Wenn Liedermacher im Wahlkampf mitmischen...

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Wenn Liedermacher im Wahlkampf mitmischen...

#41

Beitrag von Skywise » Di 29. Sep 2009, 15:21


Helmut schrieb:
Reino schrieb:

Er hatte eben nicht die Macht, Dinge in seinem Sinn zu verändern, sondern hätte nur einen Machtkampf mit Schröder beginnen können. Er hatte nur drei Optionen: Krach machen und damit die SPD spalten, nachgeben oder zurücktreten.
Politk heißt Kompromisse schließen. Und damit hat er seine Unfähigkeit bewiesen, Politk zu machen.
Hmnja ... hätte nie gedacht, daß ich mal für Oskar eine Lanze breche, aber das Problem in diesem Fall lag in Schröders Politik, die ausgesprochen stark von den traditionellen Grundsätzen der SPD abgewichen ist. Und zwar so stark, daß man fast schon sagen kann, daß es in der sich anschließenden Zeit der großen Koalition kaum zu Reibungsverlusten zwischen CDU/CSU und SPD kam.
Kompromisse sollte man dann schließen, wenn man sich im Kern einig ist. Wenn aber nicht mal mehr die Basis Gemeinsamkeiten aufweist, dann sollte man es besser lassen. Wider besseres Wissen oder gegen das eigene Gewissen zu handeln und diese Handlungen später auch noch vertreten zu müssen, kann eine ziemlich undankbare Angelegenheit sein.
Was sollte aber ein demokratischer Sozialist in der SPD?
Für seine Ziele eintreten. Vielleicht aber auch erkennen, dass Politik kein Wunschkonzert ist, und man sich nur innerhalb des Machbaren bewegen kann.
Nicht vergessen: die SPD war zum Zeitpunkt des Austritts bereits längst nicht mehr dieselbe. Da haben schon viele Genossen vor Lafontaine ihren Hut genommen und haben sich zur WASG-Gründung aufgemacht oder sind später dazugestoßen. Olle Oskar bröckelte immer mehr die Basis weg, mit deren Hilfe er seine Ziele hätte verfolgen können.
Gruß
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#42

Beitrag von fille » Di 29. Sep 2009, 15:51

Skywise schrieb:
...daß es in der sich anschließenden Zeit der großen Koalition kaum zu Reibungsverlusten zwischen CDU/CSU und SPD kam.
Kompromisse sollte man dann schließen, wenn man sich im Kern einig ist. Wenn aber nicht mal mehr die Basis Gemeinsamkeiten aufweist, dann sollte man es besser lassen.

Ehrlich gesagt, ich fand die große Koalition gar nicht schlecht. Ich dachte, es wäre gut, wenn sie sich endlich mal zusammenfinden müssen und die Probleme miteinander anpacken. Die ganze Zankerei bringt doch nichts! Leider hat es nicht geklappt. Schade! Warum ist so schwer mal seine eigene Eitelkeiten außer Acht zu lassen und zusammen etwas zu vollbringen?
Amori schrieb:
..."Wossi-Kind"...

Bussi-Kind würde mir besser gefallen. :-D
Siegrun schrieb:
.... wie komme ich an Zement oder einen Kühlschrank ran ...

Na ja, solche Themen gab es bei uns auch. Wir wussten zwar, wie wir rankommen könnten. Nur konnte es nicht jeder bezahlen! Im Westen gab es alles. Nur nicht genügend Arbeitsplätze. Seit Mitte der 70-er gibt es doch zu wenig Arbeit in den alten Bundesländern. Wir wurden wechselweise von Schwarz und von Rot regiert. Auchmal von Rot/Gelb. Geändert hat sich nichts.
Freiheit ist halt immer auch die Freiheit der Andersdenkenden

