Reinhard Mey schlägt als "Unwort des Jahres" den Begriff "Kopftuchmädchen" vor

Reinhard Friedrich Michael Mey (* 21. Dezember 1942 in Berlin) ist ein deutscher Musiker und seit Ende der 1960er Jahre einer der populärsten Vertreter der deutschen Liedermacher-Szene. Pseudonyme sind Frédérik Mey (in Frankreich), Alfons Yondraschek und Rainer May.
Quelle: Wikipedia mit Stand vom 20.06.2019 | Foto für Banner und Forum: Sven-Sebastian Sajak Deutsche Wikipedia
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Reinhard Mey (* 21. Dezember 1942 in Berlin) ist ein deutscher Musiker und ein Hauptvertreter der deutschen Liedermacher-Szene. Pseudonyme sind Frédérik Mey (in Frankreich), Alfons Yondraschek und Rainer May. Mey lebt seit 1977 in Berlin-Frohnau in zweiter Ehe mit seiner Frau Hella mit der er drei Kinder hat.
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Reinhard Mey schlägt als "Unwort des Jahres" den Begriff "Kopftuchmädchen" vor

#1

Beitrag von migoe » So 13. Dez 2009, 18:38

In der Sächsischen Zeitung habe ich heute den Bericht gefunden. Es wird mal wieder nach dem "Unwort des Jahres" gesucht und Reinhard Mey hat auch einen Vorschlag dazu eingereicht:
"Systemrelevant" oder "Umweltprämie"?
Das „Unwort des Jahres“ wird gesucht
Der Bundestagswahlkampf, die Regierungsbildung und die Finanzkrise - Anlässe für ein „Unwort des Jahres“ gab es 2009 genug.
Im vergangenen Jahr hieß das Unwort „notleidende Banken“. Jetzt wird ein neues Unwort gesucht.
E-Mail
Unwort@em.uni- frankfurt.de
Die Vorschläge können per Post an Prof. Horst Dieter Schlosser, Universität Frankfurt (Fach 161), 60629 Frankfurt am Main oder per E-Mail geschickt werden.
Frankfurt/Main - Mit 1500 Einsendungen hätten sich im Vergleich zu den Vorjahren besonders viele Menschen an der sprachkritischen Aktion beteiligt, sagte der Initiator, Horst Dieter Schlosser, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Frankfurt. Das „Unwort des Jahres“ wird am 19. Januar in Frankfurt bekanntgegeben. Im vergangenen Jahr hieß das Unwort „notleidende Banken“.
Die Vorschläge „Schattenhaushalt“ und „Sondervermögen“ sind für den Sprachwissenschaftler typische Begriffe eines immer wiederkehrenden „Denk- und Sprachmusters, bei dem ein positiver Begriff genannt und dann negiert wird“. Beim „Schattenhaushalt“ werde nur mit negativen Zahlen operiert und das „Sondervermögen“ gebe es als Vermögen gar nicht, sagte der emeritierte Germanistik-Professor. Auch das „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“ halten viele für ein „Unwort“.
Daneben sei häufig der Begriff „betriebsratsverseuchte Mitarbeiter“ eingereicht worden, berichtete Schlosser. „Das ist besonders schlimm: Die Wahrnehmung von Arbeitnehmer-Interessen als Seuche und überhaupt als Krankheit.“ Oft kritisiert werde auch das Wort „Leistungsträger“, das „aus der FDP-Ecke“ stamme und so tue, „als ob das eine besondere Klasse von Menschen ist“. Viele Einsender empfänden den Begriff als diskriminierend, weil sie selbst auch viel arbeiteten, während die vermeintlichen „Leistungsträger“ das dicke Geld einstrichen.
Zum 19. Mal wird das Unwort gesucht. Darunter verstehen die Initiatoren sprachliche Missgriffe in der öffentlichen Kommunikation, die sachlich grob unangemessen sind oder sogar die Menschenwürde verletzen. Sie können bis zum 11. Januar 2010 eingereicht werden. Eine Jury kürt dann das „Unwort des Jahres“. Wie häufig ein Begriff vorgeschlagen wurde, spielt keine Rolle.
„Systemrelevant“ oft genannt
Unter den häufigsten Einsendungen für dieses Jahr findet sich auch „systemrelevant“ als Bezeichnung für einige Wirtschaftszweige, „weil da Milliarden Euro für bestimmte Unternehmen locker gemacht werden und die anderen sehen müssen, wo sie bleiben“, erläuterte Schlosser. Der offizielle Terminus „staatliche Umweltprämie“ für die Abwrackprämie wurde mehrfach vorgeschlagen, weil er unterstelle, dass bei der ökonomischen Prämie der Umwelt-Nutzen Vorrang hatte, berichtete Schlosser.
Reinhard Mey schlägt „Kopftuchmädchen“ vor
Der von Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin gebrauchte Begriff „Kopftuchmädchen“ sei vom Liedermacher Reinhard Mey und vielen anderen Bürgern eingereicht worden, weil es den Nachwuchs als unerwünscht diskriminiere. Sarrazin hatte in einem Interview gesagt: „Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert.“ Andere unwort- verdächtige Vorschläge lauten: „erweiterter Suizid“ als Umschreibung für einen Amoklauf und „Flüchtlingsbekämpfung“. (dpa)

