Harry Potter

Ein Lied besteht nicht nur Melodie und Rhythmus, sondern auch aus einem Text, der im Idealfall auch noch eine Botschaft vermittelt, tröstet oder wachrüttelt, beruhigt oder aufwühlt. Viele Lieder sind gesungene Geschichten und Gedichte. Erzähl uns von dem interessanten Buch, das Du gerade liest oder dem Gedicht, das Dich schon lange beschäftigt. Lass uns teilhaben an den Gedanken, die dir beim Lesen/Hören gekommen sind. Suchst Du ein bestimmtes Buch/Gedicht/Lied? Hier kannst Du jemanden um Hilfe bitten.

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fille
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Harry Potter

#1

Beitrag von fille » Do 23. Aug 2007, 04:01

Liebe Leseratten,
wie haltet ihr es mit Harry Potter? Habt ihr die Bücher gelesen? Mögt ihr sie?
Wenn ICH ein neues Potterbuch an die Hand bekomme, weiß ich was ich in der nächsten Zeit zu tun habe. Lesen, lesen, lesen. Kurz gesagt, ich bin Potter-Fan.
Was mir daran gefällt. Zunächst mal die kurzweilige Erzählart (na ja, in den letzten Büchern war es manchmal etwas langatmig). Die verschiedensten Personen und ihre Darstellung.
Spannend natürlich der Kampf zwischen den guten und bösen Mächten. Spannend auch der Kampf zwischen Harry und seinen Freunden und den Rassisten dieser Geschichte, die nur reinrassige Zauberer zulassen wollen und die anderen umbarmherzig verfolgen.
Ich finde, dass es KEIN Buch für Kinder unter 10 Jahren ist. Es ist geeignet für Personen von 10 - 99 Jahren :-)
Hurra, wenn alles gut geht, werde ich bald den letzten Band in der Hand halten und dann wird wieder gepottert.

Liebe Grüße
Marianne
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nils
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Harry Potter

