Wichtig: Spam-Nachrichten von Bot-Konten – bitte keine Links anklicken!

Hallo zusammen,

in den letzten Tagen haben einige von euch private Nachrichten von unbekannten Konten mit Links erhalten, zum Beispiel mit dem Betreff „Darf ich dich was fragen?".

Vielen Dank an alle, die diese Nachrichten gemeldet haben!

Was passiert ist
Das Forum wurde vor einiger Zeit auf einen aktuellen Stand gebracht. Dabei sind einige Dateien nicht vollständig übertragen worden. Dadurch sind wohl wichtige Sicherheitsfunktionen ausgefallen, unter anderem bei der Abfrage im Rahmen der Neuregistrierung (Captcha). So konnten sich diese Bots anmelden.

Das Besondere: Anders als bei früheren Spam-Wellen wurden keine Beiträge in den Foren erstellt, die ich sehr schnell entdeckt hätte, sondern es wurden wahllos aktive Mitglieder per PN angeschrieben. Das ist eine neue Qualität und lässt sich schwieriger bekämpfen.

Was ich getan habe
- Die Bot-Konten sind gelöscht.
- Die Systemdateien wurde nochmals gecheckt und in 2 Fällen musste tatsächlich korrgiert werden.
- Neue Registrierungen muss ich jetzt zuerst freischalten. So kann ich selbst entscheiden, wie dringlich das Problem noch ist.
- Den E-Mail-Anbieter, über den die Anmeldungen liefen (zum Glück immer derselbe), habe ich gesperrt. Erfahrungsgemäß ist das aber nur eine Frage der Zeit, bis auch diese Hürde genommen wird.

Was ihr tun könnt
- Klickt auf keinen Fall auf die Links in solchen Nachrichten und gebt dort keine Daten ein.
- Löscht die Nachricht oder meldet sie über die Funktion „Melden".
- Falls ihr doch geklickt und irgendwo Daten oder ein Passwort eingegeben habt, ändert bitte sofort das betroffene Passwort (und überall dort, wo ihr dasselbe noch verwendet).
- Steht als Absender „Anonymous", stammt die Nachricht von einem bereits gelöschten Bot-Konto. Ihr könnt sie einfach löschen.
- Kommt eine verdächtige Nachricht von einem Konto mit einem Namen der Euch "komisch" vorkommt, z.B. MiaAbc23 oder sowas, leitet sie bitte an mich weiter oder meldet sie, dann kümmere ich mich darum.

Und wie immer gilt, auch im Hinblick auf die KI-Technik („neu" ist vielleicht übertrieben ;-) ): Alles kann zum Guten wie zum Schlechten genutzt werden.

Administrative Grüße von migoe aus der KI-Hölle ;-)

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Du hast selber ein Lied geschrieben und willst ein ehrliches Feedback? Dann sei mutig und teile Deine Gedanken und Ideen mit uns. Wir können nicht versprechen, dass wir alles gut finden, aber wir werden uns um ein ehrliches und konstruktives Feedback bemühen.
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Sysipon hat dieses Thema gestartet
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Jan 2006 03 22:54

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Beitrag von Sysipon

#1

Moin moin,
erst kurz dabei, aber interessiert: Wie schreibt Ihr Eure Lieder? Zuerst dachte ich, dieses Forum würde nur Rezeption betreiben, bis ich dann diese etwas staubige Kreativ-Ecke fand und feststellte: Es gibt noch andere da draußen.
Aber wenn es eine Kreativ-Ecke gibt und einige an eigenen CDs arbeiten, muß auch inhaltliches Potential da sein. Oder?
Ich dilletiere seit Oktober 2002 auch als "Liedermacher" für privat und Freunde ein wenig auf der Gitarre, also recht klassisch am Klischee orientiert (um mal mit dem Auge zu zwinkern) ;-) . Dabei stellte ich flott fest, dass nach einem kurzen, aber wirklich schönen Kreativschub die Ideen ausblieben und auch die für Amateure wie mich schwierige Melodiefindung immer problematischer geriet. Mittlerweile geht es, mir fallen immer mal wieder ein paar hübsche Dinge ein, aber das passiert so unregelmäßig und teilweise überraschend, dass es mich sogar frustriert. Man kann sich nie darauf einstellen und wird sozusagen stets von hinten gestellt.
Habt Ihr Techniken oder Tricks, mit denen Ihr auch bewußt Ergebnisse hervorrufen könnt? Oder ist diese Spontaneität normal? Kann man das Komponieren und Texten trainieren? Wie schreibt Ihr? Wie sieht es z.B. mit dem Klavier aus? Oder der Trompete? Was sollte man bei Texten beachten? Wieviel Akkorde verträgt eine Melodie? Was inspiriert Euch? Kann man aus Bauteilen Stücke flicken oder besser "auf einen Rutsch" das Schreiben durchziehen?
Auf eine fruchtbare Diskussion, die mich sehr reizt!!! :kiss:
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Benutzer 298 gelöscht
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Jan 2006 04 00:05

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Beitrag von Benutzer 298 gelöscht

#2

Hallo Lukas,
schön, dass du da bist !
Deine Frage, die zwar nicht die Welt, aber auch mich seit einiger Zeit bewegt, kann hier mit Sicherheit kompetent, wenn auch nicht allgemeingültig beantwortet werden.-
Mich interessieren hauptsächlich die textlichen Aspekte, da sich meine Musikalität leider nur aufs Zuhören beschränkt.
Hallo ihr Barden, Minnesänger, Liedermacher....plaudert doch mal aus euerm Nähkästchen !
Hmm-ich bin gespannt-du auch ?
Gruß Annette
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Benutzer 141 gelöscht
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Jan 2006 04 00:13

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Beitrag von Benutzer 141 gelöscht

