Warum reagiert denn keiner?

Ein Lied besteht nicht nur Melodie und Rhythmus, sondern auch aus einem Text, der im Idealfall auch noch eine Botschaft vermittelt, tröstet oder wachrüttelt, beruhigt oder aufwühlt. Viele Lieder sind gesungene Geschichten und Gedichte. Erzähl uns von dem interessanten Buch, das Du gerade liest oder dem Gedicht, das Dich schon lange beschäftigt. Lass uns teilhaben an den Gedanken, die dir beim Lesen/Hören gekommen sind. Suchst Du ein bestimmtes Buch/Gedicht/Lied? Hier kannst Du jemanden um Hilfe bitten.

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#1

Beitrag von Clemens » Mo 16. Aug 2010, 15:38

Seit langem beschäftigt mich die Frage
„Wie kann man optimal (oder wenigstens etwas besser) mit angeforderter Kritik umgehen?“

Immerwieder fragen Leute nach Reaktionen auf hier vorgestellte Lieder, Texte etc..
Was erwarten die Fragenden?
Manche einfach nur wahrgenommen zu werden.
Manche einfach nur Bestätigung.
Manche ein Echo persönlicher Empfindung beim Hören oder Lesen.
Manche eine Beurteilung aus „fachlich begründeter“ Erfahrung.
Manche kritische Hilfestellung.
Manche etwas, das wir nicht ahnen…

Warum wird oft gar nicht, oder nur in „einer Schiene“, geantwortet?
Darauf kann ich berufenen Mundes natürlich nur aus meiner Sicht antworten.
Ich schreibe, wenn ein Beitrag mich positiv oder auch negativ berührt, lieber eine Persönliche Nachricht oder eMail. Das tue ich, weil ich zu oft erlebt habe, dass unterschiedliche Empfindungen als Bewertungen ankommen, welche unter den Antwortenden vom „Gegenüber“ eine weitere Begründung des jeweils anderen Standpunktes herausfordern. Dann wird schnell ein Nebenschauplatz so aufgebauscht, dass das eigentliche Thema oder Anliegen verdrängt wird. Zudem kann ich bei einer Antwort auf die persönliche Ansprache sehen, ob der Fragende eben nur ein Echo oder vielleicht auch, soweit ich dazu in der Lage bin, Rat haben mag.
Ich bekenne auch, dass mich so manche Erwartungshaltung und Reaktion auf nicht sofort eintretende Erfüllung vorsichtig gemacht haben.
Dem könnte man leicht begegnen, in dem ein extra „Thread“ angelegt wird.
Mit folgendem Beispiel, habe ich das getan:
Das Schlaflied von Dirk hat, soweit ich die Beiträge gelesen habe, ein durchgängig positives Urteil gefunden.
Auch ich war von Stimme, Melodie und Text positiv berührt.
Allerdings fand ich es schade, dass sich bereits in der ersten Zeile des Kehrverses, auf Grund der Melodieführung, Betonungsverschiebungen ergeben, welche diese positive Berührung nachhaltig stören.
Wenn jemand der Meinung ist, es wäre eine Diskussion wert, wie wichtig man Fehlbetonungen nehmen sollte (Beispiel „alle“ wird der Melodie zuliebe auf der zweiten Silbe betont und somit ein wenig zur „Allee“), dann wäre hier oder sogar in einem ganz eigenen Thema Platz dafür.
Herzlich Clemens :-)
Dieser Beitrag enthält 341 Wörter


