Schubladendenken

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Marc
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Schubladendenken

#1

Beitrag von Marc » Di 19. Aug 2003, 19:41

Hallo zusammen!
Als ich vor ein paar Tagen in die Musikabteilung eines Musikgeschäftes ging um mir eine CD von Konstantin Wecker („Vater Land“) und eine von Reinhard Mey („Hergestellt in Berlin“) zu kaufen, schaute mich die Verkäuferin an der Kasse mit wirrem Blick an und meinte, wie ich so viel Geld für solche Musik ausgeben könnte („Und dann für Reinhard Mey!“). Ich schaute sie verwirrt an und fragte, was sie denn für Musik hören würde, doch da war sie schon mit dem nächsten Kunde der Schlange hinter mir beschäftigt. Mich hat die Situation mehr zum Schmunzeln als zum Ärgern gebracht. Allerdings musste ich mich wieder an den Kommentar einer Freundin erinnern, die mal meinte „Solange Marc nicht auch noch den ‚Musikantenstadl’ anschaut!“. Der Satz hingegen brachte mich schon eher zum (Ver-)zweifeln. Mich ärgert es zugegeben, wenn ich mit meinem Musikgeschmack so missverstanden werde. Wie geht es euch in solchen Situationen? Seht ihr darüber hinweg? Ringt ihr mit Erklärungen? Für mich ist die Musik von Mey oder Wecker viel mehr als Schlager. Ich habe mal gesagt, dass Schlagersänger ihre Stimme für Musik oder Lieder prostituieren, die sie nicht selbst empfinden. Das ist bei Liedermachern meiner Meinung nach anders. Mein Musikgeschmack ist mitunter ernst, nachdenklich, sehr poetisch, vielleicht auch „wertvoller“. Auf jeden Fall nachhaltiger. Lieder, die nicht erst dann gut sind, wenn sie gute Stimmung machen. Für mich ist ein Lied dann ein gutes, wenn ich darüber grübeln kann, wenn ich über eine Liedzeile sagen kann: „Mensch, ist das gut ausgedrückt! So empfinde ich das auch!“. Gerade die Lieder von Wecker regen mich zum Nachdenken an. Tut das „Schlager“? Wie blöd doch diese Schubladen bei uns im Lande sind!
Wie erklärt oder beschreibt ihr euren Freunden euren Musikgeschmack? Könnt ihr getrost darüber hinwegsehen, wenn ihr in eine falsche „Schublade“ gesteckt werdet?
Viele Grüße von Marc
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Charlotte
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#2

Beitrag von Charlotte » Mi 20. Aug 2003, 11:52

Guten Morgen, Marc!
Da ich schätzungsweise mindestens 20 Jahre älter bin als du, und somit mein Freundeskreis weitgehens auch dieser Alterssparte angehört, habe ich kaum Probleme. Musik spielt, wenn wir zusammen sind keine große Rolle und wenn wir feiern, da bin auch ich dann mehr ein Fan flotterer Stimmungsmusik. Zu dem Thema fällt mir dann gerade eine Bemerkung meiner 15jährigen Tochter ein, die meinte einer ihrer Freunde hätte eine fürchterliche CD von einem Hermann!! Damit was natürlich Hermann van Veen gemeint. Ein anderer Freund fand meine CD-Sammlung von RM gut und unter anderem ist bei denen Annabell sehr beliebt.
Viele Grüße
Charlotte
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Nordlicht
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#3

Beitrag von Nordlicht » Mi 20. Aug 2003, 22:27

Hallo, Marc !
"Schubladendenken" ist - nicht nur in musikalischer Hinsicht - eigentlich doch immer von übel, oder ? Dennoch hat diese Weltsicht viele Anhänger, schließlich ist es doch so bequem...
Für mich gibt es - und das schon seit der Zeit, als ich begann, mich mit Musik ernsthaft auseinanderzusetzen - eigentlich nur 2 Arten von Musik: gute und schlechte. Ich gebe zu, daß das natürlich auch Ansätze einer Schublade hat, aber es ist dann doch wohl die "kleinstmögliche" Schublade, zumal das zugegebenermaßen eine sehr subjektive Empfindung sein muß.
Übrigens: wenn mich eine Verkäuferin SO anreden würde, wie Du das beschrieben hast, würde ich sie zunächst einmal fragen, ob evtl. das Leibchen zu eng ist oder sie einen nassen Hut trägt. Und dann würde ich ihr sicher irgendwie erläutern, daß auch mein "auffälliger" Musikgeschmack letztlich dazu beiträgt, daß sie sich des Morgens noch ein Brötchen nebst Frühstücks- Ei leisten kann. Na ja, es gibt schon putzige Menschen...
Viele liebe Grüße aus dem norddeutschen Lübeck (Schublade: sture Leute...),
ANDREAS.

