Das Liedertreffen 2020 findet nicht statt!

Aufgrund der aktuellen Situation und der Gefährdung aller Teilnehmer durch das COVID-19-Virus, haben sich die Organisatoren des Liedertreffens schweren Herzens dazu entschlossen, das Liedertreffen im Mai abzusagen. Die Betreiber vom Naturfreundehaus Ebberg sind mit einer Stornierung in diesem Jahr einverstanden und berechnen uns auch keinerlei Stornogebühren, wenn wir die Buchung auf das nächste Jahr verschieben. Bei der dazu durchgeführten Umfrage haben sich sehr viele von Euch ebenfalls für diese Lösung entschieden, weshalb wir das Angebot angenommen haben. Bis zum 15.03.2020 hatten sich 44 Teilnehmer für das LT20 angemeldet. Diese Anmeldungen sind nun nicht mehr verbindlich und wir werden einen neue Anmeldeprozess starten, sobald wieder sicher geplant werden kann. Dies wird bestimmt erst im Herbst bzw. Winter möglich sein. Bis dahin werden wir Eure Anmeldungen zurückstellen und zum gegebenen Zeitpunkt nehmen wir Kontakt mit Euch auf. Bitte meldet Euch bei migoe oder moni, wenn Ihr Eure Anmeldung für 2020 NICHT ins nächste Jahr übernehmen möchtet. Wir werden sie dann löschen und Ihr könnt Euch zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal anmelden.

Mit dem NFH Ebberg haben wir bereits den Termin für nächstes Jahr fest vereinbart: Das LT 2021 findet vom 13. - 16- Mai 2021 statt.
Weitere Informationen werden wir im Forum mitteilen...

Es grüßen Euch, erleichtert und traurig zugleich Jürgen und Moni, die natürlich auch gerne die Planung des LT 2021 übernehmen würden

Werkspuren 2006/1 - Das Warten hat sich gelohnt

Dirk Schulte (* 9. Dezember 1955 in Arnsberg) ist ein deutscher Liedermacher, Musiker und Lyriker. Dirk ist hier auf dem Forum unter dem Alias zodiak bekannt.
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Clemens
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Werkspuren 2006/1 - Das Warten hat sich gelohnt

#1

Beitrag von Clemens » So 29. Okt 2006, 00:36

Ja, tatsächlich! Nun sind sie endlich da. Ein erstes Querhören - und sehen bestätigt:
Es hat sich wirklich gelohnt geduldig zu sein.
"Liebe Zeit"
Zwei Worte, von denen jedes für sich ein Geschenk ist, wie diese neue Sammlung von Spuren in Dirks Werk.
Eine Rezension kann ich noch nicht liefern. Aber um ehrlich zu sein - Ich freu mich viel zu sehr auf die von Amori. :anbet: :knuddel: :rotwerd:
Jetzt aber erst einmal herzlichen Dank an Dirk. Ich habe ein wenig von den Ursachen für die Verzögerung mitbekommen. Deshalb bin ich froh, dass es nun geschafft ist und ziehe den Hut vor Dirk :hutzieh: , der nicht kapituliert hat.
Liebe Grüße von Clemens
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Werkspuren 2006/1 - Das Warten hat sich gelohnt

