Wieder so ein Kopfschüttelmoment

Hans Söllner legt sich wegen Coronavirus-Lockdown mal wieder mit der Polizei an und ruft seine Fans dazu auf, sich nicht an die Ausgangsbeschränkungen zu halten bzw. ihre Angehörigen trotz Verbot in den Alten- und Pflegeheimen zu besuchen.

Der aus dem bayerischen Bad Reichenhall stammende Liedermacher hat sich durch seine anarchische aber konsequent querköpfige Art im gesamten deutschsprachigen Raum viele Freunde gemacht - und das obwohl er seine Lieder ausschließlich in seiner Heimatsprache - nämlich bayerisch! - singt und kein Blatt vor den Mund nimmt. In diesem Forum besteht die Möglichkeit zum Austausch...
Quelle: Foto für Forum und Banner wurden der Wikipedia entnommen: Stefan Brending (2eight) - Concertbüro Franken,Hans Söllner & Bayaman Sissdem,Konzert,Livekonzert,Livemusik,Musik,Serenadenhof
Antworten
Benutzeravatar
migoe hat dieses Thema gestartet
Webmaster
Webmaster
Beiträge: 1922
Registriert: Sa 1. Feb 2003, 13:00
Themen: 430
Hat sich bedankt: 17 Mal
Danksagung erhalten: 30 Mal
Alter: 45
Kontaktdaten:

Wieder so ein Kopfschüttelmoment

#1

Beitrag von migoe »

Verschiedene Zeitungen (z.B. Passauer Neue Presse und BILD Zeitung) sowie der Künstler selbst auf Facebook haben darüber berichtet, dass Hans Söllner einen Bußgeldbescheid vom Landratsamt Bad Reichenhall zugeschickt bekommen hat, nach dem er 50 € bezahlen muss. Es geht im Kern darum, dass Herr Söllner auf Facebook seine "Follower" dazu aufgerufen haben soll, ihre Angehörigen in den Altersheimen zu besuchen, obwohl das im Moment aufgrund Corona in Bayern untersagt ist. In diesem Schreiben wird dann halt auch erklärt, gegen welche Verordnung der Delinquent verstoßen hat und welche Strafe es dafür mindestens gibt, nämlich eben 50 €, die er an den Staat überweisen soll.

Hans Söllner hat auf seiner Webseite nicht groß Stellung dazu genommen und ob er das Ordnungsgeld bezahlt hat (oder wird), sagt er auch nicht. Diese Meldung ist an sich - wenn man daran denkt, was Herr Söllner sonst so für Strafen bezahlen musste - nicht besonders erwähnenswert, oder?

Naja, ich habe in den letzten Tagen darüber nachgedacht, warum es fast schon "gefreut" hat, dass der Künstler in diesem Fall eine Anzeige bekam und eine Strafe bezahlen soll. Normalerweise habe ich diesem Künstler gegenüber eine relativ gleichgültige Einstellung, jeder kann schließlich eine Meinung haben und diese auch nach außen vertreten. Wer dann über die Strenge schlägt oder andere gegen sich aufbringt, muss halt mit den Konsequenzen leben. So what?

Mich wurmt es aber sehr, dass dieser selbsternannte Freigeist seine Fans dazu aufruft, sich gegen die aus meiner Sicht wichtigen und richtigen Kontaktbeschränkungen zu widersetzen und ihre Angehörigen in den Alten- und Pflegeheimen zu besuchen. Mir ist natürlich bewusst, dass das nicht möglich ist, weil alle Heime dahingehend Sicherheitsvorkehrungen getroffen haben und keinen Besuch zulassen (dürfen). Es gibt sicher geeignetere Ziele, um sich über die Verbote hinwegzusetzen. Ganz sicher gehören die Alten- und Pflegeheime NICHT dazu, denn gerade hier würde der Ausbruch von Corona für einen großen Teil der Bewohner den sicheren Tod bedeuten.
Es ist nicht so, dass der Coronavirus „bevorzugt“ ältere Menschen betrifft. Die WHO hat mehrfach darauf hingewiesen, dass sich Menschen aller Altersgruppen infizieren können. Senioren und chronisch Kranke erkranken wegen des potenziell eingeschränkten Immunsystems nur leichter an dem Virus. Dies gilt insbesondere für Menschen mit Asthma, Herzkrankheiten oder Diabetes.
Quelle: https://www.24stundenbetreut.com/news-24-stunden-pflege/wie-schlimm-ist-der-coronavirus-fuer-senioren.html
Fahrlässig finde ich, wie sorglos Hans Söllner diese Gefahren übersieht bzw. sogar verleugnet. Tatsache ist aber auch, sobald Corona in einem Pflegeheim angekommen ist, die Anzahl der Toten steigt -> https://www.google.com/search?q=corona+todesf%C3%A4lle+altersheim&oq=corona+todesf%C3%A4lle+altersheim - wer eine Suchmaschine bedienen kann, kann das sehr schnell selber rausfinden und sich dann noch einmal mit diesem Thema beschäftigen.

Als ich dann das hier auf seiner Facebook Seite las, habe ich für mich endgültig entschieden, dass es sich nicht um eine "normale" und "kritische" Einstellung handelt, sondern um Arroganz und Verbohrtheit, die in Kauf nimmt, dass andere Menschen wegen dem eigenen Verhalten auch zu Schaden/Tode kommen können.
image.png
Es gab dazu viele Berichte in den Medien, hier ein Artikel aus der SZ -> https://www.sueddeutsche.de/kultur/coronavirus-john-prine-countrymusik-1.4871969

Wen er hier wohl mit "Sie" meint? Ich kann mich darüber nur ärgern! Für mich hat Herr Söllner mit diesem Post/dieser Reaktion endgültig das letzte bisschen Verständnis verspielt, was ich ihm gegenüber noch bis vor kurzem hatte. Heute habe ich zudem meine ersten Kommentare auf Facebook geschrieben, und zwar genau auf diesem Account.

Ich habe fertig!
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
Dieser Beitrag enthält 623 Wörter


Liebe Grüße aus Rothenburg

migoe | www.liedermacher-forum.de
...
Manche Menschen wollen lieber durch Lob ruiniert als durch Kritik gerettet werden.

