Linke Liedermacher

Ein Lied besteht nicht nur Melodie und Rhythmus, sondern auch aus einem Text, der im Idealfall auch noch eine Botschaft vermittelt, tröstet oder wachrüttelt, beruhigt oder aufwühlt. Viele Lieder sind gesungene Geschichten und Gedichte. Erzähl uns von dem interessanten Buch, das Du gerade liest oder dem Gedicht, das Dich schon lange beschäftigt. Lass uns teilhaben an den Gedanken, die dir beim Lesen/Hören gekommen sind. Suchst Du ein bestimmtes Buch/Gedicht/Lied? Hier kannst Du jemanden um Hilfe bitten.

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Reino
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#21

Beitrag von Reino » Fr 26. Jun 2009, 04:12


Marc schrieb:
Lieber Reino,
wie, wann und wo hat Wolf Biermann denn dem Begriff "Liedermacher" seinen aktuellen Gebrauch zugeschrieben? Dass er ein Pendant zum "Stückeschreiber" gesucht habe, erzählt er ja immer wieder in Interviews, aber mir ist nicht klar, wie (wann, und wo...) er diesen Begriff tatsächlich "durchgesetzt" haben will. Gibt es irgendwelche Belege oder Texte von Biermann aus der Zeit? Oder Zeitungsberichte, die sich auf Biermann berufen, wenn sie von "Liedermachern" sprechen?
Liebe Grüße,
Marc
Ich renn doch jetzt nicht in die Bibliotheken und suche Zeitungsartikel von 1961 raus.
Aber was ist wohl nach unserer Erfahrung mit den Medien die wahrscheinlichere Version:
A) Da taucht ein Sänger mit Gitarre auf, nennt sich Liedermacher, mehrere Zeitungen drucken das, andere schreiben das ab, wieder andere verwenden den Begriff auch für andere bärtige Sänger mit Gitarre.
B) Da taucht ein Sänger mit Gitarre auf, nennt sich Liedermacher, das wird aber ignoriert, obwohl er der erste und bekannteste seiner Zunft ist. Dann tauchen andere Sänger mit Gitarren auf, es entsteht eine wahre Sänger-Plage. Schließlich gräbt ein Journalist das Grimm'sche Wörterbuch aus, findet den Begriff "Liedermacher" und, Heureka!, die anderen Journalisten schreiben alle von ihm ab.
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Piet
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#22

Beitrag von Piet » Sa 27. Jun 2009, 11:41

Was hast du für anderslautende Informationen (und bitte mit Quellennachweis)?

und
Ich renn doch jetzt nicht in die Bibliotheken und suche Zeitungsartikel von 1961 raus.

Bibliotheken können da mit Sicherheit nicht weiter helfen :wink2:
Piet
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Reino
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#23

Beitrag von Reino » Sa 27. Jun 2009, 22:26

Wie kommst du darauf? Noch nie was von den Zeitungsarchiven in Bibliotheken gehört?
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Clemens
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#24

Beitrag von Clemens » So 28. Jun 2009, 19:16

Hier schweigt des Sängers Höflichkeit.
(Ganz gleich wie er sich bezeichnen mag!)

und noch ein kleines Denk-mal für Reino
Piet arbeitet, nicht erst seit gestern, in einer der größten Bibliotheken unseres Landes und dies in einer Etage, in welcher man ein gerüttet Maß an Persönlichkeit erwarten darf.
herzlich Clemens
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Reino
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#25

Beitrag von Reino » Mo 29. Jun 2009, 04:49

Man kann's ja im Online-Archiv des SPIEGEL versuchen. Dort taucht der Begriff "Liedermacher" erstmal 1965 in einer Rezension der LP "Wolf Biermann (Ost) bei Wolfgang Neuss (West)" auf.
Ansonsten: In den alten Zeitungen findet man sicher schwer was, die dicken Zeitungsbände und Mikrofilme sollte es aber doch noch geben.
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Reino
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#26

