Früher war alles besser!?

Reinhard Friedrich Michael Mey (* 21. Dezember 1942 in Berlin) ist ein deutscher Musiker und seit Ende der 1960er Jahre einer der populärsten Vertreter der deutschen Liedermacher-Szene. Pseudonyme sind Frédérik Mey (in Frankreich), Alfons Yondraschek und Rainer May.
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Reinhard Mey (* 21. Dezember 1942 in Berlin) ist ein deutscher Musiker und ein Hauptvertreter der deutschen Liedermacher-Szene. Pseudonyme sind Frédérik Mey (in Frankreich), Alfons Yondraschek und Rainer May. Mey lebt seit 1977 in Berlin-Frohnau in zweiter Ehe mit seiner Frau Hella mit der er drei Kinder hat.
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Lance
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Früher war alles besser!?

#1

Beitrag von Lance » Di 11. Mai 2004, 16:42

Ganz früher hat Herr Mey tolle Lieder/Musik geschrieben, mit dazu passenden und gelungenen Texten. Bsp.: Die Zeit des Gauklers, Musikanten sind in der Stadt,Über den Wolken. Locker, frech und heiter.
In den achtzigern klang das schon ziemlich festgefahren,Bsp.: Im Berg,Charlotte,Verkehrsfunk etc.
Dann eine sehr interessante Wendung. Gereifte Texte zu einer eindringlichen Musik, Bsp.: Die Kinder von Izieu,Nein, ich lass dich nicht allein, Viertel vor sieben...
Bei Rüm war ich "erschrocken!" Allzu routiniert klang sein Handwerk. Wiederholungen der gleichen Themen in leichten Variationen, alles klang sehr standartisiert und gleichförmig.
Argwöhnisch und zweifelnd beobachtete ich auch seinen festen Zyklus und Ablauf von Tourneen, Songschreiben im Herbst, Studioaufnahmen mit der "Familie" etc..
Bleibt man da kreativ? Bleibt man da inspiriert? Läßt sich die Musik so katalogisieren und in festen Bahnen leiten?
Sollte er da vielleicht mal ausbrechen? Eine Pause einlegen?
Mit seiner Gitarre mal auf Wanderschaft gehen. Die Kinder sind groß... Zurück zur Einfachheit.. Megaphon weglegen..
Ich habe Nanga noch nicht gekauft, soll ich ?
Dies erlaube ich mir als Fan zu schreiben, ansonsten geht es mich nichts an.
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#2

Beitrag von migoe » Mi 12. Mai 2004, 08:01

Lieber Lance,
Ich habe Nanga noch nicht gekauft, soll ich ?

Die Antwort ist schnell gegeben: Wenn Du ein Album von 1974 erwartest -> NEIN! Reinhard Mey hat sich in den vergangenen 30 Jahren persönlich und musiklisch weiterentwickelt. Deshalb ist es für viele, die ihn und seine Musik von "damals" noch kennen teilweise wirklich ein Schock, wenn Sie heute in ein aktuelles Album reinhören.
Ich hatte vor einigen Jahren auch mal so ein Erlebnis, wo ich mich mit einem Bekannten einer Freundin über Liedermacher unterhielt und er dann meinte, er wäre begeisterter Reinhard Mey Fan (wer mich kennt weiß, daß ich das nicht bin) und würde ihn immer wieder gerne hören. Ich hab dann erzählt, wie gut mir so Sachen wie "Vernunft breitet sich aus...", "Grenze", "Mein Berlin" usw. gefallen und wollte wissen, wie er die Lieder fände. Er kannte sie nicht! Aber das "Wolkenlied", das "Gärtnerlied" und das "Mörderlied" fand er witzig ;-) Alben ab 1984 würde er eh nicht kennen, die fände er auch nicht so gut, weil die Genialtät und die Spritzigkeit verloren gegangen wären.
Bei solchen Aussagen kann ich mich immer nur kugeln vor Lachen, weil ich denke, es hat zu Zeiten Beethovens sicher auch Menschen gegeben, die meinten, er hätten irgendwie an Elan und Genialität verloren, nachdem er sein Augenlicht verlor. Wer im Musikunterricht ein bißchen aufgepasst hat, weiß, daß dem nicht so war und einige der (heute noch so betitelten!) genialsten Meisterwerke dieses Künsters in dieser Zeit entstanden sind.
Mit diesem Beispiel möchte ich die beiden Künstler keinesfalls miteinander vergleichen oder gleich machen, aber der Spruch "Früher war alles besser" kann bei Künstlern nicht angewandt werden, weil sie besser werden mit jedem neuen Bild/Lied/Werk - aber halt auch anders. Ist das nicht logisch?
Gereifte Texte zu einer eindringlichen Musik, Bsp.: Die Kinder von Izieu,Nein, ich lass dich nicht allein, Viertel vor sieben...