Der Spruch ist gut. Aber die Freiheit wurde in der DDR bestimmt nicht groß geschrieben. Sonst hätten wohl nicht so viele ihr Leben riskiert, um in den Westen zu kommen.
Kurz vor dem Mauerfall habe ich mich mit einer ehemaligen Ostdeutschen unterhalten. Sie war ein paar Jahre vorher nach Bayern gekommen. Wie sie es geschafft hat, weiß ich nicht mehr. Ich sagte, dass die Mauer wohl bald falllen würde. Ihr Antwort: "Die Mauer. Die soll mal schön zu bleiben. Da drüben gibt es noch genug Betonköpfe, die immer noch Hurra schreiben. "
Liebe Grüße
von Marianne
einer "Andersdenkenden", die die Einheit Deutschlands sehr begrüßt hat und für die die alten Zeiten schon längst vorbei sind.
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#43

Beitrag von Helmut » Di 29. Sep 2009, 19:01

Zodiak schrieb
Genau - er ist so unfähig, dass seine Partei am Sonntag über 5 Millionen Zweitstimmen eingefahren hat.

Da kann ich dir nicht widersprechen. Aber diese Koalitionsunfähigkeit war ein Grund, warum trotz einer Mehrheit links der Mitte vor 4 Jahren Merkel Bundeskanzler wurde. toll, oder?
Was also nutzen diese 5 Millionen stimmen?
In dem Zusammenhang fällt mir wieder die Lösungslotterie von Wecker ein.
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#44

Beitrag von Carsten K » Di 29. Sep 2009, 21:43

Da musst du aber komische Leute gekannt haben!

Hallo Sigrun,
ja, das waren manchmal verdammt komische Leute, ungefähr genauso komisch wie ich selbst. Wahrscheinlich hab ich mich deswegen so gut mit ihnen verstanden... ;-)
Was diese Leute vielleicht von anderen unterscheidet, sind ihre "Westkontakte", u. a. zu mir. Und ich bin mit niemandem dieser Leute verwandt, sondern wir kannten uns und waren befreundet, weil sie und ich "Ost-West"-Begegnungsfreizeiten organisiert und durchgeführt haben, nämlich zwischen unseren jeweiligen freikirchlichen Jugendgruppen.
Das wurde von der BRD-Bundesregierung vergleichsweise hoch suventioniert, war aber nach DDR-Recht zumindest nicht ganz legal, und hätten wir solche Freizeiten offiziell beantragt (das wäre der legale Weg gewesen), wären sie mit ziemlicher Sicherheit abgelehnt worden. Die staatlichen Organe der DDR hätten unsere Freizeiten locker verhindern können, indem sie uns einfach die Visa verweigert hätten. Haben sie aber nicht, sondern haben unsere Freizeiten geduldet.
Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass es nicht aufgefallen wäre, wenn wir geschlossen mit 20 Jugendlichen aus Wuppertal (die demonstrativ so taten, als wären sie rein zufällig da und sich untereinander natürlich nicht kannten) am Grenzübergang standen, alle ausgestattet mit einem Visum für Privatbesuche bei Leuten, die nicht nur im selben Stadtteil wohnen, sondern auch der derselben freikirchlichen Gemeinde im selben Stadtteil angehören.
Wundert es Dich wirklich, wenn komische Wessis oder Ossis da auf die Idee kommen, dass sich die staatlichen Organe der DDR (in diesem Fall Mnisterium für Staatssicherheit) vielleicht dafür interessieren könnten? Es hat IMs in meinem Umfeld gegeben, da bin ich mir sicher (und sogar in meinem BRD-Umfeld), und ich kann nicht behaupten, dass ich nicht schon damals davon gewusst hätte.
Aber ohne dieses Bewusstsein, hätte es diese Freizeiten nicht gegeben, auch nicht ohne die Arbeit dieser IMs...
Auch wenn Du sie als "komische" Leute abtust, Sigrun, es gab auch in der DDR jede Menge Leute, die mehr im Kopf hatten, als sich ihren Zement oder Kühlschrank zu organisieren. Und um ein weiteres Klischée zu bedienen, ich habe keine einzige Banane in die DDR importiert, und meine Freunde hätten sich dagegen wohl auch verwahrt...
Liebe Grüße
cARSCHti
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#45

Beitrag von zodiak » Mi 30. Sep 2009, 10:43


Helmut schrieb:
Da kann ich dir nicht widersprechen. Aber diese Koalitionsunfähigkeit war ein Grund, warum trotz einer Mehrheit links der Mitte vor 4 Jahren Merkel Bundeskanzler wurde. toll, oder?


