drei aktuelle Lieder zu Charlie Hebdo, Pegida und absurde Montagsdemos

Dieses Forum beinhaltet Themen rund um das Werk von Gerd Schinkel, Sänger eigener Lieder, deutschsprachiger Rootsmusiker, Jahrgang 1950. Gerd Schinkel ist hier im Forum unter dem Nicknamen "Gesch" bekannt. Weitere Informationen auf seinen Webseiten: http://www.gerdschinkel.de/ und http://gerdschinkel.jimdo.com/
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Skywise
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#21

Beitrag von Skywise » Mo 19. Jan 2015, 11:24


Gesch schrieb:
[...] hab ich es satt, mich und meine Kollegen, die ebenfalls nach bestem Wissen und Gewissen arbeiten, ohne dabei irgendjemandem nach dem Munde zu schreiben und sich vor dessen Karren spannen zu lassen oder die Interessen irgendwelcher Mächtigen zu verfolgen, immer wieder diese Schwachsinnsparole zu lesen.
Das kann ich nachvollziehen, allerdings dürfte das Problem bei weitem eher darin liegen, daß wenigstens ein Teil der Deutschen mit dem, was die ach so unfeine "Lügenpresse" zu bieten hat, nicht (mehr) richtig umgehen kann. Das mag zum Teil damit zusammenhängen, daß die Aufmerksamkeitsspanne des gemeinen Lesers anno 2015 die Größe eines Tweets augenscheinlich nicht mehr überschreitet, und daß man mit Worten und Phrasen sehr viel grobschlächtiger umgeht als früher. Ich habe jedenfalls in einigen Diskussionen in anderen Foren oder Videoplattformen oder allgemeinen Diskussionsplattformen festgestellt, daß Leute, die längere Beiträge abliefern, gerne ignoriert oder belächelt, gerne auch als "Romanautor" bezeichnet werden (ist mir auch schon so gegangen, weil 10 Zeilen mit Inhalt anscheinend heutzutage unzumutbar sind), ... Daher kommen bei einigen Leuten anscheinend nur die Aussagen der Überschriften oder des einleitenden Absatzes an - daß das allerdings nicht immer die ganze Wahrheit ist und manches deutlich differenzierter betrachtet werden muß, scheint einige Konsumenten nicht weiter zu stören. Ganz ehrlich - den Vorwurf der "Lügenpresse" oder der "angepaßten Presse" hab' ich in jüngerer Zeit häufiger gelesen - konkrete Belege oder Beispiele habe ich allerdings selbst auf Nachfrage nicht vorgelegt bekommen, insofern halte ich dieses Schlagwort für ungefähr so belastbar wie eine ganze Menge anderer Punkte aus diesem Pegida-Positionswisch.
Klar - man kann nicht gezwungen werden, sie zu verwenden, kann sie ausüber, muss sie aber nicht immer und ständig und auch nicht überall und zu jedem Thema.... Aber man muss sie ja auch nicht konsumieren. Mir käme auch bei der Lektüre mancher Druckerzeugnisse die Galle hoch und meine humanistischen Gefühle würden schon beim Durchblättern angesichts der Überschriften extremst verletzt. Deshalb kauf ich sie dann auch nicht. Titanik und Charlie Hebdo bringen niemanden um, sie lachen nicht mal jemanden tot, sondern nur aus - und das aber heftig, weil es nötig ist, quasi in Notwehr.
Das ist auch vollkommen in Ordnung.
Ich halte es für richtig und wichtig, daß "Charlie Hebdo" sofort Farbe bekennt und weiter Satire betreibt. Jetzt mal völlig abgesehen davon, daß ich ohnehin glaube, daß die Terroristen dem Ansehen des Islam und des Propheten deutlich mehr schaden als es "Charlie Hebdo" mit ein paar Strichen und Farbtupfern jemals gelungen wäre - ich bin allerdings der vorsichtigen, da bislang mangels "Charlie Hebdo"-Exemplars von Dritten beeinflußten Meinung, daß sie mit der aktuellen Ausgabe über das Ziel hinausgeschossen sind, indem sie nicht den Terror oder seine Verursacher auf die Schippe genommen haben, sondern den Islam. Wenn dem so wäre, hätte ich zumindest das Gefühl, daß der Spott an die falsche Adresse geht und daß der Kollateralschaden einen Tick zu groß ist.
Gruß
Skywise
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"Ist wirklich wahr - ich hab's in meinen Träumen selbst geseh'n ..."
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Skywise
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#22

