Konzertbericht Annett Kuhr (Rottweil 20.6.08)

Stell uns Deinen Lieblingskünstler vor, informiere uns über seine neue CD oder schreibe einen Konzertbericht. In diesem Forum kannst Du das tun, auch wenn es für Deine/n Liedermacher/in (noch) kein eigenes Forum gibt.

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JuergenF
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Konzertbericht Annett Kuhr (Rottweil 20.6.08)

#1

Beitrag von JuergenF » Do 26. Jun 2008, 23:10

Mein Herz ist ein Kornfeld voll Inseln aus Mohn -
Annett Kuhr beim "Heimspiel" in Rottweil
Ich hatte nur ganz wenig (allerdings durchaus Vielversprechendes) von Annett Kuhr gehört, als ich mich am Freitag auf den Weg nach Rottweil ins heimelige kleine Café "Cicero" machte, und erhoffte mir einfach einen netten Abend in mal etwas anderer Umgebung. So kam es aber nicht.
Sondern viel besser! :) Tatsächlich bin ich auch sechs Tage später noch ganz beschwipst, von Kuhrs Ausstrahlung, ihrer hohen Musikalität,ihrer ausdrucksstarken Stimme (um die mancher LM-Kollege sie beneiden mag), und einfach von ihren Liedern "mit der Liebe zum Detail" - dem Konzert- und
CD-Titel entsprechend. Eine Reihe davon will ich kurz vorstellen:
Mit dem Lied "Auf dem Marktplatz" heißt die Künstlerin ihr Publikum in ihrer Heimatstadt willkommen. Obwohl sie auf ihrer Homepage versichert, daß ihr das Provozieren nicht liege, geht es hier nicht ohne Sozialkritik ab, und vor allem
der (offenbar nicht ganz kleine) spießige Teil dieser Stadt bekommt durchaus sein Fett ab. Für zwei weitere Marktszenen schlüpft Kuhr selbst in die Rolle der Gemüsefrau: In "Lychee aus Mauritius" stellt sie den Kontrast zwischen ihrem Angebot exotischer Früchte im Dezember und den Betteleien von Vagabunden an ihrem Stand her. Die Szene mündet in einen doch überraschenden, menschlich
anrührenden Schluß. In "La Bossa" wiederum beobachtet die Marktfrau mit ganz besonders viel "Liebe zum Detail" ein Paar, das zusammen bei ihr einkauft; vor allem der weibliche Teil davon ein absoluter Drachen :), und Kuhr konstatiert:
"Mir bleibt die Ahnung ihrer Wirklichkeit".
Magdalena heißt das bedauernswerte Mädel, das für die "Dietrichs" putzen darf, und dies besonders gründlich tun muß, weil Frau Dietrichs Mutter kommt. Frau Dietrich träumt dafür gelegentlich nachts in der Küche von einem dunklen Mann :) Ein Lied, das auch musikalisch äußerst originell gestaltet ist, um die inhaltliche Dramatik (die Mutter kommt!!!) zu unterstreichen. Die beiden letztgenannten Werke sind übrigens durchaus geeignet, dem Single ein tiefes Gefühl der Erleichterung zu verschaffen...
Zwei Lieder mit viel Witz - die Reaktionen des Publikums bestätigten das - sind "Meistens anders" (ein figurtechnisch heikles Gespräch zweier Damen in der Anprobekabine mit Mißverständnissen) und "Hans"; Hans ist ein Esoteriker, welcher als Guru mit einem gewissen Klaus konkurriert. Bei diesem herrlich skurrilen Vortrag bekam eine Zuhörerin einen mittelschweren Lachanfall, der bis ins nächste Lied hinein andauern sollte. ;)
Ferner sucht Frau Kuhr einen Mann, aber bevor ihr euch Hoffnungen macht, Jungs, nicht für sich selbst, sondern für ihre Freundin. Die stand bisher auf blond (Titel: "Meistens blond"), und soll sich jetzt mal nen dunkleren nehmen, die
hätten nämlich meistens "etwas mehr Schmackes" (man hört es gern).
"Feder" ist das einzige von diesen Liedern, das ich vorher schon gehört (Hörsaal dieses Forums?), wenn auch vergessen hatte... und wahrscheinlich (unbewußt) der Grund, mich mit dieser Liedermacherin näher beschäftigen zu wollen. Eine Fast-Romanze, die keine ganze werden kann: "Ich hielt die Feder fest, nicht deine Hand".
"In der Bar Chéz Madeleine" ist ein temperamentvolles Werk, in dem Kuhr sich stimmlich in allen (reichhaltig vorhandenen) Facetten austoben kann. Eine Bar in einem halbzerfallenen Haus an einer Bahnstrecke irgendwo zwischen Nancy und Paris erwacht zu neuem imaginärem Leben. Nachdem mit getragener dunkler Stimme die passende geheimnisvolle Atmosphäre hergestellt ist, hebt die "alte Madame" um 4 Uhr morgens zu ihrem wildem Tango an, der mit der lauten Stoßseufzer "Ach die Liebe ist ein Problem!" beginnt, und nach weiteren Tiraden über die Unzulänglichkeiten unserer Lebensführung in der Klage über unsere Mittelmäßigkeit endet.
