Ein paar Worte zu...der Fortsetzung von "Flaschenpost"...

Reinhard Friedrich Michael Mey (* 21. Dezember 1942 in Berlin) ist ein deutscher Musiker und seit Ende der 1960er Jahre einer der populärsten Vertreter der deutschen Liedermacher-Szene. Pseudonyme sind Frédérik Mey (in Frankreich), Alfons Yondraschek und Rainer May.
Quelle: Wikipedia mit Stand vom 20.06.2019 | Foto für Banner und Forum: Sven-Sebastian Sajak Deutsche Wikipedia
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Reinhard Mey (* 21. Dezember 1942 in Berlin) ist ein deutscher Musiker und ein Hauptvertreter der deutschen Liedermacher-Szene. Pseudonyme sind Frédérik Mey (in Frankreich), Alfons Yondraschek und Rainer May. Mey lebt seit 1977 in Berlin-Frohnau in zweiter Ehe mit seiner Frau Hella mit der er drei Kinder hat.
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Ein paar Worte zu...der Fortsetzung von "Flaschenpost"...

#1

Beitrag von migoe » Di 4. Mai 2004, 23:17

Lieber Herr Mey,
vielen Dank, daß Sie einen meiner größten Wunsch des Jahres 1998 erhört haben und die fehlenden Lieder Ihres wundervollen Albums "Flaschenpost" nachgeliefert haben :-D
Richtig gehört. Aus meiner Sicht ist dieses Album eine Fortsetzung des für mich persönlich interessantesten und ansprechensten Albums des Ausnahmeliedermachers Reinhard Mey. Voll des Lobes waren damals die Kritiker (Mey-Freunde und Mey-Hasser!) und Käufer des Albums. Die nun vorliegende Produktion setzt das damals erfolgreiche Konzept wieder sehr lebendig und persönlich um und kommt - zumindest bei mir - ab der ersten Minute an. Die hier vorliegende Konzeption ist aber ein Stück persönlicher und (seltsamerweise gleichzeitig!) professioneller als jemals zuvor bei einem Mey-Album. Sehr ansprechend ist das Einbinden persönlicher Bilder aus dem Mey'schen Familienalbum in die Textsammlung innerhalb des CD-Covers - so bekommen viele Gedanken und Namen auch gleich "Bilder" mitgeliefert - auch wenn manche vielleicht nicht direkt zu den entsprechenden Liedern passen.
Wie so oft auf Meys Alben gibt es aber auch auf dieser CD einige Highlights, die immer wieder in meiner persönlichen Playlist auftauchen werden:
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"Alles O.K. in Guantanamo Bay" ist ein meyuntypisches Lied was die Kombination von Text und Musik angeht. Liest man (wie in diesem Forum ja auch schon geschehen) den Text, stellt man sich auf jeden Fall eine düstere musikalische Umsetzung vor und nimmt das Lied "ernsthafter" auf, als es dann "rüberkommt", wenn man es in der Kombination mit dem sehr heiteren und rhytmischen Arrangement hört. Die Umsetzung des Themas ist sehr gelungen und der Zynismus, der eigentlich im Text steckt wird gut kaschiert. Eigentlich kritisiert Mey in diesem Lied nicht, sondern macht sich im Gegenteil sogar Lustig über den Gegner - wieder eher untypisch für den stillen Mahner Mey. Auch neu: durch die Erwähnung von Guantanamo Bay nimmt Mey direkt Stellung zu einem überaus aktuellen Thema - die Umsetzung ist aber doch so, daß dieses Lied auch in 100 Jahren gesungen werden können wird. Die menschenverachtende Einstellung der "Machthaber" wird sich bis dahin nicht verändert haben - und auch die Rechtfertigungen für ihr Handeln nicht...:-(
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"Douce France" (Zärtliches Frankreich) ist die Fortsetzung von "Viertel vor Sieben", "Weißt Du noch, Etienne?" "Dr. Berenthal" und all den anderen Liedern, in denen Mey (wie der Oberfranke schon geschrieben hat) das Familienalbum öffnet und uns ein wenig teilhaben läßt an den Geschichten, die diesen Menschen uns so nahe bringen und uns die Illusion geben, wir würden ihn kennen und verstehen. Ein Problem des "Schwiegersohnimagekompatiblen" ist eben, daß er diese Geschichten aus seinem Leben weitergibt und viele deshalb meinen, sie würden "ihren Reinhard" kennen. Wenn dann das (eigensinnige und konsequent individuelle) Verhalten des Künstlers mal wieder nicht mit diesem "Idealbild" zusammenpasst, nimmt man ihm das schnell übel. Doch glücklicherweise kann man sich mit Liedern wie "Douce France" wieder zurück in die schöne Wunschbildwelt retten...;-)
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Mit "Friedhof" greift Mey ein weiteres Mal das Thema "Tod und Sterben" auf - und wie schon bei "Das wahre Leben" auf der "Einhandsegler" macht er dies in erfrischender und erstaunlich lockerer Weise. Doch trotz der abwechslungsreichen und pointierten Bildersprache merkt man auch bei diesem Lied, daß er sich mehr und mehr und immer wieder mit dem Gedanken auch irgendwann einmal zu sterben auseinandersetzt. Er fühlt sich scheinbar "vorbereitet" dafür, auch wenn es ihm schwer fallen würde "zu gehen". Deutlich wird das z.B. durch die Textzeilen:
Manchmal kommt er früh, der Sensemann, manchmal trödelt er herum, der alte Mäher. "Geh' nur deiner Wege" sagt er mir, "Einmal enden sie doch alle hier. Und du siehst ja, die Einschläge kommen näher".