#3

Hi Sysipon,
Erst mal Hallo und Willkommen im Forum. Schön, dass Du Dich gleich so beteiligst
Du stellst echt eine sehr interessante Frage, die mich natürlich auch immer wieder beschäftigt, da ich meine Liedermacherseite mehr ausbaue (normalerweise bin ich bisher noch viel als Historiensänger unterwegs und trete als Spielmann und Barde auf).
Ich glaube, dass es keine allgemein gültigen Regeln gibt, die absolut zu setzen sind und für alle gelten. Für mich war es eine wichtige Erfahrung, dass richtig gute Lieder nur entstehen, wenn ich bereit bin, mich persönlich ein gutes Stück zu zeigen. Ein reines "Kopfgewichse" bringt allerhöchstens ordentliche Reime hervor, die handwerklich sauber aneinandergereiht "nette" Lieder produzieren. Aber dies reißt mich dann meistens selbst nicht so recht vom Hocker. Ich schreibe manchmal Lieder, die dann für immer im "Giftschrank" oder im Papierkorb landen, weil ich selbst merke, dass mehr mit dem Verstand als mit dem Gefühl geschrieben worden ist. Jetzt könnt ich natürlich noch die alte Weisheit von mir geben, dass Du es einfach laufen lassen musst und es nur fliessen läßt. Dies stimmt aber auch nicht immer: ich habe z.B. für einige Gelegenheiten unter Zeitdruck Lieder schreiben müssen, die dann recht passabel geraten sind obwohl - oder weil - Druck da war.
Aber um auch ein Gegenbeispiel zu nennen, dass Druck und Wollen manchmal sehr kontraproduktiv sind: Meine Ex hatte sich z.B. beklagt, dass sie nie ein Lied gewidmet bekam, Jahre später nach der Trennung und dem immer noch anhaltenden Rosenkrieg kam ein Lied mir zugeflogen (anders kann man es nicht ausdrücken), das ihr "gewidmet" ist. Es würde ihr sicherlich nicht gefallen, aber nach Ansicht meiner Freundin ist es "mit Herzblut geschrieben" Die Zeit war reif .... "und ein Liebeslied ist es leider nicht geworden" (so stehst in der letzten Strophe)
Noch eine Bemerkung:
Auch manchen "großen Kollegen" merkt man die Schwierigkeiten beim Texten und Komponieren an. Hör Dir mal die CDs der Cracks sehr kritisch an und analysiere mal die Texte und Melodien ohne den Touch der Fanverehrung oder Vergötterung. Wenn Du Dich sehr genau fragst, warum Dir manche Lieder sehr gut gefallen und warum Du manche nur mittelmäßig oder schlecht findest und Du genau benennen kannst , woran das liegt, bekommst Du automatisch mehr Mittel zur Hand Deine eigenen Werke besser zu gestalten.
Es ist übrigens ein unerschöpfliches Thema, zu dem es noch sehr viel mehr zu sagen gibt, aber es wird Zeit für mich in die Heia zu gehen. Ciao
Grüße vom Barden
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Sysipon hat dieses Thema gestartet
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Jan 2006 04 14:58

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Beitrag von Sysipon

#4

Moin Barde et al.,
Ich mußte eben schmunzeln. Mann, so geht es mir auch! Bin im September verlassen worden, was mir aber die Kreativität ungemein angekurbelt hat. Am verblüfftesten war ich dann, als plötzlich - zwischen all dem Zeug, das man Alltag nennt und nicht immer gebrauchen kann - ein Text einfiel ... fast spontan und komplett, was ich bis heute nicht ganz verstehe. Das passiert halt. Und der war an eine seit 2 Jahren fast vergessene Liebe gerichtet ... Was in diesem speziellen Moment zuerst keinen Sinn machte, aber einfach auch auf eine sehr intime Weise schön ist.
Es stimmt schon, allgemeine Regeln gibt es nicht. Das unterschreib ich gern und jederzeit. Mir geht es oft so, dass erst ein Impuls von außen kommen muß, um mir eine Idee zu liefern. Aktuelles Beispiel: Ein alter Freund rief mich Weihnachten an, man traf sich zum Kaffee und er erzählte mir von seinem Plan, einen Film zu drehen. Das ist ja so nichts ungewöhnliches. Aber ich sollte mich ein wenig um die Musik kümmern, was mich zuerst stolz, dann etwas ängstlich machte: Um was ging es denn eigentlich? Na, es soll ein Roadmovie in Schleswig-Holstein werden, was ja eine nette Sache sein kann. Nachdem mein Freund dann weg war, ging mir das aber nicht mehr aus dem Kopf. Und siehe da: Mir fiel zufällig (na gut - ich hab mal wieder in alten Papieren gestöbert) ein altes Gedicht von ihm in die Finger, dessen Thema mich sofort auf eine Idee für den Filmsong brachte. Tja - plötzlich sprudelte der Text. Etwas kitschig zwar, aber ganz hübsch und brauchbar.
Was war nun mit der Musik? Ich hatte mal ein paar dramatisch- schwülstige Akkodfolgen, fast etwas hymnenartig, niedergeschrieben. So was bewahre ich immer auf, was sich oft bewährt. Hab damit vorerst den Text unterlegt, was sich aber wie eine sehr krude Mischung aus Westernhagen und Freddy Mercury anhörte (nicht, dass ich so singen könnte, aber vom Stil her halt). Und dann führte mein Vater mir gestern eine DVD von den "Wise Guys" aus Köln vor. Zum einen hauten die mich völlig um - das war's, endlich mal wieder frischer, humorvoller und intelligenter Input! Und zum andern fiel mir die etwas zurückhaltende Kritik meines Kumpels ein: "Etwas weniger Westernhagen, mehr Die Sterne" und "funky" solle es sein. Na, was macht man da. Hab mir die Wise Guys angehört und kam auf die Idee, einen Reggae zu benutzen und die Melodie etwas anzugleichen. Und siehe - es passt.
So etwa ist das ganz häufig bei mir. Es gibt nur wenige völlig aus mir selbst heraus entstandene neuere Sachen, meist höre ich irgendwas und hab dazu eine andere Idee. Ich habe auch schon mal ganz bewußt meine mp3-Sammlung durchgehört, aber so was funktioniert dann auch nicht. Wie Paul McCartney mal gesagt haben soll, man muß sich den Schwingungen des Universums öffnen und frei machen. Im richtigen Moment passt es dann schon. Das schönste Erlebnis war in dieser Hinsicht ein Frustgang zu meiner Tanke um die Ecke, als es mit einem Mädchen nicht so klappte. Da fielen mir die Wörter und die Melodie gleichzeitig wie Bauklötze zu, so dass ich gar nicht schnell genug das Bier holen und nach Hause spurten konnte, um das festzuhalten. Sonst hätte ich's sicher vergessen.
Ich vermute, dass das Liedermachen sich oft in diesem Rahmen zwischen Überraschung, Wollen und Zufall abspielt. Das Leben ist halt oft nur Glücksache, oder? ;-)
Und was Du gesagt hast, Barde, "ein Stück von sich selber" preisgeben, das ist meiner Erfahrung nach der beste Weg, andere zu erreichen. Es garantiert keinen monetären Erfolg (aber welcher Künstler will denn schon Geld für seine Kunst? Ist doch alles Ehrensache für die Menschheit ... hust ... räusper), bleibt aber haften und spricht viele an. Wir sind alle emotional ähnlich gestrickt, Liebe ist Liebe und das hat fast jeder mal auf irgendeine Weise erlebt - wenn man da seine Erinnerungen und Ansichten offen präsentiert, kommt das meist gut an. Etwas verpackt und natürlich nicht protzig, mein Gott! Aber halt so, als rede man von etwas selbstverständlichem. Hm, schwer zu erklären. Hoffentlich versteht Ihr, was ich meine?
Oder?
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Clemens
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Beitrag von Clemens