Es gab vor 4 Jahren keine Mehrheit links der Mitte. Die SPD ist spätestens seit Schröder eine von der Union nur noch in Nuancen unterscheidbare konservativ-neoliberale Mitte-Rechts-Partei. Deshalb wurde Mutti auch nicht gegen die SPD, sondern mit der SPD Kanzlerin.
Links der Mitte gibt es im neuen Bundestag nur eine Partei, die liegt bei 11,9 Prozent und heißt DIE LINKE. Die machen einstweilen sozialdemokratische Politik, bis das Original wieder identifizierbar an Deck ist. Nicht weniger, aber (leider) auch nicht mehr.
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Skywise
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#46

Beitrag von Skywise » Mi 30. Sep 2009, 11:31


fille schrieb:
Ehrlich gesagt, ich fand die große Koalition gar nicht schlecht. Ich dachte, es wäre gut, wenn sie sich endlich mal zusammenfinden müssen und die Probleme miteinander anpacken. Die ganze Zankerei bringt doch nichts! Leider hat es nicht geklappt. Schade! Warum ist so schwer mal seine eigene Eitelkeiten außer Acht zu lassen und zusammen etwas zu vollbringen?
Mir gefällt an einer großen Koalition grundsätzlich nicht, daß die Regierungskoalition übermächtig ist und gegen den bescheidenen und meistens sehr farbenreichen und wenig einigen Rest im Prinzip durchdrücken kann, was sie will. Umso leichter in Zeiten, in denen Parteibücher scheinbar die Gewissen der Abgeordneten ersetzen. In einer solchen Position kann man es sich dann auch mal erlauben, ein paar Sachen ein wenig schleifen zu lassen und sich auf [d]seinem dicken Hintern[/d] seinen eigenen Lorbeeren auszuruhen - gibt ja niemanden auf der anderen Seite, der einem in den Arsch tritt und Vorschläge unterbreiten kann, die man in der Öffentlichkeit auch wahrnimmt. Man kann ja nicht gerade behaupten, daß die Oppositionsparteien in den vergangenen Jahren in der Presse wirklich stattgefunden hätten.
Ich hab's lieber, wenn sich Regierung und Opposition auf einen gemeinsamen Weg einigen. Und wenn die Opposition nicht immer grundsätzlich "nein" sagen würde, sobald die Regierung "ja" sagt (oder umgekehrt), wäre das bestimmt auch häufiger der Fall. So richtig reibungslos scheint das ja auch nur bei Diätenerhöhungen zu funktionieren ...
Gruß
Skywise
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#47

Beitrag von Gesch » Mi 30. Sep 2009, 11:40

Moin zusammen,
also das Dumme ist doch, dass die Links-Partei nur die linken Backen aufbläst und dann so lautstark tut, als könne sie tatsächlich "linke" Politik "machen", aber dazu mangels Mehrheit nirgends die politische Gestaltungskraft hat. Dies als Beobachter oder mehr noch Sympathisant hinzunehmen erfordert freilich Einsicht in die normative Kraft des Faktischen.
Und wer meint, es sei eh alles rechts, was rechts neben der Linkspartei ist, weist vielleicht damit die Notwendigkeit auf, mal wieder die Definitionsfrage zu stellen, was eigentlich "links" und "rechts" heißen soll, und ob nicht inzwischen "vorne" und "hinten" wichtiger ist, wenns darum geht, "oben" zu bremsen und "unten" nicht zu drangsalieren.
Interessant ist dann doch auch, von wem die haltbaren Versprechen und umsetzbaren Angebote gemacht werden, auf die es jedem einzelnen unterschiedlich ankommt: Freiheitsrechte zum Beispiel sind für manche wichtiger, als die gleichzeitigen "linksparteiischen" Wahlkampfparolen "Reichtum für alle" und "Reichtum besteuern". Die hingen beide in schönster Wähler verdummenden Widersprüchlichkeit in der Nähe von Bahnhof Friedrichstraße in Berlin, wo ich gerade in Ausübung meines Hauptberufs wegen der Wahl gewesen bin.
Mich treibt - als Wähler und politischer Mensch, der sich im politischen Journalismus seinen Lebensunterhalt verdient und gesellschaftliche und politische Vorgänge gelegentlich auch zu kommentieren hat, gleichzeitig aber seit Ende der eigenen Schulzeit auch als politischer Liedermacher versteht - im Zusammenhang mit den nun registrierbaren Verwerfungen bei der SPD eine polit-hygienische Frage um:
Wie viel Nähe kann man ohne Glaubwürdigkeitserosion zu einer Partei suchen, in der es - verglichen mit den anderen Parteien - vor Stasi-IMs doch offenbar nur so wimmelt, die ein System gestützt haben, das - nicht nur, aber auch - einen Gerulf Pannach oder Jürgen Fuchs letztlich unter die Erde gebracht hat und deren Nachfahren nun so tun, als ob sie inzwischen vor lauter Trällerei feiner Liedchen (wie die brandenburgische Spitzenkandidatin der Linkspartei...) kein Wässerchen mehr trüben könnten.
Gerade zu diesem Thema und dem Thema des Threats kann ich als Liedermacher ein garstig politisch Liedlein beisteuern, das ich unter dem Eindruck der erfolgreich gewendeten Westenweißwäscher Anfang der 90er geschrieben habe:
Komm se raus...
http://www.youtube.com/user/gerdschinkel#play/all/uploads-all/1/pElVv56qlus
viel Vergnügen
herzlich
Gerd