#2

Beitrag von nils » Do 23. Aug 2007, 05:06

Ich gehöre auch zu den Potter-Fans. Als ich das erste Mal von Harry Potter hörte, war ich skeptisch, denn der Rummel um ihn hatte schon eingesetzt. Irgendwann aber bekam ich durch Zufall den ersten Band in die Hände - und war verzaubert.
Rowling malt nicht Schwarz-Weiß, ein Unterschied zum Herrn der Ringe. Dort sind die Grenzen meist sehr klar. Alle Orks sind schlecht. Punkt. Aber die Grenzen zwischen Gut und Böse bei Rowling sind fließend. Snape schützt Harry im ersten Band, aber er haßt ihn trotzdem. Er war ein Todesser - und doch arbeitet er als Spion für den Orden des Phönix. Und Dumbledore vertraut Snape bis zum Schluß - und doch tötet Snape ihn am Ende des sechsten Bandes (keine Sorge, ich verrate nicht, wie Rowling diese Geschichte im siebenten Band auflöst).
Auch andere Figuren entwickeln sich im Laufe der verschiedenen Bände. Lupin taucht im dritten Band auf, ist im vierten Band weg und hat ein Comeback im fünften. Wie kunstvoll sie die Geschichten baut, war beim ersten Band noch nicht klar. Erst nach und nach wurde offensichtlich, wie viele Querverbindungen es zwischen den Büchern gibt.
Trotzdem bleibt das Ganze ein Kinder- und Jugendbuch. Durch Harry Potter sind Kinder zum Lesen gekommen, die vorher nie Bücher gelesen haben. Und nun können die Bücher gar nicht dick genug sein. Viele Kinder haben die Bücher sogar auf Englisch gelesen, weil sie nicht warten wollten, bis die deutsche Fassung erscheint. Auch das gabs früher eher selten.
Was mir sehr gefällt: Das Rassismusthema beginnt ganz langsam und unaufdringlich und wird im Laufe der sieben Bände immer stärker ausgebaut.
Ich mag auch die Art, wie Rowling mit Sprache umgeht. Das geht bis zu unübersetzbaren Wortspielen: Ron Weasley fragt im 13. Kapitel des Feuerkelchs Lavender: "Darf ich den Uranus auch mal sehen?" Im Deutschen ist unverständlich, warum Trelawney sauer ist. Im Original fragt Ron "Can I have a look at Uranus, too, Lavender?" Rowling kann ironisch, sarkastisch, aber auch sehr gefühlvoll schreiben, man kann lachen und weinen beim Lesen (auch das ist ein Unterschied zum Herrn der Ringe, die ironischen Passagen sind da eher selten).
Was ich nicht so mag an Harry Potter: Natürlich dreht sich das Buch um einen Jungen und bis auf Hermione sind alle Hauptpersonen männlich. Nun ja ... Doch besser als der Herr der Ringe ist Harry Potter allemal. Da spielen Frauen fast überhaupt keine Rolle. Auch das Thema Sexualität wird fast völlig ausgeblendet (während die Liebesaffären in Harry Potter zuweilen fast überhand nehmen).
Ich finde die Bücher durchaus auch geeignet für Kinder unter 10 Jahren. Es hängt sehr vom Kind ab. Bei den Filmen seh (!) ich das anders. Kinder können beim Lesen selbst beeinflussen, was sie lesen, wie schnell sie lesen. Und sie können aufhören, wenn es ihnen zu viel wird (so hats meine Tochter beim ersten Anlauf gemacht). Die Filme aber benutzen Bilder, die Kinder noch nicht verarbeiten können. Da denke ich, gerade die späteren Filme sind für Kinder unter 10 Jahren nicht geeignet.
Ein Tipp für alle Potter-Fans:
Michael Maar: Warum Nabokov Harry Potter gemocht hätte.
Das Buch ist inzwischen schon etwas älter, aber ich hab durch das Buch Verbindungen zwischen einzelnen Bänden erkannt, die ich bis dahin nicht bemerkt hatte. Und Maar ist Potter-Experte, was leider nicht auf alle zutrifft, die Bücher oder Artikel über Harry Potter schreiben.
Was viele nicht wissen, der erste Band ist im englischen Original und auch im Deutschen in geradezu lächerlich geringen Auflagen erschienen. Das Buch wurde von vielen Verlagen abgelehnt. Zu dick, zu merkwürdig, das liest doch niemand. "Harry Potter and the Philosopher's Stone" begann deshalb mit einer Startauflage von 500 Exemplaren in Großbritannien. In Worten: fünfhundert! Heute kaum noch vorstellbar, aber der Verlag kam überhaupt nicht auf die Idee, daß hier eine beispiellose Erfolgsgeschichte ihren Anfang nahm.
Auch die deutschen Kinderbuch-Verlage wollten das Buch nicht, weil sie dachten: Das liest doch niemand. Der Carlsen-Verlag, der es dann genommen hat, gab früher vor allem Comics heraus. Und das Schöne: Rowling ist bei den Verlagen Bloomsbury und Carlsen geblieben, obwohl sie für die späteren Bücher sicher sehr gute Angebote von anderen Verlagen bekommen hat.
Und heute gibt es schon unzählige Vorbestellungen des siebenten Harry-Potters (auf Deutsch), obwohl das Buch erst im Oktober erscheint. Erstaunlich, daß sich Rowlings Prophezeiung im ersten Band tatsächlich erfüllt hat: jedes Kind auf der Welt wird seinen Namen kennen! Es ist schon ein Phänomen.
Ich hoffe übrigens, daß Rowling standhaft bleibt und keinen achten Band schreibt. Literarisch muß einfach Schluß sein mit dem siebenten Band (vielleicht hat sie deshalb das doch etwas merkwürdige Schlußkapitel geschrieben, mehr sei hier nicht verraten).
Es gibt Gerüchte, sie würde wieder schreiben: an einem Krimi. Ich bin sehr gespannt. Zumal sie bei Krimis das tun kann, was sie auch in den Harry-Potter-Büchern gern getan hat: Falsche Spuren legen, die nur erkennbar sind, wenn man sehr genau hinguckt. Gibt ja sogar eine Bezeichnung dafür: den Wronski-Bluff (oder Wanzki-Stuss, wie Hermione sagt).
Übrigens eine der wenigen offensichtlichen Schwächen der deutschen Übersetzung: Bei Hermine geht das Spiel mit Shakespeares Figur Hermione aus dem Wintermärchen leider völlig verloren.
Wie es auch schade ist, daß mein Lieblingsgeist in den Filmen nicht auftaucht. Dabei ließe sich gerade Peeves am einfachsten und effektvollsten einsetzen. Aber wahrscheinlich hatten die Produzenten Angst, dass der Anarchist unter Hogwarts Geistern auch bei den Dreharbeiten so viel Chaos anrichten würde wie an der Zaubererschule.
Hm, jetzt hab ich selbst fast schon einen Roman geschrieben ... aber irgendwie konnte ich mich erst jetzt bremsen, dabei gäbe es noch so viel zu sagen ... Aber jetzt ist erstmal Schluß.
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#3

