen einer Abi Arbeit "als einzig richtig" vertreten wird oder möchte in dieser Abi Arbeit vielleicht auch hören, dass die „christlichen Liedermacher“ in Bezug auf Burg Waldeck keine Rolle gespielt haben.
In sofern ist die hier geführte Diskussion für Glamour sehr interessant und kann zu einem guten Abschluss seiner Arbeit beitragen.
Der Verweis auf Google und die Eingabe „Liedermacher“ finde ich persönlich nicht so prall. Die hilft Glamour garantiert nicht weiter sondern ist eher verwirrend. Auf jeden Fall kann ich im Zusammenhang mit dieser Suchstrategie nicht von „genauer Recherche“ sprechen. Da gibt es andere Recherchemöglichkeiten, die zu besseren Ergebnissen führen.
Piet
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#29

Beitrag von Guest » Mi 21. Jun 2006, 14:19

Lieber Piet, wenn Du nochmal ganz zum Anfang zurückkehrst, wirst Du feststellen, dass es sich bei Glamour um ein weibliches Wesen handelt.
Bei Google findest du, wenn du ein bisschen suchst, alles zu den Liedermachern, mit denen die Szene in Deutschland begann (so hieß ja die ganz zuerst genannte Aufgabe), auch alles zu christlichen, gestern und heute, jene, die das neue geistliche Lied singen.
Wir wollen uns doch nicht streiten. Es geht darum, einer Schülerin zu helfen. Ich will keinem seine (christlichen) Liedermacher madig machen.
Gruß, X.
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#30

Beitrag von Piet » Mi 21. Jun 2006, 15:09

Na, hoffentlich verzeiht Glamour mir, dass ich sie in einen Schüler verwandelt habe. 'tschuldigung Glamour!!!
Es war nicht meine Absicht, mich mit Dir zu streiten:roll: , Xantippe.
Liebe Grüße
Piet
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#31

Beitrag von Tonski » Mi 21. Jun 2006, 17:21

Lieber Clemens,
leider war ich einige Tage nicht im Internet und kann Dir erst heute antworten:
was Wader und co. betrifft -übrigens auch sehr stark R.Mey -so sind deren ideologische Lieder für mich sicherlich auch deren schwächste und rein politische Liedermacherei war für mich -so wie die sogenannt christliche -immer ein Greuel!
Das wunderschöne Gedicht , eigentlich wohl mehr Gebet -von Bonhöfer, so weit ich weiß von ihm kurz vor seiner Ermordung geschrieben, ist auch mir sehr wichtig. Im Zusammenhang mit den Liedermachern scheint es mir aber unpassend!
Nein ich bleibe dabei, ganz egal ob religiöse oder sonstige "Ideologie", beides taugt nur bedingt für die Kunst!
Oder besser gesagt, nur indirekt: in irgend einem Lied von Mey erwänt er in einem Nebensatz den "Simon von Kyrene", quasi als Beispiel für uneigennützige Hilfe auch in ausweglosen Situationen. Ich erinnere mich gut, daß diese kleine "Randbemerkung" für mich von Jahrzehnten mehr Symphatie für Religiöses ausgelöst hat, als all zu dick
aufgetragene Frömmigkeit. Heißt es nicht irgendwo im NT, daß man so beten soll, daß kein anderer etwas davon bemerkt!
herzliche Grüße
Tonski
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#32

