Hans Söllner redet im Interview über Angela Merkel, den Protest, das Kiffen und den Tod

Patrick Wehner traf Hans Söllner in der Küche des Münchner Trikont-Verlags und sprach mit ihm über Angela Merkel, den Protest, den Abertausende junge Menschen 2018 auf die Straße trugen, über das Erstarken der Nationalisten, übers Kiffen und über seinen Tod. Veröffentlicht wurde das Interview auf www.jetzt.de

Der aus dem bayerischen Bad Reichenhall stammende Liedermacher hat sich durch seine anarchische aber konsequent querköpfige Art im gesamten deutschsprachigen Raum viele Freunde gemacht - und das obwohl er seine Lieder ausschließlich in seiner Heimatsprache - nämlich bayerisch! - singt und kein Blatt vor den Mund nimmt. In diesem Forum besteht die Möglichkeit zum Austausch...
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migoe
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Hans Söllner redet im Interview über Angela Merkel, den Protest, das Kiffen und den Tod

#1

Beitrag von migoe » Di 29. Jan 2019, 13:07

Am 01.11.2018 veröffentlichte das Online-Magazin jetzt.de dieses Interview von Patrick Wehner mit Hans Söllner, in dem es über Angela Merkel, den Protest, den Tausende junge Menschen 2018 auf die Straße trugen, über das Erstarken der Nationalisten, über Kiffen und über seinen Tod ging.
jetzt: Deine Wut auf die Politik, Gerichte und Polizei hat dich über die Jahre 300.000 Euro und viel Zeit und Freiheit gekostet. Die Polizei hat immer wieder dein Haus durchsucht, dich auf der Straße kontrolliert. Warum hast du dieses Spiel so lange gespielt?

Hans Söllner: Das war kein Spiel für mich. Für die Polizei war es eines! Die wollten mich kleinkriegen. Ich hab die oft sagen hören, jetzt haben wir dich! Am Arsch! Ich hab nichts verbrochen, nichts gestohlen, habe niemand verletzt, bin nicht gewalttätig geworden. Gar nix.

jetzt: Du hast Menschen beleidigt.

Hans Söllner: Ja, ich habe einem Arschloch gesagt, dass er ein Arschloch ist. Mein Gott, der Franz Josef Strauß hat den Grünen so oft gesagt, dass sie Verbrecher sind. Auf der Bühne. Ich bin halt ein Bayer, gottverdammt. Bei bestimmten Sachen bin ich eben impulsiv.
Solche Aussagen sind nicht ungewöhnlich für Hans Söllner und es gibt auch viele Menschen, die ihn dafür feiern. Ich persönlich finde, dass er es sich doch ziemlich einfach macht, sein unverschämtes, respektloses und unreifes Getue damit zu entschuldigen, dass er ein gottverdammter impulsiver Bayer ist.

Leider hat das Lesen dieses Interviews bei mir dazu geführt, dass ich diesen Künstler nicht mehr ernst nehmen kann, obwohl er in seinen Liedern teilweise Dinge anspricht, die ich auch kritisch sehe.
Hans Söllner über Merkel, Kiffen und Protest - Musik - jetzt.de.jpg
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Helmut
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Re: Hans Söllner redet im Interview über Angela Merkel, den Protest, das Kiffen und den Tod

#2

Beitrag von Helmut » Di 29. Jan 2019, 18:36

Lieber Michael

Du traust dich war, da mach ich doch gleich weiter:

Söllner macht es sich nicht nur leicht, sein Getue zu entschuldigen.
Als Lehrer hatte ich schon immer ein Problem mit seiner offen dargebotenen Haltung zu Drogen. Am meisten gestört haben mich aber seine unreflektierten Rundumschläge gegen all das, was über seinen Horizont geht. Sein Lied „Hey Staat“ könnten sich auch die Reichsbürger zu ihrer Hymne machen.

