Ein völlig sinnloser Weg zu mehr Gerechtigkeit

Reinhard Friedrich Michael Mey (* 21. Dezember 1942 in Berlin) ist ein deutscher Musiker und seit Ende der 1960er Jahre einer der populärsten Vertreter der deutschen Liedermacher-Szene. Pseudonyme sind Frédérik Mey (in Frankreich), Alfons Yondraschek und Rainer May.
Quelle: Wikipedia mit Stand vom 20.06.2019 | Foto für Banner und Forum: Sven-Sebastian Sajak Deutsche Wikipedia
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Reinhard Mey (* 21. Dezember 1942 in Berlin) ist ein deutscher Musiker und ein Hauptvertreter der deutschen Liedermacher-Szene. Pseudonyme sind Frédérik Mey (in Frankreich), Alfons Yondraschek und Rainer May. Mey lebt seit 1977 in Berlin-Frohnau in zweiter Ehe mit seiner Frau Hella mit der er drei Kinder hat.
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Liedertom
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Ein völlig sinnloser Weg zu mehr Gerechtigkeit

#1

Beitrag von Liedertom » So 24. Jul 2016, 16:18

Tja, Ihr Lieben,
wie schon einigen vor mir hier in diesem Forum, so kommt auch mir dieser Alleingang der Firma Mey - ich bin mir nicht sicher, ob sich der Meister selbst wirklich um derartiges Gedöns kümmert - in der Ticketverkaufspraxis reichlich sinnlos vor.
Ein gut gemeinter Versuch, florierenden Schwarzmarkt zu unterbinden, aber eben total zum Scheitern verurteilt.
Denn wie hier schon bemerkt wurde, ist es denen, die hier eine gute Geldanlage wittern, sch...egal, wie viele Bestellvorgänge hintereinander sie starten.
Und die Dummen sind die "Freunde" der ersten Stunde wie ich - der Begriff "Fan" will mir in Zusammenhang mit anspruchsvoller Musik irgendwie nicht über die Lippen kommen -, die mit Reinhard alt geworden sind und schon zu Orpheus - Zeiten in seinen Konzerten saßen.
Damals habe ich mir budgetbedingt eine Karte in der letzten Reihe für 7.- DM gekauft, habe mich dann aber vor der ersten Reihe auf den Boden gesetzt.
Und kein Sheriff kam, der die nationale Sicherheit bedroht sah, und jagte mich weg.
Und wer zuerst kam, mahlte zuerst.
So einfach war das!
Hach! Früher war alles besser!!!
Zurück zum Heute:
Vor der letzten Tour hatte ich mich natürlich auch um Karten bemüht.
Um 10:00 Uhr pünktlich sollte der Vorverkauf beginnen.
Um 9:40 saß ich am Rechner.
(Frage an die Gerechtigkeitsfanatiker in der Firma Mey:
Wie soll das ein arbeitender Mensch eigentlich hinkriegen, ohne einen Tag Urlaub nehmen zu müssen oder den Rausschmiss wegen Surfens in der Arbeitszeit zu riskieren?
Beides selbst für den Besten der Besten unter den Liedermachern einfach komplett unangemessen!?)
Ab 9:59 ein Loginversuch nach dem nächsten.
Erfolgreich dann endlich um 10:20.
Gerechtigkeit hört eben bei der Schnelligkeit der Internetverbindung auf ...
Die Plätze, die wir dann noch bekamen, waren in der 10. Reihe!
Sch... !!!!
Dann der Konzertabend:
Meine Frau, ich und ein befreundetes Paar - mehr dürfen ja gerechtigkeitshalber nicht beieinander sitzen - fuhren nach Stuttgart in die Liederhalle.
In der Reihe vor uns saß ein 2 Meter - Typ mit einer Frisur wie Rainer Langhans zu seinen besten Zeiten, was ihn optisch noch um weitere 10 cm "erhöhte", neben ihm sein nicht wesentlich kleinerer und ebenso ausladend frisierter Schatz.
Und ich dahinter, mit meinen 1,86 auch nicht gerade ein Zwerg, aber jeglicher freier Sicht in Richtung Bühne beraubt.
Und dann fanden die Beiden auch noch fast jeden Song des Meisters so rührend, dass sie ihr Haupt zärtlich an seines schmiegte und es während des ganzen Liedes dort beließ - und mir die letzte Lücke zum Erhaschen eines Blicks zur Bühne endgültig verbaute.
Ich gestehe, dass mich keines der Lieder so sehr berührte, dass es in der Lage gewesen wäre, meine Wut über diesen Begleitumstand zu neutralisieren.
Tue ich mir das im nächsten -Jahr noch einmal an?
Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich nicht lieber hinsetze, meine Gitarre nehme und beim Singen von Reinhards Liedern an die oben beschriebenen guten alten Zeiten denke und dabei hoffe, dass ich in ein paar Jahren, wenn ich so alt bin wie Reinhard nicht so wunderlich werde, dass ich glaube, ein komplett in sich geschlossenes und so nirgendwo anders anzutreffendes "Hochsicherheitssystem" zu installieren, das für nichts als Ärger sorgt und den Sinn, den es haben soll, weit verfehlt.
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Marc
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#2