Beitrag von fille » Do 23. Aug 2007, 17:43

Liebe Leseratten,
ich weiß vom Chat, dass es hier noch einige Potterfans gibt. Gibt es auch Leser, denen das Buch nicht gefallen hat? Allerdings muss man sie der Reihe nach gelesen haben.
Zu Snape: Ich glaube nicht, dass er Dumbledor umgebracht hat. D. hat S. vertraut. Für mich hat er ihn angefleht, es zu tun: "Please Severin". Da kommt bestimmt noch was *spannung*!
Ja, die Sache mit dem Rassismus hat sich hochgespielt. Es wird immer beklemmender.
Ich habe alle Bücher im Original gelesen. Es stimmt schon, in der Übersetzung verlieren sie. Ich liebe englische Literatur und "Harry Potter" ist ein wunderbar englisches Buch.
@ Nils
Auch "Der Herr der Ringe" ist engliches Buch. Ich mag es auch sehr! Es ist eine andere Kategorie. Eher etwas romantisch und ritterlich angehaucht. Und ja, es ist eine fast ausschließlich männliche Welt. Aber das macht nichts. Mir wenigstens nicht!;-)
Liebe Grüße
Marianne
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#4

Beitrag von Miramis » Do 23. Aug 2007, 20:28

Hallo zusammen!
Ich liebe die Bücher auch.
Beim ersten Anlauf gefiel mir das erste Buch nicht und ich habe es wieder weggelegt, aber dann habe ich etwa später nochmal angefangen und seitdem bin ich begeistert!
Es wurde hier schon vieles gesagt, was ich auch so sehe.
Mir gefällt vor allem das große Spektrum, das Rowling bietet: Ihr Humor ist großartig - es gibt Stellen, die kann ich immer wieder lesen und jedes Mal wieder herzhaft lachen - , die Bücher haben gleichzeitig eine enorme Tiefe, und sie versteht es, den Leser zu berühren. An manchen Stellen hat sie mir mit ganz wenigen Worten eine Gänsehaut verpasst!
Ich lese die englischen Bücher lieber als die deutschen (die allerdings auch gerne), weil ich Rowlings Stil so liebe und davon einiges durch die Übersetzung verloren geht.
Und, wie schon gesagt, manche Wortspielereien lassen sich einfach nicht übersetzen.
Das letzte Buch hat mir auch gut gefallen - ich habe es mit großen Erwartungen in die Hand genommen und wurde nicht enttäuscht.
Liebe Grüße,
Miramis
P.S. Das Buch von Michael Maar kann ich auch nur empfehlen!
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#5