(...der zur Zeit eine geprellte Hand hat und deswegen langsamer schreibt...)
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Carsten K
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#4

Beitrag von Carsten K » Mi 20. Aug 2003, 22:36

Hallo Marc,
also erstmal solltest Du vielleicht den Plattenladen wechseln, denn CDs von Reinhard Mey oder Konstantin Wecker lassen sich zumindest von jedem Laden problemlos bestellen, und andere haben sicher nix dagegen, auch mit solcher Musik Geld zu verdienen, oder? Ansonsten gibt's ja ja auch Internet-Versand wie amazon.de , da muß sich auch keiner rechtfertigen, was er bestellt...
Die Probleme im Bekanntenkreis, die Du schilderst, hatte ich auch, allerdings eher vor 10 Jahren oder so, da war zB mal eine Freundin meiner damaligen Partnerin bei mir zu Hause und hat naserümpfend meine Plattensammlung durchstöbert, "Iiih, alles nur Liedermacher!", wodurch ich bei ihr erstmal untendurch war, musikgeschmacksmäßig jedenfalls... Inzwischen hat sich das aber positiv verändert, wenn ich zB Leute im Auto mitnehme und Kassetten mit Liedermachern laufen lasse, werde ich meistens gefragt, ob ich ihnen das nicht mal aufnehmen kann...
Reinhard Mey ist auch so ein Klischee, das sich oft erübrigt, wenn man die Musik hört und nicht bloß drüber redet. Spiel deinen Freunden doch mal Deine CDs vor, dann werden die meisten bestimmt auch Songs finden, die ihnen gefallen. Aber dieses Klischee Liedermacher=Reinhard Mey=Über den Wolken nervt mich natürlich auch, wenn ich Leuten erzähle, daß ich Liedermacher bin...
Na ja, und die Schlager-Schublade... Über den Wolken mag sicherlich Schlager-Qualitäten haben, aber Schlager heißt ja nix anderes als populär, und auf englisch ist diesbezüglich vielleicht manches leichter zu ertragen, weil ich die Texte nicht so auf Anhieb verstehe, auf deutsch rollen sich dagegen mitunter leichter mal die Zehennägel auf...
Aber die Schublade "Liedermacher" wäre ja dann auch mal etwas genauer zu definieren... Was ist eigentlich ein Liedermacher? Lieder machen schließlich alle, die Lieder machen, oder? Sind es textorientierte Songs? Ist es deren akkustische Begleitung durch Gitarre, Klavier, Akkordeon oder ein anderes Instrument? Sind es die politisch-korrekten Aussagen der jeweiligen Texte? Ist es die Abgrenzung vom kommerziellen Musikgeschäft? Muß ich als Liedermacher jeden anderen Liedermacher gut finden?
(Nein muß ich nicht, auch in der Fascho-Szene hat sich der Begriff "Liedermacher" etabliert, und was es da zu hören gibt ist genauso abzulehnen wie diese ganze Szene überhaupt...)
Jedenfalls sind all diese Schubladen nicht sonderlich aussagekräftig, und Musik gefällt, oder sie gefällt nicht, Hauptsache, sie gefällt DIR!
lg cARSCHti
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#5

Beitrag von migoe » Do 21. Aug 2003, 09:29

Lieber Carsten,
also erstmal solltest Du vielleicht den Plattenladen wechseln, denn CDs von Reinhard Mey oder Konstantin Wecker lassen sich zumindest von jedem Laden problemlos bestellen, und andere haben sicher nix dagegen, auch mit solcher Musik Geld zu verdienen, oder
Ich arbeite in einem SB-Warenhaus wo wir auch einen CD-Shop betreiben. Es kommt häufiger vor, daß ich an der CD-Ausgabe bin und die "interessantesten" CDs ausgebe. Dabei kenne ich viele Künstler/Bands nicht. Bei manchen, von denen ich das Cover interessant finde, oder den Titel, oder die aufgedruckten Personen spreche ich Kunden auch mal an und wir kommen ins Gespräch miteinander. Niemals würde ich einem Kunden das Gefühl geben, die Musik, die er kauft wäre "schlecht", schließlich ist es die Sache des Kunden, wofür er sein Geld ausgibt.
Aber ein Geschäft nicht mehr zu betreten, weil die Dame an der Kasse mit einer CD, die man bei Ihr bezahlt hat nichts anfangen konnte finde ich reichlich übertrieben und auch nicht sehr tolerant :-o
Wenn ich Marc richtig verstehe nimmt er die Sache locker und kann die Meinung von anderen über seinen Musikgeschmack ganz gut ertragen, oder, Marc?!?
Aber die Schublade "Liedermacher" wäre ja dann auch mal etwas genauer zu definieren... Was ist eigentlich ein Liedermacher? Lieder machen schließlich alle, die Lieder machen, oder? Sind es textorientierte Songs? Ist es deren akkustische Begleitung durch Gitarre, Klavier, Akkordeon oder ein anderes Instrument? Sind es die politisch-korrekten Aussagen der jeweiligen Texte? Ist es die Abgrenzung vom kommerziellen Musikgeschäft? Muß ich als Liedermacher jeden anderen Liedermacher gut finden?
Eine Antwort (zumindest teilweise) dazu findest Du im Lexikon -> [def]Liedermacher[/def] -> [def]Lied[/def] -> [def]Ballade[/def] usw...
Zu den Schubladen allgemein kann ich nur sagen, daß ich es richtig, gut und nur logisch finde, wenn man die verschiedenen Musikstile und -richtungen in Kategorien (Schubladen) unterteilt. Ein Vorteil: wenn mir eine bestimmte Art von Musik besonders gefällt finde ich schneller eventuelle Alternativen und Künstler/Bands, die ähnliche Musik machen.
Die meisten Besucher meiner Seite haben ja auch nur deshalb hierher gefunden, weil Sie im größten Gemischtwarenladen der Welt (Internet) nach einer Schublade, die mit dem Begriff "Liedermacher" beschriftet wurde gesucht haben. Heavy-Metal-Freunde könnten sich hierher niemals verirren - außer, sie wären offen für andere Musikrichtungen :-D
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#6

