WILLY ASTOR am 11. Dezember 2006 live im "Posthof", Linz

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Nordlicht
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WILLY ASTOR am 11. Dezember 2006 live im "Posthof", Linz

#1

Beitrag von Nordlicht » So 17. Dez 2006, 09:15

Liebe Freunde !
Nachdem ich nun so lange abwesend war, kommen gleich zwei Konzertberichte innerhalb von 2 Tagen – und das, weil ich quasi alles nacheinander ein wenig „abarbeiten“ muß. In diesem Sinne hier in Bericht über den Auftritt des Willy Astor am 11. Dezember 2006 um 20:00 h im Linzer „Posthof“. Vielleicht macht er ja dem Einen oder Anderen ein wenig Appetit auf diesen außergewöhnlichen Künstler. Lohnen tut es sich auf jeden Fall:

Ist er ein Comedian ? Denn immerhin macht er „komische Sachen“ und unterhält sein Publikum damit auf das Vortrefflichste. Und Michael Herbigs ‚Bully und die Tapete’ geht im Wesentlichen auf unseren Künstler zurück. Oder aber ist er Liedermacher ? Denn immerhin macht er Lieder mit einem Inhalt, dem man wirklich zuhören und den man begreifen kann. Ist er ein begnadeter Instrumentalist ? Denn immerhin beherrscht er zumindest die Gitarre wie kaum ein anderer, hat sogar ein eigenes musikalisches Projekt und mit diesem sogar schon eigene Fernseh- Sendungen gestaltet. Ist er Satiriker, gar Kabarettist ? Denn immerhin beleuchtet er den Alltag in frechen, teilweise skurrilen Bildern und aus manchmal recht ungewöhnlichen Blickwinkeln. Oder ist er letztlich einfach all dies zusammen ? Denn immerhin tut er alles eigentlich immer und zu jeder Zeit, wenn er auf der Bühne steht.
Und auf der Bühne steht er immer wieder: Sei es bei einer Sylvester- Gala im vorigen Jahr anläßlich seines langjährigen Bühnenjubiläums, sei es auf der Freifläche vor dem Kloster Banz bei „Songs an einem Sommerabend“ oder sei es am 11. Dezember 2006 auf der Bühne des Veranstaltungsortes „Posthof“ am Linzer Hafen: WILLY ASTOR, Wortkünstler, Sänger und Musiker aus München, gab sich 14 Tage vor Weihnachten in Linz die Ehre. Und viele kamen, denn der große Saal des „Posthof“ war bis auf den letzten Platz ausverkauft. Leider hatten Ulrike und ich erst sehr spät zum Konzert- Besuch entschlossen, und so bekamen wir nur mehr Karten auf einem Platz in den hinteren Reihen, von dem aus man, dank der ansteigenden Sitzreihen, dennoch einen guten Blick auf die Bühne und den Künstler hatte. Was uns jedoch entging, das war die zum Teil sicherlich erheiternde Mimik des Künstlers, auf die man aus den Reaktionen der „Vorne- Sitzer“ schließen konnte. Auf jeden Fall war Astor vom ersten Moment seines Auftretens an in regem Kontakt mit dem Publikum. So erfragte er alsbald Namen und Berufe einiger Besucher der ersten Reihe, und als er unter diesen einen Feuerwehrautobauer der Leondinger Firma „Rosenbauer“ ausmacht, ist er wahrhaft begeistert, war doch sein Wunsch in Kindertagen eine Karriere als Feuerwehrmann. Und so baut er fortan diese Feuerwehrautos hier und da in sein Programm ein, läßt aber auch teilhaben an seinen Bandscheibenproblemen, die ihn gerade in Linz akut plagen. Er gibt auch bekannt – zumindest für die Damen im Publikum, die unter 25 Jahre alt sind -, in welchem Linzer Hotel er logiert. Plötzlich fällt ihm ein, daß es ihn interessiert, wann man am nächsten Morgen aufstehen müsse, weil er gedenke, den Abend in Linz nicht allzu zeitig enden zu lassen, und als er erfährt „zwanzig vor sechs“ versichert er treuherzig, er werde sich den Wecker ebenfalls auf diese Uhrzeit stellen. Allerdings betont er im Nachsatz, er wolle dies nicht tun, um aufzustehen, sondern um an den Besucher zu denken, sich umzudrehen und weiterzuschlafen. Im weiteren Verlauf des Abends erfährt der geneigte Zuhörer dann vieles aus der Welt, zumindest aus der Welt des Willy Astor: Über die Wohnungssituation in München, über seine Verbundenheit zu Österreich, über seine Konzertreise, über seinen kürzlichen Wien- Aufenthalt, aber auch über die Vorfreude, nunmehr bald wieder in seiner Heimat Bayern zu sein. All dies immer wieder unterbrochen durch Lieder, die man als Schnurrpfeifereien bezeichnen kann, durch komische Einfälle, durch Requisiten. So wird sein kürzlich erschienenes Buch, drapiert auf einem Plattenspieler, nach dem Einschalten desselben unversehens zum „Dreh- Buch“. Und mit diesem Buch entläßt uns Willy Astor dann auch in die Pause und mit dem Versprechen, eben dies Buch oder seine neueste oder auch ältere CDs gerne zu signieren. Vorausgesetzt natürlich, man werde sie bei ihm käuflich erwerben. Und tatsächlich: in der 20- minütigen Pause steht er hinter dem Tisch mit den Merchandising- Artikeln und schreibt wie ein Weltmeister. Im zweiten Teil dann geht es nahtlos weiter: So werden 2 Fell- Stücke, die er vor sich her trägt, unversehens zu den „Vor- Fällen“, die er in seiner Bandscheibe zu spüren vermeint. Und bei all diesem erscheint, zumindest mir, vor meinem geistigen Auge plötzlich Alf Poier, österreichischer „ComedianKabarettist“ und „Song- Contest“- Teilnehmer 2003. Was mich bei diesem abschreckt, das hektische Hin und Her zwischen absurden Einfällen und manchmal blöden Witzchen, das fesselt mich beim „Meister“ Astor, auf den diese Darbietungsform mit zurückgeht, über alle Maßen. Ich erfahre noch viel an diesem Abend – so z.B. daß „Guantanamera“ auch locker zu „Froschfotzenleder“ werden kann und daß aus einer „Pommes- Bude“ auch locker eine „Po- Meß- Bude“ werden kann. Als der Abend sich dem Ende entgegenneigt und sich Willy Astor freundlich von den Besuchern verabschieden will, da bekommt er soviel Beifall, daß er sich förmlich zu einer Zugabe „genötigt“ sieht. In dieser dann liest er seine absonderlichen Einfälle aus seinem Buch und spielt dann plötzlich ein Lied mit dem Titel „Diamanten“, daß so gar nicht zu dem bisherigen Verlauf des Abends passen will, denn es hat einen durchaus ernstzunehmenden Inhalt und ist eher still und nachdenklich. Und ganz zum Schluß – die Bühne ist mittlerweile in ein geheimnisvolles, blaues Licht getaucht – erzählt Astor von seinem Gitarrenprojekt mit einem Freund, das ihm sehr am Herzen liegt und spielt als musikalischen Abschluß des Abends seinen Instrumental- Titel „Nautilus“, bei dem man sich erstaunt darüber geben muß, welche Töne aus gerade einmal 6 Gitarren- Saiten zu zaubern sind.
Man muß es neidlos anerkennen: Es war ein grandioser Abend mit einem unendlich vielseitigen Künstler, der ein ganz klein wenig an einen Tante- Emma- Gemischtwaren- Laden erinnert: Es ist wirklich für jeden etwas dabei, angefangen bei der eher harmlosen Alberei bis hin zu tiefgründigen Lied- Texten. Und eines ist er immer, dieser Willy Astor aus München: Unterhaltsam – und damit auf jeden Fall einen Konzert- Besuch wert !

