Open Air-Konzert Halberstadt 17.6.2006: "Nazis raus aus unserer Stadt!"

Stell uns Deinen Lieblingskünstler vor, informiere uns über seine neue CD oder schreibe einen Konzertbericht. In diesem Forum kannst Du das tun, auch wenn es für Deine/n Liedermacher/in (noch) kein eigenes Forum gibt.

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Marc
...hat schon mal ein LT organisiert
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Open Air-Konzert Halberstadt 17.6.2006: "Nazis raus aus unserer Stadt!"

#1

Beitrag von Marc » Mi 7. Jun 2006, 18:22

Hallo zusammen,
vielleicht sieht man sich ja dort?
OPEN AIR KONZERT HALBERSTADT 17.6.2006
JETZT ERST RECHT: NAZIS RAUS AUS UNSERER STADT!
In leichter Abwandlung von Hannes Waders bekanntem Konzert-Opener "Gut wieder hier zu sein" klappt es nun: "Gut endlich hier zu sein".
Am 8.3. wollten Konstantin Wecker und Strom & Wasser im Rahmen ihrer ANTIFA Tournee ein Konzert in einem Gymnasium in Halberstadt geben. Als die NPD der Stadtverwaltung in einem Brief drohte, sie werde aktiv an der Veranstaltung teilnehmen, sagte die Kreisverwaltung das Konzert ab: mit der Begründung, künftig könnten in der Schule auch rechtsextreme Veranstaltungen angemeldet werden.
Nun findet das Konzert in Halberstadt also doch statt, und man darf sich auf einen ganz besonderen Open Air Abend freuen: Am 17.6.2006 erlebt Halberstadt ab 19:00 Uhr ein Gipfeltreffen einiger herausragender Liedermacher, die mit ihren vielfach zeitkritischen Songs seit vielen Jahren für das Miteinander und gegen Ausgrenzung von Ausländern und Unterdrückten dieser Welt auftreten.
Neben Konstantin Wecker, Hannes Wader, Hans-Eckardt Wenzel und Strom & Wasser ist auch der afghanische Percussionist Hakim Ludin mit dabei. Gemeinsam Musik machen gegen den Fremdenhass, Lieder und Texte gegen den Ungeist des Faschismus: Das ist, einmal mehr, die Antwort der Liedermacher auf die Neonazis des Jahres 2006. Der Unmut über die fatalen Auswirkungen der neoliberalen kapitalistischen Gesellschaftsordnung darf niemals die noch Schwächeren treffen: "Sage nein!"
Ob Konstantin Wecker eben dieses "Sage nein!" ruft oder in "Vaterland" den Vater an den Neonazi-Aktivitäten seines Sohnes (der nichts aus der Geschichte gelernt hat) verzweifeln lässt, ob Hannes Wader darüber nachdenkt, warum Neonazis seine Lieder intonieren, ob Hans-Eckardt Wenzel über den Neonazi aus Bitterfeld singt oder den Herrentag seiner "Himmelfahrt" beschreibt, ob Heinz Ratz und seine Gruppe Strom & Wasser von "Zehn kleinen Nazis" berichten – mit politischen und poetischen Beiträgen (vielfach auch ineinander verschmolzen) gibt es einen kräftigen Kontrapunkt gegen den dumpfen Fanatismus. Und sicher werden die Konzertbesucher auch die eine oder andere Überraschung im Zusammenspiel der Mitwirkenden erleben.
ANTIFA Tour: Jetzt erst recht! Nazis raus aus unserer Stadt!
Konstantin Wecker, Hannes Wader, Hans-Eckardt Wenzel,
Strom & Wasser, Hakim Ludin
17.6.2006 Halberstadt
Open Air Düsterngraben 19:00 Uhr

Quelle: www.hanneswader.de
Tickets gibt es unter www.getgo.de., www.biberticket.de oder der Tickethotline 01805 / 12 13 10
Gruß, Marc
Dieser Beitrag enthält 394 Wörter


So vergeht Jahr um Jahr
und es ist mir längst klar,
dass nichts bleibt,
dass nichts bleibt,
wie es war.