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Eh man sich erholt, bleibt keine Zeit auszuruhn,
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#48

Beitrag von Helmut » Mi 30. Sep 2009, 17:20


zodiak schrieb:
Links der Mitte gibt es im neuen Bundestag nur eine Partei, die liegt bei 11,9 Prozent und heißt DIE LINKE.
Jetzt kenn ich mich aus: Dort wo du stehst, rammst du den Nullpunkt deines politischen Koordinatensystems in den Boden.
Vor Jahren rammte FJS seinen Nullpunkt bei Rott am Inn in den Boden. Seitdem hab ich mich irrtümlicherweise für links gehalten.
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#49

Beitrag von amori » Mi 30. Sep 2009, 20:36

Jetzt kenn ich mich aus: Dort wo du stehst, rammst du den Nullpunkt deines politischen Koordinatensystems in den Boden. Vor Jahren rammte FJS seinen Nullpunkt bei Rott am Inn in den Boden. Seitdem hab ich mich irrtümlicherweise für links gehalten.

Heeeeelmuuuut,
super Formulierung. Aber ich habe sie nicht verstanden. Ich will auch nicht so tun, als ob. Und dumm sterben schon gar nicht.
Also dachte ich mir so: Fräg den Helmut mal, frägen kost nix. :-D
Die 99,9% die es verstanden haben, dürfen es mir aber auch gerne erklären.
Lieben Dank und Gruß
Annette
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#50

Beitrag von fille » Mi 30. Sep 2009, 20:58

Heeeeelmuuuut,
super Formulierung. Aber ich habe sie nicht verstanden.

Also - ich glaube, wenn man im Süden steht ist Tuntenhausen links von Rott am Inn und wenn man im Norden steht .... rechts.
Wenn man von München schaut, liegt Tuntenhausen vor Rott am Inn und wenn man von Salzburg schaut ... davor.
Äh......oder wie war das gemeint? :gruebel: Nein Tuntenhausen liegt südwestlich von Rott am Inn ....
Nur zur Info - der Wahlkreis vom Franz Josef war mein Heimatlandkreis und der liegt vom Süden ausgesehen ziemlich links in Bayern.
Marianne
und weg
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#51

Beitrag von Helmut » Mi 30. Sep 2009, 21:27

Nee, liebe Annette,
dumm sterben sollst du nicht.
Also, wenn Zodiak nur das als links gelten lässt, was er darunter versteht, dann bin ich ein Rechter. (Nebenbei, in dem Fall bin ich darauf sogar ein klein Wenig stolz)
Andererseits behauptete Strauß politisch in der Mitte zu stehen, also bin ich von ihm aus gesehen ein Linker. Den Ortsnamen, der eigentlich nur für erzkonservativ steht, kannst du ignorieren.
Es ist das Problem, das ich schon beim LT09 als Gedicht vorgetragen habe:
Für die Linken bin ich rechts, für die Rechten bin ich links
Und somit sitz ich zwischen allen Stühlen, mitten im Fettnäpfchen.
Nachzulesen unter
Stühle
Bist du jetzt schlauer?
Eigentlich ganz einfach, oder
Grüße
Helmut
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Angela
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Wenn Liedermacher im Wahlkampf mitmischen...