Beitrag von Marc » So 24. Jul 2016, 18:49

Hallo Liedertom,
auch ich habe seinerzeit die Erfahrung gemacht, dass der Vorverkauf über die White label eCommerce GmbH nicht gerade rund lief, muss aber gestehen, dass ich die Schärfe Deines Beitrags recht überzogen finde und dass mich einige Deiner Aussagen geradezu amüsiert haben.
Liedertom schrieb:
Ein gut gemeinter Versuch, florierenden Schwarzmarkt zu unterbinden, aber eben total zum Scheitern verurteilt.

Nachdem ich mich recht intensiv mit Eventim & Co auseinandergesetzt habe, kann ich jeden Veranstalter nur zu gut verstehen, der alternative Vertriebswege sucht und wählt. Ob es echte Alternativen gäbe, den Schwarzmarkt zu unterbinden, wage ich nicht beurteilen zu können. Bei vielen Theatern gibt es mittlerweile nur noch personalisierte Tickets (das heißt, dass der Name des Käufers auf dem Ticket abgedruckt wird). Ich meine mich zu erinnern, dass die White label eCommerce GmbH dies seinerzeit auch angedacht hatte. Ich könnte mir vorstellen, dass dies eine Möglichkeit wäre, zumindest ein paar Schwarzhändler abzuschrecken. Davon abgesehen weiß ich nicht, ob der Weiterverkauf grundsätzlich überhaupt verboten werden kann. Wenn jemand bereit ist, bei Ebay den doppelten oder dreifachen Preis für eine Karte zu zahlen... - kann man das überhaupt verbieten?
Liedertom schrieb:
So einfach war das! Hach! Früher war alles besser!!!

Hach, so viel Nostalgie, entzückend. Ich bezweifle, dass es früher einfacher war, gute Plätze zu sichern (früher = Prä-Internet-Zeitalter). Telefone waren blockiert, die Schlange vor dem Ticket-Schalter war lang, der Ticketverkäufer um die Ecke bot ausgerechnet nur den Block hinten links an...
Liedertom schrieb:
Um 10:00 Uhr pünktlich sollte der Vorverkauf beginnen. Um 9:40 saß ich am Rechner. ([...] Wie soll das ein arbeitender Mensch eigentlich hinkriegen, ohne einen Tag Urlaub nehmen zu müssen oder den Rausschmiss wegen Surfens in der Arbeitszeit zu riskieren?

Dass Karten meistens am Vormittag in den Vorverkauf gehen, hängt sicherlich mit den Arbeitsabläufen des Vertreibers zusammen. Für mich wäre ein Vorverkaufsbeginn um 17 Uhr auch praktischer, aber was macht dann die Krankenschwester, die zu dem Zeitpunkt Spätschicht schiebt, der Einzelhändler, der bis Ladenschluss Kunden bedienen muss, der Lehrer, der in einer Gesamtkonferenz brütet...? Über die Uhrzeit des Vorverkaufbeginns zu diskutieren, finde ich überflüssig.
Liedertom schrieb:
Ab 9:59 ein Loginversuch nach dem nächsten. Erfolgreich dann endlich um 10:20. Gerechtigkeit hört eben bei der Schnelligkeit der Internetverbindung auf... Die Plätze, die wir dann noch bekamen, waren in der 10. Reihe!

Ja, die Überlastung der Server ist ein Problem (nicht nur der White label eCommerce GmbH!), das ich bei Konzerten mit großer Nachfrage auch als stressig empfinde (soweit ich das als Computer-Laie beurteilen kann, hat das weniger etwas mit der Schnelligkeit des eigenen Internetzugangs zu tun). Als Außenstehender kann man natürlich viele schlaue Tipps geben, aber vielleicht ließe sich das Problem "entzerren", wenn man den Vorverkauf staffeln würde? An Tag 1 gehen die ersten fünf Konzerte in den Vorverkauf, an Tag 2 gehen die nächsten 5 Konzerte in den Vorverkauf, usw...!?
Liedertom schrieb:
Dann der Konzertabend: Meine Frau, ich und ein befreundetes Paar - mehr dürfen ja gerechtigkeitshalber nicht beieinander sitzen - fuhren nach Stuttgart in die Liederhalle. In der Reihe vor uns saß ein 2 Meter - Typ mit einer Frisur wie Rainer Langhans zu seinen besten Zeiten, was ihn optisch noch um weitere 10 cm "erhöhte", neben ihm sein nicht wesentlich kleinerer und ebenso ausladend frisierter Schatz. Und ich dahinter, mit meinen 1,86 auch nicht gerade ein Zwerg, aber jeglicher freier Sicht in Richtung Bühne beraubt.