Hannes Wader

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#2

Beitrag von Viktor » Fr 9. Jun 2006, 10:50

hi,
zu viel freie zeit machts moeglich: ich fahr 5 stunden mit der bahn, um mir das ereignis anzutun :-D... hannes wader und konstantin wecker hoer ich sehr gerne, strom und wasser hab ich nur einmal live gesehen, aber fand sie auch ganz nett, von daher lohnt sich das vom preis her schon
vorfreude ist riesig (:
--viktor
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#3

Beitrag von Viktor » So 18. Jun 2006, 11:40

moin,
entschuldigt das doppel-posting, aber bietet sich in diesem falle wohl an.
jedenfalls wollt ich nur mal vermelden, dass ich gerad nachhause gekommen bin (ueber 24 stunden nicht geschlafen *augen gerad noch offen halt*) und es sehr sehr genial fand. war die lange reise wirklich wert.
ich wurde teilweise ueberrascht, teilweise kam genau, was ich erwartet hatte. eine sehr schoene mischung der verschiedenen kuenstler (erst zwei songs von konstantin am anfang, bevor die "kleineren" kamen, fand ich sehr toll; und die zugabenabschnitte auch sehr schoen aufgeteilt)
hannes hat aber durchaus schonmal besser gespielt, fiel mir auf. aber wahrscheinlich fehlt ihm momentan die tournee-routine...
falls es niemand anders tut, kommt noch ein ausfuehlicherer bericht von mir. mit ner kompletten setliste werd ich dann wahrscheinlich auch dienen koennen.
gute nacht
viktor
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#4

Beitrag von Doro1100 » Mi 21. Jun 2006, 01:58

Hallo Forümler,
bis Viktor uns noch etwas zu seinen persönlichen Erlebnissen geschrieben hat ;-)
- in der Zwischenzeit schon mal
ein Bericht über das Konzert aus der Zeitung"Junge Welt"
Die Künstler kommen darin etwas zu kurz, find' ich. Darum wäre eine komplette Setliste schon mal ganz gut... :-D
Gruß Doro
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Wo `n Loch ist, kann was rein. Oder raus."

