Ein Gedicht

Ein Lied besteht nicht nur Melodie und Rhythmus, sondern auch aus einem Text, der im Idealfall auch noch eine Botschaft vermittelt, tröstet oder wachrüttelt, beruhigt oder aufwühlt. Viele Lieder sind gesungene Geschichten und Gedichte. Erzähl uns von dem interessanten Buch, das Du gerade liest oder dem Gedicht, das Dich schon lange beschäftigt. Lass uns teilhaben an den Gedanken, die dir beim Lesen/Hören gekommen sind. Suchst Du ein bestimmtes Buch/Gedicht/Lied? Hier kannst Du jemanden um Hilfe bitten.

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fille
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#1

Beitrag von fille » Mo 9. Apr 2007, 09:47

Guten Morgen!
Ich dachte mir, man könnte euch doch öfter mal ein Gedicht zu lesen geben.
Ich fange mit einem Gedicht an, das gut zum Liedermacher-Forum passt und das ich schon immer sehr geschätzt habe.
Ein kleines Lied
Ein kleines Lied! Wie geht's nur an,
Dass man so lieb es haben kann,
Was liegt darin? erzähle!

Es liegt darin ein wenig Klang,
Ein wenig Wohllaut und Gesang
Und eine ganze Seele.


Marie Ebner-Eschenbach
Schönen Ostermontag noch
Marianne
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amori
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#2

Beitrag von amori » Mo 9. Apr 2007, 18:16

Hallo !
Das ist eine prima Idee, Marianne. :hüpf:
Ich zeige euch jetzt eines meiner Lieblings-
gedichte- auch "liedermachertauglich":
Zum Einschlafen zu sagen
Ich möchte jemanden einsingen,
bei jemandem sitzen und sein.
Ich möchte dich wiegen und kleinsingen
und begleiten schlafaus und schlafein.
Ich möchte der Einzige sein im Haus,
der wüßte: die Nacht war kalt.
Und möchte horchen herein und hinaus
in dich, in die Welt, in den Wald.
Die Uhren rufen sich schlagend an,
und man sieht der Zeit auf den Grund.
Und unten geht noch ein fremder Mann
und stört einen fremden Hund.
Dahinter wird Stille. Ich habe groß
die Augen auf dich gelegt;
und sie halten dich sanft und lassen dich los,
wenn ein Ding sich im Dunkel bewegt.
R.M.Rilke

Schöne Restostergrüße
Annette :hasi:
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Clemens
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#3

Beitrag von Clemens » Mo 9. Apr 2007, 21:07

Liebe Amori,
wenn Du olle Rilke bedienst, will ich eine andere Quelle bemühen:
Signale
Den Erdball umfliegen die Stimmen der Dichter:
So viele Dichter aus so vielen Zeiten.
Ich sehe die Stimmen als kosmische Lichter
Einander sich nähern, einander entgleiten.
Doch wie sich nähern, empfangen sie Strahlen
Und senden einander Signale zu:
Sieh her, so verwandelte ich meine Qualen
In Leuchtkraft aus Worten. Und wie siegtest du
Über dich selber? Wie sind deine Zeichen?
Was hast Du aus Deinem Leben gemacht?
Wir können einander nur redend erreichen
Mit Worten aus Licht in der kosmischen Nacht.
Eva Strittmatter
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fille
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#4

Beitrag von fille » Fr 13. Apr 2007, 17:02

Noch'n Gedicht!
Früher, da ich unerfahren

Früher, da ich unerfahren
Und bescheidner war als heute,
Hatten meine höchste Achtung
Andre Leute.

Später traf ich auf der Weide
Ausser mir noch mehr Kälber,
Und nun schätz ich, sozusagen,
Erst mich selber.