Beitrag von Reino » So 19. Jul 2009, 19:04

Ich hab jetzt mal im Online-Archiv der ZEIT nachgeschaut.
Der Begriff "Liedermacher" taucht in den Jahren 1946–1965 nur in drei Artikeln von Kai Herrmann auf und bezieht sich immer auf Wolf Biermann.
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zodiak
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#27

Beitrag von zodiak » Mo 20. Jul 2009, 04:50

Und wenn du für den selben Zeitraum "Biermann" eingibst, bekommst du zahlreiche Artikel, in denen Biermann "Singender Dichter", "Bänkelsänger", "Dichter und Sänger" oder "Balladensänger" genannt wird. Selbst Kai Hermann nennt ihn in einem Artikel vom 19.11.1965 "Bänkelsänger".
Wenn Biermann also tatsächlich den Liedermacherbegriff kolportiert hat, dann hat das zumindest bei der "Zeit" bis 1965 außer Kai Hermann niemand mitbekommen.
Habe auch mal in meinem Bücherregal gestöbert: Thomas Rothschild, der ja viel über Biermann und andere Liedermacher geschrieben hat, schreibt in seinem 1980 erschienenen Fischer Taschenbuch "Liedermacher - 23 Portraits" über Biermann: >>Der Begriff "Liedermacher" wurde einst von Wolf Biermann in Anlehnung an Bertolt Brechts Wort "Stückeschreiber" geprägt<< Mit einer Quelle kann Rothschild allerdings nicht aufwarten.
In dem ebenfalls von Rothschild 1976 herausgegebenen rororo-Band mit Essays zu Biermann: "Wolf Biermann - Liedermacher und Sozialist" findet sich auf 250 Seiten kein Wort zu dem besagten Sachverhalt. Im Anhang dieses Buches findet sich eine minutiöse Übersicht über alle bis dato in Ost und West erschienenen Artikel über Wolf Biermann. Dort ist neben den schon erwähnten Hermann-Artikeln als frühester ein Artikel von Christoph Koch "Der Liedermacher Wolf Biermann" aus "Europäische Begegnung" Nr. 6/1966 verzeichnet. Der "Stern" nennt Biermann demnach ab 1967 einen Liedermacher.
Man müsste nun mal recherchieren, ab wann die Waldecker in der Presse "Liedermacher" genannt wurden.
Gruß
*zodiak*
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Klajokas
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#28

Beitrag von Klajokas » Mo 20. Jul 2009, 15:04

Ich finde die ganze Diskussion zum schmunzeln.
Es erinnert mich irgendwie an die Henne und dem Ei.
Da kann Mann/Frau sicher doch ein Lied machen :-).
Ach ja, wie war noch mal das Ursprungsthema ? ....Mal eben ein paar Minuten zurückscrollen.....
Klaus
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Unbequem zu sein bedeutet oftmals, sich Hindernisse aufzubauen, die man dann selber aus dem Weg räumen muss, ohne bequem zu werden.

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Guest
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#29

Beitrag von Guest » Sa 12. Mär 2011, 08:49

Hallo allerseits!
Ich möchte auch etwas zum Buch sagen. Das habe ich in diesem Sommer gekauft, als ich in Deutschland war. Das Buch ist gut für Einsteiger in das Thema der deutschen Liedermacher und der deutschen Liedermacherei. Vor allem dadurch, dass es erreichbar ist: Als ich im Buchhandel ein Buch angefragt habe, das sich mit dem Thema beschäftigt, hat man mir nur das Buch angeboten. Ansonsten nichts. Jetzt dank der Autorin kenne ich mich bisschen besser im Thema aus.
Was den Begriff Liedermacher angeht, da war ich sehr überrascht, als ich dieses Thema gelesen habe, denn vorher habe ich nur zwei Bücher über die Liedermacher gelesen (das eine ist oben besagt und das andere war von Lutz Kirchenwitz) und beide haben darauf gewiesen, dass der Bergriff von Wolf Biermann stammt.
Ich möchte "vielen Dank" allen sagen, die hier Beiträge geschrieben haben.
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Richard56
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#30