#2

Beitrag von ISMA70 » So 29. Okt 2006, 11:14

Ich kann mich Clemens nur anschließen: es hat sich wirklich gelohnt, auf die WerkSpuren zu warten. Außerdem bin ich froh, dass sie gerade noch rechtzeitig ankamen bevor ich in 2 Tagen in den Urlaub verschwinde.
Die WerkSpuren 1/2006 bestehen nicht nur aus einer CD, es ist auch eine DVD dabei. In die DVD habe ich bisher nur kurz reingeschaut, deshalb kann ich nur etwas über die CD sagen:
Leider fehlt mir die Liebe Zeit (wobei wir wieder beim Thema wären), um zu jedem Lied etwas zu sagen. Allgemein kann ich feststellen, dass die Lieder wieder sehr schöne Melodien und geniale Texte haben. Die ersten Worte dieser CD lauten "Mundgemalte Depression auf zart verblasstem Blau", was mich sehr anspricht und ich bin immer noch dabei, mir vorzustellen, wie das aussehen mag.
Irgendwie tut es mir leid, dass ich nicht zu jedem Lied etwas schreiben kann, einfallen würde mir jedenfalls genug. Vielleicht kann ich das zu einem späteren Zeitpunkt mal nachholen.
Zum Schluss möchte ich nicht vergessen, mich bei Dirk für sein Werk zu bedanken. Man hört der CD nicht an, unter welch schwierigen Umständen sie zustande gekommen ist. Ich wünsche Dirk, dass die WerkSpuren 2/2006 unter besseren Bedingungen entstehen werden!
Liebe Grüße
Marion
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Werkspuren 2006/1 - Das Warten hat sich gelohnt

#3

Beitrag von Piet » So 29. Okt 2006, 11:43

Lieber Dirk,
mit den Werkspuren 1/2006 habe ich ja schon beinah nicht mehr gerechnet :-D.
Aber.. jetzt sind sie da, und ich freue mich, sie in meinen Händen halten zu dürfen. Viel mehr freue ich mich aber auf meine nächsten Mußestunden, in denen ich audio-visuell an Deinen Gedanken und Melodien teilhaben darf.
Deine Mühen waren in jedem Fall nicht vergebens, weil Deine Musik auf offene Ohren trifft.
Liebe Grüße
Piet
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Werkspuren 2006/1 - Das Warten hat sich gelohnt

#4

Beitrag von zodiak » Mo 30. Okt 2006, 14:33

Dank euch, ihr Lieben, für das blitzschnelle Feedback!
Die ersten Exemplare wurden Freitag Abend (!) auf den Weg gebracht - da muss wohl jemand den Postkutscher bestochen haben :-D
Heute bzw. morgen gehen die nächsten Sendungen raus, so dass bis spätestens Ende der Woche alle Inländer bestückt sein sollten.
Liebe Grüße
*Dirk*
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amori
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Werkspuren 2006/1 - Das Warten hat sich gelohnt

#5

Beitrag von amori » Mo 30. Okt 2006, 20:01

Für euch und die "LiebeZeit",
sind mir "ein paar Sätze" :goethe: eingefallen.
@Clemens
Welches Vögelchen hat dir denn das wieder gezwitschert ? :piep:
Aber du bist nicht raus aus der Nummer ! Mich interessiert brennend deine männliche Sicht der Dinge-und Dirk wahrscheinlich ganz besonders ! :aetsch:


„Schreib, was aus den Tiefen deines Inneren hochsteigt!“
Dirk Schulte: „LiebeZeit“
Lange hat Dirk Schulte diesmal in den Wehen gelegen. Es war eine schwere schmerzliche Geburt.
Die Sterne standen nicht günstig für sein jüngstes Kind.
Aber jetzt liegt sie vor mir- die erste CD 2006 aus seiner Werkspuren-Reihe. Dirk hat am Ende doch irgendwie alles überstanden: Datenverluste durch einen PC-Crash, der die Arbeit von Monaten vernichtete, Krankheit und Aufträge, die sich immer wieder in den Vordergrund schoben. Er hatte die Zeit im Nacken und kann nun aufatmen - und ich bin gespannt, was sich hinter dem Titel „Liebe Zeit“ versteckt.
Das Cover- Foto, diesmal klassisch schwarz- weißes Understatement, zeigt ein zerwühltes Bett, eine wehende Gardine. Der erste Hinweis, was mich erwartet?
Wie die Fotos, ist auch das Titel-Logo von Winfrid Kock gestaltet und- schlicht und prägend- der einzige Farbtupfer.
Auf der Rückseite ein Sessel, der schon bessere Zeiten gesehen hat und ein Zitat von Kurt Schwitters, dem Maler, Dichter und Grafiker: „ Die Unsterblichkeit ist nicht jedermanns Sache“. In welchem Zusammenhang es mit diesen Werkspuren steht, wird vielleicht am Ende klar.
Eine Audio- CD und erstmals eine DVD, liegen in der Hülle. Das verspricht spannend zu werden!
Ich mache mich auf den Weg und folge Dirks Spuren akustisch und visuell!
Akustisch ist Dirk diesmal nicht nur stimmlich vertreten, sondern hat Gitarre, Bass, Piano und Akkordeon selbst gespielt !
01. LES TEMPS MAGIQUES I
Der instrumentale Auftakt mit Piano und Akkordeon lässt mit seiner schwermütigen Klangfülle schon eine Grundstimmung erahnen : Es kommen „magische Zeiten“ auf mich zu !
02. WENN DER SOMMER GEHT
Herbstimmung- und gleich im ersten Song Lyrik pur.
Eine „Depression auf zart verblasstem Blau“ - mit „Wolkenweiß, das Lippen trifft“ und einem „windgestricktem Ornament aus Erlenblättergrün“. Hier wird mit feinen Pinselstrichen Poesie „mundgemalt“ und etwas ganz fest gehalten, für das es keinen Namen gibt. Ein Moment zum Ausruhen auf einer Reise, die ins Unbekannte oder in den nächsten Sommer führt –vielleicht auch „die Schönheit eines Augenblicks, die ausreicht zum Weiterziehen“. Der ganze Song ist sparsam und zurückhaltend instrumentiert- mit Gitarre, Bass und leisen Streichern im Hintergrund.
„Namenloses Deja Vu
Das süß an Sinnen nagt
Wohin unsere Reise geht
Bleibt weiter ungesagt“
Ja, Dirk- die Vorzüge einer mundgemalten Depression liegen darin, dass man darüber nur in Versen reden kann! Ein Song voller Nuancen. Wie schon in den „13 Häutungen“ endet auch diese Reise vorerst im Irgendwo.

03. LIEBER JACK KEROUAC
Outlaw, moderner Huckleberry Finn im Amerika der 50ger und 60ger Jahre –Jack Kerouac. Als ich ihn in den Siebzigern las, konnte ich nicht aufhören zu träumen. In den Achtzigern hatte ich ihn fast vergessen. Für Dirk Schulte verkörpert er ein Lebensgefühl, das er sich über die Zeiten hinweg gerettet hat.
Bei den ersten Klängen sitze ich mit im Zug. Der Rhythmus, mit Bongos und Gitarren, erinnert an das gleichförmige Rattern und Klappern der Schienenstränge und ich fühle mich dem rastlosen Jack Kerouac wieder nah.
„Denn unterwegs zu sein, war wohl dein eigentliches Ziel
Du sagtest oft, es gäb sonst keinen Plan
Von dem was ich erträumte, hattest du so viel
Poet und Herzenskämpfer, Partisan"
In Dirk steckt ganz sicher ein „Stück Kerouac“, der einmal gesagt hat: „Schreib, was aus den Tiefen deines Inneren hochsteigt! Je verrückter, desto besser!“

04. LIEBESMORGEN
Jetzt kommt ein Sahnestück!
Der längst vergessene Paul Boldt - sprachgewaltig und so modern- nach 'Schulte-Art ' ans Tageslicht geholt. Ich revidiere hiermit gerne, öffentlich und kleinlaut meine Meinung über 'gesungene Gedichte'. Hier kann ich mich nicht satt hören- so gut ist das!
Kraftvoll die Stimme, aber mit auf den Punkt gebrachtem Gefühl und wie immer präzise intoniert und akzentuiert. Diese Interpretation hält dem starken Text nicht nur stand, sondern gibt ihm noch zusätzliche Tiefe. Unterstreicht und verbindet sich mit ihm, als hätte Paul Boldt seine Lust höchst persönlich in Dirk Schultes Klangteppich geflochten. Mehrere Akustikgitarren, E-Piano und ein Streicherensemble schaffen den atmosphärisch dichten Hintergrund :
"Aus dem roten, roten Pfühl
Kriecht die Sonne auf die Dielen,
Und wir blinzeln nur und schielen
Nach uns, voller Lichtgefühl.
...und so kriechen auch Musik und Stimme über die Zeilen-
"voller Lichtgefühl". Das ist Hörgenuss vom Allerfeinsten!

