Heinz Erhardt und der Wintereinbruch

Ein Lied besteht nicht nur Melodie und Rhythmus, sondern auch aus einem Text, der im Idealfall auch noch eine Botschaft vermittelt, tröstet oder wachrüttelt, beruhigt oder aufwühlt. Viele Lieder sind gesungene Geschichten und Gedichte. Erzähl uns von dem interessanten Buch, das Du gerade liest oder dem Gedicht, das Dich schon lange beschäftigt. Lass uns teilhaben an den Gedanken, die dir beim Lesen/Hören gekommen sind. Suchst Du ein bestimmtes Buch/Gedicht/Lied? Hier kannst Du jemanden um Hilfe bitten.

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Heinz Erhardt und der Wintereinbruch

#1

Beitrag von fille » Fr 21. Nov 2008, 11:51

Liebe Liederfreunde,
ich weiß, dass einige von euch den unvergessenen Heinz Erhardt lieben.
Hier zum Thema "der Winter kommt"

Überlistet
Wenn Blätter von den Bäumen stürzen,
die Tage täglich sich verkürzen,
wenn Amsel, Drossel, Fink und Meisen
die Koffer packen und verreisen,
wenn all die Maden, Motten, Mücken,
die wir versäumten zu zerdrücken,
von selber sterben – so glaubt mir:
es steht der Winter vor der Tür!
Ich laß ihn stehn!
Ich spiel ihm einen Possen!
Ich hab die Tür verriegelt
und gut abgeschlossen!
Er kann nicht rein!
Ich hab ihn angeschmiert!
Nun steht der Winter vor der Tür –
und friert!

Quelle


In diesem Sinne :-)
liebe Grüße von Marianne
Dieser Beitrag enthält 120 Wörter


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Angela
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Heinz Erhardt und der Wintereinbruch

#2

Beitrag von Angela » Di 25. Nov 2008, 21:47

Hallo Marianne,
auch ich mag Heinz Erhardt. Sehr schön und gerade passend, dieses Gedicht. Danke
Angela
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Heinz Erhardt und der Wintereinbruch

#3

Beitrag von amori » Di 25. Nov 2008, 23:17

Schön, Marianne!
Und weil wir jetzt so richtig in Stimmung kommen....
wie wäre es mit

Theodor Storm
Schon ins Land der Pyramiden
Flohn die Störche übers Meer;
Schwalbenflug ist längst geschieden,
Und die Sonne scheint nicht mehr.
Seufzend in geheimer Klage
Streift der Wind das letzte Grün;
Und die süßen Sommertage,
Ach, sie sind dahin, dahin!
Nebel hat den Wald verschlungen,
der dein stilles Glück gesehn;
ganz in Duft und Dämmerungen
will die schöne Welt vergehn.
Nur noch einmal bricht die Sonne
unaufhaltsam durch den Duft,
und ein Strahl der alten Wonne
rieselt über Tal und Kluft.
Und es leuchten Wald und Heide,
dass man sicher glauben mag:
hinter allem Winterleide
liegt ein ferner Frühlingstag.

Liebe Grüße
Annette :krank:
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Heinz Erhardt und der Wintereinbruch

#4

Beitrag von Petra » Mi 26. Nov 2008, 12:14

Hallo Annette,
dieses Gedicht liebe ich seit meiner Schulzeit, das Ende ist so übermächtig hoffnungsfroh, das hat mir schon immer gefallen.
Du schreibst in der ersten Strophe
Und die Sonne scheint nicht mehr. :gruebel:
Das fühlt sich total falsch an - und ist doch auch gar nicht wahr! Die Sonne kann auch im Winter wunderschön scheinen. Zugegebenermaßen habe ich diese Version im Internet gefunden, aber nicht alles, was im Internet steht, ist automatisch richtig. :ablehn:
So wie ich die Strophe kenne, ist sie viel sinnvoller, die vierte Zeile bezieht sich auf die zweite und die dritte:

Schon ins Land der Pyramiden
Flohn die Störche übers Meer;
Schwalbenflug ist längst geschieden,
Auch die Lerche singt nicht mehr.