Benutzeravatar
Skywise
Moderator/in
Moderator/in
Beiträge: 1627
Registriert: Di 28. Okt 2003, 23:52
Themen: 71

Wieder so ein Kopfschüttelmoment

#2

Beitrag von Skywise »

Na ja, das ist eine Einstellung, die ich in letzter Zeit häufiger gelesen habe. "Man stirbt nicht wegen Corona, man stirbt mit Corona".
Dem würde ich unter zwei Gesichtspunkten sogar zustimmen.
Erstens - es ist richtig, daß derjenige, der mit einer Corona-Diagnose heimgeht und dabei von einem zufällig hinabfallenden Klavier erschlagen wird oder auf andere Weise zu Tode kommt, in einigen Statistiken als "toter Corona-Patient" geführt wird. Ist zwar korrekt, führt aber gerne zu falschen Schlüssen.
Zweitens - es ist auch richtig, daß die Menschen oft genug nicht an Corona sterben, sondern an einer anderen Krankheit.
Allerdings macht es für mich schon einen großen Unterschied, ob da jemand unter normalen Umständen einer Krankheit entgegenblickt oder ob er Besuch von Schwester Corona bekommt, die bei dieser Krankheit den Turbo einlegt. Eine Kurve mit fuffzich Sachen zu nehmen ist eine völlig andere Angelegenheit als dieselbe Kurve mit hundertfuffzich Sachen. Das eine kann man überstehen, selbst wenn man dabei ins Schlingern gerät, das andere könnte Probleme machen und dann richtig häßlich enden.
Insofern: starb der geschätzte John Prine an Corona? Nein, wohl nicht. Aber ich halte es für recht wahrscheinlich, daß ihm Corona den entscheidenden Schubs versetzt hat.

Gruß
Skywise
Dieser Beitrag enthält 212 Wörter


"Ist wirklich wahr - ich hab's in meinen Träumen selbst geseh'n ..."
Herman van Veen - "Die Clowns"

Benutzeravatar
Gesch
Liedermacher/in
Liedermacher/in
Beiträge: 652
Registriert: Mi 13. Mai 2009, 00:04
Themen: 98
Danksagung erhalten: 2 Mal
Alter: 70
Kontaktdaten:

Wieder so ein Kopfschüttelmoment

#3

Beitrag von Gesch »

Ihr lieben Leuten,

Ohne selbst genau zu wissen, welche Meinung ich zu dem Komplex eigentlich habe, drängt es mich zu einer Anmerkung.

Natürlich will ich nicht, dass Menschen sterben, schon gar nicht Menschen, die wie ich mehr durch Corona gefährdet sind als andere, weil sie z.B. nicht nur alt sind – das allein ist ja schon Risiko genug – sondern auch noch Vorerkrankungen haben, die das Immunsystem erheblich schwächen, beispielsweise wie ich Diabetes.

Natürlich wünsche ich mir eine Risiko-Verringerung und eine Prävention, die eine Ansteckung mit Corona oder Covid 19 oder wie das Ding heiß, an dem diese Menschen sterben, vermeiden hilft.

Kontaktverbote – gut, könnte man meinen. Nichts einfacher als das. Bleibt man halt Zuhause.
Die Menschen im Heim in den Heimen, und die Besucher in ihren Wohnungen, bis das Besuchsverbot aufgehoben ist.

Wo bleiben die, die keins haben?
Die selbst dann, wenn sie Kontakte vermeiden wollen, dies kaum können, weil sie zum Beispiel auf der Straße leben und auf Kontakte angewiesen sind?

Und was ist mit denen, die pflegebedürftig in Heimen leben, weil sich ihre Angehörigen – sofern sie welche haben – nicht um sie kümmern können?

In Zeiten der Besuchsverbote in Pflegeheimen, durch die nicht nur Menschen, die dort leben („wohnen“ fällt mir schwer zu schreiben…) von ihren Angehörigen isoliert gehalten werden, sondern genauso die Angehörigen daran gehindert werden, in den Heimen ihre Partner, Eltern, Großeltern, Urgroßeltern, Tanten oder Onkel zu besuchen, und zwar generell, unabhängig davon wie eng das Verhältnis zwischen Heim“bewohner“ und Besucher noch ist oder war.

Natürlich will man niemanden gefährden und ihm oder sie dem Tode näherbringen.

Aber wenn die Vereinsamung der Menschen in solchen Heimen durch die Besuchsverbote für all jene draußen, die ihren Herzen am nächsten stehen, dazu führt, dass sie ihre Lebenslust in der letzten Lebensphase verlieren?

Was ist, wenn der Lebenswille, oder besser gesagt der Überlebenswille in dieser Corona-Krise abhandenkommt? Wenn sie daran so leiden, dass sie an gebrochenem Herzen zu sterben drohen?

Und die ausgesperrten Angehörigen ohnmächtig dies miterleben müssen? Wenn sie weder Trost spenden noch ihre letzte Liebe zeigen können, wie es in zivilisierten Kulturen nun mal normal ist?

Was machen wir gerade mit den alten Menschen in Heimen, die wir im Versuch, ihr Leben durch Besuchsverbote zu retten, an gebrochenen Herzen sterben lassen?

Genau das kann auch den Überlebenden draußen das Herz brechen...

Mich treibt diese Ohnmacht um…

und wer es nicht nur lesen, sondern auch hören mag, bitte sehr…


herzlich
Gerd
Dieser Beitrag enthält 439 Wörter


Damit was geschieht, muss zunächst was passiern.
Muss man, eh sich was ändert, denn erst was verliern?
Eh man sich erholt, bleibt keine Zeit auszuruhn,
denn eh sich was tut, muss man selber was tun.