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jemflower
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Reinhard Mey schlägt als "Unwort des Jahres" den Begriff "Kopftuchmädchen" vor

#2

Beitrag von jemflower » Mo 14. Dez 2009, 18:47

Hallo,
es ist schon erschütternd, wie immer wieder Wortschöpfungen zur Stimmungsmache oder Verschleierung der tatsächlichen Verhältnisse kreiert und schlimmstenfalls taub übernommen werden.
Gruß
Eine, die immer Arbeit geleistet, aber nie genommen hat,
die nicht alles verbraucht was sie kauft, sondern auch damit neues erschafft.
Neue Version eine alten Kinderliedes:
Ein "Must have" und ein "No Go"
Die hatten einen Streit
Wen man als erstes druckte
Wen man als erstes druckte
im Spiegel und der Zeit
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Reinhard Mey schlägt als "Unwort des Jahres" den Begriff "Kopftuchmädchen" vor

#3

Beitrag von JuergenF » Mo 14. Dez 2009, 21:47

Sarrazin ist wirklich ein übler Brandstifter. Ein Artikel dazu: Rassistische Befreiungsschläge von Karl-Heinz Lewed (Streifzüge)
Jürgen
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Reinhard Mey schlägt als "Unwort des Jahres" den Begriff "Kopftuchmädchen" vor

#4

Beitrag von fille » Di 15. Dez 2009, 10:14

Guten Morgen!
Ich finde "Kopftuchmädchen" nicht so gut. Diesen Begriff hat nur einer verwendet. Gut, es wurde danach viel darüber geschrieben, aber es ist kein Begriff der heutzutage selbstverständlich verwendet wird.
Wie wäre es mit "personelle Überkapazität" oder "Shareholder Value"? Die heute allgemein gültige Bezeichnung "Human Resource" für Personalabteilung finde ich ebenfalls ein Unwort.
Liebe Grüße
Marianne
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Reinhard Mey schlägt als "Unwort des Jahres" den Begriff "Kopftuchmädchen" vor

#5

Beitrag von saho1005 » Fr 18. Dez 2009, 11:12

Nun ist es doch die "Abwrackprämie" geworden.
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Reinhard Mey schlägt als "Unwort des Jahres" den Begriff "Kopftuchmädchen" vor

#6

Beitrag von Skywise » Fr 18. Dez 2009, 13:36


saho1005 schrieb:
Nun ist es doch die "Abwrackprämie" geworden.
Nö. "Abwrackprämie" ist das *Wort* des Jahres, nicht das *Unwort* des Jahres.
Wobei ich auch nichts dagegen hätte, dieses Wort ebenfalls zum "Unwort des Jahres" zu deklarieren.
Gruß
Skywise
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Reinhard Mey schlägt als "Unwort des Jahres" den Begriff "Kopftuchmädchen" vor

#7

Beitrag von Angela » Fr 18. Dez 2009, 21:00


Wobei ich auch nichts dagegen hätte, dieses Wort ebenfalls zum "Unwort des Jahres" zu deklarieren.

