Oaschleckn und so - Sigi Maron ist tot

Stell uns Deinen Lieblingskünstler vor, informiere uns über seine neue CD oder schreibe einen Konzertbericht. In diesem Forum kannst Du das tun, auch wenn es für Deine/n Liedermacher/in (noch) kein eigenes Forum gibt.

Beschreibung © by migoe | Foto © by Pixabay.com
Antworten
Benutzeravatar
Skywise
Moderator/in
Moderator/in
Beiträge: 1602
Registriert: Di 28. Okt 2003, 23:52
Hat sich bedankt: 1 Mal

Oaschleckn und so - Sigi Maron ist tot

#1

Beitrag von Skywise » Mi 20. Jul 2016, 13:49

Der österreichische Liedermacher Sigi Maron ist am 18. Juli im Alter von 72 Jahren verstorben.
Sigi Marons Image in der Öffentlichkeit dürfte sich salopp umschreiben lassen mit "wütender Stänkerer im Rollstuhl". Letzterer ist der Kinderlähmung zu verdanken, die ihn seit seinem 12. Lebensjahr zu einem Leben auf Rädern zwang. Der "Stänkerer" geht dagegen auf seine Wortgewalt zurück und seine nicht immer stubenreine Sprache, mit der er seine Lieder würzte. Seine Themen waren äußerst breit gefächert und reichten von bizarren Liedern ("Mei Hund is a Epileptika") bis hin zu tagespolitischen Texten. Er fiel vor allem durch seine unbequemen Lieder auf, die die kleine Welt ebenso beleuchteten ("Da Hausmeista") wie die heimlichen, gern unter den Tisch gekehrten Skandale ("Wir sind klein und du bist gross" über die Euthanasie-Experimente in einer Kinderpsychiatrie während der NS-Zeit, durchgeführt von Heinrich Gross, zum Zeitpunkt der Liedveröffentlichung Gerichtssachverständiger und SPÖ-Mitglied, oder "Obndessen" von seiner letzten Veröffentlichung, bei der er eine Verbindung herstellt zwischen dem Fischgericht, das einem just an der Adria so mundet, und den ertrunkenen Flüchtlingen, die sich ungewollt in die Nahrungskette vor Ort eingereiht haben).
Seinen größten kommerziellen Erfolg feierte er 1985 mit der von Konstantin Wecker produzierten Single "Geh no net furt" aus dem Album "Unterm Regenbogen", der dem Ansatz von Fabrizio de Andrè folgt, drastische Texte mit gefälligen Melodien zu verbinden (in diesem Zusammenhang ebenfalls erwähnenswert: Marons Übersetzung von Andrès "Andrea"), im Fall von "Geh no net furt" ein Monolog an einen sterbenden Selbstmörder.
Sigi Marons Karriere wurde immer wieder unterbrochen von gesundheitlichen Problemen, dennoch gelang ihm 2007 ein Comeback. 2014 begab er sich auf eine Abschiedstournee.
Gruß
Skywise
P. S. Die Tonträger Sigi Marons sind - vor allem außerhalb Österreichs - recht schwer zu bekommen, was aufgrund des oft nicht-kommerziellen Charakters verständlich ist. In der virtuellen Heimat von Sigi Maron findet man große Teile seines akustischen Werks allerdings für Freunde des Dateiformats MP3 derzeit zur kostenfreien Verfügung.
Dieser Beitrag enthält 344 Wörter


"Ist wirklich wahr - ich hab's in meinen Träumen selbst geseh'n ..."
Herman van Veen - "Die Clowns"

Antworten