Ebenfalls sehr originell: "Rote Träume". Frau und Mann am Frühstückstisch, Frau fragt sich wohin die Gedanken ihres Partner wohl gerade schweifen. Beim Sinnieren darüber entwickelt sie selbst die buntesten Tagträume zwischen
Romantik und Alltagsbanalitäten, bis es schließlich ihr Mann ist, der fragt, woran SIE gedacht hat - und "ob sie es erzählen kann" ...
Und auch die Grundidee der "Souvenirs" ist nicht alltäglich: Vom Ex gibt es keine richtigen Souvenirs, dafür findet sie massenweise andere Erinnerungsstücke, bei denen ihr aber partout nicht einfallen will, an WEN (oder was) diese sie erinnern sollen ;o))
"Ausklang" ist ihrer verstorbenen Freundin Beatrix gewidmet, und es scheint mir gleich ein doppelter Ausklang zu sein: Abschied von der Freundin, und Ausklang der Erinnerungsfeier, die anderen gehen, nur zwei bleiben zurück; keine abgrundtiefe Trauer jedoch, denn "der Tod erscheint so milde wie ein Freund aus alten Träumen". An dieser Stelle darf der Hinweis nicht fehlen, daß der Tod in
anderen Programmen, mit denen sie unterwegs ist, eine gewichtige Rolle spielt (vgl. www.annettkuhr.de). Da ich vom "Abkratzen" (O-Ton Hannes Wader) schon immer fasziniert war, will ich mir das natürlich auch bald noch anhören.
Die Höhepunkte des Konzerts (aus meiner Sicht) folgen gegen Ende, zunächst die "Lampionblumen" (sie erklärte dem Publikum, was das ist; ihr dagegen habt ja Wikipedia und Co. :) ) Ein bezauberndes Liebeslied in Spätsommerkulisse, in die sich bereits der Herbst mischt, welcher aber gegen die Lampionblumen ums Haus nichts ausrichten kann. So daß auch die anfänglich bange Frage "Bleibst du heute bei mir?"bald der Gewißheit Platz macht: "Also, meine Prognose fällt positiv aus, zieh ich deinen Blick in Betracht". (Nur unter uns, ich bin mir sicher, er hätte ihrem Charme auch ganz ohne Lampionblumen nicht widerstehen können...).
Und dann: "Cabriolet" ("Vergessene Wege"), das ist nun mein ganz persönlicher Sommerhit :)) und gleichzeitig das schönste Liebeslied das ich kenne! Aus dem Cabriolet stammt auch die Titelzeile dieses kleinen Berichts. Und sorry, viel darüber zu schreiben, würde nur den Zauber zerstören.
Im letzten Lied, aus dem Zugabenteil, geschieht etwas was ich normalerweise nicht mag: Einem imaginären Du wird der Rat erteilt, "du selber zu sein". Oh nein, von diesen Befindlichkeitsanalysen wollte ich wirklich weg. Aber was soll
ich sagen, das Ding sprach mich trotzdem von Anfang an stark an. Wenn dein Turm, auf Sand gebaut, sich zur Seite neigt, bleibe doch "Herz und Haut". Nicht von jedem, aber von ihr, lasse ich mir zum Schluß dieses begeisternden Konzerts gern die aufbauende Prognose geben: "Dich trennt nur noch ein Wimpernschlag - vom Tag." Aber tatsächlich heißt dieses Lied "Selbstgespräch", d.h. alle Ratschläge sind zunächst mal für sie selbst gedacht, und anderen steht es frei,davon etwas mitzunehmen oder auch nicht.
Annett Kuhr eben, eindringlich und doch unaufdringlich, wie ihr ganzer Auftritt auf und neben der Bühne - die gar keine war, sie saß im Eck des kleinen Raumes, eingeschlossen von ca. 30 - 35 Zuhörern. Ein intimer Kreis sozusagen. Umgänglich war sie, freundlich, ansprechbar, aber ohne jede Anbiederung. Als "Mann mit dem längsten Anfahrtsweg" fand auch ich einige Beachtung, aber warum eigentlich, andere fahren viel weiter ganz ohne Konzert :)))
Kommen wir zum Schluß...ich fahre von Konzerten meistens mit einem guten Gefühl nach Hause, aber so inspiriert wie diesmal war ich wohl noch nie. Ich habe ihr auch angedroht, sie bald wieder heimzusuchen, bevor ich mich mit der frisch
signierten CD beschwingt auf den Heimweg machte.
Das war´s "schon", uii, sicher mein längster Beitrag hier ...
Liebe Grüße
Jürgen
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14.11.12 Hannes Wader in Kirchheim/Teck, Stadthalle
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Konzertbericht Annett Kuhr (Rottweil 20.6.08)