So viel ich weiß, heißt das Gedicht übrigens Herbst.
Liebe Grüße von Petra :petra:
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wenn man folgendes bedenkt:
Es braucht die Flinte nicht ins Korn zu werfen,
wer sie beizeiten an den Nagel hängt!
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Heinz Erhardt und der Wintereinbruch

#5

Beitrag von amori » Mi 26. Nov 2008, 12:47

Ups! Hallo Petra-
Auf nix kann man sich verlassen und verbreitet nur Unsinn!
Ich habe gerade nochmal das Projekt Gutenberg hinzugezogen( hätte ich gleich tun sollen). Du hast Recht- die Lerche ist's!
Storm hat sogar noch zwei Strophen hinzugefügt, die ich auch bisher nicht kannte. Und ja- es ist ein Herbstgedicht. Meteorologisch und kalendarisch stecken wir ja auch noch drin- gefühlsmäßig ist bei mir allerdings schon seit Oktober der Winter eingezogen :flöt:
Also- Theodor hat eine Richtigstellung verdient:
Herbst
1
Schon ins Land der Pyramiden
Flohn die Störche übers Meer;
Schwalbenflug ist längst geschieden,
Auch die Lerche singt nicht mehr.
Seufzend in geheimer Klage
Streift der Wind das letzte Grün;
Und die süßen Sommertage,
Ach, sie sind dahin, dahin!
Nebel hat den Wald verschlungen,
Der dein stillstes Glück gesehn;
Ganz in Duft und Dämmerungen
Will die schöne Welt vergehn.
Nur noch einmal bricht die Sonne
Unaufhaltsam durch den Duft,
Und ein Strahl der alten Wonne
Rieselt über Tal und Kluft.
Und es leuchten Wald und Heide,
Daß man sicher glauben mag,
Hinter allem Winterleide
Lieg' ein ferner Frühlingstag.
2
Die Sense rauscht, die Ähre fällt,
Die Tiere räumen scheu das Feld,
Der Mensch begehrt die ganze Welt.
3
Und sind die Blumen abgeblüht,
So brecht der Äpfel goldne Bälle;
Hin ist die Zeit der Schwärmerei,
So schätzt nun endlich das Reelle!
Danke! :applaus:
(Als Zitat muss der Text doch eigentlich nicht gekennzeichnet werden-oder? Storm unterliegt doch nicht mehr dem Urheberrecht.)
Liebe Grüße in den winterlichen Herbst
Annette
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Heinz Erhardt und der Wintereinbruch

#6

Beitrag von Angela » Mi 26. Nov 2008, 12:51

Hallo Petra,
auch wenn ich mich mit Gedichten und Literatur nicht so gut auskenne wie Du, hat mich diese Zeile ebenso gestört. Zum Glück schickt die Sonne auch im Winter ihre wärmenden Strahlen zur Erde. Mit der Dir bekannten Version gibt der Inhalt dieser Strophe ein rundes, stimmiges Bild ab.
Grüße von Angela
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#7

Beitrag von Petra » Mi 26. Nov 2008, 13:48

Hallo Annette,

Du hast Recht- die Lerche ist's!

Ja, dieses Mal war es wirklich die Lerche. :-)
Letzte Zeile vorher: liegt ein ferner Frühlingstag.
nachher: Lieg' ein ferner Frühlingstag.
Oh, danke, auch das hatte mich gestört, aber ich wollte nicht zu sehr Krümel kacken. ;-)

Storm hat sogar noch zwei Strophen hinzugefügt, die ich auch bisher nicht kannte.

Mit dem Ende hatte ich mich immer sehr wohl gefühlt, sodass mir eine Veränderung fast wie Werkschändung vorkommt. Die zwei Strophen habe ich auch noch nie gehört. Sind sie mir so fremd, weil sie neu für mich sind - oder weil sie nicht zum restlichen Gedicht passen? Ist das sicher, dass sie von Storm selbst sind? Es kommt mir fast so vor, als hätte die ihm nachträglich jemand 'spendiert'.