Benutzeravatar
fille
Moderator/in
Moderator/in
Beiträge: 2801
Registriert: Mo 27. Sep 2004, 10:56
Themen: 459
Danksagung erhalten: 8 Mal

Wieder so ein Kopfschüttelmoment

#4

Beitrag von fille »

64 Jahre und kein bisschen weise...

Ja, gescheiter wird er nicht mehr. Da hilft alles nix. Das will er wahrscheinlich auch nicht.
Ich finde es auch fahrlässig, unsozial und außerdem egoistisch, solche Aufrufe zu starten.
Hoffen wir einfach mal, dass seine Fans selber denken können.

Der liebe Söllner hat wohl noch nicht gemerkt, dass Corona nicht politisch ist und sich auch
nicht um links, rechts usw. kümmert.

Liebe Grüße, Marianne
Dieser Beitrag enthält 76 Wörter


There is a crack in everything
That's how the light gets in

Leonard Cohen

Benutzeravatar
migoe hat dieses Thema gestartet
Webmaster
Webmaster
Beiträge: 1922
Registriert: Sa 1. Feb 2003, 13:00
Themen: 430
Hat sich bedankt: 17 Mal
Danksagung erhalten: 30 Mal
Alter: 45
Kontaktdaten:

Wieder so ein Kopfschüttelmoment

#5

Beitrag von migoe »

Lieber Gerd,
Gesch hat geschrieben:
Sa 25. Apr 2020, 13:55
In Zeiten der Besuchsverbote in Pflegeheimen, durch die nicht nur Menschen, die dort leben („wohnen“ fällt mir schwer zu schreiben…) von ihren Angehörigen isoliert gehalten werden, sondern genauso die Angehörigen daran gehindert werden, in den Heimen ihre Partner, Eltern, Großeltern, Urgroßeltern, Tanten oder Onkel zu besuchen, und zwar generell, unabhängig davon wie eng das Verhältnis zwischen Heim“bewohner“ und Besucher noch ist oder war.

Natürlich will man niemanden gefährden und ihm oder sie dem Tode näherbringen.

Aber wenn die Vereinsamung der Menschen in solchen Heimen durch die Besuchsverbote für all jene draußen, die ihren Herzen am nächsten stehen, dazu führt, dass sie ihre Lebenslust in der letzten Lebensphase verlieren?

Was ist, wenn der Lebenswille, oder besser gesagt der Überlebenswille in dieser Corona-Krise abhandenkommt? Wenn sie daran so leiden, dass sie an gebrochenem Herzen zu sterben drohen?

Und die ausgesperrten Angehörigen ohnmächtig dies miterleben müssen? Wenn sie weder Trost spenden noch ihre letzte Liebe zeigen können, wie es in zivilisierten Kulturen nun mal normal ist?

Was machen wir gerade mit den alten Menschen in Heimen, die wir im Versuch, ihr Leben durch Besuchsverbote zu retten, an gebrochenen Herzen sterben lassen?
Du hast in Deinem Lied passende Worte gefunden, mit denen Du die Gefühlslage mancher Bewohner von Alten- und Pflegeheimen glaubwürdig und nachvollziehbar beschreibst. Wir alle wünschen uns, dass diese Zeit sehr viel schneller überwunden werden kann als es im Moment aussieht. Um die seelischen Folgen für die betroffenen Menschen aufzufangen, wird es noch einmal eine Zeit brauchen und sehr viel Zuspruch und Geduld von den Angehörigen. Die Belastungen sind für die Bewohner der Heime und die pflegenden Menschen - die ja auch davon besonders betroffen sind - enorm.

Die ersten Sätze Deines Liedes finde ich aber anmaßend und ich hoffe/glaube nicht, das es viele Menschen gibt, die so denken.

Mein Vater (in Reinhard Meys Alter) war Mitte März wegen einer OP stationär im Krankenhaus und wir konnten ihn die letzten 8 Tage nicht mehr besuchen. Vorher war das noch möglich. Zu seinem und unserem Glück gab es keine Probleme und er wurde Ende März entlassen. Wenn das nicht geklappt hätte und er hätte er in der Klinik bleiben müssen, dann hätten wir Angehörige diese Entscheidung akzeptiert, denn der Schutz der Patienten ist aus meiner Sicht höher zu werten als die Möglichkeit, dass externe Besucher ins Haus dürfen. Per Telefon konnten wir ihn ja erreichen und er uns.

Wenn mein Vater in einem Heim untergebracht wäre, dann würde ich das genauso sehen. Natürlich ist klar, dass die seelische Belastung bei über 5 Wochen Isolation viel größer wiegt, wie bei einer Woche. Wir hätten uns dann andere Dinge einfallen lassen. Wir konnten z.B. den Geburtstag meiner Schwiegermutter nicht mit ihr feiern und haben für sie ein Grußvideo bei YouTube erstellt. Videotelefonate sind auch mit 80 Jahren möglich usw... Es gibt schon Möglichkeiten, Kontakt zu halten auch ohne Besuchsmöglichkeit.

Du singst schon im zweiten Satz:
... Und die Behörden interessiert ihr Leid ein Dreck...
Diese Behauptung stört mich und ich finde es unangebracht so zu argumentieren. Schade für diese pauschale Verunglimpfung und den undifferenzierten Rundumschlag :ablehnen: denn ansonsten finde ich Dein Lied sehr gut.

Vielen Menschen, die es kritisch sehen, dass es so rigorose Ausgangsbeschränkungen gibt, ist vielleicht nicht bewusst, wie viele Todesopfer es weltweit und in Deutschland gibt die in Alten- und Pflegeheimen wohnen.

Es gibt unzählige Berichte in den Medien über genau dieses Problem, z.B. hier ein Artikel aus dem SPIEGEL von 14. April

https://www.spiegel.de/panorama/coronakrise-zahl-der-covid-19-toten-in-pflegeheimen-stark-unterschaetzt-a-98a30611-ce68-43e7-aecc-b3065783679c-amp
Screenshot_20200425-154213.png
oder hier auch ein Bericht aus der Süddeutschen Zeitung vom 22. April

https://www.sueddeutsche.de/politik/coronavirus-altenheim-tote-1.4884742!amp
Screenshot_20200425-160210.png
Nach diesen Bereichen sind 20-30% Prozent aller auf Corona zurückgeführten Todesopfer in Altenheimen verstorben. Wenn das Virus erst einmal in ein Heim gekommen ist, gehen die Todesfälle schlagartig nach oben und man kann fast nichts mehr dagegen tun! Für mich ist damit klar, dass dort die Schutzmaßnahmen definitiv notwendig sind und die verantwortlichen Menschen bei den Betreibern, dem Behörden und der Politik haben es nicht verdient so hingestellt zu werden, als würden sie die alten Leute gerne von ihren Verwandten trennen wollen oder als wäre ihnen das Leid der betroffenen Familien gleichgültig.