#52

Beitrag von Angela » Mi 30. Sep 2009, 23:02


amori schrieb:
super Formulierung. Aber ich habe sie nicht verstanden.

Liebe Annette,
es kommt alles auf den eigenen Standpunkt an: Für die Schweizer z. B. liegt Deutschland im Norden, für die Dänen im Süden. Genauso ist es in der Politik eben auch, nur eben mit Rechts, Links und Mitte.
Gruß Angela
@Helmut: Super Gedicht. Schreibst Du selbst Gedichte?
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Tanzen tut das Herz - die Füße tragen uns nur. (Unbekannt)
Ich lobe den Tanz, denn er befreit den Menschen
von der Schwere der Dinge. (Augustinus)

:yeah:

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#53

Beitrag von Petra » Do 1. Okt 2009, 00:04

Hallo Angela,

@Helmut: Super Gedicht. Schreibst Du selbst Gedichte?

kennst Du etwa nicht den berühmten Kabarettisten Helmut Pritschet aus Transvesting? In Wirklichkeit stammt er aus dem ebenso berühmten Tuntenhausen, nach dem neulich sogar bei Wer wird Millionär? gefragt wurde.
Viele Grüße von Petra
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Man würde nie mehr Waffen schärfen,
wenn man folgendes bedenkt:
Es braucht die Flinte nicht ins Korn zu werfen,
wer sie beizeiten an den Nagel hängt!
(Christian Grote - Chrizz)

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#54

Beitrag von Helmut » Do 1. Okt 2009, 00:13


Angela schrieb:
@Helmut: Super Gedicht. Schreibst Du selbst Gedichte?

Liebe Angela
freut mich, wenns gefallen hat.
Meine Bekannten behaupten, ich hätte mich da gut getroffen.
Früher hab ich mehr geschrieben, schon seit Längerem nichts mehr.
Les dich doch einfach mal durch Transvesting (zur Zeit fallen die Zugriffszahlen ohnehin dramatisch). 99% der Seite sind von mir. Es ist das Ergebnis mehrerer Kabarettprogramme. Es sind auch Gedichte dabei, die ich vor langer Zeit geschrieben und in meine Programme eingebaut hab.
Zur Zeit hab ich viel Arger mit der Schule, da küsst mich die Muse nicht.
Liebe Grüße
Helmut
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#55

Beitrag von petitoiseau » Do 1. Okt 2009, 00:14

Das ist wirklich ne Bildungslücke....
So ist das, wenn man noch nicht auf einem LT war :-D
Lieben Gruß
Andrea :piep:
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#56

Beitrag von Reino » Do 1. Okt 2009, 00:46


Gesch schrieb:
Freiheitsrechte zum Beispiel sind für manche wichtiger, als die gleichzeitigen "linksparteiischen" Wahlkampfparolen "Reichtum für alle" und "Reichtum besteuern". Die hingen beide in schönster Wähler verdummenden Widersprüchlichkeit in der Nähe von Bahnhof Friedrichstraße in Berlin
Abgesehen von der Duchführbarkeit dieser Forderungen: Die ständig wiederholte Behauptung von der Widersprüchlichkeit halte ich für kultivierte Denkschwäche. Selbstverständlich sollen möglichst alle Erwerbstätigen in Deutschland Steuern zahlen können. Auch wenn alle reich werden, sollen sie doch selbstverständlich Steuern zahlen, und wenn sie eh schon reich sind, ruhig etwas mehr.
Der FDP wird ja auch nicht unterstellt, "weniger Steuern" hieße "weniger Einkommen" (was ja ohne Änderung der Steuergesetzgebung zu weniger Steuern führt).
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#57