Auf der "Nanga Parbat" gibt es auch wieder Lieder, die aus dem selben Holze sind wie die von Dir angesprochenen. Und es gibt auch wieder Lieder, die Du
ziemlich festgefahren,Bsp.: Im Berg,Charlotte,Verkehrsfunk etc.

betitelst - so wie es bei Mey schon immer war. Seit der ersten Platte dieses deutschen Ausnahmekünstlers (kann man übrigens von sehr vielen deutschen Künstlern sagen!) wiederholen sich seine Themen immer wieder - in neuem Gewand und mit anderen Worten vermittelt. Das ist ja eine der Stärken, um die ihn andere Künstler und auch die Käufer seiner CDs beneiden - und deshalb seine CDs kaufen :-D
Meine Rezension und Kaufempfehlung sowie eine Erklärung, warum ich meine, daß "Nanga Parbat" eigentlich eine Fortsetzung der "Flaschenpost" ist findest Du ebenfalls in diesem Forum...
migoe
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Früher war alles besser!?

#3

Beitrag von Mickey » Mi 12. Mai 2004, 13:02

Lieber migoe,
ich möchte ja nicht krümelkacken, aber hatte es Beethoven nicht eher mit den Ohren als mit den Augen?
Deinen Ausführungen kann ich mich anschliessen, wobei es schon etwas hat: kreativ im Sinne von "spritzig" sind die Inhalte nicht mehr so - aber irgendwann wiederholen sich Themen halt zwangsläufig. Und solange Leuchter weiterhin musikalisch kreativ ist, stört mich das auch nicht so.
Liebe Grüsse
von Reto
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#4

Beitrag von migoe » Mi 12. Mai 2004, 13:14

Lieber Reto,
yepp, da habe ich wohl was durcheinander gebracht :-? Beethoven war am Ende taub !
Ich gebe Dir allerdings recht, daß Mey auch heute noch so klingen würde wie vor 30 Jahren, wäre er Anfang der 1990er Jahre nicht Manfred Leuchter begegnet..:-D
migoe, der nix gegen Deine Krümelkackerei entgegenzusetzen weiß...;-)
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Früher war alles besser!?

#5

Beitrag von Lance » Mi 12. Mai 2004, 16:10

Hallo Migoe,
vielen Dank für Deinen Beitrag!
Ich glaube niemand erwartet wirklich ein `74 Album von RM.
Das wäre wirklich zu einfach. Nur schwarz/weiss, gut und schlecht. Außerdem gibt es den `74 Mey ja noch. Bsp.: Pöter, Wenn ich betrunken bin.....
Da sind Text und Melodie so ineinander verwoben, das Sie wirklich eine Einheit bilden ( siehe auch "Serafina" )
Aber gar sooo..vieles neben diesen "Schmuckstückchen" und "Edelsteinen" kommt dagegen blass daher.
Die Frage sei daher erlaubt. Steht Herr Mey unter Produktionsdruck? Ist es ein selbstauferlegter Zwang, sein wirklich eigener Wille alle 2 Jahre ein Album herauszubringen? Oder zieht Ihn seine "Firma" mit?
Läßt sich Kreativität auf Knopfdruck abrufen? Zu vorbestimmten Terminen abliefern? Ich behaupte nein!
Was er hauptsächlich macht ist sehr gutes Handwerk.
Weiß Gott, das kann er nun wirklich.
Mit dem Talent und der Erfahrung aus all den Jahren!
Aber genügt das "uns" dem Zuhörer? Genügt das ihm selbst? Wollen wir jeden Tag eine Tasse Muckefuck oder doch lieber 1 x die Woche `nen starken Bohnenkaffee?
Meine ganz persönliche Einschätzung geht dahin, dass er diesen Kreislauf vielleicht mal durchbrechen sollte.
Ein Mann mit diesen Voraussetzungen an Talent und Erfahrung. Was könnte uns (ihn) da erwarten?
(Besser ist es vielleicht auch das alles gar nicht so ernst und eingehend zu betrachten. Schließlich ist keiner gezwungen etwas zu kaufen, was er nicht mag. Oder ?
Was einem vermeintlich fehlt, bekommt man vielleicht dann woanders her.
..........Aber ich mag ihn halt doch ganz gerne ( und viel! ) hören...) Tja.
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Skywise
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#6