Beitrag von Clemens » Do 22. Jun 2006, 07:55

Hallo Tonski,
eigentlich liegen wir mit unseren Meinungen, wie so oft, näher, als es der Faden vermuten ließe.
und rein politische Liedermacherei war für mich -so wie die sogenannt christliche -immer ein Greuel!
Sobald sich ein Künstler von einer Idee vereinnahmen lässt und sie sozusagen propagiert, ergeht es mir genauso. Einem "Transportmittel" kann ich nichts abgewinnen.
Setzt er sich mit derselben Idee auseinander und bezieht möglicherweise dabei auch Stellung, dann sieht es für mich völlig anders aus.
Heißt es nicht irgendwo im NT, daß man so beten soll, daß kein anderer etwas davon bemerkt!
So heißt es zu Recht. Ich glaube, dass D.B. nicht einen Moment lang daran gedacht hat, dass sein Gebet, welches er (auch) zum Trost für seinen Lieben aufgeschrieben hat, jemals ein Lied und öffentlich bekannt würde.
Sehr viele (für mich!) wirklich guten Lieder sind als solche nicht "angelegt".
Ich war mir bewusst, das die Auswahl dieses Liedes durchaus als unpassend empfunden werden würde. Ich wollte sozusagen einen Schubladen aufbrechen.
religiöse oder sonstige "Ideologie", beides taugt nur bedingt für die Kunst!
aber bedingt schon, sie ist die Möglichkeit für den Künstler sich mit dem Rahmen oder aber auch mit dem Inhalt zu befassen. Ein "Ideologie-Transport-Lied" ist wie ein Rahmen ohne Bild. Das Eigentliche fehlt mir.
Kunst um der Sache Willen ist mir notwendiges Brot. Dazu ist es notwendig, dass sie aus dem Kämmerlein heraustritt, mir sichtbar wird. Und es gibt kein Thema, was sie nicht "behandeln" dürfte. Die Frage der Angemessenheit beantwortet sich, wie wir hier immer wieder erfahren, subjektiv weit gefächert.
Liebe Grüße von Clemens :-)
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#33

Beitrag von Klajokas » Do 22. Jun 2006, 10:33

Hallo,
da bin ich an sich bei einem meiner Lieblingsthemen...
Wie sang H.D. Hüsch...... " Schublade auf und rein mit dir "
Interessant ist in unserer Diskussion zu den christlichen Liedermachern , dass wir dieses Schubladendenken auf alle möglichen Liedermacher anwenden : Mey Schublade gesellschaftskritisch, Wader sozialistisch und und.
Aber ist es nicht gerade das, was wir oder auch die Liedermacher nicht wollen ?
Für mich ist der Unterschied zwischen Schlagergedudel ( Was ich mir manchmal auch ganz gerne anhöre ) und der Lyrik aller Liedermacher doch eben Toleranz, Liebe, Frieden, Gewaltfreiheit und und und... Kann ich da einfach eine Schubladenverpackung vornehmen und typisch deutsch in Ordner packen ?
Ich glaube nicht.
Für mich ist christlich weder katholisch noch evangelisch sondern einfach Inhalt. Und die Aussageunterschiede sogenannter christlicher zu "normalen" Liedermachern
sind da kaum vorhanden. Es sei denn man rechnet moderne Kirchenlieder dazu.
Gruß Klaus
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Skywise
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#34