#2

Beitrag von Doro1100 » Do 26. Jun 2008, 23:38

Hallo Jürgen!
Vielen Dank für diesen ausführlichen und interessanten Bericht.
Ich habe Annett Kuhr schon mehrfach im Rahmen von der Künstlerakademie SAGO in Mainz erleben dürfen. Es hat mir jedes Mal außerordentlich gut gefallen. :-) (Pressebericht vom letzten Jahr)
Für zwei weitere Marktszenen schlüpft Kuhr selbst in die Rolle der Gemüsefrau

Ich glaube mich zu erinnern, dass sie auch tatsächlich als Marktfrau gearbeitet hat...:kopfkratz: (Sky weiß das mit Sicherheit, der kann sich ja immer alles merken..*gg*)
Im Hörsaal sind übrigens schon seit längerer Zeit 3 Lieder von ihr vertreten....!
Hoffe sehr, dass Annett Kuhr weiterhin bei SAGO dabei ist..im Herbst gibt's wieder ein Konzert dieser Künstlergruppe im Unterhaus in Mainz :-)
Gruß Doro
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#3

Beitrag von Petra » Fr 27. Jun 2008, 00:16

Hallo Jürgen,

Das war´s "schon", uii, sicher mein längster Beitrag hier ...

der Bericht über ein schönes Konzert kann gar nicht lang genug sein. :roll: Naja, das muss ich ja jetzt sagen. :rotwerd: ;-)
Du hast mir eine doppelte Freude gemacht: Erstens damit, dass Du überhaupt einen Konzertbericht geschrieben hast, und dann auch noch zweitens über Annett Kuhr, die ich sehr mag. Auch ich habe sie im Rahmen eines SAGO-Konzertes kennengelernt und bin seitdem stolze Besizterin der CD Wenn ich mal tot bin, mach ich was ich will. Zu Hause habe ich zwar gemerkt, dass die Lieder auf dieser CD nicht von ihr sind, aber gelohnt hat es sich trotzdem, ich mag ihre dunkle Stimme.
Du hast mir jetzt richtig Appetit auf ein Konzert gemacht. Am 29. August ist sie in Landau - wenn es das richtige Landau ist (45 km von Pirmasens entfernt), bin ich dabei. *freu*
Viele Grüße von Petra
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#4