Beitrag von nils » Do 23. Aug 2007, 23:18

liebe marianne,
wenn du alle bücher im original gelesen hast, müsstest du die auflösung des rätsel um snape doch schon kennen? oder? aber darüber zu diskutieren, sollten wir verschieben, bis es den siebenten band auch auf deutsch gibt.
ich weiß, daß die englischen bücher besser sind und trotzdem ist mein englisch leider so schlecht, daß ich die bücher nur auf deutsch lesen kann. ich habs ein paar mal auf englisch probiert und bin jedesmal grandios gescheitert. aber ich guck mir immer gern die debatten über die übersetzungen an.
die männliche welt beim herrn der ringe stört mich nicht, ich find harry potter aber interessanter, weils da auch frauen gibt. schließlich gehört die liebe zum leben dazu, und die fehlenden frauen machen den herrn der ringe zumindest für mich ziemlich steril.
klar ist der herr der ringe ne andere kategorie, aber da die bücher immer wieder verglichen werden, hab ichs auch gemacht.
viele grüße
nils
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#6

Beitrag von fille » Do 23. Aug 2007, 23:25

Hallo Nils!
wenn du alle bücher im original gelesen hast, müsstest du die auflösung des rätsel um snape doch schon kennen? oder? aber darüber zu diskutieren, sollten wir verschieben, bis es den siebenten band auch auf deutsch gibt.


Ich habe natürlich bis jetzt nur die ersten sechs Bücher gelesen *seufz*. Ich habe sie alle ausgeliehen und will jetzt auch nicht mehr mit dem Kaufen anfangen. Vielleicht habe ich Glück und bekomme es aber noch am Wochenende.
Die deutschen Ausgaben stehen in unserem Bücherregal, genau wie "Herr der Ringe" und "Lord of the Rings".
Viele Grüße
Marianne
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#7

Beitrag von nils » Do 23. Aug 2007, 23:41

liebe marianne,
ich hab alle (deutschen) bücher gekauft, weil ich gern nochmal zurückblättere. da bestimmte dinge im plot erst nach und nach enthüllt werden, fand ich es sehr interessant, mit dem wissen des sechsten bandes die ersten fünf bände noch einmal zu lesen. und so werde ich es wohl auch mit dem siebenten band halten.
viele grüße
nils
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#8

