Wer die Noten liebt, der mache Musik, Doch wer die Banknoten liebt, der mache Politik.

Reinhard Friedrich Michael Mey (* 21. Dezember 1942 in Berlin) ist ein deutscher Musiker und seit Ende der 1960er Jahre einer der populärsten Vertreter der deutschen Liedermacher-Szene. Pseudonyme sind Frédérik Mey (in Frankreich), Alfons Yondraschek und Rainer May.
Quelle: Wikipedia mit Stand vom 20.06.2019 | Foto für Banner und Forum: Sven-Sebastian Sajak Deutsche Wikipedia
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Reinhard Mey (* 21. Dezember 1942 in Berlin) ist ein deutscher Musiker und ein Hauptvertreter der deutschen Liedermacher-Szene. Pseudonyme sind Frédérik Mey (in Frankreich), Alfons Yondraschek und Rainer May. Mey lebt seit 1977 in Berlin-Frohnau in zweiter Ehe mit seiner Frau Hella mit der er drei Kinder hat.
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Wer die Noten liebt, der mache Musik, Doch wer die Banknoten liebt, der mache Politik.

#1

Beitrag von fille » Di 24. Jan 2017, 20:00

Liebe Meylinge,
neulich in der Kantine gab es aktuelle Themen zum Mittagessen. Eine Kollegin meinte: "Wer will den schon Politiker werden?".
So eine Frage!
Sofort fiel mir Reinhards immerwährend wahres Lied ein. Ich habe es mal wieder rausgekramt.
[youtube=425,350][/youtube]
Humor ist, wenn man trotzdem lacht.
Liebe Grüße, Marianne
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Helmut
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#2

Beitrag von Helmut » Di 24. Jan 2017, 22:44

Liebe Marianne
"Wer will denn schon Politiker werden?".
So eine Frage!

Eine Frage, die von Ahnungslosigkeit zeugt. Und ich finde sie nicht zum Lachen.
Warum? Keiner „wird“ Politiker. Man tritt vielleicht einer Partei bei. Man hat Überzeugungen, man zeigt Engagement, man zeigt Fähigkeiten. Und wenn man sich bewährt, bekommt man in der Partei einen Posten. Und wenn man da immer noch gut ist, stellt einen die Partei für ein Mandat auf. Zuerst nur für ein kaum honoriertes Ehrenamt und später vielleicht für ein hauptberufliches Amt.
Ich bin lang genug dabei um dir zu versichern, die Maschen dieses Siebs sind so eng, dass so gut wie jeder, der sich vornehmen würde, Politiker als Beruf zu werden, letztendlich mit leeren Händen da steht. Man wird nicht Politiker, sondern bekommt von Parteifreunden die Möglichkeit dazu. Man engagiert sich hoch, ohne zu wissen, ob man je davon leben kann. Ich kenne Leute, die wollten Politiker werden, denen hat man klar gemacht, dass der Wunsch allein nicht reicht. Sie wurden nicht Politiker.
So zumindest ist es in der Partei, der ich seit 27 Jahren angehöre. Böse Stimmen behaupten aber, dass in Bayern auch Affen gewählt werden, wenn sie nur einen Seppl-Hut aufhaben und für die richtige Partei kandidieren. Und ich gestehe auch zu, dass der Weg zum Ziel und das erreichte Ziel den Charakter verderben kann.
Noch eine Bemerkung: Ich kenne persönlich Abgeordnete aus Landtag, Bundestag und Europaparlament. Ich weiß was sie verdienen und ich weiß wie viel sie dafür arbeiten. Ich möchte es für das Geld nicht machen.
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Carsten K
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#3