Beitrag von Skywise » Mo 19. Jan 2015, 12:36


Rex2005 schrieb:
Der Jebsen ist mir erst in diesen Tagen aufgefallen. Ich kann ihn nicht wirklich einschätzen, er wirkt ziemlich aufgesetzt aber seine Analysen halte ich im Kern für richtig, wenn auch nicht immer bis zum Schluss überzeugend dargelegt. Mich stört, dass er Leute, gegen die er sich positioniert zu oft als irre oder wahnsinnig beschreibt. Da bleibt er in seiner Analysen stecken.
Na ja, Ken Jebsen ist durchaus ein guter Beobachter und jemand, der sich Gedanken macht. Sind auch nicht immer die dümmsten Gedanken, zugegeben. Aus diesem Grund hat er vor einigen Wochen Pegida auch eine ziemlich deutliche Absage erteilt. Ich habe mit seinen Äußerungen nur sehr häufig das Problem, daß er alles in eine Art "kosmischen Zusammenhang" setzt und sehr gerne schwarz/weiß malt bzw. in den Farben "die da oben"/"wir da unten". Er wird's vermutlich anders sehen, aber er kommt argumentativ sehr oft ins Schwimmen bzw. zieht sich auf Allgemeinplätze zurück, wenn es ihm nicht gelingt, Roß und Reiter zu benennen. Wenn man das weiß, kann man ihm trotzdem mal das eine oder andere offene Ohr schenken, denn im allgemeinen nennt er belastbare Informationsquellen und er liefert ein paar interessante Schlüsse ... nur das Ergebnis seiner Rede würde ich konsequent hinterfragen.
Gruß
Skywise
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Barde
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#23

Beitrag von Barde » Mo 19. Jan 2015, 16:05

Liebe Rex,

Du willst noch einmal explizit von mir wissen, warum ich Dich für eine klassische Verschwörungstheoretikerin halte, die dazuhin noch an der Glaubwürdigkeit seriöser Medien zweifelt.
Nun denn:

Nr. 1
Meinungs- und Pressefreiheit sind unbestritten ein hohes Gut, aber Meinungen wurden und werden immer manipuliert, dafür wurden Medien "erfunden" und hinter denen stecken Interessenvertreter.

Nr. 2
Mich wundert immer wieder, das heutzutage - wie z.B bei 9/11 - auch diesmal ganz zufällig oder eben auch nicht diverser Kameras alle wichtigen Tatsachen fernsehtauglich aufgenommen haben und daher nicht anzuzweifeln sind.

Dazuhin noch alles garniert mit dem Lob auf einen "profilierten" Verschwörungstheoretiker (Ken Jebsen) ...
"Butter bei die Fische" - Also, was soll der Hinweis auf "gelenkte" und "erfundene" Medien? Was soll die Andeutung mit dem 9/11 und den scheinbar zufälligen Kameraaufnahmen?
Es wäre wahrscheinlich einfacher mit Dir zu diskutieren, wenn Du zu Deinen ursprünglichen Äußerungen stehen würdest. Es wäre doch sehr interessant von Dir zu erfahren, wo "Meinungen manipuliert wurden", welche "Medien erfunden" wurden und welche "Interessenvertreter" sich da tummeln. Und was soll denn dieser Hinweis auf den 9/11?
Vielleicht solltest Du es aber auch bleiben lassen. Es stellt für mich ein Hobby dar, mit anderen argumentativ die Klingen zu kréuzen. Und substanzlose Argumentationsketten an der schwächsten Stelle zu sprengen, kann richtig Spaß bereiten :-D



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Ich bin nur verantwortlich für das, was ich sage, nicht für das, was du verstehst.