Beitrag von nils » Mi 29. Aug 2007, 03:12

Als das vierte Buch »Harry Potter und der Feuerkelch« von Joanne Rowling erschien, gab es erstmals einen Riesenmedien- und Verkaufsrummel. Ein Text, der sich mit diesem Phänomen befasst und am Erscheinungstag des 4. Bandes auf Deutsch erschien (wichtig, weil immer mal von "heute" die Rede ist).
Kinder lesen wieder - nur was?
Es ist fast wie Zauberei. Viele Kinder spielen nicht mehr mit Computer oder Gameboy - sie lesen wieder. Und die Buchhändler sind begeistert. Ein schon fast verloren geglaubtes Klientel stürmt die Buchläden. Viele erwachsene »Muggel« können die Aufregung gar nicht verstehen oder lächeln erhaben. Schließlich erscheint heute "nur" ein neues Kinderbuch: die deutsche Fassung von »Harry Potter und der Feuerkelch«, in dem es um Zauberer und »Muggel«, also nichtmagische Menschen, geht. Aber ignorieren kann die Aufregung wohl niemand, immerhin erscheint das vierte Potter-Buch der britischen Autorin Joanne Rowling in einer deutschen Rekordauflage von mehr als einer Million Exemplaren.
In ganz Deutschland findet dazu noch ein riesengroßer Marketingtrubel statt. Schon um Mitternacht, zur Geisterstunde, wurden bundesweit die Buchhandlungen mit dem neuen Buch beliefert. An vielen Orten warteten die Fans sehnsüchtig und feierten die Neuerscheinung mit einer Party. Im Leipziger Hauptbahnhof soll heute auf dem Bahnsteig »9¾« sogar ein Zauberzug einrollen, der so genannte Hogwarts-Express. Zahlreiche Buchhandlungen veranstalteten schon gestern Abend Lesungen oder andere Aktionen für Kinder und Erwachsene. Denn nicht nur die Kinder, auch viele große »Muggel« warten sehnsüchtig auf die neuen Abenteuer des jungen Zauberers.
Nach Ansicht der Literaturwissenschaftlerin Frauke Meyer-Gosau schafft es Rowling, mit fantastischen Erfindungen und ironischen Seitenblicken auf ihre erfundene Wirklichkeit gleichzeitig einen Kommentar zu unserer Wirklichkeit abzugeben. Die Aufregung um das Erscheinen des vierten Bandes »Harry Potter und der Feuerkelch« an diesem Samstag sei ein bislang einzigartiges Phänomen.
»Aber das hängt auch mit der Zielgruppe zusammen.« Für Kinder bieten sich mitternächtliche Lesungen und Zauberpartys eher an als für Erwachsene. »Stellen Sie sich zum Fontane-Roman eine Fontane-Party vor - das funktioniert einfach nicht«, so Meyer-Gosau. Dabei ist der ganze Trubel völlig überflüssig, denn die ersten drei Bände haben sich auch ohne viel Marketing sehr gut verkauft. (Das stimmt so nicht ganz, wie ich inzwischen weiß, schließlich haben viele Verlage den ersten Band abgelehnt. Erst beim dritten Band hat sich Harry Potter vom Geheimtip zum Bestseller gewandelt.)
Ganz nebenbei wird für die Harry-Potter-Fans auch das Ladenschlussgesetz ausgehebelt. Bei »geschlossenen Veranstaltungen« mit persönlicher Einladung konnten Fans schon in der letzen Nacht ein Buch kaufen. Eine Münchner Buchhandlung hatte druckfrische Bücher schon vorab an eine Gaststätte verkauft, die sie wiederum bei einer Fete an die Fans bringen soll.
Die Stadt Nürnberg allerdings bat vergebens um eine Ausnahmegenehmigung. Ein dringliches öffentliches Interesse sei nicht erkennbar, heißt es in einem Antwortschreiben des bayerischen Sozialministeriums. Außerdem müsse man sich fragen, was Kinder um Mitternacht auf der Straße zu suchen hätten, ergänzte ein Ministeriumssprecher. Es sei nicht einsichtig, dass die Kids das Buch »in der Nacht lesen müssen«.
Die Berliner Buchhändler dagegen benötigten keine Sondergenehmigungen, das Berliner Landesamt für Arbeitsschutz drückte ein Auge zu. »Als einmalige Kulturveranstaltung ist das schon in Ordnung«, sagte eine Sprecherin des Landesamtes für Arbeitsschutz.
Auch wenn die Potter-Welle im Augenblick vor allem die Buchläden hierzulande überrollt, sie ist nicht auf Deutschland beschränkt. In Großbritannien hatten in der Nacht zum 8. Juli tausende Leser die Buchhandlungen belagert, um am frühen Morgen den vierten Band »Harry Potter und der Feuerkelch« zu ergattern.
Auch in China haben die ersten drei Bände des britischen Kinderbuch-Bestsellers »Harry Potter« eine Welle der Begeisterung ausgelöst. Nach einer besorgten Debatte um die politische Korrektheit des Werkes hatte sich der chinesische Staatsverlag zu einer Herausgabe der Abenteuer des kleinen Zauberers entschieden. Sein Mut und seine Hilfsbereitschaft seien universelle Werte, so die Lektorin Wang Ruiqin. Mit einer Anfangsauflage von 600.000 Exemplaren ist »Harry Potter« die größte Erstveröffentlichung eines Romans in der Geschichte Chinas. Die Erfolgsserie ist in ihrer chinesischen Fassung auf fälschungssicherem, grünem Papier gedruckt worden, alle drei Bände zusammen kosten 68 Yuan und damit umgerechnet rund 18 Mark.
Davon können Potter-Fans in Deutschland nur träumen. Hier kosteten die ersten drei Bände einzeln jeweils 28 bzw. 30 Mark. Und beim vierten Band ist der Verlag nun sogar bei 44 Mark angekommen. Aber die Potter-Fans werden wohl auch diesen Preis ohne Murren bezahlen.
Selbst an der Hochschule wird inzwischen analysiert, was es mit dem Potter-Kult auf sich haben könnte. Unter dem Titel »Zwischen Harry Potter und der kleinen Hexe« veranstaltet die Münchner Universität in diesem Wintersemester ein Seminar für angehende Deutschlehrer. In dem Uni-Seminar sollen die angehenden Lehrer unter anderem prüfen, ob und wie die Potter-Bücher im Unterricht eingesetzt werden könnten.
Ob das Sinn macht, bleibt allerdings fraglich, denn viel mehr als sehr gute Unterhaltung sind die Potter-Bücher nicht. Sie sind doch etwas zu weit vom realen Leben entfernt. (Auch diesen Absatz würde ich heute so nicht mehr schreiben. Dafür ist Rowlings Auseinandersetzung mit dem Thema Rassismus viel zu aktuell und viel zu nah am realen Leben dran.)
Allerdings greift auch das Vorurteil »Bestseller gleich schlechte Literatur« zu kurz. Harry Potter ist mehr als ein Buch, das sich gut verkauft. Wer das nicht glauben kann, sollte eines der Bücher lesen. Aber Vorsicht - es besteht die Gefahr, verzaubert zu werden.
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#9