05. EIN BISSCHEN AUCH SENTIMENTAL
Mit diesem Song beweist Dirk Mut. Wer traut sich noch an einen Walzer heran? Dieser hier hält die Balance, denn Worte und Töne sind sorgfältig platziert. “Ein bisschen auch sentimental“ ist dieser Song schon. - Mit einem warmen Feuer, Liedern aus dunklem Wacholder und einem Glas gutem Wein wird ein romantischer Abend skizziert. Aber es geht hier auch um ein Herz voller Krater und Furchen, um die Zeit, die „zahm und verwundbar“ macht und die einen nach der „Reise durch die Nacht“ in des anderen Arm stranden lässt.
Meine Gebrauchsanweisung für diesen Song: bitte mal voll aufdrehen, dann kommt die ‚Drei-Tage- Oktoberfest-Stimme’ richtig rüber und die Bässe wummern in Ohr und Magen, dass es eine Pracht ist! Dann aber raus aus dem Sessel und ...
„Lass uns tanzen, als wär es das erste, das letzte
Als wär es das einzige Mal
Verwegen und mutig und sonderbar leicht
Und ein bisschen auch sentimental“
Erst nach diesem ganz besonderen Tanz sackt die Schwere des Textes durch die Leichtigkeit der Klänge. Aber Vorsicht ! Wenn man so verwegen und mutig ist, diesen Walzer zu tanzen, bleibt man „trunken in schwindelnder Schwebe“ zurück.....
Diese Spielart der Zeit schließt Wunden, aber Schulte wäre nicht Schulte, wenn da nicht die andere Seite Schatten werfen würde:

06. LIEBE ZEIT
Im nächsten und gleichzeitig Titel-Song „Liebe Zeit“ entwirft er mit sanften Worten einen raueren Dialog mit der Zeit. Jetzt wird mit ihr gehadert, sie wird „verflucht, geliebt und verkannt“. Dies ist ein Song, der nach dem dritten Mal hören Flügel bekommt. Er drängt sich nicht auf, weder mit Musik noch Text. Doch wenn man hin hört, dringt er ein. 'Liebe Zeit '- geht es hier um die Liebe, die Zeit oder die Zeit der Liebe "? Diese Auseinandersetzung endet versöhnlich :

"Im Tagebau der Träume bist du der tiefste Schacht
Bist Dejavu und leuchtende Vision
Trugst mich auf deinen Flügeln durch manch schwere Nacht
Du bist die perfekte Illusion"
Dirk wird von Liebe und Zeit eingeholt, kann sich nicht befreien, denn beides „schläft in den Gärten der Sehnsucht so tief“ und lässt sich nicht greifen. Auch in der Musik tickt die Zeit....

07. BYE BYE (BIS ZUM NÄCHSTEN FLIEDER)
„ Ich arbeite in einer gigantischen offenen Weite“, hat Dirk einmal über seine Arbeit gesagt. Dieser Song bestätigt das. Die Fäden der ersten Textentwürfe aus dem Jahr 1985 werden zwanzig Jahre später wieder aufgenommen und verlieren sich nicht in retrospektiver Melancholie, sondern sind ein Beweis für die Kontinuität der Zeit mit ihren Inhalten. Er greift noch einmal „ nach den nahen Sternen“ und „die Kraft der Augenblicke im Gepäck“ ist variantenreich und immer neu reproduzierbar.
„Lass uns den Sommer ganz und gar zur Neige saufen
Denn die harten Tage lauern schon...
Bye Bye- Bis zum nächsten Flieder
Bye Bye- Und nichts bleibt, wie es war
Bye Bye- Wir sehn uns wieder
Vielleicht im nächsten Jahr“