Beitrag von Skywise » Do 22. Jun 2006, 12:00


Klajokas schrieb:
Für mich ist der Unterschied zwischen Schlagergedudel ( Was ich mir manchmal auch ganz gerne anhöre ) und der Lyrik aller Liedermacher doch eben Toleranz, Liebe, Frieden, Gewaltfreiheit und und und... Kann ich da einfach eine Schubladenverpackung vornehmen und typisch deutsch in Ordner packen ?
Ich glaube nicht.
Huuuuh ... vorsichtig ...
Toleranz, Liebe, Frieden, Gewaltfreiheit - das findet man in der Regel auch beim Schlager (den ich auch mitunter ganz gerne mal höre, wenn's jetzt nicht gerade Andy Andres mit "a quadrat mal b mal Wurzel piep" ist oder so was anderes Matschbirniges ...). Es gibt einige Liedermacher, die durchaus schon mal dazu aufgefordert haben, die Ärmel hochzukrempeln und sich zu widersetzen - und auch in diesen Kreisen herrschte nicht immer Schmusekurs. Besonders eindrucksvoll ist das auf Wolf Biermanns "Es geht seinen sozialistischen Gang" in einer Diskussion über russische Panzer festgehalten worden. Auch wenn ein Liedermacher Stücke aus der Pariser Kommune oder dem Spanischen Bürgerkrieg in sein Repertoire aufnimmt, sind das nicht immer die resignierten, sondern auch schon mal die kampflustigen.
Für mich ist christlich weder katholisch noch evangelisch sondern einfach Inhalt. Und die Aussageunterschiede sogenannter christlicher zu "normalen" Liedermachern sind da kaum vorhanden. Es sei denn man rechnet moderne Kirchenlieder dazu.
Gott bzw. die Dreifaltigkeit nimmt in den Liedern der christlichen Liedermacher eine zentrale Rolle ein. Um ihn, seine Güte und seine Macht drehen sich die meisten Lieder. Dabei sind es aber häufig eben keine Kirchenlieder. Es gibt sogar Lieder ("Höchst erbauliche Gedanken" von Manfred Siebald fällt mir da spontan ein), die man definitiv so niemals in irgendeinem Gottesdienst hören wird, weil sie sich nämlich auch ein wenig über die Kirche lustig machen (im Falle dieses Stücks schweifen die Gedanken eines Mannes im Gottesdienst ab und er beschäftigt sich eher mit der Inneneinrichtung der Kirche oder einer knarrenden Bank als mit den Worten des langweiligen Pastors).
Nehmen wir nochmal Manfred Siebald, um den Unterschied deutlich zu machen:
Die Fliege ist tot, ich hab' sie erschlagen,
jetzt habe ich Ruhe, sie nervt mich nicht mehr,
was mußte sie auch um die Lampe jagen,
als wenn sie nicht richtig im Kopfe wär'?
Manfred Siebald, "Die Fliege ist tot", 1. Teil der 1. Strophe
(Zitat erfolgte aus dem Gedächtnis, eventuelle Abweichungen vom Original sind nicht beabsichtigt und sollten dem Verfasser des Beitrags nach Möglichkeit nachgesehen werden :-D)
Diese Ausgangsposition wird man sicherlich auch bei einigen anderen Liedermachern (und Liedermachings) finden - eine Fliege. Was ein "normaler" Liedermacher aus dieser Ausgangssituation machen würde, weiß ich nicht - es hängt vom Liedermacher, seinem Können und seiner Absicht ab. Ein christlicher Liedermacher dagegen wird nun versuchen, Gott, die Schöpfung oder die Hoffnung auf eine christliche Zukunft oder das Leben nach dem Tode / das Paradies mit in seinen Text einfließen zu lassen.
Tatsächlich liefert Siebald noch eine kleine Überleitung, die ich leider spontan nicht mehr zusammenkriege (die Fliege verschwindet mitsamt dem Mordinstrument - eine Zeitung, wenn ich mich richtig erinnere - im Papierkorb), und der Fliegenmörder fängt sodann an zu sinnieren:
Wie wäre es, wenn Gott so wär' wie ich
und gleich erschlüg', was ihm mißfällt -
wer könnte dann dem Tod entflieh'n?
Er hätte Christus nicht gesandt für mich,
für meine Schuld und die der Welt,
damit ich leben kann durch ihn,
durch ihn.
Manfred Siebald, "Die Fliege ist tot", Refrain
(Auch dieses Zitat erfolgte aus dem Gedächtnis, eventuelle Abweichungen ... nun ja ... siehe oben :-D)
"Die Fliege ist tot" ist definitiv kein Kirchenlied, aber die Aussage unterscheidet sich meiner Ansicht nach ziemlich deutlich von der, die ein "normaler" Liedermacher wahrscheinlich mit solchen Ausgangszeilen angestrebt hätte.
Gruß
Skywise
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#35