#5

Hallo Lukas :-)
Danke für dieses tolle Thema!
Hallo Alle :-)
Zuerst, ich bin kein Liedermacher. Aber ich schreibe so allerlei.
Ja, ich hab etwa zehn Lieder gemacht die gemocht werden, aber vielmehr werden es nicht werden. die meisten sind entstanden, womit ich beim Thema wäre, weil ich für die musikalische Begleitung der Kinderbibeltage in unserer Kirchengemeinde verantwortlich bin. Vor 8 Jahren fand ich kein passendes Lied zum Thema. Ich setzte mich hin und formte an der Geschichte - einen Kehrvers und pro Tag und Thema eine Lied-Strophe. Die Melodie des Kehrverses kam mit einem Mal - also hab ich sie so oft gesungen, bis ich sie in - und auswendig hatte. Dann habe ich mit dem Notenblatt am Klavier Ton um Ton aufgeschrieben.
Am schwierigsten war für mich dabei die rythmischen Feinheiten vom inneren Hören aufs Papier umzusetzen. Mit Hilfe eines PC-Programmes hab ich die gesetzten Noten hörbar gemacht und letzte Korrekturen durchgeführt. Danach habe ich die Strophen an der Gitarre "zusammenprobiert" - immer wieder den Refrain dazwischen singend. Das Echo der Kinder war so überwältigend, dass ich danach fast jedes Jahr diesen Termin zum Anlass nahm.
Also, für alle diese Lieder hatte ich Thema oder sogar eine Geschichte vorgegeben.
Mit dem Schreiben allgemein ist es bei mir völlig verschieden. Oft nehme ich einen Anlass wie Geburtstage. Dann stelle ich mir den Empfänger vor und was mich mit ihm verbindet. Dabei kommt mir ein Grundgedanke, an welchem sich schnell die Worte auffädeln. Manchmal geht allerdings auch beim besten Willen nix zusammen. (Dann greif ich lieber in die alten Skripte.)
Völlig aus mir heraus habe ich eigentlich seit meiner Kindheit immer dann geschrieben, wenn ich am tiefsten unten war. Da sind dann Dinge aufgebrochen, welche ich mit niemandem hätte besprechen können. Da hat es mich geschrieben zu Gedichten, Geschichten, Märchen. Viel später hab ich gemerkt, dass dies vielleicht die besten Sachen waren, die ich aufgeschrieben habe.
Naja, so ist das eben bei mir mit dem Schreiben...
Liebe Grüße von Clemens
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migoe
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Beitrag von migoe

#6

Liebe Künstler,
ich wollte mich zuerst nicht äußern, weil ich wirklich nicht zum Kreise der Dichter und Sänger gezählt werden kann, aber eigene Erfahrungen zum Thema "Kreativität aus sich schöpfen" kann ich vorweisen. Im Grunde ist es ja egal, ob man ein Lied schreiben (will), eine Predigt verfassen möchte oder eine Geschäftsidee umsetzen möchte. Kreativität und Motivation ist immer von Nöten. Das Erste ist ohne das Zweite nicht denkbar!
Meine Kreativität sprudelt auch eher unter Druck am Ergiebigsten, so wie es wohl bei den meisten Menschen der Fall sein dürfte. Dieser Druck ist aber nicht negativ gemeint und kommt auch nicht von "außen", sondern ich meine den inneren Druck, also z.B. wenn man von einem Gefühlchaos übermannt wird oder man seine Sache "besonders gut" machen möchte. Dann ist die Motivation groß sehr kreativ zu sein, dann "sprudelt die Quelle" wie von selbst.
Wenn man ein persönliches Anliegen hat, dann fällt es einem leichter, daraus etwas Ansprechendes für andere zu "formen" und die Zuhörer nehmen einem das auch ab. Wenn man es dann noch versteht die Geschichte, die man erzählen möchte, so zu verpacken, daß sie unterhält, dann ist das Ideal erreicht.
Also, nicht hinsetzen und zwanghaft was aufs Papier bringen, sondern aus dem Erlebten Geschichten "extrahieren" und dem Thema entsprechend verpacken.
Was meint Ihr?
migoe
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Sysipon hat dieses Thema gestartet
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Beitrag von Sysipon