Wilhelm Busch

Ich möchte darauf hinweisen, dass es mit Gedichten genauso wie mit Liedertexten ist. Sind sie älter als 70 Jahre, gibt es keine Probleme. Ansonsten sollten es nur Zitate sein. Die müssen wir dann allerdings etwas besprechen :-) .
Liebe Grüße
Marianne
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Mickey
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#5

Beitrag von Mickey » Fr 13. Apr 2007, 17:50

Liebe Annette
Zum Einschlafen zu sagen

Interessant, dass Du ausgerechnet dieses Gedicht ausgewählt hast. Eines meiner Lieblingsgedichte von Rilke.
Liebe Grüsse
Mickey
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amori
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#6

Beitrag von amori » Fr 13. Apr 2007, 23:00

Hallo ihr Literarischen !
Da wir jetzt nun schon mal dieses Forum
haben, würde ich auch mal schrecklich
gern was "Eigenes" von euch lesen !
Macht doch mal eure Schubladen auf
und schaut rein. Da liegen doch bestimmt
ein paar " Früh- oder Spätwerke " -Gedichte,
Songs, alte Schulaufsätze, Büttenreden,
Liebesbriefe o.ä. !

:-D:-D:-D
Ich bin echt gespannt
Annette :flücht:
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Chrizz
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#7

Beitrag von Chrizz » Sa 14. Apr 2007, 16:47

Ok, dann kommt hier mal was von mir selbst:
Es heißt `Abschied`
"Ich werde dich verlassen", hab ich zu ihr gesagt!
Es war mir endlich klar,
das dass, was lang schon an mir nagt,
nun endlich sicher war!
"Ich verlasse dich für immer.
Dein trauriges Gesicht
macht alles nur noch schlimmer.
Zurück komm’ ich doch nicht!
Versuche nicht, mich aufzuhalten.
Es hat gar keinen Zweck.
Zu lang hab ich es ausgehalten.
Ich bin für immer weg!
Nicht eine Herde wilder Pferde,
nicht Amors Urgewalten,
nicht alles Geld der ganzen Erde
könnten mich hier noch halten.
Ich wend’ mich neuen Dingen zu,
ganz gleich, was mir begegnet!"
Öffne die Tür, – und schlag’ sie wieder zu!
"Du hast Glück, mein Schatz, – es regnet!"
---------
Hat zwar jetzt nicht den direkten Liedermacher-Bezug aber ist was lustiges... :-)
Liebe Grüsse
Chrizz
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Skywise
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#8

Beitrag von Skywise » Sa 14. Apr 2007, 19:49

Mal was Passendes zum Thema.
Ist ein älterer Songtext ... so um '89 oder '90 rum entstanden, schätz' ich mal. Das nur bedingt vorhandene Versmaß war damals übrigens volle Absicht, heute würd' ich vielleicht einiges anders machen, aber - egal - so steht es halt geschrieben :-D

