Liedermacher-Revival

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Slide
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Liedermacher-Revival

#1

Beitrag von Slide » Do 4. Aug 2005, 13:00

Jede "Szene", jede Jugendkultur, jede Mode- oder Musikströmung erlebt nach einigen Jahren (meistens nach 20-30) ein Revival, bei dem die "kommerziellen" Teile nochmals ans Tageslicht gezerrt und (natürlich) von der Wirtschaft "ausgeschlachtet" werden.
Wieso ist/war das Eurer Meinung nach bei der Liedermacher-Szene nie der Fall?
Liebe Grüsse
Slide
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:piep:

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Marc
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Liedermacher-Revival

#2

Beitrag von Marc » Do 4. Aug 2005, 15:37

Hallo Slide,
Eine spannende Frage!
Ich bin der Ansicht, dass es eine Art Liedermacher-Revival gar nicht geben kann: Man kann doch nichts wiederbeleben, was über Jahrzehnte hinweg immer lebendig war!
Ferner fällt es mir schwer, Liedermacher einer Jugendkultur, einer Mode- oder Musikströmung zuzuordnen. Eine Mode ist ja meist von kurzer Dauer, besonders trifft dies doch auf den heutigen schnelllebigen Musikmarkt zu. Ausgenommen dem Aufkommen der Liedermacher mit Mey, Wader, Degenhardt Ender der 60er, waren Liedermacher demnach vielleicht nie wirklich "mode" oder "in" -Sie waren schlichtweg immer "da", parallel zum schnellebigen Musikmarkt.
Noch ein mal zurück zu dem Begriff "Revival". Das Problem (?) der Liedermacher-Szene besteht vielleicht in ebendieser Parallelität, die ich gerade beschrieben habe. Da auch Liedermacher-Newcomer nicht so richtig in den Trend der Macher des Musikmarktes passen, finden sie auch weniger Interesse bei diesen. Dies gilt aber sicher nicht für die Liebhaber der Musik von Liedermachern. Wie kann es sonst sein, dass Konzerte von einem relativen Newcomer wie beispielsweise Bodo Wartke starken Zulauf bekommen, er aber nicht ebenso stark von der Musik"industrie" forciert wird!?
Meinen letzten Absatz noch mal auf den Punkt gebracht: Besonders beim Publikum sehe ich Liedermacher nach wie vor beliebt. Schaue ich mich in den Konzertsälen von Hannes Wader, Reinhard Mey oder auch Konstantin Wecker (sprich: bei den "alten Barden") um, sehe ich auch einen recht großen Zuspruch jüngeren Publikums. Die Frage ist vielleicht, wie man ein Revival der Liedermacher in den Medien hinbekommen könnte. Und ob das überhaupt nötig ist.
Was die Verkaufszahlen der Platten von Liedermachern betrifft, kann man sogar einen Aufwärtstrend erkennen, (wenn man denn einen solchen Trend für ein "Revival" erkennen wollte). Hier ein Beispiel der Bestplatzierungen in den Charts der letzten Platten von Reinhard Mey (die Charts stellen vielleicht auch das einzige Zusammentreffen der Liedermacher-Szene mit dem schnelllebigen Musikmarkt dar).
Nanga Parbat (2004): 17 Wochen in den Charts, Bestplatz 2
Rüm Hart (2002): 21 Wochen in den Charts, Platz 4
Einhandsegler (2000): 27 Wochen in den Charts, Platz 7
Flaschenpost (1998): 33 Wochen in den Charts, Platz 7
Leuchtfeuer (1996): 22 Wochen in den Charts, Platz 26
Immer Weiter (1994): 12 Wochen in den Charts, Platz 21
Alles Geht! (1992): 17 Wochen in den Charts, Platz 28
Gruß, Marc
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So vergeht Jahr um Jahr
und es ist mir längst klar,
dass nichts bleibt,
dass nichts bleibt,
wie es war.

Hannes Wader

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Skywise
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Liedermacher-Revival

#3

Beitrag von Skywise » Do 4. Aug 2005, 16:25

Da stimme ich Marc in großen Teilen zu.
Unabhängig davon möchte ich noch hinzufügen, daß "die Industrie" mit den Liedermachern nie viel anfangen konnte, weil diese sich meistens aufgrund des ambitionierten, künstlerischen oder intellektuellen Anspruchs im allgemeinen nur schwer vermarkten ließen. Am besten ließ sich das vielleicht Ende der 70er Jahre feststellen, als ein wahrer "Liedermacher-Boom" herrschte und wirklich fast alles, was deutsch sang und sich möglichst unverständlich auszudrücken vermochte, als "Liedermacher" von den Plattenfirmen auf die Menschheit losgelassen wurde (vielleicht ist das mit ein Grund, daß sich die Menschheit in die Neue Deutsche Welle rettete :-D ), von den vielen namhaften Schauspielern, die damals von irgendwelchen Managern ins Studio getrieben wurden, um dort gesprochene Halbweisheiten zu einschmeichelnden Melodien von sich zu geben, will ich hier gar nicht erst anfangen.
Die kommerziell zumindest halbwegs erfolgreichen Liedermacher wurden im Laufe der Zeit größtenteils auf CD aufgelegt, ansonsten sind in den letzten Jahren immer wieder einige Testballons bezüglich Neuveröffentlichungen gestartet worden, denen jedoch anscheinend allen irgendwann die Luft ausging. Diese Versuche gab es ... nur - wenn man eben nicht damit glänzen kann, daß eine CD "den ultimativen Super-Duper-Hyper-Mega-Hit der legendären Liedermacher-Legende XY" enthält, weil es schlicht keinen gibt, fällt die Vermarktung eben schon etwas schwer :-)
In einigen Fällen mag außerdem die rechtliche Situation problematisch sein, weil viele Plattenfirmen von damals heute nicht mehr existieren.
Gruß
Skywise
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Liedermacher-Revival

#4

Beitrag von Slide » Fr 12. Aug 2005, 17:34

Lieber Marc
Ich bin mir nicht sicher, ob man Deine Liste mit den Bestplatzierungen in den Charts "wirklich" als Aufwärtstrend deuten kann:

Nanga Parbat (2004): 17 Wochen in den Charts, Bestplatz 2
Rüm Hart (2002): 21 Wochen in den Charts, Platz 4
Einhandsegler (2000): 27 Wochen in den Charts, Platz 7
Flaschenpost (1998): 33 Wochen in den Charts, Platz 7
Leuchtfeuer (1996): 22 Wochen in den Charts, Platz 26
Immer Weiter (1994): 12 Wochen in den Charts, Platz 21


Die letzten Platten von Reinhard Mey haben zwar immer bessere Chartplatzierungen errungen, waren insgesamt jedoch weniger lang in den Charts vertreten. Das sagt wohl eher etwas über das Kundenverhalten aus: Die Kunden haben in jüngerer Zeit die Tendenz, die R.M.-Platten gleich nach erscheinen zu kaufen. Liegt das vielleicht am Internet? Wenn den Fans ein Forum zur Verfügung steht, in dem sie über neue Platten diskutieren können (und nicht mehr im "direkten" Gespräch), müssen sie Platten eben schneller kaufen.
Gruss Slide
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:piep:

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