#7

Ich bin doch verblüfft, dass es uns so ähnlich geht. Und so gut wie Migoe hätte ich es vermutlich nicht formulieren können: "Also, nicht hinsetzen und zwanghaft was aufs Papier bringen, sondern aus dem Erlebten Geschichten 'extrahieren' und dem Thema entsprechend verpacken."
Das trifft den Punkt zwischen Überraschung, Wollen und Zufall ziemlich gut, glaube ich. Etwas zu transportieren, vermitteln und weitergeben zu wollen ist das Entscheidende. Dann sprudelt es.
Ich möchte noch etwas für Anette hinzufügen, die den textlichen Aspekt erwähnte. Das ist nämlich wirklich schwierig, finde ich. Jeder ist unterschiedlich begabt, ich z.B. kann nicht besonders toll singen und mein Gitarrenspiel macht auch nur wenig Fortschritte, dennoch ist es ein undefinierbares Verlangen von mir, mich musikalisch zu artikulieren. Dazu gehört auch der Text, der in dieser Situation dann einen hohen Stellenwert einnehmen muß, um die übrigen Unzulänglichkeiten zu ... na ... äh, zu Randerscheinungen zu machen und das ganze etwas aufzuwerten.
Und da geht es dann schon los. Reim Dich, oder ich fress Dich, denk ich oft, wenn es wieder mal nicht geht. "Der Inhalt gut, der Reim recht schwer, der Schluß die größte Last" hab ich mal gefrustet eine Zeile geschunden, die mir lieb geworden ist. Seit der Invasion der dümmlich-naiven Schlagertexte fällt es manchmal schwer, ein den eigenen Ansprüchen gewachsenes Gedicht zu schreiben. Ja, ich meine tatsächlich "Gedicht", denn wenn ein Text auch ohne Musik funktioniert, ist er meist wirklich gut. Da hapert es denn auch oft bei mir ... Billige Metaphern (Sonnenuntergänge seien bitte tabu), einfallslose Stereotypen (mein Herz zerbricht) und Stegreif-Reimschemata machen mir oft zu schaffen. Ich neige leider dazu, erst den dämlichen Quatsch zu sülzen und dann zu denken: "Oh nein, das klingt wie Wolfgang Petri - weg damit!" Und das größte Problem ist das Wörtchen "Und" an jedem dritten Zeilenanfang ... kommt das auch anderen bekannt vor? Ein wenig hat mir mein Germanistik-Studium geholfen, weil durch die Auseinandersetzung mit Paul Celan oder den Klassikern tatsächlich Sprachempfinden und -wahrnehmung geschult wurden. Aber auch das ist begrenzt geblieben.
Humor ist auf jeden Fall wichtig, möchte ich noch sagen. Ich will keine Lieder hören, in denen man mir den Zeigefinger direkt vor die Nase hält. Das hat meine Mutter oft genug gemacht :-D . Ich liebe Ironie, subtile und unterschwellige Spöttelei. Aber da gibt es nur wenige, die das beherrschen. Auch ernste Themen oder Liebeslieder vertragen durchaus Selbstironie, einen Schuß Humor - natürlich in Maßen. Wenn ich schaffe, meine Lieder auch schmunzelbar werden zu lassen, bin ich glücklich. Das passiert aber viel zu selten. Erst neulich hat mich Hermann Allmers, der Marschendichter aus der Wesermarsch, so genervt (ich mußte seine 19. Jahrhundert-Lyrik für die Uni bearbeiten), dass ich ein satirisches Lied auf ihn geschrieben habe. Meine Freunde in Münster kannten den Typen gar nicht, also haben sie nur den Unterton wahrgenommen und meine inhaltlichen Anspielungen bloß hingenommen, sich aber trotzdem amüsiert. Darauf bin ich ein klein wenig stolz. :-D
Wenn ich das so lese, fällt mir auf, dass das Liedermachen auch immer ein Kampf ist. Ich kämpfe mit der Gitarre, mit meiner Stimme und mit den Wörtern. Aber jetzt werde ich mich hinsetzen und noch zusätzlich mit dem Computer kämpfen, denn ich habe ein verspätetes Weihnachtsgeschenk in Form eines Mikrofons bekommen, das ich gleich ausprobieren möchte. Aber das ist, glaube ich, ein anderes Thema.
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Benutzer 298 gelöscht
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Jan 2006 06 14:37

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Beitrag von Benutzer 298 gelöscht

#8

hallo lukas , hallo schreiberlinge !
ich bin erstaunt über euch und melde mich deshalb noch mal zu wort.
bis jetzt haben sich nur männer gemeldet und ich wundere mich, dass ihr offensichtlich ausschließlich intuitiv ans dichteln rangeht (was ja nicht verkehrt ist).
ich gehe da, wenn ich unbedingt schreiben möchte, will oder muss, systematischer vor.also-ich versuche es mal mit einem beispiel :
ich möchte ein gedicht schreiben, thema offen.ein leeres blatt papier.vielleicht denke ich an 'schuhe' (typisch *g*).ich mache mir ein "cluster".-ein germanistikstudent kennt das sicher ! für alle anderen: ich schreibe das wort in die mitte und kreise es ein, dann gehen die gedanken auf reisen.-ich schreibe auf : neu, ausgelatscht, rot, turnschuhe, pumps,hochhackig, unbequem....kreise jeden begriff ein und verbinde ihn mit den anderen.finde neue begriffe zu unbequem-vielleicht tanzen-dann tanzen- XYZ kennengelernt-usw.-und schon kann ein liebesgedicht oder auch nicht daraus werden.je nachdem wie bequem die schuhe waren *g*.der begriff "schuhe" wird in diesem fall zu einer metapher für "kennenlernen".ja-und wenn es sich reimen soll-da gibts wunderbare reimlexika im net für den notfall. sich mit versmaß und reimchema, silbenhebungen-und senkungen auseinanderzusetzen, kann auch nicht schaden.-ungleich schwieriger empfinde ich es, das ganze in töne umzusetzen -wie das geht ,ist mir sowas von schleierhaft !
liebe grüße
annette
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migoe
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Beitrag von migoe

#9

Hallo Sysipon,
Und das größte Problem ist das Wörtchen "Und" an jedem dritten Zeilenanfang ...

dazu fiel mir ganz spontan ein Satz, der mit "Und" beginnt ein, der mich seit Monaten verfolgt, wohl auch, weil das dazugehörige Lied in allen Radiostationen rauf und runter gespielt wurde:
Und wenn ein Lied meine Lippen verläßt, dann nur, damit Du Liebe empfängst...