Des Dichters Talking Blues oder: Dichten ist oft schwerer
So manchen gibt’s in dieser Runde, der glaubt vielleicht,
Reime schmieden sei doch wie das Atmen so einfach,
doch Dichten kann mitunter harte Arbeit sein,
mitunter ist die Leichtigkeit nur schöne Illusion.
Darum bitt’ ich Sie, mit mir eine Runde zu dreh’n
und sich die Schwierigkeit der Arbeit ruhig mal anzuschau’n.
Es gibt Menschen, die mit Gedichten Kohle verdienen,
und es gibt andere - nun ja, die vergleichen sich mit jenen.
Und von diesen wird meist locker ins Blaue gedichtet,
meistens werden diese Werke von der Kritik verrissen.
Mancher meint vielleicht, man solle beim Schreiben
mit beiden Beinen immer schön auf dem Teppich stehen.
Doch ganz im Vertrauen: es ist schwerer, als man meint,
Dichten ist oft schwerer, als man annimmt.
Die besten Gedanken fallen mir ein
Nach dem Genuß von einem kleinen Gläschen Bier,
hab’ ich danach immer noch keine Idee,
versuche ich es hinterher mit einem Täßchen Rum.
Manchmal überlegst du den ganzen Tag lang hin und her,
denn du steckst plötzlich fest und es läuft nichts rund,
weil du die ganze Zeit über an einer Silbe hängst,
Dichten ist oft schwerer als du glaubst.
Mancher kann nicht anders (und ich kann’s ihm nicht verübeln),
als den lieben langen Tag nach einem Reim zu suchen!
Denn er überlegt und denkt und es fällt ihm nichts ein.
Und er sucht den ganzen Tag nach einem einzigen Vers.
Es gibt viele, die beim Dichten schon beinahe verzweifeln,
und die Dichterkunst und die Kultur einfach verdammen,
so manchem hat die Suche ganze Nächte geraubt,
Dichten ist oft schwerer als man denkt.
Es gibt so manchen, der ruft sogar den Himmel an:
„Herr, schenk’ mir Reime, ich bin doch auch nur ein Mensch!“
Ich sag’s Euch ja, genügend Leute fluchen,
weil sie nach den richtigen Reimen Ausschau halten.
Und während das innere Uhrwerk steht,
sieht man, wie der Wind über die Länder zieht,
und man fällt in Depressionen, mehr und mehr.
Und jetzt sag’ mir noch mal einer, Dichten wäre nicht schlimm.
So, das war’s zu diesem Thema, ich danke sehr,
ich hoffe, Sie schätzen ab jetzt meine Reime höher ein,
weil Sie jetzt wissen, wie ich manchmal schwitz’,
wenn ich beim Dichten an meinem Schreibtisch hock’.
Aber sicher, manche Reime liegen auf der Hand –
so wie Herzen / Schmerzen, das ist Ihnen ja vertraut.
Und ich meine, wenn Sie sich nicht genieren,
können Sie auch gerne mal das Dichten versuchen.
Und Sie stellen fest, nach einer Weile vielleicht:
also Dichten ist einfach Kinderkram!

Gruß
Skywise
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"Ist wirklich wahr - ich hab's in meinen Träumen selbst geseh'n ..."
Herman van Veen - "Die Clowns"

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Clemens
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#9

Beitrag von Clemens » Sa 14. Apr 2007, 22:32

Verteifelt aber auch Skywise, Du,
ich stehe bewundernd und sehe Dir einiges nach...

Sei lieb gegrüßt von Clemens :-)

P.s.: @ Marianne Bitte nutze doch Deine administrative Befugnis um den zitierten Gedichten von Herrn Rilke und Frau Strittmatter "nachbearbeitend" den blauen Zitatenrahmen zuteil werden zu lassen. Danke sehr!
Dieser Beitrag enthält 48 Wörter


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Rex2005
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#10

Beitrag von Rex2005 » So 15. Apr 2007, 09:19

@ Sky :klatsch: :klatsch: :klatsch:
:keineidee:
Sky ist ein Genie wie jeder wise
was er auch reimt, nie ist es Mist :wink:
LG
Rex2005
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Piet
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#11

Beitrag von Piet » Mo 16. Apr 2007, 20:29

Hallo,
dann gebe ich auch mal ein Gedicht von mir zum Besten. Lange ist es her, als ich es geschrieben habe. Völlig ungereimt ist es auch. Mir gefällt es trotzdem:
Menschen
Sie krabbeln auf allen Vieren umher
Sie stehen mit beiden Beinen im Leben oder
schwimmen unsicher von einer Insel zur anderen
Sie löschen Brände und Leben
Sie baden im Unrecht oder
treiben aufs offene Meer hinaus
Menschen reproduzieren Dagewesenes oder entdecken Neues
Sie haben Erfolg
Menschen verlieren im Flug an Höhe und sind
ein Leben lang damit beschäftigt
nicht abzustürzen
Im Alter betrachten sie dann vielleicht ihren Lebens- Lauf
Sie stellen fest, dass sie viele Gesichter hatten
Sie stellen fest, dass sie ihr eigenes nicht kennen
Hätten sie doch öfter in den Spiegel gesehen
sie hätten sich bestimmt wieder erkannt
Liebe Grüße
Piet :wink:
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amori
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#12