Beitrag von Michael » Do 21. Aug 2003, 10:03

Hallo
mit den Schubladen ist das wirklich so eine Sache. Die mag ich auch nicht sonderlich. Aber ein bisschen braucht man sie halt, um seine Umwelt zu sortieren. Mit dem Begriff "Liedermacher" hab ich auch meine Probleme. Und vor ein paar Jahren sogar ganz massiv, als ich für meine Magisterarbeit versucht habe, ihn zu definieren. Ich hab's dann gelassen und mich damit raus geredet, dass sich die Definition dauernd geändert hat. das stimmt auch. In den siebzigern z.B. waren Liedermacher (im Zuge von RM natürlich) so was von in, das jede Plattenfirma ihre neuen Leute als neue Sterne am Liedermacherhimmel verkaufte. Da gehörten Leute dazu, die ich zum Schlager zählen würde (Volker Lechtenbrink z.B.)und massenweise Menschen, die keiner mehr kennt. Dann kann ich mich auch noch dran erinnern, das RM sich mal gar nicht so gern als Liedermacher gesehen hat. Das muss zu der Zeit gewesen sein, als das als durchweg politische Kampfmusik angesehen wurde. Ich kannte mal einen Plattenladen, da wurden Liedermacher unter dem Label "Politfreaks" einsortiert.
Jedenfalls hatte ich früher auch so meine Probleme, wenn es um meine Lieblingsmusik ging. Aber mit der Zeit wird alles toleranter, man selbst und die anderen. Ich weiß, dass meine Freunde damit nichts anfangen können, also belästige ich sie damit nicht und sie lassen mich - meistens - mit dem Kram in Ruhe, den ich nicht mag. Meine Versuche, sie von den Liedermachern zu überzeugen, habe ich schon vor Jahren aufgegeben, obwohl ich heute bestimmt mehr Glück hätte.
@Marc: Ich finde den Spruch der Verkäuferin eine bodenlose Unverschämtheit. Die hat sie doch wohl nicht alle.
Michael
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Und vielleicht gibt es morgen ja schon den Crash,
dass die Kurse und Masken fallen.
Also laßt uns freuen und träumen davon,
wie die Racheposaunen erschallen.
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#7

Beitrag von Carsten K » Do 21. Aug 2003, 22:52

Hallo Migoe,
die Frage wo ich meine CDs kaufe oder auch nicht, hab ich nicht ganz so dogmatisch gemeint, wie es für Dich vielleicht geklungen haben mag. Ich wollte bloß ausdrücken, daß sich nahezu jede CD nahezu überall beschaffen läßt, jedenfalls dann, wenn sie von einer richtigen Plattenfirma herausgegeben wird, also auch in Läden, die die gewünschte CD vielleicht gerade nicht vorrätig haben, sie aber jederzeit bestellen können, es gibt also Alternativen, wenn einem ein Laden nicht paßt, und das ist keine Frage von Intoleranz sondern von Marktwirtschaft ;-)
Die Schublade "Liedermacher" ist sicherlich ganz hilfreich, da hast Du recht, ohne diesen Begriff wäre ich ja wahrscheinlich auch nicht hier gelandet... Allerdings heißt das auch nicht, daß mir jeder Liedermacher gefallen muß, ebensowenig daß ich jeden Schlager oder jeden Heavy-Metal-Song deswegen doof finden muß. Musikgeschmack ist eben was sehr individuelles, und wenn man sich ausschließlich an diesen Schubladen orientiert, verpaßt man all das, was vielleicht nicht in die jeweilige Schublade paßt, oder?
Was die Toleranz betrifft, ich toleriere auch alle, die Musik machen, die mir persönlich nicht gefällt, meine Musik gefällt schließlich auch nicht jedem. Bei bestimmten Faschos (die sich zT ja nun mal auch Liedermacher nennen) hört diese Toleranz dann allerdings auf, nicht wegen der Musik sondern wegen der Texte, die Einstellungen vermitteln, die ich für nicht tolerierbar halte, weder mit noch ohne Gitarrenbegleitung. Aber solche Liedermacher sind hier ja auch nicht vertreten, und ich hab auch nicht den Eindruck, daß die hier irgendwer gut finden könnte.
Also alles im grünen Bereich, Migoe, oder?
lg Carsten :-D
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#8

Beitrag von migoe » Fr 22. Aug 2003, 21:37

Hallo Karsten,
Aber solche Liedermacher sind hier ja auch nicht vertreten, und ich hab auch nicht den Eindruck, daß die hier irgendwer gut finden könnte