Dieser kleine Satz von Xavier Naidoo sagt einem beim Hören so viel, obwohl er mit "Und" beginnt...wer den Satz nur liest (und das Lied kennt) summt innerlich automatisch mit - Stimmt's?
migoe
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Gast
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Jan 2006 06 19:47

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Beitrag von Gast

#10

Das Und ist nicht schlimm, schlimm ist, dass XN nicht dichten kann.
Schönen Abend
Engel
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Sysipon hat dieses Thema gestartet
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Beitrag von Sysipon

#11

Ob "XN" nun dichten kann oder nicht, sei ein anderes Thema; das bringt uns inhaltlich hier wenig vorwärts, da er selber nichts über seine Schreibe oder sein Dichten zu diesem Forum beisteuert, was ich schade finde. Xavier, sag mal was dazu!
Aber es leitete mich über zu einer Idee: Mal abgesehen von "und" habe ich mir bislang noch keine Gedanken über die Thematik "Reime" gemacht, jedenfalls nicht genug, glaube ich. Muß sich alles reimen, damit das Schema immer passt? Habe gestern den ganzen Tag darüber immer wieder nachdenken müssen. Verträgt ein Lied die Reimfreiheit? Warum wird oftmals instinktiv zur Waffe "Reim" gegriffen, obwohl es doch wunderbare moderne Gedichte ohne Reime gibt?
Bin noch nicht mit dem Denken fertig, das dauert stets ein wenig. Vielleicht könnt Ihr mir ja weiterhelfen ...?!?
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Clemens
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Jan 2006 12 00:38

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Beitrag von Clemens

#12

Hallo Sysipon,
Verträgt ein Lied die Reimfreiheit?
ganz bestimmt, meine ich, auch wenn man in einzelnen Lexika dogmatische Feststellungen engegengesetzter Aussage findet. Wenn die Wortwahl gut ist und die Musik stimmig, ist es völlig gleich, ob Versmaß oder Reim Verwendung finden.
Beide können jedoch sehr hilfreich sein. Und dabei denke ich erst in zweiter Linie an den Schöpfer. Ein in Reime und Verse gesetztes Lied ist einfacher zu hören, einfacher aufzunehmen und einfacher zu singen. Ich erinnere noch nach Jahren Lieder und Gedichte in Reimform, wenn nur die erste Zeile anklingt.
Wenn ich den Reim nicht als Waffe, sondern als hilfreiches Werkzeug ansehe, dann ist er willkommen. Eine Waffe übt Gewalt um der Macht Willen, ein Werkzeugt übt Gewalt um der Hilfe Willen.
Als Beispiel setze ich Dir zwei Gedichte (von mir zeitnah und an die gleiche Person gerichtet) hier ein, von welchen eines ohne Reim auskommt während das andere damit lebt. Welches davon wäre Dir einfacher als Lied vorzustellen?
Dein Gesicht
Dein Gesicht ist in mir
Nicht die Fotografie
Von damals von gestern von jetzt
Nicht die Haut zwischen Hals und Haar
Welche ich so gerne liebkose
Nicht die Linien des Mundes der Augen
Die Form von Ohren und Nase nicht
Unter den Fingern sie empfindend
Was also ist Dein Gesicht
Es ist Teil Deiner Seele
Im Ausdruck tiefster Empfindung
Es ist Teil Deines Selbstschutzes
Im Schild der Versteinerung
Es ist meine Hoffnung
In seiner Offenheit
Mein Lehrmeister
In seinem Unmut
Meine Aufgabe
In seiner Ratlosigkeit
Es ist jener Teil von Dir
Welchen ich mit dem Herzen zu sehen vermag
Ich liebe seinen Wandel
Ich liebe seine Beständigkeit
Ich liebe
DICH !

Zum 12.
Zwölf Jahre sind eine lange Zeit,
doch scheint sie mir nicht unendlich.
Es wiegt wohl genug, was uns entzweit
und die Liebe macht missverständlich.
Und dennoch, ich lebte jeden Tag
im Bannkreis - verwünscht und geliebt!
Wann sag ich, wenn ich es jetzt nicht sag,
"Wie wichtig, dass es Dich noch gibt!" ?
Ich wünsch mir die guten Stunden,
mit dem was an Liebe gewesen,
werden einst schwerer befunden,
wenn Böse und Gut wird verlesen.
Bis dahin will ich mich mühen
die Wichte so zu verschieben.
Vielleicht kann dann öfter erblühen
ein Stück vom irdischen Lieben.
Liebe Grüße von Clemens
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Jan 2006 12 03:10