Köstlich! Und Du willst mit Deinen 1,86 in der 1. Reihe sitzen? :-D Dann fordere ich eine Staffelung nach Größe: Riesen nach hinten, Zwerge nach vorn! Hmm, dann säße ich wohl immer in der Mitte... blöder Vorschlag...
Liedertom schrieb:
Tue ich mir das im nächsten Jahr noch einmal an?

Na, die Antwort hast Du Dir ja schon selbst gegeben.
Sonnige Grüße!
Marc
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#3

Beitrag von Skywise » So 24. Jul 2016, 19:23


Marc schrieb:
Davon abgesehen weiß ich nicht, ob der Weiterverkauf grundsätzlich überhaupt verboten werden kann. Wenn jemand bereit ist, bei Ebay den doppelten oder dreifachen Preis für eine Karte zu zahlen... - kann man das überhaupt verbieten?
Kann man. Setzt allerdings im wesentlichen zwei Dinge voraus.
a) Es muß in den Geschäftsbedingungen des Händlers geregelt sein, daß ein Weiterverkauf der Eintrittskarte nur zu einem Betrag X gestattet ist. Meistens halt der Einkaufspreis.
b) Du mußt als Kunde in der Lage (gewesen) sein, diese AGBs zur Kenntnis zu nehmen.
Telefonische Bestellungen schließen b) im wesentlichen aus, daher ist hier ein Handel möglich. Bei Online-Bestellungen schaut's dagegen anders aus.
Daß diese Klauseln nicht unwirksam sind, hat mal das Landgericht Hamburg 2014 festgestellt, als es um die Karten zu einem Konzert von Helene Fischer ging. Der Veranstalter verfolge hehre Ziele mit diesen AGBs, daher seien diese wirksam.
Liedertom schrieb:
Dann der Konzertabend: Meine Frau, ich und ein befreundetes Paar - mehr dürfen ja gerechtigkeitshalber nicht beieinander sitzen - fuhren nach Stuttgart in die Liederhalle. In der Reihe vor uns saß ein 2 Meter - Typ mit einer Frisur wie Rainer Langhans zu seinen besten Zeiten, was ihn optisch noch um weitere 10 cm "erhöhte", neben ihm sein nicht wesentlich kleinerer und ebenso ausladend frisierter Schatz. Und ich dahinter, mit meinen 1,86 auch nicht gerade ein Zwerg, aber jeglicher freier Sicht in Richtung Bühne beraubt.
Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals bei der Kartenbestellung nach meiner Körpergröße gefragt worden zu sein. Auch früher war das nicht der Fall. Ein solches Schicksal hätte Dir also auch die Abwicklung über einen anderen Händler nicht erspart werden können.
Ich probier' zwar meistens noch aus eigenem Antrieb, mich irgendwo an den Rand setzen zu lassen, aber manchmal ist selbst das nicht möglich. Ist halt persönliches Pech und läuft in derselben Klasse wie das Konzert, bei dem mein Platznachbar mit seiner dicken Nase mir den gesamten Bartók verschneuzt hat. Nich' schön, aber was will man machen ...
Gruß
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#4

Beitrag von Doro1100 » So 24. Jul 2016, 20:32

Skywise schrieb:
Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals bei der
Kartenbestellung nach meiner Körpergröße gefragt worden zu
sein

Zum Glück gibt's da keine Beschränkungen! Ansonsten wäre ein Konzertbesuch mit Dir ja gar nicht mehr drin! :grinsi:
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#5

Beitrag von Westwind » So 24. Jul 2016, 22:24

Hallo Liedertom,
das von Dir angesprochene Thema lässt mich nie ganz ruhig, weil ich da auch schon entsprechende Erfahrungen gesammelt habe.
In einigen Punkten kann ich Deinen Frust nachvollziehen. Ich bin mit dem Ticketvorverkauf auch nicht zufrieden. In den 90er Jahren habe ich es mal bis in die 2. Reihe mittig geschafft, das war mein persönlicher "Rekord" an Nähe.
Vor 6 Jahren klappte Saalplanbuchung nicht, nur diese - wie heißt das gleich ? - Bestplatzbuchung, heißt, für eine Preiskategorie werden einem irgendwelche Plätze zugeteilt. Trotz höchster Preiskategorie habe ich einen Platz vorne, aber auf der Empore vorne gewonnen. Das war schon ziemlich unverschämt.
Vor 3 Jahren wollte ich von Arbeit aus bestellen. Klappte bei eventim und reservixx oder direkt in den Häusern immer alles problemlos von Arbeit aus, auch mit Saalplanbuchung, daher bin ich davon ausgegangen, daß es bei RM auch so klappen würde. Klappte allerdings nicht, ich konnte die Plätze noch auswählen, aber trotz Registrierung und dem ganzen Vorgeplänkel klappte der Schritt nicht, die ausgewählten Tickets zu bezahlen.
Glücklicherweise wurde mir von anderen Forumsmitgliedern geholfen, die für mich noch Karten an zwei verschiedenen Orten bestellt haben, nachdem sie ihre eigenen Tickets gesichert hatten. Gut waren diese Plätze noch, aber optimal war auch anders.
Abends habe ich einfach noch mal von zu Hause aus versucht, für ein Konzert in der Nähe Karten zu bestellen. Das hätte alles problemlos geklappt, aber die besseren Plätze waren weg. Irgendeinen Sicherheitsmechenismus gabs wohl bei mir auf Arbeit, der beim RM-Ticketverkauf zuschlug, was er bei Bestellungen über eventim oder reservixx oder direkt in den Häusern eben nicht macht. Oder anders ausgedrückt, irgendwas war bei Mey-Ticket-Online-Verkauf zu meinem Nachteil anders als bei anderen Anbietern.
Wie soll das ein arbeitender Mensch eigentlich hinkriegen, ohne einen Tag Urlaub nehmen zu müssen oder den Rausschmiss wegen Surfens in der Arbeitszeit zu riskieren?
Beides selbst für den Besten der Besten unter den Liedermachern einfach komplett unangemessen!?