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#2

Beitrag von Rex2005 » Mo 16. Aug 2010, 19:26

Hallo Clemens
Das ist wirklich eine heikle Frage! :-)
Warum wird oft gar nicht, oder nur in „einer Schiene“, geantwortet?
Ich für meinen Teil denke mir, wer ein Lied schreibt, sollte zuerst einmal selbst damit zufrieden sein, dann bedarf es auch keiner Bewertung von anderen. Nur der Autor selbst weiß, was er an Inhalten und Stimmungen rüberbringen will. Für einen Nur-Hörer kann oder sollte ein Lied nur allgemein bewertet werden. Mit "gut" und "weniger gut" oder "gar nicht gefallen" kommt aber bestenfalls eine Art nicht aussagefähiger Umfragewert zustand, den der Autor weder in die eine noch in die andere Richtung überbewerten sollte.
Hat der Schreiber selbst noch "Bauchschmerzen" was Text oder Komposition betrifft, müsste er das genauer beschreiben, damit sich hier die Fachmänner an die Arbeit machen können.
Ich höre mir deshalb ehrlich gesagt, die wenigsten der hier vorgestellten Sachen an. Das was ich bisher so gehört habe, war zudem meistens so, dass ich trotz der "eine Schiene"-Kommentare nach den ersten Paar Takten bzw. Worten aus dem Hörsaal "geflohen" bin.
Ich schreibe, wenn ein Beitrag mich positiv oder auch negativ berührt, lieber eine Persönliche Nachricht oder eMail.
Das halte ich allerdings für falsch. Ein Forum lebt durch offene Beiträge. Auffällig ist eh in letzter Zeit, dass immer weniger Beiträge geschrieben werden, bzw in Threads diskutiert wird, was sicher auch mit parallelen Diskussionen in anderen Netzwerken einher geht.
LG
Rex2005
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#3

Beitrag von guri311 » Mo 16. Aug 2010, 21:12

Hallo, Clemens,

Mit folgendem Beispiel, habe ich das getan:
Das Schlaflied von Dirk hat, soweit ich die Beiträge gelesen habe, ein durchgängig positives Urteil gefunden.
Auch ich war von Stimme, Melodie und Text positiv berührt.
Allerdings fand ich es schade, dass sich bereits in der ersten Zeile des Kehrverses, auf Grund der Melodieführung, Betonungsverschiebungen ergeben, welche diese positive Berührung nachhaltig stören.

Seltsam... Ich habe diesen Umstand nicht mal bemerkt. Vielleicht, weil ich gerne Reinhard Mey höre (Maikäferzeit) ;-)
Ich selbst allerdings achte auch normalerweise darauf, die Melodiebetonungen mit den Textbetonungen zu harmonisieren. Mein Anspruch ist es, dass sich der Text möglichst normal anhört und die Reime eher so erscheinen, dass man den Eindruck bekommt, sie seien "zufällig".

Wenn jemand der Meinung ist, es wäre eine Diskussion wert, wie wichtig man Fehlbetonungen nehmen sollte (Beispiel „alle“ wird der Melodie zuliebe auf der zweiten Silbe betont und somit ein wenig zur „Allee“), dann wäre hier oder sogar in einem ganz eigenen Thema Platz dafür.

Ich finde das zwar auch besser, wenn das passt, aber solange ein Stück insgeamt wirkt, kann man m. E. Abweichungen von solchen Grundgedanken doch auch problemlos zulassen. Wo wäre Reinhard Mey ohne seine seltsamen Betonungen?
Allerdings wirkt sowas tatsächlich nicht mehr gut, wenn es einen ansonten harmonischen Inhalt zuwiderläuft. Das könnte man, auch wenn mir das nicht aufgefallen war, durchaus auch bei Dirks Lied als gegeben sehen.
Das ändert aber nichts daran, dass ich es schon mindestens viermal angehört habe. :-D
Vielleicht sind manche beleidigten Reaktionen auch einfach dem zuzuschreiben, dass der betroffene Liedermacher noch Probleme mit der Selbsteinschätzung hat und gleichzeitig die Kritiker das nötige Fingerspitzengefühl mangeln ließen. Man kann Kritikpunkte dem Anderen ja auch wie einen warmen Mantel umlegen, anstatt sie ihm wie ein nasses Handtuch um die Ohren zu schlagen. ;-)
Ich denke, an sowas können und sollten beide Seiten lernen.
Herzliche Grüße auch von mir,
Gunnar
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doch pass auf, auch Böse haben Lieder...