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Beitrag von Skywise

#13


Sysipon schrieb:
Verträgt ein Lied die Reimfreiheit? Warum wird oftmals instinktiv zur Waffe "Reim" gegriffen, obwohl es doch wunderbare moderne Gedichte ohne Reime gibt?
Klar verträgt ein Lied die Reimfreiheit.
Wenn ein Lied Melodienfreiheit, die Versmaßfreiheit oder sogar die Musikfreiheit verkraftet - warum soll's denn am Reim scheitern :-D Beispiele dafür gibt es wirklich genug, auch bei den "althergebrachten" Liedermachern wie Ludwig Hirsch, Reinhard Mey, Wolfgang Ambros oder Hannes Wader.
Allerdings wirken Lieder, die sich um Reime und Versmaß bemühen, von Haus aus "eingängiger" als die Sachen, die vollkommen eigenständig und unabhängig von althergebrachten Regeln entwickelt werden. Manche Leute glauben auch, daß es ein Zeichen für Sprachbegabung ist, wenn es den Textern gelingt, ihre Worte in Reime zu packen - eine Ansicht, die ich nicht unbedingt teile (auch die Bohlen-Lieder reimen sich ... ), aber verstehen kann, wenn ich mir vor Augen halte, wie viele modern gestaltete Gedichte das Licht der Welt erblickt haben, seit jeder auch nur halbwegs technikinteressierte Primat seine geistigen Ergüsse auf eigenen Internetseiten über der Online-Menschheit ausschüttet. Häufig haben derartige Machwerke außer einem übermäßigen Einsatz der Return-Taste nichts zu bieten, was den Stand des kleinen, aber feinen Rests nicht gerade erleichtert.
Umgekehrt habe ich mich auch schon mal gefragt, ob es nicht Lieder gibt, denen die eigenen Reime im Weg stehen, um wirklich verstanden oder bewußt wahrgenommen zu werden :-D
Die Frage habe ich mir mal gestellt, als ich gemerkt habe, daß die meisten Leute das Lied "Griechischer Wein" von Udo Jürgens / Michael Kunze nur bedingt auswendig können. Die Passage, in der's um's Saufen geht, kennt jeder Depp ("Griiiiieschischä Uain / isso widasplut dä Äde, komm, schenkdiaain!"), danach wird's zunächst eng, was die Textkenntnisse der Allgemeinheit angeht und wenn's darum geht, den Inhalt auf griechische Gastarbeiter in Deutschland und ihre Sehnsucht nach der Heimat (nach der Heimat! nicht nach dem Allo-ol!) zu beziehen, scheitern sogar häufig die Leute, die den Text von vorne bis hinten mitgröhlen können (unabhängig davon, daß viele anscheinend auch noch glauben, bei der eigentlich ziemlich deutlichen Passage "Und dann erzählten sie mir von grünen Hügeln, Meer und Wind / von alten Häusern und jungen Frauen, die alleine sind / und von dem Kind, das seinen Vater noch nie sah" unbedingt noch ein Faß aufmachen zu müssen, weil - da is ja von grünen Hügeln, Meer und Wind die Rede - wie uff Malle - und dann redet auch noch einer von jungen Weibern -> Party! :roll: )
Gruß
Skywise
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"Ist wirklich wahr - ich hab's in meinen Träumen selbst geseh'n ..."
Herman van Veen - "Die Clowns"

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Nordlicht
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Beitrag von Nordlicht

#14

Hallo, Ihr Lieben !
Ob "XN" nun dichten kann oder nicht,…

Das ist fürwahr ein anderes Thema, zumal ich es viel entscheidender fände, wenn er singen können würde… Aber das nur nebenbei.
Muß sich alles reimen, damit das Schema immer passt?

Ja. Und nein. Das ist ein natürlich weites Feld, und da lohnt es sich eventuell, Beispiele anzuführen. Nehmen wir den Reim am Beispiel Joana Emetz: „Ich schreib´ Nonne unter Tonne und stell´ die Verbindung her: fällt die Nonne in die Tonne, ist die Tonne nicht mehr leer…“ („Reimen muß sich´s auch…“) Ist das nun Genialität oder „nur“ geschickte Anwendung des Reim- Lexikons ? Egal, gut ist´s dennoch…
Als Gegenbeispiel ein Titel von Reinhard Mey: “Von Wand zu Wand sind es vier Schritte, von Tür zu Fenster sechseinhalb, aber das Fenster ist zu klein und viel zu weit weg von der Pritsche, um dadurch irgendwas zu sehen, außer dem Stückchen grauen Himmel…“ („In Tyrannis“) Genauso strange, gell ?
Schon an diesen beiden Beispielen läßt sich erkennen, daß GUTE Texte nicht unbedingt an die Reimform gebunden sind, um zu wirken. Ihre Qualität ist irgendwie nur an ihre Güte gebunden, um das mal recht flapsig auszudrücken.
Obzwar ich nicht unbedingt Lyriker und schon gar nicht Liedtexter bin, schreibe ich dennoch viel, häufig und - wie zumindest manche meinen… - gut. (Wobei ich, es sei ausdrücklich betont !!!, mich wirklich keinesfalls selbst loben will.) Dies Schreiben ist bereits in meiner Schulzeit verankert, und in meinem Falle funktioniert es (nur) gänzlich ohne Druck. Im Gegenteil, Lässigkeit ist dabei eher Trumpf. Während meine Klassenkameraden seinerzeit verzweifelt ihre Aufsätze „in Kladde“ schrieben, pflegte ich (mit schlußendlicher Zustimmung meiner Lehrer) bei mehrstündigen Klassenarbeiten erst einmal die Tageszeitung zu lesen, um dann die geforderten 600 oder 800 oder auch mehr Wörter in 30 Minuten direkt ins Reine zu schreiben. Während der Zeitungslektüre habe ich tatsächlich nie an die Ausarbeitung gedacht. Ich konnte mich (und habe mich) darauf verlassen, daß letztlich alles von selbst kam. Auch heute funktioniert das noch so: Natürlich habe ich, wie damals, eine grobe Vorstellung vom Thema, aber die endgültige Fassung entsteht erst beim Schreiben.
Vielleicht ist dies Thema ja vielschichtiger, als es der erste Eindruck erwarten läßt. Ich jedenfalls glaube, daß ich auch beim Schreiben kein „nine-to-five“- Typ bin, der den ganzen Tag in seiner Dichterklause hockt - die ich nebenbei gar nicht habe -, um einen regelmäßigen „Output“ zu fabrizieren.
Liebe Grüße aus OÖ,
ANDREAS.

(…der seinen Output dann jetzt mal wieder zügeln will…)
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Ja, ich hab' einen Traum von einer Welt
und ich träume ihn nicht mehr still:
Es ist eine grenzenlose Welt,
in der ich leben will!