Genau das nervt mich auch. Da wird man dafür einmal mehr bestraft, daß man berufstätig ist. Ein Rausschmiss würde mir zwar nicht drohen, aber gerecht ist das nicht.
Andererseits muß aber auch die Frage erlaubt sein: was ist gerecht ? Daß die Ticketpreise so hoch sind, daß sich viele Menschen, auch Berufstätige, dreimal überlegen, ob sie sich einen Konzertbesuch leisten können ? Da sich Reinhard Mey im TV ja äußerst rar gemacht hat, haben die Menschen, die sich die Tickets eben kaum leisten können, kaum noch Möglichkeiten, ihn mal zu sehen. Bleibt fast nur das, was im Internet mehr oder weniger legal veröffentlicht wird.
Letztendlich bleibt die Frage, was einem wichtig ist, und welchen Preis man dafür zu bezahlen bereit ist.
Reinhard Mey hat den Tourzeitraum von 60 Tagen auf 30 Tage plus Österreich-Tour reduziert, spielt dafür aber in größeren Hallen. Er wird sich die 60 Tage am Stück einfach nicht mehr antun wollen, wofür ich Verständnis habe. Es ist seine Entscheidung, wieviel Konzerte er gibt. Somit ist es meine Entscheidung, ob ich mich um Tickets bemühen will oder nicht mit allen Vor- und Nachteilen, Freuden und Ärgernissen.
Ich möchte ihn noch live sehen, also werde ich im September den einen Tag Urlaub nehmen, um an ein möglichst gutes Ticket zu kommen. Alles andere habe ich nicht mehr in der Hand.
"In der Reihe vor uns saß ein 2 Meter - Typ mit einer Frisur wie Rainer Langhans zu seinen besten Zeiten, was ihn optisch noch um weitere 10 cm "erhöhte", neben ihm sein nicht wesentlich kleinerer und ebenso ausladend frisierter Schatz.
Und ich dahinter, mit meinen 1,86 auch nicht gerade ein Zwerg, aber jeglicher freier Sicht in Richtung Bühne beraubt.
Und dann fanden die Beiden auch noch fast jeden Song des Meisters so rührend, dass sie ihr Haupt zärtlich an seines schmiegte und es während des ganzen Liedes dort beließ - und mir die letzte Lücke zum Erhaschen eines Blicks zur Bühne endgültig verbaute. "

Kenne ich. Udo Jürgens 3. Reihe mittig , vor uns 2 Plätze bis kurz vor Beginn des Konzertes frei (übrigens erstaunlich, daß scheinbar diejenigen, die einen Platz in der Mitte haben, gefühlt meistens als letzte ihre Plätze einnehmen und die halbe Sitzreihe zum Aufstehen nötigen, aber das ist nun wirklich nur meine Wahrnehmung ;-) ). RM hat es im Lied "Warum immer ich" ja so schön formuliert mit dem langen Menschen, der dann in den Saal kommt: "Der ist für mich". So lang waren die Mensch vor uns zwar nicht, aber die haben die ganze Zeit die Köpfe zusammengesteckt und getuschelt. Da sage ich aber mal: das ist Pech trotz allen Ärgers und kann jeden treffen. Auch wenn man selbst 2 Meter lang sein sollte, kann neben einem jemand sitzen, der ständig niest oder mit Bonbonpapier raschelt, oder vor einem sitzen im abgedunkelten Saal Leute, die permanent ihr dämliches Smartphone zücken, um Photos zu machen oder auch Passagen zu filmen. Und wenn man dahinter oder daneben sitzt, wird man durch den hellen Lichtschein noch ständig abgelenkt. Das Sozialverhalten der Leute wird man nicht ändern können, da bleibt einem nur die höfliche Kommunikation, was an dieser Stelle nicht wirklich meine Stärke ist.
Die Autogrammstunde bei der letzten Tour fand ich übrigens so abschreckend (und zudem auch ungerecht, weil Leute, die von der Empore außerhalb des Saals runterkamen und unten dann in den Saal nach vorne wollten, nicht mehr reingelassen wurden), daß ich das auch nicht mehr um jeden Preis haben muß.
Jetzt mögen sich einige fragen, warum ich mir so einen Konzertbesuch noch antun will ? Die Frage stelle ich mir auch ab und zu, aber unter'm Strich möchte ich RM eben nochmal live sehen, solange er überhaupt noch tourt, und da akzeptiere ich eben einige Kompromisse. Ist zwar etwas frustrierend, wenn man glaubt, alles getan zu haben, um beste Chancen zu haben, und dann doch eher hinten landet, aber andererseits, wenn ich nicht so einen guten Platz erwischen sollte, habe ich die Chance, mich auch mal mit den kleineren Brötchen zufrieden geben zu müssen und meinen Anspruch zu überdenken. Viele Menschen sind glücklich, überhaupt mal bei so einem Konzert dabei sein zu können, "Fan" oder nicht.
Übrigens: mir ist auch schon passiert, daß ich Konzerte, wo ich gerne irgendwo irgendwie dabei gewesen wäre, komplett verpasst habe, weil ich erst hinterher davon erfahren habe. Das Leben ging trotzdem irgendwie weiter ;-)
Viele Grüße,
Georg
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es ist eine grenzenlose Welt, in der ich leben will."
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#6