08. DAT DU MIN LEEVSTEN BÜST
Das letzte Lied dieser CD ist ein zartes Volkslied, das ich immer in Norddeutschland ansiedelte, aber tatsächlich in vielen plattdeutschen Varianten interpretiert wurde. Dirks Recherche förderte folgendes zu Tage:
„Dieses um 1800 entstandene Lied beschreibt den damals in ganz Deutschland verbreiteten Brauch der ‚Komm- und Probenächte’. Sobald das Mädchen im entsprechenden Alter war, wurde ihm von den Eltern eine möglichst abgelegene Kammer zugewiesen. Der Junge benutzte für seine nächtlichen Besuche das Dachfenster oder auch die Hintertür.“
Die Wurzeln von Emanzipation und Frauen-Power liegen wohl nicht im Süden Deutschlands vergraben. Denn während im Norden die jungen Mädchen ihrem Liebsten ein „Kumm bi de Nacht“ zuflüsterten, wurden in Bayern die Burschen tätig und forderten die Dame ihres Herzen genau so subtil mit den Worten auf: „Geh, mach dein Fensterl auf“.
Mit Querflöte und Gitarre baut sich die Melodie langsam auf und verbindet sich dann mit Piano und zarten Streichern zu einem schönen schlichten Ganzen.
09. LES TEMPS MAGIQUES II
Das musikalische Anfangsthema wird nun wiederholt und mit dem Piano fortgesetzt - es bildet den Rahmen, für die gehörte magische und „Liebe Zeit“.

Die CD ist durch, jetzt kommt der ‘Nachschlag’! Eine DVD liegt noch bei für meine Reise mit Dirk durch die Zeit:
Die “Liebe Zeit“ in bewegten Bildern
bringt mir jetzt jemanden nahe, den ich bisher nur akustisch visualisiert habe.
Hier sehe ich seine „andere Hälfte“ in einer anderen Zeit- den Rocker, Jazzer und Rockpoeten- den „Schlachtfeld Liebe“ - Kämpfer, der sich mit vollem Einsatz durch sein Herzgefühl- Waterloo singt und leidet.
Die Live- Atmosphäre kommt so verlockend rüber, dass ich Dirk am liebsten sofort wieder auf die Bühne schleppen möchte! Die antike Bild- und Tonqualität stört gar nicht, da nagt eben der Zahn der Zeit. Agnes Bläsen-Jansens Video-Clip illustriert einfühlsam den Titel-Song. Und die „Gefährten“, von denen Dirk heute noch ein paar zur Seite stehen, haben jetzt ein Gesicht.
Nein...ich werde nichts über die „Schlachtfeld Liebe“ Songs schreiben, obwohl man sie eigentlich im Kontext dieser neuen „Liebe Zeit“ sehen sollte. Diese CD muss man einfach selber hören.
Dirk Schulte hat Liebe und Zeit liebevoll und zeitnah in Worte und Klänge gefasst. Auf der Suche nach einem Zitat, mit dem ich ein Resümee des Gehörten und Erfühlten ziehen kann, finde ich nur verlorene, kostbare, verschenkte oder vergangene Zeiten. Die Liebe Zeit ist nicht erfasst. Also bleibe ich bei Erich Fried und der Liebe:
„Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist, sagt die Liebe“
.....und was ist mit „Der Unsterblichkeit, die nicht jedermanns Sache ist“? Ich glaube, ich verstehe. Ihr auch ?
Bye Bye Dirk- hoffentlich im nächsten Jahr !
Annette
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Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht.
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Maren
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Werkspuren 2006/1 - Das Warten hat sich gelohnt