Beitrag von Carsten K » Di 24. Jan 2017, 23:44

Also ich bin weder "Meyling" noch "Politiker", bloß weil ich gern Reinhard Mey höre und politisch interessiert bin.
Ab wann ist man eigentlich "Politiker"? Wenn man einer politischen Partei beitritt? Wenn man in ein Parlament gewählt wird (und sei es auch nur der Ortsbeirat des Dorfes, wo man lebt)? Oder muss es ein Kreis-, Land- oder Bundestag sein? Und was ist mit Funktionären in Gewerkschaften, Verbänden usw.? Sind das nicht auch "Politiker"?
Ich muss Helmut mal ausnahmsweise zustimmen. ;-) Die meisten, die sich in politischen Parteien oder sonstwie politisch engagieren, tun dies ehrenamtlich. Und diejenigen, die es zu hauptamtlichen Posten (ich kenne auch ein paar persönlich) gebracht haben, tun dies bestimmt nicht aus finanziellen Interessen, denn sie könnten anderweitig weit mehr Geld einnehmen. In Bayern kann man sich als SPD-Mitglied zudem noch als Widerstandskämpfer gegen das CSU-Regime Geltung verschaffen, in Wuppertal (NRW), wo ich aufgewachsen bin, ist eine SPD-Mitgliedschaft dagegen unverzichtbar, wenn man im Post-Johannes Rau-Gemeinwesen Karriere machen will. Parteimitgliedschaften können regional auch sehr unterschiedlich sein...
Aber zurück zu "Meyling", da gibt es einen sehr schönen Link des bayerischen Kabarettisten Gerhard Polt... ;-)
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#4

Beitrag von fille » Mi 25. Jan 2017, 13:14


Hallo Helmut, hallo Carschti,
OK! Ihr habt natürlich Recht! Mir ist auf die Frage der Kollegin dieses Lied eingefallen
und ich habe es mal wieder aus der Klamottenkiste geholt.
Ich hoffe, ich habe keinen Politiker beleidigt und niemand nimmt es mir und Reinhard krumm. Aber wenn es so wäre, dann
müsste man auch den Nockerberg abschaffen.
Oder habe ich jetzt wieder ein Lied "missbraucht"? Oje! Wir leben (wieder) in moralischen Zeiten!
Aber ich geb's zu und oute mich: Ich mag Reinhards freche Lieder von damals.
Liebe Grüße und nix für ungut, Marianne
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#5

Beitrag von Helmut » Mi 25. Jan 2017, 14:03

Liebe Marianne,
ich habe nicht auf dich, sondern auf das Zitat deiner Kollegin geantwortet und zwar weil ich ein derartiges Pauschalurteil gegenüber Leuten, die zum großen Teil aus ehrenwerten Motiven zur Politik kommen, für ungerechtfertigt halte.
Ich habe mich seinerzeit über R.M.s Lied köstlich amüsiert, damals konnte ich mir auch nicht vorstellen, einer Partei beizutreten, inzwischen halte ich das Lied für überzogen. Das Gefährliche an dem Lied ist, dass es sich von der AfD missbrauchen ließe. Und das ist sicher nicht im Sinn von R.M.
Und manchmal befürchte ich schon, dass Rundumschläge wie Nockherberg oder anderes Kabarett (so amüsant ich es finde) genau für die Stimmung sorgt, die die Unzufriedenen den Rechts- und Linkspopulisten in die offene Arme treibt.
Herzlich
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#6

Beitrag von Viktor » Mi 25. Jan 2017, 17:50

Hallo zusammen,
in die tiefen Diskussionen will ich gar nicht einsteigen, nur eine kurze Anekdote loswerden:

Helmut schrieb:
(...) inzwischen halte ich das Lied für überzogen. Das Gefährliche an dem Lied ist, dass es sich von der AfD missbrauchen ließe. Und das ist sicher nicht im Sinn von R.M.
^ Diese Bemerkung erinnert mich an das Konzert von Rüdiger Bierhorst, das ich am vergangenen Sonntag besucht habe. Genau das, was Helmut hier zum RM-Song als Gefahrenpotenzial sieht, scheint für Rüdi schon wahr geworden zu sein. Jemand wünschte sich nämlich sein Lied "Politiker" ("Mein Kind wär' gern Politiker / Jetzt liebe ich mein Kind nicht mehr"), aber der Sänger wollte dem Wunsch nicht nachkommen - mit der Begründung, er habe momentan keine Freude an dem Song, da er zunehmend aus der AfD-Ecke falsch verstanden wird.
In diesem Sinne denke ich auch nicht, dass Reinhard "Was kann schöner sein auf Erden" heutzutage noch spielen würde.
Aber an einer schönen Live-Version aus den 70ern kann man sich natürlich trotzdem erfreuen, wenn man mag, finde ich.
Schöne Grüße,
Viktor
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...

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#7

Beitrag von noway » Mi 8. Feb 2017, 17:53

Reinhard Mey hat auf seiner Webseite das Lied jetzt auch wieder aus der Klamottenkiste geholt ;-)
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#8

Beitrag von fille » Fr 10. Feb 2017, 08:51


noway schrieb:
Reinhard Mey hat auf seiner Webseite das Lied jetzt auch wieder aus der Klamottenkiste geholt ;-)

Zitat Reinhard
das gab damals schon Ärger ...
;-):-D
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#9

Beitrag von Ikarus » Sa 18. Feb 2017, 13:01

Man ist wirklich geneigt, bei den pauschalen Angriffen der Rechtspopulisten auf Presse und "politisches Establishment", diese nun genauso pauschal in Schutz zu nehmen - mir geht es jedenfalls so. Aber ich erinnere mich auch gut - leider nur allgemein und nicht konkret -, daß ich in den letzten Jahren oder besser Jahrzehnten nicht selten gedacht habe, angesichts tagespolitischer Nachrichten: Sieh mal einer an, genau wie in Reinhards Lied, es bleibt weiterhin aktuell...!
Gerade heute (!) z.B. folgender Kommentar in unserer Zeitung zu dem Thema "Glaubwürdigkeit in der Politik" (Zitat):
"Glaubwürdigkeit haben in der letzten Woche die Landespolitiker der CDU, SPD und Grünen im Baden-Württembergischen Landtag weit verfehlt. Sie hatten sich in dem schnellsten Gesetzgebungsverfahren, das je im Ländle durchgezogen wurde, nicht nur die Diäten erhöht, sondern ihre Pensionsansprüche beamtenähnlich verstaatlichen wollen. Und das in nur vier Tagen, unter Verzicht auf eine zweite Lesung und möglichst an der Wahrnehmung der Öffentlichkeit vorbei. Es brach auch dank einer engagierten Presse ein Sturm der Entrüstung los, bis die Fraktionen letzte Woche zurückrudern mussten."
Vielleicht wollte Reinhard mit dem Posting des Liedes auf seiner Website ein Statement zu unserer Diskussion hier abgeben, in dem Sinne "Bleibt wachsam...!"...?
Lieben Gruß allseits!
Ikarus
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#10

Beitrag von Helmut » Di 21. Feb 2017, 09:32

Lieber Wolfgang
Vielleicht liegt es aber auch an Reinhards Lied, dass du gar nicht auf die Idee kommst, dass wir gut bezahlte Politiker brauchen, damit die guten Leute nicht für ein zig-faches Gehalt in die freie Wirtschaft gehen. Wer die Banknoten liebt, geht nicht in die Politik sondern in die freie Wirtschaft und besticht schlecht bezahlte Politiker.
Wer immer nur kritisiert, dass Politiker zu gut verdienen, macht man die AfD stark. Und das ist das Gefährliche an Reinhards Lied.
Grüße
:helmut:

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#11

Beitrag von Westwind » Di 21. Feb 2017, 09:50

Da stimme ich Helmut zu, so sehr ich mich sonst auch gerne mal über Politiker auslasse. Wenn Politiker besser bezahlt werden würden, wären sie nicht so bestechlich.
Und vom Arbeitspensum möchte ich nicht mit Spitzenpolitikern tauschen. Ich höre ja immer gerne Deutschlandfunk, und wenn da morgens nach 7 Uhr Politiker in Interviews immer schon Rede und Antwort stehen, und dann mitbekomme, an wievielen Wochenende sie aktiv sind, ist das mickrige Gehalt für den Arbeitsaufwand wirklich wenig, selbst für Spitzenpolitiker.
Da stehen sogenannte Manager und Spitzenleute aus der Wirtschaft ganz anders da, und um dort an die Spitzenpositionen zu kommen, können die auch nicht ganz frei von moralischen Verfehlungen sein, behaupte ich mal.
Gruß
Georg
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#12

Beitrag von Reino » Di 21. Feb 2017, 15:28


Westwind schrieb:
Da stimme ich Helmut zu, so sehr ich mich sonst auch gerne mal über Politiker auslasse. Wenn Politiker besser bezahlt werden würden, wären sie nicht so bestechlich.
Politiker sind beeinflußbar (auf jeden Bundestagsabgeordneten kommen mindesten drei Lobbyisten), aber nur in wenigen Ausnahmen bestechlich.
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#13

Beitrag von Westwind » Di 21. Feb 2017, 17:00


Reino schrieb:
Politiker sind beeinflußbar (auf jeden Bundestagsabgeordneten kommen mindesten drei Lobbyisten), aber nur in wenigen Ausnahmen bestechlich.

Gefühlt würde ich auch sagen, daß die Bestechlichkeit hier in Mitteleuropa nicht so sehr ausgeprägt ist wie in manch anderen Teilen der Welt. Aber weiß das schon genau ? Ob man den Medien immer so vertrauen kann, bezweifle ich auch, wobei ich nicht soweit gehen würde wie Trump.
Es gibt ja immer überall solche und solche. Spitzenpolitiker sind ja noch transparenter als ein Kommunalpolitiker in Form von Bürgermeistern und Amtsträger auf dem Dorf. Da ließen sich vielleicht auch noch Unterschiede feststellen. In der Wirtschaft fehlt aber jegliche Transparenz, da heißt Bestechlichkeit eben einfach nur "Geschäft".
Aber unter'm Strich ist die Diskussion müßig. Selbst manche Promis sind bestechlich, verkaufen ihre Ideale und gehen ins Dschungelcamp oder machen Werbung für irgend'nen Kram. Manche wiederum machen das, um die daraus erzielten Einnahmen zu spenden.
So zieht eben jeder seine eigenen moralischen Grenzen und bewertet jene anderer Menschen und Kulturen. Blieben also nur noch die Fakten, an denen man sich orientieren könnte. Aber im Zeitalter alternativer Fakten sind die Grenzen da auch nicht so eindeutig ;-).
Georg
:georg:
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#14