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#5

Beitrag von Viktor » Mi 21. Jun 2006, 23:50

Moin Leute,
Der Zeitungsartikel, den du verlinkt hast, Doro, finde ich insofern gut, als der Journalist sich anscheinend tatsaechlich das ganze Konzert angehoert hat, was ja durchaus nicht immer der Fall ist. Die zeitliche Abfolge hat er allerdings ein bisschen verdreht. Nunja, hier mal mein Bericht in einzelnen Abschnitten:
===
Wenn mir die Nazis das Singen verbieten wollen, dann komm ich wieder – und zwar mit mehreren Leuten
Vor dem Konzert
Nach 5 Stunden Klapperzugfahren mit dem Wochenendticket kamen mein Kumpel und ich in Halberstadt an – und sahen Polizeiwagen, wo wir nur hinsahen. Alles voll. Die hatten wohl Befuerchtungen, dass die NPD Aerger machen wollte, was gluecklicherweise nicht der Fall war.
Die Stadt machte zu dem Zeitpunkt einen netten Eindruck auf uns. Der Dom und der Platz darum – auch mit dem Veranstaltungsort „Duesterngraben“ – war sehr schoen. Die grauen mit Plattenbauten gesaeumten deprimierenden Strassen, durch die wir nachts nach dem Konzert ziehen sollten, zeigten uns spaeter die andere Seite.
Jedenfalls fanden wir gute Plaetze in der sechsten Reihe. Die Buehne sah schon vielversprechend aus: Fast alle Instrumente, die irgendwann spaeter gebraucht werden koennten, waren aufgebaut.
Begruessung – Buergermeister
Das Konzert begann relativ puenktlich um 19 Uhr mit der Begruessung durch den Buergermeister. Er hat ueber 4 Minuten geredet – meiner Meinung nach zu viel Blabla, was man sich haette sparen koennen. Spaetestens als er von „Hannes Wecker“ sprach, nachdem er schon Strom und Wasser „Holz und Wasser“ genannt hatte, hatte das Publikum nicht mehr richtig Lust auf ihn. Hakim Ludin hat er komplett vergessen zu erwaehnen (den Rest von Konstantins „Band“ – Norbert Nagel und Jo Barnikel – hatte er jedenfalls genannt).
Was folgende Bemerkung beim „Nazis raus aus unserer Stadt“ Open Air sollte, weiss ich ich auch nicht: „Natuerlich haben unsere Gaeste auch eine politische Position; und nicht jede Biografie ist geradlinig - wer kann das schon von sich behaupten? Dennoch haben die Liedermacher auch sehr schoene, romantische Lieder, auch Liebeslieder, hervorgebracht, auf die man sich ganz besonders freuen kann“.
Haette er einfach gesagt, dass er froh ist, dass das Konzert endlich so stattfindet und haette die Gaeste in Reihenfolge aufsteigender Bekanntheit vorgestellt (und nicht andersrum, wie er’s gemacht hat), haette ich ihn besser in Erinnerung gehabt.
Konstantin Wecker Teil 1
Ich kenne es normalerweise von Konzerten mit mehreren Kuenstlern so, dass sie alle brav nacheinander auftreten – und das beliebteste kommt zum Schluss. Umso ueberraschter war ich, als Konstantin mit seiner Band und dem Mikro in der Hand auf die Buehne kam und sehr energiegeladen den ersten Song Das Macht mir Mut zum besten gab. Ich weiss nicht, ob er das schon oefter so gesungen hat, jedenfalls lautet der der Refrain passenderweise diesmal: „Und draussen steigt die Sonne hoch/ bei uns die Fantasie// jetzt auf die Strasse, lacht sie aus/ die braune Idiotie!“
Nach der Begruessung, in der die „Hannes Wecker“-Vorlage des Buergermeisters bestens verarbeitet wurde, kam Vaterland, womit ich so frueh am Abend noch nicht gerechnet hatte, wenn man bedenkt, dass es wohl ein relativ grosser „Hit“ ist. Aber ich mag Ueberraschungen.
> Das macht mir Mut
> Vaterland
Strom und Wasser
Die Band rund um Heinz Ratz hatte ich schon einmal im Vorprogramm von Goetz Widmann gesehen. Damals war ich eine Zeit lang erstmal geschockt, was da fuer ein komischer Kauz auf der Buehne steht.