Beitrag von Gesch » Do 1. Okt 2009, 07:00

Die "Reichtum für alle"-Forderung halte ich für ebenso aufrichtig und realisierbar wie die nach Sonnenschein an jedem 1. Mai... aber es liegt wohl in der Natur der Denkschule dieser "Realpolitiker" der realsozialistischen Prägung, andere für denkschwach zu halten, die nicht ihre Meinung teilen. So nähert man sich natürlich bündnisfrei rasant der zur Durchsetzung solch attraktiver Forderungen nötigen absoluten Mehrheit hierzulande (und natürlich auch hierzuwasser...)
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#58

Beitrag von Rex2005 » Do 1. Okt 2009, 07:17

Wahlkampfparolen "Reichtum für alle" und "Reichtum besteuern". Die hingen beide in schönster Wähler verdummenden Widersprüchlichkeit in der Nähe von Bahnhof Friedrichstraße in Berlin

So läuft es mit Parolen! Wer sich mit beiden auseinandergesetzt hätte, hätte gewusst, das hinter "Reichtum für alle" - das Recht bzw gleiche Chancen aller auf Bildung, Kultur etc. steht und "Reichtum besteuern" nur auf den schnöden Mamon abzielt.
Parolen wie "Wir haben die Kraft" kann von der CDU ja wohl auch nur kabaretistisch gemeint sein :-D

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#59

Beitrag von Gesch » Do 1. Okt 2009, 07:36

neenee, das war schlicht gelogen, denn die nordrhein-westfälischeSPD-Landesvorsitzende hat noch nicht das Parteibuch gewechselt und schon gar nicht gegen ein schwarzes eingetauscht...

Rex2005 schrieb:
Parolen wie "Wir haben die Kraft" kann von der CDU ja wohl auch nur kabaretistisch gemeint sein :-D




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#60

Beitrag von zodiak » Do 1. Okt 2009, 20:39

Hallo Gerd,

Gesch schrieb:
also das Dumme ist doch, dass die Links-Partei nur die linken Backen aufbläst und dann so lautstark tut, als könne sie tatsächlich "linke" Politik "machen", aber dazu mangels Mehrheit nirgends die politische Gestaltungskraft hat. Dies als Beobachter oder mehr noch Sympathisant hinzunehmen erfordert freilich Einsicht in die normative Kraft des Faktischen.

Nun ja – welche Backen sollte die Linke deiner Meinung denn aufblasen? Wenn du auf den Bund anspielst, so muss sie als kleine Fraktion/Partei die Backen schon mächtig aufblasen, um wahrgenommen zu werden. Dein Demokratieverständnis gibt mir allerdings Rätsel auf: Du meinst also, solange eine Partei keine Mehrheiten hat, sollte sie lieber bitteschön die Klappe halten? Hast du in der Entstehungszeit der Grünen auch so argumentiert?
Man muss nicht die normative Kraft des Faktischen bemühen, es reicht ein Blick ins Saarland, nach Brandenburg oder nach Thüringen, wo entsprechende Mehrheiten möglich sind bzw. waren.
Gesch schrieb:
Und wer meint, es sei eh alles rechts, was rechts neben der Linkspartei ist, weist vielleicht damit die Notwendigkeit auf, mal wieder die Definitionsfrage zu stellen, was eigentlich "links" und "rechts" heißen soll...

Tut mir leid, ich kann leider momentan zu keiner anderen Einschätzung kommen. Spätestens seit Schröder, der seine milliardenschweren Steuergeschenke an die Wirtschaft „unten“ wieder reingeholt und ohne Not den Sozialstaat gleich für Union und FDP mit neu definiert hat, ist das linke Selbstverständnis der SPD für mich (und offensichtlich für viele andere auch) zur Farce verkommen. Schau dir nur die Situation alleinerziehender Mütter an, die drastisch gestiegene Kinder- und Jugendarmut und den Andrang bei den „Tafeln“ – wer angesichts der Folgen dieser gegen ihr ureigenes Klientel gerichteten strukturellen SPD-Politik links und rechts neu definieren will, betreibt aus meiner Sicht Augenwischerei.
Gesch schrieb:
...und ob nicht inzwischen "vorne" und "hinten" wichtiger ist, wenns darum geht, "oben" zu bremsen und "unten" nicht zu drangsalieren.