Beitrag von Carsten K » Di 21. Feb 2017, 20:27

Ihr Lieben,
die Kritik an manchen (leider zu vielen) korrupten Politikern ist ja durchaus berechtigt. Aber ich frage mal ganz ketzerisch: Was für eine Welt oder Gesellschaft stellt Ihr Euch denn vor, wenn es keine Politiker mehr gäbe, keine politischen/öffentlichen Ämter, die missbraucht werden könnten? Möchtet Ihr Euch das wirklich vorstellen? Ich nicht! Und ich glaube auch nicht, dass sich Reinhard das wirklich vorstellen möchte...
Reinhards Lied nehme ich als Satire wahr, und es ist in einer Zeit entstanden, als solche Art Satire die Regel war, nicht die Ausnahme, und niemand hätte sich damals ernsthaft über so einen Text aufgeregt, oder? Klar, es mag auch auch damals schon Kritik an dem Text gegeben haben, und die war ja auch vielleicht begründet, aber wenn satirische Werke nicht nur von allen beklatscht sondern auch mal kritisiert werden, dann erreicht Satire ja eigentlich erst das, was sie erreichen möchte, oder?
Erschreckend finde ich, dass sich die Haltung (auch meine eigene) gegenüber satirischen Beiträgen über Politiker geändert hat. Vor 16 Jahren hatte ich z. B. dieses Lied über Politiker Du musst sie dir nur einmal nackt vorstellen geschrieben, 2004 den Müntefering.
Damals hat sich das Publikum über solche Lieder gefreut (einige SPD-Mitglieder in kommunalpolitischen Ämtern auch besonders über "Müntefering"), andere haben diese Liedernatürlich auch schon damals kritisiert ("Gehst du damit nicht zu weit?), was ja auch in Ordnung war...
Heute ein kritisches Lied in dieser Art über Angela Merkel zu schreiben, würde mir weitaus schwerer fallen. Nicht, weil sie wie ich beim Berlin-Konzert zu Leonard Cohens 80stem Geburtstag dabei war (also einen ähnlichen Musikgeschmack wie ich zu haben scheint), sondern weil ich angesichts der "Merkel muss weg"-Parolen aus der rechtspopulistischen Ecke die Befürchtung hätte, selbst in diese Ecke gesteckt zu werden, obwohl ich mit einem Song "Merkel muss weg" doch bloß einen Kanzler(kandidaten) Martin Schulz unterstützen wollte... Und würde ich mich in der heutigen Zeit gar noch trauen, ein satirisches Lied über Martin Schulz zu schreiben?
In diesem Sinne
cARSCHti
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#15

Beitrag von Helmut » Mi 22. Feb 2017, 08:32

Liebe Leute
Ich schrieb
Wer die Banknoten liebt, geht nicht in die Politik sondern in die freie Wirtschaft und besticht schlecht bezahlte Politiker.


Ich sehe meinen Fehler ein, ich hätte den letzten Halbsatz mit den Bestechungen weg lassen sollen, dann wäre mein Beitrag seriöser ausgefallen. Mit dem Halbsatz hab ich mich dummerweise auf das Niveau von Reinhards Lied begeben.
Ich hab gegrübelt, warum ich dem Schalk im Nacken nicht widerstanden habe und bin auf die Lösung gekommen: Mich haben in letzter Zeit die Vorfälle in meiner Geburtsstadt stark beschäftigt. Dort hat die Straußifizierung (mein Rechtschreibprogramm protestiert gegen diesen Ausdruck) die Regensburger SPD erreicht. Hoffentlich nur ein Einzelfall.
Herzlich
:helmut:

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#16

Beitrag von Ikarus » Do 23. Feb 2017, 00:32

Ihr Lieben,
es ist ja nicht so, daß ich dagegen bin, daß es Politiker gibt! Und ich weiß auch, daß das ein verdammt schwerer und arbeitsreicher Job ist und bin auch dafür, daß man da gut verdient.
Ich glaube aber nicht, daß es da irgendwo eine Einkommenshöhe gibt, ab der man nicht mehr korrumpierbar ist. Insofern kann die Lösung nicht darin liegen, daß sich Politiker nur möglichst üppig bereichern, um dann "anständig" und unbestechlich zu sein.
Entweder man ist es, oder man ist es nicht.
Hauptmotiv dafür, in die Politik zu gehen, sollte nach meinem Empfinden sein, die Welt gestalten und möglichst verbessern zu wollen, und nicht, um möglichst reich zu werden. Naiv? Mag sein...
Die Politik hat die Macht zu entscheiden, wieviel den Bürgern abgenommen wird (Steuern), und sie darf entscheiden, wieviel von diesem Geld in die eigene Tasche wandert (Diäten, Pensionen, Übergangsgelder). Diese Situation erfordert, besonders wenn andererseits dem Bürger Kürzungen und Einschränkungen auferlegt werden, eine gewisse moralische Integrität, unabhängig von der Höhe der Bezüge.
Wo diese Integrität fehlt, stattdessen gemauschelt und gelogen wird - ja, das gibt es halt auch in der Politik! -, da setzt m. E. Reinhards Lied an...
Aber, wie ich neulich schon schrieb - in Zeiten wirklicher Hetze und von Hasstiraden habe auch ich den Impuls, mich "schützend" vor die Attackierten stellen zu wollen. Dieses bedeutet aber auch einen gewissen Zwiespalt angesichts meiner Überzeugung, das Handeln und Reden der Poliker kritisch betrachten zu müssen. "Kritisch sein" heißt ja nicht, zu verurteilen, sondern zu unterscheiden.
Es gibt durchaus etliche Politiker, für die ich Sympathie und Hochachtung habe.
Mit liebem Gruß allerseits
Wolfgang


