Simon & Jan im 'Jubez' in Karlsruhe

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Petra
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Simon & Jan im 'Jubez' in Karlsruhe

#1

Beitrag von Petra » Mo 22. Apr 2013, 19:15

Am vergangenen Donnerstag musste ich Skys wöchentliche Radiosendung schwänzen. Und er hatte selbst Schuld daran. In der Woche davor hatte Skywise in seinem Radio Plattenbau die neue CD von Simon & Jan vorgestellt. Ich hatte schon öfter von den beiden gehört, beim letzten Bardentreffen hätte ich sie sogar beinahe gesehen, aber leider traten sie zeitgleich mit Uta Köbernick auf. Aber Helmut war dort und war sehr angetan.
Im Chat von Radio Plattenbau waren wir uns einig, dass die CD Der letzte Schrei – live überaus hörenswert ist. Ich wusste, dass das Duo im Norden beheimatet ist und schaute kurz nach dem Terminkalender – und siehe da: diesen Donnerstag gastierten sie in Karlsruhe, gerade mal 80 km von hier. Ein zweites Mal wollte ich mir das nicht entgehen lassen und besorgte mir eine Eintrittskarte.
Karlsruhe hatte ich nicht in guter Erinnerung und auch dieses Mal war es kein reines Vergnügen. Das Jubez liegt in der Fußgängerzone, das Navi konnte mich also nicht bis zum Ziel bringen. Auf der Suche nach einem Parkplatz fand ich mich ständig entweder auf dem Campus, in der Fußgängerzone oder in Gebieten, die nur für Anlieger zugänglich sein sollen. Endlich entdeckte ich ein öffentliches Parkhaus und gleich nach dem Eingang auch jede Menge Frauenparkplätze. Um nachts gleich Bescheid zu wissen, sah ich mich jetzt schon nach einem Kassenautomaten um. Es gab nur einen und zwar am komplett anderen Ende des Parkhauses. Gut gemacht, Karlsruhe, da irren die Frauen wenigstens eine Weile im Gebäude herum. :-?
Glücklicherweise hatte ich genügend Zeit vorgesehen, sodass ich eine halbe Stunde vor Einlass vor Ort war. Die Veranstaltung war vom großen Saal ins Jubez-Café verlegt worden, anscheinend war der Andrang nicht so groß wie erhofft. Es gab auch einen Hinweis: Eingang auf der Brücke. Auf einer Brücke? :-o Ich musste mich durchfragen, und als ich endlich ankam, war ich etwas entnervt, aber es war immer noch genug Zeit, um wieder zu entspannen. Das Konzert fand nicht direkt im Café statt, sondern es gab da einen Raum mit Bühne, einem Scheinwerfergeschwader und Riesenboxen.
Die Zuhörer konnten an Bistro-Tischen Platz nehmen, aber der Raum füllte sich nur sehr zögerlich. Als ich schon dachte, es bliebe bei 15 Gästen, kam kurz vor Beginn doch noch Leben in die Bude und ich zählte etwa 40 Personen.
Mit leichter Verspätung betraten Simon und Jan die Bühne, wo bereits zwei Stühle und zwei Gitarren bereit standen. Offenbar waren sie hier keine Unbekannten, was ich aus der Begeisterung schloss, mit der sie begrüßt wurden. Simon hat lange Rastalocken, Jan trägt auf kurzen Haaren seine obligatorische Mütze. Jan begann die Anmoderation in leicht bedröppeltem Tonfall, man meinte ständig, ihn bedauern zu müssen. Diesen Stil hielt er bis zum Schluss durch, aber aus diesem Hinterhalt schossen sie ihre Pfeile ab. Über das Programm kann ich nicht viel berichten, dafür bin ich zu wenig mit dem Repertoire vertraut, nur so viel: Sie sind zweifellos Liedermachings. Wer bei Wörtern wie 'Ärsche' und 'Titten' zusammenzuckt, sollte zu Hause bleiben, wer härter im Nehmen ist, kann sich auf einen vergnüglichen Abend freuen. Das Jubez hatte angekündigt: 'Simon & Jan – Liedermaching oder Kabarett?' Als Kabarett würde ich das nicht bezeichnen, aber es wurde fleißig auf der Bühne experimentiert. Im Nachhinein meine ich, einige Gesetzmäßigkeiten zu entdecken:
Es gab mehrere Miniaturen, ich glaube, die waren alle aus dem Zyklus 'Genitalien auf Abwegen'. Und es wurde mehrmals eine Loop-Station eingesetzt, ich glaube, das war jeweils bei den Briefen aus dem Jenseits. Man stelle sich vor, die beiden bekommen öfter mal Briefe aus dem Jenseits; drei davon hatten sie vertont und als Beweisstücke auch mitgebracht. Der erste kam von Gottfried Wilhelm Leibniz. Dementsprechend wurde u. a. das knuspernde Geräusch in die Loop-Station eingespeist, das entsteht, wenn man an einem Keks abbeißt. Der zweite war eine Flaschenpost, abgeschickt von Robinson Crusoe, sogar die Flasche hatten sie dabei. Und der dritte kam per Luftpost von Jürgen Möllemann. Letzteres erschien mir etwas makaber. Jan las aus dem Brief vor, dass es bald eine Biographie 'Ich zieh Leine' geben wird. Und im PS stand die ausdrückliche Erlaubnis, dass Simon & Jan diesen Brief vertonen dürfen. Na, da sind sie ja auf der sicheren Seite ... ;-) Ein weiteres Geräusch für die Loop-Station wurde erzeugt, indem Simon seine Gitarrensaiten mit einem Violinbogen strich. Dabei verfing sich der Bogen in seinen Rastalocken, was Jan zu der Äußerung animierte: "Habt Ihr schon mal jemanden mit so einer Frisur Violine spielen sehen? Jetzt wisst Ihr, warum nicht." :-D
Schon bald nach Beginn des Konzertes spielten sie das Stück, das bei mir den stärksten Eindruck hinterlassen hat: Wolfgang. Der Text ist in Ich-Form geschrieben und wir erfuhren, dass Wolferls wirkliche Leidenschaft die Gitarre war, am Klavier saß er nur auf nachdrücklichen Wunsch des Vaters. Als Beweis bot uns Simon das Rondo Alla Turca. Dafür braucht man schon am Klavier flinke Fingerchen, aber auf der Gitarre ist es eine echte Herausforderung.
Das Zusammenspiel der beiden ist ausgefeilt. Hauptsänger ist Jan, aber manchmal singen sie gemeinsam schnelle Texte und sind auch dabei sehr exakt. Insgesamt ist das Tempo ihrer Lieder eher mäßig, Partykracher sind nicht dabei, aber dafür ist oft Aufmerksamkeit und Hinhören angesagt.
Zum Konzertende gab es großen Jubel und zwei/drei Zugaben, während der Simon die Gitarre auch mal akrobatisch hinter dem Kopf spielte. Die Fingerakrobatik bei Wolfgang fand ich trotzdem beeindruckender. Auch wenn ich Karlsruhe nicht so sehr mag, der Besuch hat sich auf jeden Fall gelohnt. In der Pause hatte ich mir die CD gekauft, mein eigener Eindruck und die Besprechung im Radio Plattenbau hatten mich dazu bewogen. :-)
Viele Grüße von Petra
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#2