Den gleichen "Denkfehler" sehe ich auch bei Hans Söllner. Für mich ist das keine kritische Einstellung, sondern zynisch und Menschen-verachtend.

In Schweden rächt sich dieser fatale Irrtum besonders krass wie die Zeit gestern in einem Artikel berichtet:

url=https://www.zeit.de/amp/politik/ausland/2020-04/schweden-coronavirus-pandemie-massnahmen-zahlen-infektionen-pflege
Screenshot_20200425-161353.png
Wir müssen das noch eine Zeit durchhalten, wenn wir es wirklich nachhaltig lösen wollen!
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
Dieser Beitrag enthält 871 Wörter


Liebe Grüße aus Rothenburg

migoe | www.liedermacher-forum.de
...
Manche Menschen wollen lieber durch Lob ruiniert als durch Kritik gerettet werden.

Benutzeravatar
Gesch
Liedermacher/in
Liedermacher/in
Beiträge: 652
Registriert: Mi 13. Mai 2009, 00:04
Themen: 98
Danksagung erhalten: 2 Mal
Alter: 70
Kontaktdaten:

Wieder so ein Kopfschüttelmoment

#6

Beitrag von Gesch »

lieber migoe,
die zweite zeile des liedes gibt wieder, was ich in leserbriefen von angehörigen zu den besuchsbeschränkungen las. sicher ist eine solche sicht mit zorn auf behörden auch eine folge der verbitterung darüber, wenn gerade besuche in der letzten lebensphase unterbunden werden, vielleicht bis auf besuche am sterbebett, die mancherorts erlaubt werden.

bei manchen ging die kritik natürlich auch differenzierter weiter, nämlich daran, dass sich in den pflegeheimen und zuständigen ämter wohl niemand so intensiv um kreative lösungen zu bemühen scheint, besuchsbedürfnisse und infektionsschutz miteinander zu vereinbaren.

ich bin sicher, dass sich mit kreativität mittel und wege finden liessen. aber die strikte separierung ist halt organisatorisch am einfachsten. und wenn die gesundheitliche ausgangslage so sein sollte, dass man sich tatsächlich noch mal auf ein wiedersehen bei bewusstsein freuen kann, wird man ja auch kein nimmerwiedersehen fürchten und kann leichter mit der trennung umgehen.

ich hoffe nur für jeden - auch für mich -, dass ihm ein einsames ende erspart bleibt, insbesondere dann, wenn es in einsamkeit nicht zwingend wäre.

herzlich
gerd
Dieser Beitrag enthält 186 Wörter


Damit was geschieht, muss zunächst was passiern.
Muss man, eh sich was ändert, denn erst was verliern?
Eh man sich erholt, bleibt keine Zeit auszuruhn,
denn eh sich was tut, muss man selber was tun.


Benutzeravatar
Keef1
Beiträge: 26
Registriert: Mo 28. Nov 2005, 11:52
Themen: 2

Wieder so ein Kopfschüttelmoment

#7

Beitrag von Keef1 »

Nach langer Zeit schreibe ich auch mal wieder etwas (und zwar in meiner Profession als Altenpfleger):
Die Arroganz, mit der man versucht, sich über geltende Regeln hinweg zu setzen, macht mich wütend. Und wenn "kreative" Wege gefordert werden, die Regeln zu umgehen, macht es mich noch stinkiger.

Es geht um die Gesundheit der Bewohner der Einrichtungen (und da gibt es mittlerweile zahlreiche Beispiel von Massensterben, wenn unser Freund Corona erst einmal Einzug in ein Heim gehalten hat), aber es geht auch um die Gesundheit der KollegInnen in den Einrichtungen, die sich jetzt schon
-jenseits von jeglicher Schutzmaßnahmen* (!)-
den A**** aufreißen, um ihre Arbeit zu machen und damit den alten Damen und Herren eine bestmögliche Zeit zu ermöglichen. Kein Besuch ist schlim, ja. Aber was ist schlimmer: schwer krank oder tot zu sein oder keine PflegerInnen mehr zu haben? Wer fordert, sich den Vorgaben zu widersetzen ist ein furchtbarer Egoist und Ignorant. Schämt Euch!

*Für Fußballer soll es Testungen fast täglich geben, für Pflegekräfte erst bei massiven Symptomen!
Dieser Beitrag enthält 178 Wörter


Es gibt nur 2 Arten von Musik: Gute und Schlechte!

Benutzeravatar
fille
Moderator/in
Moderator/in
Beiträge: 2801
Registriert: Mo 27. Sep 2004, 10:56
Themen: 459
Danksagung erhalten: 8 Mal

Wieder so ein Kopfschüttelmoment

#8

Beitrag von fille »

Hallo Keef1,

du hast vollkommen Recht. Ich hatte ja auch geschrieben, dass ich es unsozial und
egoistisch finde, andere dazu anzustiften, sich über die Regeln hinwegzusetzen.

Heute habe ich mit einer Freundin telefoniert, die in einem Altenpflegeheim arbeitet.
Dort gibt es Besuch mit Termin. Im Freien werden Tische aufgestellt, Besucher und
Besuchte sind durch Tische so getrennt, dass der Mindestabstand gewährt ist.
Besucher müssen schriftlich bestätigen, dass sie weder krank sind, noch Kontakt
zu Coronainfifzierten hatten und auch nicht im Ausland waren.

Natürlich dürfen die Besucher die Besuchten nicht mit dem Rollstuhl spazierenfahren
und Bettlägerige können auch auf diese Weise keinen Besuch erhalten. Es geht auch
nur bei schönem Wetter. Aber vielleicht wäre es doch eine Lösung wenigstens
für einen Teil der Menschen in den Heimen.

