Eure Lieder und die Geschichten dahinter

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Petra
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Eure Lieder und die Geschichten dahinter

#61

Beitrag von Petra » Fr 9. Okt 2015, 22:33

Hallo cARSCHti,
alle Achtung :hutzieh:, jetzt wundert mich nicht mehr, dass Uwe das Lied so gut gefällt. Das ist der beste Text von Dir, den ich kenne, d. h. ich muss gestehen, dass ich nicht alle kenne. :rotwerd: Aber dieser hier ist jedenfalls sehr gelungen.
Auch die Umsetzung von Uwe finde ich sehr gut; Du hattest es vor 22 Jahren ja ziemlich eilig ;-) und hast den ganzen Text samt Vor- und Zwischenspiel in nicht einmal zwei Minuten untergebracht.
Viele Grüße und die besten Wünsche zur Genesung
von Petra. :flower:
Dieser Beitrag enthält 92 Wörter


Man würde nie mehr Waffen schärfen,
wenn man folgendes bedenkt:
Es braucht die Flinte nicht ins Korn zu werfen,
wer sie beizeiten an den Nagel hängt!
(Christian Grote - Chrizz)

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Carsten K
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Eure Lieder und die Geschichten dahinter

#62

Beitrag von Carsten K » Di 13. Okt 2015, 21:41

Und gleich ein Song nachgereicht, der zwar schon anderhalb Jahre alt ist, der letzte Teil aber gerade neu geschrieben.
Wieder zunächst der Text:

Hamsterrad
Unterwegs in Berlin-Mitte ohne jegliche Ortskenntnis
Um so stärker das Bedürfnis nach viel Liebe und Verständnis
Da sprach mich ein junges Mädchen an und griff mir in den Schritt
"Ich bin die Schackeline, na wie wär's, kommst du mit?"
Ich dachte, warum nicht, vielleicht spendiert sie mir ein Bier
Doch wie ging' nicht in die Kneipe, sondern direkt rauf zu ihr
Sie wirkte leicht gehetzt und strich sich durch die Dauerwelle
"Bevor du dich jetzt auszieh'n tust, zunächst das Finanzielle!"
Ich wunderte mich zwar, doch was sein muss, musste sein
Ich dachte zahl' ich gleich in bar und zückte 'nen Fünf-Euro-Schein
Mehr hätt' ich leider nicht, denn ich sei schließlich auf Hartz vier
Da zückte sie ihr Pfefferspray und zeigte auf die Tür Ich sagte
Hey Schackeline
Halt doch mal inne
Atme tief ein und dann wieder aus
Mach dich einfach mal locker und nimm dich mal raus
Dieses Hamsterrad
Diese Höllenmaschine
Sieht doch nur von inne' drinne'
Wie ne Karriereleiter aus
Sie hat das auch gleich eingeseh'n und ging an ihre Kühlschrank
Und holte mir ein Bier, ich sagte höflich "Schönen Dank!"
Sich selber so ein Fläschchen mit der Aufschrift "Club Mate"
Sie prostete mir zu, sie hieß' in Wirklichkeit Renate
Sie käm' auch nicht von hier, sondern aus Löhne/Ostwestfalen
Und ich müsste für mein Bier selbstverständlich nichts bezahlen
Sie tät' an der TU Germanologistik studier'n
Doch irgendwie, da müsse sie das schließlich finanzier'n Ich sagte
Hey Renate
Was ich dir jetzt rate
Atme tief ein und dann wieder aus
Mach dich einfach mal locker und nimm dich mal raus
Dieses Hamsterrad
Diese Höllenmaschine
Sieht doch nur von inne' drinne'
Wie ne Karriereleiter aus
So wurden wir ein Liebespaar und nenn' einander Schatz
Von ihr'm Ersparten kaufte sie ein Haus am Kollwitzplatz
Sie meint, das täte sich rentieren, Eigentum zu haben
Sie gibt, seit wir hier wohnen, sogar Deutsch-Kurse für Schwaben
Französisch hat sie selbstverständlich auch im Angebot
Sie sorgt, muss ich schon eingesteh'n, für unser täglich Brot
Ich selber lern' grad an der VHS, wie ich wen pierce
Mein Nachbar hat schon angefragt, der nette Opa Thierse Ich denk'
Ach Schackeline
Hier drauße' im Grüne'
Hier am Kollwitzplatz am Prenzlauer Berg
Ist das Leben entspannt, und das ist dein Werk
Dieses Hamsterrad
Diese Höllenmaschine
Diesen Stress und den Moloch der Großstadt
Hab'n wir doch beide gründlich satt
Und hier der Link zum Anhören:
http://www.carschti.com/sonstige_Aufnah ... terrad.mp3
Die Ursprünge des Liedes stammen von Anfang 2013, als ich nach dreijährigem Exil in der ostwestfälischen Provinz nach Berlin umgezogen bin. Bis es dann fertig war, hat es ein Jahr gedauert, und letzte Woche habe ich den letzten Refrain noch mal neu geschrieben, weil ich damit nicht zufrieden war, und das ganze dann auch noch mal neu aufgenommen.
Mein tatsächlicher Umzug nach Berlin ist aber nicht so spektakulär verlaufen wie im Lied geschildert. Ich wohne auch nicht am Prenzlauer Berg, und "Opa" Thierse ist auch nicht mein Nachbar.
Doch ich hatte nur kurz vor dem Umzug ein langes Interview in der "Zeit" gelesen, ein Interview mit einer Berliner Studentin, die sich ihr Studium als Prostituierte finanzierte (und wohl gerade ein Buch darüber geschrieben hatte). Jedenfalls hatte sie die Geschäftsidee, nach ihrem Studium ein Bordell für gutsituierte, intellektuell hochgebildete und emanzipierte Hausmänner zu eröffnen, solche, die normalerweise niemals ein Bordell betreten würden und sich vorzugsweise am Prenzlauer Berg angesiedelt haben...
Kurz nach meinem Umzug ging eine Äußerung von Wolfgang Thierse (jahrzehntelanger Bewohner des Prenzlauer Bergs, auch schon zu DDR-Zeiten) durch die Medien, in denen er sich darüber beklagte, dass es beim Bäcker um die Ecke keine "Schrippen" mehr, sondern nur noch "Wecken" zu kaufen gebe, und dass sich die Schwaben hier endlich daran gewöhnen sollten, dass sie in Berlin seien, wo es nie eine "schwäbische Kehrwoche" gegeben habe...
Die Idee, dass man sich aus diesem "Hamsterrad", in dem man sich wie auf einer "Karriereleiter" vorkommt, besser befreien sollte, hatte ich allerdings schon damals und habe sie heute noch immer. Auch was Liedermacher betrifft, ich kenne einige, gerade solche, die (noch) nicht so bekannt sind, die unglaubliche Energien aufwenden, um bekannter und bestenfalls "berühmt" zu werden, also "Karriere" zu machen. Manchen gelingt das in einem gewissen Rahmen für eine gewisse Zeit sogar, aber bei nicht wenigen habe ich den Eindruck, dass sie damit nicht wirklich glücklich sind...
Aber ich will nicht über die anderen reden, denn ich selbst war ja viele Jahre auch so drauf. Inzwischen mag ich zwar in den Augen mancher zu wenig ehrgeizig geworden sein (als Liedermacher und im meinem Beruf), aber ich bin glücklicher damit. Insofern ist gerade dieses Lied ein besonders Wichtiges für mich, bei allem Klamauk um Schackeline und Opa Thierse... ;-)
Dieser Beitrag enthält 876 Wörter