Beitrag von amori » Mo 16. Apr 2007, 23:14

Aber Hallo....
ihr seid klasse !
@Chrizz u. Sky:
Habt ihr die Texte vertont ?? Wenn nein-warum nicht ?
Wenn ja-wo ist der Song ???
@Piet:
Egal wie alt- Gutes ist zeitlos. Und "ungereimt " ist es
auch nicht !
Ähm...was jetzt kommt ist kein Song (aber wahr)
Über Schreibblockaden oder in Prag wäre alles anders
Heute ganz früh im Cafè
bei einem Latte Macciato
sehr italienisch
und nicht in Prag
deshalb nur müde Handwerker in fleckigen Hosen
eine Schwangere mit Zigarette
und der Türke wieder
der seit zwei Jahrzehnten
in Anzug und Krawatte durch die Stadt streift
Heimat suchend und jetzt grau
wie der Frühling
der noch nichts verspricht
alles ist wie immer
und nichts wird Poesie
sollte ich meinen Blick nach Innen wenden
der unsterblichen Worte wegen
die vielleicht- aber nur vielleicht-
zwischen einem Schluck Latte Macciato
und einem Zigarettenzug entstehen könnten
oder mein Glas auf das Abräumtablett stellen
und mir einfach sagen
dass Prag auch nicht mehr das ist, was es mal war
03/07
Gruß
Annette
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Chrizz
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#13

Beitrag von Chrizz » Mi 18. Apr 2007, 10:08

Nun, Annette, Abschied ist ein "reines" Gedicht. Ich denke auch mal, daß es so bleibt.
Ich hätte da aber auch noch einen Liedtext zum Liedermacher-Thema.
Mit dem Hörsaal komm ich aber nicht klar. Bin da technisch nicht so bewandert. Hab zwar ein paar meiner Lieder auf dem Computer, aber irgendwie krieg ich sie nicht "ins Netz". Ich arbeite dran. Ich denk, ich brauch da mal Hilfe. :-)

------
Alles live
Wenn der Fön dir nicht gefällt, gibt’s Geld zurück.
Du mußt auch die neuen Schuhe nicht behalten.
Das Leben bietet jede Art von Sicherheit zum Glück.
Und du brauchst es dann nur noch zu verwalten.
Schon komisch, wie ich finde, und ich denk:
Inzwischen ist im Leben fast alles austauschbar.
Vom Teelicht über Socken bis hin zum Kniegelenk.
Und wenn’s sein muß, auch die Ehefrau sogar!
Doch hier gibt’s
keine Kabel, kein Playback und keine zweite Chance.
Nichts andres gibt dir diesen Wahnsinns-Drive!
Kein doppelter Boden, kein Fangnetz fängt dich auf.
Und das ist besser als alles andere. Alles ich – Alles live!
Das Sprichwort sagt: Wer abrutscht, darf noch einmal!
Die verkorkste Filmszene schneid’n wir raus.
Fast jedes Körperteil gibt es zweimal.
Und auch kein Filmheld kommt ohne Stunt-Double aus!
Der Megastar aus USA, der`n Haufen Kohle macht.
Bringt schon wieder seinen Dudelhit, jeder kennt ihn schon.
Hüpft und gröhlt und gibt sich cool, wie überheblich er lacht,
doch seine Lippen sind alles andre als synchron.
Doch hier gibt’s
keine Kabel, kein Playback und keine zweite Chance.
Nichts andres gibt dir diesen Wahnsinns-Drive!
Kein doppelter Boden, kein Fangnetz fängt dich auf.
Und das ist besser als alles andere. Alles ich – Alles live!
Und sie strah’n wie Diamanten im Schein des Lichts.
Nicht die kleinste Angstschweißperle bleibt verborgen.
Du fühlst dich wie der Fallschirmspringer beim Sprung ins Nichts.
Wie zu lieben ohne Sorgen von Morgen!
Rausgehen mit dem heißen Herzen in der Hand.
Dein Puls ist nicht mehr messbar, so scheint es dir.
Du bist total bescheuert, sagt dir deinVerstand.
Doch nirgends bist du jetzt lieber als hier!
Doch hier gibt’s
keine Kabel, kein Playback und keine zweite Chance.
Nichts andres gibt dir diesen Wahnsinns-Drive!
Kein doppelter Boden, kein Fangnetz fängt dich auf.
Und das ist besser als alles andere. Alles ich – Alles live!
-------
Viel Spaß :wink:
Chrizz
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amelkin
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#14