Jedenfalls sind Strom und Wasser wohl eher Liedermaching als -er. Dass man das alles zusammen an einem Abend gut zusammenkriegen koennte, hatte ich zuvor bezweifelt. Haben sie aber gut hingekriegt. Gefielen mir auch besser als damals, was vielleicht an der anderen Liedauswahl lag oder daran, dass diesmal noch Pensen an der Gitarre dabei war. Fee spielte uebrigens auf Konstantins Klavier. Erwaehne ich mal so, weil ich es auch schon erlebt habe, dass Kuenstler sich anstellen, wenn andere ihre Instrumente anfassen.
Man kann meiner Meinung nach Strom und Wasser gut zuhoeren und sie machen gute, teils sehr ungewoehnliche Musik, aber ich habe immer Schwierigkeiten, mich auf den Text zu konzentrieren. Also es kommt mir so vor, als wuerde ich Lieder in einer Sprache hoeren, die ich nicht verstehe. Es klingt dann schoen, der Text traegt die Musik mit, aber ich weiss nicht, worum es geht. Das erfuhr ich natuerlich meist aus den Ansagen.
Die Gruppe kam, so wie ich das beobachtet habe, ganz gut an. In der Pause sah ich auf jeden Fall einige Leute, die sich Strom und Wasser wohl niemals in einem kleinen stinkenden Club angeguckt haetten, mit einer CD in der Hand.
> Leise treten die Leisetreter
> Prophetin des Unheils
> Strom
> Randfigurenkabinett
> Herr Professor (?)
> Ikarus
> Das Lied von der Elbe
Hans Eckardt Wenzel
Den Herrn Wenzel hatte ich nur einmal in der Fernsehreportage ueber Liedermacher gesehen und er war mir nicht sonderlich gut Erinnerung geblieben (also gut in Bezug auf das Erinnern, nicht seine Musikqualitaet).
Von seinem Auftreten her und wie er so locker erzaehlte, kam er mir sehr sympathisch rueber.
„Ich muss noch'n bisschen Schwachsinn erzaehlen, weil ich erst alles hier einstoepseln muss. Frueher gab’s ja auch mal Leute, die das gemacht haben..."
Sein erster Song war dann auf dem Akkordeon gespielt – ich bin kein grosser Akkordeon-Freund, aber es gibt schlimmeres. Der Text schien mir nicht sonderlich anspruchsvoll: „Mach die Tuere sachte zu// jedes ‚ich’ braucht auch ein ‚du’// jedes ‚du’ braucht auch ein ‚wir’// jeder Mensch braucht mal ein Bier“.
Da war mir eigentlich klar, dass seine Spielzeit eher ein Absitzen als ein „Kunstgenuss“ (Zitat Buergermeister) fuer mich sein wuerde, aber er hat es geschafft, den Eindruck noch zu aendern. Vielleicht war das einfach ein schlechter Anfangssong.
Auch hier hatte ich teilweise das Ich-hoere-die-Worte-aber-nehme-sie-nicht-wahr-Phaenomen, was ich schon bei Strom und Wasser beschrieben hatte, aber teilweise gefielen mir seine Songs wirklich ganz gut. Grosses Ohrwurmpotential (schreibt man jetzt mit ‚z’, oder?) hatte Die Zeit der Irren und Idioten. Er spielte noch Songs auf der E-Gitarre, auf der akustischen und einen auf dem Klavier („Ich will auch mal auf Konstantins Fluegel spielen“).
Dann liess er das Publikum wissen, dass nach der Pause der Herr Wecker dransein sollte. Da war ich erneut verwundert, da ich nun erstmal mit Hannes gerechnet hatte, bevor der „Star“ des Abends nochmal kommt.
> Mach die Türe sachte zu (?)
> Sie werden kommen
> Himmelfahrt
> (Wenn Mutti früh zur Arbeit geht)
> Ich mag das lange Haar
> Tausend Tode
> Lasst uns verweilen
> Die Zeit der Irren und Idioten
Konstantin Wecker Teil 2
Es ging dann los mit dem Revoluzzer. Danach bekamen wir ein Stück daraus noch „uebersetzt“ fuer den Fall, dass wir das Bayrische nicht verstanden haetten. Auch sehr genial fand ich die Bemerkung: „Ich kann jetzt im Moment dem Buergermeister nicht den Gefallen tun, ausschliesslich Liebeslieder zu spielen".