Das erinnert mich irgendwie an die Politik der Frau Merkel: Oben gerade so viel bremsen, dass die Unternehmerverbände nicht allzu sehr murren, unten nicht zu arg quälen, damit keine Autos brennen.
Richtig und nötig wäre es aber, nach oben hin klare Kante zu zeigen und eindeutige Grenzen zu setzen, und unten eine armutsfreie Lebensperspektive zu schaffen. Dass das in einem der reichsten Industrieländer der Welt ohne weiteres möglich wäre, wird niemand bestreiten – dazu müsste lediglich ein bisschen Geld umverteilt werden, aber eben das ist politisch (auch von der SPD) nicht gewollt.

Gesch schrieb:
Interessant ist dann doch auch, von wem die haltbaren Versprechen und umsetzbaren Angebote gemacht werden, auf die es jedem einzelnen unterschiedlich ankommt: Freiheitsrechte zum Beispiel sind für manche wichtiger, als die gleichzeitigen "linksparteiischen" Wahlkampfparolen "Reichtum für alle" und "Reichtum besteuern". Die hingen beide in schönster Wähler verdummenden Widersprüchlichkeit in der Nähe von Bahnhof Friedrichstraße in Berlin, wo ich gerade in Ausübung meines Hauptberufs wegen der Wahl gewesen bin.

Nach meinem Verständnis gehören zur einer politischen Programmatik umsetzbare Angebote ebenso wie das Formulieren von Visionen. Unsere sozialen Errungenschaften wie das Verbot von Kinderarbeit, das Frauenwahlrecht oder der Achtstundentag wurden allesamt aus zunächst utopisch scheinenden Visionen geboren, für die zahllose Menschen in die Politik, auf die Straßen und in die Gefängnisse gegangen sind.
Ganz anders Steinmeier: Ausgestattet mit dem Esprit eines Büroleiters, die Agenda, die Hartz-Gesetze, die Rente mit 67 und den Ratschlag seines Altkanzlers Schmidt, man solle bei Visionen einen Arzt aufsuchen, im Gepäck, hat der SPD-Spitzenkanditat sein Publikum dermaßen schräg entertaint, dass es entweder Links gewählt hat oder am Wahltag gleich daheim geblieben ist. Man traut ihm die souveräne Bedienung einer Hänge-Registratur zu, aber ansonsten steht er für all das, was sozialdemokratische Politik schleunigst hinter sich lassen sollte, will sie denn in absehbarer Zeit noch mal jenseits des Kabaretts punkten.
Die von interessierten Kreisen seit Monaten in jedes Talkshow-Mikro geblökte Behauptung von der „Wähler verdummenden Widersprüchlichkeit“ der beiden Wahlplakate wird auch durch abermaliges Wiederkäuen nicht richtiger. Millionen Linke-Wählerinnen und -wähler haben offenbar verstanden, dass mit „Reichtum für alle“ nichts anderes als eine dringend angezeigte Verteilungsgerechtigkeit gemeint ist - eine Forderung, die übrigens inzwischen selbst von den nicht gerade als revolutionär verschrieenen kirchennahen Verbänden mit den Slogans „Gutes Leben für alle“ und „Lasst euch nicht verarmen“ geteilt wird.
Besser wäre sicherlich der Slogan „Wohlstand für alle“ gewesen, aber darauf hat der CDU-Altvordere Ludwig Erhard das Copyright, dessen Thesen von der sozialen Verantwortung der Unternehmer inzwischen bei der Union zum linksradikalen Gedankengut gehören dürften. Und wer einen Blick auf den Spitzensteuersatz, auf den Kondensstreifen der nicht mehr erhobenen Vermögenssteuer oder auf den lächerlich geringen Abgeltungssteuersatz wirft, der könnte schon mal mit der Linken auf die Idee kommen, dass „oben“ vergleichsweise wenig gezahlt wird.
Interessant ist dann doch auch, von wem in diesem Zusammenhang die gebrochenen Versprechen kommen – wie war das noch mit der Mehrwertsteuer vor und nach der Wahl 2005?
Gesch schrieb:
Wie viel Nähe kann man ohne Glaubwürdigkeitserosion zu einer Partei suchen, in der es - verglichen mit den anderen Parteien - vor Stasi-IMs doch offenbar nur so wimmelt, die ein System gestützt haben, das - nicht nur, aber auch - einen Gerulf Pannach oder Jürgen Fuchs letztlich unter die Erde gebracht hat und deren Nachfahren nun so tun, als ob sie inzwischen vor lauter Trällerei feiner Liedchen (wie die brandenburgische Spitzenkandidatin der Linkspartei...) kein Wässerchen mehr trüben könnten.

