Quellensuche Degenhardt

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lorenz_bern
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#1

Beitrag von lorenz_bern » Mi 15. Jan 2014, 10:02

Liebe Leute
ich schreibe momentan meine Masterarbeit über Franz Josef Degenhardt. In diesem Zusammenhang bin ich auf der Suche nach Live-Aufnahmen von Degenhardt-Konzerten aus den (frühen) achtziger Jahren (idealerweise an einem politischen Anlass). Kann mir wer weiterhelfen?
Ich habe bereits verschiedenste Archive durchstöbert, mich durch youtube geklickt und sein ehemaliges Label, sowie seine Söhne angeschrieben. In den achtziger Jahren klafft immer noch eine Lücke...
Vielen Dank für jeden Hinweis!!
Beste Grüsse,
Lorenz
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Skywise
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#2

Beitrag von Skywise » Mi 15. Jan 2014, 12:23

Schon mal im Kabarettarchiv nachgefragt? Wenn Degenhardt in den 80ern überhaupt in größeren Rahmen aufgetreten ist (spontan sind mir nur die paar Auftritte auf dem Festival des politischen Lieds bekannt), werden sich dort mit Sicherheit Rezensionen, Programmhefte, Ankündigungen oder sonstige Verweise finden lassen. Ich würd's nicht ganz ausschließen, daß er sich zu dieser Zeit live ziemlich rar gemacht in Ermangelung eines größeren Publikums sowie in Folge gewisser Grundsatzdiskussionen bezüglich seiner Aktivitäten in Sachen DDR. Ich halte es für durchaus wahrscheinlich, daß er sich in dieser Zeit vorrangig auf seine Bücher konzentriert hat ...
Wie dem auch sei - zumindest würde ich von einem Blick in die Degenhardt-Ordner im Kabarettarchiv weitere Ansatzpunkte in dieser Hinsicht erwarten.
Gruß
Skywise
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lorenz_bern
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#3

Beitrag von lorenz_bern » Mi 15. Jan 2014, 12:32

Vielen Dank!
Im Kabarettarchiv habe ich bereits nachgefragt, leider war da nichts brauchbares aus den 80ern vorhanden. Er hat tatsächlich weniger Auftritte gehabt als beispielsweise anfang der 70er, aber die Presse dieser Jahre spricht dennoch oft von ihm und erwähnt auch eine Vielzahl an (vermutlich kleineren) Auftritten.
Gruss
Lorenz
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Skywise
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#4

Beitrag von Skywise » Do 16. Jan 2014, 00:20

Tatsächlich hab' ich in meinem Fundus nur einen Live-Mitschnitt von Franz Josef Degenhardt aus der fraglichen Zeit gefunden.
"Es denken die Leute von gestern wieder an morgen" auf folgendem Mitschnitt:

Was eventuell noch eine Möglichkeit wäre: Radiosender anschreiben. Hier denke ich an den SWR als ehemaligen Ausrichter der "Liederbestenliste" und darüber hinaus als Sender in einer Region, in der Degenhardt beruflicherseits und familiär bedingt recht häufig unterwegs war, an den RBB als Erben vom SFB, und den NDR, gewissermaßen als "Heimatsender" von Degenhardt, der die Region rund um Quickborn und Hamburg sicher gut im Blick hatte und vielleicht auch das eine oder andere Detail über Degenhardt aufgeschnappt hat ... oder hast Du einen entsprechenden Blick in die TV- und Radio-Sendepläne beim Kabarettarchiv ebenfalls angefragt?
Gruß
Skywise
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#5

Beitrag von Reino » Fr 17. Jan 2014, 03:56

Das erklärt vielleicht, warum Degenhardt in dieser Zeit wenige große Auftritte hatte (oder sie nicht mitgeschnitten und veröffentlicht wurden):
KONKRET: Ich möchte nochmal zurück zu Ihrer Aversion gegen das Volk. Das sind ja nicht nur vielleicht heute nicht einmal mehr überwiegend, Arbeiterinnen und Arbeiter.
Degenhardt: Nein, Sie haben recht. Sie sind fast alle diese liebenswürdigen Volksgenossen, pardon: -mitglieder. Die gibt's überall. Zum Beispiel habe ich auch wieder gefroren, als zu Zeiten der Friedensbewegung Zehntausende oder mehr anfingen, während der Konzerte und anderer Veranstaltungen Wunderkerzen anzuzünden und sie wie Fackeln zu schwenken. Das war einfach gespenstisch.
KONKRET: Ihr Frösteln angesichts der Rituale der Friedensbewegung überrascht mich - warum haben Sie das nie zum Thema Ihrer Lieder gemacht?
Degenhardt: Ich habe zur Friedensbewegung überhaupt wenig gemacht. Ich erinnere mich an einen Auftritt, als ich mein Lied "Es denken die Leute von gestern wieder an morgen" sang, ein Lied, das beschreibt, wie in der Vorstellung eines Mittelklässlers frühmorgens ein russischer Panzer auf seinem englischen Rasen auftaucht. Ich habe diesem Lied Melodie und Rhythmus des SS-Liedes "Heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt" unterlegt; und während ich das Lied singe und spiele, fangen die Leute im Publikum an mitzuklatschen. Fürchterlich.
KONKRET: Aber warum haben Sie dann damals nichts dagegen unternommen?
Degenhardt: Mein Verhältnis zur Friedensbewegung ist kompliziert, weil dieser Aspekt nur einer, wenngleich ein sehr wichtiger ist. Daß wir uns, wie wir eingestehen müssen, streckenweise recht bewußtlos an der Friedensbewegung beteiligt haben, hängt damit zusammen, daß wir die Hochrüstung der Imperialisten um nahezu jeden Preis stoppen wollten. Gerade für die, die wie ich den Krieg noch kennengelernt haben, gibt es wenig Dinge, die mehr wert sind als der Frieden. Und um diesem Ziel, den Krieg zu verhindern, näherzukommen, haben wir hingenommen, daß wir politisch ein Stück weit entwaffnet wurden, daß wir eine Rhetorik hingenommen haben, die falsch war. Parolen, die, wie wir heute wissen, sich gegen uns gerichtet haben. Schlimm ist, daß wir trotzdem unser Ziel, die UdSSR von diesem enormen Rüstungsdruck zu entlasten, nicht erreicht haben.
Interview mit Franz-Josef Degenhardt
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