Eine Zeit lang war dieser Abschnitt dann ein bisschen so, als wuerde man eine abgespeckte Version eines „Am Flussufer“ Tournee Konzerts erleben (nehme ich mal mit meiner Live-CD-Kenntnis als Basis an; war selbst auf keinem Konzert der Tour, was das also fuer mich auch nicht irgendwie aergerlich gemacht hat).
Ich hatte irgendwie gehofft, dass Konstantin nur mit Jo Barnikel auftreten wuerde. Dass Hakim Ludin nun auch dabei war, hatte ich vorher gelesen, und mich damit „abgefunden“. Von Norbert Nagel wusste ich vorher nichts – das fand ich dann ein bisschen enttaeuschend. Es ist naemlich so, dass ich die meisten Instrumente, die Herr Nagel spielt, nicht so gerne hoere und mir Konstantins Musik um einiges lieber ist/ waere, wenn sie mit duennerem Arrangement vorgetragen wird/ wuerde. War aber auch nicht schlimm, es hat mir eigentlich gut gefallen. Aber einen ganzen Abend nur Konstantin Wecker Songs mit Querfloete, Saxophon, Klarinette und wasweissichnichtalles koennte ich mir niemals antun.
Waehrend Stilles Glueck, trautes Heim hat Konstantin uebrigens die Fantasie vom Musikantenstadl-Auftritt (vgl. Live-CD) sehr schoen ausgemalt und auch sonst noch ein bisschen erzaehlt: „Tochter hat deutschen Mann// Bubi steht fuer Deutschland stramm // und der deutsche Schaeferhund// beisst auch manchmal ohne Grund. Die vier Zeilen habe ich jetzt eingereicht bei der grossen Werbeaktion da von ‚Du bist Deutschland'“
Den Abschluss dieses Abschnittes bildete dann Willy II.
> Revoluzzer
> Wenn die Börsianer tanzen
> Flaschenpost
> Was immer mir der Wind erzählt
> Was ich an dir mag
> Präposthum
> Stilles Glück, trautes Heim
> Stürmische Zeiten, mein Schatz
> Willy II (Die Ballade von Antonio Amadeu Kiowa)
Hannes Wader
Auf die Buehne gebeten wurde nun Hannes Wader, auf den ich mich am meisten freute. Er eroeffnete so, wie Konstantin vorher aufgehoert hatte: Mit einem Talking Blues (richtiger Begriff?), naemlich Stellungnahme. Dabei verspielte und versang bzw. versprach er sich auffaellig oft. Wie schon im anderen Beitrag gesagt, kam es mir so vor, als wuerde ihm irgendwie die Tournee-Routine fehlen, aber wurde dann doch ein bisschen „warm“. Allerdings wirkte er ausserdem manchmal so, als haette er nicht so richtige Lust. Es folgten zwei weitere politische Lieder, wie zu erwarten war. „Ein Sozialismus muesste her/ mit neuem Schwung und alledem“: leichter Applaus zwischen den Zeilen; „denn wenn der wie der alte waer’/ wuerd’s wieder nichts trotz alledem“: noch staerkerer Applaus.
Noch zu erwaehnen ist, dass Hannes von Jo Barnikel sehr dezent am Klavier begleitet wurde, was sehr schoen klang.
> Stellungnahme
> Vaters Land
> Trotz alledem 2005
Hannes Wader und Konstantin Wecker
Den Übergang zur Zusammenarbeit zwischen den beiden Meistern stellte das Liebeslied im alten Stil dar, was Hannes spielte und sang, bis irgendwann Konstantin rauskam und es „uebernahm“. Hannes zog das Kabel an seiner Gitarre raus, was ein sehr lautes Knallgeraeusch mitten im Lied zur Folge hatte.
Ich hatte gehofft, Bella Ciao live zu hoeren und da war ich anscheinend nicht der einzige, denn Hannes’ Ansage „Konstantin und ich werden jetzt zusammen ein schoenes altes italienisches Partisanenlied singen“ erntete Applaus. Die Band war bei diesem Song auch wieder komplett dabei (weiss nicht mehr, ob vorher auch schon), was besonders von der Perkussion her in meinen Ohren sehr gut passte. Konstantin sang uebrigens streckenweise anderen italienischen Text, als ich von den allseits bekannten Aufnahmen gewohnt war.