Sicher können "solche" Liedermacher hier auch mal thematisiert werden - wenn es erwünscht und passend ist - alles andere ist aber nicht möglich, das ergibt sich auch aus den Site-Regeln...
Also alles im grünen Bereich, Migoe, oder?
Ja, wenn es nicht unbedingt im politischen Sinne gemeint ist :-)
migoe
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#9

Beitrag von Krumpfy » Sa 23. Aug 2003, 10:00

Hallo Marc!
Ich kann nur sagen: Kopf hoch! Mit erhobenen Hauptes muß Du Deine Liedermacher-CDs kaufen! Denn was sich die breite Masse tagtäglich auf die Ohren gibt ist doch teilweise so stumpf und auch musikalisch minderwertig (können Geschmäcker so unterschiedlich sein :-P ), daß man sich nicht rechtfertigen, erst recht nicht schämen muß, mal Musiker mit Anspruch und Inhalt anzuhören!
Das Wort Reinhard Mey hat auch in meinem Freundes- und Familienkreis Naserümpfen und Kopfschütteln ausgelöst! Carschti hat da schon vollkommen recht: "Über den Wolken, lalalalalalalalala" ist meist das erste (und manchmal auch einzige) was den großen Musikkritikern in den Sinn kommt und das Lied ist ja dermaßen abgenuckelt...!
Aber durch Zähigkeit und nätürlich mit der Qualität hab ich doch so manchen Lästerer bekehrt!
Gerade mit Deiner neuerstandenen Wecker - Amerika oder Mey - ein friedlicher Ort(wobei das Lied doch wieder an Ü. d. Wolk. erinnert ;-) ) oder M(e)y English Song hast Du doch schon wieder Lieder, die keiner so erwartet!
Außerdem gibt es ja noch eine Fülle von Liedermachern, die auch böse oder liderliche Lieder machen. Damit kannste dann meist den Letzten überzeugen!
Und überhaupt :-x : Du bist kein Missionar sondern Musik (und Text) Liebhaber und als solchen ein besserer Mensch, bäh :-D !
Liebe Grüße
Krumpfy
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#10

Beitrag von Clemens » Sa 23. Aug 2003, 20:14

Hallo Marc,
als ich etwa so alt war wie Du jetzt, hatte ich viele Kumpels und einige Freunde. Da ich mit meinen Freunden auch eine Band hatte, war unser Musikgeschmack oft Thema. Dabei habe ich dann eben Deep Purple mitgespielt und die anderen Gerhard Schöne oder Reinhard Mey. Auch später und bis heute haben ein Teil Freunde (und mit zunehmendem Alter bin ich wählerischer geworden beim Artkulieren des Wortes Freund) teilweise völlig andere Musikvorlieben. Wir wissen das und reden auch darüber. Aber das Belächeln hab ich zum Glück nur bei mir nicht nahestehenden Leuten gespürt, und da kann ich es bestens ertragen.
Ich mochte es nie, diesbezüglich zu "missionieren". Jetzt freue ich mich um so mehr über das "Internet", weil es mir über die Liedertreffen und diese Art Foren hier die Möglichkeit eröffnet ähnlich interessierten Menschen zu begegnen.
Liebe Grüße von Clemens
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#11

Beitrag von Petra » Sa 30. Aug 2003, 21:25

Hallo Marc,
zugegebenermaßen wäre ich auch irritiert gewesen, wenn mich eine Kassiererin derart unqualifiziert angesprochen hätte. Sie sollte allerdings aufpassen, dass ihr Chef das nicht mitkriegt, denn immerhin hat er diese 'merkwürdigen Artikel' im Sortiment.
Als ich so alt war wie Du heute, war Reinhard Mey in den Anfangsjahren. Meine Freunde standen nicht unbedingt auf seine Musik, aber da er nur 10 Jahre älter war als wir, fanden sie es nicht so abwegig, dass ich ihn gerne hörte.
Heute gehe ich nicht gerade mit meinem Musikgeschmack hausieren, aber als neulich mal die Sprache drauf kam, meinte jemand: 'Was, Reinhard Mey, der Hektiksänger?' Im ersten Moment konnte ich damit gar nichts anfangen, aber offensichtlich hatte da jemand 'Annabelle' gekannt und weiter nichts. Damit wären wir wieder bei den Schubladen. Es ist fast so, wie wenn ein Blinder einen Elefanten beschreiben soll: Je nachdem, ob er den Rüssel, den Schwanz, ein Bein oder den Bauch betastet, wird die Beschreibung völlig unterschiedlich ausfallen. Auf der Suche nach CDs von Ulrich Roski wurde ich schon einmal in die Comedy-Abteilung geschickt, als ich nach Gerhard Schöne fragte gar in die Klassik-Abteilung (vermutlich eine Verwechslung) und Reinhard Mey sollte ich unter Volksmusik finden. Derart entmutigt, bat ich im Drogerie-Markt Müller in Freiburg darum, im Computer nachzusehen, ob Schöne-CDs vorrätig seien. Zu meiner Überraschung erklärte mir der Verkäufer, dass er dazu nicht in den PC schauen müsse; er erzählte mir, welche Musik Gerhard Schöne macht und zeigte mir eine Abteilung, die mit 'Liedermacher' bezeichnet wurde.:-D
Könnt ihr getrost darüber hinwegsehen, wenn ihr in eine falsche "Schublade" gesteckt werdet?
Mit Deiner Frage meinst Du doch offensichtlich nicht die Schublade, in die die Liedermacher gesteckt werden, sondern die Schublade, in die man als Liebhaber dieser Musik gesteckt wird. Erfahrungsgemäß bringt es nicht viel, jemanden durch Vorspielen einer CD zu überzeugen. Gerade bei den Liedermachern ist es ja zwingend notwendig, dass man sich die Zeit nimmt zuzuhören. Wenn jemand voreingenommen ist und sich nicht auf diese Musik einlassen will, kann man zunächst mal nicht viel machen. Manchmal ist es einfach so, dass jemand zufällig bei einem bestimmten Lied in der passenden Stimmungslage ist und so den Zugang zu dieser Musik oder einem bestimmten Interpreten findet.
Als ich einer Freundin erzählte, dass ich kurz hintereinander in zwei RM-Konzerte gegangen bin, fragte sie mich mitleidig lächelnd: 'Warum heiratest Du ihn nicht einfach?' Darüber sehe ich weg und lenke das Gespräch in Zukunft nicht extra auf dieses Thema. Menschen, die verächtlich die Nase über meinen Musikgeschmack rümpfen, tun mir eher ein bisschen leid, weil sie nicht wissen, was ihnen entgeht.
Hier im Internet ist der Anteil jüngerer Leute, die Liedermacher mögen, relativ groß, weil sich auch das Internet verstärkt bei den jüngeren Leuten breitgemacht hat. Jedenfalls hat es Dich hierhergeführt, was mich persönlich sehr freut.:-D
Fang ja nicht an, Dich für Deinen Musikgeschmack zu schämen!
Es grüßt Dich ganz herzlich
Petra, die gerade aus dem Urlaub zurückgekommen ist.8-)