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#4

Beitrag von UweX » Di 17. Aug 2010, 00:07

Also dann reagiere ich auch mal.
Ich habe in unserem feinen Forum Erfahrungen von beiden Seiten sammeln dürfen, sowohl als jemand der Feedback auf Lieder wünscht, als auch als jemand der solches gab.
An dem Ansatz, jeder Musiker muss ja selber wissen ob er es mag, ist schon was dran - aber nicht so eindeutig.
Als ich vor 2 1/2 Jahren begann mich neu und intensiv der Liedermacherei zu widmen, habe ich hier ein paar Erstlingswerke eingestellt und sowohl Ermutigungen, als auch hilfreiche Tips bekommen und habe daraufhin manches umgeschrieben. Hab ich denn nicht vorher selbst gewusst ob ich es gut so finde, oder nicht? Naja - ist halt nicht so schwarz/weiss. Oftmals stört mich was an einer Stelle meines Liedes, bin mir aber unsicher obs nicht doch ok so ist. Dann gibts eine Abstimmung in meinem inneren Parlament und es wird mit 65% Mehrheit beschlossen das es gut so ist und so bleibt. In dem Moment wo dann andere das Gleiche ausdrücken wie meine 35 inneren Abgeordneten kippt das Mehrheitsverhältnis zur anderen Seite und ich überarbeite die Stelle. Wo ich selbst nie Zweifel hatte, änder ich höchst selten etwas.
Dazu hat mir das Forum in meiner Anfangszeit, in der es natürlich noch mehr Unsicherheiten gab, ganz toll geholfen. Z.B wäre mein Lied "Lass den lieben Gott in Ruhe", ohne Clemens an einer Stelle eine echte Buckelpiste geworden :-)
Ich möchte nochmal deutlich sagen, dass der Umgang mit mir und meiner Bitte um Beurteilung in diesem Forum immer sehr wohltuend konstruktiv und fair war. Aber nicht alle Reaktionen auf Feedbacanfragen von anderen habe ich so erlebt. Manche Kommentare (vor allem von aktiven Liedermachern) fand ich auch gehässig und z.T. vernichtend. Ist schon schön wenn Kritik konstruktiv ist...
Zum anderen habe ich aber auch Liederschöpfer erlebt, die hier Werke eingestellt haben weil sie in uns ein dankbares Publikum wähnten, was sie vielleicht sonst nicht haben und sich eigentlich nach Applaus sehnten. Manchmal haben solche dann auch auf sehr wohlmeinende Kritik ziemlich mimosenhaft reagiert. Ich geb zu, ich hab mich immer nur zu Wort gemeldet wenn es was zu loben gab - das ist auch zu billig - ich "GE"lobe Besserung. :-)
Noch was zum Versmaß: Ich finde es ist immer auch ein Kompromiss. Wenn ich mir z.B. die Wortgewalt eines R.Meys anschaue, fände ich es gradezu übernatürlich wenn er nicht bei gewissen Betonugen "schummeln" würde. Es ist bei jeder Zeile eine Frage des höheren Wertes und oft ein Kompromiss.
Stoppok hingegen scheint jegliches Versmass am verlängerten Rückgrat vorbei zu gehen und doch wirkt es selten holprig und selbst dann wirkt es gekonnt und beabsichtigt. Er hat Texte wo sich die Zeilen fast affig reimen und dann plötzlich mittendrin eine die sich sowas von nicht reimt...... und auf mich wirkt es genial.
Das bleibt wahrscheinlich auch viel Geschmackssache.......wobei es natürlich auch Texte gibt die einfach nur schauderhaft schlecht sind.
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#5

Beitrag von Clemens » Mi 18. Aug 2010, 00:00

Au fein, da hab ich aber was angestoßen.
Bevor es zuviel wird ein paar kurze Erwiderungen:
@ Rex2005
Ein Forum lebt durch offene Beiträge.