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Neben "Frieden" von der CD "Immer weiter" wird auch "Die Waffen nieder!" auch in 10 Jahren noch aktuell sein, weil es immer Menschen geben wird, die sich bekriegen und versuchen, das damit zu rechtfertigen, daß sie damit letztlich dem Frieden dienen würden. Ein Unterschied zu "Frieden" ist jedoch die Sprache, die hier wesentlich härter und direkter erscheint, vielleicht, weil Mey die Ansprache persönlich gestaltet.
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Schon einmal 1983 hat Reinhard Mey mit dem Lied "Du hast mir schon Fragen gestellt" versucht zu erklären, wie seine persönliche Beziehung zur Kirche, dem Glauben und Gott ist. Damals war das Lied aufgemacht als eine Art Zwiegespräch zwischen einem Vater und seinem Vorschulkind und die in dem Lied vertretenen Antworten und Ansichten entsprechend "einfach" verpackt. Nun, mehr als 20 Jahre später sind die Kinder Meys fasst alle aus dem Haus oder zumindest in einem Alter, wo sie selber schon Antworten auf Fragen nach Glaube und Gott geben können. Nun setzt sich Mey auch noch einmal mit diesen Fragen auseinander und gibt einige Antworten mit dem Lied "Ich glaube nicht". Obwohl das Lied vor allem Antworten darauf gibt, woran er eben NICHT glaubt, so erhält der Hörer doch auch einen Einblick davon, welche (ethische) Lebenseinstellung dieser Reinhard Mey in sich trägt. Sicher wird dies eines der Lieder, deren inhaltliche Aussage von vielen Menschen sofort unterschrieben werden würde.
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"Nanga Parbat" heißt das 23. Album von Reinhard Mey und natürlich ist auch das titelgebende Lied eines der Highlights dieses wunderbaren Albums. Gewidmet ist das Lied dem bekannten Abenteuerer und Bergsteigers Reinhold Messner. "Nanga Parbat" heißt auch ein Berg im Himalaya-Gebirge, der vor langer Zeit einmal von Reinhold Messner und seinem jüngeren Bruder Günther bestiegen werden sollte. Zurück vom Berg kam nur Reinhold Messner, sein Bruder blieb im Berg zurück (mehr Infos z.B. bei 3sat.de). Das ist auch das Thema dieses sehr spannungsgeladenen und packend arrangierten Stückes. Kein Lied für zwischendurch!
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Natürlich handelt es sich hier um eine persönliche Zusammenstellung der ersten Gedanken zu diesem Album. Sicher kann man vieles anders sehen und nicht mit meinen Ansichten übereinstimmen. Das ist auch gut so und es würde mich sehr freuen, wenn es Kommentare dazu von anderen gäbe. Ich bitte zu bedenken, daß ich die CD heute erst gekauft und "erst" zwei mal gehört habe. Doch diese ersten Eindrücke waren so intensiv und vertraut, daß ich wirklich spontan davon ausgehe, daß Reinhard Mey mit diesem Album (unbewußt) die würdige Fortsetzung zur "Flaschenpost" vorlegt. Zumindest ging es mir damals so, daß ich mir oft am Ende der CD wünschte, sie würde noch ein paar weitere Lieder enthalten - und das, obwohl sie mit fast 75 Minuten eine Rekordgesamtspielzeit aufweist.
Sehr praktisch finde ich die Einrichtung des Medienplayers (realisiert als Datentrack 14), der automatisch gestartet wird, wenn die CD in einem PC eingesetzt wird. So können auch die Menschen diese CD am PC anhören, die normalerweise Probleme damit haben ihren PC mit Realplayer, Winamp oder WinMediaplayer korrrekt einzurichten. Natürlich dient dies auch dem Kopierschutz...;-) Froh bin ich, daß diese CD auch im Auto-CD-Player anstandslos läuft...
migoe
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Liebe Grüße aus Rothenburg

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Mickey
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Ein paar Worte zu...der Fortsetzung von "Flaschenpost"...

#2

Beitrag von Mickey » Mi 5. Mai 2004, 21:42

Lieber migoe,
eine sehr schöne Rezension! Den Vergleich mit der von mir ebenfalls heissgeliebten "Flaschenpost" hatte ich anfangs auch drin, dann aber wieder rausgenommen: noch bin ich nicht sicher, wie sich die "Nanga Parbat" entwickelt. Eine Ähnlichkeit sehe ich im übrigen zweifellos darin, dass beide mitreissend "druckvoll" abgemischt sind. Bei der "Rüm Hart" zumindest habe ich das vermisst.
Mein Computer spielt die CD ebenfalls ohne Probleme ab.
Liebe Grüsse
von Reto
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