Beitrag von Richard56 » Fr 22. Nov 2013, 16:42

Dann gab es früher noch die Bänkelsänger: "Bänkellieder (auch Bänkelsang oder Bänkelgesang) waren erzählende Lieder mit häufig dramatischen Inhalten. Der Bänkelgesang war vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert eine gesamteuropäische Erscheinung. Bänkelsänger waren damals wichtige Nachrichtenkolporteure, in Italien wurden sie cantastorie genannt. Um vom Publikum, z.B. auf dem Marktplatz, besser gesehen zu werden, stellten sie sich auf eine Holzbank, wenn sie Moritaten, Balladen und Lieder vortrugen. Zur Illustration des Geschehens dienten Tafeln, auf denen die geschilderten Szenen aufgemalt waren. Um die Spannung zu erhöhen, waren diese Bilder aber nicht chronologisch gereiht, sondern der Sänger wies mit einem Stock auf das Zutreffende." (Quelle: Wikipedia - Bänkelsang.
Diese Bänkelsänger wurden u.a. von der "Augsburger Puppenkiste" bei "Kater Mikesch" verwendet.
Wie würde man den Schweizer Franz Hohler einordnen: Liedermacher, Deutsch-Rapper, ... z.B. sein Stück Der Weltuntergang von 1973 - eines der ersten Deutsch-Raps? Minimal-Musik (eher Sprechgesang/Gedicht)?
Richard
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Helmut
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#31

Beitrag von Helmut » Fr 22. Nov 2013, 19:39

Hallo Richard
Da hat Franz Hohler mit einem Lied Ökologie erklärt, als noch kaum einer den Begriff "Ökologie" kannte.
Ich kenne zwar von Franz Hohler nur ein paar Lieder und ein Buch, würde ihn aber als Multitalent bezeichnen. Musikkabarettist, Autor, und weil er auch eigne Lieder sang, Liedermacher.
Danke für den Link auf das geniale "Lied"
Helmut

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Nicht vergessen: Das Liedertreffen hängt am Liedermacher-Forum.

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Petra
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#32

Beitrag von Petra » Fr 22. Nov 2013, 20:11

Hallo Richard,

Helmut schrieb:
Ich kenne zwar von Franz Hohler nur ein paar Lieder und ein Buch, würde ihn aber als Multitalent bezeichnen. Musikkabarettist, Autor, und weil er auch eigne Lieder sang, Liedermacher.

Franz Hohler habe ich in einer Fernsehdokumentation über die Wiege der Liedermacherei in Deutschland kennengelernt, die Burg-Waldeck-Festivals. Das war zwar damals eine wilde Mischung, was da alles gesungen wurde, aber Franz Hohler sang zum Cello sein Lied Christkind Nr. 69, das ihn eindeutig als Liedermacher auswies.
Auf seiner Homepage wird er heute als Kabarettist und Schriftsteller bezeichnet, nicht als Liedermacher. Allerdings wurde er bei seinem runden Geburtstag im Frühjahr von Liedermachern seines Heimatlandes mit einem besonderen Liederabend geehrt.
Viele Grüße von Petra
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wenn man folgendes bedenkt:
Es braucht die Flinte nicht ins Korn zu werfen,
wer sie beizeiten an den Nagel hängt!
(Christian Grote - Chrizz)

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Carsten K
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#33

Beitrag von Carsten K » Fr 22. Nov 2013, 23:56

Hier noch ein Tipp:

Hanns-Dieter Hüsch und Franz Hohler... Hanns-Dieter Hüsch war übrigens auch nicht nur ein begnadeter Kaberettist sondern auch Liedermacher.
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"Wenn man als junger Mensch aussah wie ein Hippie und sich einigermaßen treu geblieben ist, sieht man als alter Sack halt aus wie ein Penner und nicht wie Joschka Fischer."
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