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Man würde nie mehr Waffen schärfen,
wenn man folgendes bedenkt:
Es braucht die Flinte nicht ins Korn zu werfen,
wer sie beizeiten an den Nagel hängt!
(Christian Grote - Chrizz)

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#12

Beitrag von Marc » So 31. Aug 2003, 16:28

Hallo zusammen!
Seitdem ich wieder im 45-Minuten-Rhythmus lebe (das neue Schuljahr hat begonnen), fehlt es mir leider überall an Zeit! Aber das letzte Jahr überstehe ich auch noch...
Es hat auf meinen Beitrag so viele Antworten und Meinungen gegeben, denen ich eigentlich nur zustimmen kann.
Aber, Petra, für meinen Musikgeschmack schäme ich mich natürlich noch nicht -Und ich werde es bestimmt auch nicht so schnell tun, denn du hast vollkommen recht: Was entgeht all den Menschen und meinen Freunden bloß, die mich und meinen Musikgeschmack nicht verstehen, doch das gleiche könnten mir einige meiner Freunde natürlich auch sagen: Was entgeht dir bloß bei Ozzy Osbourne! Ach, aber etwas anderes ganz am Rande: Du siehst so gut erholt aus Petra, ich hoffe du hattest zwei schöne Wochen ;-)!
Petra schrieb: [...] und Reinhard Mey sollte ich unter Volksmusik finden. Derart entmutigt, bat ich im Drogerie-Markt Müller in Freiburg darum, im Computer nachzusehen, ob Schöne-CDs vorrätig seien.

Puh, die Schublade "Volksmusik" ist hart ;-)! Da gefällt mir "Deutsche Interpreten" am ehesten -Da findet man dann auch Namen wie Westernhagen (gleich in Nachbarschaft mit Wecker). Ich hab mich von meinem Erlebnis in dem besagten Musikgeschäft übrigens nicht entmutigen lassen, ganz im Gegenteil: Ich wollte die Frau hinter der Kasse noch ein mal zum Wortgefecht herausfordern! So ging ich also gestern erneut in dieses Geschäft, um mir nun eine CD von Hannes Wader ("Wünsche") zu kaufen. "Leider" war die Verkäuferin von damals aber nicht da (...der wurde sicher gekündigt...) und ich bekam meine CD ohne Kommentar. Dabei hatte ich mir hier im Forum doch schon so viele gute Argumente zurechtgelegt ;-)!
Nordlicht schrieb: "Schubladendenken" ist - nicht nur in musikalischer Hinsicht - eigentlich doch immer von übel, oder?

Da stimme ich dir natürlich zu, Andreas. Ich denke es wird gerade deshalb so viel in Schubladen gedacht, weil es ein sehr einfaches Denken ist! Was tun, wenn etwas nicht in ein vorgegebenes Schema passt? Was tun, wenn eine Meinung nicht in ein verstaubtes Muster passt? Deswegen würde es mir wohl auch schwer fallen, in eine Partei einzutreten... doch das ist schon wieder ein ganz anderes Thema ;-)!
cARSCHti schrieb: Spiel deinen Freunden doch mal Deine CDs vor, dann werden die meisten bestimmt auch Songs finden, die ihnen gefallen.