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Rex2005
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#24

Beitrag von Rex2005 » Mo 19. Jan 2015, 19:59

Hallo Barde
Vielleicht solltest Du es aber auch bleiben lassen. Es stellt für mich ein Hobby dar, mit anderen argumentativ die Klingen zu kréuzen. Und substanzlose Argumentationsketten an der schwächsten Stelle zu sprengen, kann richtig Spaß bereiten


ich lasse es bleiben, ganz einfach aus dem einzigen Grund, weil du hier noch nicht ein einziges Argument geliefert hast! Du pauschalierst und pauschalierst und reimst dir dein für dich passendes Zeugs zusammen (z.B. "die dazuhin noch an der Glaubwürdigkeit seriöser Medien zweifelt ...)
DAS ist mir zu substanzlos und zu langweilig und schlichtweg zu schwach für einen Zeitvertreib. (Ausgiebige) Diskussionen haben für mich nur Sinn, wenn beide unvoreingenommen Ansichten austauschen wollen, um am Ende bestenfalls mehr zu wissen als vor der Diskussion. Davon bist du weit entfernt. Klingen kreuze ich gerne aber meine Diskussionsgegner suche ich mir auf Augenhöhe aus.
Ich kann mir z.B. trefflichste Gefechte mit Sky vorstellen (auch mit anderen hier im Forum) Sky nimmt Argumente seiner Vorredner auf, analysiert und argumentiert ohne Phrasendrescherei, dem anderen einen Stempel aufzudrücken und ohne seine Ansicht als die einzig wahre Wahrheit einzufordern.
trotzdem ... nix für ungut, der Thread kann ja noch erkenntnisreich werden :-)
LG
Rex2005
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Anne1986
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#25

Beitrag von Anne1986 » Di 20. Jan 2015, 00:56

Hallo Gerd,
den Ärger mit mühevoll geschriebenen Beiträgen, die durch eine falsche Taste oder einen Fehler im System verschwinden, kenne ich nur allzu gut - daher habe ich mir diese Antwort auf Papier vorgeschrieben, damit sie nicht verloren geht - dafür ist das Ganze mir zu wichtig, genauer gesagt, Missverständnisse zwischen uns und damit gegenseitigen Unmut nicht im Raum stehen zu lassen.
Allem voran: mir liegt an "deiner Herzlichkeit und offenbarten Offenheit", ich denke, jeder Mensch hat eine ganz persönliche, unterschiedlich geprägte und damit eigene Wahrnehmung, und wenn ich nicht in allen Punkten mit dir (oder genauso anderen hier im Thread) übereinstimme, bedeutet das ja nicht, dass unsere Freundschaft nicht Bestand hält - wie siehst du das?
Ich hoffe, dass du bei allem, was dich verärgert hat, auch bemerkt hast, dass mein vorrangiger Impuls, hier überhaupt zu schreiben, darin bestand, dich für deine Lieder zu loben, die ich mir allesamt angehört habe und die mir gut gefallen haben. Sie haben mich zum Nachdenken angeregt - und in der Geschichte um Charlie Hebdo kam plötzlich bei mir ein sehr ungutes Gefühl und schlichtweg Sorge auf, und ich fragte mich, welche Haltung ich in der Angelegenheit einnehme, denn egal sein konnte und kann es mir nicht.
Aber der Reihe nach, ich gehe mal nach dem, was du in deinem Beitrag satt hast:
a) Was die Medien betrifft, so bin ich der Meinung, dass ein jeder Verantwortung trägt, wie er mit Medien umgeht und was er wie "konsumiert" (das wort "Konsum" gefällt mir in dem Zusammenhang nicht, es fällt mir aber auch kein besseres ein). Genauso kommt es für mich bei einem Gespräch nicht nur auf den Redner und das Gesprochene an, sondern im gleichen Maße auf den Zuhörer und dessen Interpretation/Denkweise und Reaktion. Die Unterstellung, Medien würden manipulieren (wollen), würde meiner Auffassung nach gleichzeitig das Eingeständnis bedeuten, sich als Leser/Zuhörer manipulieren zu lassen. Wer verbietet denn, weiter nachzuhaken, zu recherchieren, kritisch nachzufragen? Bei mir könnte ich das, auch wenn es mir alles andere als angenehm ist, nur mit: die eigene Bequemlichkeit oder eben gerade andere Prioritäten und Interessen beantworten. Ich kann und möchte also den Medien oder dem Berufsstand der Journalisten keine Manipulation(sabsichten) o.ä. vorwerfen, für meinen Kenntnisstand habe ich selbst die Verantwortung!
b) Zur Satire: Ich bin ausdrücklich kein Satire-Gegner und die "Bauchschmerzen", die ich empfinde, treffen auch bei Charlie-Hebdo-Karikaturen sicherlich nicht auf alle Inhalte und Zeichnungen zu - es genügt aber schon eine, dass ich das nicht ohne Distanz für mich proklamieren kann - einige Provokation geht mir zu tief und zu weit, wäre m.E. vermeidbar, weil sie in meiner Wahrnehmung zu katastrophalen Auswirkungen führt, wenn sie nämlich in erster Linie Beleidigung und tiefe Kränkung und schlimmstenfalls große Aggression auslöst, ich aber eine Gesellschaft- oder Institutionskritik darin nicht erkennen kann. Was soll z.B. eine Karikatur, in der "Gottheiten" (den Begriff wähle ich jetzt absichtlich, weil es in dem Fall egal ist, um welche Religion oder geistige Gesinnung es sich handelt!) pornographisch dargestellt und dadurch verunglimpft werden??? Kann das noch etwas Gutes bewirken, etwas anderes als Verletzung - das bezweifele ich! Entweder entfacht es Hass oder im günstigsten Fall, dass es von der jeweiligen Glaubensgruppe nicht ernst genommen und schnell ignoriert wird.
An dieser Stelle finde ich sehr differenziert und passend, was Skywise geschrieben hat:
Ich halte es für richtig und wichtig, daß "Charlie Hebdo" sofort Farbe bekennt und weiter Satire betreibt. Jetzt mal völlig abgesehen davon, daß ich ohnehin glaube, daß die Terroristen dem Ansehen des Islam und des Propheten deutlich mehr schaden als es "Charlie Hebdo" mit ein paar Strichen und Farbtupfern jemals gelungen wäre - ich bin allerdings der vorsichtigen, da bislang mangels "Charlie Hebdo"-Exemplars von Dritten beeinflußten Meinung, daß sie mit der aktuellen Ausgabe über das Ziel hinausgeschossen sind, indem sie nicht den Terror oder seine Verursacher auf die Schippe genommen haben, sondern den Islam. Wenn dem so wäre, hätte ich zumindest das Gefühl, daß der Spott an die falsche Adresse geht und daß der Kollateralschaden einen Tick zu groß ist.