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Eure Lieder und die Geschichten dahinter

#63

Beitrag von Incredible » Mi 21. Okt 2015, 20:49

Hallo,
ich trau' mich jetzt mal auch ein Lied und seine "Geschichte" zu veröffentlichen... Das Lied ist ursprünglich aus Frust entstanden... Aus Frust darüber, dass ich zwar inzwischen mein Hobby, Liedermacher sein, finanzieren kann, aber nicht mehr die Zeit dafür habe, es wirklich auszuüben...
Arbeitstitel
Ich hab' es immer befürchtet,
und dann ist es gescheh'n.
Obwohl ich auf der Hut war,
hab' ich es nicht kommen sehen.
Meine allergrößte Angst,
eine ständige Gefahr.
Meine dunkelste Prophezeiung,
wird jetzt leider wahr,
und ich muss...
Refrain:
Ich muss arbeiten, ich muss arbeiten,
ich muss arbeiten geh'n...
Wie konnte das gescheh'n?!
Ich wollt' doch immer Rockstar sein,
ohne Sorgen um Geld.
Mit tausenden von Groupies schlafen,
überall auf der welt.
Ich wollte diese Welt verändern,
so, wie es sich gehört.
Doch diese Welt hat nun,
meinen Traum zerstört,
und ich muss...
Refrain
Ich hatte so viele Pläne,
unabhängig und auch frei.
Und ein geregeltes Leben,
war bestimmt nicht dabei.
Ich wollt' die Nummer eins sein,
ich allein' auf Deutschland-Tour.
Jetzt bin ich Nummer 73,
auf der Arbeitsagentur,
und ich muss...
Refrain
Der ganz große Durchbruch,
ist mir noch nicht gelungen.
Vielleicht hab' ich einfach,
die falschen Lieder gesungen.
Ich hab' viele gute Ideen,
bin für das Publikum bereit.
Doch um aufzutreten,
hab' ich leider keine Zeit,
denn ich muss...
Refrain
Das Schicksal meint es gut mit mir,
mein Traum wird endlich war.
Ein Plattenboss hat mich geseh'n,
und ich werd' über Nacht zum Star.
Ich kann überall meinen Namen,
in den Zeitungen seh'n.
Doch dann klingelt mein Wecker,
und ich muss zur Arbeit geh'n,
und ich muss...
Refrain
https://www.reverbnation.com/theincredi ... titel-2015
Ich hoffe, ihr habt Spaß am Lesen und Hören... Ich finde, es ist ein Lied für alle, die die Schwierigkeit kennen, den Spagat zwischen Hobby und Beruf, nicht unmöglich werden zu lassen... Man sollte nicht nur leben, um zu arbeiten, sondern auch noch Zeit für sich und seine Leidenschaft finden...
Danke, für Euer Interesse,
Euer T.I.M.
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Eure Lieder und die Geschichten dahinter