Liebe Grüße, Marianne
Dieser Beitrag enthält 141 Wörter


There is a crack in everything
That's how the light gets in

Leonard Cohen

Benutzeravatar
migoe hat dieses Thema gestartet
Webmaster
Webmaster
Beiträge: 1922
Registriert: Sa 1. Feb 2003, 13:00
Themen: 430
Hat sich bedankt: 17 Mal
Danksagung erhalten: 30 Mal
Alter: 45
Kontaktdaten:

Wieder so ein Kopfschüttelmoment

#9

Beitrag von migoe »

Lieber Keef1,
Keef1 hat geschrieben:
So 26. Apr 2020, 13:26
Die Arroganz, mit der man versucht, sich über geltende Regeln hinweg zu setzen, macht mich wütend. Und wenn "kreative" Wege gefordert werden, die Regeln zu umgehen, macht es mich noch stinkiger.
da bin ich bei Dir und höre das auch von anderen Menschen, die in irgendeiner Form mit der Pflege von Kranken und Alten zu tun haben. Manche Dinge muss man einfach aussitzen und wer heute in einem Alten- oder Pflegeheim lebt hat in seinem 70+X Jahren genug andere Gefahren überstanden und kann diese Geduld aufbringen.

Liebe Marianne,
fille hat geschrieben:
So 26. Apr 2020, 13:26
Heute habe ich mit einer Freundin telefoniert, die in einem Altenpflegeheim arbeitet.
Dort gibt es Besuch mit Termin. Im Freien werden Tische aufgestellt, Besucher und
Besuchte sind durch Tische so getrennt, dass der Mindestabstand gewährt ist.
bei uns in Bayern ist auch so etwas (noch) nicht möglich, aber wenn noch einmal zwei Wochen um sind, werden sich auch bei uns nach und nach Besuchsmöglichkeiten ergeben. In Rothenburg gibt es zwei Pflegeheime und den Betreibern ist es so eigentlich ganz Recht. Am Ende geht es ja auch um Haftungsfragen wenn nach einer Öffnung des eigenen Hauses COVID-19 unter dem Bewohnern ausbricht. Dieses Risiko ist den Leitern der Einrichtungen im Moment noch viel zu hoch. Über das Risiko der Bewohner für das eigene Leben habe ich meine Meinung ja schon geschrieben.
Zuletzt geändert von migoe am Mo 27. Apr 2020, 12:39, insgesamt 1-mal geändert. Dieser Beitrag enthält 244 Wörter
Grund: Ich habe meinen Beitrag geändert und eine polemische verletzende Bemerkung entfernt


Liebe Grüße aus Rothenburg

migoe | www.liedermacher-forum.de
...
Manche Menschen wollen lieber durch Lob ruiniert als durch Kritik gerettet werden.

Benutzeravatar
Barde
...hat schon mal ein LT organisiert
Beiträge: 846
Registriert: Mi 18. Feb 2004, 19:04
Themen: 81
Alter: 56
Kontaktdaten:

Wieder so ein Kopfschüttelmoment

#10

Beitrag von Barde »

Söllner? Hm, für mich jemand, der meinem Empfinden nach in einer pubertär-trotzigen Adoleszenz hängengeblieben ist. Hab ich hier ja schon ab und an mal so geäußert. Klar, seine Marihuana-Lieder haben einen Kultstatus und er selbst einen großen Unterhaltungswert, aber seine gesellschaftspolitischen Vorstellungen, na ja ... abstrus halt.

Tragisch natürlich, wenn er so einen Schrott von sich gibt. Weiß nicht ob seine Eltern noch leben (evtl. im Pflegeheim)? Beeinflusst so was seine Meinung? Wahrscheinlich eher nicht.

Momentan machen wir uns große Sorgen um meine Schwiegermutter, die schon sehr gebrechlich ist und im betreuten Wohnen lebt. Oft habe ich das sehr ungute Gefühl, dass es weniger eine Frage ist ob, sondern wann das Virus Einzug in der Einrichtung hält. Ob man mit oder an Corona stirbt ist wohl wirklich eher nebensächlich. Dass der Sensenmann aber mit Corona den Turbomodus einschaltet, ist wohl eine Tatsache, die kein vernünftig denkender Mensch mehr leugnet. Es ist natürlich jetzt extrem einfach Forderungen zu stellen (das Wort "Forderung" ist nach "Coronakrise" das zweithäufigste was in diesen Zeiten zu lesen ist), aber die Art und Weise der Umsetzung der Forderungen bleibt dann denen überlassen, die man ständig kritisiert - den Behörden, Institutionen.

Söllners Geschichte gehört für mich in die selbe Schublade wie die der Demonstranten, die - kurioserweise rechts- und linksextrem vereint - jetzt Zeter und Mordio schreien, dass uns infolge des vorübergehend eingeschränkten Demonstrationsrechtes die Diktatur droht. Wir sind aber nicht in Ungarn, wo ein Viktor Orban die Krise nutzt, um wirklich die absolute Macht an sich zu reißen. Es gibt Gründe für Demonstrationen, die ich nachvollziehen kann, wenn es z.B. darum geht, dass man die Flüchtlingskrise und die Klimakrise nicht vergessen darf und weiterhin darauf hinweisen können muss. Aber Demonstrationen nach dem Motto "Wir demonstrieren, damit wir demonstrieren könnten, wenn wir es wollten" beinhalten einen zweifachen Konjunktiv. In manchen Gegenden und Subkulturen haben sich eh schon Zustände festgesetzt, die Gesetze, Verordnungen und Gebote nur noch als "unverbindliche Handlungsempfehlungen" betrachten. Die Behörden und Institutionen, die so etwas durchsetzen müssen, sind per se als Gegner zu betrachten und Einschränkungen sind automatisch "diktatorische und faschistische" Maßnahmen. In Leipzig-Lindenau gibt's wieder dementsprechend Plakataktionen, die zum Widerstand gegen die "Bullen" aufrufen und gegen die Verordnungen, die nur als Einstieg in den "Überwachungsstaat" dienen sollen, usw. usw. ... Das ist dann eine Mischung aus Paranoia und Corona und darf mit "Coronoia" benannt werden. Mir tut schon wieder der Nacken weh vom vielen Kopfschütteln