Beitrag von amelkin » Mi 25. Jul 2007, 13:51

Yuppie-Blues auf Deutsch

Nacht und Tag.
Rund um die Uhr.
Jahrelang.
Und wofür?
Business-Plan.
Plan-Prospekt.
Büro. Bank.
Groß-Projekt.
Terminal.
Passkontrolle.
Stoppsignal.
Safe. Parole.
Autobahn.
Kaffeepause.
Restaurant.
Warme Speisen.
Telefon.
Telefax.
Wenig Schlaf
wegen DAX.
Krise kommt!
Dann Fortschritt.
Stress und Schock
auf Schritt und Tritt.
Business-Class.
Yuppie-Klub.
Anzug. Jazz.
Reich und hübsch.
Traf und küsst'.
Lud sie ein.
Kurze Lust.
Bracht' sie heim.
Haus. Garage.
Limousine.
Dusche. Massage.
Therapie.
Fitness-Saal.
Post. Bilanz.
Immunal.
Stimulans.
Nichtigkeit.
Bedrücktheit.
Nebel. Nacht.
Einsamkeit...
Viele Visa.
Junger Mensch.
Epikrise.
Impotenz.
Das ist Yuppie-Blues!
Das ist Yuppie-Blues!
Geschäft mit einem Yuppie
ist erfolgreich und glücklich!
Das ist Yuppie-Blues!
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Tesch
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Ein Gedicht

#15

Beitrag von Tesch » Do 26. Jul 2007, 16:28

Ein kleiner Versuch im Dichten meinerseits.

Wie von Sinnen
Als wie auf Alkoholika.
Benebelt Sinne und Verstand.
Die Liebe ist ein Rausch, wohl war!
Und setzt mein Inneres in Brand.
Beginn ganz zaghaft zu Probieren,
scheu ob der Wirkung, die da folgt,
um kurz drauf mehr zu konsumieren.
Will mehr davon. Der Engel Gold.
Mein Blick wird trübe, seh’ nur Gutes.
Rosarot erscheint die Welt.
Mir wachsen Flügel. Frohen Mutes
flieg’ ich davon gen Himmelszelt.
Doch die Ekstase währt nur kurz.
Zu hoch, zu weit bin ich geflogen.
Wie Ikarus, droht mir der Sturz.
Ich lande unsanft. Hart der Boden.
Nach dem Rausche grüßt der Kater
und mein Blick wird langsam klar.
Dem Kotzen folgt so gleich Theater.
Ich lieg’ in meiner Breche dar.
Das ist, was einem letztlich währt.
Man fühlt sich kraftlos, matt und leer
und lernt nicht draus. Es läuft verkehrt.
Ich sag wie oft nur „Nimmermehr“.