Beitrag von migoe » So 24. Jul 2016, 22:26

Hallo Liedertom,
Liedertom schrieb: Ein gut gemeinter Versuch, florierenden Schwarzmarkt zu unterbinden, aber eben total zum Scheitern verurteilt.

was wäre denn Deiner Meinung nach eine "gerechte" Lösung beim Verkauf von Karten?
Liedertom schrieb:
So einfach war das! Hach! Früher war alles besser!!!

Dein Beitrag hat in mir auch ein paar nostalgische Erinnerungen geweckt. Mir ist beim Lesen z.B. eingefallen, wie ich zu den Karten für mein erstes Mey-Konzert im Jahr 1994 gekommen bin. Damals gab es ja noch kein Internet und der Manager von Reinhard Mey hieß Peter Graumann. Ich habe einfach bei der Telefonauskunft der Telekom angerufen und gefragt, wie ich Karten für ein Reinhard Mey Konzert bestellen könnte. Die Frau konnte mir die Frage zwar nicht direkt beantworten, hat mir aber die Telefonnummer des Maikäfer Verlags gegeben, dort könnte ich ja mal nachfragen. Unter dieser Nummer meldete sich damals ein Anrufbeantworter, der von einem Kind (Mädchen) besprochen war - und hier habe ich mein Anliegen mit der eigenen Telefonnummer aufgesprochen. Ein paar Stunden später - oder auch ein paar Tage, kann das heute nicht mehr sagen - rief ein Mann bei meinen Eltern an und wollte wissen, für welches Konzert ich denn wie viele Karten bestellen wolle. Wir sind dann in Ruhe die für mich in Frage kommenden Hallen durchgegangen und ich konnte telefonisch direkt bei Peter Graumann zwei Karten in der 2ten oder 3ten Reihe Mitte bestellen. So war das damals.
Damals konnte ich mit dem Namen Peter Graumann nichts anfangen, aber die Art, mit der er sich um mich gekümmert hat, gefiel mir und es ist bestimmt kein Zufall, dass Reinhard Mey und Peter Graumann zueinander gefunden haben - das ist aber ein anderes Thema.
Mit dieser Anekdote will ich aber nicht in die gleiche Kerbe schlagen wie Du, denn ich bin froh über die heutigen Möglichkeiten, sich zu informieren und auch online Karten für Konzerte zu kaufen. Bei der Frage, wer schuld hat an den hohen Schwarzmarktpreisen - Käufer oder Verkäufer - bin ich der Meinung, wer bereit ist, einen mehrfach höheren Preis zu bezahlen, als der ursprüngliche Verkäufer der Ware (Karte) dafür verlangte, der sorgt dafür, dass es überhaupt zu solchen Entwicklungen kommt.
Liedertom schrieb:
Um 10:00 Uhr pünktlich sollte der Vorverkauf beginnen. Um 9:40 saß ich am Rechner. ([...]

...und mit Dir sicher mehrere hunderttausend andere Interessenten auch - natürlich kommt es da zu Wartezeiten und es kann passieren, dass man beim ersten Versuch trotzdem leer ausgeht. Meiner Erfahrung nach sollte man dann aber nicht den Kopf hängen lassen, sondern in den folgenden Tagen immer mal wieder im Buchungssystem prüfen, ob für die bevorzugte Halle doch noch Karten frei sind bzw. wieder frei geworden sind. Das kommt häufig vor, weil viele teilweise mehrfach bestellen und die nicht benötigten Karten wieder stornieren.
Viel Glück dabei wünscht...
migoe
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Liebe Grüße aus Rothenburg

migoe | www.liedermacher-forum.de
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Manche Menschen wollen lieber durch Lob ruiniert als durch Kritik gerettet werden.