Gibt es eigentlich auch Stimmen zu hören, die sagen, dass es Situationen gibt, für die keine Ideallösungen vorhanden sind? Tja, und außerdem vertrete ich die - in manchen Kreisen wahrscheinlich sehr unpopuläre - Meinung, dass die Regierung und die Länder bisher zum großen Teil ihre Arbeit in dieser Krise bisher recht gut gemacht haben. Woran mache ich das fest? Zum Beispiel daran, dass es noch keine Bilder aus Deutschland gibt, wo mit dem Gabelstapler Leichen hin und her transportiert werden müssen. Wenn ich aber die öffentliche Entwicklung sehe (die Unvorsichtigkeit nimmt meinem Empfinden nach sehr zu) und den ständig wachsenden Druck nach Lockerungen wahrnehme, bin ich mir nicht sicher, ob uns die Tagesschau nicht irgendwann auch aus Deutschland solche Bilder zeigt.
Dieser Beitrag enthält 563 Wörter


"Wer die Musik liebt, kann nie ganz unglücklich werden" - Franz Schubert

Benutzeravatar
Helmut
Beiträge: 2364
Registriert: Fr 28. Dez 2007, 10:11
Themen: 511
Danksagung erhalten: 1 Mal
Alter: 69
Kontaktdaten:

Wieder so ein Kopfschüttelmoment

#11

Beitrag von Helmut »

Ich weiß nicht, hat es überhaupt noch einen Sinn, Söllner ernst zu nehmen? Wären die Maßnahmen weniger streng würde er sich wahrscheinlich darüber aufregen, dass Bewohnen und Mitarbeiter in den Pflegeheimen nicht geschützt werden. Hauptsache, er findet etwas, wogegen er sein kann. Für mich leidet der Mann unter Verfolgungswahn. Wobei der Begriff "leiden" für ihn nicht zutrifft, er verdient sich damit seinen Lebensunterhalt. Aber dann soll er die Verbreitung von Schwachsinn wenigstens auf die Bühne beschränken, da kann er seine kruden Gedanken seinen Fans als Satire verkaufen. Sobald er aber als Bürgermeisterkandidat den Anspruch erhebt, ernst genommen zu werden, sollte er sein Gehabe bleiben lassen. Ich grüble, ob Söllner noch pubertär oder schon senil ist. Zu unserem Glück hat er die Midlife-crisis übersprungen.

:teufel:
Dieser Beitrag enthält 139 Wörter


"Ich bin ein Gegner der Religion. Sie lehrt uns, damit zufrieden zu sein, dass wir die Welt nicht verstehen." Richard Dawkins

Benutzeravatar
migoe hat dieses Thema gestartet
Webmaster
Webmaster
Beiträge: 1922
Registriert: Sa 1. Feb 2003, 13:00
Themen: 430
Hat sich bedankt: 17 Mal
Danksagung erhalten: 30 Mal
Alter: 45
Kontaktdaten:

Wieder so ein Kopfschüttelmoment

#12

Beitrag von migoe »