#64

Beitrag von Carsten K » Do 22. Okt 2015, 21:09

Hallo T.I.M.,
Danke für Deinen Beitrag! :-)
Besonders gut gefallen mir diese Zeilen:
"Ich wollt' die Nummer eins sein,
ich allein' auf Deutschland-Tour.
Jetzt bin ich Nummer 73,
auf der Arbeitsagentur"
Als ich arbeitslos war, hatte ich allerdings nicht so das Problem, keine Zeit für Auftritte zu haben, sondern das Problem, keine Auftritte zu haben, obwohl ich jede Menge Zeit dafür gehabt hätte. Aber ich hatte auch nicht so das Geld, um zu potentiellen Auftrittsorten (offene Bühnen, wo es meist ja auch keine Gage gibt) zu fahren... :cry:
Jetzt in Berlin hab ich wieder Arbeit und eine BVG-Jahreskarte, so dass ich jede Menge Auftrittsmöglichkeiten hätte, ohne dass es mich finanziell belasten würde. Wenn da bloß nicht der Job wäre - und der daraus resultierende Zeitmangel... :cry:
Du hast es in Deinem Song gut auf den Punkt gebracht: Unser Dasein als Hobby-Liedermacher ist schon mitleiderregend, oder? ;-)
LG Carschti
Dieser Beitrag enthält 157 Wörter


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#65

Beitrag von Nicky » Mi 28. Okt 2015, 07:43

Ihr lieben,
gerade las ich in der Zeitung, dass in diesem Jahr bereits 1,9 Mio Deutsche im Krankenstand waren, wegen psychischer Probleme oder Depressionen.
Ich habe vor einiger Zeit ein Lied geschrieben, das zu diesem Thema passen könnte….
Wer von uns hat sich nicht schon mal die Frage gestellt, ob man sich gerade vielleicht in einem Tief befindet, oder vielleicht doch auf dem Weg in eine echte Depression ist.
Ich habe viele Jahre ehrenamtlich an den Wochenenden in einem Heim für psychisch Kranke Frauen gearbeitet und auch dort ist mir aufgefallen dass der Weg von einem kleinen Tief bis zur wirklichen Depression manchmal nur ein ganz kurzer sein kann……
Dunkle Stunden

Wie konnte das passieren
Ihr Leben war perfekt
Immer nett und hilfsbereit
Verdiente sich Respekt

Sie kann sich´s nicht erklären
All das ist nun vorbei
Fühlt sich leer und hoffnungslos
Ihr Lebensglück entzwei

Refrain:
In diesen dunklen Stunden
Da ist sie ganz allein
Niemand kann ihr helfen
Fühlt sich unendlich klein

Niemand vergaß ihr Lachen
Stets alles Ihr gelang
Sie konnte über Grenzen gehn
Ein „Nein“ nie zu ihr drang

Nun weint sie in ihr Kissen
Die Leichtigkeit verlor´n
Es bleiben Angst und Traurigkeit
Und ein gewisser Zorn

Refrain:
In diesen dunklen Stunden
Da ist sie ganz allein
Niemand kann ihr helfen
Fühlt sich unendlich klein

Sie hatte wirklich alles
Vielleicht war das zuviel
Weniger ist manchmal mehr
Obwohl´s ihr schon gefiel

Im Teufelskreis gefangen
Das Glück verlorn, gelähmt
Nichts ihr mehr gelingen will
Es schmerzt wenn sie sich schämt

Refrain:
In diesen dunklen Stunden
Da ist sie ganz allein
Niemand kann ihr helfen
Fühlt sich unendlich klein

Wie kann man es benennen
Nennt man es depressiv
War sie denn bis heute nur
Ganz einfach bloß naiv?
Dieser Beitrag enthält 303 Wörter


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#66

Beitrag von Gesch » Do 29. Okt 2015, 15:31

respekt, liebe nicole...
ich halte dieses lied für ein typisches "ventil-lied", das entsteht, wenn man von einem ereignis, einer beobachtung, feststellung - einem thema - so gepackt ist, dass es einen nicht mehr loslässt, bis es "raus" muss und dann auch kommt...
dieser, wie ich finde, sehr gut gelungene text hat nur insofern mit dir selbst unmittelbar zu tun, als du diejenige bist, die es aufgeschrieben, und am ende mit einer eigenen reflektion versehen hat. aber du lässt andere an deiner wahrbehmung teilhaben.
ich bin gespannt auf deine kommenden beobachtungslieder, wenn sich dein berufliches umfeld ändert und du uns vielleicht in liedern an rückblicken, bilanzen und neuen eindrücken teilhaben lässt.
herzlich
gerd
Dieser Beitrag enthält 117 Wörter


Damit was geschieht, muss zunächst was passiern.
Muss man, eh sich was ändert, denn erst was verliern?
Eh man sich erholt, bleibt keine Zeit auszuruhn,
denn eh sich was tut, muss man selber was tun.