Korrekt, aber unser kleines nettes Forum verdankt seine Qualität auch so manchem nicht geschriebenen Kommentar.
Übrigens hat es sich sogar schon mehr als einmal ergeben, dass ein als Zwiesprache begonnener Disput zu einem offiziellen Thema führte.
@ Gunnar
Seltsam... Ich habe diesen Umstand nicht mal bemerkt. Vielleicht, weil ich gerne Reinhard Mey höre (Maikäferzeit)
Hier widerspreche ich mit großer Entschiedenheit. Zum einen höre ich (zumindest nach Aussagen meiner Frau) viel zuviel Lieder und besonders die eines Herrn Mey. Zum anderen wird Reinhard Mey dieser Vorwurf zu oft von Leuten gemacht, die nur wenige seine Lieder wirklich kennen. Es gibt sehr viele Lieder, die keinerlei solche "Schönheitsfehler" aufweisen, einige in denen die Absicht nicht zu leugnen ist und viele, in denen der Text eben genau so sein musste.
Egal was der Grund ist - Gedankenlosigkeit kann ich mir jedenfalls nicht vorstellen.
Ich glaube, dass sich zu wenig Liedermacher mit soviel Ehrgeiz und Akribie ihrem Handwerk widmen, und dass Reinhard Mey darum dort steht, wo man ihm das Wortspiel vom Meyster gönnt. Das soll jetzt keine Lobpreisung werden, denn ich kenne auch einige seiner Lieder, denen ich absolut nix abgewinnen kann. Und ich bin sicher ihn nicht zu beleidigen, wenn ich sage, dass für mich Christof Stählin ihm noch einen großen Krug Wasser reichen kann. Auch wenn Jener in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird. Übrigens beweisen dessen Schüler - bestes Beispiel Bodo Wartke - das ein diammanten geschliffener Sprachumgang geradezu herausfordert Sprachfehlerspiele zu betreiben...
"Weil -
ich hab 'n Beil!" ... grässlich, aber genial.
Wo wäre Reinhard Mey ohne seine seltsamen Betonungen?
Ist mir egal, ich liebe seine Musik, wie er sie macht. Aber ich bin mir sicher, er wäre auch ohne diese "Masche" an seinem Platz.

herzlich Clemens :-)
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#6

Beitrag von Clemens » Mi 18. Aug 2010, 00:04

Au fein, da hab ich aber was angestoßen.
Bevor es zuviel wird ein paar kurze Erwiderungen:
@ Rex2005
Ein Forum lebt durch offene Beiträge.

Korrekt, aber unser kleines nettes Forum verdankt seine Qualität auch so manchem nicht geschriebenen Kommentar.
Übrigens hat es sich sogar schon mehr als einmal ergeben, dass ein als Zwiesprache begonnener Disput zu einem offiziellen Thema führte.
@ Gunnar
Seltsam... Ich habe diesen Umstand nicht mal bemerkt. Vielleicht, weil ich gerne Reinhard Mey höre (Maikäferzeit)
Hier widerspreche ich mit großer Entschiedenheit. Zum einen höre ich (zumindest nach Aussagen meiner Frau) viel zuviel Lieder und besonders die eines Herrn Mey. Zum anderen wird Reinhard Mey dieser Vorwurf zu oft von Leuten gemacht, die nur wenige seine Lieder wirklich kennen. Es gibt sehr viele Lieder, die keinerlei solche "Schönheitsfehler" aufweisen, einige in denen die Absicht nicht zu leugnen ist und viele, in denen der Text eben genau so sein musste.
Egal was der Grund ist - Gedankenlosigkeit kann ich mir jedenfalls nicht vorstellen.
Ich glaube, dass sich zu wenig Liedermacher mit soviel Ehrgeiz und Akribie ihrem Handwerk widmen, und dass Reinhard Mey darum dort steht, wo man ihm das Wortspiel vom Meyster gönnt. Das soll jetzt keine Lobpreisung werden, denn ich kenne auch einige seiner Lieder, denen ich absolut nix abgewinnen kann. Und ich bin sicher ihn nicht zu beleidigen, wenn ich sage, dass für mich Christof Stählin ihm noch einen großen Krug Wasser reichen kann. Auch wenn Jener in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird. Übrigens beweisen dessen Schüler - bestes Beispiel Bodo Wartke - das ein diamanten geschliffener Sprachumgang geradezu herausfordert Sprachfehlerspiele zu betreiben...
"Weil -
ich hab 'n Beil!" ... grässlich, aber genial.
Wo wäre Reinhard Mey ohne seine seltsamen Betonungen?
Ist mir egal, ich liebe seine Musik, wie er sie macht. Aber ich bin mir sicher, er wäre auch ohne diese "Masche" an seinem Platz.