Beitrag von JuergenF » So 6. Jul 2008, 21:51

Danke, Doro und Petra. Ja, das mit der Marktfrau könnte evtl hinkommen, das würde jedenfalls gut passen. Hihi, so streut man Gerüchte. :)
Dunkle Stimme stimmt auch ;) beim Cabriolet und der Bar Chéz Madeleine kommt sie allerbestens zur Geltung, unglaublich. Aber dann auch wieder glockenhell. So eine Stimme, die Musikalität auch als Komponistin, die Texte, schon fast eine Überdosis Kunstgenuß für heutige Verhältnisse. Ja, ich schwärme immer noch.
Sie hat meinen Bericht nun auf ihrer Homepage (Referenzen), was mich sehr freut!
LG,
Jürgen
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#5

Beitrag von JuergenF » Mi 27. Aug 2008, 17:19

Unter "Termine" finden wir das Finale des Liedermacherwettbewerbs in Hattersheim. Klar, daß da Annett auch dabei ist. :-) Und einen Tag vorher ist sie in Landau im Café Kreuz und Quer (20.00 Uhr) (und da bin auch ich wohl dabei).
LG
Jürgen
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#6

Beitrag von Petra » Mi 27. Aug 2008, 17:23

Hallo Jürgen,
hast Du Lust, mir mal persönlich ins Auge zu blicken, oder willst Du lieber inkognito kommen? ;-)
Und wo genau liegt eigentlich Hattersheim? :gruebel:
Grüßle, Petra
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#7

Beitrag von JuergenF » Mi 27. Aug 2008, 17:29

Hatte es Doro nicht seinerzeit auch erwogen? Klar blicke ich dir (euch) auch gern eiskalt ins Auge :-D
Hattersheim müßte bei Frankfurt (aM) liegen.
Jürgen
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#8

Beitrag von JuergenF » Sa 30. Aug 2008, 16:15

Somit konnte ich nun also in Landau beim Kuhr-Konzert "meine" ersten Foris live kennenlernen, Doro und Petra waren fällig. Wir haben gut gegessen und getrunken
und uns über die Liedermacherszene ausgetauscht. ;-)
Einige Worte zum gestrigen Konzert selbst. Das war ein zweigeteiltes Programm. Etwas platt gesagt: die erste Hälfte geht ums Leben, die zweite um den Tod.
Früher hat sie in Hospizen usw. nur Lieder über den Tod vorgetragen, später kamen dann nach und nach ihre eigenen Lieder über das Leben (aber natürlich auch den Tod, es gehört ja zusammen) dazu. Die Kombination beider Teile hatte sie sich zunächst so vorgestellt, daß zuerst die Todeslieder drankommen... und dann schütteln wir das ab und gehen fröhlich ins muntere Leben über. Das funktioniere
aber nicht! Auch gestern daher die umgekehrte Reihenfolge, zuerst die eigenen Lieder. Dafür verweise ich auf meinen ersten Bericht (Rottweil), nur daß ca. 4 - 5 Lieder davon
fehlten. Erwähnen muß ich aber ein neues Lied, das also auf der CD "Mit der Liebe zum Detail" nicht drauf ist. Es heißt "Der Kuß" und ist gigantisch gut. Ich glaube die Frau wird immer besser!
Im zweiten Teil erwartete uns dann eine durchaus eigenwillige Auswahl von "Todesliedern". Mein Gedächtnis ist ja schlecht, aber dabei waren Werke von Reinhard Mey (Wie ein Baum und "Nein, ich lass dich nicht allein"), von Friedrich Hollaender ("Wenn ich einmal tot bin, mache ich was ich will"), von der Schweizer Liedermacherin Selma Rolli (?), die auf Berndeutsch textet, so daß Übersetzungen notwendig waren (2 oder 3 originelle Lieder), sowie das Volkslied "Es führt über den Main" und ein sehr schönes jiddisches Volkslied, das den Titel des Abendprogramms "Nur ein Katzensprung" (übersetzt) trägt.
Ebenfalls einer Übersetzung (für Leute wie mich) bedurfte ein französischer Titel von Barbara, welchen ich sprachlich und musikalisch als sehr gelungen betrachte. Vielleicht weiß Doro oder Petra noch den Titel?
Die meisten "Todeslieder" dieses Abends enthalten eine beträchtliche Portion Witz und Esprit, was ich interessant finde: Offensichtlich ist ein Übermaß an Sentimentalität nicht das, was die Zuhörer in Hospizen brauchen.
Schön, daß Kuhr anschließend noch ausgiebig präsent war, so daß sie meinen Fragen nicht entkam. Kennenlernen durften wir auch ihre Liedermacher-Freundin Martina Gemmar, mit der sie demnächst wieder einmal gemeinsam auftritt. Nur das Publikum hat etwas geschwächelt, lediglich eine Zugabe sprang daher raus.
Jürgen
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#9