Och, ich habe schon schlechtere politische Songs als die von Kerstin Kaiser und Jörg Kokott gehört. Eine Glaubwürdigkeitserosion droht aus meiner Sicht eher den (zumeist westdeutschen) Zeitgenossen, die in Ermanglung inhaltlicher Argumente die Linke pauschal zu einer Partei der IMs abstempeln und damit Hardlinern wie Hubertus Knabe in die Hände spielen, der mit seiner schlichten These vom „Unrechtsstaat DDR“ im Handstreich mal eben 16 Millionen Ost-Biografien vereinnamt.
Ob es in der Linken „vor Stasi-IMs doch offenbar nur so wimmelt“ ist überdies eine Mutmaßung, mit der ich als Journalist vorsichtig umgehen würde. Es ist keine Frage, dass vom repressiven Apparat der Staatsicherheit furchtbare Verbrechen begangen wurden, aber wir wissen heute auch, dass zahllose Bürger ohne ihr Wissen und Zutun als IMs geführt wurden. Um den Wahrheitsgehalt deiner Behauptung zu überprüfen, müsste man erstens Identitäten zweifelsfrei klären und zweitens begangenes Unrecht nachweisen – beides dürfte in den allermeisten Fällen heute wohl kaum mehr möglich sein.
Bei 100.000 Stasi-Hauptamtlichen und über 100.000 IMs ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass viele nicht nur in der Linken, sondern auch in anderen Parteien sowie im öffentlichen Leben (in Verbänden, Vereinen, Schulen und Behörden) generell gelandet sind. So what? Auch das gehört zur Geschichte dieses Landes, es muss und wird von der Gesellschaft ausgehalten werden. Deine Argumentation gleitet mir zu sehr in die Formel LINKE = DDR = STASI ab, die Reduzierung der Linken auf eine Stasi-Horror-Partei ist genau so falsch wie die oft damit verbundene Reduzierung der DDR auf ein Stasi-Horror-Regime, in dem es ausschließlich Täter gab. Adornos „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“ ist dort aber millionenfach widerlegt worden und ganz unopportunistisch zitiere ich mal Lothar de Maizière, der im Zusammenhang mit den Vorgängen um den sächsischen Ministerpräsidenten Tillich kürzlich gesagt hat, dass endlich Schluss damit sein müsse, dass das Seelenleben der Ostdeutschen von Westdeutschen beurteilt wird, dass er es anmaßend finde, von denjenigen, die dieses Leben nicht gelebt haben, beurteilt zu werden, und dass er sein Selbstwertgefühl keinesfalls aus der Beurteilung durch einen Westdeutschen beziehe. Dem ist aus meiner Sicht nichts hinzuzufügen.

Da nicht anzunehmen ist, dass sich die Menschen im Osten die Mauer, Erich und die Stasi zurückwünschen, muss es wohl an den aktuellen Inhalten liegen, dass die Linke bei der zurückliegenden Bundestagswahl beispielsweise in Sachsen-Anhalt und Brandenburg stärkste politische Kraft geworden ist.
Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den polarisierenden Thesen der Linken sucht man bei dir, wie übrigens auch in der Sozialdemokratie, leider vergebens - schade.
Man behält es seit 20 Jahren aus guten Gründen für sich, dennoch würde ich gern wissen, wie viele SED-Mitglieder und wie viele der zuletzt 469.000 Personen starken Blockparteien der CDU und der FDP nach 1989 beitraten. Das herauszufinden, wäre doch mal eine echt investigative journalistische Aufgabe.
Gruß
*zodiak*

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