(''Ich hab' einen Traum''/ Konstantin Wecker)

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Rex2005
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Beitrag von Rex2005

#15

Hallo,
ob der Her XN nicht singen oder nicht schreiben kann - keine Ahnung. Zumindest reicht mir, wenn ich von ihm nur einen , max. 2 Titel höre. Mir kommt bei längerem Zuhören zuviel Gewimmer und die ständige Leidensmiene - o jee!
Ich muss dem Sky wie (fast oder doch) immer beipflichten. Mir gefallen ungereimte Verse meistens besser als die gereimten, weil der Inhalt oft treffender rüberkommt als in einem strengen Reim gepresst. Da gibt es einen gewissen Herrn T.E. ( ihr wisst schon wen ich meine) der das klasse macht und durch die Kompositionen kommen die Inhalte zu 100% rüber.
Ob es nun ungereimte oder gereimte Verse sind, ist völlig egal solange die Musik auf die Inhalte passt. Wenn es dann so ist, dass nur der eine Text genau zu der einer Melodie (und "Verpackung") passt und umgekehrt - das ist dann glaube ich das, was ein Liedermacher/Songschreiber erreichen will oder?
Gruß Rex2005 :gitarre:
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Benutzer 298 gelöscht
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Beitrag von Benutzer 298 gelöscht

#16

hallo ihr,
ich gebe euch allen recht. gereimtes und ungereimtes steht gleichberechtigt nebeneinander. beides erfordert harte arbeit und wird nur in den seltensten fällen spontan geboren. wichtig sind die unverbrauchten bilder, die inneres und äußeres illustrieren sollen.
Ein kleines Lied ! Wie geht`s nur an,
Dass man so lieb es haben kann,
Was liegt darin ? erzähle !
Es liegt darin ein wenig Klang,
Ein wenig Wohllaut und Gesang
Und eine ganze Seele.
(Marie von Ebner-Eschenbach)
hört sich doch ganz einfach an !
gruß annette
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Clemens
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Beitrag von Clemens

#17

Hallo Skywise,
ob es nicht Lieder gibt, denen die eigenen Reime im Weg stehen
der Aspekt ist sehr interessant, allerdings meine ich, dass deine Auswahl des Hörpublikums dem nicht Rechnung trägt. Solche Leute würden, in dem von Dir beschriebenen Zustand, auch die ersten zwei Worte von Schuberts "Ave Maria" mitgröhlen...
Da stehen sich wohl eher die Hörer als die Worte des Gehörten im Weg. Ich gebe gern zu, dass gerade dieses Lied, bei welchem mancher gern einen Schmalztopf unter die Boxen stellen möchte, mich wegen seines Textes sehr berührt hat.
Liebe Grüße von Clemens :-)
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Betty
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Beitrag von Betty

#18

Da hab ich aber jetzt viel lesen müssen und ich hab Parallelen festgestellt und auch Sachen, die ich nicht so nachvollziehen kann, ich denke zum (guten) Songschreiben gehört ein gesunder Individualismus und vor allem die Fähigkeit , mit Sprache reflektiert, spielerisch und konstruktiv umzugehen, Schüttlereime kriegt ja wohl jeder hin. Und man sollte Humor besitzen, der hilft in vielen Fällen, wo man meint, festzustecken...ist mir selber gestern passiert. Ich wollte eigentlich einen ernsten oder kritischen Song schreiben, dann war mir mehr nach was gefühlsmäßigem. So weit so gut, es ging aber NIX, ich war völlig blockiert ( vielleicht ist an der Sache mit dem innern Druck was dran, ich hatte keinen, ich wollte einfach nur schreiben ). Ich habe völlig genervt dagesessen und mir schoß der weinerliche Satz " das ist völlig SINNLOS" durch den Kopf. Eine Stunde später hatte ich den Songtext fertig....nix ernstes, nix gefühlsmäßiges, sondern einen mit dem Titel "sinnloses Lied" in dem ich ( mit Humor halt)versuche, den Sinn der Sinnlosigkeit ( wuah das klingt sauphilosophisch *gg*)plausibel zu machen, das ist gar nicht so einfach, wie es sich anhört, das Lied sollte ja wirklich keinen SINN haben. Nun suche ich ne Melodie....geht es Euch auch so, daß ihr zwar relativ schnell eine findet und dann, wenn ihr sie 20 mal auf dem Keyboard oder der Gitarre geklimpert habt, meint, daß es die schon gäbe?? Mir geht das JEDESMAL so, liegt vielleicht aber auch daran, daß ich mit relativ simplen Akkordfolgen herumprobiere, ich bin da leider nicht soooooo sehr fit, was Musiktheorie anbelangt, ich lerne noch *ggg*...aber vielleicht kennt das Problem ja jemand??
LG, Betty
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Sysipon hat dieses Thema gestartet
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Jan 2006 13 21:30