herzlich Clemens :-)
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#7

Beitrag von Bastian » Mi 18. Aug 2010, 14:34


Einem treffenden Wort, einer sinnhaften Formulierung, feinem Sprachwitz muss es, finde ich, erlaubt sein, sich im Zweifelsfalle von der überlieferten Betonung zu entfernen und sich über die oftmals einengenden Zwänge der Verslehre zu erheben. Originalität hat Vorrang vor Konvention. Ein Genieblitz ;-) ist wichtiger als alles Erbsenzählen.
Gruß
Bastian
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#8

Beitrag von Rex2005 » Mi 18. Aug 2010, 14:44


Clemens schrieb:
Korrekt, aber unser kleines nettes Forum verdankt seine Qualität auch so manchem nicht geschriebenen Kommentar.

na, da hast du doch die Antwort auf deine Frage! :-D
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#9

Beitrag von Clemens » Mi 18. Aug 2010, 15:10

@ Bastian
Einem treffenden Wort, einer sinnhaften Formulierung, feinem Sprachwitz muss es, finde ich, erlaubt sein, sich im Zweifelsfalle von der überlieferten Betonung zu entfernen und sich über die oftmals einengenden Zwänge der Verslehre zu erheben. Originalität hat Vorrang vor Konvention. Ein Genieblitz ist wichtiger als alles Erbsenzählen.

Völlig in Ordnung. Aber auch einb Genieblitz rettet nicht, was Gedankenlosigkeit oder Faulheit berbrochen haben. Die Genieblitze sind denn ja auch meist bei fleißigen Denkern zu finden. ;-)

@ Rex
na, da hast du doch die Antwort auf deine Frage!
Eine bestimmt, nur die kannte ich ja. :-)
Clemens
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#10

Beitrag von Clemens » Mi 18. Aug 2010, 15:12

@ Bastian
Einem treffenden Wort, einer sinnhaften Formulierung, feinem Sprachwitz muss es, finde ich, erlaubt sein, sich im Zweifelsfalle von der überlieferten Betonung zu entfernen und sich über die oftmals einengenden Zwänge der Verslehre zu erheben. Originalität hat Vorrang vor Konvention. Ein Genieblitz ist wichtiger als alles Erbsenzählen.

Völlig in Ordnung. Aber auch ein Genieblitz rettet nicht, was Gedankenlosigkeit oder Faulheit verbrochen haben. Die Genieblitze sind denn ja auch meist bei fleißigen Denkern zu finden. ;-)

@ Rex
na, da hast du doch die Antwort auf deine Frage!
Eine bestimmt, nur die kannte ich ja. :-)
Clemens
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#11

Beitrag von JuergenF » Mi 18. Aug 2010, 17:21

Ich hör mir´s eigentlich immer an. Ich finde auch, so ein Forum sollte (u.a.) dafür gut sein, daß man sich unvoreingenommen mit Neuem beschäftigt. Leider kann ich in den meisten Fällen doch recht wenig mit den Werken anfangen. Dann überlasse ich zugegebenermaßen gern anderen das Aussprechen der Kritik (manchmal gibt´s auch Lob, das mich überrascht). Aber wenn positive Aspekte zu finden sind, ist es für mich leichter, auch die negativen anzusprechen.
Generell fällt es wohl vielen Künstlern sehr schwer, sich selbst realistisch einzuschätzen. Das würde mir genauso gehen, stelle ich mir vor. Es fehlt einfach der Abstand. Man kann als Künstler schwer erkennen, welche der guten Absichten (richtig) "rüberkommen" und welche nicht. Das ist meine Ansicht auch deshalb, weil selbst Künstler, die ich sehr schätze, meistens deutliche Ausreißer nach unten dabei haben, die sie offenbar nicht als solche erkennen. Natürlich ist das alles hochsubjektiv, ich habe ja auch keine unangreifbaren Maßstäbe, wollte trotzdem mal kundtun, wie ich es empfinde...
Jürgen
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Wo ich hin will :-)
14.11.12 Hannes Wader in Kirchheim/Teck, Stadthalle
21.2.13 Uta Köbernick in Bietigheim Bissingen, Rommelsmühle
15.3.13
Annett Kuhr in Landau, Kreuz und Quer
3.5.13 Holger Saarmann, Tübingen