#6

Beitrag von Maren » Mi 1. Nov 2006, 20:04

Hallo, Ihr Lieben,
ja, es hat sich in der Tat gelohnt. Das bange Mitzittern, das Vertrösten und Vertröstet werden. Wie Luther durch seine Bibelübersetzung die deutsche Sprache mit so wunderbar kraftvollen Wortschöpfungen wie "Machtwort" und "Herzenslust" bereichert hat, so geht es mir mit den ungeahnten Bildschöpfung in Sprache gegossen, mit denen Dirk mich immer wieder und immer mehr verwöhnt. Danke, danke, danke, lieber Dirk, daß Du mich so beschenkst.
ABER! Wie ich nun mal so bin, neugierig wie immer, hatte ich prompt auch jede Menge Fragen zu der neuen Ausgabe der WerkSpuren. Und während ich sie bei allen anderen von mir bevorzugten Künstlern eher mir oder einem abstrakten Nirwana stellen muß, ist dieser Künstler für mich sehr greifbar und darum habe ich die Fragen ihm direkt gestellt. Und in der Hoffnung, daß ich nicht alleine neugierig bin, hier das Interview, das ich mit Dirk Schulte geführt habe und bitte alle um Vergebung für meinen verschwenderischen Umgang mit dem Platz im Forum. Aber Ihr könnt den Text ja kopieren und ausdrucken. Das ist handlicher zu lesen. Oder Petra oder sonst eine treue Seele findet den richtigen Ort für das Interview und bringt es anderweitig unter.
:maren:
Interview mit Dirk Schulte vom 01.11.2006

Maren:
Dirk, warum hast du uns solange auf die ersten WerkSpuren 2006 warten lassen?
Dirk:
Berechtigte Frage, auf die es eine kurze und eine längere Antwort gibt. Die kurze ist die, dass es im Mai einen Rechner-Crash gab, der mich um Wochen zurückgeworfen hat.
Die längere ist die, dass ich in der Folge dieses Hardware-Crashs einige Songs zurückgestellt und andere nochmal stark bearbeitet habe. Das gesamte Projekt bekam plötzlich eine neue Dynamik. Fenster taten sich auf, die ich vorher nicht wahrgenommen hatte. Kurzfristige termingebundene Auftragsarbeiten taten ein Übriges. Von diesem heißen Juli, der mich in meinem Dachetagenstudio völlig paralysierte, will ich erst gar nicht reden. Da ich momentan auch gesundheitlich angeschlagen bin und mit meinen Kräften haushalten muss, hat sich einfach eine ruhigere Arbeitsroutine etabliert, der ich stoisch gefolgt bin.
Bezeichnenderweise musste ich gerade während der Arbeit an dieser "Liebe Zeit"-Produktiom mit den Phänomenen fehlender oder auch wie im Fluge vergehender Zeit kämpfen.
Ich kann dir gar nicht sagen, wie erleichtert ich nun bin, dass die Scheiben endlich raus sind!
Maren:
Kann man die „Liebe Zeit“ mit Deinen anderen Produktionen vergleichen oder ist geht die Entwicklung da in eine ganz andere Richtung?
Dirk:
Schwer zu sagen. Durch diesen quälend langen Prozess nahm das Projekt für mich zeitweise einen Ewigkeitscharakter an. Irgendwie schien diese Produktion an mir zu kleben. Dieses Gefühl weicht gerade, so dass ich erst langsam eine freiere Sicht auf die Songs bekomme.
Spontan würde ich "Liebe Zeit" zwischen "Späte Gäste" und "Dreizehn Häutungen" verorten. Sie ist für mein Empfinden geschlossener als "Späte Gäste", aber nicht so konzeptuell wie die "Dreizehn Häutungen". Sie liegt vermutlich irgendwo dazwischen. Diese Einschätzung ist natürlich hochgradig subjektiv, man kann es auch ganz anders sehen...
Maren:
Nämlich wie???
Dirk:
Na zum Beispiel könnte man "Liebe Zeit" auch näher an "Wolken zählen" ansiedeln, weil ja die DVD durchgehend retrospektiv gestaltet ist. Dem würde ich mich allerdings nicht anschließen, weil die DVD für mich eher ne Zugabe darstellt. Der CD-Titel korrespondiert eigentlich vor allem mit den Songs der Audio-CD.
Man könnte es aber auch so sehen, dass "Liebe Zeit" mit nur 7 betexteten Songs auf der Audio-CD eher eine EP denn ein Album und von daher überhaupt kein "vollwertiges" Mitglied der WerkSpuren-Familie ist und irgendwie zwischen allen Stühlen hängt. Aber auch dieser Argumentation würde ich widersprechen, weil es aus meiner Sicht nicht auf die Quantität, sondern auf die Qualität des Inhalts ankommt. Im Zuge der Arbeit an dieser CD sind noch weitere sieben oder acht neue Songs entstanden, die ich aber schlussendlich nicht aufgenommen habe, weil mein Bauch sich dagegen sträubte. Es gab einen Zeitpunkt, da war die CD "zu", abgeschlossen, stimmig.
Da war einfach kein Platz mehr für weitere Songs und auch nicht für gesprochene Poesie, die ja bei vielen WerkSpurenfreunden beliebt ist.
Maren:
Das hört sich nach Plänen in dieser Richtung an. Ist das so? Gibt es da Pläne für eine Poesie-WerkSpuren Auflage?
Dirk: Yo, gibt es ...