Beitrag von Petra » Do 22. Jun 2006, 12:32

Hallo Sky,
danke, endlich mal ein konkretes Beispiel, sehr schön.
Ich dachte, es kommt der Vergleich mit der Fliege von ... Du weißt schon.
Grüßle, Petra
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#36

Beitrag von Tonski » Do 22. Jun 2006, 12:54

Lieber Skywise,
aber eigentlich beweist Du mir mit Deinem Zitat

Skywise schrieb:
Wie wäre es, wenn Gott so wär' wie ich
und gleich erschlüg', was ihm mißfällt -
wer könnte dann dem Tod entflieh'n?
Er hätte Christus nicht gesandt für mich,
für meine Schuld und die der Welt,
damit ich leben kann durch ihn,
durch ihn.

worauf ich eigentlich hinaus will. Das ist letzlich doch einfach ein Kirchenlied, kein Lied im Sinne der "Liedermacherei" , kein Chansons, auch kein Volkslied. Es mag einem gefallen, weil man daran glaubt, oder mißfallen, weil man nicht glaubt, beides ist legitim. Aber es ist Propaganda, in diesem Fall eben "proganda Dei". Das ist gut so, aber daher ist es ein Kirchenlied!
Nein es bleibt dabei, es war eine der bleibenden Folgen der europäischen Aufklärung, daß eben hier die Trennung entstanden ist; beides kann im guten Falle friedlich nebeneinander bestehen und sich auch geistig befruchten, aber es bleiben zwei verschiedene Dinge, die Kunst und die Religion!
mlg
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#37

Beitrag von Guest » Do 22. Jun 2006, 13:00

@Tonski
"... es bleiben zwei verschiedene Dinge, die Kunst und die Religion" -
das ist auch meine Meinung.
Gruß, X.
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#38

Beitrag von fille » Do 22. Jun 2006, 13:26

... es bleiben zwei verschiedene Dinge, die Kunst und die Religion" -
das ist auch meine Meinung.

Wieviel ärmer wäre die Welt, wenn es keine religiöse Kunst (Musik, Gemälde, Bauwerke) geben würde! Stellt euch das mal vor!
Gruß, Marianne
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#39

Beitrag von Petra » Do 22. Jun 2006, 14:21

Hallo Günter,
Aber es ist Propaganda, in diesem Fall eben "proganda Dei". Das ist gut so, aber daher ist es ein Kirchenlied!
:frage: Ich habe mir jetzt nicht die Mühe gemacht, die Definition für 'Kirchenlied' herauszusuchen, aber rein gefühlsmäßig denke ich, das sollte ein Lied sein, das man hie und da in einem Gottesdienst zu hören bekommt. Oder man sollte es in einem kirchlichen Gesangsbuch finden können. Und da plagen mich im vorliegenden Fall gewisse Zweifel. :gruebel:
Liebe Grüße von Petra

P. S. In Deinem Beitrag war drei Mal der Befehl 'Zitat-Anfang' zu finden, aber kein einziges Mal der Befehl 'Zitat-Ende'. Ich habe mir erlaubt, das zu berichtigen, damit es nicht so verwirrend aussieht. Gruß, Petra
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#40

Beitrag von Clemens » Do 22. Jun 2006, 14:55

Hallo,
@Tonski
"... es bleiben zwei verschiedene Dinge, die Kunst und die Religion" -
das ist auch meine Meinung.

Ich glaube das steht doch für alle außer Frage. Die Kunst ist nur die Kunst!
Sie ist nie Religion, Politik oder was immer wir in ihr sehen mögen. Wenngleich sie alle Bereiche menschlichen Denkens aufnimmt und nicht selten beeinflusst.
Sie ist einzig das, was ihr Schöpfer uns schenkt.
Ich fände uns auch um vieles ärmer, würden wir es religiösen oder politischen oder überhaupt "andersdenkenden" Menschen absprechen künstlerisch zu empfinden und das befruchtend auszudrücken.
Liebe Grüße von Clemens :-)
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