Ist Satire tatsächlich immer "Notwehr"? Und ist die Grenze zwischen Satirikern und Comedians wirklich noch so klar und deutlich? Ich bin mir nicht sicher, es wird mich aber weiter beschäftigen...
c) Was das Thema Glauben und Religion betrifft, kann man dazu wahrscheinlich eine neue Diskussion eröffnen und endlos weiterführen... Für heute nur noch so viel von meiner Seite: Ich bin der festen Überzeugung, dass ich ein gläubiger und gleichzeitig institutionskritischer Mensch sein kann und dies auch bin.
@ Helmut: Ich glaube an Gott, aber ich glaube nicht an Dogmen, d.h. ich lasse mir meinen Gottesglauben nicht vorschreiben. In der Philosophie gibt es durch den "Wahrheitsanspruch" einzelner Richtungen übrigens auch so etwas wie Dogmen, aber da würde ich bei dir nicht unterstellen, dass sie "Gehirnwäsche" mit dir betrieben.
Ich habe Freunde aus allen möglichen Kulturen & Glaubensrichtungen, die mir wichtig sind und mit denen ich mich gerne austausche, ohne Fundamentalismus und Fanatismus, genauso mit Freunden, die Atheisten sind, und ich würde mir nie herausnehmen, zu (be)urteilen, ob und welche Haltung und Lebensweise nun allgemein die "wahre" oder "beste" oder "richtige" wäre. Das gibt es für mich nicht - jeder Mensch hat seinen eigenen Weg! Darüber hinaus ist mit bewusst, dass jegliche Institution, so auch Kirche, von Menschen gemacht und daher nicht "unfehlbar", mitunter leider sogar grausam ist, was ich dann auch kritisiere und wovon ich mich abgrenze.
Fazit: Ich kann damit leben, wenn Freunde von mir "Ich bin Charlie!" rufen, solange es akzeptiert wird, dass ich das für mich eben nicht kann - und hey, wenn ich dafür satirisch in einem Lied von dir Erwähnung finde, Gerd, dann heißt das ja, dass ich mir diese Wichtigkeit verdient habe. ;-)
In diesem Sinne herzliche Grüße an alle Forumler hier!
Anne
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#26