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#12

Beitrag von UweX » Mi 18. Aug 2010, 23:24

Noch ein Gedanke. Kritik ist kostenlose Beratung. D.h. wenn wir hier Lieder einstellen und andere machen sich die Mühe es anzuhören und eine Rückmeldung zu geben, ist das schon ne tolle Sache.
Es gibt aber auch eine wichtige Feedbackregel, auf die wir uns einigen könnten, die verhindert dass die Kritiker vergraul werden:
KEINE KRITIK AN DER KRITIK -
KEINE RÜCKMELDUNG ZUR RÜCKMELDUNG
Liedermacher A stellt ein Lied ein / Kritiker B sagt seine Meinung dazu / Liedermacher A sagt brav "danke" und entscheidet selbst ob er den Rat annimmt oder in den Wind schlägt.
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#13

Beitrag von Gesch » Do 19. Aug 2010, 12:17

Hallo zusammen,
ich will mal eine ganz andere Überlegung in dieser Diskussion beisteuern, die mir immer wieder in den Kopf kam, wenn ich in diesen Threat gekommen bin…
Sie hat mit der Frage zu tun,
für wen man eigentlich Lieder schreibt,
woran man denkt, wenn man schreibt,
was man selbst von den Liedern hält, wenn man sie geschrieben hat,
wie relevant das ist, was andere von den Liedern halten, warum es relevant sein könnte, was andere darüber denken,
und wie wichtig man feedback nehmen sollte.
Ich kann sagen, wie es mir damit geht:
Wenn ich eine Idee für ein Lied habe, versuche ich sie umzusetzen, damit sie nicht verloren geht. Je begeisterter ich von dem Einfall bin, umso mehr „brenne“ ich darauf, sie umzusetzen – manchmal lasse ich dafür alles stehen und liegen. Weshalb? Weil ich mir die Chance, ein gutes Lied zu schreiben, nicht entgehen lassen will – vorrangig für mich selbst. In dieser Bemühung kommt kein Publikum, kommt kein Kritiker vor.
Die einzige Richtschnur dafür, ob eine bestimmte Formulierung im Schreibprozess an ihrer Stelle im Lied stehen bleibt, ist die, ob mir gefällt, was da steht, oder ob es nach meiner Ansicht anders besser sein könnte. Hierhin gehört dann auch die Frage, ob mir die Beseitigung z. B. eines unreinen Reims, einer falschen Wortbetonung, eines schiefen Bildes (wenn ich dies überhaupt bemerke), einer zu dichten Silbefülle, eines zu komplizierten Satzbaus, eines überfrachteten Inhalts, einer Überlänge wichtig ist oder nicht.
Wenn es mir nicht wichtig ist, können Kritiker dies bemängeln soviel sie wollen, ohne dass es mich juckt. Hier erweisen sich die Beherrschung des Handwerks und künstlerisches Talent, die Ausstattung mit Selbstbewusstsein oder Unsicherheit. Wenn es mir aber wichtig ist, kann ich diese „Schwachstellen“ frühzeitig beseitigen, noch bevor ich das Lied meiner Sammlung beifüge. Für mich sind Lieder übrigens nie „fertig“, auch nicht , wenn ich sie schon aufgenommen habe. Einfälle zur Verbesserung werden nicht mutwillig unterdrückt.
Was ich von einem neuen Lied halte – unabhängig von jeder Begeisterung, die mich im Schreibprozess vorangetrieben hat - , erweist sich spätestens vor dem nächsten Konzert. Wenn es sich bei der Überlegung, welche Lieder ich dann singen will, nach vorne drängt, ein anderes aus dem Programm schubst, ist der erste Qualitätstest vor mir selber gelungen. Falls nicht, gelang mir bestenfalls ein neues Lied für mein Archiv, bei dem nicht auszuschließen ist, dass es nie live zur Aufführung gelangt.
Wenn ich es dann geschrieben und einem Publikum vorgesungen habe, sind Selbstsicherheit und die Fähigkeit gefragt, künstlerische Maßstäbe als Qualitätskriterien gelten zu lassen. Wer die Messlatte selbst nicht anlegen mag, kann dies anderen überlassen, sollte sich dann aber darüber klar sein, dass die eigenen Qualitätsmaßstäbe nicht allgemeingültig sind. Manche haben andere als man selbst, sind strenger oder nachsichtiger, belastbarer oder nicht.
Wer nun Kritik einfordert ohne Selbstbewusstsein, darf sich nicht wundern, wenn sie ihn erschüttert. Das gilt schon für eine private Premiere eines Liedes vor nur einer vertrauten Person. Wer weiß, dass jemand mit einer bestimmten Sorte von Liedern nichts anzufangen weiß, sollte zu einem solchen Lied auch bei dieser Person keine Bewertung erbitten.
Wer seine Schwachstellen im Lied selber kennt und sie nicht selbst allein beseitigen konnte, kann gezielt um Rat fragen. Wer generell unsicher ist, was die Qualität seines neuen Liedes angeht, kommt nicht daran vorbei den Mut aufzubringen, sein Lied irgendwo vorzustellen und sich die Reaktionen anzuhören, auch wenn es wehtun könnte. Aber das ist ja nicht immer der Fall.
Fazit: Lieder schreibe ich jedenfalls zunächst immer für mich selbst – und für diejenigen, die sie so mögen, wie ich sie geschrieben habe. Wer bei mir Lieder sucht, die melodischer sind oder Inhalte anders transportieren, als es gerade in einem bestimmt Lied der Fall ist – vielleicht sogar ganz andere Inhalte sucht - , kann gerne in meinem Repertoire suchen, ob er fündig wird. Falls nicht, gibt es so viele andere Liedermacher, bei denen man sich doch bedienen könnte…
herzlich
Gerd
Dieser Beitrag enthält 692 Wörter