Maren:
Jede WerkSpuren ist ja für Überraschungen gut. Was hat dich dieses Mal dazu bewogen, eine DVD beizulegen?

Dirk:
Ganz einfach - es gibt eine Menge Video-Material in den Archiven. Ich wollte es einfach mal ausprobieren und bin natürlich auf das Feedback gespannt. Die Bild- und Tonqualität ist natürlich grottenschlecht. Man könnte aber auch sagen: undergroundig. Was du heute auf den Videoseiten im Netz siehst, ist oft auch nicht besser.
Wenn es gut ankommt, kann man immer mal wieder eine DVD beilegen. Es gibt ja auch noch sehr desperate TV-Mitschnitte. So war ich zum Beispiel mal singender Gast in diesem bizarren Berliner "Deutsche-Welle-TV"-Studio. Oder gehörte mit meiner Band zu den seltenen musikalischen Studiogästen der "Aktuellen Stunde", dieser Infosendung des Kölner WDR-TV. Aber das wäre schon fast was für eine Comedy-WerkSpuren (kichert).
Maren:
Mir ist aufgefallen, dass du diesmal alle Instrumente selbst spielst - haben dich deine Mitstreiter im Stich gelassen?
Dirk:
Nein, meine Freunde lassen mich nie im Stich. Es ist eher die Frage, ob ich sie im Stich gelassen habe, weil ich so chaotisch gearbeitet habe. Normalerweise spielt sich solch eine Produktion auf einer linearen Zeitachse ab: Ich schreibe neue Songs und entscheide dann, was ich mit wem aufnehmen möchte. Dann wird geprobt und aufgenommen - fertig. Da ich aber diesmal völlig nonlinear, übrigens schon wieder so ein komisches Zeitphänomen!, zwischen den Songs und Songteilen hin- und hergesprungen bin, hier was gelöscht, dort was ausgebessert habe, war es quasi bis zum Schluss eine Art "work in progress". In solch experimentelle Arbeitssituationen kannst du doch nur jemanden hineinziehen, mit dem du Tür an Tür wohnst und der sich nachts um drei mit einem ordentlichen spirituellen Getränk unter die Kopfhörer locken lässt. Da diese Umstände nicht gegeben sind, habe ich kurzerhand eben alles selbst eingespielt.
Ich glaube aber, dass ich bei der nächsten Produktion zu zivileren Abläufen zurückkehren werde, einfach wieder Stück für Stück.
Zwischendurch habe ich sowohl mit Melani Becker als auch mit Lothar Galle neues Material aufgenommen. Das wird sicher im nächsten Jahr zu hören sein.
Maren:
Möchtest du was zu den Texten auf "Liebe Zeit" sagen?
Dirk:
Äh, nein, will ich nicht. Ich finde, sie sprechen allesamt für sich. Außerdem gibt es sicher die ein oder andere Rezension, wo über die Texte geschrieben wird. Ich möchte da nicht vorfunken.
Maren:
Hätte mich auch gewundert, wenn du was zu deinen Texten gesagt hättest ;-))
Dirk:
Doch, zum "Liebesmorgen" kann ich was sagen, der ist ja nicht von mir (langes Kichern).
