Wie Licht schmeckt

Ein Lied besteht nicht nur Melodie und Rhythmus, sondern auch aus einem Text, der im Idealfall auch noch eine Botschaft vermittelt, tröstet oder wachrüttelt, beruhigt oder aufwühlt. Viele Lieder sind gesungene Geschichten und Gedichte. Erzähl uns von dem interessanten Buch, das Du gerade liest oder dem Gedicht, das Dich schon lange beschäftigt. Lass uns teilhaben an den Gedanken, die dir beim Lesen/Hören gekommen sind. Suchst Du ein bestimmtes Buch/Gedicht/Lied? Hier kannst Du jemanden um Hilfe bitten.

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nils
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Wie Licht schmeckt

#1

Beitrag von nils » Mi 29. Aug 2007, 02:45

Lukas liest sehr gern Beckett. Vielleicht gefällt mir seine Geschichte deshalb so gut, weil darin so oft von Beckett gesprochen wird. Vielleicht aber auch, weil es so oft nach Beckett klingt. “Ich war nahe dran, ihr den Wunsch zu erfüllen, mir meinen Wunsch nicht zu erfüllen”, wer so spricht, muß ziemlich viel Beckett gelesen haben. Nur: welcher Junge liest heute eigentlich noch Beckett? Lesen ist doch eh ziemlich uncool. Aber vermutlich ist Beckett lesen so out, dass es schon wieder cool ist, ihn zu lesen.
Wenn der 14-jährige Lukas nicht Beckett liest, läuft er gern in München herum. Sehr zum Unmut seiner Eltern. “Das ist nicht gut”, sagt seine Mutter dann immer. “Ich pass schon auf.” Und sein Vater sagt, wenn er überhaupt etwas sagt: “Deine Mutter findet das nicht gut.” “Ich pass schon auf”, sagt Lukas dann noch einmal – und geht. Er will nur das Alleinsein genießen. Und die Freiheit, Rolltreppen einfach verkehrt herum herunterzulaufen. Dabei übersieht er ausgerechnet an seinem Geburtstag den Stock von Sonja und fällt darüber.
Sonja sieht viel mehr als Lukas. So viel mehr, dass sie beginnt, Lukas einiges zu zeigen. Als sie zusammen schwimmen gehen, rettet sie ihm sogar das Leben. Klingt ganz banal, ist es aber nicht, denn Sonja ist blind.
Das verwirrt Lukas völlig: Eine selbstbewußte junge Frau, die ihm die Sprache verschlägt, weil er ihr nicht gewachsen ist. Die trotz ihrer Blindheit ganz anders mit ihrer Mutter umgeht als Lukas mit seiner. Er flüchtet lieber, als bestimmte Dinge zu klären.
Autor Friedrich Ani ist selbst nach dem Abitur von zu Hause weggegangen. Mit viel Liebe beschreibt er den jugendlichen Ungestüm von Lukas, der erst durch Sonja seine innere Ruhe findet. Doch kaum haben die beiden zueinander gefunden, reißt Sonja das Band wieder auseinander. Denn die starke selbstbewußte Frau hat Angst, manchmal sogar panische Angst, vor dem nächsten Tag.
So muss Lukas wieder auf die Suche gehen. Als sie sich schließlich in Hongkong wiedertreffen und gemeinsam herausfinden, wie Licht schmeckt, ist Lukas endlich bei sich angekommen. Wie er Sonja wiederfinden kann, weiß er nun. Was gegen ihre Angst hilft, weiß er noch nicht. Noch nicht.
Friedrich Ani, Wie Licht schmeckt,
Carl Hanser Verlag, München 2002. 189 Seiten,
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