Damit was geschieht, muss zunächst was passiern.
Muss man, eh sich was ändert, denn erst was verliern?
Eh man sich erholt, bleibt keine Zeit auszuruhn,
denn eh sich was tut, muss man selber was tun.


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#14

Beitrag von Petra » Do 19. Aug 2010, 14:27

Hallo Gerd,
guter Beitrag, gefällt mir!! :daumen: Aber für einen Liedermacher-Anfänger ist es halt schon schwer, selbst herauszufinden, wo er steht, und handwerkliche Tipps können sicherlich hilfreich sein. An anderer Stelle ist allerdings das Selbstbewusstsein gefragt. Wenn widersprüchliche Meinungen kommen, muss man halt wissen, worauf es einem selbst ankommt.
Allerdings stehe ich persönlich ja auf der anderen Seite, auf der Seite derer, von denen eine Reaktion erwartet wird. Natürlich ist dieses Forum durchaus dazu geeignet, dass Liedermacher ihre Werke vorstellen. Aber bei allem Verständnis dafür, dass sie sehnsüchtig auf eine Reaktion warten, bitte ich um Verständnis dafür, dass ich oft einfach keine Lust habe, mich mit einem neuen Lied zu befassen. Ich gehe ins Forum, um darin als Webmaster zu arbeiten oder eine Diskussion zu verfolgen. Wenn da jemand ein Lied vorgestellt hat, ist das ja okay, aber ich fühle mich nicht verpflichtet, mir das anzuhören, man kann das nicht von mir verlangen.
Wie oft wurde in diesem Forum der Name Gerhard Gundermann erwähnt, aber mir war einfach nicht danach, mich mit ihm zu befassen. Bis er, bzw. eines seiner Lieder mir völlig unerwartet irgendwo privat begegnet ist. Und da war der richtige Moment gekommen: Ich war bereit mich auf ihn einzulassen. Ich fand seine Stimme nicht überwältigend, aber ich hörte mir stundenlang alle seine Lieder an, die ich finden konnte. - Was ich damit sagen wollte: Man kann das nicht erzwingen. Es ist wie immer im Leben: die Stimmung und die Umstände müssen stimmen, dann kann es eine große Liebe werden. (Ui, das sind aber große Worte. *g*)
Viele Grüße von Petra
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Man würde nie mehr Waffen schärfen,
wenn man folgendes bedenkt:
Es braucht die Flinte nicht ins Korn zu werfen,
wer sie beizeiten an den Nagel hängt!
(Christian Grote - Chrizz)

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