Hallo Skywise,
:daumen: genau Selbiges ging mir durch den Kopf. :-D
Angela
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:yeah:

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#8

Beitrag von LiedermacherLukas » Mo 28. Dez 2009, 13:21

und wenn es noch so unbequem klingt, aber Sarazin hat mit seiner Äußerung nicht nur Unrecht.
Was tolererieren wir den mehr?
Fremde Kulturen oder die Unterdrückung von Frauenrechten und Selbstbestimmung?
Bei dieser ganzen Kopfttuchdiskussion wird immer über Religions- und Kultur bzw. Traditionsfreiheit geredet, nie aber über die Mädchen und Frauen, die von klein auf als sogenannte Ehrenträger, also Eigentümer der Männlichkeit, behandelt werden. Mädchen, denen die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, das für uns völlig nornal ist (freie Wahl des sozialen Umgangs wie Freunde und Freundinnen, sexuelle Entwicklung und Unterricht, Sprache, Ausbildung, Religion, Freizeitvergnügen wie Disco und Freibad und nicht zuletzt Wahl des Lebenspartners) von ihren Familien verwehrt wird.
Emanzipation dürfen wir fordern, aber bitte nicht von Menschen mit Migrationshintergrund, schließlich haben wir 12 Jahr Faschismus hinter uns, und davon müssen wir uns schon abgrenzen, notfalls auch unter Selbstaufgabe unserer eigenen Werte und Errungenschaften.

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Reinhard Mey schlägt als "Unwort des Jahres" den Begriff "Kopftuchmädchen" vor

#9

Beitrag von Skywise » Mo 28. Dez 2009, 17:38


derBarde schrieb:
und wenn es noch so unbequem klingt, aber Sarazin hat mit seiner Äußerung nicht nur Unrecht.
Hat er auch nicht.
Allerdings muß man erstens das komplette Interview lesen, um ihn eben nicht als das "Monster" zu sehen, als das er in den ach! so lieb gewonnenen Medien hingestellt wird, und zweitens gehe ich mit dem geschätzten Ex-Bundeskanzler Schmidt insofern konform, als sich Sarrazin bei all seiner berechtigten Kritik durchaus etwas tischfeiner hätte ausdrücken können. Das meiste Tschingderassabumm ging aufgrund der Wortwahl durch die Medien, die Aussagen dagegen haben nur wenige kritisiert. Interessanterweise haben sich meistens diejenigen zu Wort gemeldet, die dazu überhaupt nichts hätten sagen müssen. Und wenn sie sich dazu geäußert haben, dann mit der völlig falschen Strategie.
Sarrazin halte ich für gar nicht so dumm und seine Aussagen nicht für grundsätzlich falsch, allerdings hat er das Problem (und das nicht erst seit heute), daß seine Zunge häufig schneller ist als sein Sprachzentrum, Sektion Fingerspitzengefühl.
Was tolererieren wir den mehr?
Fremde Kulturen oder die Unterdrückung von Frauenrechten und Selbstbestimmung?
Bei dieser ganzen Kopfttuchdiskussion wird immer über Religions- und Kultur bzw. Traditionsfreiheit geredet, nie aber über die Mädchen und Frauen, die von klein auf als sogenannte Ehrenträger, also Eigentümer der Männlichkeit, behandelt werden. Mädchen, denen die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, das für uns völlig nornal ist (freie Wahl des sozialen Umgangs wie Freunde und Freundinnen, sexuelle Entwicklung und Unterricht, Sprache, Ausbildung, Religion, Freizeitvergnügen wie Disco und Freibad und nicht zuletzt Wahl des Lebenspartners) von ihren Familien verwehrt wird.
Emanzipation dürfen wir fordern, aber bitte nicht von Menschen mit Migrationshintergrund, schließlich haben wir 12 Jahr Faschismus hinter uns, und davon müssen wir uns schon abgrenzen, notfalls auch unter Selbstaufgabe unserer eigenen Werte und Errungenschaften.
Nun ja ... wie würde sich ein Deutscher/eine Deutschin, der/die in die Türkei zieht, seinem/ihrem weiblichen Nachwuchs gegenüber verhalten? Freie Wahl des sozialen Umgangs einschränken? Beim nächsten Mullah anfrgen, an wen er seine Kinder verschachern kann, sobald diese reif für eine Ehe sind? Kopftuch verschreiben (ungeachtet dessen, daß auch in der Türkei zumindest in Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden und selbst auf den Straßen vor denselben ein Kopftuchverbot herrscht)? Hm.
Wie dem auch sei - wenn man sich das Interview mit Sarrazin durchliest, wird einem (hoffentlich) klar, daß seine Kritik in mehrere Richtungen zielt, nicht nur in die der Türken und Araber, die nach Ansicht von Herrn Sarrazin im Vergleich zu anderen Bevölkerungsgruppen selbst in der dritten Generation einen Integrationswillen oder sogar die Integrationsfähigkeit vermissen lassen, sondern vor allem auch in die eines Sozialsystems, wahrscheinlich sogar einer Gesellschaft, das/die diesen Mißstand schlicht und ergreifend hinnimmt, bzw. zuläßt, daß sich dieser verschlimmert, indem man dem Zuzug dieser Bevölkerungsgruppen keinen Riegel vorschiebt oder den Druck auf sie vergrößert, um den Integrationswillen zu fördern. Man kann es natürlich sehen, wie man will, allerdings ist es ganz bestimmt nicht falsch, zunächst einmal ein Problem zu lösen oder entsprechende Konzepte zu entwickeln, ehe man weiteren potentiellen Problemen ähnlicher Art Tür und Tor öffnet. Müssen ja nicht die drastischen Maßnahmen von Herrn Sarrazin sein, selbst wenn sie zugegebenermaßen eine Lösungsmöglichkeit darstellen.
Wohlgemerkt - Sarrazins Kritik richtet sich nicht gegen Migranten im allgemeinen. Ganz im Gegenteil sogar - er nennt auch viele Migrantengruppen, bei denen die Integration überhaupt kein oder nur ein geringes Problem darstellt (pauschal betrachtet selbstverständlich) und bei denen nach zwei oder drei Generationen die Kinder in Sachen Bildung und schulische Erfolge sogar den deutschen etwas vormachen (wahrscheinlich statistisch betrachtet).
Unter "Integration" versteht Sarrazin auch nicht, wie der vielfach zitierte Begriff "Kopftuchmädchen" einem weismachen will, den Verzicht oder den Verbot des Kopftuchs. Auch gegen den Islam an sich äußert sich Sarrazin nicht, fordert also kein Religionsverbot, Verbot von Traditionen etc., sondern die Bereitschaft, die deutsche Sprache zu lernen, sich in die Gesellschaft einzubringen (statt sie nur zu vergrößern) etc.
Die von Sarrazin angesprochenen Probleme sind nun keineswegs neu. Liedermacher-Referenz an dieser Stelle (wir wissen ja, wo wir uns befinden :-D) sei der türkische Rock-Musiker Cem Karaca, der gemeinsam mit seiner Band, den "Kanaken", vor 25 Jahren ein gleichnamiges deutschsprachiges Album eingespielt und bei pläne veröffentlicht hat, das leider (!) nicht auf CD vorliegt und daher seit längerem vergriffen ist:

Auf diesem Album wird bereits die Kluft zwischen Deutschen und türkischen Gastarbeitern (damals hießen die Leute noch so) deutlich beschrieben und angeprangert, wobei das Album naturgemäß einen etwas (nicht völlig!) anderen Blickwinkel aufweist, indem es den Schwerpunkt darauf legt, daß den Menschen keine Chance zur Integration eingeräumt wird, was bestimmt auch richtig, wenn auch sicher nicht die ganze Wahrheit ist (ebenso wenig wie die Äußerungen von Sarrazin).
Gruß
Skywise
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#10

Beitrag von LiedermacherLukas » Mo 28. Dez 2009, 17:54

Nun ja ... wie würde sich ein Deutscher/eine Deutschin, der/die in die Türkei zieht, seinem/ihrem weiblichen Nachwuchs gegenüber verhalten? Freie Wahl des sozialen Umgangs einschränken? Beim nächsten Mullah anfrgen, an wen er seine Kinder verschachern kann, sobald diese reif für eine Ehe sind?

Mullahs gibt es in der Türkei gar nicht :-D .
Aber ich erwarte von einem Migranten, ganz egal, wo er herkommt, dass seinen Teil zur Integration beiträgt, und dazu gehört es nun einmal, das hiesige System zu akzeptieren.
Und Zwangsehen, Kopftuchzwang sind auch in der Türkei verboten - in den größeren Städten sind sie auch eher weniger verbreitet.
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#11