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#67

Beitrag von Nicky » Do 29. Okt 2015, 22:28

Vielen lieben Dank, Gerd. :-) Deine Zeilen motivieren mich einmal mehr weiter zu machen. Ich hoffe auch, das ich viele Beobachtungen in meinem neuen Beruf in Lieder umsetzen kann. Potenzial dafür bietet der Beruf ja eigentlich ;-)
Bevor der Herbst jetzt bald zu Ende geht, schieb ich schnell noch ein Herbstlied nach. Diesmal aber kein Beobachtungslied, sondern eher ein Beschreibelied, dass vor einigen Wochen entstanden ist, als ich meinen Schrebergarten winterfest gemacht habe. Im Herbst mag ich den Garten am liebsten. Wenn die Gemüsefelder schon abgeerntet sind und die Ernte schon fertig eingekocht in der Vorratskamner steht. Wenn der Rasen nicht mehr so schnell wächst und man im dicken Pullover auf der Gartenbank sitzen kann und dem Laub dabei zuschauen kann, wie es von den Bäumen fällt. Wenn er dann auch noch winterfest gemacht ist, dann heißt es warten und vorfreuen aufs nächste Jahr. :-) Kennt ihr das auch?
Herbstgarten
Oktober ist es und an der Zeit
noch einmal den Rasen zu mähen
sich keine Blume mehr blicken lässt
zu spät um noch neue zu sähen
Lavendelduft ist lang schon verweht
vertrocknet die lilanen Blüten
Von Ackerwinden die Hecke befreit
wo Vögel im Frühling sonst brüten
Nur Lauch und Kürbis noch auf dem Feld
viel gibt es jetzt nicht mehr zu ernten
In Gläsern die Beeren lang schon gefüllt
Als Jungvögel fliegen noch lernten
Das Werkzeug ordentlich weggestellt
doch vorher den Holzgriff noch ölen
Und für die Feier an Halloween
Sind Kürbisse auszuhöhlen
Refrain:
Der Herbstwind weht den Sommer fort
Weil sich die Jahreszeiten drehn
Nun fängt die Winterruhe an
im Frühling wird es weiter gehn
Der Pflaumenbaum verliert längst sein Laub
wird Zeit es zusammen zu rechen
Die Rose längst keine Blüte mehr hat
Doch spitz ihre Dornen noch stechen
Der Sommer vorbei, nun heißt es noch
den Garten jetzt winterfest machen
Im kalten Wind flattern draußen bereits
die ersten bunt tanzenden Drachen
Ein Netz noch über den Teich gespannt
das Frösche sich nicht dort verirren
und keiner dort den Kältetot stirbt
wenn Einstückchen hier bald schon klirren
Mit Futter füllen das Vogelhaus
für Vögel die hier noch verweilen
damit sie gut durch den Winter komm´
In der Kälte das Futter sich teilen
Refrain:
Der Herbstwind weht den Sommer fort
Weil sich die Jahreszeiten drehn
Nun fängt die Winterruhe an
im Frühling wird es weiter gehn
Dieser Beitrag enthält 422 Wörter


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Eure Lieder und die Geschichten dahinter

#68

Beitrag von Incredible » Fr 30. Okt 2015, 06:02

Moin Nicky, moin Gerd,
ich nehme nochmal Bezug auf den Text "Dunkle Stunden", der mich sehr berührt hat. Ein wirklich guter Text, den man auch anmerkt, dass er, wie Gerd es so treffend geschrieben hatte, einfach "raus" musste. Solche Lieder entstehen bei mir oft und sind mein Ventil. Und nun traue ich mich, Euch ein sehr persönliches Lied zu zeigen.
Dieses Lied entstand ca. neun Monate nach dem Tod meiner Stiefmutter, die wie eine zweite Mutter für mich war und nach neun Jahren letztendlich den Kampf gegen den Krebs verloren hatte. Das Lied ist für mich ein Teil der Trauerverarbeitung und Bewältigung.
Es Tut Noch Weh
Das Ziel Deiner Reise, stand schon lange fest,
auch wenn keiner von uns wollte, dass Du uns verlässt.
Für Dich war es besser, weil Du Dich jetzt nicht mehr quälst,
doch das ändert nichts daran, dass Du uns allen fehlst.
Ich hoff' Dir geht es gut, wo immer Du jetzt bist,
Du kannst Dir sicher sein, dass man Dich vermisst.
Refrain:
Es tut noch weh, wenn ich an Dich denke,
es tut noch weh, Dein Bild zu seh'n.
Es tut noch weh, wenn ich an Dich denke,
es tut noch weh, so furchtbar weh.
Dein Lachen, Deine Stimme, sind noch so präsent,
es tut noch weh, wenn jemand Deinen Namen nennt.
Du wolltest niemals, dass man um Dich weint,
doch es schmerzt alle, ohne Dich zu sein.
Auch wenn Du Dich gegen diese Vorstellung wehrst,
seh' ich nach oben und hoff', dass Du mich hörst.
Refrain
Die Zeit heilt alle Wunden, doch der Schmerz sitzt tief,
die Leere ist so riesig, die Du bei uns hinterließt.
Die Erinnerung an Dich, ist alles, was uns bleibt,
doch diese Erinnerung erfüllt und noch mit Leid.
Die Welt dreht sich weiter, egal, wohin ich geh',
doch ich muss gestehen, es tut noch immer weh.
Refrain

Dieses Lied kann man auch anhören. Leider ist die Qualität nicht gut, was aber nur an meinem tontechnischem Unvermögen liegt.
https://www.reverbnation.com/theincredi ... h-weh-2015
Vielen Dank für's Lesen,
Euer T.I.M.
Dieser Beitrag enthält 362 Wörter


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Eure Lieder und die Geschichten dahinter