Gruß Helmut
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Carsten K
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Re: Hans Söllner redet im Interview über Angela Merkel, den Protest, das Kiffen und den Tod

#3

Beitrag von Carsten K » Mi 30. Jan 2019, 03:59

Na ja, diese Haltung zu Drogen, die stete Forderung, Cannabis zu legalisieren, die kenne ich auch von anderen Liedermachern wie Götz Widmann (bzw. Joint Venture), und sie ist bei den legendären Liedermaching-Festivals in Kevelaer ständiges Thema gewesen. Das mag man gut finden oder auch nicht, und es macht da wahrscheinlich tatsächlich ein Unterschied sein, in welchem (Bundes-)Land man lebt.

In NRW, Hessen und Berlin (da wo ich bis jetzt gewohnt habe) ist es nicht so ungewöhnlich, dass Leute kiffen, und sie werden dafür auch nicht großartig strafrechtlich belangt, obwohl es auch dort illegal sein mag, Haschisch statt Alkohol zu konsumieren. Bei einer Ferienfreizeit in einem bayerischen Tageshaus habe ich aber auch mal eine frühmorgendliche Polizeirazzia erlebt, bei der die Justizbehörden sich erhofften, Hanfpflanzen im Garten zu finden. Da ging es ganz anders ab, und ich war froh, nicht in diesem Bundesland leben zu müssen, obwohl ich selbst ja gar nicht kiffe sondern bloß saufe, ähnlich wie die meisten Ureinwohner dort. Insofern kann ich nachvollziehen, dass ein Hans Söllner sich da vielleicht etwas radikaler positioniert, auch wenn ich seine sich selbst bemitleidende Performance und seine Selbstinszenierung als angeblicher Widerstandskämpfer gegen "das System" persönlich eher als befremdlich empfinde.

Ihn deshalb mit rechtsradikalen "Reichsbürgern" zu vergleichen finde ich allerdings ziemlich daneben, Helmut, auch wenn Du ihn vielleicht ebensowenig mögen magst wie ich. Hans Söllner mag zu Hause bei sich vielleicht Unmengen von Haschisch horten, aber bestimmt keine Schusswaffen, so wie diese "Reichsbürger", die von ihren Schlusswaffen ggf. auch Gebrauch machen, falls sie von der Polizei aufgefordert werden, sich auszuweisen. Hans Söllner mag straffällig werden, weil er andere, die ihm nicht passen, "Arschloch" nennt und damit beleidigt (zugegeben eine Straftat), aber eine solche Straftat kann man ja nicht damit vergleichen, wie wenn jemand glaubt, bloß weil er sich dieser freiheitlich-demokratischen Grundordnung nicht zugehörig fühlt, berechtigt zu sein, auf andere Menschen zu schießen und diese im schlimmsten Fall zu töten.
Dieser Beitrag enthält 341 Wörter


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Helmut
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Re: Hans Söllner redet im Interview über Angela Merkel, den Protest, das Kiffen und den Tod

#4

Beitrag von Helmut » Mi 30. Jan 2019, 08:47

Lieber Carschti

Als Lehrer hab ich erlebt, wie sich Jugendliche mit dem Hasch-Konsum verändern (zugegeben, man kann über Ursache und Wirkung streiten). Das Unmögliche ist dann auch noch, dass er in seinen Liedern den Konsum verherrlicht bzw. verharmlost (z.B. Edeltraut).


Bezüglich Reichsbürger unterstellst du mir Dinge, die ich nicht geschrieben, geschweige gedacht habe. Ich habe mich speziell auf das Lied "Hey Staat" bezogen, in dem er die frage stellt, was der Staat für ihn mache. Allein wenn er mit dem Auto zu einem Konzert fährt, könnt er sich die Frage beantworten. Ich hab sinngemäß nur geschrieben, dass sich Reichsbürger ähnliche Fragen stellen. Man kann es begrüßen, wenn ihm bei dem Lied Leute zujubeln, ich halte es schon für gefährlich.

Liebe Grüße
Helmut
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