(Als Zitat muss der Text doch eigentlich nicht gekennzeichnet werden-oder? Storm unterliegt doch nicht mehr dem Urheberrecht.)

Hmmm..... :weissnicht: Das überlassen wir vielleicht mal dem Guru Skywise. :skywise: Ich frage mich halt nach dem Sinn des Zitierens. Da soll doch Fremdes von Eigenem abgehoben werden. Wenn man weiß, wie toll Du dichten kannst, könnte man auf die Idee kommen, das Gedicht sei von Dir. ;-):-D Ne, klar, es steht ja Theodor Storm dabei.... ich weiß es wirklich nicht. :kopfkratz:
Viele Grüße von Petra
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Heinz Erhardt und der Wintereinbruch

#8

Beitrag von Petra » Mi 26. Nov 2008, 17:24

So, jetzt habe ich meine (nicht vorhandene) Zeit benutzt, um in echten und virtuellen Seiten zu wühlen.
Offenbar hatte Theodor Storm zwei Mal in seinem Leben das Bedürfnis, dem Herbst einige Zeilen zu widmen.
In einem meiner Gedichtbände finde ich zuerst das längere Gedicht Schon ins Land der Pyramiden, das 1845 entstanden sein soll.
In diesem Buch 10 Gedichte weiter hinten steht dann das andere Und sind die Blumen abgeblüht....
Den Dreizeiler Die Sense rauscht, die Ähre fällt kann ich hier bei mir auf Papier überhaupt nicht finden. Im Internet habe ich aber gelesen, dass es 1847 geschrieben worden sein soll.
Viele Grüße von Petra :book: :schwitz2:
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#9

Beitrag von amori » Mi 26. Nov 2008, 18:46

Ja Petra, leider können wir ihn nicht mehr fragen! :cry:
Ich vermute, dass Storm diese drei Texte unter dem Oberbegriff "Herbst" verfasst hat und keine Lust hatte, sich neue Titel auszudenken. Daher auch die Nummerierung
1 Schon ins Land der Pyramiden
2 Die Sense rauscht
3 Und sind die Blumen
Vers 2 und 3 haben auch meiner Meinung nach keinen stilistischen Bezug zu Gedicht 1, wohl aber inhaltlichen. Das Projekt Gutenberg ist sehr zuverlässig, deshalb denke ich schon das alles "echte Storms" sind.
Haben wir keinen Storm-Kenner an Bord?
LG Annette
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Heinz Erhardt und der Wintereinbruch

#10

Beitrag von Petra » Mi 26. Nov 2008, 19:10

Hallo Annette,
mein Verdacht der Fremdeinwirkung entstand ja auch nur, weil ich das schöne Gedicht, das am Schluss in einem Hoffnungs- und Zuversichtsfeuer explodiert, als 'verschandelt' empfand. Gegen die Verse als solche habe ich keinerlei Einwände.
Inzwischen bin ich ebenfalls überzeugt, dass es Worte des Meisters sind, nur eben nicht als Vervollständigung des bewussten Gedichtes, sondern ganz allgemein zur Vervollständigung seiner Herbstgedanken.
Ach, was täten wir ohne das Literatur-Forum. ;-)
Viele Grüße von Petra
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Heinz Erhardt und der Wintereinbruch