Beitrag von Helmut » Di 20. Jan 2015, 10:13

Liebe Anne
Vorab: Ich bin in ein katholisches Milieu hineingeboren, wurde katholisch erzogen und lebe in einer katholisch geprägten Region. Da ich mir in den Unterschieden zu anderen christlichen Religionen nicht so sicher bin, schaut es häufig so aus, als würde ich Katholizismus mit Christentum gleichsetzten.
Ich danke Gott ;-), dass ich in einem weitgehend aufgeklärtem christlich geprägtem Land wohnen darf, in dem ich ohne Kopfverlust meine Meinung sagen darf. Meine Geisteshaltung ist geprägt durch jahrelange Diskussion in Internetforen mit religiösen Fundamentalisten, besonders Kreationisten.
Dogmen: Ich merke, ich sollte jeden Beitrag zweimal schreiben, um Verallgemeinerungen zu vermeiden. Religionen haben Dogmen. Ein Katholik kann exkommuniziert werden, wenn er diese Dogmen ablehnt. Das wird nur in den extremsten Fällen geschehen, man will ja die Kirchensteuer. In einer Religion wird beispielsweise (hab ich zufällig in einem Forum entdeckt) nicht ergebnisoffen diskutiert, ob Gott allmächtig ist, sondern nur, wo in der Bibel seine Allmacht belegt ist. Atheismus zeichnet sich dadurch aus, dass ergebnisoffen gedacht wird.
Gehirnwäsche: Wenn dir der Begriff nicht gefällt, kann ich es ja "Gehirnverschmutzung" nennen. Was ich mit diesem provokanten Begriff verstehe ist Folgendes: Wenn einem Kind schon in den ersten Lebensjahren die Existenz eines höheren Wesens quasi eingeimpft wird, wird es vielleicht einzelne Dogmen hinterfragen, die Grundfrage, wie wahrscheinlich die Existenz eines Gottes ist, wird es sich nur in Ausnahmefällen stellen. Der letzte Rest davon, dass es da irgendwas (jeden nennt es anders) gibt, wird er sein Leben nicht los. Ich habe übrigens noch von keinem Fall gehört, dass jemand, der gottlos erzogen wurde, zum religiösen Extremisten geworden ist.
Unfehlbarkeit: gibt es bei den Katholiken bezüglich Papst.
Satire: Wenn Kirchenvertreter in bei Diskussionen um Sterbehilfe, Homosexualität, Geburtenkontrolle usw. fehlende Argumente durch Gottes Wille ersetzen, ruft das bei vielen Menschen eine Gegenwehr hervor. Jeder hat dazu andere Mittel, einer zeichnet, einer schreibt, einer redet, der eine sachlich, der andere polemisch, wieder andere satirisch. Wenn die Kritik derb oder geschmacklos ausfällt, liegt es meist am Anlass, der kritisiert wird.
Fazit: Glaube ist die Privatangelegenheit jedes einzelnen. Wer ihn öffentlich macht, muss mit Widerspruch rechnen, das gilt auch für die Konfessionslose.
Habe ich mich verständlich ausgedrückt?
Liebe Grüße
Helmut