So, das war´s dann wieder einmal von mir. Vielleicht hat Euch mein Bericht so gefallen wie mir dieses Astor- Konzert. In diesem Sinne viele, liebe Grüße aus Ober- :ösi: von
ANDREAS.

(…dem schon wieder mal die Finger qualmen…)
:nikolausi:
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#2

Beitrag von Petra » Mo 18. Dez 2006, 05:28

Hallo Andreas,
danke für diesen schönen Bericht. Lange Zeit kannte ich Willy Astor nur mit seinen wortakrobatischen Texten. Dass er so ein guter Gitarrenspieler ist, weiß ich noch nicht lange. Hat er denn auch das Lied über 'Ösis' gesungen? Das habe ich mal im TV gesehen. Damals hat er auch Diamant gesungen, ich glaube, es gibt sogar eine gleichnamige CD.
Er hat auch erzählt, dass seine ersten Konzerte quasi 'unter Ausschluss der Öffentlichkeit' stattgefunden haben. So ergeht es wohl allen jungen Künstlern, aber nur wenige schaffen es wirklich, einem größeren Kreis bekannt zu werden. Ich drücke 'unseren' jungen Künstlern sämtliche Daumnen, dass sie zur richtigen Zei an dem berühmten 'richtigen Ort' sind.
Viele Grüße von Petra
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#3

Beitrag von Nordlicht » Mo 18. Dez 2006, 12:15

Hallo, Petra !
Das "Ösi- Lied" (...welch böses Wort...) durfte bei einem Auftritt im Ösi- Land (...igitt...) natürlich nicht fehlen und riß das Publikum zu lauten Heiterkeitsausbrüchen und begeistertem Szenen- Applaus hin.
Mehr zu den instrumental- musikalischen Aktivitäten des Willy Astor und seines Projektes "Sound of Island" gibt es hier.
Liebe Grüße aus Ober- :ösi: ,
ANDREAS.

(...der Willy Astor vielleicht nicht neu-, aber imemrhin erstmalig RICHTIG entdeckt hat...)
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#4

Beitrag von Skywise » Mo 18. Dez 2006, 13:20


Nordlicht schrieb:
Mehr zu den instrumental- musikalischen Aktivitäten des Willy Astor und seines Projektes "Sound of Island" gibt es hier.

... wobei man noch dazuklugscheißern könnte, daß sein allererstes Album ("Modern Paradise", 1988) bereits ein reines Instrumental-Album war.
Ist aber leider nicht auf CD erhältlich.
Gruß
Skywise
dem das jedoch nix ausmacht, weil er zuhause natürlich die Vinyl-Ausgabe des Albums stehen hat ...
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