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Beitrag von Sysipon

#19

Liebe Freunde des Liedes,
ich bin jedesmal wieder freudig überrascht und begeistert über die Resonanz auf ein anscheinend doch nicht so nebensächliches Thema. Und es stimmt, hier muß man viel lesen .... zum Glück, finde ich.
Nach längerem Überlegen und Musikhören bin ich auch zu Ergebnissen gekommen, die Euren Überlegungen und Überzeugungen ähnlich sind. Man sitzt schnell in der "Reim-Dich-Ecke", wenn man anfängt. Toll finde ich den Einwurf, dass man sich durch Reime tatsächlich Texte besser merken kann. Ich war verblüfft, als ich das las: Genau das ist es! Ich meine, es ist ein so selbstverständlicher Teilaspekt des Themas, dass man ihn gerne übersieht. Ich fühlte mich gleich an mein Latinum erinnert (oh, oh), als ich feststellte, dass ich mir Vokabeln ohne Zusammenhang kaum noch merken kann. Ab 25 lässt das wirklich stark nach. Aber merkwürdiger Weise konnte ich haufenweise Lieder singen, die ich erst zwei, drei mal gehört hatte. Ähnlich bei Theatertexten, die ich lernen mußte: Wilde und Agatha Christie, Kästner und Dürrenmatt hab ich fast völlig vergessen, Götes (<= rechtschreibreformierte Schreibweise dieses Namens) Urfaustmonolog dagegen sitzt seit fast 8 Jahren felsenfest im Kopf.
Und es ist richtig, dass trotzdem gute Texte vor die Hunde gehen können, wie Skywiese richtig erläutert hat. Das kann aber auch der Fluch für einen zu guten, eingängigen Text sein, wie ich im Falle des Griechischen Weines behaupten möchte. Ich habe mich immer gewundert, warum die Leute auf den südoldenburger Schützenfesten diesen Titel immer mitgrölen, wo der doch eher nachdenklich als lustig stimmt?!? Das liegt tatsächlich wohl an dem Refrain, der einfach auf seine Art brillant gemacht ist und unvergesslich ist.
Es kommt vermutlich bei Reimfreiheit auch auf die begleitende Musik und den Zweck des Liedes an, wie Rex2005 anmerkt. Nicht immer, aber sicherlich häufig. Bei Clemens' wunderschönen Beispielen hatte ich dazu nämlich gleich zwei unterschiedliche Stimmungen und Rythmen im Kopf, die den Duktus der Zeilen (nur für mein Gefühl) akzentuieren. Während das erste DEIN GESICHT eher ruhig, mit gezupfter Gitarre und sanftem Grand Piano wie ein weicher Teppich ausgerollt werden könnte, darf das zweite "Zum 12." auch gerne mit verträumtem, etwas sommerlicherem Gitarrenschlag und lockerer Percussion-Begleitung zum Fingerschnipsen anregen. Aber das wäre nur eine Idee, die mir spontan kam und mich nicht mehr los ließ. Soll kein "Gesetzt" oder so was sein, mehr ein Vorschlag - kann ja auch durchaus andersherum funktionieren. Muß dabei an Hannes Waders "Tankerkönig" denken ... oder "Monika".
Aber was mich noch gepackt hat, ist:
"geht es Euch auch so, daß ihr zwar relativ schnell eine findet und dann, wenn ihr sie 20 mal auf dem Keyboard oder der Gitarre geklimpert habt, meint, daß es die schon gäbe??"
Das ging sogar dem guten McCartney so, als er eine Melodie in den Sinn bekam, die er einfach "Scrambled Eggs" nannte und damit seine Freunde, die Pilzköpfe, bei den Dreharbeiten zu "Help!" die ganze Zeit nervte: "Eh, sagt mal, kennt ihr das? Irgendwie kommt es mir bekannt vor ..." Daraus wurde "Yesterday". Wir sind also in guter Gesellschaft, hihihi! Mir gings heut morgen so, da fiel mir eine Zeile ein, griff die Gitarre, hatte schnell 8 Zeilen stehen. Dann merkte ich: Mist, diese Melodie - ist das nicht - äh - Oasis? Nee, auch nicht, Was denn? Und zwei Stunden später merkte ich plötzlich, dass es von Lenny Kravitz war, glaub ich jedenfalls dass das von dem ist. Ärgerlich. Das selbe Phänomen hatte ich schon mal, als mir was zufiel und ich meinen Bruder fragte, ob er die Melodie kennen würde, ich wüßte nicht, woher ich die hätte. Er lachte und meinte, das höre sich irgendwie nach mir an. Dann hab ich das etwas schneller gespielt und siehe: Es war von mir, nur durch den Tempowechsel in der Struktur leicht geändert worden und dennoch erkennbar geblieben. Wir haben gut gelacht.
Na, ich kann den Dieter Bohlen ja auch etwas verstehen, als er sich darüber beklagte, es gebe ja nur acht Noten, da sei es schwierig, immer was völlig neues zu erfinden. Einem nicht ausgebildeten Musiker darf es doch auch mal schwer fallen, sich durch die Harmonielehre zu kämpfen, finde ich. Mir geht es jedenfalls oft so. Wie findet ihr Eure Melodien heraus? Wenn sie einem nicht zufallen (Wie McCartney) oder bewußt komponiert werden können, wie geht man dieses Problem an? An Akkorden entlanghangeln? Ich habe dabei immer das Gefühl, man hört das meinen Liedern an, weil sie dann zu sehr an den Akkorden "kleben". Schwer ist es auch oft, plötzliche Melodien in begleitende Akkordfolgen aufzuschlüsseln, weil ich nun mal mit Noten auf Kriegsfuß stehe - wie sicher auch andere Amateurmusiker. Das Keyboard (ein Piano passt leider nicht in meine Studentenkammer) ist mir da auch nur eine begrenzte Hilfe. Gibt es da Tricks oder andere Hilfsmittel?
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Wildfremde
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Jan 2006 13 21:52

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Beitrag von Wildfremde

#20

Hallo Ihr lieben Schreiber, Spieler, Dichter und Denker,

Rex2005 schrieb:
...Da gibt es einen gewissen Herrn T.E. ( ihr wisst schon wen ich meine) der das klasse macht und durch die Kompositionen kommen die Inhalte zu 100% rüber...


zum Thema als solchem kann ich leider so überhaupt nichts beitragen, da sich mein Gitarrenspiel bislang auf drei Akkorde beschränkt (was nicht ist, kann hoffentlich noch werden..),
aber ich fand Euren Austausch sehr interessant und spannend zu lesen.
Meinen Respekt vor allen, die diese Begabung haben und auch nutzen. :-)
Was mich jetzt schon interessiert:
(Ich Frau => neugierig) ;-)
Wer iss´n dieser T.E.??
Ich weiß NICHT, wen Du meinst, Rex!
Du gemeiner Wicht! :hammer: ;-)
Zumindest stehe ich im Moment auf dem Schlauch, hinterher schlag´ ich mir wahrscheinlich auf die Stirne.
In heißer Erwartung auf des Rätsels Lösung grüßt Euch
die Melanie :-D
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