Beitrag von Skywise » Mo 28. Dez 2009, 20:24


derBarde schrieb:
Mullahs gibt es in der Türkei gar nicht :-D .
Och, ein paar sicher, aber der Begriff war an dieser Stelle auch nicht unbedingt ernst gemeint ... :-D
Aber ich erwarte von einem Migranten, ganz egal, wo er herkommt, dass seinen Teil zur Integration beiträgt, und dazu gehört es nun einmal, das hiesige System zu akzeptieren.
Kommt drauf an, was man unter "System" versteht. Und unter "Akzeptieren". Ich meine - wenn man die richtigen Faktoren heranzieht, fällt mir das sogar als einem der Eingeborenen mitunter verdammt schwer.
Ähm. Das mit dem Beitrag zur Integration mag ja moralisch richtig sein, aber ironischerweise ist gerade unser so viel gepriesenes soziales System in vielerlei Hinsicht nicht dazu geeignet, den Integrations-Unwilligen oder -Unfähigen diese Denkweise bewußt zu machen. Nun ja, aber das schafft man genau genommen noch nicht mal mit einer Menge anderer Menschen, die derzeit auf dieses System zurückgreifen. Ohne in irgendeiner Form diejenigen kritisieren zu wollen, die dieses tun oder tun müssen. Stünde mir als ehemaligem Arbeitslosen schlecht zu Gesicht.
Gruß
Skywise
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#12

Beitrag von LiedermacherLukas » Di 29. Dez 2009, 00:27

Lieber Skywise,
ich wüsste schon den ein oder anderen Punkt unseres Systems, der sich verbessern ließe, wenn ich zu Wort komme, dann singe ich ja auch davon.
Dass es genug Eingeborene gibt, die über die BRD schimpfen und oder dagegen randalieren, wenn sie dies gerade nicht tun aber gerne die Vorzüge desselben genießen - keine Frage. Was sollen wir mit ihnen tun? Die Staatsbürgerschaft aberkennen? Geht nicht. Stütze streichen? Das passiert nur bei den Wehrlosen :-( .
Aber darum ging es mir ja auch gar nicht.
Ich finde einfach, Kritik darf auch gegenüber integrationsunwilligen Migranten erlaubt sein - Nazivergangenheit hin - oder her. Insbesondere bei solchen, die Frauen bzw. Menschenrechte im Namen der Tradition oder der Religion mit Füßen treten.
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#13

Beitrag von Skywise » Di 29. Dez 2009, 02:27


derBarde schrieb:
Ich finde einfach, Kritik darf auch gegenüber integrationsunwilligen Migranten erlaubt sein - Nazivergangenheit hin - oder her. Insbesondere bei solchen, die Frauen bzw. Menschenrechte im Namen der Tradition oder der Religion mit Füßen treten.
Sicher, Kritik sollte erlaubt sein; allerdings wäre es sicherer, solche zusätzlichen Faktoren wie Frauen- oder Menschenrechte bei dieser Diskussion völlig außen vor zu lassen, zumal dieses Thema auch christlichen Religionsgemeinschaften grundsätzlich nicht gerade besonders gut zu Gesicht steht. Tradition und Religion sind meiner Ansicht nach zu komplexe Faktoren, um sie in dieser Diskussion zu berücksichtigen. Abgesehen davon, daß dieser zusätzliche Schuß auch nach hinten losgehen kann.
Ich denke, es hatte schon seinen Grund, daß sich Sarrazin in seinem Interview fast ausschließlich an den Nationalitäten festhielt und nicht an den Religionen. Direkt an die von ihm genannte Spitzengruppe der integrationsunwilligen Araber und Türken schlossen sich nämlich die Jugoslawen an - und in Jugoslawien fand man vorrangig die römisch-katholische bzw. die (serbisch-)orthodoxe Kirche.
Gruß
Skywise
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#14

Beitrag von LiedermacherLukas » Di 29. Dez 2009, 09:39

das sehe ich als Berufschrist und Vertrauter des Islam durchaus nicht so.
Sicherlich hat sich das (römisch-katholische) Christentum nicht nur mit Ruhm befleckt, aber die Inquisition ist vorbei heute wird keine Frau mehr im Namen der christlichen Religion mehr unterdrückt. Sie dürfen nicht alle Ämter der katholischen Kirche wahrnehmen, aber das ist keine Unterdrückung sondern ein Problem für die Pfarreiein.
Das islamische Kopftuch dagegen ist nicht nur Symbol, sondern Teil der archaischen Unterdrückung, die eben mit dem Islam begründet wird. Im Koran steht zwar nichts vom Kopftuch, aber die einzig Koranauslegungswürdigen Großmufties sitzen eben in den archaischen Staaten ....
Der Prozentsatz der Mädchen, die zum Kopftuchtragen gezwungen werden und über sich selber entscheiden dürfen, ist eher gering.
Ich rede diesbezüglich nicht aus dem hohlen Bauch, sondern kenne dieses Problem einerseits beruflich, andererseits bion ich familiär damit vertraut.
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#15

