openmic-bonn vom Montag

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Mario
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openmic-bonn vom Montag

#1

Beitrag von Mario » Do 17. Mai 2007, 07:52

Hallo,
nacjdem das posten wieder geht, hier mein Beitrag vom Dienstag:
Es war schon fast ein Forumstreffen – der 9. openmic Abend im Cafe Tiferet in Bonn. Bei 5 verschiedenen Acts waren 2 Künstler auf der Bühne aus dem Liedermacherforum, dann noch ich als Moderator und wie ich aus sicherer Quelle weiß, ließt mindestens eine weitere Künstlerin im Forum mit (noch als anonymer Gast, aber das kann sich ja ändern).
Wie jedes Mal wurde die Reihenfolge der Auftritte ausgelost, so dass keiner irgendeinen besonders guten Platz beanspruchen konnte. Beim openmic gibt es auch gar keinen besonders guten Platz, weil das Publikum eigentlich die ganze Zeit mit hoher Konzentration und freundlicher Erwartung zuhört. Es liegt zum Teil in der Natur der Sache, dass viele Auftretenden „ihre“ Anhängerschar mitbringen und diese dann auch weiß, dass sie zum zuhören gekommen ist – eine, für die Veranstaltung sicher gute Konstellation.
Den Auftakt machte Tins eine junge Songschreiberin, die es geschafft hat innerhalb eines Jahres aus einer Idee ein Bühnenkonzept zu kreieren. Mit zwei englischen und zwei deutschsprachigen Songs, natürlich selbst geschrieben und komponiert, zeigte sie bei ihrem insgesamt zweiten Auftritt im Tiferet, wie sich Erfahrungssammlung auf der Bühne und Erfahrungsaustausch mit anderen auszahlt. War sie beim ersten Auftritt noch an einigen Stellen etwas unsicher und gepresst in der Stimme, kam sie gestern sehr klar rüber. Ein großer Applaus (nicht nur von ihrem anwesenden Fanclub) half ihr das Lampenfieber schnell zu überwinden. Fazit des Moderators nach dem Auftritt: „Ich kann die Aufregung nachvollziehen, aber so wie du gespielt und gesungen hast, war sie nicht notwendig“.
Als zweiter act war Thomas Koppe angesagt. Aus Gießen angereist nahm er das Publikum im Sturm. Mit seiner Mischung aus Bänkellieder anmutenden, Liedermachertradition geschwängerten und Volks- und Folksong beeinflussten eigenen Liedern, mit einer dezenten, aber nicht weniger guten Gitarrenbegleitung und einer melodischen, sauberen und klaren Stimme, schaffte er es, die Aufmerksamkeit des Publikums vom ersten bis zum letzten Ton seiner Lieder zu bannen. Ob ernstes Thema oder satirische Darstellung des großen Unterschieds der Geschlechter, Thomas interpretiert seine Lieder mit einer genialen Leichtigkeit und wird dabei nie aufdringlich – nein sein Auftritt vermittelt eher ein wenig den Eindruck des etwas schüchternen Jungen von nebenan, den Mütter gerne für ihre Töchter gewinnen würden. Ungewöhnlich für das openmic im Tiferet, aber bei Thomas ein Muss: Thomas wurde für ein weiteres Lied auf der Bühne festgehalten und nach dem Gesamtprogramm vom Publikum noch einmal für drei weitere Lieder auf die Bühne geholt. Wer also eine Veranstaltung in unserem Genre des Liedermachens plant, sollte unbedingt mit Thomas Koppe Kontakt aufnehmen.