Das habe ich natürlich auch schon mal gemacht -Das "Narrenschiff" kam richtig gut an, was ich allerdings auch erwartet hatte ;-)!
Viele Grüße, à bientôt,
Marc
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#13

Beitrag von Nordlicht » So 31. Aug 2003, 22:19

Hallo, Marc !
Partei- oder vereinsmäßig würde ich vorschlagen, wir stellen einen Aufnahmeantrag für den "Verein der Individualisten und Nonkonformisten". Da wären wir dann auch den tiefsten Ursprüngen dieser WebSite auf der Spur. Viele Grüße aus Lübeck, auch an Annabell,
ANDREAS.
(...der eigentlich "nur" in einem Verein ist...)

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#14

Beitrag von Marc » Fr 5. Sep 2003, 16:56

Hallo zusammen!
Beim Stöbern durch das Internet bin ich auf einen Brief von Reinhard Mey gestoßen, den ich zu diesem Thema noch zitieren möchte. Ich finde, der Brief passt an diese Stelle sehr gut, denn er gibt eigentlich alle Antworten auf die Fragen, die in unserer Diskussion laut geworden sind. Mey schrieb ihn an die Deutsche Phono-Akademie, als er 1999 für den „Echo Pop“ in der Schublade (womit wir wieder beim Thema wären!) „Künstler deutschsprachiger Schlager“ nominiert wurde.
Gruß, Marc
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde,
verblüfft habe ich heute aus dem „Musikmarkt“ erfahren, dass ich für den Echo Pop 1999 nominiert bin und zwar – es sträubt sich die Tastatur – in der Sparte „Künstler „deutschsprachiger Schlager“!
Solange ich hören kann, habe ich nach Auswegen aus dem Elend des deutschen Schlagers gesucht, dessen ewig gestriges internationalen Musiktrends Hinterherhinken und dessen peinliche Anspruchslosigkeit Schuld daran sind, dass deutsche Unterhaltungsmusik bei unseren Nachbarn und in der Welt – wenn überhaupt - mit Spott und mitleidigem Lächeln bemerkt sind. Solange ich denken kann, hat es mich nach sinnvolleren Texten gedürstet, habe ich mich nach einer anderen Musik gesehnt. Aus dieser Sehnsucht heraus verschreibe ich mein Herzblut in meinen Liedern mit dem Ziel, meinen Teil dazu beizutragen, diese andere Musik zu schaffen.
Seit mehr als drei Jahrzehnten gehe ich als Liedermacher durch das Land und bemühe mich, in der kargen Dürre der deutschen Musiklandschaft die seltene, schöne, zarte Blume „Chanson“ auszusäen, zu hegen und zu pflegen!
Ich arbeite zu hart und lustvoll an meinen Texten, suche zu sorgfältig die Inhalte und feile zu leidenschaftlich an der kleinsten Wendung meiner Lieder. Ich lege zu viel Liebe und Sorgfalt in meine Arbeit im Studio und auf der Bühne, und ich verspüre eine zu hohe Achtung und Verpflichtung für das Publikum, das sie empfängt, als dass ich es hinnehmen könnte, dass sie ein Schelm oder ein Ahnungsloser im Dunstkreis des deutschen Schlagers ansiedelt. Ich verlange von mir zu viel Gradlinigkeit, ich stelle de Anspruch an mich zu hoch und ich habe zu viel Idealismus und Kampfgeist, um mich in diese Schublade stecken zu lassen.
Vielleicht wäre das ein Anlass für die Phono-Akademie, über eine Sparte „Chanson/Singer-Songwriter/Liedermacher“ nachzudenken, um auch jenem Teil der deutschen Musikszene gerecht zu werden, der sich nicht unbedingt allein an der Masse messen lässt, aber dafür einen wichtigen, künstlerisch anspruchsvollen Kulturbereich unseres Sprachraums darstellt.
Ich bedanke mich für die Absucht, meine Arbeit, mein `98er Album und die „Flaschenpost“-Tournee zu würdigen, aber ich bitte Sie mit Nachdruck, meine Nominierung in der von ihnen vorgeschlagenen Rubrik zu streichen, ich empfinde sie als Beleidigung.
Quelle: www.reinhard-mey.de
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#15

Beitrag von Reino » Mi 16. Apr 2008, 03:34


cARSCHti schrieb:
Was die Toleranz betrifft, ich toleriere auch alle, die Musik machen, die mir persönlich nicht gefällt, meine Musik gefällt schließlich auch nicht jedem. Bei bestimmten Faschos (die sich zT ja nun mal auch Liedermacher nennen) hört diese Toleranz dann allerdings auf, nicht wegen der Musik sondern wegen der Texte, die Einstellungen vermitteln, die ich für nicht tolerierbar halte, weder mit noch ohne Gitarrenbegleitung. Aber solche Liedermacher sind hier ja auch nicht vertreten, und ich hab auch nicht den Eindruck, daß die hier irgendwer gut finden könnte.


migoe schrieb:
Sicher können "solche" Liedermacher hier auch mal thematisiert werden - wenn es erwünscht und passend ist - alles andere ist aber nicht möglich, das ergibt sich auch aus den Site-Regeln...