Ich habe Paul Boldt als Twen gelesen und ihn dann völlig vergessen, weil er eben nirgendwo auftaucht. Als mich kürzlich eine Freundin auf ihn aufmerksam machte, hat er mich wieder voll erwischt. Ich finde, er transportiert ein absolut vitales Prickeln. Und diese Bilder! In manchen Poems nimmt er DADA vorweg, völlig souverän. Aber er ist auch dunkel und abgründig, selbst im gleißenden Licht. Das ist spannend und rätselhaft. Wie seine Biografie, die kaum erforscht ist, weil er nichts hinterlassen hat und sich niemand mehr an ihn erinnert.
Es gibt ja nicht mal ein Foto von ihm. Mir war jedenfalls gleich klar, dass der "Liebesmorgen" ein Text für diese CD ist.
Maren:
Also wieder etwas, was Dich wie bei Rückert angesprungen und nicht mehr entlassen hat. Was reizt Dich daran, Spotlights aus dem Leben Deiner Kollegen auf die WerkSpuren zu bringen?
Dirk: Der Reiz ist vor allem, die zeitübergreifende Kontinuität von Poesie zu erfahren: Menschen in allen Epochen haben ähnlich gefühlt und mit ihren Mitteln außergewöhnliche Werke geschaffen. So steht dann Rückert neben Brecht, Storm neben Boldt und Clemens Jahn, an dessen tollem Gedicht "Die Stillen" ich ja auch nicht vorbei kam.
Die Sache ist: Wenn etwas, das ich fühle, bereits auf wunderbare Weise ausgedrückt wurde, muss ich es selbst nicht noch mal schreiben. Nimm diesen alten Poesiealbumvers: "Gib dein Herz für keine Krone, gib dein Herz für keinen Preis, gib dein Herz nur dem zum Lohne,
der es auch zu schätzen weiß." - Besser kann man es kaum sagen. Was macht man damit? Man schreibt ihn seinen Freunden in die Alben, und weil es so schön ist, verziert man ihn an den Rändern mit Ornamenten und Klebebildchen, auf dass die Poesie noch eine tiefere Wirkung haben möge. Genau das mache ich mit solch einem Fremdtext: Ich füge eine Musik hinzu und singe ihn, um ihn noch besser transportieren zu können.

Maren:
Wie gehts denn weiter mit den WerkSpuren? Kannst du schon was sagen?
Dirk:
Konkret kann und will ich nichts sagen, es soll ja auch immer eine Prise Überraschung dabei sein. Sicher wird es in der Zukunft wieder mehr gesprochene Poesie geben. Und es würde mich schon reizen, mal ein ganzes Album mit Boldt-Vertonungen zu machen. Außerdem gibt es noch eine Menge politischer Songs, von denen ja lediglich auf "Wolken zählen" was zu hören war.
Klar ist aber, dass es in diesem Jahr nur noch eine weitere WerkSpuren-CD geben wird. Die geplante Nummer 3/2006 bekommen die Abonnenten dann im Frühjahr 2007. Überhaupt kann und will ich nach den Erfahrungen mit der aktuellen CD keine Voraussagen mehr über Zeiträume machen. Gebranntes Kind scheut die Verspätung (kichert). Die Abos werden künftig weiterhin für drei Ausgaben laufen, aber nicht mehr jahresgebunden sein.
Dieser Beitrag enthält 1685 Wörter
"Laß die Zweifel in den Schuhen und begib Dich in Gefahr."Zodiak

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