Beitrag von Viktor » Mi 24. Apr 2013, 09:55

Hallo Petra,
danke für diesen tollen ausführlichen Bericht :-)
Ich mag die beiden sehr und muss sagen, du hast den Stil und die Vortragsweise perfekt auf den Punkt gebracht...
Ich selbst habe Simon & Jan vor ca. 5 Jahren zum ersten Mal gesehen, nämlich als Vorprogramm von den Monsters of Liedermaching, seit dem noch weitere Male bei Götz Widmann Konzerten, aber in den Genuss eines abendfüllenden Programms war ich noch nie gekommen..... bis sie Anfang des Monats hier in Kiel im Prinz Willy spielten!
Dort gaben sie ein schönes Konzert, das für mich (ich habe durchgezählt, hehe) jeweils genau zur Hälfte aus Songs, die ich schon kannte, und mir unbekannten bestand.
Ich hatte zwei Kumpels mitgeschleppt, die normalerweise solche Musik nicht bevorzugen, aber durch den Humor-Faktor waren die auch sehr schnell begeistert.
In Kiel gingen beide Konzerthälften je "nur" knapp 45 Minuten, denn dann war 22 Uhr überschritten und das Konzert musste beendet werden. Nach Verhandlung mit dem Veranstalter bekamen wir noch 2 unplugged Coversongs (Arsch, Joint Venture + Ahoi, Wolfgang Müller) als Zugabe. Das war auch ganz charmant - applaudiert haben wir dann nach Art der Taubstummen, um ganz leise zu bleiben und dem Veranstalter nicht noch mehr Grund zur Aufregung zu geben ;-)
Auch wenn das ein runder Abend war, hatte ich doch das Gefühl, "Der letzte Schrei - volles Programm", wie es inder Ankündigung hieß, war es nicht ganz. (Zumal, fiel mir im nachhinein auf, der namengebende Song gar nicht gespielt wurde, haha...) Dank deinem Bericht, Petra, weiß ich jetzt, dass die beiden in der Tat noch einiges mehr im Repertoire haben (z.B. gabs im Prinz Willy nur einen der Briefe aus dem Jenseits, nämlich Möllemann) - und so kann ich mich einfach mehr auf das nächste Konzert freuen.
Schöne Grüße
Viktor
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#3

Beitrag von Petra » Mi 24. Apr 2013, 14:33

Hallo Viktor,

In Kiel gingen beide Konzerthälften je "nur" knapp 45 Minuten, denn dann war 22 Uhr überschritten und das Konzert musste beendet werden.

ohje, so etwas ist immer schade. In Karlsruhe fing das Konzert um 20:30 h an und dauerte so ungefähr bis 23 h, dazwischen eine Pause in der üblichen Länge, auf die Uhr habe ich da nicht geschaut.

Coversongs (Arsch, Joint Venture + Ahoi, Wolfgang Müller) als Zugabe.

Unter den Zugaben war bei uns auch ein Coversong und zwar Kassettenrecorder von Rainald Grebe.
Lärmen durften wir, die beiden forderten gegen Ende sogar ausdrücklich dazu auf und es wurde reichlich genutzt.
Viele Grüße von Petra
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