Ich hab zu dem Thema nichts hier im Forum gefunden (liegts nur an der Suchfunktion?).
Mich würde mal eure Meinung zu diesem Zitat interessieren:
http://www.antifa-west.org/x05nazis/liedglut/

"Liedg(l)ut" - zwischen Neonazismus und bündischer Tradition
Artikelaktionen

Im Oktober des Jahres 2000 fand im Vlothoer "Collegium Humanum" das erste "Tanz- und Musikfest der Zeitschrift 'wir selbst'" statt. Jetzt erschien eine CD dazu. Die Initiatoren um die nationalrevolutionäre Zeitschrift und neonazistische Liedermacher versuchen damit an bündische Traditionen und die fortschrittlichen Festivals auf der Burg Waldeck in den 60er und 70er Jahren anzuknüpfen. Dabei schrecken sie nicht einmal vor Vereinnahmung und Misbrauch von Gegnern des Nationalsozialismus aus den Reihen der bündischen Jugend zurück.
"Liedg(l)ut" ist der Titel der vom Freundeskreis "wir selbst" herausgegebenen CD. Aufgezeichnet wurde die Scheibe am 7. und 8. Oktober 2000 im Collegium Humanum . "Freies Volk in freiem Land" war das Motto der Veranstaltung. Auf Grund der Analyse, wir Deutschen hätten "unsere Wurzeln weitestgehend verloren", sollte es bei dem Musikfest darum gehen diese wiederzugewinnen: "Durch geistreiche Auseinandersetzung mit uns selbst und den anderen Völkern, aber vielmehr noch mit der Wiedergewinnung unseres ,Taktes' (Oswald Spenger)".
Wiedergewinnung des deutschen Rhythmus
Zwecks Wiedergewinnung des vermeintlich deutschen Rhythmus waren Musikgruppen aus verschiedenen Musikrichtungen eingeladen worden, aus dem rechten Teil der Dark-Wave-Szene die Formationen Allerseelen, Dies Natalis, Forseti und Hekate, aus dem RechtsRock die Bands Dies irea, Nordwind und Sleipnir, aus dem Liedermacher-Spektrum Dirk Bojer, Burkhardt Ihme und Manfred Maurenbrecher. Als Vertreter der bündischen Jugend waren Die Birkler, Die Sturmvögel, Der Freibund und den Nerother Wandervogel angesprochen worden.
Allerdings folgten längst nicht alle Gruppen der Einladung.

Ich hab die Seite erst jetzt, also einige Jahre später, gefunden.
Hab nicht nur ich den Eindruck, daß Maurenbrecher und ich da etwas leichtfertig in die Fascho-Ecke (oder Schublade, um dem Threadtitel gerecht zu werden) gestellt werden (warum wir da eingeladen wurden, kann ich ja erklären, wenn es jemand interessiert).
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#16

Beitrag von Skywise » Mi 16. Apr 2008, 08:32


Reino schrieb:
Hab nicht nur ich den Eindruck, daß Maurenbrecher und ich da etwas leichtfertig in die Fascho-Ecke (oder Schublade, um dem Threadtitel gerecht zu werden) gestellt werden (warum wir da eingeladen wurden, kann ich ja erklären, wenn es jemand interessiert).
Wenn jemand "Liedg(l)ut" hören sollte (falls man es überhaupt noch beziehen kann - meines Wissens ist der Vertrieb mittlerweile verboten worden), wird einem schon klar, daß man zu dem Thema verschiedene Sichtweisen sehen und hören wollte ... der Schwerpunkt liegt halt im rechten Sektor, aber das heißt nicht, daß alles, was auf dem Album dargebracht wird, auch wirklich rechtes Gedankengut ist. Ich meine sogar, mich an zwei oder drei Fälle erinnern zu können, bei denen erst durch die Ansage so ein "Geschmäckle" entstanden ist - der Liedtext allein hätte das nicht hergegeben.
Der geschätzte Dirk Bojer dürfte allerdings mit dieser Veröffentlichung weit eher ein Problem gehabt haben als die übrigen geladenen Liedermacher (sofern denn noch weitere anwesend waren - obwohl ich glaube, daß der Name Maurenbrecher in diesem Zusammenhang auch gefallen ist), da sein Material auf diesem Mitschnitt veröffentlicht wurde, wodurch natürlich etwas vom Umfeld auf seinen Ruf abzufärben drohte.
Gruß
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#17

Beitrag von Reino » Mi 16. Apr 2008, 09:50

Im ersten Abschnitt ist von "neonazistischen Liedermachern" die Rede, später heißt es, daß "aus dem rechten Teil der Dark-Wave-Szene ..., aus dem RechtsRock ..., aus dem Liedermacher-Spektrum" Leute eingeladen wurden. Ob das wirklich jeder trennt und nicht doch bei dieser Aufzählung automatisch von einem rechten Liedermacher-Spektrum ausgeht (auch wenn die Autoren das wohlweislich vermeiden)?
Meines Wissens ist Maurenbrecher nicht dort aufgetreten. Wie käme er denn dazu? Ich weiß auch nicht, woher die Namen der geladenen, aber nicht teilnehmenden Liedermacher stammen. Hat der Veranstalter damit geworben? Ich bin erst durch Google drauf gekommen, daß ich in diesem Zusammenhang genannt werde.
Das ist wohl wie bei Douglas Adams: Ich habe versäumt, mich bei der zuständigen Institution (Veranstalter, AntiFa) zu beschweren ...
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#18