Beitrag von Skywise » Mi 12. Mai 2004, 17:13

Hallo, Lance.
Zunächst mal: die blassen Stellen ziehen sich doch ohnehin durch Reinhard Meys Gesamtwerk. Ich weiß auch nicht, was an den Alben der 70er "besser" gewesen sein soll; wenn ich sie mir durchhöre, stoße ich auch dort auf sehr viele Patzer und Schwächen, seien sie musikalischer oder textlicher Art.
Dann: Kreativität läßt sich nicht an- und abschalten wie das Deckenlicht. Aber meines Wissens wurde das auch niemals und an keiner einzigen Stelle behauptet.
Ich schätze Reinhard Mey so ein, daß er das ganze Jahr hindurch sich fleißig Notizen macht, Ideen sammelt, Vergleiche, Reime, Gedankenfetzen, Melodien, Begleitakkorde oder Arrangementansätze aufschreibt und die dann in ein paar ruhigen Wochen, in denen er sich von der Außenwelt abkapselt, zu richtigen Liedern ausarbeitet und an diesen noch fleißig herumschleift und -feilt.
Die Kreativität hält also das gesamte Jahr durch. Das allzweijährliche Zurückziehen dient nur dazu, Ideen abzuschließen und endlich Lieder zu haben, die man in die Welt schicken kann.
Ob die Plattenfirma Schuld ist, glaube ich nicht, denn den Rhythmus hält er bereits seit den 80er Jahren konsequent durch - und damals war er bei Intercord unter Vertrag, die später von der EMI geschluckt wurden. Das Management-Team um Reinhard Mey dürfte sich also vonseiten der Plattenfirma bereits verändert haben - und wenn die dieselben Ansprüche an ihre Künstler haben wie das vorherige Management, würde mich das ausgesprochen wundern.
Ich glaube, Reinhard Mey braucht eben eine gewisse Routine und setzt sich mit diesem 2-Jahres-Rhythmus selbst ein wenig unter Druck, denn - wie er selbst sagt - er ist ja anscheinend ein fauler Gesell'. Und vielleicht würde es sonst mit einem weiteren Album nix mehr werden ;-)
Niemand behauptet, daß die "kreativen" Wochen von Reinhard Mey immer gleich gut ausfallen - bei "Rüm Hart" hatte ich das Gefühl, daß da irgendwie eine Menge im "Hau-Ruck"-Verfahren fertig gestellt wurde. Bei "Nanga Parbat" glaube ich, ein bißchen mehr Ausgeglichenheit und innere Ruhe aus dem Endprodukt herauszuhören, was mir sehr gut gefällt. Anscheinend war er in diesem Fall einfach besser drauf oder hatte bessere Ideen über's Jahr.
Eine kreative Pause bei Künstlern ist so eine Sache für sich ... ich habe Sachen in meinem Plattenschrank stehen, bei denen haben sich die Künstler sechs, sieben oder meinetwegen zehn Jahre Zeit gelassen für ein neues Album und diese sind schlichtweg genial. Auf der anderen Seite hab' ich hier auch Sachen stehen, bei denen die Künstler nach einer nur dreijährigen Pause nicht mehr in der Lage waren, auch nur halbwegs an die Qualität vergangener Tage anzuknüpfen (in einem speziellen Fall war ich sogar regelrecht so erschüttert, daß ich insgeheim schon gehofft hatte, daß es sich bei dem Interpreten um einen zufälligen Namenszwilling handeln möge - war leider nicht der Fall).
Die Frage ist: was erwartet man von einer solchen Pause? Ich persönlich muß sagen: bei Reinhard Mey erwarte ich nichts. Textlich hat er seinen Stil gefunden - da dürfte sich nicht mehr viel ändern. Musikalisch war er eigentlich noch nie eine richtig große Überraschung. Die Arrangements liegen nicht in seiner Hand. Höchstens am Inhalt könnte sich noch etwas ändern ...
Außerdem denke ich, daß er es doch hin und wieder schafft, zwischen den täglichen Muckefuck den einen oder anderen Bohnenkaffee zu schmuggeln (ich denke da an die "Immer weiter", die "Leuchtfeuer" und die "Flaschenpost"). Allzu schlecht scheint das Konzept also dann doch nicht zu sein. ;-)
Tja.
Gruß
Skywise
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Früher war alles besser!?