#11

Beitrag von fille » Mi 26. Nov 2008, 20:28

Liebe Freunde,
weil es so schön ist, noch ein Gedicht, dass zum Winter passt.
Altes Kaminstück
Draußen ziehen weiße Flocken
Durch die Nacht, der Sturm ist laut;
Hier im Stübchen ist es trocken,
Warm und einsam, stillvertraut.
Sinnend sitz ich auf dem Sessel,
An dem knisternden Kamin,
Kochend summt der Wasserkessel
Längst verklungne Melodien.
Und ein Kätzchen sitzt daneben,
Wärmt die Pfötchen an der Glut;
Und die Flammen schweben, weben,
Wundersam wird mir zu Mut.
Dämmernd kommt heraufgestiegen
Manche längst vergessne Zeit,
Wie mit bunten Maskenzügen
Und verblichner Herrlichkeit.
Schöne Frauen, mit kluger Miene,
Winken süßgeheimnisvoll,
Und dazwischen Harlekine
Springen, lachen, lustigtoll.
Ferne grüßen Marmorgötter,
Traumhaft neben ihnen stehn
Märchenblumen, deren Blätter
In dem Mondenlichte wehn.
Wackelnd kommt herbeigeschwommen
Manches alte Zauberschloss;
Hintendrein geritten kommen
Blanke Ritter, Knappentross.
Und das alles zieht vorüber,
Schattenhastig übereilt —
Ach! da kocht der Kessel über,
Und das nasse Kätzchen heult.
Heinrich Heine, 1797-1856


Auch einer meiner Lieblingsdichter
Viele gemütliche Winterabende
wünscht éuch Marianne
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Heinz Erhardt und der Wintereinbruch

#12

Beitrag von Chrizz » Do 27. Nov 2008, 00:18

Hallo ihr alle!!!
Zum Thema Winter hab ich auch ein Gedicht gebastelt:
:-D
Südlich
Wenn draußen kalt die Winde weh’n,
macht man sich’s drinn’n gemütlich.
Man kann im Hauch den Atem seh'n
und wünscht sich weiter südlich.
Man macht sich Tee mit reichlich Rum,
versucht warme Gedanken.
Und sucht gar im Solarium
die Sonne nach zu tanken.
Die Mienen werden eingefror'n,
die Kragen hoch geschlagen.
Man tut sich Felle auf die Ohr'n
und dicke Reifen auf die Wagen.
Der Regen, Reif und Nebel ist's,
das man sich fühlt so alt!
Eisig Winter – ja, DU bist’s!
Nee, wat ist mir kalt!

In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen schönen, kuscheligen Winter.
Und wer Zeit und Lust hat, kann mich am 6. und 7. Dezember im Literaturcafé in Landshut wieder auf der Bühne erleben. Ich spiele passenderweise mein Adventprogramm "O je, du fröhliche!"
Nähere Infos wie immer unter www.christiangrote.de
:-) :gitarre2:
Also bis denne, und nicht vergessen am Sonntag schon mal die erste Kerze zu illuminieren. Ja, es geht schon wieder los! O, du fröhliche...
Viele Grüsse
Chrizz :wink:
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Viele Sprüche mag es geben.
DIESEN mag ich ungemein:
Was nicht gratis ist im Leben,
sollte nie umsonst sein!
Chrizz :gitarre2:

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Heinz Erhardt und der Wintereinbruch

#13

Beitrag von Skywise » Do 27. Nov 2008, 10:32


Petra schrieb:

(Als Zitat muss der Text doch eigentlich nicht gekennzeichnet werden-oder? Storm unterliegt doch nicht mehr dem Urheberrecht.)

Hmmm..... :weissnicht: Das überlassen wir vielleicht mal dem Guru Skywise. :skywise: Ich frage mich halt nach dem Sinn des Zitierens. Da soll doch Fremdes von Eigenem abgehoben werden.
Deshalb *sollte* man es machen, ja. Aber rein rechtlich betrachtet *muß* man es im Fall von Storm glücklicherweise nicht mehr machen, da dessen Werke aufgrund des länger als 70 Jahre zurückliegenden Todes des Urhebers mittlerweile Allgemeingut sind. :-)
Gruß
Skywise
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"Ist wirklich wahr - ich hab's in meinen Träumen selbst geseh'n ..."
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Heinz Erhardt und der Wintereinbruch

#14

Beitrag von Reino » Do 27. Nov 2008, 22:08

Aber auch die Kennzeichnung als Zitat macht aus einer unberechtigten Nutzung noch kein erlaubtes Zitat (dazu gehört ein wissenschaftlicher Kontext).
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Heinz Erhardt und der Wintereinbruch