Beitrag von Skywise » Mi 16. Apr 2008, 10:27

@Reino:
Aber es sind eben die Initiatoren um "wir selbst" und diverse Liedermacher, die sogar im selben Abschnitt noch durch die Worte "Vereinnahmung" und "Mißbrauch von Gegnern" abgewatscht werden. Über die Liedermacher, die bei der Veranstaltung aufgetreten sind, wird erst mal gar nichts ausgesagt.
Was die spätere Aufzählung angeht - zugegeben, die ist etwas ungeschickt, weil die beiden eindeutig als rechts beschriebenen Musikrichtungen zuerst genannt werden und somit auch noch ein bißchen braune Sauce zu den Liedermachern rüberschwappt ... ähm ... teilweise wahrscheinlich sogar noch zurecht, denn ich habe da noch einen Interpreten in Erinnerung, den ich stilistisch und handwerklich betrachtet ebenfalls zu den Liedermachern zählen würde (wenn mir auch die Aussage der Stücke nicht schmeckt). Die genannten Namen gehören allerdings definitiv nicht zur rechten Szene (es sei denn, bei B. Ihme hätte ich was verpaßt ... *flücht*)
Meines Wissens ist Maurenbrecher nicht dort aufgetreten. Wie käme er denn dazu? Ich weiß auch nicht, woher die Namen der geladenen, aber nicht teilnehmenden Liedermacher stammen. Hat der Veranstalter damit geworben? Ich bin erst durch Google drauf gekommen, daß ich in diesem Zusammenhang genannt werde.
*pffff* Ob er direkt damit geworben hat, weiß ich nicht. Ich suche mir die CD heute abend mal raus und lese mal im Klappentext nach, ob dort etwas im Rahmen der Nachlese zur Veranstaltung gesagt wurde; zur Not höre ich mir auch nochmal die Ansagen durch, ob dort vielleicht etwas auf weitere (geplante) Interpreten des Abends hindeutet.
Ich bin mir aber ziemlich sicher, daß im Vorfeld Interviews oder - was ich für wahrscheinlicher halte - Vorankündigungen in der "wir selbst" stattfanden, entweder mit dem berühmt-berüchtigten "(geladen)" hinter einzelnen Namen oder aber in Form eines "Wir bemühen uns, [...] für diese Veranstaltung zu gewinnen" oder eines "Wir haben [...] eingeladen, [der / die] jedoch leider absagen mußte."
Das ist wohl wie bei Douglas Adams: Ich habe versäumt, mich bei der zuständigen Institution (Veranstalter, AntiFa) zu bechweren ...
Jo. Aber wie das manchmal so geht, sind solche Institutionen manchmal auch zehn Lichtjahre von der Erde entfernt.
Gruß
Skywise
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#19

Beitrag von Carsten K » Mi 16. Apr 2008, 22:43

Hhm, ein Thread, zu dem ich vor fast 5 Jahren mal was geschrieben habe - und in dem es eigentlich um was anderes ging, als um die Frage oder Unterstellung, ob z. B. Manfred Maurenbrecher in irgendwas mit Faschos am Hut hätte... Hat er ganz bestimmt NICHT!!!
Und alles bezogen auf einen Text über eine Veranstaltung, die nochmal 3 Jahre weiter zurückliegt, angeblich im ostwestfälischen Vlotho, wo seit vielen Jahren (auch schon 2000) eines dieser "Umsonst & Draußen-Festivals" stattfindet, aber das hätte ich bisher auch nicht der Fascho-Szene zugeordnet, sondern eher im Gegenteil...
@ Reino
Was willst du uns eigentlich sagen? Ich gerade etwas irritiert... Oder um mit Grönemeyer zu sprechen: "Was soll das?" :wink:
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#20

Beitrag von Reino » Do 17. Apr 2008, 01:01

Das würde dich Grönemeyer jetzt auch fragen.
Wenn du meinen Beitrag richtig gelesen hättest, wüßtest du, daß es nicht darum ging, ob Maurenbrecher ein Fascho ist, sondern darum, ob da zwei Liedermacher ohne jegliches eigenes Dazutun als solche dargestellt werden. Daraus ergäbe sich z.B. die Konsequenz, anwaltlich gegen die Antifa West vorzugehen (was man ja nicht gerne tut).
Oder alle Leser des Textes versichern, aus ihm ginge völlig zweifelsfrei hervor, daß Maurenbrecher und Ihme nicht der rechten Liedermacherszene zuzuordnen sind (Dirk Bojer hat ja an der Veranstaltung teilgenommen, der Vorwurf käme also nicht unverschuldet).
Ob die Veranstaltung dann wirklich steinhartes neofaschistisches Gedankengut verbreitete (oder einfach nur schlecht war, wie "Die junge Freiheit" schrieb), spielt dabei keine Rolle.
Zum Thema des Threads paßt das insoweit, als es hier um Schubladen geht, zwar nicht um musikalische, aber um politische. Und wenn Reinhard Mey sich dagegen wehrt, in die Schublade "Schlager" geworfen zu werden, sollte es nachvollziehbar sein, wenn man nicht in die Schublade "rechter Liedermacher" geworfen werden möchte.
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