Beitrag von Skywise » Di 29. Dez 2009, 10:30


derBarde schrieb:
Sicherlich hat sich das (römisch-katholische) Christentum nicht nur mit Ruhm befleckt, aber die Inquisition ist vorbei heute wird keine Frau mehr im Namen der christlichen Religion mehr unterdrückt.
Alle Christen fromme Lämmer? Kein Fundamentalist, kein Extremist und kein Arschloch dabei, das sich den christlichen Glauben auf die Fahne schreibt, um die Frau dem Manne Untertan sein zu lassen?
Nochmal: Tradition und Religion sind meiner Ansicht nach zu komplexe Faktoren, um sie in der Diskussion der Sarrazin-Äußerungen zu berücksichtigen. Besser, man trennt die beiden Themen.
Sie dürfen nicht alle Ämter der katholischen Kirche wahrnehmen, aber das ist keine Unterdrückung sondern ein Problem für die Pfarreiein.
Keine Unterdrückung, sicher. In jedem Fall jedoch eine Diskriminierung. Es sieht dennoch etwas fragwürdig aus, wenn jemand von Anderen Änderungen in Sachen Frauenrecht fordert, aber selbst auch nicht gerade einen Status vorweisen kann, den man als "modern" oder "aufgeklärt" bezeichnen könnte.
Gruß
Skywise
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#16

Beitrag von LiedermacherLukas » Di 29. Dez 2009, 10:44

Kein Fundamentalist, kein Extremist und kein Arschloch dabei, das sich den christlichen Glauben auf die Fahne schreibt, um die Frau dem Manne Untertan sein zu lassen?
Ich spreche nicht von Minderheiten oder Sektierern, es gibt auch Nazis unter den Deutschen, Stalinisten bei den Linken, Faule Säcke unter den Quarz IVern usw. Die christlichen Taliban greifen den Islam aber nicht auf der Kopftuchebene an - können sie auch gar nicht, weil sie ihren Frauen die Bekleidung auch vorschreiben.
Es sieht dennoch etwas fragwürdig aus, wenn jemand von Anderen Änderungen in Sachen Frauenrecht fordert, aber selbst auch nicht gerade einen Status vorweisen kann, den man als "modern" oder "aufgeklärt" bezeichnen könnte.
ich bin evangelisch und würde mich sowohl als "modern", als auch als "aufgeklärt" bezeichnen
Gruß
Lukas
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#17

Beitrag von Holgi » Mi 30. Dez 2009, 18:29

"Nacktscanner" wäre auch unter meinen Favouriten.
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#18

Beitrag von fille » Mi 30. Dez 2009, 19:20

"Nacktscanner" wäre auch unter meinen Favouriten.

Im Sommer ist "Nacktschnecke" mein persönliches Un(wohl)wort.
Liebe Grüße
Marianne
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#19

Beitrag von Mario » Fr 1. Jan 2010, 11:32

Hallo,
also Unworte fände ich viel, allein das Wort "Unwort" bereitet mir Schmerzen (aus vielerlei Hintergründen).
Was ich aber immer wieder fazinierend finde ist eine Diskussion in der zwei "Gleichgesinnte" eigentlich das Gleiche sagen (bzw. im Fall Sky und Lukas) die gleiche Position gegen die Volksmeinung (hier also für Sarazin) einnehmen und sich trotzdem vortrefflich "vorwerfen" können, welche Denkfehler der andere macht.
Wenn das der Weg einer gemeinsamen "Gegenbewegung" ist, wird klar, warum der nichtdenkende, nachlaufende Pöbel oft (meist?) "erfogreicher" ist.
Ich hoffe die vielen Worte in Anführungszeichen, machen klar, dass meine Ausage kein Dogma, sondern allenfalls eine Anregung zum bilden einer eigenen Meinung im Pulk Gleichdenkender ist:-)
Ein frohes neues (Un)jahr wünsche ich euch allen.
Mario
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#20

Beitrag von LiedermacherLukas » Fr 1. Jan 2010, 20:00

wir werfen uns nichts vor, wir ergänzen uns lediglich :haende: - das ist sozusagen konstruktive Verstärkung :-)
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