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#27

Beitrag von Gesch » Di 20. Jan 2015, 12:11

Liebe Anne, liebe Mitlesenden, Mitdiskutierer, ja auch Miteiferer und Ereiferer,
um nicht wieder zu riskieren, dass mein geschriebener Beitrag flöten geht, weil sich - Achtung: Satire: "wieder irgend eine höhere Macht löschenderweise einmischt" - schreib ich jetzt erst mal in Word... so bleibt erhalten, was mir beim Erstabfassen des Textes aus dem Kopf durch die Finger auf die Tastatur fließt. Beruhigt mich irgendwie... auch wenn das Risiko bestehen mag, dass ich weitschweifiger werde als zwingend nötig und damit riskiere, dass sich durch die Wortfülle abgeschreckte Mitlesende stöhnend abwenden, weil sie sich nicht mehr Lektüre zumuten wollen als ein kleines Absätzchen. Aber noch ist Ausführlichkeit ja nicht strafbar...
An Missstimmung und Unmut liegt mir auch nicht, schon gar nicht bei falschen Adressaten, liebe Anne. Es war nicht Deine Ersteinlassung in diesem Thread, die mich zur eruptiven Antwort genötigt hatte. Ich hab volles Verständnis dafür, wenn man sich nicht als Charlie fühlt - muss man ja auch nicht. Und diese unterschiedliche Fähigkeit zur Identifikation mit einer Symbolfigur, die inzwischen für den Ruf nach unzensierter Freiheit zur Satire steht, muss auch keine distanzierende zwischenmenschliche Wirkung entfalten. Dein Lob für meine Lieder ist mir auch nicht entgangen. Übrigens: Bei aller Freude darüber, dass "mein Charlie" hier so viel Anregung zum Gesprächsstoff bietet, bleibt mit ein Restfrust darüber, dass dies den beiden anderen Liedern offenbar nicht gelingt. Dabei halte ich die Auseinandersetzung mit oder sogar Mobilisierung der "schweigenden Mehrheit" (welche ist das eigentlich? Die, die in Dresden nicht mit Pegida demonstriert, oder die, die in Dresden und anderswo nicht mit den Gegendemonstranten demonstriert...?) für unser Land eigentlich für vordringlicher. Aber kann ja noch kommen...
Nicht ernst gemeinte Zwischenfrage: Soll ich hier abbrechen und ein neues Posting beginnen, quasi Teil 2, anfangen, damit es nicht so lang wird? Ich spar mir mal die Albernheit, solange es kein Problem mit der Speicherkapazität gibt...
Ich hangele mich auch mal thematisch durch Deine Antwort:
a) Das Thema "Medien" sehe ich zunächst mal nicht als zwischen uns kontrovers an. Gleichwohl war es die Infamie der pauschalen Unterstellung, "die Medien" manipulierten doch alle, die mich aufkochen ließ, aber den Topf hattest nicht Du auf den Herd geschoben. Ich denke auch, dass ich mich nicht wiederholen muss, außer vielleicht in dem Hinweis, dass ich mich in der Ausbildung und in der Ausübung meines Berufes, den ich inzwischen ja nicht mehr festangestellt ausübe, sondern singend ;-), darin üben musste, durch ganz persönlichen Klartext, wenn er denn in Kommentarspalten zu lesen sein sollte, zur Meinungsbildung beizutragen. Also hab ich gelernt, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, wenn es um Bewertungen geht. Wer da kneift, sollte in Kommentarspalten keinen Platz finden, schon gar nicht dort hinein drängen. Und eine Diskussion wie hier in diesem Thread ist für mich ein Austausch von Bewertungen.
b) Zur Satire, insbesondere durch Karikaturisten: Ich habe höchsten Respekt diesen "Künstlern" gegenüber, die in der Lage sind, mit ein paar Bleistiftstrichen die Dinge so knapp auf den Punkt zu bringen, dass man auf den ersten Blick erkennt, wie ihre Bewertung, also Kommentierung eines zeitgeschichtlichen Phänomens, aussieht. Jeder Text-Satiriker, und da rechne ich Liedermacher mit Neigung zur Satire dazu, ist da im Nachteil. Da kann schon mal sowas wie "Neid in positivem Sinne" aufkommen... Die Übertreibung, ja Überspitzung ist ein wesentliches Element der Satire, um die Aussage auf ihren Kern zu konzentrieren. Ob dies immer gelingt? Da zweifele ich auch.