Sehr gefreut habe ich mich auch ueber Gut wieder hier zu sein, wo Hannes uebrigens einen kurzen Textaussetzer schoen professionell mit Gesumme ausgebuegelte. Spaetestens in diesem Song duerfte es gewesen sein, wo das Publikum aufstand und mitklatschenderweise teilweise nach vorne kam. Das tat auch Konstantin, der das Funkmikrofon irgendwann in die Hand nahm und das Klavierspielen Jo ueberliess.
> Liebeslied im alten Stil
> Schon so lang
> Bella Ciao
> Gut wieder hier zu sein
Alle zusammen
Dann kamen alle – und ich meine alle – auf die Buehne. Es kam der Song, von dem jeder haette voraussagen koennen, dass er kaeme. Jeder hat ein Instrument bedient, mitgeklatscht oder mitgesungen. Es klang meiner Meinung nach teils ueberladen, aber war ein sehr genialer Anblick. Bei einer Strophe konnte man sehen, dass Hannes sie singen wollte, wie auf der gemeinsamen Tour, aber Konstantin war schneller...
Hakim Ludins Perkussionssolo kann ich schon auf der Live-Platte nicht leiden. Zerstoert meiner Meinung nach den Song total. Musste man also auch an dem Abend durchhalten.
> Sage nein!
Die Zugaben
Danach kamen wieder Strom und Wasser. Damit hatte ich nun gar nicht gerechnet. Waehrend der zweiten Haelfte des Songs spielte und sang Konstantin mit (ich glaube, Fee war waehrenddessen an Jos Klavier).
Dann wieder Wenzel. Weiss nicht mehr genau, ob Konstantin auch da mitgespielt hatte.
Hannes jedenfalls stand dann mit seinem Zugabensong komplett alleine auf der Buehne und hat Heute hier, morgen dort fehlerfrei aufgefuehrt.
Nachdem Konstantin dann noch was gesungen hatte, gab es noch einen „Durchgang“, wie uns Wenzel wissen liess. In diesem Durchgang war Hannes’ Song dann ein Song, an dem wieder alle mitgewirkt hatten (bis auf Heinz Ratz, der irgendwie verschwunden war ab jetzt) – auch das Publikum sollte mitsingen: Ade nun zur guten Nacht.
Das war dann ziemlich genau um 23 Uhr vorbei. Und ich haette auch erwartet, dass die Laermverordnung vorschreibt, dass da Schluss ist. Aber Laerm hat das Publikum dann erstmal fuer einen sehr langen Zeitraum gemacht und die Musiker wieder rausgelockt. Es schien dann wirklich spontan („Wir haben das noch nie gemacht“), als sie Der Mond ist aufgegangen spielten – hauptsaechlich von Hannes Wader und Hans Eckardt Wenzel gesungen (um nochmal auf Hannes' fehlende Laune zurueckzukommen: als er scherzhaft sagte "Ich bin nochmal ueberredet, nochmal mitzusingen", glaubte ich schon fast, dass da ein Fuenkchen Wahrheit dran war). Sehr textsicher uebrigens. Es war entweder bei diesem Song oder beim vorigen, dass Fee neben Konstantin sass und sie zusammen auf seinem Instrument gespielt haben – also ich waere da sehr nervoes gewesen.
> Hartschalenkostüme
> Globalisierungstango
> Heute hier, morgen dort
> All die unerhörten Klänge
> Feinslieb, du lachst dazu (Herbstlied)
> Der dicke Darm
> Wenn der Sommer nicht mehr weit ist
> Ade nun zur guten Nacht
> Der Mond ist aufgegangen
Fazit
Ueber dreieinhalb Stunden Nettospielzeit, zwei meiner Lieblingskuenstler, zwei andere, die mich positiv ueberrascht haben, sehr geniales Zusammenspiel und 20 Euro Eintritt: Ich bin sehr froh, diese wohl einmalige Sache erlebt zu haben – da stoert einen das ewige Bahnfahren und der Schlafentzug gar nicht.
===
Oh oh, Respekt, falls sich das jemand ganz durchgelesen haben sollte. Ich konnt mich bei sowas einfach nicht kurzfassen.
Gute Nacht
Viktor
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#6