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#17

Beitrag von Carsten K » Do 23. Feb 2017, 23:56

Hier ein Lied aus der guten alten Zeit: ;-)
Cochise - Der Staat ist doof und stinkt
Auch sehr schön:
Cochise - Rauchzeichen
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"Wenn man als junger Mensch aussah wie ein Hippie und sich einigermaßen treu geblieben ist, sieht man als alter Sack halt aus wie ein Penner und nicht wie Joschka Fischer."
Harry Rowohlt (1945-2015)

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#18

Beitrag von fille » Fr 24. Feb 2017, 16:50

Und hier noch eins:
Plötzlich lacht der Herr Minister
denn er kennt dieses Geknister
und er hat auf seinen Lippen eine kleine Melodie:

Rainhard Fendrich - Tango korrupti

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#19

Beitrag von Reino » Fr 24. Feb 2017, 20:03


cARSCHti schrieb:
Auch sehr schön:
Cochise - Rauchzeichen

Einer der schlechtesten Texte aller Zeiten. Da stimmt nichts. Das Lied war nur erfolgreich, weil die Zuhörer das guthießen, was wohl gemeint, aber falsch formuliert war.
Dieser Beitrag enthält 36 Wörter



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Carsten K
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#20

Beitrag von Carsten K » Fr 24. Feb 2017, 21:12


Reino schrieb:

cARSCHti schrieb:
Auch sehr schön:
Cochise - Rauchzeichen

Einer der schlechtesten Texte aller Zeiten. Da stimmt nichts. Das Lied war nur erfolgreich, weil die Zuhörer das guthießen, was wohl gemeint, aber falsch formuliert war.
@Reino
Ich gebe Dir recht, beide Cochise-Texte sind nicht besonders gut (gelinde gesagt), wobei ich persönlich "Der Staat ist doof und stinkt" noch schlechter finde. "Rauchzeichen" bezieht sich immerhin immerhin auf die Cree-Weissagung "Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet Ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.", die ich in den 1980ern zeitweise als Aufkleber auf meinem Girarrenkoffer hatte. Ich finde bis heute, dass es diese Weissagung ziemlich gut auf den Punkt bringt.
Wie sehr die Zuhörer das gutheißen, ist aus den beiden Videos wohl ganz gut ersichtlich, oder? ;-) (deshalb habe ich diese beiden Cochise-Videos hier reingestellt...)
Ich fand Cochise schon damals nicht besonders toll (obwohl sie bei bestimmten Leuten verdammt angesagt waren), sondern hab lieber sowas wie "Bots - Das weiche Wasser bricht den Stein" gehört. Der deutschsprachige Text stammt übrigens von Dieter Dehm, einem Liedermacher und Musikproduzenten, der heute vor allem als Politiker (deutscher Bundestagsabgeordneter) aktiv ist, und den ich (obwohl ich seine Partei gelegentlich wähle) überhaupt nicht schätze, wohl aber das Lied...
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