Beitrag von Petra » Sa 30. Aug 2008, 18:24

Hallo Jürgen,
Du bist ja ein schneller Konzertberichte-Schreiber, davon könnte ich mir mal eine Scheibe abschneiden. Es hat mich gefreut, 'fällig' gewesen zu sein. *g*
Da ich die CD 'über den Tod' schon länger habe, ist die Frage nach dem Barbara-Lied für mich leicht zu beantworten. Es heißt Nantes.
Wie Du ja schon erwähntest, wurde der Abend mit einem Lied eröffnet (Wie ein Katzensprung), das eigentlich in den Programmteil 'Wenn ich mal tot bin....' gehörte. Dafür wurde der Abend mit einem Lied abgeschlossen, das wiederum aus dem anderen Programmteil war. Es hat aber alles wunderbar gepasst, und man muss auch bei den Liedern über den Tod keine Angst haben, da wird wirklich nicht Trübsal geblasen. Das altbekannte Reinhard-Mey-Lied Wie ein Baum, den man fällt habe ich selten so gefühlvoll vorgetragen gehört. Es ist wie für Annetts Stimme geschrieben und hat mir Gänsehaut verursacht.
Besonderen Spaß hat mir auch der Crash-Kurs in Berndytsch gemacht. Als Freiburgerin ist mir Schwyzerdytsch nicht unbekannt, aber wenn man einen ganzen Text verstehen soll, ist es schon gut, wenn man vorher etwas Hilfestellung bekommt. Die Lieder von Selma Rolli (richtig gemerkt, Jürgen) haben mir gut gefallen.
Auch ist es Annett Kuhr gelungen, die Zuhörer zum Singen zu bringen. Eines der Lieder kann als Kanon gesungen werden. Um die Sache etwas zu vereinfachen, musste das Publikum jeweils nicht das ganze Lied, sondern nur einen der drei Teile üben. Zusammen gesungen, machte das dann schon ein bisschen was her. Welchen Teil haben wir denn gesungen, Doro, Jürgen? Fährmann, Fährmann, hol uns über oder so. :roll:
Ein schöner Abend im Café 'Kreuz und quer', wir sind geblieben bis zum Anschlag, also bis kurz vor Mitternacht.
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#10

Beitrag von Doro1100 » Sa 30. Aug 2008, 23:11

Hallo!
Ja, das war gestern ein toller Abend mit einem interessanten Musikprogramm, in schöner Atmosphäre, gemütlicher Umgebung und netter Gesellschaft! Bin froh, dass ich mich noch kurzfristig entschlossen habe nach Landau zu fahren.
Viele Grüße
Doro :-)

P.S. Jürgen wird ja dann beim LT 09 noch einige mehr Forümler persönlich kennen lernen. Und wehe, Du kneifst!!! :-D
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#11

Beitrag von JuergenF » So 7. Sep 2008, 17:00

Hihi, Doro, hab ich jemals gekniffen? :-D
So, und weiter geht´s mit Annett (sorry, ich kann nicht anders). Berichte vom Finale des angesprochenen Liedermacherwettstreits in Hattersheim
Ganz oben auf dem Treppchen aber landete Annett Kuhr, deren einfühlsame Balladen, markante, ungemein präsente Stimme und souveräne Präsentation nachhaltig überzeugte. :-)
Jürgen
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