#69

Beitrag von Gesch » Fr 30. Okt 2015, 17:08

hallo tim,
ventilöffnungen - für denjenigen, der es kann, eben auch über eine verarbeitung in einem lied - machen vieles erträglicher. da kommt es dann ja eigentlich auch gar nicht drauf an, was andere vom ergebnis der ventilöffnung halten. das wirft natürlich auch die frage auf, was man mit solchen liedern machen kann... öffentlich singen? wenn überhaupt: nur für tonträger? nur für sich alleine? solche lieder weisen auch schon mal qualitäten auf, die sich jeglicher bewertung entziehen, nicht zuletzt auch deshalb, weil sie ein schlaglicht auf einen hintergrund werfen, der sich anderen - vor allem emotional - nicht immer erschließen kann. aber dem autor kanns ja egal sein. der adressat / die adressatin sind ja andere
herzlich
gerd
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Eure Lieder und die Geschichten dahinter

#70

Beitrag von Burgunder » Mi 11. Nov 2015, 14:41

Hallo Zusammen,
nach der letztmaligen Diskussion versuche ich es mal.
Ich gehe mal chronologisch vor und zeige das erste Lied, was ich ganz alleine für die Liedermachingband VonFrühUndZuspätBurgunder geschrieben habe. Inspiriert von Die Ärzte, den Goldenen Zitronen, Rudi Carell und Mike Krüger ging es mir beim ersten Song zunächst mal darum, dass sich Zeilenenden Reimen und ich Gitarre spielen und singen gleichzeitig kann. Dem entsprechen überschaubar sind die Akkorde (GCDD, das ganze Lied durch...). Dann wartete ich, was mir für ein Unsinn einfällt, was relativ schnell gelang (Unsinn schien mir zu liegen). Dann viel mir aber etwas ein, dass auch mir Spaß auf der Bühne garantiert. Ich machte immer mehr Strophen dazu und wiederholte immer den selben Refrain um das schunkelwütige Publikum einzulullen. So konnte ich sicher sein, dass beim letzten Refrain auch alle mitsingen können. Denn dann... (siehe Pointe letzte Strophe).
Viel Spaß:
Text
Marcus Müller Thurgau – Blöd, blöd, blöd

(Kapo 3)
G C D D
Blöd, blöd, blöd, wir zwei sind beide
G C D D
Blöd, blöd, blöd, wir wollen Garnichts anderes
Sein, nein, nein
so was wie Schläue liegt uns
fern, fern, fern, drum haben wir uns beide
gern (gern, gern)

Als wie ich einer morgens aufwachte
Und über diese Welt hier nachdachte,
da wurde mir ganz schaurig
das machte mich sehr traurig
Da beschloss ich, dass tu ich lieber nicht
Da bleib ich lieber unbeschwert und schlicht
Dann traf ich dich, dir ging es ganz genau
so wie mir, auch du bist nicht so schlau
wir war’n zusammen saunen
Da sah man Leute staunen
So zwei wie wir fand man da sehr schön
Es ha’m uns alle andern angeseh‘n
Einmal kam das Arbeitsamt
Und die sagten allesamt
Wir bräuchten ‘ne Beschäftigung
Man schickte und zur Musterung
Doch schon nach ein zwei Tests
Stand für die Mannen fest
In unsrer großen Finanznot
Beschlossen wir „wir werden Pilot
Mit Stewardessen und Kerosin
Bekommen doch selbst wir das hin“
Kaum die Fliegerbrille aufgesetzt
Wurd’ der erste Lotse beigesetzt
Die Jobsuche wollten wir beenden
Und uns der Unterhaltung zuwenden
Ein bisschen Musik, kann ein jeder
Ob nun studiert oder ein Blöder
Jetzt gibt es kaum noch Gegenwind
Wir können bleiben wie wir sind
Ist doch egal, was andre sagen
Wir können einfach nicht mehr versagen
Jetzt tut auch niemand mehr was erwarten
wir sind wie ihr, normale Primaten
Wir sind wie ihr und ihr seid wie wir
Gemeinsam sind wir alle hier…
…wir sind blöd, blöd, blöd, wir sind alle
blöd, blöd, blöd, wir können Garnichts anderes
sein…
Video:
www.youtube.com/watch?v=y8A_OLu6rzQ
P.S.: Nicole und Carsten sind auch zu sehen, denn das Video ist von deren Jubiläumskonzert.
Dieser Beitrag enthält 483 Wörter


https://www.facebook.com/VonFruehUndZuspaetBurgunder
Viele Grüße:
Marcus Müller-Thurgau

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Eure Lieder und die Geschichten dahinter

#71

Beitrag von Carsten K » Mi 11. Nov 2015, 22:53

Lieber Marcus,
Müller-Thurgau, VonFrühUndZuspätBurgunder, Carsten und Nicole - jetzt wir mir einiges klar...;-) Und ich bin zwar nicht besoffen, aber richtig angeheitert von Deinem Song und von diesem Auftritt, fühle mich an die Stimmung bei meinem ersten LT 2004 erinnert, das eben dieser Carsten in Zell organisiert hat, in Zell an der Mosel. "Weine nicht, wenn die Rebe fällt", würde mir spontan als Textzeile einfallen, wenn ich ein LT-Lied über "mein erstes Mal" schreiben müsste... ;-)
"Blöd, blöd, blöd" mag kein intellektuell hochtrabender Text sein (will es ja auch nicht, oder?), aber mich erheitert und unterhält Dein Song, und die Leute in dem Video von dem Live-Konzert offenbar auch. Und die intellektuelle Botschaft von Peter Ustinov "Jetzt sind die guten Zeiten, nach denen wir uns in zehn Jahren zurücksehnen" passt dazu, und alle, die dabei waren, haben sie gelesen.
Danke, Marcus, für diesen Beitrag! :-)
Liebe Grüße
Carschti
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#72