Beitrag von Petra » Do 22. Jun 2006, 12:41

Hallo Viktor,
Oh oh, Respekt, falls sich das jemand ganz durchgelesen haben sollte. Ich konnt mich bei sowas einfach nicht kurzfassen.

hast Du eine Ahnung, wie gerne ich lese! Das ist mir noch weitaus lieber als selbst zu schreiben.
Du hast das toll hinbekommen, Kompliment. 'Sich kurz fassen' ist nicht immer gut. Ein Bericht, in dem nur knallhart Fakten aufgezählt werden, ist mir viel zu trocken. Du hast ein angenehmes Maß an 'Drumrum' geliefert, ohne zu labern. Man kann ja nicht überall selbst hinfahren, deshalb freut es mich immer, wenn sich jemand die Mühe macht, andere teilhaben zu lassen. Außerdem warst Du auch noch schnell. Suuuper. *Daumen hoch*
Viele Grüße von Petra
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#7

Beitrag von Doro1100 » Do 22. Jun 2006, 22:42

Hallo Victor,
vielen Dank für die prompte Lieferung deines sehr informativen und ausführlichen Erlebnis-Konzertberichtes. ;-)
Erstaunlich wenig war bisher in der Presse über dieses Konzert zu finden, nachdem nach der Skandal-Konzert-Absage im Frühjahr das Thema mehrere Tage durch Funk und Fernsehen ging..
Wahrscheinlich uninteressant, da außer viel Musik dort nix passiert ist. Erfreulicherweise kam es nicht zu irgendwelchen Zwischenfällen mit rechten Gruppen!!! Ich wäre ich bei diesem außerordentlichen Konzert zwar gerne dabei gewesen, aber ich glaube ich hätte Vorort schon ein sehr mulmiges Gefühl gehabt...ob es nicht trotz grossem Polizeiaufgebot zu irgendwelchen Zwischenfällen kommen könnte… :roll:
„Mach die Tuere sachte zu// jedes ‚ich’ braucht auch ein ‚du’ braucht auch ein ‚wir’// jeder Mensch braucht mal ein Bier“.
Ich gebe zu, diese Liedzeile klingt nicht sehr anspruchsvoll und eher nach Sauflied (Es gibt übrigens tatsächlich ein Lied von Wenzel, welches diesen Titel trägt ;-)).
Aber ich bin froh, dass du deine anfängliche Meinung über ihn noch geändert hast. Ich kenne ihn noch gar nicht so lange, aber ich schätze mittlerweile seine sehr poetischen und feinsinnigen Texte sehr. Andererseits gibt es von ihm auch einige Lieder, die recht drastisch und derb sind. Man muss ja nicht alles mögen von ihm :-D - aber es lohnt sich auf jeden Fall sich mal mit diesem Künstler näher zu beschäftigen! Der außerdem auch noch Bücher- und Gedichtbände schreibt und
ebenfalls als Regisseur und Theatermacher tätig ist.
In der Pause sah ich auf jeden Fall einige Leute, die sich Strom und Wasser wohl niemals in einem kleinen stinkigen Club angeguckt haetten, mit einer CD in der Hand

Hi, hi....sehr treffend beschrieben, die Lokalitäten in denen normalerweise die Jungs aus der Liedermaching-Szene zu finden sind…
Strom & Wasser kenne ich bisher nur vom Tutzinger-Liedermachertreffen. Ich finde sie sehr interessant und originell, aber auch etwas ‚abgedreht’ . Nachdem ihr Konzert in Mainz vor einigen Wochen abgesagt wurde, gibt es seit heute einen neuen Termin für Ende des Jahres den ich (+ Sky! + Petra?) keinesfalls verpassen werde ;-)
Viele Grüße nach Delmenhorst !

Doro
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#8

Beitrag von migoe » Fr 23. Jun 2006, 23:20

Lieber Victor,
vielen Dank auch von mir für diesen wunderbar persönlichen und ansprechenden Konzertbericht - so liebe ich es, wenn andere erzählen.
Ich wäre auch gerne dabeigewesen :-D
migoe
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Liebe Grüße aus Rothenburg

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#9

Beitrag von JuergenF » So 25. Jun 2006, 23:01

Viktor: Ich möchte mich meinen drei Vorrednern einfach anschließen, danke!
Jürgen
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Wo ich hin will :-)
14.11.12 Hannes Wader in Kirchheim/Teck, Stadthalle
21.2.13 Uta Köbernick in Bietigheim Bissingen, Rommelsmühle
15.3.13
Annett Kuhr in Landau, Kreuz und Quer
3.5.13 Holger Saarmann, Tübingen

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#10

Beitrag von Petra » Mo 26. Jun 2006, 02:09

Hallo Marc,
Marc geht auf Konzerte:
17.06.06 - Nazis raus aus unserer Stadt - Halberstadt
_ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _
vielleicht sieht man sich ja dort?

falls Du auch dort warst, magst Du nicht erzählen, wie es Dir gefallen hat?
Viele Grüße von Petra

P. S. Das nächste Liedertreffen fällt ja nun auf Deinen Geburtstag. :cry: Kannst Du Dir da nicht was einfallen lassen? Ist doch noch so lange hin, in der Zeit muss doch eine Lösung zu finden sein... :gruebel:
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#11

Beitrag von Doro1100 » Mi 28. Jun 2006, 15:12

Zum Thema fand ich heute noch einen weitern Artikel in der "Neuen Rheinischen Zeitung":
hier nachzulesen!

Gruß Doro
:hutzieh:
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