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#7

Beitrag von moni » Mo 25. Jul 2016, 07:38

An dem Vorverkaufstag habe ich schon Urlaub eingereicht.
Ich werde mein Glück versuchen an gute Karten zu kommen.
Habe ich Glück ist es gut, ansonsten gibt es eben ein Hörkonzert.
Ich hatte schon einige Male sehr gute Plätze und es gibt eben nicht nur erste Reihe.
Dieser Beitrag enthält 50 Wörter


:wau:
A bas les armes!

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#8

Beitrag von Marc » Mo 25. Jul 2016, 09:14

Lieber Georg!

Westwind schrieb:
Genau das nervt mich auch. Da wird man dafür einmal mehr bestraft, daß man berufstätig ist. Ein Rausschmiss würde mir zwar nicht drohen, aber gerecht ist das nicht. Andererseits muß aber auch die Frage erlaubt sein: was ist gerecht ?

Die Aussage, beim üblichen Vorverkaufs-Prozedere werde man als Berufstätiger ungerecht behandelt oder gar bestraft, finde ich grenzwertig. Was wäre denn eine "gerechte" Alternative? Eine mögliche "gerechte" Alternative wäre wohl nur ein Vorverkauf ohne feste Sitzplatzvergabe, so wie ich es von kleineren Theatern und kleineren Sälen kenne (kenne ich vor allem von Hannes - stresst mich immer...). Die Alternative hätte eine riesige Schlange vor dem Einlass zur Folge, bei einem XL-Konzert à la Reinhard Mey organisatorisch undenkbar (das "Problem", das wir besprechen, ist ja kein Mey-spezifisches, sondern eines großer Konzerte mit großer Nachfrage). Bekloppte wie ich würden wahrscheinlich schon einen Tag vor dem Einlass vor dem Eingang campen (ach nee, ich bin ja berufstätig - hier beißt sich die Katze also wieder in den Schwanz). Mir erscheint die Suche nach einer Alternative an dieser Stelle völlig sinnlos.

Westwind schrieb:
Die Autogrammstunde bei der letzten Tour fand ich übrigens so abschreckend (und zudem auch ungerecht, weil Leute, die von der Empore außerhalb des Saals runterkamen und unten dann in den Saal nach vorne wollten, nicht mehr reingelassen wurden), daß ich das auch nicht mehr um jeden Preis haben muß.

Das Problem hat meiner Meinung nach nichts mit der Autogrammstunde selbst zu tun, sondern mit dem jeweiligen Veranstaltungsort. Generell gilt natürlich: Je kleiner der Saal, desto angenehmer die Autogrammstunde. Bockiges Personal des Theaters oder der Halle habe ich auch schon erlebt. In der Göttinger Lokhalle wollte mich 2014 der sehr aufmerksame Sicherheitsdienst am Eingang, der einen Blick in jede (!) Handtasche warf, partout nicht mit meiner LT-Flasche reinlassen. Im Prinzip völlig nachvollziehbar ("Was will der Bekloppte mit einer leeren Weinflasche im Konzert?"). Zum Glück kam in dem Augenblick Sali vorbei und hat wie immer alles zum Guten wenden können... ;-)
Lieben Gruß aus Hannover!
Marc
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#9

Beitrag von Liedertom » Sa 15. Okt 2016, 01:22

Eigentlich wollte ich mich heute nur melden, um mitzuteilen, dass ich nach einem ausführlichen und sehr netten Mailkontakt mit Sali, der ich meine (Frust)erfahrungen der letzten Tour auch mitteilte, dann doch noch motiviert werden konnte, mir die "Extremnummer Online-Mey-Kartenvorverkauf" nochmal anzutun - diesmal in der Tat mit dem Erfolg der ersten Reihe einigermaßen Mitte in Stuttgart. So weit, so gut. Und dann wollte ich noch schreiben, dass ich das trotz meines Erfolgs nicht gut finde, wie das mittlerweile läuft mit Konzerttickets, dass das einer von vielen Ausdrücken des kompletten Wahnsinns ist, der uns an allen Enden umgibt.
Das alles wollte ich schreiben, als ich mich vor einer Stunde ins Forum einloggte.
Und dann ...
... las ich, dass vor wenigen Stunden, am 14.10., Werner Lämmerhirt gestorben ist, den ich vor wenigen Wochen noch live gesehen habe und der, anstatt wie sonst nach dem Konzert mit uns noch ein Bier trinken zu gehen, sofort mit seinem Wohnmobil zu seiner Tochter fuhr, ich glaube, weil sie Geburtstag hatte.
Nichts, aber auch garnichts wies darauf hin, dass Werner auch nur das Geringste fehlt gesundheitlich. Er freute sich noch wie ein kleines Kind, dass demnächst seine neue CD erscheinen würde ...
Und nun ist dieser geniale Musiker und unendlich liebenswerte Mensch auf einmal nicht mehr da.
Was zählt vor diesem Hintergrund die Frage, ob man ein Mey - Ticket kriegt oder nicht?
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olliwutzi
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#10