Beitrag von Bardou » Do 12. Nov 2015, 11:03

... das ist jetzt mal echt richtig blöd! :müll:
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Eure Lieder und die Geschichten dahinter

#73

Beitrag von einefuermich » Sa 14. Nov 2015, 21:26

Entstanden im November des Jahres 2014, "am letzten Abend", in der Nacht vom 16. zum 17. nach bewegenden Eindrücken und einer langen Autofahrt.
Und: Jedes Wort ist wahr.


Die Gitarren

Als ich aufstand eines morgens,
den Tag erwartete voll Sorgen,
als ich schnell noch wagte einen kleinen Blick.
In das Forum mit den Menschen,
jederzeit da, ohne Grenzen;
entfernt nur einen lausigen Mauseklick.
Da, ich konnt' es kaum noch fassen:
eine Gitarre, ein Loslassen,
für die Liederbestenliste, für ein Lichtblick.
Er wird sie bis Berlin behüten,
wie ein Mann die Apfelbaumblüten!
Spielend in jedem einzigartig'n Augenblick.

Auch nach dem wirklich guten Essen,
konnt' ich die Geschichte nicht vergessen,
Diese Schenkung ging mir gar nicht aus dem Sinn.
Wer wird weiter auf sie achten?
Wird derjenige sie in die Vitrine verfrachten?
Oder wird sie bald voll erklingen, dieser Hauptgewinn?
Und was wird wohl geschehen,
mit den beiden andern, auf Tourneefotos oft zu sehen?
Zu dritt gaben sie der Tournee erst ihren vollen Klang!
Wo wird das ü'brige Duo steh'n?
Wird eine weiter Gitarre neue Wege geh'n?
Bin ich wirklich der einzige, der mit diesen Gedanken rang?

Und so fuhr ich am letzten Abend,
überglücklich doch stark fragend,
eine Nachricht neben mir, bis an den Berliner Rand.
Schnell notiert, ganz sicher, ohne Frage,
aber egal mit welchen Worten ich es sage;
er wird sie versteh'n, sie werden haben vor ihm bestand!
Aber wird er meine Nachricht je empfangen?
Oder setzt sie sich vorher fest, in dunklen Fangen,
eines Vorkosters mit unerbittlich harter Hand?
Ob mein Wunsch wird in Erfüllung gehen?
Zeit vergeht, ich werd' es sicher sehen,
wie ich auch deutlich sah auf der Tourneeabschlussleinwand:

Ein langen Moment, atemberaubend, faszinierend;
den Barden kniend, hingebungsvoll polierend,
sein Musikinstrument - wie seine Lieder geschaffen von Meisterhand!
Dieser Beitrag enthält 302 Wörter



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Eure Lieder und die Geschichten dahinter

#74

Beitrag von Burgunder » So 29. Nov 2015, 15:07

Ok, ich hau auch noch einen raus.
Je nach Subkultur ist man immer wieder mit starken Idealismen konfrontiert. In der Sache oft richtig, von mir auch gerne mitgetragen, lassen sie jedoch diejenigen, die krampfhaft versuchen diese umzusetzen oft an intolerant wirken, da es für sie ausschließlich die eine richtige Haltung oder Handlung gibt.
Die bittere Erkenntnis: auch ich selbst erwische mich fast natürlich bei Selbigem (siehe letzte Strophe). Also was tun? Es wenigsten versuchen, aber OHNE zu glauben, das man weiß was das richtige ist.
Viel Spaß!
P.S.: Drei Akkorde reichten mir mal wieder :-D
Marcus Müller-Thurgau –
Der Kunst-Tier-Mann
Wenn ich gerne Bilder male
Dann über beide Ohren strahle
Wenn ich ne Performance machen
So ne Interpretatoren-Sache
Wenn mich jeder falsch versteht
Und meine Wichtigkeit nicht sieht
II: Wenn dem all so ist werde ich Kunst-Aktionist :II
Wenn ich gerne Tiere rette
Und mich gern an Gleise kette
Wenn ich trotz des Hungerlohn
Fleißig beziehe Ökostrom
Wenn ich mich zu Imagepflege
In nem VW T3 (Bus) bewege
II: Wenn dem all so ist werde ich Ökoaktivist :II
Wenn ich keine Männer mag
Und ich fühl mich richtig stark
Wenn ich gerne Blumen pflücke
Und mir nur Rosin‘ rauspicke
Wenn ich oft bei Rachezügen
Einen Harten kriege
II: Wenn dem all so ist werde ich
Feminist :II
Wen ich nun von jeder Spalte
Verschiedenes für sinnvoll halte
Wenn ich aber lieber selber denke
Anstatt dass mich Ideale lenken
Werf ich einiges in einen Topf
und mach mir lieber meinen eignen Kopf
Wenn dem all so ist werd ich
Anarchist
Wenn dem all so ist bleib ich
Anarchist
Wenn dem all so ist bleib ich lieber
Anarchist
Wenn dem all so ist bleib ich
Teilzeit-Anarchist
Video: www.youtube.com/watch?v=Xj9sv4bT3oo
Dieser Beitrag enthält 306 Wörter