Der Bogen der Stile wurde mit dem nächsten Programmpunkt abgerundet. Von der Singer/songwriterin über den Liedermacher kam die Reise mit dem Duo Hausverbot bei den Liedermachings an. Anmoderiert mit der Bemerkung: „Wer den Unterschied zwischen Liedermachern und Liedermachings noch nicht kennt, wird in wahrscheinlich jetzt erleben“ und ergänzt durch Hausverbot mit dem Satz: „Wir Liedermachings wollen nur Spaß“ ging es mit zwei Gitarren und zwei Stimmen auch schon los. Spaß hatten sie und das Publikum auch. Die Texte waren witzig und nicht (wie sonst schon mal bei Liedermachings zu finden) gezwungen fäkalhumoristisch. Ich hatte es schwer einen deutlichen Unterschied herauszuhören. Bühnenerfahrung und Übung können die Hausverbots noch brauchen, aber genau das ist ja auch das Konzept der offenen Bühnen. Ich bin mir sicher (und freue mich drauf), das Tiferet wird Hausverbot noch häufiger sehen und hören.
Nach der Pause wollte dann ein weiterer Liedermaching das Publikum davon überzeugen, dass es doch einen hörbaren Unterschied zwischen Liedermachern und Liedermachings gibt. Zum zweiten mal dabei und auch Forumsmitglied, kam Schreihals auf die Bühne. Gut ausgerüstet mit einer neuen Gitarre (man scheint als Liedermaching ja wohl doch Geld verdienen zu können :-) ), hatte er wesentlich bessere Startvoraussetzungen als beim letzten Mal, wo ihm am Vorabend des Auftritts jemand seine Gitarre zertrümmerte und er sich schnell vom letzten im Portemonaie ein 20€ Instrument zulegte. Wie gesagt, diesmal bessere Voraussetzung und sein erstes Lied, der Frauenparkplatz kam auch gut, melodisch und witzig rüber. Und wieder die Frage, wo ist denn nun eigentlich der Unterschied? Auch Tilos Bemerkung, „wenn Hausverbot eben gesagt haben, sie könnten nicht singen, so erlebt ihr jetzt jemanden, der es wirklich nicht kann“, wurde nicht bestätigt – zumindest nicht im ersten Lied. Leider spielte Tilo im weiteren Verlauf seines Auftritts Lieder, die wohl noch recht neu sind und deshalb noch nicht so saßen. Das was ich von Tilo im Internet mitbekommen habe, nämlich eine gute positive Entwicklung, war beim ersten Lied auch klar heraus zuhören, bei den restlichen Liedern war diese Entwicklung noch eher versteckt. Nichts desto trotz, Tilo ist ein sehr sympathischer Liedermaching, der sicher auch in Zukunft gerne auf der openmic Bühne gesehen ist.
Den Abschluss des offiziellen Teils machte Filou, ein Bonner Liedermacher, der bewies, dass auch die Liedermacher Spaß „haben wollen können“ – oder habe ich das falsch verstanden und Filou ist eigentlich ein Liedermaching, aber ist dann Reinhard Mey mit verschiedenen Liedern auch ein Liedermaching? Na, jedenfalls zeigte Filou uns, dass es eigentlich keinen Unterschied gibt, sondern gute Musik mit guten Texten, egal ob zu weltpolitischen Themen oder einfach den Alltag beschreibend auch gute Reaktionen des Publikums hervorrufen kann. Stimmlich, gitarristisch und mit Körpereinsatz dabei, schaffte es Filou nicht nur seine Lieder zu präsentieren , sondern auch das Publikum lokalpatriotisch einzubeziehen. Aus dem Bonner Stadtteil Beuel kommend, hat er im Publikum weitere Beueler gefunden, die ihm jedes Mal mit jubelnder Zustimmung unterstützten, wenn dieser Stadtteil in einem Lied genannt wurde.
Bliebe noch zu sagen: Für mich ein gelungener Abend und ich hoffe für die anderen auch.
Ach ja, gucke ich eigentlich so streng? Nur ein einziges Mal und das auch noch ganz verschämt haben die Liedermachings ihre fäkalhumoristische Seite gezeigt – und das mit einem Wort, dass viele Liedermacher wie selbstverständlich in ihren Liedern gebrauchen – Geschlechtsverkehr. Das haben wir gestern lange auf den Damenslip oder die nackte Nachbarin gewartet, aber wirklich gefehlt haben sie mir auch nicht.
Mario
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12 Töne, 24 Buchstaben, viel Gefühl im Bauch - ein neues Lied ist entstanden

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