#7

Beitrag von Guest » Mi 12. Mai 2004, 21:00

Hallo zusammen,
zu der Diskussion möchte ich gerne ein paar Anmerkungen machen.
Stichwort Kreativität: Warum arbeitet ein Künstler? Ich glaube, die meisten Künstler treibt einfach das Bedürfnis sich auszudrücken, und zwar erst einmal unabhängig vom Publikum. Es ist ihre Form, sich mit ihren eigenen Einstellungen, Gefühlen u.ä. zu einem Thema zu beschäftigen. Das kann qualitativ sehr unterschiedlich sein, ist aber erst einmal nicht unbedingt vor den Fans zu rechtfertigen - finde ich!
Wenn man nun ein "professioneller" Künstler ist, hat man wahrscheinlich das Problem, dass es (zum Teil gesteigerte) Erwartungen gibt, die die Famgemeinde meint, einfordern zu dürfen. (Ob der Künstler sich den Schuh anziehen wird, liegt sicherlich auch an seinem Selbstbewusstsein und an der finanziellen Situation.) Manche Künstler haben das Problem, dass sie von ihrer Fangemeinde auf eine bestimmte Art und Weise festgelegt werden und, wenn sie weiter erfolgreich sein wollen, nicht mehr aus "der Nummer" herauskommen. Von anderen wiederum erwartet man eine "Entwicklung", wer sagt aber, dass keine Entwicklung stattgefunden hat, vielleicht ist sie nur nicht so, wie "fan" es sich gewünscht oder vorgestellt hat? Und ist es nicht so, dass einen Künstler auch gerade das Brechen von Konventionen und Festlegungen auszeichnet?
In anderen beruflichen Bereichen erreicht man nach einer Anzahl an Jahren ein gewisses Renommee, das einem auch erhalten bleibt. Als Künstler soll man wieder und wieder das Rad neu erfinden, ohne dass das Publikum bemerkt, dass es "nichts neues unter der Sonne gibt" und letztlich alles eine Variation des schon ewig Gewesenen ist. ;-)
Nicht so ganz einfach unter diesen Bedingungen zu existieren, find ich. Was meint ihr?
Gruß, Bianca
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HowardJ
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#8

Beitrag von HowardJ » Mi 12. Mai 2004, 22:08

Hi Lance,
was du über die Eindrücke schreibst, die Reinhard Meys Lieder im Laufe der Zeit bei dir hinterlassen haben, deckt sich sehr stark mit meiner Wahrnehmung. "Einhandsegler" und "Rüm hart" hab' ich mir wegen des beschriebenen Gefühls, dass alles schon mal da war, nicht mehr gekauft. Jetzt bin ich durch einige Rezensionen doch neugierig auf "Nanga Parbat" geworden und habe sie (entgegen meiner ursprünglichen Absicht) doch erworben. Meine Empfehlung auf deine Frage

Ich habe Nanga noch nicht gekauft, soll ich ?

lautet: Nein.
Gruß
Howie
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Mickey
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Früher war alles besser!?