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Nicky
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Eure Lieder und die Geschichten dahinter

#75

Beitrag von Nicky » Mi 2. Dez 2015, 18:58

Ihr Lieben,
ich bin euch glaube ich noch eine Antwort schuldig, die die Reaktion meines damaligen Lehrers auf den Text, den ich über ihn geschrieben habe, angeht. Das kann ich sogar ganz kurz fassen....es gab nämlich keine ;-) Falls er sich drüber gefreut hat, hat er das sehr heimlich getan. ;-)
Für mich jetzt allerdings kein allzu großes Problem, weil es mir eigentlich ja nur wichtig war, ihm diese Dinge mal zu schreiben, bzw. zu singen. Das habe ich ja damit getan, zusammen mit einem lieben Brief. Die „so-gar-nicht-Reaktion“ von ihm zeigt mir allerdings, dass auch ich mich wohl mal irren kann, was meine Menschenkenntnis angeht...... ;-)
Aber da das mal so gar keinen Einfluss auf meine Schreibfreude hat, haue ich gleich mal den nächsten Text raus..... ;-)
Da ich ja meinen jetzigen Job zum Jahresende aufgebe, habe ich zur Zeit jede Menge „letzte Male“ die ich erlebe....das letzte Mal mit den Kollegen zu Tisch gehen, das letzte Meeting usw., was mich daran erinnert hat, dass da ja noch ein Lied in meiner Schublade zu dem Thema liegt......Irgendwie geht’s ja nach letzten Malen immer weiter......na ja, vielleicht nicht immer..... siehe letzte Strophe/Refrain......
Alles Liebe
Nicole
Ein letztes Mal
 
Ein letzter Blick aufs Schulgebäude
so schöne Stunden dort verbracht
jetzt geht es los ins ernste Leben
später gern dran zurückgedacht
 
Die letzte Nacht im Kinderzimmer
vor allem bösen gut bewacht
die Wäsche ab jetzt selber waschen
keiner der wacht bis in die Nacht 
 
Refrain
Nicht nach allen letzten Malen
schließt sich für immer eine Tür
mit Glück geht eine neue auf
weißt du auch jetzt noch nicht wofür
 
Die letzte große Abschiedsparty
bevor die Heimat ich verlass
neuen Job und Freunde finden
´ne fremde Stadt in meinem Pass
 
Der letzte Kuss auf deine Lippen
wir hatten eine schöne Zeit
eine Zukunft gab es keine
was selbst die Liebe nicht verzeiht
 
Refrain
Nicht nach allen letzten Malen
schließt sich für immer eine Tür
mit Glück geht eine neue auf
weißt du auch jetzt noch nicht wofür
 
Ein letzter Gang durch meinen Garten
der Sommer ist schon lang vorbei
das Laub hat seinen halt verloren
und sprießt erst wieder grün in Mai
Ein letztes Mal zusammen sitzen
beim Abendbrot in fernem Land
und Urlaubsrituale pflegen
die Haut noch warm vom Tag am Strand
Refrain
Nicht nach allen letzten Malen
schließt sich für immer eine Tür
mit Glück geht eine neue auf
weißt du auch jetzt noch nicht wofür
  
Beim kranken Freund ein letztes Prosit
verschoben auf ein anderes mal
das es doch nicht mehr geben sollte
am leeren Bett im Hospital
 
Schlußrefrain 
Nicht nach allen letzten Malen
schließt sich für immer eine Tür
manchmal geht keine neue auf
gibst dir allein die Schuld dafür 
Dieser Beitrag enthält 494 Wörter


...sag nichts, ich seh's dir an, Kinder erkennen sich am Gang...

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Physdet
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Eure Lieder und die Geschichten dahinter

#76

Beitrag von Physdet » Do 17. Dez 2015, 13:36

Moin aus Hamburg...
habe einfach mal die Gitarre in die Hand genommen und "ohne Filter"
einen meiner neueren Songs "getrellert"...
..."Keine Worte mehr"... ist ein Lied, das eigentlich beschreibt, was fast jedem von uns schon passiert ist.. eine Zäsur...


________________________________________________________
..es ist alles gesagt..alles gefragt.. die Stille findet keine Worte mehr...
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Eure Lieder und die Geschichten dahinter