Hier liegt auch ein Qualitätsmerkmal. Und ob jeder die Bewertung im Kerns der Aussage teilt, teilen muss, und ob ein Karikaturist darauf Rücksicht zu nehmen hat, ob er mit seiner Zeichnung vielleicht den einen oder anderen vor den Kopf stößt, kann schwer beantwortet werden. Wer das Rückgrat hat, sich nicht einer Schere im Kopf zu unterwerfen, wird vielleicht "rücksichtsloser" sein als ein anderer, der dann vielleicht eher der Beliebigkeit anheim fallen mag. Wischi-waschi-Wortkommentare oder "Weichzeichnungen" halte ich eher für langweilig und sie sind gewiss weniger wirkungsvoll.
Sicherlich hat ein Satiriker - zeichnend oder schreibend - nicht die vorderste Absicht einer Kränkung, einer Beleidigung oder Provokation zur Gewalt, wenn er seinem Drang folgt, auf das zu reagieren, was ihn möglicherweise gekränkt, beleidigt, oder zur Reaktion herausgefordert hat. Aber im Reaktionsprozess primär darauf zu achten, dass durch die treffende Antwort, an der man sich versucht, auch ja kein Kollateralschaden bei denjenigen entsteht, die als Adressaten ja gar nicht im Zentrum der Kritik stehen, halte ich schon für eine erste Zensurunterwerfung, die der angestrebten Klarheit in der Aussage die Spitze abbrechen kann.
Beispiele aus dem großen Themenfeld der Glaubensgemeinschaften, weil diese ja immer ganz besonders heikel sind und unter deren Angehörige immer einige besonders sensibel reagieren, besonders wenn von außen auf Missstände satirisch geantwortet wird.
Gleich vorweg: Hier ist tatsächlich ein Schwachpunkt der Satire, gerade bei Karikaturen, denn häufig geht es dann in der anschließenden Auseinandersetzung kaum noch um den Anlass der Satire, sondern um die Überspitzung, und ob diese denn hinzunehmen sei. Schade eigentlich.
- Ein Rohrstock schwingender Bischof, der mit wehender Soutane fliehenden Kindern hinterher hechelt, schien mir im Falle des Bischofs Walter Mixa als durchaus akzeptabel, auch die Fortsetzung, dass er sich so ein vermeintlich züchtigenswertes Kind übern Schoß gelegt hält und den Rohrstock auf dem nackten Hintern tanzen lässt - das bringt auf den Punkt, um was es ging: Gewalt gegen Kinder durch einen Repräsentanten der Amtskirche. Ich hätte daneben auch ein Kruzifix mit einem angesichts des Vorganges weinenden Gekreuzigten ausgehalten...
- Ein durch seine Kleidung erkennbarer Bischof von Limburg, der sich fröhlich pfeifend seiner Notdurft in seine überteuerte sanitäre Anlage entledigt wäre für mich akzeptabel - und die Figur am Kruzifix müsste auch nicht weinen, sondern könnte sich ob des verschwenderischen Umganges mit kirchlichem Vermögen schamvoll die Augen verhüllen.
- Ein unmissverständlich erkennbarer Priester, der mit hochgezogener Soutane und prallem Gemächt hinterm Altar oder durch Kirchenbänke einem kleinen Jungen hinterher rennt, scheint mir als Karikatur angesichts der bekannt gewordenen Perversitäten, die sich Kleriker haben zuschulden kommen lassen, noch als vergleichsweise nachsichtige Reaktion auf die Milde, die Teile des Klerus und der Kirche gegenüber ihren "gefallenen" Priesterbrüdern walten ließen... Statt Rausschmiss nur Versetzung, sodass sie ihr unheiliges Treiben ungehindert fortsetzen konnten. Auch hier der "running Gag": Daneben ein Kruzifix mit einem weinenden Gekreuzigten wäre nicht nur akzeptabel, sondern vielleicht als Reaktion sogar noch zu schwach...
- Ein "aus der Art schlagender" Kölner Kardinal, der sich vermeintlich kunstkritisch und unter Verwendung eines Begriffs aus dem Wörterbuch des Unmenschen über ein buntes Fenster des weltweit unter Kunstkritikern mit am höchsten geschätzten Gegenwartskünstlers äußert und dies als "entartet" bezeichnet, könnte ich mir durchaus karikaturistisch dargestellt mit erkennbaren Parallelen zu noch nicht vergessenen Nazigrößen vorstellen. Auf einen groben Klotz gehört nun mal ein grober Keil. Auch hier mit "running Gag" in der Kruzifixdarstellung, vielleicht einem Gekreuzigten, der sich die Ohren zuhält.