Die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte am 15.05.2020 unter dem Titel Hans Söllner: Im Netz verirrt - Verschwörungstheorien einen Artikel von Christian Jooß-Bernau, der sich mit diversen Facebook-Beiträgen von Hans Söllner zur Corona Thematik beschäftigt und auch erklärt, warum sich Hans Söllner vor ein paar Tagen von Facebook zurückgezogen hat.
Hans Söllner – Im Netz verirrt - SZ-Artikel zu Verschwörungstheorien im Netz und wie das mit Hans Söllner zusammenhängt.jpg
Ich habe mich hier ja schon zu seinen Beiträgen auf Facebook geäußert, aber wie diese Beiträge von ihm habe ich auch nicht mitbekommen:
Am 4. Mai schreibt er: "Denunzianten, SA, Stasi und Gleichschritt. Und das passiert gerade. Man darf keine Vergleiche ziehen zum 3. Reich aber das passiert gerade. Schaut euch um." Söllner wendet sich gegen: "Nazischwurbler und Antifafaschisten und Gutmenschen und die, die andere an den Pranger stellen, weil sie nicht euerer Meinung sind." Am 26. April schreibt er an Angela Merkel: "Ich denke wenn Sie sich nicht bald von ihren Beratern und ihren Lieblingsvirologen trennen, steuern Sie dieses Land in einen Bürgerkrieg und dann, das sage ich ihnen, möchte ich nicht in ihrer Haut stecken. In den Großstädten beginnt es schon." Der Duktus von Söllners Aussagen, ähnelt dem, was man sonst aus dem rechten Lager kennt: Diktaturvorwürfe, Drohungen und Bürgerkriegsgeraune.
Er hat sich da ziemlich verrannt und auch wenn Hans Söllner für seine klaren und markanten Worte bekannt ist, sind auch viele langjährigen Fans sogar sein Plattenlabel Trikont in dieser Situation auf Distanz zu seinen Aussagen gegangen, was ich sehr bemerkenswert finde:
In den Kommentarspalten zu seinen Posts ist die Irritation groß. Neben Zustimmung gibt es viele Fans, die sich unter Protest von seiner Seite verabschieden. Wiederholt kritisierte auch die "Königlich Bayerische Antifa", eine auf Facebook aktive Antifa-Gruppierung, Söllner für seine Posts und geteilten Links und warf ihm vor, ins rechte Milieu und in Verschwörungstheorien abzugleiten.
Auf eine Anfrage der SZ zu Söllners jüngsten Posts reagierten nun auch Eva Mair-Holmes und Brendan Erler von Söllners Label Trikont, die zu Beginn ihres Schreibens die "jahrelange Zusammenarbeit und Freundschaft" mit Söllner betonen: "Wir schätzen ihn als Musiker mit seiner gesamten, bei Trikont veröffentlichten Musik, sehr. Insbesondere seine, auf Platten und auf der Bühne, aber auch privat stets gezeigte antiautoritäre und antifaschistische Grundhaltung." Dann aber werden die Label-Betreiber deutlich: "Wenn es allerdings um seine Äußerungen zur momentanen Situation geht, distanzieren wir uns ausdrücklich. Diese spiegeln in keinster Weise unsere Meinung zur aktuellen Lage wider. Seine Vergleiche mit dem 3. Reich entbehren jeder Grundlage und verharmlosen den Terror des Naziregimes in einer unerträglichen Weise."
Diese Reaktionen haben bei dem Künstler offensichtlich einen Eindruck hinterlassen, denn er hat sich letzte Woche von Facebook zurückgezogen, ob sein Account nur deaktiviert wurde oder ob er ihn gelöscht hat, ist nicht sicher und auch nicht, ob er ihn wieder aktivieren wird, wenn er sich wieder auf die "reale Welt" besonnen hat.
2015 zeigte sich Hans Söllner in seiner Biografieangetan von den Möglichkeiten sozialer Medien: "Auf Facebook lockst du auch das dümmste Arschloch aus seiner Höhle", ist da zu lesen. Aber damals sah er auch deutlich die Gefahr, sich im Netz zu verlieren: "Vielleicht hat das eine Art therapeutische Wirkung. Aber wenn du dich mit dem Scheiß von solchen Idioten herumschlägst, kannst du auch ganz leicht den Draht zur richtigen Welt verlieren." Söllner teilte nun der SZ mit, er werde mit seiner Facebook-Seite "kurzzeitig pausieren" und hat sie mittlerweile stillgelegt.
Nun glaube ich nicht daran, dass Hans Söllner durch diese Erfahrung sein eigenes Vorgehen wirklich hinterfragen wird und dass er nun auf einmal zu einem "frommen Lamm" wird, kann ich mir auch nicht vorstellen. Diese Erkenntnis nehme ich ihm aber ab:
Der SZ schreibt Söllner: "Wahrscheinlich ist das der Grund, warum ich nicht mehr auf Demos erscheine. Weil ich nicht mit diesen Mitläufern und Trittbrettfahrern der rechts- oder linksextremen Szene über einen Kamm geschoren werden möchte."
Für mich war der Söllner schon seit ich ihn kenne weder links- noch rechtsextrem, aber mir hat seine "extreme Art" zu polarisieren schon länger die Freude an seinen Liedern verdorben, denn natürlich muss JEDE/R seine kritische Sicht auf die Politik/Gesellschaft/Wirtschaft kundtun können, ohne Angst zu haben, dafür ins Gefängnis gesteckt zu werden, aber diese dummdämliche "Das wird man ja wohl noch sagen dürfen"-Plattitüde, die immer dann kommt, wenn man zuerst was total Provokantes/Verletzendes/Bescheuertes/Befremdliches/Beschämendes/Diffamierendes von sich gibt und dann zurückrudert, wenn die Reaktionen entsprechend der Provokation auch heftig ausfallen. Wir alle müssen damit leben, dass wir nicht immer für alles Zustimmung bekommen, was wir sagen und tun.

Mal schauen, wie sich Hans Söllner zukünftig verhalten wird und ich bin auch gespannt, ob er es schafft, sich öffentlich deutlich von denjenigen zu distanzieren, die ihn vor ihren Karren gespannt haben. Vielleicht wird er aber die "Geister", die er jahrelang rief, nie wieder los :grübel:
► Text zeigen
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
Dieser Beitrag enthält 900 Wörter


Liebe Grüße aus Rothenburg

migoe | www.liedermacher-forum.de
...
Manche Menschen wollen lieber durch Lob ruiniert als durch Kritik gerettet werden.

Benutzeravatar
Barde
...hat schon mal ein LT organisiert
Beiträge: 846
Registriert: Mi 18. Feb 2004, 19:04
Themen: 81
Alter: 56
Kontaktdaten:

Wieder so ein Kopfschüttelmoment

#13

Beitrag von Barde »

Hallo zusammen,

heute Mittag habe ich zufällig bei "Deutschlandfunk-Kultur" ein interessantes Interview gehört, das mit Eva Mair-Holmes (Betreiberin des Trikont-Verlages) geführt wurde und in dem sie näher erklärt, warum der Verlag sich von Hans Söllners Aussagen zu Impfungen und zur Corona-Krise distanziert hat. Sie ist schon seit Jahren mit Hans Söllner befreundet, ist aber wegen seiner Äußerungen in heftigen Streit mit ihm geraten. Anscheinend begreift er nicht, was er mit seinen öffentlichen Statements anrichtet - z.B. hat er Links auf seine Facebook-Seite gesetzt, bei der sich ihr die Haare gesträubt haben. Außerdem wird er jetzt von rechten Gruppierungen als eine Art Führungsfigur und Rebell gesehen, was zur Folge hat, dass einige rechte Blogs beim linken Trikont-Verlag um Interviews mit ihrem neuen Idol angefragt haben.

Momentan haben Holmes und Söllner vereinbart, dass seine Facebook-Seite vorerst deaktiviert bleibt und sie hofft halt darauf, dass die ganzen Aufregungen und Hygiene-Demos sich irgendwie legen werden, wenn sich die allgemeine Lage im Land entspannt und die ganzen Aufgeregtheiten abebben. Es kommt aber deutlich rüber, dass sie keinerlei Verständnis für Söllner in den strittigen Punkten hat. Außerdem äußert sie auch, dass der Konflikt gleichfalls dadurch entstanden ist, weil er wohl nicht begreift, wie man mit sozialen Medien richtig umgeht.

Ich interpretiere ihre Aussagen in dem Beitrag so, dass sie mit diesen Themen nicht so richtig an Söllner herankommt und das letzte Wort in dieser Sache noch nicht gesprochen ist.

Leider klappt es hier mit der Direktverlinkung nicht. Wer es nachhören will, geht auf die Seite deutschlandfunk.de und gibt in der Suche (oben rechts) das Stichwort "söllner" ein.