#15

Beitrag von Cicero » Di 6. Jan 2009, 13:08

Hallo!
Das andere Lied, von dem hier am Anfang eine Zeile verwechselt und Storm angedichtet wurde, ist das folgende:
Hoffmann von Fallersleben
1. O wie ist es kalt geworden
Und so traurig öd und leer!
Rauhe Winde wehn von Norden,
Und die Sonne scheint nicht mehr.
2. Auf die Berge möcht' ich fliegen
Möchte seh'n ein grünes Tal,
Möcht' in Gras und Blumen liegen
Und mich freu'n am Sonnenstrahl.
3.Möchte hören die Schalmeien
Und der Herden Glockenklang,
Möchte freuen mich im Freien
An der Vögel süßem Sang!
4. Schöner Frühling, komm doch wieder!
Lieber Frühling, komm doch bald!
Bring uns Blumen, Laub und Lieder,
Schmücke wieder Feld und Wald!

Kombiniert würde das Lied so aussehen:
Storm, Theodor (1817-1888) und Hoffmann von Fallersleben, A. H. (1798-1874)
Herbst
Schon ins Land der Pyramiden
Flohn die Störche übers Meer;
Schwalbenflug ist längst geschieden,
Auch die Lerche singt nicht mehr.

Seufzend in geheimer Klage
Streift der Wind das letzte Grün;
Und die süßen Sommertage,
Ach, sie sind dahin, dahin!
Nebel hat den Wald verschlungen,
Der dein stillstes Glück gesehn;
Ganz in Duft und Dämmerungen
Will die schöne Welt vergehn.
O wie ist es kalt geworden
Und so traurig öd und leer!
Rauhe Winde wehn von Norden,
Und die Sonne scheint nicht mehr.
Auf die Berge möcht' ich fliegen
Möchte seh'n ein grünes Tal,
Möcht' in Gras und Blumen liegen
Und mich freu'n am Sonnenstrahl.
Möchte hören die Schalmeien
Und der Herden Glockenklang,
Möchte freuen mich im Freien
An der Vögel süßem Sang!
Nur noch einmal bricht die Sonne
Unaufhaltsam durch den Duft,
Und ein Strahl der alten Wonne
Rieselt über Tal und Kluft.
Und es leuchten Wald und Heide,
Daß man sicher glauben mag,
Hinter allem Winterleide
Lieg' ein ferner Frühlingstag.
Schöner Frühling, komm doch wieder!
Lieber Frühling, komm doch bald!
Bring uns Blumen, Laub und Lieder,
Schmücke wieder Feld und Wald!
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Heinz Erhardt und der Wintereinbruch

#16

Beitrag von Lilienthal » So 22. Nov 2009, 17:57


Hallo alle zusammen,
macht spaß das alles zu lesen von Erhard zu Heine, vom Herbst zum Winter und von der ewigen Sehnsucht nach Frühling.
Aber die fünfte Jahreszeit, die möchte ich noch ergänzen!
Eigens dafür geschaffen den Psychoterapeuten den Lebensunterhalt zu sichern und allen Menschen unserer Breiten zu beweisen, daß die Depession eine Volkskrankheit ist.
Ja, ja ganz recht, die fünfte Jahreszeit ist zwischen Herbst und Winter angesiedelt, ich meine da ist doch noch dieser mise November, den selbst die Niedersachsen-welche als Standartwettererscheinung das Niedersacheneinheitsgrau, in allen Schattierungen das ganze Jahr hindurch studiern durften-als besonders grau in ihren grauen Zellen verakert wissen.
Also hier eine eben gebastelte Ode an den November, in welcher mein dichterisches Unvermögen mit viel dichterischer Freiheit gekittet wurde, aber hoffentlich meiner Liebe zu den Gedichten von Erhard noch durch den ganzen Kitt hindurchscheint.