- Die Darstellung eines hohen geistlichen Würdenträgers - ganz gleich, welcher Religion - der Kriegswaffen segnet und sich dabei auf Gottes Willen beruft, während gleichzeitig der Gekreuzigte bittere Tränen vergießt, würde die Sache auf den Punkt bringen.
- Mit diesen Kruzifixdarstellungen habe ich auch insofern keine Bedenken, weil die christliche Kirche selbst doch auch - anders als im Islam - über Jahrhunderte Gottesdarstellungen toleriert, ja sogar in ihren eigenen sakralen Räumen aufgestellt hat...
- Und spitzen wir jetzt noch mal extremer zu: Für jemanden, der nicht in Gottesfurcht erzogen wurde, birgt die Darstellung einer kopulierenden Gottheit angesichts des gewagten Dogmas von der Jungfrauengeburt auch dogmenkritische und durchaus unterhaltsame Aspekte. Die Stunksitzung ist da überhaupt nicht pingelig - aber es wird ja auch manches dann in der Fernsehausstrahlung nicht gezeigt oder mit Pieps unverständlich gemacht. Soweit sind wir schon - also sind doch eigentlich die "Sensiblen" schon weitreichend unter "Naturschutz". Mehr muss doch gar nicht sein...
Soviel mal als Beispiele, die natürlich in einer karikaturistischen Umsetzung nicht von jedem ernst genommen werden müssen und ignoriert werden können. Und wer ernsthaft und tief an sowas glaubt und die Institution Kirche samt ihrer fehlbaren Würdenträger tatsächlich für unantastbar hält, hat - nach meiner Ansicht - keinen Anspruch auf komplette Schonung, wenn es darum geht, sich auch mit einer Karikatur kirchenkritisch zu Wort zu melden. Dass eine Karikatur aber auch mal übers Ziel hinausschießen kann, ist genauso unvermeidbar wie fehlbare Kleriker, die sich ihrerseits über Kollateralschäden doch auch wenig Gedanken machen.
Ob Satire nun Notwehr ist oder graduell ein geringer notwendiges Abwehrverhalten, lass ich mal offen. Da ist die Schwelle vermutlich bei jedem individuell höher oder niedriger. Dass aber zwischen Satirikern und Comedians durchaus betonenswerte Unterschiede bestehen, finde ich schon. Ich halte Satiriker nicht für paranoide Lachsäcke, manche Comedians aber gewiss, bei denen ich mich manchmal frage, was deren Tun noch mit Humor zu tun hat, zumal wenn es an Sinnhaftigkeit mangelt
Helmut hat ja schon geantwortet. Da gehe ich nicht drauf ein - er spricht deutlich für sich und mir in mancher Hinsicht "voll aus der Seele", wenn man sich darauf einlässt, dass es eine gibt...
Ein letzter Punkt, den ich in meiner verschollenen Mail noch drin hatte, und der sich mehr auf Pegida und deren pauschale Medienkritik bezieht, die ja im Forum offenbar vereinzelt (?) unter Hinzuziehung von Verschwörungstheoretikern geteilt wird: Kann man sich eigentlich einen ernstzunehmenden Liedermacher vorstellen, der in derartige Kritik - auch in überzogene Empfindlichkeiten angesichts spitzgriffeliger Karikaturen - mit einstimmt oder sich gar vor den rumpelnden Pegida-Karren spannen ließe?
Und was die Kirchenkritik aus Liedermacherperspektive angeht verweise ich auf den Meyster himself, sinngemäß etwa (weil es mir an bibelfester korrekter Texterinnerung gebricht): Der Minister nimmt den Bischof beim Arm -"Halt du sie dumm, ich halt sie arm..." - einfach eine geniale Formulierung.
herzlich
mit der Bitte um Nachsicht für den Überfluss an Buchstaben...
und Dir, liebe Anne, mit der Versicherung ungetrübter Sympathie
und der Zusicherung, dass Du bislang nicht mit meiner gesungenen satirischen Beißwut zu rechnen hast
Gerd
Dieser Beitrag enthält 1704 Wörter


Damit was geschieht, muss zunächst was passiern.
Muss man, eh sich was ändert, denn erst was verliern?
Eh man sich erholt, bleibt keine Zeit auszuruhn,
denn eh sich was tut, muss man selber was tun.


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