Poesie trifft Pointe

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Petra
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Poesie trifft Pointe

#1

Beitrag von Petra » Mo 12. Nov 2012, 12:03

Liedermacher ist nicht gleich Liedermacher, das wissen wir alle. Aber wenn sich zwei Könner auf der Bühne treffen, kann es nur Gewinner geben.
So geschehen am 2. November in Schönkirchen im Schmidt-Haus,
als es hieß Poesie trifft Pointe.
Für den Part Pointe war Timon Hoffmann mit seinen lustigen bis frechen Liedern zuständig, für die Poesie stand Carsten Langner, der verträumte und stimmungsvolle Lieder hat, aber ebenfalls in der Lage ist, das Publikum zum Lachen zu bringen.
Gastgeber war Carsten Langner, denn das Schmidt-Haus steht in seiner Heimatstadt und er ist dort schon öfter aufgetreten. Das Publikum saß an Tischen, es hatten sich 50 – 60 Zuhörer eingefunden.
Carsten eröffnete den Abend mit dem Mey-Klassiker Ich wollte wie Orpheus singen und begrüßte dann seinen Gast Timon Hoffmann. Abwechselnd führten sie uns nun vor Augen und natürlich Ohren, wie unterschiedlich man Lieder machen kann. Während Timon mit Döner und Silberfische für allgemeine Erheiterung sorgte, malte uns Carsten in seinen Liedern romantische Bilder. Ihre Zwischendialoge waren nicht einstudiert und selbst Timon, für den die Situation nicht neu war, ließ sich einmal aus dem Konzept bringen. Er fand das aber nicht weiter schlimm, denn „wir sind ja schließlich da, um uns gegenseitig zu irritieren“, meinte er schmunzelnd. Nach Dutzi, dutzi, in dem beklagt wird, dass Eltern mit Kindern ihre vernünftige Sprache verlieren, schienen sie die Rollen zu tauschen: Timon, seit Kurzem selbst Vater einer Tochter, schilderte in Kleine Frau die Ängste, die mit dieser neuen Aufgabe verbunden sind. Dafür erntete jetzt Carsten die Lacher, als er in Ich hab’s! über medial bedingte Wahnhypochondrie sang. Mit Timons Lied Stille wurden wir in die Pause entlassen.
Zum Auftakt der zweiten Hälfte wagte sich Carsten an das Titellied der neuen Wader-CD Nah dran. Timon setzte noch einen drauf, indem er Waders Frau Klotzke interpretierte. (Im Frühjahr hatte ich ihn bereits damit gesehen, da hatte er einen Rap daraus gemacht … dieses Mal nicht, schade eigentlich.) Für Wader-Kenner waren die zwei Stücke sicherlich ein großes Vergnügen, aber es waren wohl nicht nur Wader-Kenner da. Gerade ältere Herrschaften wussten nicht so recht, was sie mit der Frau Klotzke anfangen sollten. Carsten erfreute sie mit seinem Klabauter-Lied, Timon legte das ziemlich böse Gartenfreund nach. Um Ärger mit Nachbarn geht es auch in Carstens Montagmorgen auf dem Land. Die beiden hielten sich nicht stur an die Setliste; wenn es ihnen passend erschien, wurde auch mal spontan ein anderes Stück aus dem Repertoire ausgewählt.
Für mich war es ein spannender Moment, als die Sommerlieder angekündigt wurden. Carstens Stoßseufzer „Ich finde Sommer einfach ätzend“ hatten sie zum Anlass genommen, sich musikalisch des Themas anzunehmen, und nun stellten sie sich gegenseitig das Ergebnis vor. Es war ein Genuss, dabei sein zu dürfen. Timon nannte sein Lied einfach Sommer ist ätzend und begründete die Aussage auf gewohnt lustige Weise. Carsten übernahm sein Zitat originalgetreu als Titel und verarbeitete alles, was ihm dazu einfiel – und es fiel ihm eine Menge ein! Trotz des beschwingten Refrains merkt man, er findet Sommer wirklich ätzend. Mit etwa acht Minuten zählt es zu den längeren Stücken, aber es macht Spaß – ich liebe lange Lieder.
Nach knapp drei Stunden neigte sich das Konzert seinem Ende entgegen. Als letztes Stück sang Timon sein Das war’s. Näher betrachtet, handelt es sich dabei um eine Publikumsbeschimpfung, aber damit ist natürlich niemals das aktuelle Publikum gemeint. ;-) Der lang anhaltende Applaus wurde – sehr zu Recht – als Bitte um Zugaben gewertet. Jeder sang noch ein eigenes Lied und als Abschluss interpretierten sie gemeinsam Waders Heute hier, morgen dort. Tatsächlich, das eignet sich auch als Schlusslied. :-)
Man hatte den Eindruck, Carsten Langner und Timon Hoffman hätten ihren Auftritt sehr genossen, sie sollten über eine Wiederholung nachdenken. Für uns Zuhörer war so viel Spielfreude zu spüren, da kommt man gerne immer wieder.
Viele Grüße von Petra
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wer sie beizeiten an den Nagel hängt!
(Christian Grote - Chrizz)

Rike
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Poesie trifft Pointe

#2

Beitrag von Rike » Do 15. Nov 2012, 17:42

Hallo Petra,
danke für den ausführlichen Bericht. Ich es tat mir schon vor dem Konzert leid, dass ich nicht nach Schönkirchen kommen konnte :-(
Ich glaube, diese Mischung hätte mir auch gefallen...
Herzliche Grüße
Rike
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