Du, November bist so triste,
dunkle Wolken hängen tief.
Weihnacht winkt dem frommen Christe,
trotzdem bin ich depressiv.
Blätter modern in der Gosse,
die einst bunt den Baum geschmückt.
St. Martin der sitzt hoch zu Rosse
und hat schon sein Schwert gezückt.
Er teilt den Mantel in zwei Stücke
gibt einen Teil dem Bettler hin,
Nur mir verwehrt sich alles Glücke,
da ich zu reich zum betteln bin.

Die Kinder singen in den Gassen,
bunte Laternen in der Hand.
Sie lachen froh, ich kann`s kaum fassen,
denn mein Licht das ist abgebrannt.
November du bist grau und traurig
und fällst mir wirklich sehr zur Last.
Nur eines freut mich, da du schaurig,
das du nur 30 Tage hast!!!

Es kann nur besser werden, in diesem Sinne viele Grüße
Sven W. (Lilienthal)
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Heinz Erhardt und der Wintereinbruch

#17

Beitrag von fille » So 22. Nov 2009, 19:00

Hallo Sven,
vielen Dank für dein Gedicht.
Allerdings hatten wir heute in Föhnizien einen schönen lauen Novembertag mit 15° :-)
Liebe Grüße
Marianne
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Heinz Erhardt und der Wintereinbruch

#18

Beitrag von amori » Di 24. Nov 2009, 15:48

Da wir ja jetzt wieder mitten in der schönsten Winterlyrik gelandet sind, beglücke ich euch mit einem Haiku. Wer es noch nicht kennt (und da dies hier ja die Literaturabteilung ist )- :skywise: :
Ein Haiku ist eine traditionelle japanische Lyrikform. Es besteht ursprünglich aus drei Zeilen mit 5-7-5 Silben. Bei der Übersetzung klassischer japanischer Haikus kann diese Vorgabe allerdings nicht immer eingehalten werden. Ein Haiku ist immer eine Momentaufnahme der Natur oder der vier Jahreszeiten. Ein "inneres Bild" soll ohne eigene Interpretation dem Leser deutlich gemacht werden.
Das festgefrorene Ahornblatt
In einem Eiskristalle
ruht gefangen
ein rotes Ahornblatt

(Shiki)
Man sagt, wer einmal angefangen hat, Haikus zu schreiben, kann nicht mehr aufhören. Ich bin sehr gespannt auf eure ersten Winter-Haikus :-D
Liebe Grüße
Annette, die den Winter nicht ausstehen kann
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Heinz Erhardt und der Wintereinbruch

#19

Beitrag von Lilienthal » Di 24. Nov 2009, 19:00

Hallo Marianne!
Hallo Annette!
Ich habe schon mal vom Haiku gehört, aber noch keine geschrieben!
Und bin eigentlich kein Wintermuffel, aber der November ist mein Sündenbock und den kann ich bald fortjagen, dann wird es hoffentlich besser!
Das blöde an unserem Winter ist halt die ständige Gefahr von diesem Dreckwetter, morgens -5° und Sonnenschein mag ich lieber!
Wisst ihr eigentlich das der Erhard richtig ernsthaft Klavier studiert hat und dann mit der Zeit anfing so seine Faxen am Klavier zu machen.
Das wurde dann immer mehr und irgendwann stand er auch mal ohne Klavier auf der Bühne.
Also von wegen Literaturecke.....da siehste, ich kanns auch..... :skywise: :skywise:
Also liebe Grüße
Sven
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#20

Beitrag von Skywise » Di 24. Nov 2009, 19:53


amori schrieb:
Ein Haiku ist eine traditionelle japanische Lyrikform. Es besteht ursprünglich aus drei Zeilen mit 5-7-5 Silben. Bei der Übersetzung klassischer japanischer Haikus kann diese Vorgabe allerdings nicht immer eingehalten werden. Ein Haiku ist immer eine Momentaufnahme der Natur oder der vier Jahreszeiten. Ein "inneres Bild" soll ohne eigene Interpretation dem Leser deutlich gemacht werden.
:gruebel:
Wir brechen
aus - raus aus dem Trott,
auf - hinaus in die Natur,
ein - in den Eissee.
So?
Gruß
Skywise
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