Im darauffolgenden Fenster dann auf "1 Audiofile (Mediathek)" klicken
In der Liste ist das Interview ganz oben unter "Tonart" um 16.10 Uhr anzuklicken.



Liebe Grüße

Barde
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
Dieser Beitrag enthält 319 Wörter


"Wer die Musik liebt, kann nie ganz unglücklich werden" - Franz Schubert

Benutzeravatar
migoe hat dieses Thema gestartet
Webmaster
Webmaster
Beiträge: 1922
Registriert: Sa 1. Feb 2003, 13:00
Themen: 430
Hat sich bedankt: 17 Mal
Danksagung erhalten: 30 Mal
Alter: 45
Kontaktdaten:

Wieder so ein Kopfschüttelmoment

#14

Beitrag von migoe »

Hallo Barde,
ich habe einen einfachen Weg gefunden das Konzert zu hören UND nachzulesen und zwar auf der Webseite vom Deutschlandfunk - der Audio-Stream ist nur über Umwege direkt herunterzuladen...
Hans Söllner - Linker Beifang im Netz der Rechten - Radiobeitrag Deutschlandfunk vom 25.05.2020.jpg
Ich finde diesen Teil des Gespräches sehr interessant:
Böttcher: Ist er sich dessen denn bewusst, dass so Teile seiner Äußerung auch im rechten Lager anschlussfähig sind, merkt er das, bei wem er da so Anklang findet?

Mair-Holmes: Er hat’s natürlich erst mal nicht gemerkt. Er hat’s dann in unseren Streits gemerkt, weil ich es natürlich dann immer wieder thematisiert hab. Und er war sich immer eigentlich wahnsinnig sicher, dass doch eh klar ist, wofür er steht. Deswegen hat er ja dann auf seiner Facebook-Seite, das hatten wir besprochen, immer seine Songs spielt, die ja Statement genug sind.

Aber das hat natürlich irgendwann auch nicht mehr funktioniert, weil diese Songs zu spielen und dann trotzdem einen Link zu teilen, wo einem die Haare zu Berge stehen; es ging nicht.

Aber er war wahnsinnig erschrocken, als er das erste Mal so ganz öffentlich auch über Facebook in diese Richtung gestellt wurde. Und dann ging es los, dass ich gemerkt habe, dass hier Anfragen kommen von so rechten Blogs zu Interviews. Wo ich gemerkt habe, jetzt läuft was total schief.

Das war für ihn wirklich ein großes Erschrecken, weil das wollte er natürlich überhaupt nicht. Er will mit diesen Leuten nichts zu tun haben. Das kann man nur immer wieder sagen. Aber er tut sich schwer, das, was er darin sieht und was er befürchtet, so weit wegzuhalten von den anderen, mit denen er nichts zu tun haben will, dass das ersichtlich wird nach außen. Deswegen glaube ich, dass seine Entscheidung, jetzt erstmal auf Facebook rauszugehen, die Richtige war.
Wem von uns ist das noch nicht passiert? Wir wollen auf die unangenehmen und schädlichen Folgen von Maßnahmen gegen ein potenziell tödliches oder zumindest für große Teile der Menschheit sehr gefährliches Virus hinweisen und "informieren" unsere 10tausende Follower völlig unverbindlich und ohne Hinweis darauf, dass wir die Quellen dieser "alternativen Fakten" gar nicht selber kennen oder geprüft haben darüber, wie sehr uns diese Entwicklung an die NS-Zeit herangebracht hat und wird dann völlig unvorbereitet und unverschuldet in die "Ecke" der rechten Hetzer, der Verschörungstheoretiker und Spinner geschoben - völlig unverschuldet, denn man wird ja wohl noch sagen dürfen...

:grübel: :weissnicht:

Ist Euch noch nicht passiert? Ja wo lebt Ihr denn? Gehört Ihr auch noch zu den naiven Schafen, die alles mit sich machen lassen und einfach nicht aufwachen wollen? Willkommen in der Herde :prost:
► Text zeigen
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
Dieser Beitrag enthält 480 Wörter


Liebe Grüße aus Rothenburg

migoe | www.liedermacher-forum.de
...
Manche Menschen wollen lieber durch Lob ruiniert als durch Kritik gerettet werden.

Benutzeravatar
Barde
...hat schon mal ein LT organisiert
Beiträge: 846
Registriert: Mi 18. Feb 2004, 19:04
Themen: 81
Alter: 56
Kontaktdaten:

Wieder so ein Kopfschüttelmoment

#15

Beitrag von Barde »

Lieber migoe,

besten Dank für die Hilfe. Hatte ein bisschen Mühe mit der Verlinkung.

Was die von dir zitierte Stelle des Interviews angeht, so ist dies auch der Teil gewesen, der mich am meisten schockiert hat - Interviewanfragen von rechten Blogs ... Alleine die Vorstellung, Hans Söllner würde z.B. von KenFM (Ken Jebsen) oder dem Portal "Political Incorrect" interviewt werden ... Igitt, nein danke. Und leider bin ich mir nicht einmal ganz sicher, ob Söllner nicht so dumm wäre, das auch noch zu machen. Unberechenbar genug ist er ja - leider.

Ein bisschen, bzw. teilweise, erinnert mich die Sache an den damaligen Beitritt von Hannes Wader zur DKP, als er in den Verdacht geriet, die RAF unterstützt zu haben und aus Trotz und Verärgerung darüber den falschen Weg einschlug. Das war aber in Teilen noch verstandesmäßig nachvollziehbar. Nur die Reaktionen seiner Fans waren damals gleichfalls heftig. Er sagte mal, dass er in diesen Zeiten per Post körbeweise zerbrochene Schallplatten zugeschickt bekam, von Leuten, die überhaupt nicht mit seiner Entscheidung einverstanden waren. Würde mich mal interessieren, wie der Hauptteil von Söllners Fans nun die ganze Sache sieht?

Liebe Grüße

Barde
Dieser Beitrag enthält 200 Wörter


"Wer die Musik liebt, kann nie ganz unglücklich werden" - Franz Schubert

Antworten

Zurück zu „Söllner, Hans“