Beitrag von Marc » Mi 29. Aug 2007, 17:31

Lieber Nils,
vielen Dank für Deine Buchrezensionen, sie gefallen mir sehr!
Ich stehe der Idee, ein Literaturforum im Liedermacher-Forum einzurichten, jedoch eher skeptisch gegenüber. Ich gehe davon aus, dass sich die meisten Besucher dieser Seite über Liedermacher informieren wollen. Müssen diese Besucher nicht völlig verwirrt sein, wenn sie eine Rezension zu Harry Potter finden? Mich persönlich ärgert es sogar ein wenig, dass so andere Beiträge über Liedermacher von der Startseite verdrängt werden.
Ich bin selbst eine Leseratte, schreibe gern Rezensionen, aber gibt es dafür nicht geeignetere Plattformen als das Liedermacher-Forum?? Ich lasse mich gern überzeugen, sollte es doch einen Zusammenhang geben!
Lieben Gruß,
Marc
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und es ist mir längst klar,
dass nichts bleibt,
dass nichts bleibt,
wie es war.

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#10

Beitrag von fille » Mi 29. Aug 2007, 17:45

Hallo Marc!
Das Literaturforum besteht schon längere Zeit.
Es entstand durch eine Idee im Chat. Wir haben uns immer wieder mal im Chat über Bücher unterhalten und kamen so auf die Idee. Es gibt ja auch das politische Forum. Damals habe ich migoe den Vorschlag gemacht und er hat es im März 2007 eingerichtet.
Natürlich soll es nicht die anderen Beiträge verdrängen, sondern nur einige Anregungen geben.
Liebe Grüße
Marianne
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#11

Beitrag von nils » Mi 29. Aug 2007, 17:53

lieber marc,
natürlich ist das literaturforum hier eher ein nebenthema. und deshalb wirds auch gar nicht lange dauern, bis harry wieder von der startseite verschwunden ist (wobei ich das nun mit meinem beitrag wieder verzögert hab).
mich hat das literaturforum zuerst auch irritiert, aber gerade unter den liedermacher-fans sind naturgemäß auch viele leute, die sich für literatur interessieren. warum sollen die hier keine plattform kriegen?
möglich wäre es natürlich, das literaturforum als intern zu kennzeichnen, dann wirds nur für mitglieder angezeigt und nicht für besucher. ich weiß aber nicht, was die anderen literaturfans davon halten.
viele grüße
nils
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