Beitrag von olliwutzi » Sa 15. Okt 2016, 12:55

Nachdem ich mir einiges zu dem Thema durchgelesen habe und auch einige Erfahrungen gemacht habe möchte ich auch ein bischen was dazu schreiben.
Früher, tja, war da alles besser?
Irgendwie schon. Da gab es Karten eben nur an den Vorverkaufsstellen. Ich als Hamburger hatte es da leicht, fast an jeder Ecke war eine. Die Karten kamen nicht aus dem Netz und dann aus einem Drucker, sondern lagen im Panzerschrank. Wer ausserhalb wohnte musste in die Stadt fahren oder jemanden bitten die Karten zu besorgen. Aber oftmals brauchte man auch gar keinen Vorverkauf, es gab nicht so einen Ansturm wie heute (oder habe ich ihn damals nur nicht so bemerkt?). Viele Konzerte waren gar nicht ausverkauft oder es gab noch bis wenige Tage vorher Karten. Zugegeben, die meißten meiner Konzerte fanden in unbestühlten Sälen statt, da war es sowieso egal welche Karte man hatte, Einheitspreis eben. Und wenn es wirklich mal Rockkonzerte mit Sitzplätzen gab (z.B. U2 1985 im CCH) war es auch egal. Da stürmten sowieso alle nach vorne als das Licht ausging. Heute wohl undenkbar! Ich habe diese Zeit einfach als lockerer, entspannter in Erinnerung.
Und heute? Tja, das Internet hat schon Vorteile. Bequemes Bestellen per Mausklick, wenn es denn klappt. Negativbeispiel die Einstürzenden Neubauten im Januar 17 in der Elbphilharmonie. Keine Chance was zu bekommen, da brach sogar der Server zusammen. Lag allerdings auch daran, das der Vorverkauf für ALLE Elbphi-Eröffnungskonzerte gleichzeitig startete...Als Entschädigung gibt es jetzt noch ein Zusatzkonzert vor dem eigentlichen Konzert. Und da ging ich Back to the Roots. Die gute alte Vorverkaufsstelle hat es gerichtet. Die Dame konnte zwar auch nur (wie) alle online Kaufen. Aber mit Schokolade und netten Worten konnten wir sie dazu bewegen sich ganz exklusiv
um unser Anliegen zu kümmern. Auf Zeigersprung war sie dann drin im Vorverkauf, und sogar da war der Saal schon wieder fast voll. Man muss sich das schon klar machen: Da sitzen nicht nur Hamburger vor dem Rechner, da sitzt die ganze Welt davor. Auch in New York und Sidney oder Bogota. Ich finde das schon echt wahnsinnig!
Mein Fazit: Es gibt immer mehr Ereignisse wo scheinbar ALLE dabei sein wollen, das kann nicht funktionieren. Und die Schwarzhändler lachen sich ins Fäustchen denn die Kohle sprudelt. Bezogen auf Reinhard Mey, um den es ja ursprünglich geht, fällt mir auch keine Lösung ein. Freie Platzwahl vielleicht? Aber dann gibts wohl Tumulte...
Wenn dann auch noch Torschlusspanik dazu kommt (...ihn unbedingt nochmal sehen...) wirds noch heftiger. Ich mache mir da ja eher einen Spass daraus. Gerade was die Neubauten betrifft. Früher wollte die doch keiner sehen, die Leute sind sogar rausgerannt wegen des teilweisen Chaos auf der Bühne. Und heute will ich doch mal unbedingt in diese Elphi, will doch mal sehen wo mein Steuergeld verpulvert wurde. Und da kann ich eben Fantum und Neugier verbinden.
Und wenn es immer heist: Die musst du unbedingt nochmal sehen, wer weiß..., dann sage ich oft Nein Danke. Zuletzt in Hamburg bei
The Police oder AC/DC. Das ist mir alles viel zu teuer geworden. Ich bin da mit Genuß nicht mehr dabei!
Gruß von der Olliwutz
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#11

