Ein Leben als Zwerg

Ein Lied besteht nicht nur Melodie und Rhythmus, sondern auch aus einem Text, der im Idealfall auch noch eine Botschaft vermittelt, tröstet oder wachrüttelt, beruhigt oder aufwühlt. Viele Lieder sind gesungene Geschichten und Gedichte. Erzähl uns von dem interessanten Buch, das Du gerade liest oder dem Gedicht, das Dich schon lange beschäftigt. Lass uns teilhaben an den Gedanken, die dir beim Lesen/Hören gekommen sind. Suchst Du ein bestimmtes Buch/Gedicht/Lied? Hier kannst Du jemanden um Hilfe bitten.

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nils
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Ein Leben als Zwerg

#1

Beitrag von nils » Sa 25. Aug 2007, 17:07

Ich hab keine Ahnung, wie neu Bücher sein müssen, die hier empfohlen werden. Aber ihr werdet schon protestieren, wenn ich hier zu alte Kamellen anpreise :-)
"Ein Leben als Zwerg" hab ich eher durch Zufall entdeckt, denn ein so großer Urs-Widmer-Fan bin ich eigentlich nicht. Auf das Buch bin ich durch den witzigen Klappentext gestoßen und hab mich dann auch beim Lesen des Buches selbst sehr amüsiert.
Mehr dazu in dem folgenden Text, der in leicht veränderten Form auch in der Tageszeitung "Neues Deutschland" erschienen ist.
Viele Grüße
Nils
Vom Glück der Anderen
Von Nils Floreck
Der Ort ist bekannt, doch die Perspektive ist neu. Das Haus, in dem die Bücher "Der blaue Siphon", "Der Geliebte der Mutter" und "Das Buch des Vaters" spielen, ist auch der Ort, von dem das neue Buch von Urs Widmer erzählt. Der Ich-Erzähler Vigolette ist, wie könnte es bei dem Buchtitel anders sein, ein Zwerg. Ein kraftvoller Zwerg aus Hartgummi mit strahlend blauen Augen, der immer durch die Nase spricht. Allerdings nur sehr leise – wie alle Zwerge. Ein Mensch muss genau vor ihnen stehen und sehr gute Ohren haben, um zu hören, was Zwerge erzählen.
Wenn Menschen Vigolette ansehen, merken sie nichts vom Zwergenleben. Dann steht er in einer etwas nachlässigen Habachtstellung und macht ein dummes Gesicht. Aber wenn niemand schaut, rennt er wie ein Irrwisch durch die Wohnung, Tischbeine hinauf, Tischbeine hinunter. Und zuweilen kommt es dann vor, dass ein Menschenblick Zwerge an einem Ort trifft, an den sie ganz und gar nicht gehören. Aber dann heißt es meist nur: "Die Kinder! Ich sage, aufräumen, und es ist, als spräche ich in die Luft!"
Wenn Zwerge nicht die Wohnung erkunden, in der sie leben, diskutieren sie auch gern. Am liebsten darüber, wo sie herkommen. Rotsepp behauptet dann, es gebe sieben Urzwerge, aus denen alle anderen hervorgegangen seien. Grünsepp meint, die Zwerge habe es immer schon gegeben, sie seien mit dem Urknall entstanden. Und Lochnas glaubt, dass die Zwerge vom Menschen abstammen.
Nur Vigolette ist sich ziemlich sicher, dass Zwerge in Fabriken hergestellt werden. Einen Dämpfer bekommt diese Theorie allerdings, als Vigolette und Dunkelblöe später zufällig im Fernsehen "die" sieben Urzwerge sehen.
Sicher ist allerdings: Zwerge beginnen erst dann zu leben, wenn ein Kind sie in die Hand nimmt, verzückt ansieht und glücklich ist. Virtuos spielt Widmer mit Mythen und Märchen und erzählt vom Glück der Menschen und der Zwerge. Spannend führt er die Leser durch das Zwergenleben, das Höhen und Tiefen kennt, auch wenn Zwerge – nach eigener Auskunft – meist in die Tiefe streben, wenn sie die Horizontale verlassen.
Urs Widmer, Ein Leben als Zwerg, Diogenes, 177 S.
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fille
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Ein Leben als Zwerg

#2

Beitrag von fille » So 26. Aug 2007, 10:05

Hallo Nils!
Ich hab keine Ahnung, wie neu Bücher sein müssen, die hier empfohlen werden. Aber ihr werdet schon protestieren, wenn ich hier zu alte Kamellen anpreise.

Da gibt es keine Einschränkung. Das Buch kann so alt sein wie Methusalem. Vor mir aus kannst du die Nibelungensage besprechen :-)
Ich selbst habe vor, demnächst mal ein paar ältere Bücher vorzustellen.
Ich glaube nicht, dass ich von Urs Widmer schon mal was gelesen habe. Ich werde bei meinem nächsten Büchereibesuch gleich mal danach Ausschau halten. Danke für den Tipp!
Liebe Grüße
Marianne
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