#9

Beitrag von Mickey » Mi 12. Mai 2004, 22:14

Liebe Bianca,
Du hast recht: ein Künstler kann's niemandem recht machen. Bleibt er seinem Stil treu, ist er nicht kreativ, und verändert er sich beständig, so hat er keinen eigenen Stil.
Bei Mey ist es meiner Meinung nach aber ein wenig anders. So, wie ich es sehe, versucht er sehr wohl, es allen recht zu machen. Es ist ja, textlich und musikalisch, für jeden etwas dabei, so dass sein Zielpublikum - das unterstelle ich ihm jetzt frech - mit Absicht weit gefasst ist. Gehe mal die Titellisten der letzten Alben durch. Da gibt es sehr wohl Anzeichen, dass er ganz bewusst eine Vielfalt pflegt, ja: kultiviert. Das ist nicht anrüchig, nur glaube ich einfach nicht, dass er am Publikum vorbei schreibt, dass es ihm alle zwei Jahre ein Bedürfnis ist, einen Knaller zum Heulen, ein Klamauklied, ein politisches Lied etc. zu schreiben.
Liebe Grüsse
von Reto
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Lance
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#10

Beitrag von Lance » Do 13. Mai 2004, 17:08


Skywise schrieb:
Hallo, Lance.
Zunächst mal: die blassen Stellen ziehen sich doch ohnehin durch Reinhard Meys Gesamtwerk. Ich weiß auch nicht, was an den Alben der 70er "besser" gewesen sein soll; wenn ich sie mir durchhöre, stoße ich auch dort auf sehr viele Patzer und Schwächen, seien sie musikalischer oder textlicher Art.


Da hast Du eigentlich recht.
Da gibt es doch auch dieses Lied "Cantus 19b", das das aus erster Hand sehr ehrlich offenbart
Was so manchmal hinter einem Lied wirklich steckt!
Nämlich gar nichts!
Was ist es also was mich stört?
Vielleicht kommt ein "Gute Nacht Freunde" mehr als kompaktes Lied herüber als eins von seinen neueren, wo ich manchmal das Gefühl habe, es findet ein Sprachvortrag mit musikalischer Untermalung statt.
Aber nun ist auch genug dieses Themas.
Ich bin ein ausgesprochener Liebhaber solcher Lieder, wie
"Drei Stühle" "Alle Rennen" "Tierpolizei" "Ich führ dich durch die Nacht" und die schon voran genannten Titel!.
Am liebsten aber in der "Live" Version.
Zum Glück weiss RM das und produziert für mich die Live-Alben noch so regelmäßig dazu! Oder?

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Früher war alles besser!?

#11

Beitrag von JuergenF » Do 13. Mai 2004, 22:02

Hallo Lance,
auch ich gehöre zu den "Nostalgikern", die Meys stärkste Phase in den frühen Jahren sehen. Natürlich gab es immer Lieder, deren Notwendigkeit nicht wirklich einleuchtet ;o), aber z.B. auf "Wie vor Jahr und Tag" (1974) sind mindestens 6 Knaller, das hat er später wohl nicht mehr erreicht. Familien- und Fliegerglück haben m.E. seine Kreativität ziemlich ruiniert ;o)
Natürlich hat Mey in jeder Phase auch noch Superdinger rausgehauen, keine Frage, aber insgesamt hatte ich nicht mehr den Eindruck, daß er "um sein Leben singe" (wie er auf Rüm Hart beteuerte). Nun, in den letzten Jahren scheint er´s nochmal wissen zu wollen, und viel vom alten Biß ist wieder da. Die "Neue" habe ich sofort gekauft, schon allein aus Neugier, und habe es keine Sekunde bereut. 8 gute bis sehr gute Lieder (Friedhof, Douce France, Ich liege bei dir etc.), da kann man das schwächelnde "Die Waffen nieder!" und die üblichen Belanglosigkeiten ("Ich kann" und "Kennst du die kleinen...") leicht in Kauf nehmen. "So ein Friedhof hat etwa Gastfreundliches und steht allen offen"...einfach genial.
Liebe Grüße, Jürgen


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Wo ich hin will :-)
14.11.12 Hannes Wader in Kirchheim/Teck, Stadthalle
21.2.13 Uta Köbernick in Bietigheim Bissingen, Rommelsmühle
15.3.13
Annett Kuhr in Landau, Kreuz und Quer
3.5.13 Holger Saarmann, Tübingen

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