Beitrag von Liedertom » So 16. Okt 2016, 16:48

Nochmal zu der Frage, ob früher alles besser war mit dem Ticketkauf ...
Ob alles besser war, weiß ich nicht. Was ich aber weiß, ist, dass ich Reinhard Mey in fast allen Phasen seiner Karriere immer wieder live gesehen habe und dass ich nie - wirklich nie! - ein Problem hatte, ganz vorne dabei zu sein. Dafür habe ich aber auch zu den unmöglichsten Zeiten den Hintern hochgekrieegt, und der Kartenerwerb hatte für mich allerhöchste Priorität vor allem anderen, wenn ich in ein Konzert wollte. Und diese Einstellung wurde belohnt: Wer zuerst kam, mahlte zuerst, und ich war eben immer bei den ersten.
Inzwischen heißt es: Wer zuerst kommt, ist als erster den Launen der Server ausgeliefert. Fortschritt sieht anders aus.
Eine Alternative kenne ich auch nicht. Aber wenn ich lese, dass hier Leute aus dem Forum einen Tag Urlaub nehmen, um am Vorverkauf teilnehmen zu können, dann frage ich mich doch: Wo bleibt hier jegliche Verhältnismäßigkeit? Ich habe damals weder die Schule geschwänzt noch Urlaub genommen - und saß trotzdem vorne, und zwar immer! Bei der letzten Mey - Tour saß ich in der Saalmitte, obwohl ich bereits 20 Minuten vor Verkaufseröffnung am Rechner die Seite offen hatte und im 5-Sekunden-Takt aktualisierte.
Aber wie gesagt: Diesesmal hat's ja dank leistungsfähigerer Server wieder mal geklappt mit der ersten Reihe. Trotzdem finde ich dieses ganze Theater und den Hype drumherum vorsichtig ausgedrückt - gewöhnungsbedürftig.
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Carsten K
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Ein völlig sinnloser Weg zu mehr Gerechtigkeit

#12

Beitrag von Carsten K » So 16. Okt 2016, 19:39


olliwutzi schrieb:
... die Einstürzenden Neubauten im Januar 17 in der Elbphilharmonie.

Da musste ich schon ein wenig schmunzeln, olliwutzi... Und ich überlege gerade, wann ich mir Urlaub nehmen muss, um mir Karten für das Live-Konzert der Abstürzenden Brieftauben zur Eröffnung des BER zu sichern... ;-)
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"Wenn man als junger Mensch aussah wie ein Hippie und sich einigermaßen treu geblieben ist, sieht man als alter Sack halt aus wie ein Penner und nicht wie Joschka Fischer."
Harry Rowohlt (1945-2015)

Liedertom
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Ein völlig sinnloser Weg zu mehr Gerechtigkeit

#13

Beitrag von Liedertom » Fr 9. Jun 2017, 00:19

Lieber Marc,
meine Antwort auf Deine Antwort auf meinen Post kommt zugegebenermaßen etwas spät, aber wer will denn irgendeiner Form von Hektik das Wort reden?
Du bezweifelst mit mehreren Argumenten, dass "früher alles besser war" und dass man ohne die zeitgenössischen Wege des Ticketerwerbs mehr Chancen hatte, an gute Tickets zu kommen.
Dazu nur eines, das aber ist die reine Wahrheit und nichts als die Wahrheit:
Wenn ich Dein Profilfoto richtig interpretiere, bist Du wesentlich jünger als ich (Jahrgang 1955). Ich habe hunderte von Konzerten besucht in meinem Leben. Und ich habe in der guten alten Zeit immer ungefähr die Tickets bekommen, die ich wollte, auch ohne Saalplanbuchung. Warum? Weil Konzerte für mich immer - und das ist bis zum heutigen Tag nicht anders - höchste Priorität hatten. Entsprechend intensiv habe ich mich darum gekümmert.
Meine Bemerkung mit meiner Körpergröße wurde hier komplett falsch verstanden. Ich habe das nur erwähnt, um meinen Frust zu untermauen, den ich damals hatte, als ich mich mehr als rechtzeitig eingeloggt hatte, und dann, als ich endlich auf den Server kam, nur noch hinter einem Turtelriesen weiter hinten zu sitzen kam.
Früher, in der "guten alten Zeit" hätte ich nach dem zweiten Lied diesen Platz verlassen, wäre nach vorne gegangen und hätte mich - was ich wirklich nicht nur einmal getan habe - vor der ersten Reihe auf den Boden gesetzt und hautnah dem Konzert gelauscht. Wenn ich zum Bodensitzen heute noch gesundheitlich in der Lage wäre und es tun würde, käme nach 2 Minuten ein Zerberus und würde mich verjagen, weil ich eine Gefahr für Reinhards Leib und Leben darstellen würde.
Wenn ich Reinhard jemals hätte ermorden wollen, hätte ich vor rund 45 Jahren die beste Gelegenheit dazu gehabt, als ich nach einem Konzert unangemeldet ins Künstlerzimmer ging und mit meinem billigen Cassettenrecorder ein 30 Minuten - Interview mit dem Meister für eine Schülerzeitung machte, das ihn in keiner Weise zu nerven schien. Im selben Jahr holte ich mir ebenfalls im Künstlerzimmer ein Autogramm von Leonard Cohen und hatte 10 Minuten fröhlichen Smalltalk mit ihm.
Wenn mir irgendjemand heute erzählen möche, dass das heute besser oder gerechter oder verständlicher oder menschlicher läuft, dann lächle ich sanft und setz mich auf mein achtel Lorbeerblatt und denke, was ich will ...
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