#77

Beitrag von Physdet » Do 17. Dez 2015, 15:39

...Noch ein zweites Stück hinterher! Bitte erst lesen, dann wird der Inhalt deutlicher... :gruebel:
Die "kleine graue Wolke" hat eine etwas längere Geschichte:
Genau vor einem Jahr lief eine Aktionswoche zum Thema MS (Multiple Sklerose) im gesamten NDR- Rundfunk und Fernsehen. In einer Radioreportage zu o.g. Thema ging es um drei betroffene MS Patientinnen, die ihre Krankheit sehr unterschiedlich darstellten. Eine der drei Protagonistinnen war eine junge Regisseurin, die gerade einen Film über MS drehte... dieser Film heißt "kleine graue Wolke"! Warum?.. erklärt sich damit, dass der untersuchende Neurologe im UKE im CT, wie auch der Liquor- Untersuchung die Diagnose MS gesichert diagnostizierte. Er hat der Betroffenen mit den Worten erklärt:
"Stellen sie sich vor, vorher war in ihrem Kopf ein klarer blauer Himmel...und jetzt ziehen kleine graue Wolken auf..."
Mich hat das sehr berührt und bewogen, am gleichen Abend das Lied "kleine graue Wolke" zu schreiben.
Ich habe über den NDR Kontakt zur besagten Regisseurin aufgenommen und ihr das Lied zukommen lassen. .. Im Oktober war die Deutschlandpremiere in Hamburg im "Abaton"...wir haben das Lied dort live gespielt und es war ein tief bewegendes Erlebnis!
Weitere Statements der Protagonistinnen:
- ..."mir fällt zwar ab und zu das Glas aus der Hand...aber ich werde trotzdem tanze,feiern, denn es geht mir doch eigentlich ganz gut" (bekam mit 16 ihren ersten Schub!!!)

- ..."Anfangs haben alle Freunde gesagt: ist doch für uns kein Problem, wir stehen zu dir... und heute sind fast alle nicht mehr präsent"
- ..." ich kann manchmal kaum auf meinen Beinen stehen und habe Angst im Rollstuhl zu landen"...
Zusammenfassend : MS ist die Krankheit der "tausend Gesichter" ...und keiner weiß, wohin die "Reise" geht...

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..es ist alles gesagt.. alles gefragt.. die Stille findet keine Worte mehr...

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Carsten K
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Eure Lieder und die Geschichten dahinter

#78

Beitrag von Carsten K » Do 17. Dez 2015, 23:39

Lieber DET,
Danke für die beiden Lieder! :-)
Auf das erste will ich jetzt nicht weiter eingehen (ja, Liebeskummer, verlassen zu werden, solch eine Zäsur, das kenne ich durchaus auch...), sondern auf das zweite, weil ich mich davon beim Hören (und dem Lesen Deiner Geschichte dazu) dann doch noch persönlicher berührt gefühlt habe.
Meine eigene Geschichte dazu, bzw. die meiner langjähren (besten) Freundin Elke: Bei ihr war MS diagnostiziert worden, als sie 16 war. Als wir uns kennenlernten, waren wir beide 21 und begannen zusammen zu studieren, waren KommilitonInnen und wurden sehr schnell auch sehr enge FreundInnen. Sie war für mich über viele Jahre der Mensch, mit dem ich über alles reden konnte (und sie mit mir hoffentlich auch), und einige Zeit davon waren wir auch ein Paar. Wir haben unzählig viele wunderschöne Momente miteinander erlebt, und ihre Krankheit hat uns in diesen Momenten nicht die Bohne eingeschränkt, vielleicht auch deshalb, weil wir uns als KommilitonInnen (wir haben auch mehrere Referate zusammen gehalten) auf Augenhöhe begegnen konnten, weil ich nicht ihr Betreuer und sie nicht meine Betreute war... Dennoch war ihre MS natürlich immer ein Thema zwischen uns und natürlich immer besonders ein Thema für sie. Sie gierte geradezu nach jeder erdenklichen Möglichkeit, ihre angeblich unheilbare Krankheit zu besiegen, jede erdenkliche Diät, von der sie gerade gehört hatte, und am Ende eine christliche Sekte, die ihr eingeredet hatte, sie könne von ihrer MS geheilt werden, wenn sie alle Kontakte/Bindungen aus ihrem bisherigen Leben abbreche. Daraufhin brach sie 2000 dann den Kontakt zu mir ab, zog kurz darauf in die Hofgemeinschaft dieser Sekte irgendwo in Schleswig-Holstein, wo sie 2008 an Brustkrebs verstarb, was ich selbst allerdings erst 2009 erfuhr...
Ist inzwischen verdammt lang her, aber bis heute ein wunder Punkt in meinem Leben. Dein Lied, DET, hat die schönen Erinnerungen an Elke in mir geweckt, und dafür danke ich Dir!
Liebe Grüße
Carschti
Dieser Beitrag enthält 335 Wörter


"Wenn man als junger Mensch aussah wie ein Hippie und sich einigermaßen treu geblieben ist, sieht man als alter Sack halt aus wie ein Penner und nicht wie Joschka Fischer."
Harry Rowohlt (1945-2015)

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Physdet
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Eure Lieder und die Geschichten dahinter

#79

Beitrag von Physdet » Fr 18. Dez 2015, 00:06

Lieber Carschti,
meine Intention ist: Musik soll berühren und verbinden... und wenn ich dich damit berühren konnte, dann fühlt sich das gut an!
Bewahre die schönen Momente....
Herzlichst DET
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Gesch
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Eure Lieder und die Geschichten dahinter

#80

Beitrag von Gesch » Fr 18. Dez 2015, 13:31

Hallo Det,
sind gute Lieder, die Du schreibst, die emotional berühren, gerade auch, wenn die Hintergrundgeschichte dazukommt. Wunderbar.
Danke
herzlich
Gerd
Dieser Beitrag enthält 22 Wörter


Damit was geschieht, muss zunächst was passiern.
Muss man, eh sich was ändert, denn erst was verliern?
Eh man sich erholt, bleibt keine Zeit auszuruhn,
denn eh sich was tut, muss man selber was tun.


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