Gruß Unkrauts Sascha
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#16

Beitrag von amelkin » Di 23. Okt 2007, 00:27

Mit Schreiben vom 09.10.07 erhielt Alexander Amelkin die Bestätigung, dass sein Gedicht 'Der Yuppie-Blues' zum Abdruck in die Edition 2007 der Brentano-Gesellschaft Frankfurt/M. mbH, Redaktion der Frankfurter Bibliothek aufgenommen wurde.
Die Frankfurter Bibliothek ist ein Werk zur Dokumentation deutscher Dichtung und eine Auslese deutschsprachiger Schriftsteller, die von bedeutendsten Literatur- und Forschungseinrichtungen wie der Österreichischen Nationalbibliothek Wien angekauft wird. Die Deutsche Bibliothek weist sie als Nationalbibliothek Deutschlands ebenfalls nach. Sie ist auch in den Staatsbibliotheken zu Berlin, Hamburg und München, in der Schweizerischen Landesbibliothek, in der Französischen Nationalbibliothek und in der weltgrößten Bibliothek, der Library of Congress in Washington D.C. eingestellt. (Quelle: www.brentano-gesellschaft.de)
Augsburger Allgemeine (Bayern, Deutschland) über Yuppie-Blues von Alexander Amelkin: "Diese Minidramen werden auf dem Spaziergang ganz verschiedenartig in Szene gesetzt, mal als Performance, mal im Tanz, mal als gespielter Dialog und mal als gesungener Yuppie-Blues." (Quelle: AZ, 28.07.2006, Seite: 28)
http://www.pr-inside.com/de/mit-schreib ... 259922.htm
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#17

Beitrag von fille » Mo 11. Aug 2008, 14:58

Hallo liebe Leseratten!
Ich schmökere zur Zeit in dem Sammelband "Bäume" (Betrachtungen und Gedichte von Hermann Hesse).
Zwei schöne Gedichte sind mir untergekommen, die mich auch an Lieder von Reinhard Mey denken lassen.

Gestutze Eiche
Wie habem sie dich, Baum, verschnitten,
Wie stehst du fremd und sonderbar!
Wie hast du hundertmal gelitten,
Bis nichts in dir als Trotz und Wille war!
Ich bin wie du, mit dem verschnittnen,
Gequälten Leben brach ich nicht
Und tauche täglich aus durchlittnen
Roheiten neu die Stirn ins Licht.
Was in mir weich und zart gewesen,
Hat mir die Welt zu Tod gehöhnt,
Doch unzerstörbar ist mein Wesen,
Ich bin zufrieden, bin versöhnt,
Geduldig neue Blätter treib ich
Aus Ästen hundertmal zerspellt,
Und allem Weh zu Trotze bleib ich
Verliebt in die verrückte Welt.



Im Nebel
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.
Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war,
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.
Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allem ihn trennt.
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.


Na? An welche Mey-Lieder musste ich wohl denken?
Liebe Grüße
Marianne
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#18

Beitrag von amori » Di 12. Aug 2008, 00:15

Hallo Marianne,
ja, Hesse ist auch als Lyriker nicht zu verachten !
An welche RM-Lieder du dabei denkst ?
Ich zumindest muss passen, der absolute Kenner seines Gesamtwerkes
bin ich ja nicht gerade.
Aber ich bin gespannt auf die Antwort.
Ich habe gerade den Thread nochmal ganz gelesen und bin wieder begeistert, wie viele Texte unserer Dichter und Denker aus der Schublade geholt wurden.
Habt ihr noch mehr davon ? Oh biiiittte- schaut doch mal nach ! :goethe:

Liebe Grüße
Annette
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#19

Beitrag von fille » Di 12. Aug 2008, 10:56

Hallo Amori!
An welche RM-Lieder du dabei denkst ?
Ich zumindest muss passen, der absolute Kenner seines Gesamtwerkes
bin ich ja nicht gerade.
Aber ich bin gespannt auf die Antwort.


Hm, es ist natürlich Gefühlssache. Vielleicht errät es noch jemand.
Das erste Lied ist ein sehr altes und das zweite ein neues.
Liebe Grüße
Marianne
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#20

Beitrag von Clemens » Di 12. Aug 2008, 20:28

Liebe Marianne,
vermutlich meinst Du
"Ich bin aus jenem Holze geschnitzt"
als das alte Lied und als das neue dann
"Allein"...

Liege ich da richtig?
herzlich Clemens :-)
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